Journal Montag, 10. Februar 2020 – Umtost von Sabine

Dienstag, 11. Februar 2020 um 6:07

Früher Wecker, um Zeit für eine weitere Runde Yoga mit Adriene zu haben: Gestern wurde nur gedehnt. (Einbeiniges Stehen auf der wehen Hüfte war in einem überraschenden Maß unmöglich – dabei kenne ich diesen stechenden Großschmerz doch vom tägliche Sockenanziehen, selbstverständlich weiterhin hartnäckig im Stehen.)

In den Morgenstunden war der angekündigte Orkan Sabine eingetroffen. Herr Kaltmamsell hatte schon am Vorabend erfahren, dass der Schulunterricht im ganzen Landkreis abgesagt worden war und freute sich auf zusätzliche Zeit, ich wiederum war gespannt, wie groß die Ausfälle im Büro sein würden.

Sicherste und verlässlichste Art des Arbeitswegs wäre bei mir Gehen gewesen – hätte aber in meinem derzeitigen Zustand eine Stunde gedauert. Also halt doch wieder Fahrrad: Ging, nur ein kleines Stück erforderte wegen Gegensturms den kleinsten Gang.

Am Vormittag dann vorm Bürofenster Wolkendrama und auch mal ein richtiger Regensturm, der sich aber bald beruhigte. (Große Verlegenheit ob Ihrer Wiedersehensfreude in den Kommentaren.)

Mittags ein Schmalzbrot aus selbst gebackenem Brot und Entenschmalz vom Sonntagsbraten, nachmittags zwei Blutorangen.

Auf dem Heimweg ein Abstecher in den Teeladen in der Sendlinger Straße: Nachdem am Wochenende eine Teedose leer wurde, sollte sie mit Lapsang Souchong gefüllt werden. Ich wählte aus den drei angebotenen Sorten die mittelintensive. Der Sturm hatte sich ein wenig beruhigt. (Wir kennen hoffentlich alle jemanden, die derzeit die BILD-Schlagzeile „ANGST VOR SABINE“ als WhatsApp-Profilbild nutzt?)

Vor dem Abendessen entspannte ich mich daheim mit einem Martini und dem Vergnügen, auf instagram-Werbung zu antworten.

Die Reste vom Wochenende ergaben zum Nachtmahl ein chinesisches Entengröstl, im Fernsehen lief X-Men 2 (die Coming-out-Szene ist wirklich witzig).

§

Schon am Sonntag Deadline von Bov Bjerg ausgelesen. Ziemlich deutlich ein Vorläufer von Serpentinen, deutlich direkter als Auerhaus: Auf der einen Seite stilistisch mit wiederholte Wortwendungen („Slash Rekonstruktion“) und nicht-realistischer Erzähltechnik (hier ständig Synonyme, die der Ich-Erzählerin, von Beruf Übersetzerin, als Übersetzungsmöglichkeiten durch den Kopf gehen). Auf der anderen mit seinem Setting in der schwäbischen Alb, einer kleinbürgerlichen Dorfgemeinschaft, mit Befreiung durch Ausbruch daraus, einem Alkoholikervater, der sich umgebracht hat, dem Friedhof, dem einen Einzelgänger. Aber im Gegensatz zu Serpentinen haben wir hier Schwestern statt Brüder und die Perspektive einer Frau. Erzählt wird die Geschichte dieser mitteljungen Frau, die von ihrem Wohnort, einer Großstadt in den USA, zum Flughafen aufbricht: Sie fliegt in ihren deutschen Herkunftsort zu ihrer Familie.

Ein sehr guter Erstling.

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„Land ohne Ende: Unvollendete Bauten in Italien
Seit zehn Jahren katalogisiert ein Künstlerkollektiv unvollendete Bauten in Italien. Sein Ziel: das ‚incompiuto‘ zum Stil zu deklarieren“.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Montag, 10. Februar 2020 – Umtost von Sabine“

  1. Joriste meint:

    Guten Morgen liebe Frau Kaltmamsell,
    Sie machen also wirklich weiter hier, wie wunderbar, auch ich freue mich riesig. Mit den allerbesten Wünschen für alles, und danke! Joriste

  2. Gretel meint:

    Juhu, Sie schreiben wieder : )

    Hier übrigens stündlich aktualisierter WhatsApp Status zu Sturm Sabine

  3. FrauC meint:

    Hoppla! Kaum schaut man mal ein paar Tage nicht nach, um nicht wieder nur traurig „Pause“ zu lesen, schon sind Sie zurück! Ich freue mich sehr und wünsche alles Gute, vor allem natürlich in Sachen Hüfte.

  4. Eva findu _sine meint:

    Liebe Kaltmamsell,
    Danke für Ihr Wiederauftauchen aus der Versenkung, ich hatte Sie sehr vermisst (im Gegenzug aber auch größten Respekt vor Ihrer Ausdauer).
    Dank Ihnen koche ich regelmäßig Shakshuka (ich koche sowieso gerne, Sie und Herr Kaltmamsell sind oft Inspiration). Dank Ihnen habe ich die wunderschönen Bücher von Kent Haruf kennengelernt und bedauere zutiefst, dass er nicht mehr lebt und nichts nachkommen wird. Dank Ihnen habe ich dieses Jahr meinen 50. Geburtstag rauschend gefeiert, denn hinterher bedauert man, es nicht getan zu haben. Ich habe angefangen, Ihren Blog zu lesen, als unsere Tochter 2013 nach München zum Studieren gezogen ist und ich dadurch München so langsam kennengelernt habe.
    Danke vielmals für das und noch viel mehr, was jetzt gar nicht hier drinsteht…
    Eva
    PS: und ich hüte mich, medizinische Ratschläge zu erteilen!

  5. Anna meint:

    Ich hab mich auch sehr gefreut, dass Sie wieder schreiben! Danke für mein morgendliches Überlegen, (und dann das Schmunzeln, als es mir dann eh schnell klar war) was denn „Umtost“ bedeutet und welche Sabine ihnen wohl einen Umtost (war so ein bisschen mit Umtrunk assoziiert) gewidmet hat :)


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