Journal Freitag, 24. Januar 2020 – Amselimmobilienkrise und Beifang aus dem Internetz

Samstag, 25. Januar 2020 um 8:45

Wie schon in der Nacht zuvor richtig gut geschlafen. Da ist SO SCHÖN.

Gangbild deutlich verbessert, Schmerzen deutlich geringer – schon verfiel ich beim Gehen gedankenlos in mein gesundes Tempo. Sofortiger Hüftprotest bremste mich dann.

Geradezu fröhlich Dinge abgearbeitet, derzeit liegt mir nichts quer im Magen.
Mittags zwei Brezen, ein Stückchen Käse, eine besonders gute Orange.

Mit der U-Bahn eine Station gefahren, im Vollcorner eingekauft und Leergut weggebracht. Sehr langsam heimspaziert. Nächste Woche nehme ich statt öffentlicher Verkehrsmitteln lieber das Rad, damit vermeide ich deutlich mehr schmerzhaftes Gehen – gestern war ich schon wieder bei weit über 10.000 Tagesschritten.

Vor unserem Haus wieder mehrstimmiges Amslerichgebrüll: Ich nehme an, dass sich die Wohnungsnot in der Münchner Innenstadt auch auf die Vogelwelt auswirkt und man sich in Amselkreisen besser mal rechtzeitig das Revier freiflötet.

Ich war mit Herrn Kaltmamsell verabredet. Als Aperitiv servierte ich uns Oliven, eingelegten Ziegenkäse und Moscow Mules, Herr Kaltmamsell bereitete Miesmuscheln in Sahnesoße zu, mit Lauch, Karotten, Speck, dazu gab es einen galicischen Marisa blanco. Alles ganz ausgezeichnet, zum Nachtisch Schokolade. Früh ins Bett.

Über „Be the best version of yourself“ nachgedacht. (Anlass war der Anblick einer Frau auf der Straße, zu der die innere Mama-Off-Stimme meiner Kindheit zischte: „Wenn die bloß ein paar Kilo abnähme, wäre sie eine Model-Schönheit.“) Was ja gern als Gegenbewegung zur Selbstoptimierung verkauft wird. Erstens: Wer legt fest, was „best“ ist? Zweitens: Bei der entsprechenden Veranlagung sieht man immer eine Steigerungsmöglichkeit – und kann sich mit diesem Leitsatz immer ungenügend fühlen. Ergo: Ein weiterer Garant für Unglücklichsein.
Ja älter ich werde, desto mehr kann ich Durchwurschteln feiern: „Be the version of yourself you get along with most easily.“
Nicht als Patentrezept! Kein Patentrezept berücksichtigt, wie verschieden Menschen sind.

§

Das darf NIE normal werden und nur ein Schulterzucken auslösen: Der Journalist Hasnain Kazim schildert, wie es ist, auf Todeslisten zu stehen und täglich Morddrohungen zu bekommen.
„Hass gegen Journalisten:
‚Und morgen bist du tot!'“

Ich lese auf Twitter und Facebook Sprüche von Betroffenen wie „Morddrohungen sind für mich ein Ansporn, weiterzumachen!“, „Jetzt erst recht!“ oder „Ich bleibe stark!“ Das ist gut, aber es ändert nichts an dem strukturellen Problem, nämlich dass wir eine Menge Leute in unserer Gesellschaft haben, die Morddrohungen für eine legitime Meinungsäußerung halten.

Vorher hatte Nicole Diekmann im Branchenblatt journalist auf der Basis ihrer vielen Jahre Online-Erfahrung einen Essay geschrieben, in dem sie mit der Blasiertheit der traditionellen Medienwelt gegenüber Social Media abrechnet:
„Wir dürfen Twitter und Facebook nicht dem Mob überlassen!“

Aber ich habe auch eine Überzeugung, und deshalb gehe ich weiter in die Fußgängerzone, um mal im Bild zu bleiben. Zwar mache ich da einen Bogen um Pöbler – wenn mich einer von denen belästigt, dann allerdings reagiere ich. Und sei es nur mit dem höflichen Hinweis, dass diese Art der Kommunikation weder meine ist noch die aller anderen Leute in der Fußgängerzone.

Denn wenn ich nicht mehr hingehe und andere sich ebenfalls zurückziehen, dann passiert das, was Kriminologen „Broken Windows Theory“ nennen. Die besagt, dass ein Stadtviertel schneller von Kriminellen heimgesucht wird, wenn es verwahrlost. Ein zerbrochenes und nicht ersetztes Fenster in einem Haus hier, nicht weggeräumter Müll auf der Straße da – das Signal ist: Hier kümmert sich niemand um Recht und Ordnung. Diejenigen, die an einem Leben in Ruhe und Frieden interessiert sind, ziehen weg. Das Stadtviertel geht vor die Hunde.

Exakt das ist mit Social Media passiert.

§

Smilla ist wieder da! Sie ist mit ihrem einstigen Blog Anders anziehen umgezogen und schreibt jetzt als Smillas Blog über Menschen und Orte.

§

Lydia gibt einen weiteren Einblick in ihren Alltag als Blinde und erklärt:
„Der Blindenstock in der Praxis“.
(Blogs sind toll.)

§

Hazel Brugger über Geschwisterliebe (und auf Schwyzerdeutsch – ich habe nur 10% nicht verstanden).

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https://youtu.be/jMzl0HGRMkE

Geschwister sind sowas wie Übungsmenschen für echte Menschen!

(Es gibt Untertitel hinter dem Zahrad.)

via @DieJuramama

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Freitag, 24. Januar 2020 – Amselimmobilienkrise und Beifang aus dem Internetz“

  1. Croco meint:

    Wir hängen hier und lachen. Ja, wir haben beide Geschwister.
    Ja, die Prügeleien mit meiner Schwester waren die ehrlichsten Zeiten.
    Danke für Smilla.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Bei uns war der Altersunterschied zu groß für echte Prügelei, Croco, es war immer ich, die den kleinen Bruder durch Gewalt gemaßregelt hat. Als er groß genug war, sich wirkungsvoll zu wehren, wohnte ich schon nicht mehr daheim.

  3. Hauptschulblues meint:

    Bei H. war der Altersunterschied auch zu groß fürs Prügeln, 5 und 7 Jahre sind die Geschwister jünger. Er hat sie sekiert – im Nachhinein nicht schlimm, damals aber für sie schon, wie sie sagen.
    Er war sauer, dass er die Schwester mit seinen 5 Jahren versorgen musste, zwei Jahre später dann den Bruder. Die Eltern arbeiteten beide, der Vater am Bau und die Mutter auf dem Feld. Er hätte viel lieber gespielt.
    Geprügelt hat er sich durch Grundschule und Gymnasium bis zur 10. Klasse, beinahe täglich: Landjungengangs in Niederbayern.

  4. Croco meint:

    Ein geringer Altersunterschied ist von großem Vorteil bei Geschwisterprügeleien. Herrn Croco fehlt immer noch ein Stück Zahn und ich habe Narben von den Bisswunden.
    In der Schule habe ich mich nie geprügelt, besser gesagt, ich habe nie zurück geschlagen. Das lag vermutlich daran, dass ich alleine und die anderen eine richtige Gang waren.


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