Journal Samstag, 22. Februar 2020 – Bewegung mit technischen Hindernissen

Sonntag, 23. Februar 2020 um 8:38

Kein Yoga: Der Drecksfernseher wollte das Drecks-Youtube-Filmchen nicht zeigen – und für ein Nachmachen, bei dem ich die Vorturnerin nur hin und wieder aus dem Augenwinkel sehe, brauche ich den großen Fernsehbildschirm. Nach zehn Minuten Kampf mit Chromecast, An- und Ausschalten aller Geräte, Hoch- und Runderfahren, Durchscrollen aller Menüs zeigte der Fernseher weiterhin nur das YouTube-Symbol (war also mit dem Rechner verbunden), nicht aber das Filmchen. Ich wäre sogar bereit gewesen, die Einheit dann doch mit dem kleinen Laptop-Bildschirm zu versuchen, war aber mittlerweile derart wütend und aufgebracht, dass ich keine Yoga-adäquate Atmung zustande brachte. Ich stoppte und absolvierte nur wütend meine Rumpfkräftigungsübungen.

Es dauerte im Olympiabad, in das ich geradelt war, gut tausend Meter, bis ich mich beruhigt hatte. Mein Zorn hat was vom Schmerz nach einem Stoß: Mir bleibt nichts als zu warten, bis er nachlässt. Wieder runtergekommen konnte ich das Schwimmen genießen, sogar eine Bahn Brust ging. (Mal wieder fühlte ich mich ungemein privilegiert, in einem riesigen Bad schwimmen zu können, das sauber und warm ist, in dem alles funktioniert, in dem ich mich frei und unbehelligt bewegen kann.)

Widerstrebend muss ich gestehen, dass Dr. Orth2 mit seiner Behandlung des LWS-Gelenks/der Ischiaswurzel vielleicht Recht hatte: Die Schmerzen im Bein sind deutlich weniger geworden, ich bilde mir ein, die Schmerzen im Hüftgelenk davon getrennt wahrnehmen zu können.

Auf dem Heimweg beim Basitsch Käse gekauft (die restliche Einkaufsliste arbeitete Herr Kaltmamsell ab). Es war so warm geworden, dass ich ohne Mütze durch die Sonne radeln konnte.

Frühstück: Eine mächtige Scheibe selbstgebackenes Brot mit Frischkäse und Orangenmarmelade, ein Stück Käse. Das Brot war aus der Gefriere gekommen, weil gestern endlich Kühlschrank/Gebrierschrank-Kombination abgetaut und geputzt wurden. Ich teilte mir die Arbeit mit Herrn Kaltmamsell: Er putzte innen, ich außen. (Ahem. Na gut: UND ich versetzte die Griffverstärkung nach fünf Jahren Nutzung endlich auf die richtige Seite.)

Wäschewaschen, Bettüberziehen, Zeitunglesen im Sonnen-durchfluteten Wohnzimmer – ich konnte zwei Stunden lang die Balkontüre offenlassen, ohne dass mir kalt wurde. Als Snack einen Granatapfel mit Joghurt und Mohn.

Nach Sonnenuntergang machte ich doch nochmal einen Anlauf mit Yoga: Selbst zusammen mit Herrn Kaltmamsell brachte ich keine Übertragung auf den Fernseher zuwege, aber der Herr kam auf den Trick, statt des Videos den ganzen Bildschirm zu übertragen: Das ging, nur der Sound kam weiterhin nur aus dem Rechner. Also eine halbe Stunde Adriene, das tat gut.

Zum Abendbrot servierte Herr Kaltmamsell zwei Ottolenghi-Gerichte: Green Chili aus Schweinefleisch und Cornbread, letzteres aus Polenta und mit viel Joghurt sowie frischen Maiskörnern drin.

Schmeckte beides ganz ausgezeichnet.

§

Die Berliner Islamwissenschaftlerin Nushin Atmaca ist Kind eines Einwanderers und schreibt traurig über
„Deutsche Versprechen“.

Ein Detail, das mich viele Jahre lang erschütterte:

Zögernd erkannte Deutschland an, dass es – anscheinend blöderweise und schlicht aus Versehen – ein Einwanderungsland geworden ist – und nicht ohne sofort dazu überzugehen, sich gegen die Kritik von PoC und Schwarzen Menschen vor allem der zweiten und dritten Generation zu verwahren: Hinweise auf strukturelle Diskriminierung, auf Alltagsrassismus, auf fehlende Aufarbeitung der eigenen kolonialen Geschichte wurden nicht nur beiseite gewischt, sondern defizitären Wahrnehmungen der Kritikäußernden zugeschrieben.

(…)

Mein Vater schweigt. Er demonstriert. Er geht zu Mahnwachen. Er stellt sich dem Rassismus entgegen. Aber er klagt nicht an. Wie bei vielen der ersten Generation überwiegen Dankbarkeit und Loyalität.

§

Pleistozän-Blogger banana isst kein Fleisch mehr und hadert damit, dass alle fleischlosen Kantinenangebote davon auszugehen scheinen, dass Menschen, die kein Fleisch essen, sich besonders „gesund“ ernähren.
„Da! Ein Vogel!“

Wieso gibt es denn nicht mal Pommes mit Spiegelei und noch irgendwas ungesundem aber ohne Fleisch? Pommes mit vegetarischer Currywurst oder sowas? Ich will mir auch gerne die Schläuche verkalken, aber eben ohne FLeisch. Poutine wäre auch eine gute Maßnahme. Aber nein: Feldsalat mit Birne, Blauschimmelkäse und Rosenkohl. Am Freitag gibt’s wenigstens Grüne Sauce mit Eiern und Kartoffeln.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Samstag, 22. Februar 2020 – Bewegung mit technischen Hindernissen“

  1. Ira Bienvenida meint:

    die Kaltmamsell: Ist wie gewünscht ins Google DOC übertragen: So viel profunde Expertise in Provokation wäre hier verschwendet.
    https://docs.google.com/document/d/1deTvlCZAlR4LqxGHyA6HKyOum4zwvyfwrWRdgy8Myi4/edit?usp=sharing

  2. Frau Klugscheisser meint:

    Schmerz nach Ursprung trennen können, das hört sich schon sehr nach next level Körperbewusstsein an. Ha, von wegen ’schlechte Beziehung zum Körper‘ (Yoga, my ass).

  3. lihabiboun meint:

    @ira b.: U N R E F L E K T I E R T E N Umgang mit sich selbst??????
    Aber lassen wir das.
    /augenroll/

  4. Gaga Nielsen meint:

    ich kenne das youtube-Fernseher-Problem, von heute auf morgen ließen sich die youtube clips zwar noch suchen und finden aber nicht mehr starten. Ich führe das auf ein (fehlendes?) update beim Fernseher zurück. War zu faul zum Recherchieren, hab mich aber auch sehr geärgert. Mein smarter HD-TV hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel.

  5. Berit meint:

    Also dafür zahl ich gern ein :-D


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