Journal Samstag, 25. Januar 2020 – Faschingslicht

Sonntag, 26. Januar 2020 um 9:11

Ruhiger Samstag. Draußen herrschte ein Licht, das ich mit Fasching verbinde: Fahle und leicht gelbliche Wintersonne beschien kahle Bäume und Böden, kein Winde bewegte sich, es war kühl, aber nicht kalt, samstägliche Ruhe in den Wohnstraßen. Gleich würden ein paar Kinder ums Eck biegen, die über ihren Winteranoraks verkleidet waren, Faschingsschminke im Gesicht, und mit Spielzeugrevolvern Zündplättchenstreifen knallen lassen.

Nach unruhiger Nacht hatte ich bis fast acht Schlaf nachgeholt. Aus der am Vortag spontan gekauften Bergamotte-Zitrone kochte ich Ankes 10-Minuten-Curd, um herauszufinden, welche Geschmacksnote die Zitrone zur Bergamotte machte.

Vor dem Fenster beobachtete ich Eichhörnchen in den alten Kastanien. Eines sah ich daran Knospen abbrechen, schälen und fressen – mögen Eichhörchen Salat?

Arztanweisungsgemäß dehnte ich die Hüftmuskulatur und walkte mich mit der Faszienrolle. Meine Suche nach Anweisungen auf YouTube ergab, dass sich bei Letzterem bereits verschiedene Schulen gebildet haben, deren Regeln einander widersprechen, die alle eine Kausalkonstruktion zur Begründung vorweisen können – natürlich keine davon durch Messungen/Empirie belegt. Wie halt bei fast allen anderen Sportanweisungen auch (z.B. beim Thema Aufwärmen, Sporthäufigkeit, Nahrungsergänzungsmittel); es wird lustig rumgemeint. Ich werde ausprobieren müssen.

Zum Frühstück holte ich Semmeln, aß sie mit Frischkäse und Bergamotte Curd – schmeckte nur leicht anders als das von schlichten Zitronen (ich muss mal zum Vergleich eines aus Amalfi-Zitronen machen, die sehr charakteristisch riechen). Nachtmittags buk ich aus einem übrigen Apfel und Blätterteig aus der Gefriere Apfeltaschen.

Internet- und Zeitunglesen. Abends kochte Herr Kaltmamsell Rindsrouladen, ich steuerte das Kartoffelpü bei.

Die Rouladen waren wunderbar zart geworden und schmeckten sehr gut, der Kartoffelbrei eher bröcklig, weil die Kartoffeln speckig gewesen waren.

Im Fernsehen ließen wir dazu Vier Hochzeiten und ein Todesfall laufen – meine Güte, waren da alle noch jung! Ist ja auch schon 26 Jahre her, dass der Film in die Kinos kam – /o\.

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Eine Liebeserklärung an Irland in einem Twitter-Faden.

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Vergangene Woche viel durch mein Internet gereicht: Ein Interview mit der Holocaust-Überlebenden Regina Steinitz.
„Jüdin Regina Steinitz: ‚Mein Liebling, auch du hättest dein Maul gehalten'“.

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Gute Besprechung von Bov Bjergs Serpentinen im Tagesspiegel:
„Neues vom ‚Auerhaus‘-Autor
Bov Bjergs Roman ‚Serpentinen'“.

Auch auf SWR2 wird der Roman eingehend besprochen, von Carsten Otte als „Buch der Woche“. (Im eingebundenen Facebook-Video wird der Buchtitel immer „Seapmtihn“ ausgesprochen – ich kann mir vorstellen, dass das Bov gefällt.)

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Samstag, 25. Januar 2020 – Faschingslicht“

  1. Hauptschulblues meint:

    Ja, Eichhörnchen mögen Salat. Bei H. im Garten fressen sie Haselnussknospen und sogar die bitter schmeckenden Knospen der Eichen. Die Buchen lassen sie links liegen.

  2. Anne meint:

    Gerade zufällig im TV über die Wiederholung gestolpert:
    www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-volkskrankheit-arthrose–was-schuetzt-was-hilft-102.html
    Gute Besserung!

  3. Trulla meint:

    Ein tief berührendes Interview mit der Holocaust Überlebenden Regina Steinitz. In diesen Tagen des Gedenkens kommen zwar in vielen Publikationen noch lebende Zeitzeugen zu Wort, was unendlich wichtig ist. Manche Artikel entgehen einem aber leider dennoch.

    Ich danke Ihnen daher von Herzen für den Link.

  4. Joriste meint:

    vielen Dank von mir für diese wunderschöne Beschreibung bzw dem Herstellen dieser Verbindung zwischen dem Licht dieser Tage und Karneval. Genau so ist es nämlich, pengpeng. Und diese bestimmte Kälte durch nur PippiLangstrumpfkostüm unter der Winterjacke.

  5. Gaga Nielsen meint:

    Immer wieder muss man den Menschen von ganz persönlichen Schicksalen berichten, mit ganz vielen privaten Details, wenn man die grauenvollen Verbrechen der Nazis bestürzend nachempfindbar machen will. So wie Regina Steinitz, die sich so genau an die Straßen ihrer Kindheit erinnert, die Hausnummern, die kleinsten Begebenheiten. Das von ihr erwähnte Haus in der Auguststraße 50b, das es nicht mehr gibt, war auf der Parzelle, auf der sich auch mein Wohnhaus mit der Nummer Auguststraße 50, Ecke Joachimstr. 17 befindet (erbaut 1997). Ich schreibe diesen Kommentar gerade, während ich in diesem friedlichen Haus unbehelligt im Warmen ruhen kann. Alle von ihr erwähnten Straßen gehören seit 21 Jahren zu meinem täglichen Lebensmittelpunkt. Aber solche Parallelen braucht es gar nicht, um dem Berichteten mitzufühlen. Ist nur eine dichtere Nähe, die einen schlucken lässt.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Ja, Gaga, ich musste beim Lesen an dich denken, und die beschriebenen Straßen sind auch mir gut bekannt – in der ehemaligen Mädchenschule habe ich auch schon gegessen.


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