Journal Freitag, 3. MärzApril 2020 – Urlaubstag mit Sonne und Fondue

Samstag, 4. April 2020 um 8:33

Urlaubstag! Ursprünglich eingereicht für einen Familienausflug nach Salzburg – unser Geschenk zum 75. Geburtstag meiner Mutter. Storniert ein paar Tage vor offiziellem Lock-down in Österreich. Doch die vier freien Tage am Stück (Montag habe ich ebenfalls frei) kamen mir auch so mehr als recht.

Ausgeschlafen, die letzte Stunde leider mit Kopfweh.

Das ließ sich aber schnell mit Ibu vertreiben (so lange nicht mehr auf Schmerzmittel angewiesen, dass ich die fast schon mühsam hervorkramen musste), ich bloggte und las fröhlich mit Blick aufs sonnige Draußen.

Nach Ferien-verlängerter Kraftübungsrunde auf den Crosstrainer. Ich genoss die Musik auf meinen Ohren und strampelt leicht und nahezu schmerzfrei eine Stunde.

Dennoch traute ich mir eine Einkaufsrunde zu Fuß zu – und das ging! Ich war zwar sehr langsam unterwegs, sah dabei aber mehr als ohnehin schon bei normalem Gehtempo.

Stillleben Baustellenbrotzeit in einem leer geräumten Laden oben am Oberanger.

Wand-Oktopus beim Jakobsplatz.

Ich ließ mich sogar auf menschliche Interaktion ein: Der junge Kassenangestellte bei Eataly grüßte mich besonders herzlich und fragte nach meinem Befinden. Da erzählte ich ihm, dass es mir gut gehe, weil ich frei hätte. Wir plauderten ein Weilchen und ich erfuhr unter anderem dass der Herr zum Deutschlernen ins Land gekommen war, bereits einen Kurs erfolgreich abgeschlossen hatte und bedauerte, dass es derzeit keine Kurse gebe – dass er deshalb versuche, mit Gesprächen in Übung zu bleiben. Ausgesprochen herzerfrischend. (Und es rührt mich immer sehr, wenn sich jemand entschuldigt, dass ihr/sein Deutsch schlecht sei. Ich nahm mir vor, Gelegenheiten für Deutschlob zu suchen – so wie ich in vielen Ausländen ja sogar für die armseligsten Brocken der Landessprache gelobt werde.)

Nach Kauf von Brot, Nudeln, Käse im Eataly spazierte ich zur friendly neighborhood Metzgerei. Ich besorgte Fleisch für den Abend und wurde gut beraten – während andere Angestellte Kunden zum Abstandhalten scheuchen mussten, für den auch hier Bodenmarkierungen eingezeichnet waren. Im Basitsch bekam ich den Rest von meiner Einkaufsliste.

Schlimme Nachricht aus dem Freundeskreis, es gibt noch anderes neben Corona, was einen auf direktem Weg auf die Intensivstation bringen kann. Da schaue ich seit Jahren besorgt in Richtung meiner Eltern, Schwiegereltern und deren Freunde – und dann erwischt es jemanden Ende 40.

Frühstück war dann Ernteanteilspinat mit zwei wachsweichen Eiern und einem Laugenzöpferl – selbst zubereitet, denn Herr Kaltmamsell hatte noch keine Ferien und musste arbeiten. Es ist fast schon ungewohnt, dass ich nicht lediglich einen Essenswunsch äußern muss und das Gericht dann von Elfenhand auf den Tisch gezaubert wird

Zeitunglesen im sonnigen Wohnzimmer, da und auch sonst den ganzen Tag Samstagsgefühl – was mehrfach zu Verdutzung führte, weil Menschen von Arbeit twitterten.

Leuchttulpen.

Als Abendessen war Fondue geplant; auf die Idee hatten mich Bilder von Quarantäne-Raclette gebracht, denn warum nicht, wir sind erwachsen und können Fondue essen, wann immer wir wollen. Auch dafür war ich verantwortlich: Ich hatte Champignons eingelegt, Sößchen angerührt, jetzt schnitt ich Aubergine und Fleische, darunter der Tipp aus der Metzgerei – Entenbrust.

Wie es sich bei Fondue gehört, überfraßen wir uns völlig, bis wir einander nur noch etwas vorächzen konnten. Die Entenbrust funktionierte gut, mein Liebling war aber die Aubergine.

§

Wenn Sie in München wohnen, könnte es am morgigen Sonntag an der Tür klingeln: Das Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität will in einer großen Studie herausfinden, wie viele Menschen tatsächlich schon mit dem Coronavirus infiziert sind.
„Die wirklichen Zahlen über Covid-19“.

Auch für Nicht-Münchnerinnen eine interessante Lektüre, da die Methodik der Datenerhebung ungewöhnlich detailliert erklärt wird (u.a. lernte ich den Begriff „Random Walk“ – überhaupt lerne ich in diesen Tagen so viel, allerdings tendiert mein Gemüt ohnehin dazu, sich in Zeiten großer Unsicherheit an Faktenwissen festzuhalten).

§

Noch ein bissl Spaß und Musik zum Wochenende.

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https://youtu.be/3q7ExHaKt2M

via @widenka

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Freitag, 3. MärzApril 2020 – Urlaubstag mit Sonne und Fondue“

  1. Nina meint:

    Die Tulpen <3
    Schönes freies Wochenende Ihnen! Hier herrscht leider wegen (richtig echter ganz) alleinerziehender Kleinkindbetreuung rund-um-die-Uhr eine völlige Auflösung der Tages- und Wochenstruktur. Arbeit halt immer dann, wenn’s geht (d. h. das Kiddo schläft), auch abends, auch am Wochenende. Es ein Grausen.

  2. Croco meint:

    Gute Idee, das Fondue zu entkoppeln. Alle anderen Strukturen stimmen ja auch nicht mehr. Und Salzburger Nockerln gibt es vielleicht im Herbst.
    Diese Einschläge, die unerwartet kommen, und aus dem Freundeskreis, machen Risse in den eigenen Boden. Man steht nicht mehr so sicher, wie man glaubte oder fühlte. Gute Besserung unbekannterweise.

    Das Video gefällt mir gut

  3. lihabiboun meint:

    … das mit dem Fondue verstehe ich nicht …. „darf“ man das nicht essen, wann immer man Lust drauf hat???

  4. Sandra meint:

    Die meisten Menschen in meinem Umkreis berichten davon, Fondue gegessen zu haben, wenn Weihnachten oder Silvester ist. Andere Jahreszeiten sind dafür offenbar einfach unüblich. Genau so kennen Sie es bestimmt auch von Raclette. Ich wurde jedenfalls noch nie dazu außerhalb der Weihnachtszeit eingeladen.

  5. duden meint:

    Vielen Dank für die lobende Erwähnung.

  6. Isa meint:

    Vielen Dank für das „Friends“ Video. Großartig!

  7. Joël meint:

    Sehr schönes ‚Freinds‘ Video

    Die gestreifte Vase die leer neben dem Tulpenvase steht, falls sie sich an der mal satt gesehen haben sollten, bitte an mich verschenken. ;-)

  8. Usul meint:

    […] wir sind erwachsen und können Fondue essen, wann immer wir wollen.

    Das ist ja auch der Hauptvorteil, wenn man erwachsen ist: Man kann machen, was man will! Natürlich im Rahmen der Gesetze und sonstiger Limitierungen. Wenn ich Lust auf Cola zum Frühstück habe (ok, es war ein sonntäglicher Brunch), dann mach ich das halt! Ok, nach einmal hat es dann auch wieder für ein paar Jahre gereicht …


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