Journal Donnerstag, 12. März 2020 – Pandemie-Eindämmung durch Feierabsagen, Daheimbleiben wird jetzt ernst genommen

Freitag, 13. März 2020 um 6:00

Schönes Yoga, bei aller Unsymmetrie.

Am späten Nachmittag vorübergehende Wunderheilung: Fast kein Hinken, fast symmetrisches Radeln – ich genoss es, solange es dauerte.

Der Arbeitstag war von Corona dominiert: Absagen, Umorganisationen, an manchen Stellen dauerte es etwas länger, bis Vernunft einsickerte. Ich war schon fast irritiert, wenn ich etwas von Corona Unabhängiges bearbeitete, es kam mir frivol vor.

Mittags rote Paprika und frische Gurke, ein Stückchen Käse. Nachmittags Quark mit Orange und Mandarinen.

Auf dem Heimweg Einkäufe beim Vollcorner – nur beim Weizenmehl schreckte ich wieder zurück: Dass die dort verkaufte Marke mehr kostet als das Bio-Mehl aus der Hofbräumühle, müsste ich erst nachvollziehbar erklärt bekommen, bevor ich es zahle.

Das Coronavirus und die Maßnahmen zur Verlangsamung der Verbreitung beeinflussen immer mehr alle Lebensbereiche. Kaum war ich daheim, klingelte das Telefon und die Familienfeier am Samstagabend wurde abgesagt – es tat mir ungemein leid für die Jubilarin, ich hatte mich auch sehr darauf gefreut. Vernunft tut weh.

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil Ofengemüse – diesmal schön aufgeräumt.

Es bereitete mir großes Vergnügen, vor allem mit dem dazu gereichten Tahini. Nachtisch war veganes Erdnusseis, das deutlich besser schmeckte als Zutaten und die gräuliche, wässrige Farbe ausgesehen hatten.

Ich erhielt eine E-Mail vom städtischen Wahlamt mit Anweisung für Wahlhelfende, was in Bezug auf Corona zu beachten sei. Gleichzeitig war und bin ich beunruhigt, weil ich immer noch keine Liste mit der Besetzung meines Einsatz-Wahllokals habe: Das Berufungsschreiben führte neben mir als Schriftführerin lediglich einen Beisitzer auf; sonst hatte ich so kurz vor der Wahl schon längst einen Anruf des Wahlvorstehers bekommen, der die Schichten einteilte. Werde ich halt Sonntagmorgen an angegebenem Ort aufkreuzen und schaun, wer sonst noch so kommt.

Zumindest trafen gestern meine Briefwahlunterlagen ein, ich konnte mich also eingehend mit dem kleinen Zettel zur Oberbürgermeisterwahl, dem mittelgroßen Zettel zur Bezirksratswahl und dem riesigen zur Stadtratswahl befassen.

Danach eine weitere Vernunftnachricht: Wir einigten uns darauf, den Salzburgausflug der Familie Anfang April zu stornieren. Mir wird ganz schwindlig, wenn ich daran denke, was diese Ausfälle für die Gastronomie und Hotelerie bedeuten. In meinem Twitter gibt es bereits Aufrufe, sich Tickets für ausgefallene Konzerte und Vorstellungen nicht erstatten zu lassen, wenn man es sich irgendwie leisten kann – mit Kunst und Kultur ist eh nicht viel zu verdienen.

Und noch eine Absage zur Pandemie-Eindämmung: Ein ebenso lange geplantes Twitterfreundinnen-Treffen in München Ende März wurde erst mal gekippt.

Es wird spannend ob die Internet-Bandbreite hält, wenn so viele Leute daheim bleiben und per Streaming fernsehen. Die Stunde des Buchs!

§

Ja aber sicher gibt es auch gute Corona-Späße! Pandemie-Tipps von italienischen Oma.

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https://youtu.be/Ey08XMOisiw

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 12. März 2020 – Pandemie-Eindämmung durch Feierabsagen, Daheimbleiben wird jetzt ernst genommen“

  1. Susann meint:

    Es beruhigt mich, zu hören, dass Sie Corona ernstnehmen – zu viele Menschen sind noch auf dem „Nur eine Art Grippe“-Trip.
    Hier ein Artikel, in dem die Überlegungen hinter den drastischen Maßnahmen in Wuhan, Italien, aber auch den manchen übertrieben scheinenden Maßnahmen in den meisten europäischen Ländern (Schulschließungen!) sehr anschaulich erklärt werden:

    https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-act-today-or-people-will-die-f4d3d9cd99ca

  2. Elfe meint:

    Danke für diesen Artikel-Hinweis, Susann. Die schieren Zahlen – gut erklärt – führen eindrücklich vor Augen, dass die einzige Option jetzt ist zuhause zu bleiben, italienischen Verhältnisse also.
    Ich musste sehr lachen, Frau Kaltmamsell, als die Nonna das Taschentuch im Ärmel hervorzog, denn genau das macht meine suocera (Schwiegermutter) auch; bin gespannt, was sie dazu sagt!

  3. Berit meint:

    Und trotzdem bin ich froh das die Kitas in Sachsen offen bleiben und das öffentliche Leben nicht komplett erlahmt. Am Ende ist auch keinem geholfen wenn die komplette Wirtschaft zum Erliegen kommt. Zumal… Wer betreut die Kinder wenn die Kitas zu haben? Richtig. Die Großeltern…

  4. die Kaltmamsell meint:

    Hilft der Wirtschaft nicht am meisten, Berit, wenn die Pandemie möglichst wenige Opfer hat und die Infektionssteigerung möglichst gering ist? Vor dem Einsatz von Großeltern zum Kinderhüten wird seit Wochen gewarnt; im Moment müssen wir uns auf die Empfehlungen der Epidemie- und Virologie-Experte verlassen, unsere Intuition ist mit den Umständen überfordert.
    Heute gelesen: „Wenn es im Nachhinein aussieht, als hätten wir überreagiert, haben wir alles richtig gemacht.“ (Quelle finde ich leider nicht mehr.)

  5. Susanne Mayrhofer meint:

    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=10157039752685933&id=662705932&d=null&vh=i hier ein Link aus/für Österreich geltend, der aber sehr anschaulich erklärt, warum es jetzt so entscheidend ist Sozialkontakte zu reduzieren.

  6. Berit meint:

    Natürlich wird davon abgeraten aber den Luxus auf das Geld zu verzichten können sich eben viele nicht leisten. Was wollen sie denn zB machen wenn sie alleinerziehend sind oder Selbstständig? Frl Nessy hat das schon gut angeschnitten in ihrem letzten Beitrag.

    Alternativ kann man sich nur krank schreiben lassen und das kann es dann doch auch nicht gewesen sein. Die Kinder treffen sich dann auch nur an anderen Stätten. Klar kann man mal einen Tag zuhause bleiben aber nicht 3 Wochen lang.

    Die angeratenen Maßnahmen sind mir auch alle bekannt dank des fabelhaften Corona Podcasts aber wie gesagt, in der Praxis laufen Kredite etc eben auch weiter.

  7. Susann meint:

    Das ist GENAU der Grund, warum „jeder macht eigenverantwortlich das, was ihm am Besten erscheint“ nicht ausreicht, sondern es Instanzen braucht, die für das große Ganze Entscheidungen treffen können. Im Ernstfall ist nämlich jeder sich selbst der nächste, und selbst, wenn er, wie Berit, sieht, dass eine gewisse Notfallmaßnahme nötig wäre, hat er gute Gründe, persönlich nicht danach zu handeln.

    NB: Bitte fassen Sie das nicht als Vorwurf an Sie auf, Berit, eher an die Regierung(en), die hierzulande sehr spät gehandelt haben.
    Wir haben übrigens unter den Bekannten unsere Kinderbetreuungs so organisiert, dass die Großeltern außen vor bleiben. Wer wenig oder nicht arbeitet, übernimmt mehr Betreuung. Das ist auch nicht ideal, aber momentan besser als die Standardsituation.

  8. Berit meint:

    Alles gut Susann, ich seh auch die Relevanz aller Maßnahmen aber die Alternativen lassen mich etwas ratlos zurück. Darf ich fragen wie sie organisiert haben? Sind die Kinder jeden Tag bei jmd anderen? Hatten wir auch schon überlegt aber dann hätte man auch die Schulen/Kitas offen lassen können :-/

  9. Mel meint:

    @Berit: das ist nicht das selbe. Schulen (vorallem weiterführende Schulen) sind größere dynamische Systeme. Ich habe an einem Schultag Kontakt zu 60-80 Schülerinnen und Schüler. Im Lehrerzimmer habe ich Kontakt zu 20-30 Kolleginnen und Kollegen, die an dem Tag wiederum Kontakt zu anderen 60-80 Schülerinnen und Schüler haben. So kann ein Infizierter innerhalb von zwei Tagen theoretisch Kontakt über zwei bis drei Ecken zu allen 900 Personen des Schulbetriebs haben. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen privat zusammen tun und die Personen immer dieselben bleiben, bleibt der Kreis der möglichen Kontaktpersonen immer derselbe und die Geschwindigkeit der Ausbreitung der Infektionen verlangsamt sich. Das ist das eigentliche Ziel. Die Gesamtanzahl der Infizierten wird am Ende der Pandemie die selbe sein, aber sie wird auf einen längeren Zeitraum getreckt und das Gesundheitssystem damit entlastet.

  10. Berit meint:

    Danke für die Erklärung, das leuchtet mir ein. Aus mir unerklärlichen Gründen hab ich die Lehrer bisher ausgeblendet *facepalm*

  11. Susann meint:

    Liebe Berit, bei uns funktioniert das so:
    – für die 5. und 6. Klassen gibt es eine Betreuung an der Schule.
    – meine Freundin, die in einem Medizinberuf arbeitet, kann im Prinzip auf die Betreuung zurückgreifen, die der Arbeitgeber stellt. Das ist in ihrem Fall schwierig, weil sie Dienste mit Zeiten macht, die für die Kinder unzumutbar sind. Bis jetzt ein unlösbares Problem, wir haben ihr von allen Seiten Hilfe angeboten.
    – Bei einer anderen Freundin hat die Firma 90% der Leute auf Home office gesetzt. Ihr eigener Arbeitgeber bietet Kinderbetreuung an.
    – ich bin als Lehrerin in der luxuriösen Situation, Kinderbetreuung anbieten zu können und tue das auch. Das ist NICHT IDEAL und geht auch nur, solange kein lockdown herrscht (ein Schritt, der m. Erachtens nötig wäre, wenn man kein Lombardeiszenario in den Krankenhäusern haben möchte), ABER trotzdem minimiert das die Sozialkontakte im Vergleich zu Klassensituationen, wo dann 33 Kinder über Stunden auf engem Raum hocken.
    – Vielen Mütter in meiner Umgebung arbeiten Teilzeit (oder sind gerade in Elternzeit, das dürfte in Sachsen andes sein). Insofern verteilt sich die Betreuung auf mehrere Schultern, weil die Mütter leichter füreinander einspringen und Kinderbetreuung anbieten können. (Genau, Väter kommen nur dann in den Genuss, wenn der Arbeitgeber Homeoffice anbietet. Aber die Kinderbetreuung wird hier großteils so organisiert, dass man nicht auf den 9-19-arbeitenden Vater angewiesen ist.)
    – Worauf tatsächlich geachtet wird, ist, die Großeltern nicht einzuspannen.

    Wir glauben hier sowieso, dass Dtl. über einen Lockdown nicht herumkommen wird – mein Mann ist beruflich viel mit Chinesen und Asiaten verbandelt, darum haben wir den Coronavirus länger auf dem Schirm als andere und haben auch viele Kontakte vor Ort und regelmäßige Updates. Die warnen schon seit Wochen, dass man in üble Konfliktsituationen reinschlittern kann, wenn man mit dem containment scheitert (schon passiert) und dann zu lasch ist mit Versuchen, die Infektionsrate zu senken.

  12. Berit meint:

    Hm nein, ich kenne wirklich nicht viele Mütter mit Teilzeit. Falls jmd mitliest der auch noch Alternativen sucht, das hier wird unsere Lösung sein.

    Mein Mann arbeitet nur nachts, ich tagsüber aber zeitlich flexibel und mit Homeoffice-Option (Vollzeit). Wir werden uns zeitlich reinteilen, dass ich vormittags bis ca 14-15 Uhr die Kinderbetreuung übernehme und danach ins Büro fahre und noch ein paar Stunden Dinge arbeite für die man Ruhe braucht. Zwischendurch und früh werd ich ebenso versuchen Mails etc zu machen, weiß aber jetzt schon dass das sehr schwierig wird mit Kleinkind nebenbei.

    Uns ist beiden bewusst, dass das sehr anstrengend wird aber nun jut, was muss das muss. An dieser Stelle auch noch die innigste Empfehlung für die Wunderlist App zur besseren Absprache sowie den Rewe Lieferservice.

    Meinen herzlichsten Dank an dieser Stelle auch an die tollen, verständnisvollen Mitkommentatoren. So mag ich mein Internet.

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