Journal Sonntag, 27. Oktober 2019 – Abschied vom Oktobersommer

Montag, 28. Oktober 2019 um 7:03

Schlaf wieder eher zerstückelt, aber bei zehn Stunden brutto blieb genug netto.

Morgens erst mal die Uhren alle auf Winterzeit zurückgestellt, also Backofenuhr, Baduhr, Wecker (dabei Herrn Kaltmamsell ferngehalten mit der Ansage: „Zerbrich dir nicht dein hübsches Köpfchen mit solchen Problemen.“).

Der Sonntag brachte nochmal Spätsommer. Ich bloggte und las gemütlich, bevor ich mich duschte und anzog. Das Semmelnholen verband ich mit einem Spaziergang durch die wundervollen Farben über den Südfriedhof (sechs! Eichhörnchen gesehen!). Allerdings fühlte ich mich irgendwie gar nicht gesund, es wollte doch wohl nicht der Infekt zurückkommen?

Locken heißen auf Bayrisch ja auch „Schneckerlhaar“, ein lockenhaariger Mensch ist „g’schneckerlt“. Drum.

Nach dem Frühstück setzte ich mich in einem Sessel auf den sonnigen Balkon und las die Wochenend-SZ. Dann half alles nichts, ich machte ich mich nochmal ans Bügeln: Zum einen bügelte ich Winterkleidung auf, zum anderen aktuelle T-Shirts etc. Das waren nochmal zwei Stunden Lebenszeit, ich hoffe, bis zum nächsten Wechsel Sommer- gegen Winterkleidung wird’s nie mehr so viel auf einmal. Dabei hörte ich einen lange offenen Tab weg: Eine SWR2-Sendung von 2018, Vertonung eines sehr klugen und geschickt argumentierten Essays von Margarete Stochowski:
„Das größte Rudel der Welt: Einige Gedanken über sexuelle Belästigung“.

Hier der Text des Features zum Nachlesen.

Allerdings bin ich hochgradig verdutzt von dem Stephen-Fry-Zitat, das hier verwendet wird: In welchem Zusammenhang mag er sich nur bemüßigt gefühlt haben, Aussagen über weibliche Sexualität zu machen, noch dazu so dumme?

Nachmitagssnack: Engadiner Nusstorte, die mir sehr gut schmeckte.

Nächstes Buch angefangen: Juan Moreno, Tausend Zeilen Lüge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus. Und wieder ging es mir wie mit bislang allen Texten von ihm, die ich seit mindestens 15 Jahren lese: Ich lachte an einigen Stellen besonders laut, weil ich ein Zwinkern von Kind eines spanischen Gastarbeiters zu Kind eines spanischen Gastarbeiters spürte – auch wenn wahrscheinlich sowohl sein andalusischer als auch mein madrilenischer Vater sich dagegen verwahren würden, als selbe Sorte Spanier wahrgenommen zu werden.

Es wurde schon arg früh dunkel, aber wir werden uns gewöhnen.
Abendessen kam diesmal wieder von Herrn Kaltmamsell: Er hatte Wirsing aus Ernteanteil verarbeitet, dazu fränkische Bratwürst, Direktimport, aus der Gefriere geholt. Und Kartoffelpü. Also nochmal richtig gut essen, bevor uns die Wahlergebnisse aus Thüringen auf den Magen schlugen.

§

Maximilian Buddenbohm schreibt Wahres:

Das Pflichtgefühl erreicht Stellen im Hirn, da kommt Entspannung gar nicht hin.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Sonntag, 27. Oktober 2019 – Abschied vom Oktobersommer“

  1. Chris Kurbjuhn meint:

    Der Zusammenhang war ein Interview für eine schwule Zeitschrift und er fühlt sich (mehrfach) falsch zitiert:

    https://www.telegraph.co.uk/culture/tvandradio/8099784/Stephen-Fry-angers-feminists-by-claiming-women-do-not-enjoy-sex.html

  2. Julia Richter meint:

    Bratwurst, Wirsing, Kartoffelpürree – da hatten wir über hunderte Kilometer hinweg wohl die gleiche Idee. Das ist so ein herrlich bodenständiges, herzhaftes Herbst-/Winteressen!!

  3. Joël meint:

    Wussten Sie dass der Begriff schneckeln ein gängiger Begriff von Maskenbildnern ist?
    Darunter versteht man das Eindrehen von Haaren zu runden, kleinen „Schnecken“ die sehr flach und nah am Kopf liegen und mit Klemmen befestigt werden. Damit wird ein Untergrund geschaffen der so wenig wie möglich Platz wegnehmen soll und zugleich Fixierungspunkte bringt, um eine Perücke aufzusetzen.

  4. Sigrid Rettig meint:

    Bitte, liebe Kaltmamsell, es gibt keine Winterzeit. Es gibt die Sommerzeit und es gibt die Normalzeit.

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