Journal Sonntag, 10. Mai 2020 – Kluges gehört und gelesen

Montag, 11. Mai 2020 um 6:05

Gut und bis fast halb acht geschlafen – herrlich. Aber dadurch war der Sonntag halt auch gleich mal kürzer. Ich wachte zu Regen auf, der aber nicht lange anhielt.

Auf dem Crosstrainer eine Stunde Podcast gehört, Was denkst du denn? von Journalistin Nora Hespers und Bildungsphilosophin Rita Molzberger, große Empfehlung:
„Episode 86: Macht und Verschwörung“.

Es geht um Wissen, Macht durch Wissen, um falsche Ansprüche an Wissenschaft, geschlossene und offene Weltbilder. Vor allem aber: So viele kluge und fundierte, vorsichtige und vorläufige Einsichten, so viele Verweise, so viele Scherze (ich werde ja immer wehrlos, wenn kluge Frauen in Dialekt ausbrechen), das Bernsteinzimmer hat einen Auftritt, und die abschließende Idee von Rita Molzberger ist: „Vielleicht lern ich einfach Osmose.“

via @holgi

(Eigentlich spreche auch ich lieber von „Verschwörungsmythen“ statt „Verschwörungstheorien“, weil Letzteres den Anschein von Verifizierbarkeit suggeriert, doch die beiden spielen dann so schön mit dem Gegensatz zu „Verschwörungspraxis“, dass es wieder passt.)

Ich hängte gleich noch 20 Minuten Strampeln zu Musik dran.

Nach Duschen und Anziehen sorgte ich für Mittagsfrühstück: Ich briet den großen Pak Choi aus Ernteanteil mit Knoblauch und Olivenöl, servierte mit dem (inzwischen recht hart gewordenem) Rest Pizzabrot vom Vorabend.

Freude am Blumenstrauß, dessen Duftblüte immer erst abends loslegt.

Mittlerweile schien wieder die Sonne und es war warm. Ich setzte mich wieder auf den Balkon und las das Romanmanuskript zu Ende – es gefiel mir weiterhin ganz ausgezeichnet. Als Snack Pfirsiche und Aprikosen mit Joghurt (fast wäre es zu Scones gekommen, doch Herr Kaltmamsell reagierte auf mein Angebot „Soll ich Scones backen?“ nicht mit „JA!“, sondern mit „Ähhhh…“ – das war zu wenig). Dann zog ich mir die Wochendend-SZ auf den Schoß. Doch nach einer Weile zog es mich ins Draußen, ich machte mich auf einen Spaziergang in den Alten Südfriedhof. Bei meinem derzeitigen Tempo reicht der für eine Stunde.

Ich war umgeben vom Duft der Bärlauchblüten, hin und wieder unterbrochen von Flieder, und bewunderte die vielen Farben der Akeleien.

Nachtmahl war ein echtes Sonntagsessen: Herr Kaltmamsell hatte Schweinsbraten mit Knödeln gemacht, die Knödel allerdings aus Fertigteig. Es schmeckte herrlich.

§

Carolin Emckes1 Journal ist weiterhin sehr lesenswert – weil es, anders als der Titel suggeriert, nicht nur um die Pandemie geht. Die aktuelle Ausgabe macht sich unter anderem Gedanken über die Menschenverachtung der 3052 Seiten starken NSU-Urteilsbegründung, über Flüchtlingsrettungsboote und Auswirkungen der Reisebeschränkungen auf die Crew – und, ja: auch über Lobby-getriebene Lockerungen.
„Woche 7: Von Hack statt Leber, von lobbygetriebener Lockerungswillkür – und vom Trost spendenden Fischreiher.“

  1. Auch nach Jahren des Zitierens schreibe ich ihren Namen immer erst mal falsch. Komme mir keiner damit, mein Nachname „sei aber schon ganz schön schwierig“, zefix. []
die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Sonntag, 10. Mai 2020 – Kluges gehört und gelesen“

  1. Usul meint:

    Könnte man mit dem Maschinenraum des Blogs nicht um eine etwas höhere Bildauflösung verhandeln, wenn es für alle Beteiligten keinen großen Aufwand darstellt? Auch gern mit notwendigem Extraklick? Es ist manchmal, wie beim Friedhofsbild, sehr schade, dass man sich ein Bild nicht in größer und schöner anschauen kann. Geht mir nicht zum ersten Mal so, ich wollte es mal erwähnen.


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