Journal Donnerstag, 12. September 2019 – Fragwürdiger Reha-Sport

Freitag, 13. September 2019 um 7:03

In drei Blöcken dann doch ganz gut geschlafen – was nicht absehbar war, als ich zunächst vor Schmerzen nicht einschlafen konnte und vor Wut um mein Bett sprang in der Hoffnung auf Lockerung der schmerzhaften Verklemmungen.

Nebenwirkung meines Humpelns, Watschelns, Eierns: mehr Schritte. Die Zahl auf dem Schrittzähler meines Telefons ist allein schon für den Weg zur Arbeit und zurück etwa 20 Prozent höher als bei unbelastetem Gehen. (Um den doofen Spruch meiner Freundin Gisi zu wiederholen, die ich fürs große Rosenfest leider nicht wiedergefunden habe: Jedes Ding hat zwei Schattenseiten.)

Mittags ein Zöttl-Laugenzöpferl und Dickmilch mit Latwerge (nur noch anderthalb Gläser bis zur nächsten Zwetschgenlieferung), Nachmittagssnack ein Eiweißriegel.

Pünktlicher Feierabend, um zur Nach-Reha zu gehen. Die Gymnastikrunde wieder verheerend: I’m not an expert, but1 – zum Aufwärmen für eine Gruppe Bandscheiben-Geschädigter und Hüftoperierter Jumping Jacks? Aber das war nur ein Blödsinn, zudem wurde weder hingeschaut noch korrigiert. Jajaja, ich gebe es an die Leitung weiter.

Die Maschinenrunde absolvierte ich wieder ein wenig schneller, indem ich die Pause zwischen den Sätzen etwas abkürzte. Aber insgesamt bezweifle ich weiter die Sinnhaftigkeit der Maßnahme bei einer Patientin (mir), die eine gut trainierte Muskulatur hat. Ich nehme sie halt als die eine Krafttrainingseinheit, die ich schon immer als Basis-Sportprogramm für die Woche einplane. Das einzige Gerät, das mir wirklich Neues bringt, ist ein Gestänge mit Wackelboden, in das ich mich mit den Füßen auf einer Linie voreinander stelle, um so einen Ball von der einen Hand in die anderen zu übergeben und wieder zurück: Das fällt mir so schwer, dass ich leicht vom Nutzen zu überzeugen bin.

Heimweg in wundervollem Abendlicht mit noch wundervollerer Spätsommerluft, angereichert durch die eine oder andere Herbstnote. Auf der Theresienwiese ist die Spannung vor dem Oktoberfest immer stärker spürbar, seit ein paar Tagen werden auch die Fahrgeschäfte aufgebaut. Noch acht Tage bis Armageddon.

Daheim gab es Ernteanteilsalat (bereits von Herrn Kaltmamsell gewaschen) mit Tahinidressing (von mir – auch wenn Herr Kaltmamsell der eindeutig bessere Koch ist: Salat kann ich besser). Danach große Mengen Schokolade (derzeit haben mich die Tüten mit Miniversionen von Schokoriegeln von Mars über Twix bis Bounty).

In der Post war die nächste Ladung als Schöffin zu einer Amtsgerichtsverhandlung im Oktober, ich freute mich.

Fürs Techniktagebuch schrieb ich noch ein modernes Büroabenteuer auf:
„Mein Schreibtisch hat Bluetooth“.

§

Gestern viel verlinkt in meinem Internet: Ein Aufsatz im Spiegel.
„Sohn eines NS-Verbrechers über AfD-Rhetorik
Da spricht ja mein Vater!“

Wir Deutschen wurden durch unsere Massenverbrechen während des „Dritten Reiches“ zu einem auserwählten Volk: Wir wissen genau, dass mangelnde Zivilcourage, fehlendes Mitgefühl und verabscheute Toleranz zu Diktatur und Vernichtungslagern führen. Dennoch berauschen sich bestimmt so manche AfD-Sympathisanten – auch dank Gaulands Verkürzung der zwölfjährigen Massenmordorgie zum „Vogelschiss“ – wieder an Tiraden, die mein Vater vorformulierte. Der schrieb ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs: „Ich glaube an den Deutschen Geist. Er wird uns emporheben aus diesem Elend, in das uns der verrohte, sinnlos aufgehetzte Pöbel stürzen wird. Bei Gott, dieser Mob wird einmal leicht zur Ordnung gebracht werden. Nur durch die Diktatur wird Deutschland gerettet werden.“

(…)

Nur Demokratie kann Menschlichkeit garantieren.

§

Ein Hintergrundartikel des Bayerischen Rundfunks zum Forschungsstand und zu Mythen:
„Nein, Migräne sind nicht nur starke Kopfschmerzen“.

via @Holgi

§

Die (inzwischen ehemalige) Notaufnahmeschwester besucht eine greise Bekannte im Krankenhaus und macht sich so ihre Gedanken über den letzten Abschnitt eines langen Lebens:
„Der Rest ist Gnade“.

  1. Eigentlich wird geraten, Sätze nicht zu beenden, die man so anfängt, gell. []
die Kaltmamsell

15 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 12. September 2019 – Fragwürdiger Reha-Sport“

  1. Nina meint:

    Ich verstehe die Liebe zu süßen Miniaturen gut, aber das viele Verpackungsplastik! Verkneife ich mir daher mittlerweile ebenso wie Schokobons, Ostereier etc

  2. Sir meint:

    Sehe ich genauso. Ein Haufen unnützen Plastiks und Aluminiums. Aber mei, wenn man frisst schalt‘ sich’s Hirn aus.

  3. Ulla meint:

    Was mich noch mehr abturned ist die miese Qualität dieser Süßigkeiten, nur Zucker und wenig bis gar keine gute Schokolade. Habe ich zwar früher auch ab und zu gegessen, bis ich auf bessere Qualitäten gestossen bin.

  4. Hauptschulblues meint:

    Jetzt lasst sie halt in Ruhe ihre Miniversionsriegel essen.
    Immerhin hat sie kein Auto, geht zu Fuß, fährt mit dem Rad oder öffentlich und fliegt fast nicht. Und es werden Initiativen unterstützt, denen wahrscheinlich kaum eine der Kritikerinnen unter die Arme greift. (Schön, wenn H. sich in letztem Punkt täuscht.)

  5. Eva meint:

    Nix für ungut, aber die ersten drei Kommentare haben mich zum lauten Lachen gebracht, insbesondere die Verwendung des Verbs „fressen“ in Zusammenhang mit der Kaltmamsell. Ja mei, lest’s halt woanders und lasst’s der lieben Frau K. ihre Gaumenfreuden.

  6. Trulla meint:

    Ich möchte mal die Frage an einige Kommentierende (ist mir nämlich schon mehrfach aufgefallen) stellen, warum bei dem kleinsten Hauch von Kritik (wenn’s denn überhaupt so was war) so gern geraten wird “doch bitte schön woanders zu lesen“. Das erinnert mich stark an politische Auseinandersetzungen der 60er Jahre (ja, ist lange her, aber meine Zeit), wo die sogenannten braven Bürger uns als Aufmüpfige gern mit “wenn’s euch nicht passt, geht doch nach drüben“ (gemeint war die DDR) beschimpften. Das war genauso daneben.
    Wir lesen doch hier u.a. wegen der Vielfalt der angestoßenen Themen und reicht es nicht, das meiste gut und interessant zu finden? Muss es alles sein?

    Ich oute mich als generell angeregte Leserin, obwohl z.B. der ganze Sportkram völlig an mir vorbeigeht. Natürlich nicht der beklagenswerte Zustand des Skeletts von Frau Kaltmamsell. Da fühle ich Mitleid ob der Schmerzen und wünsche von Herzen Besserung.
    Heute finde ich – nicht nur – den Hinweis auf Niklas Frank sehr wichtig. Ich empfinde die aktuelle Situation genau wie er und bin erfreut und erleichtert, dass jetzt vermehrt Stimmen (Sascha Lobo u.a.) laut werden, die auffordern, Gegenwehr zu leisten gegen Lüge und Hetze. Ich kannte Franks Artikel bereits, ebenso wie einige seiner empfehlenswerten Bücher, die sich mit der Last quälen, Sohn eines solchen Vaters zu sein.

  7. Philippine meint:

    Der hingerotzte Satz „Aber mei, wenn man frisst, schalt‘ sich‘s Hirn aus“ ist aber kein anregender Diskussionsbeitrag, sondern unverschämt.

  8. Sandra meint:

    Welcher Hersteller besserer Qualität produziert denn ein annehmbares Snickers-Pendant? Manches Original ist einfach ein Original…Ich sehr das wie Hauptschulblues und denke auch, dass man hier ja wohl deutlich sieht, was alles mit großer Sorgfalt und viel Nachdenklichkeit, beinahe zu viel, wie ich finde, bedacht wird in Sachen Umweltschutz. Die Kritik hieran ist ein bisschen wie „Wer einen Fehler findet, darf ihn behalten“.

  9. Eva meint:

    Ich lese hier seit einigen Jahren sehr, sehr gerne mit. Ja, der von Frau Kaltmamsell verfasste ist vermutlich mein Lieblingsblog und könnte ich hier nicht täglich mitlesen, tät mir echt was fehlen. Ich erfreue mich an den persönlichen Alltagsdetails, genauso wie ich mich an Reiseberichten und den zahlreichen Links und Hinweisen erfreue. An dieser Stelle wiedermal ein herzliches Dankeschön!

    Ich finde, dass Kritik am Privatleben (!) von jemandem in einem Blog, der ebendieses mit einer breiten Öffentlichkeit teilt, tatsächlich nur bedingt was verloren hat, unverschämte Kommentare jedoch rein gar nichts. Frau Kaltmamsell dürfte die gegenwärtige Umweltdiskussion hinreichend bekannt sein. Was wollen Hinweise darauf, dass Schokoriegel viel Plastikmüll verursachen oder aus minderwertiger Schokolade hergestellt sind, eigentlich bezwecken? Dass Frau K. ihren Konsum derselben überdenkt? Dieses ewige (Ver-)Urteilen am Verhalten anderer geht mir tierisch auf den Keks und in diesem Fall denke ich mir tatsächlich, dass die Betreffenden einfach woanders lesen sollten und ihren Senf dort abliefern sollten. Oder dass sie eventuell mal nach einer von Fam. Kaltmamsells zahlreichen Bahnfahrten hier auftauchen sollten, um ihr umweltbewusstes Verhalten zu loben :-)

  10. Marieke meint:

    Dass man bei Migräne jeden Tag die gleiche Menge Kaffee trinken soll, war mir neu. Das erklärt allerdings meine Entzugs-Kopfschmerzen, wenn ich im Urlaub mal nicht an Kaffee herankomme.

  11. Simone meint:

    @Hauptschulblues:
    Das sehe ich genauso und finde die geäußerte Kritik ziemlich unpassend.

    Ich esse keine Minischokoriegel und fliege nicht, dafür fahre ich ein Auto. Irgendwas ist ja immer.

  12. Sebastian meint:

    Ich mag hier auch, dass die Kommentarsektion eine so lebendiger und erweiternde Teil des Blogs ist, der nicht auf Applaus und Bestätigung gebürstet ist. Durchaus auch genährt von der Kaltmamsell selbst, wenn sie wie jetzt eine Runde Bonbons in die Manege wirft.

    Ok, Beleidigungen sollten witziger sein, aber Jagenabeiimirauchverstehdichsogut ist es nie. Und, hm, was hier veröffentlicht wird, ist nicht mehr privat, oder?

  13. Croco meint:

    Bin in einem pietistischen Nest aufgewachsen und kenne diese Art der Kommentare seit Kindertagen. Seit ich Blogs lese, treffe ich sie wieder. Man schaut sich das Leben anderer an, mit Scannerblick und runtergezogenen Mundwinkeln. Sobald man etwas findet, was einem nicht passt, sei es ein lautes Lachen als Versuchung des Teufels, sei es eine Plastikverpackung zu viel, haut man drauf mit der Moralkeule.
    Damals galt „Richtet nicht damit ihr nicht gerichtet werdet.“
    Das gilt vielleicht heute noch.

  14. die Kaltmamsell meint:

    Meine Damen und Herren, vielen Dank für den Beistand – aber messen wir diesem Kommentar doch nicht mehr Bedeutung bei, als er hat. Hier hat jemand getrollt, und zwar erfolgreich. Er oder sie hat sich die Macht der Aufmerksamkeit erobert durch einen erprobten Mechanismus: Berechtigte Kritik verpackt in einen unberechtigte Tonfall. Hier wollte niemand zum Nachdenken anregen oder etwas verändern, sondern hat Emotionen, die er oder sie empfindet, abgeladen und bei den Lesenden verursacht. Wäre die Kritik unberechtigt, hätte man ihr auf der Sachebene begegnen können – doch so hat die Anfeindung einfach sinnlos für Aufregung gesorgt. Hoffen wir, dass es zumindest dem Angreifer / der Angreiferin dadurch besser geht?

  15. Feathers McGraw meint:

    Es ist mir persönlich ein Rätsel wie man hier auch nur einigermaßen regelmäßig mitlesen und denken könnte, Frau Kaltmamsell wüsste nicht was richtige Schokolade ist und wo man die herbekommt. Menschen mögen halt was sie mögen, und die Annahme, jemand anderes müsste nur mal, dann würde sie schon, ist hier nur mit einer ganz gehörigen Portion Dünkel zu erklären. Und „Frau Kaltmamsell mit ungefragtem Rat zu überhäufen“ mit „Gegenwehr zu leisten gegen Hetze“ auch nur in den selben Textabsatz zu stellen finde ich reichlich unverschämt.

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