Journal Samstag, 26. Oktober 2019 – Nusstorte, The Testaments und Abend im Neni

Sonntag, 27. Oktober 2019 um 9:06

Ausgeschlafen, nach nur wenigen Unterbrechungen erfrischt aufgewacht.

Das Wochenende war als nochmal zwei Sommertage angekündigt, mit wolkenloser Sonne und bis zu 20 Grad. Vor einem halben Jahr hätte das selbstverständlich mindestens einen Wandertag bedeutet, aber das geht halt jetzt nicht. Mir wird immer klarer, wie sehr sportliche Bewegung für mich auch Aneignung des Draußen und der dinglichen Welt bedeutet.

Nach Veröffentlichung des Blogposts buk ich, und zwar die Engadiner Nusstorte nach dem Kommentar von Frau Weh. Funktionierte problemlos, ich hatte sogar Chaigewürz zum Drüberstreuen im Haus. Da ich für den Deckel der Torte die Ausstech-Variante wählte, blieb genug roher Teigrest als Frühstück.

Ins Draußen ging ich für Einkäufe, schön langsam.

Mehl und Honig im Biosupermarkt, Meisenknödel am Viktualienmarkt. Auf dem Rückweg wollte ich einen Schlenker zu einem neuen Supermarkt in der Sendlinger Straße machen, auf den ich neugierig war – aber das Gehen war nach einer halben Stunde so verkrampft und mühsam geworden, dass ich lieber kürzeste Wege nahm: Wasserfilter, Klopapier, Pflaster in der Hofstatt – wo ich entdeckte, dass im Obergeschoß ebenfalls ein neuer Supermarkt aufgemacht hatte.

Zurück daheim aß ich einen aufgetauten Bagel mit Lachs und den restlichen Fenchel-Orangen-Salat vom Vorabend. Ich hatte schon während meiner Einkaufsrunde immer wieder gegähnt und war sehr müde. Herrn Kaltmamsell ging es auch so – vielleicht hat uns der Erkältungsvirus doch noch am Wickel. Ich legte mich ins Bett und schlief anderthalb Stunden tief.

Ein wenig Lesen im sonnendurchfluteten Wohnzimmer.

Die Blumen sind das Geschenk eines Gasts des Rosenfests: Wir bekommen alle paar Monate einen Strauße geschickt – eine bezaubernde Idee.

Zum Abendessen lud ich Herrn Kaltmamsell zum Dank für seine Dienste als Blogheinzelmännchen zum Essen ein. Er hatte sich unter meinen fünf Restaurantvorschlägen das Neni am Hauptbahnhof ausgesucht. Der Gastraum ist groß und vor allem hoch, aber ziemlich düster (das mag tagsüber durch die Oberlichter anders sein); er war gesten Abend gut besucht – was für eher plauder-unfreundliche Lautstärke sorgte.

Wir wurden freundlich und aufmerksam umsorgt und aßen sehr gut Nahöstliches auf der Basis des Haus-Menü „Best of Neni“: eine Auswahl von Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts. Dazu bestellte ich eine Flasche Pouilly Fumé ‚Les Moulins à Vent‘, der mit kräftigem und vielfäligen Aroma gut gegenhalten konnte.

Vorspeisen waren (von unten): eine warme Kürbissuppe (mit Scharf), Falafel, Babaganusch, Mango-Hummus.

Von unten: Sabich, Tomate mit Bohnen, Hamshuka.

Korean Fried Chicken Salad.

Als Dessert Cheesecake und ein sahniges Tiramisu. Nahöstlichen Mokka zum Abschluss bot die Karte leider nicht.

Ich fand auch das Gesamtkonzept interessant (Neni ist eine Kette – was wahrscheinlich saisonales und regionales Sourcing verhindert), von der Raumgestaltung und Deko bis zur Servierform, zu sonstigen Abläufen und der Kleidung der Angestellten war alles offensichtlich durchdacht.

Diesen Teil der Einrichtung musste ich dringend fotografieren: Das sind die Küchenstühle meiner frühen Kindheit.

Dieses Foto von mir müsste 1973 aufgenommen worden sein.

Wir flanierten über die Sonnenstraße nach Hause, es war immer noch so warm, dass wir unsere Jacken nicht schließen mussten.

Im Bett las ich Margaret Atwoods The Testaments aus. Ich bleibe auch nach Abschluss der (durchaus interessierten) Lektüre dabei: Kommt nicht im Entferntesten an The Handmaid’s Tale heran. Atwood gibt im Nachwort ja zu, dass der Roman eine Antwort auf die Frage der Leserinnen und Leser ihres Meilensteins ist: Wie ging es weiter? Die einzige neue kreative Note, die sie dem Kosmos aus The Handmaid’s Tale gibt, ist die der Aunts, klar gestalte nach dem Vorbild mittelalterlicher bis frühneuzeitlicher Frauenklöster: Damals die einzige Möglichkeit für Frauen, sich zu bilden, intellektuell zu verwirklichen – und eine Form von Macht auszuüben.

Für den Guardian schlüsselt Julie Myerson meiner Meinung nach besonders gut auf, warum The Testaments unterm Strich eine Enttäuschung ist (Achtung Spoiler):
„The Testaments by Margaret Atwood review – hints of a happy ending“.

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Wie eine türkische Stadt einen komischen Mitbürger integriert, erzählt als Twitter-Thread.

§

Fetzige Musik, Video featuring @journelle im rosa-schwarzen Badeanzug.

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https://youtu.be/ARX6L9AZF3w

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Samstag, 26. Oktober 2019 – Nusstorte, The Testaments und Abend im Neni“

  1. Hauptschulblues meint:

    So ein Stuhl ist im Hause H. noch in Gebrauch, allerdings in Rot. Foto demnächst im Blog.

  2. Frau Weh meint:

    Und, schmeckt er, der Kuchen?
    Viele Grüße von
    Frau Weh

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