Journa Sonntag, 23. Februar 2020 – Küchenarchäologie bei Schwiegers

Montag, 24. Februar 2020 um 7:43

Lange geschlafen – war nötig war, denn ich musste nach fünf guten Wochen doch mal wieder durch eine Schmerzensnacht (wenn ich Dr. Orth2 richtig verstanden habe, werden Schmerzen die Vorderseite des Bein hinunter bis Fußrist vom Ischiasnerv verursacht); Ibu verschaffte mir Ruhe.

Schöne Runde Yoga mit Adriene, ging allerdings wieder nur mit Desktopübertragung auf den Fernseher. Anschließend brav die ärztlich angeordneten Rumpfübungen.

Wir waren in Augsburg zu einem Familiengeburtstag eingeladen, Herr Schwieger und ich hinkten einander etwas vor. Im italienischen Restaurant gab es Vorspeisenplatten und für mich Lammkoteletts, dann bei Schwiegers daheim Kaffeeundkuchen, darunter anlässlich Fasching auch frisches Fettgebackenes. Dafür verwendete Frau Schwieger ein Gerät, das nach ihren Berechnungen mindestens 40 Jahre zu ihrem Haushalt gehören musste:

„WaffelFlink“! Die Metall-Aufsätze werden auf die Stange geschraubt, in Teig getaucht, dann in heißes Frittierfett. Das Ergebnis sieht man hinten: Die Waffeln bestehen aus reinem Knusper. Auf der Kaffeetafel standen aber noch weitere Köstlichkeiten.

Frankfurter Kranz in Kastenform (wir einigten uns, dass genügend aneinandergelegte Kastenformen ja auch einen Kranz bildeten) und Himbeertorte von selbst gepflückten und eingefrorenen Früchten. Alles köstlich.

Der Tag war düster, windig und österlich warm.

Zurück in München bügelte ich Winterwäsche aus drei Wochen weg.

§

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https://youtu.be/3K_AMkqFvyM

Die Deutsche Welle über: „Kein Ausländer – und doch ein Fremder: Alltagsrassismus in Deutschland“.

Ja, ich hacke darauf weiterhin herum – und hoffentlich sind die Kommentare unterm Video nicht repräsentativ. Ich halte es für überlebenswichtig für unsere Gesellschaft, sich eigener Resentiments und Ausgrenzungsreflexe bewusst zu werden – die auch ich internalisiert habe. Auch ich tendiere dazu instinktiv dazu, Menschen mit anderem Aussehen als dem, das ich von klein auf als „deutsch“ gelernt habe, ohne Nachzudenken nicht als einheimisch einzuordnen. Aber dann denke ich nach. (Ich hoffe, dass jüngere Generationen, die mit mehr Diversität aufgewachsen sind, andere Instinkte haben – Erzählungen von Eltern und Schulpersonal weisen darauf hin.)

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Journa Sonntag, 23. Februar 2020 – Küchenarchäologie bei Schwiegers“

  1. Britta meint:

    Zum Thema Diversität und der Hoffnung auf die kommende Generation eine ausdrückliche Filmempfehlung, die es hoffentlich dieses Jahr in die deutschen Kinos schafft: „Futur Drei“ von Faraz Shariat https://www.berlinale.de/de/programm/programm/detail.html?film_id=202011122

    Klug, witzig, berührend, mit Nachhall. (Und mit dem tollen Benjamin Radjaipour von den Münchner Kammerspielen)

  2. Berit meint:

    Neben Rice & Shine kann ich zu dem Thema auch den Kanackische Welle Podcast empfehlen. Genauso reflektiert und klug wie die beiden Mädels und bringen in der aktuellen Folge auch gut die Probleme vor mit denen Männer mit Migrationshintergrund vordergründig zu kämpfen haben.

    Vieles aus dem Podcast kommt mir dabei aus der MeToo Bewegung heraus bekannt vor. „Was darf man denn jetzt überhaupt noch sagen/machen?“ – Naja weiterhin alles was andere nicht verletzt oder einschränkt. Und wenn ich als Frau sage „Hey, das fand ich jetzt sexistisch, lass das bitte“, dann hat man das genauso hinzunehmen wie wenn andere sagen „Das war rassistisch, lass das bitte“. Ich hab da mittlerweile wenig Verständnis für Diskutiererei bei Dingen, die eigentlich normal sein sollten.

  3. Jürgen meint:

    der Frankfurter Kranz, ein Gedicht, meine Mutter beherrschte den auch..
    ganz große Klasse, das war ja dann mal so ein richtig schönes Kaffeetrinken.
    VG Jürgen

  4. Frau Wissensdurst meint:

    Nachdenken über eigene Verhaltensmuster und Akzeptieren, was Betroffene als rassistisch ( wahlweise sexistisch oder übergriffig) empfinden- auch wenns manchmal nicht leicht fällt….

  5. Gaga Nielsen meint:

    Frittiertes – herrlich! (vorausgesetzt, das Öl/Fett hat keine Frittierhistorie…)
    Kaum ein Gemüse, das durch das heiße Ölbad nicht zur Delikatesse wird. Frittierte Karotten, frittierte Kartoffeln, frittierter Sellerie…

  6. Margarete meint:

    … nur rein muss es sein…
    … ehrlich gestanden : Erdnussöl ist mein Lieblingsoel…

  7. Madame Graphisme meint:

    Als Person, die noch nie in ihrem Leben frittiert hat (ich stand mal daneben, als ge-airfryed wurde, was vermutlich nicht zählt) … wie kommt der fertige Teigling von den Stangengittern wieder runter? Der Teig legt sich ja um das Metall, wird frittiert und damit hart (?) – wie geht das dann, dass diese Rädchen ihre Form und Speichen behalten?

  8. die Kaltmamsell meint:

    Zwar habe ich noch nie dabei zugeschaut, Madame Graphisme, aber es weist alles darauf hin, dass der Teig im Fett vom Eisen rutscht – wenn das Eisen vorher im Fett erhitzt und korrekt in den Teig eingetaucht wurde. Es gibt ein traditionelles spanisches Fettgebäck, Flor manchega, von dem ich Fotos habe (von 2007), das auf diese Weise hergestellt wird und an dem man das gut sieht:

    Von vorne.

    Von hinten.

  9. Annekatrin meint:

    Wir hatten so ein Gerät in der DDR und die Dinger hießen bei uns „Schmatzipuffer“. Das Geheimnis ist, die Form nur bis kurz vor den oberen Rand in Teig zu tauchen. Die fertige Waffel fällt dann bestenfalls im frittierten Zustand regelrecht ab von der Form. Das Rad ist dann nur auf einer Seite komplett wie auf den Fotos. Nachtrag: genau wie auf den nachgereichten Fotos! Leider habe ich nur noch die Form und nicht mehr das Originalrezept. Alle recherchierten Teige ließen sich leider nicht gut von der Form lösen.

  10. Der alte Nörgler meint:

    Das Problem mit den „jüngeren Generationen, die mit mehr Diversität aufgewachsen sind“ ist, dass gerade Menschen mit intellektuell höherem Hintergrund nur wenige, bis gar keine Nachkommen haben (Beispiele gibt es gerade in Ihrer Blog-Blase zuhauf), wogegen ich leider Familien kenne, die sich öffentlich zum rechten Rand bekennen, die bereits mit 40 Jahren 4-fache Groß(!)eltern sind und ihre Gesinnung brav an die Nachkommenschaft weiter geben.

    Hier entsteht ein soziales Ungleichgewicht, das wir in den nächsten 2 bis 3 Generationen kaum noch hinbiegen können und ziemlich daran zu kauen haben werden.

  11. Madame Graphisme meint:

    Ah, vielen Dank für die Erklärbilder des Frittierguts! Die Rückansicht hat es klarer gemacht. Das Aufpuffen ist es!

  12. Croco meint:

    An diesen Räderkuchen habe ich mich regelmäßig bei den Schwiegereltern überfressen. Und vor Jahren an Ostern in Toledo. Vor dem Laden stand praktischerweise gleich ein Bank, es krümelte für die Spatzen und man konnte gleich nachladen.
    An Fettgebackenes trau ich mich selbst nicht mehr, seit ich im Studentenwohnheim einen Fettbrand verursachte. Ich habe ihn zwar gleich mit einer Decke gelöscht, habe aber den Mut und die Forscheit der jungen Jahre verloren.


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