Journal Freitag, 13. März 2020 – Wenn es im Nachhinein aussieht, als hätten wir überreagiert, haben wir alles richtig gemacht.

Samstag, 14. März 2020 um 9:22

Die temporäre Wunderheilung verschaffte mir noch eine gute Nacht, auf dem Weg in die Arbeit war der Spaß aber spätestens vorbei: Ich hinkte in Rekord-ROM.

Davor hatte ich aber noch eine Runde Yoga genossen, diesmal mit viel langsamer Dehnung und Hineinspüren in verschiedene Becken-Bereiche.

Energisches Klingeln an der Haustür holte mich aus dem Bad (für eine polizeiliche Hausdurchsuchung zu spät, diese Herrschaften klingeln zwischen fünf und sechs – nein, die Menschen, von denen ich das weiß, hatten gegen kein Gesetz verstoßen, doch es kostete sie Jahre, das zu beweisen): Unten stand ein junger Bursch und suchte nach einer anderen Hausnummer – er hatte sein Handy verloren und eine Nachricht bekommen, dass es dort gefunden worden sei. Ich versuchte zu helfen.

Als ich mein Fahrrad vom Balkon holen wollte, hatte mittelheftiger Regen eingesetzt. Ich war beleidigt, denn meine Feiertagsplanung basierte auf Fahrradmobilität. Außerdem verstärkte der düstere Himmel meine düstere Stimmung, die von der leicht apokalyptischen Lage bösest beeinflusst wird. Ich hoffe doch schwer, dass sich all die Jahre Zombies, Run! des Herrn Kaltmamsell im Notfall auszahlen. (Ich seh schon, das Humorzentrum ist noch nicht völlig überlagert.) Zumal morgens bekannt wurde, dass Bayerns Schulen bis 19. April schließen, Herr Kaltmamsell also zumindest mehr als sonst daheim ist.

Eine schöne Erkenntnis fand ich die, die ich auch zur Überschrift gemacht habe: Wenn es im Nachhinein aussieht, als hätten wir überreagiert, haben wir alles richtig gemacht. (Quelle finde ich leider nicht mehr – irgendeine Neuseeländerin? Der es allerdings darum ging, dass die Verantwortlichen in Politik und Behörden genau das auch aushalten müssen.)

In der Arbeit weiter viel Vorbereitung auf Vorsorgemaßnahmen, im privaten Posteingang eine Info vom Wahlamt für Wahlhelfende: Am Montag (Kommunalwahl braucht einen zusätzlichen Tag zum Auszählen) wird eine Not-Kinderbetreuung eingerichtet wegen der Schließung von Kitas und Schulen.

Bei dieser Gelegenheit: Bitte gehen Sie Wählen. In allen Gebäuden mit Wahllokalen besteht die Möglichkeit, sich die Hände mit Seife zu waschen, einen eigenen Stift können Sie ohnehin mitbringen.

Über den Tag war das Wetter schön geworden, allerdings auch kühl. Mangels Fahrrad nahm ich nach frühem Feierabend eine S-Bahn zum Marienplatz: Ich wollte im Laden der Hofbräuhausmühle Mehle kaufen. Ungewöhnlicherweise musste ich anstehen (wahrscheinlich hatte gerade eine Führung geendet), bekam aber mein Öko-Weizenmehl 405 und die legendäre Pizzamehlmischung 00 des Hauses.

Auf dem Heimweg noch ein Schlenker in den Drogieriemarkt (weiterhin Löcher in den Klopapierregalen, bei einigen Produkten wurde die Höchstkaufmenge auf zwei Stück festgelegt), beim Trippel-Spaziergang nach Haus bog ich nach vielen Jahren auch wieder in den winzigen Pralinenladen Sama-Sama ab und holte „Rohkost-Konfekt“ zum Nachtisch.

Während mir der U-Bahnhof Marienplatz und der Marienplatz selbst ungewohnt leer vorgekommen waren, herrschte am Viktualienmarkt die erwartbare Feierabend-Stimmung zum Einläuten des Wochenendes.

Daheim war noch etwas Zeit bis Abendessen. Herr Kaltmamsell machte dann Polenta mit gebratenem Radicchio und gebratenen Pilzen.

Ganz ausgezeichnet, wir waren uns allerdings einig, dass man die Balsamico-Note runter-, dafür die süße raufdrehen könnte.

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Wann wird es einen Impfstoff gegen Covid 19 geben? ZDF heute veröffentlichte ein Interview mit der Infektiologin Professor Marylyn Addo, die in Hamburg genau daran forscht. Sie erklärt leicht verständlich Grundsätzliches zur Entwicklung von Impfstoffen und warum dieser konkrete 2020 sicher noch nicht zur Verfügung stehen wird. Hier das Filmchen.

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Weitere Corona-Folgen: Herr Rau berichtet, wie sich das Gymnasium, an dem er arbeitet, technisch und organisatorisch auf die Schulschließung vorbereitet hat.
„Letzter Schultag vor Corona-Unterrichtsausfall“.

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Ich bin der Überzeugung, dass die Eindämmung der Pandemie und die Verlangsamung der Ausbreitung gesellschaftliche Priorität hat – auch wenn die Wirtschaft erst mal schmerzhafte Einbußen verzeichnet, auch wenn der und die Einzelne belastet werden. Die Auswirkungen sind vielfältig und noch gar nicht absehbar, von der Imbissbude im Büroviertel, die kein Geschäft mehr macht, wenn alle in Home Office gehen, über die Messebauer, die nach all den Messeabsagen schon bald Insolvenz anmelden, bis zu Dolmetscherin/Beleuchterin/Sicherheitsdient, die ohne Veranstaltungen kein Geld verdienen können.

Auswirkungen auf die Flugbranche schildert Frau Klugscheisser:
„Vom Fliegen und Ratlosigkeit“.

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Jetzt aber noch eine ganz andere Geschichte.
Bernstein ist wohl aktuell die spannendste Quelle für die Paläontologie. Ein Artikel erzählt von dem nur Kolibri-großen Dinausaurierschädel in Bernstein, der derzeit untersucht wird – inklusive einem Film, in dem eine leidenschaftliche junge Paläontolgin Hintergründe und moderne Untersuchungstechniken erklärt.
„A Hummingbird-Sized Dinosaur Skull Found Preserved in 99-Million-Year-Old Amber“.

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https://youtu.be/h3xABEpxNfY

via @dtfdpr

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Freitag, 13. März 2020 – Wenn es im Nachhinein aussieht, als hätten wir überreagiert, haben wir alles richtig gemacht.“

  1. Margarete meint:

    Jetzt ist erst einmal Schluss mit Lustig.

  2. Joël meint:

    Ich hoffe doch schwer, dass sich all die Jahre Zombies, Run! des Herrn Kaltmamsell im Notfall auszahlen.

    Ganz sicher! (geht ab und kringelt sich vor lachen)

  3. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ha, Herr Kaltmamsell hat frei! Ich hoffe auf verstärken Koch-Blog!
    Aber wahrscheinlich muss der arme Mann Online-Referate lesen oder fast/nicht/vielleicht Abiturienten virtuell die Hand reichen.
    Bleiben Sie gesund!

  4. die Kaltmamsell meint:

    So ist es leider nicht, Frau Irgendwas ist immer: Er hat Dienst in der Schule, unter anderem als Zuständiger für die Online-Plattform, die irgendeine Art von Unterricht ermöglichen soll.
    Andere Lehrerinnen und Lehrer arbeiten weiter in der Schule, weil alle Schulen in Bayern Notfallbetreuung einrichten, um die Arbeitsfähigkeit von Personal in kritischen Infrastrukuren sicherzustellen. Hier die Infos des Kultusministeriums:
    https://www.km.bayern.de/allgemein/meldung/6901/unterricht-an-bayerischen-schulen-wird-eingestellt.html

  5. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Danke Frau Kaltmamsell, für die Zusatzinfo. Um so mehr – bleiben Sie gesund!

  6. Fujolan meint:

    Ich meinte diesen Satz den sie zitieren bei Herrn Drosten gehört zu haben


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