Journal Sonntag, 2. August 2020 – Ganz neue Körperlichkeiten!

Montag, 3. August 2020 um 6:59

Gut und ausgeschlafen – halleluja, das wurde aber auch Zeit.

Balkonkaffee unter grauem Himmel bei angenehm milder Temperatur, während die erste von drei Maschinen Wäsche des Tages wusch.

Ganz oben am Himmel nochmal zwei Mauersegler gesehen – aber die waren wahrscheinlich die Aufräumer, die nach der Abreise der anderen nur checkten, ob auch alles eingepackt und mitgenommen war, in alle Schubladen und unter die Betten schauten.

Beim Pinkeln sah ich auf dem Kloboden seltsame Brösel. Ich ging dem Ursprung nach.

Der Stopper für die Badtür hatte sich mit großem Loch aus der Wand gelöst – wahrscheinlich über lange Zeit. Blödes Timing für derart gründlichen Verfall, vor der Abreise am Montag würde ich mich sicher nicht drum kümmern.

Zurück auf dem Balkon kam mir eine revolutionäre Idee: Was, wenn ich trotz letzter Möglichkeit vor Reise GAR KEINEN SPORT machte? Gerade WEIL Urlaub? Nach nur kurzer Panik (umgehender körperlicher Verfall! sofortiges Verschwinden jeglicher Kraft und Fitness! schlagartige Gewichtszunahme um zwei Konfektionsgrößen begleitet von Selbsthass! grundsätzlicher Disziplinverlust auf immer!) beschloss ich das. Zack – sofort stellten sich an Stelle der Sportlust Appetit und Hunger ein.

Also machte ich zum Früstück Scones und freute mich, dass ich die Idee „Scones machen“ endlich mal im passende Moment hatte. Fürs nächste Mal merken: Größeren Ausstecher verwenden.

Um halb zwölf begann es kräftig zu regnen: Freude für die Gemüseanbaugenossin. Auf dem Balkon blieb es erst mal angenehm, zu frisch wurde mir erst nach einer Stunde Regen.

Zwei Wochen nach Live-Übertragung der Kartoffelkombinat-Infoveranstaltung (dieses Jahr Corona-bedingt statt Generalversammlung, deren Abstimmung wird gerade im Umlaufverfahren durchgeführt), holte ich sie als Aufzeichnung nach – also an einem regnerischen Sonntagnachmittag statt an dem heißen Sonntagvormittag vor zwei Wochen, den ich mit einem Besuch bei der Augsburger Verwandtschaft verbracht hatte.

Eingangs gab es ein Grußwort der 2. Münchner Bürgermeisterin Katrin Habenschaden, sie ist nämlich auch seit vielen Jahren Kartoffelkombinatlerin (und ich dachte mir doch beim Anblick der Wahlplakate letztes Jahr, dass ich sie von irgendwoher kenne).

Die Neuigkeiten unter anderem:
– Der unserer Gärtnerei benachbarte Bio-Apfelgarten der Aurachers (die uns die Gärtnerei vermittelt hatten, gerne in Rente gehen möchten) wurde gepachtet, ein Apfelgärtner eingestellt.
– Die dringend benötigte Kühlhalle wird derzeit ganz klein geplant.
– Die Belieferung der Verteilerpunkte soll durch Lastenräder erweitert werden.
– Unsere Gärtnerei in Spielberg wird 2021 ausentwickelt sein, die Zielmarke der 1800 Haushalte, die damit versorgt werden können, ist erreicht. Jetzt sehen sich Vorstand und Aufsichtsrat nach einem zweiten Betrieb um, um weitere Haushalte an unserem Genossenschaftsziel „alternative Versorgungsstruktur für München“ teilhaben zu lassen. „Wachsen um des Impacts willen“, wie es Ausichtsratvorsitzender Rauno betonte. Die Pandemie hat gezeigt, welche zukunftsweisende Versorgungsform das Kartoffelkombinat betreibt. (Dazu interessante Ausführungen von Vorstand Daniel, dass diese Suche nach einer Gärtnerei wieder komplex wird: Wir, und vor allem die Genossenschaftsleitung, haben ja gelernt, dass solche Übergaben in der Landwirtschaft bis heute ganz eigenen Mechanismen folgen, die sehr weit entfernt von dem sind, was man so in BWL lernt.)

Jetzt fühlte ich mich gut genug informiert für das Ausfüllen meines Stimmzettels, den ich anschließend fotografierte und als Datei einschickte.

Nachmittagssnack Pfirsiche mit Kefir und ein paar Mandeln.

Letzte Runde Vor-Urlaub-Bügeln. Jetzt konnte ich leider nicht mehr verdrängen, dass dieser Drecks-Körper noch eins draufgelegt hatte: Kreuzschmerzen, wie ich sie seit über 15 Jahren nicht mehr hatte. Den Rest des Tages und Abends konnte ich nicht mehr aufrecht gehen oder stehen und lief als Schürhakl herum. Das Abendessen hielt ich noch durch (Pasta-Reste vom Vorabend, außerdem hatte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Aubergine zu Penne alla Norma verarbeitet), dann versuchte ich es mit Liegen. Einen Theramacare-Gürtel hatte ich noch, damit und mit Ibu hochdosiert legte ich mich mühsam ins Bett. Das verspricht ein lustiger Urlaub zu werden.

§

Eine englische Sozialexpertin spricht über die Auswirkungen des Fernsehens auf das Londoner East End (Arbeitergegend). Möchte man meinen – tatsächlich kommt diese glasklare Analyse 1977, voller Gegenargumente zu UntergangderZivilisation!111!! der Feuilletons von einer Zeitzeugin.

via @ankegroener

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Sonntag, 2. August 2020 – Ganz neue Körperlichkeiten!“

  1. creezy meint:

    Ach Mist, das mit dem Rücken. Ich drücke sehr die Daumen, dass das nur ein kurzzeitiger Ausrutscher ist, quasi ein Zeichen dafür, dass der Körper kurzfristig über die mentale Sportabwahl seiner Empörung Raum geben musste?

    Bestimmt! Alles Liebe – und eine wundervolle Reise!

  2. Sabine Kerschbaumer meint:

    Danke für die Idee, endlich einmal Scones zu backen. Im Urlaub sollte dafür Zeit sein. Bei mir muss bittere Orangenmarmelade drauf, Lemon-Curd ist auch toll.

    Einen schönen Urlaub wünsche ich!

  3. Michael meint:

    Trotz allem einen erholsamen Urlaub!

  4. Hauptschulblues meint:

    Clotted cream and strawberry jam!

  5. Brigitte meint:

    Hallo nach München, ich lief auch so rum nach einer großen persönlichen „Katastrophe“. Mir hat sofort die geniale und hochgeschätzte Physiotherapeutin geholfen. Seitdem herrscht ein etwas wackeliger Burgfrieden .
    Viele Grüße und gute Besserung, v.a..wegen Urlaub „bei uns“

  6. Berit meint:

    Hmm ich war heute auch wegen Rücken beim Arzt, nachdem ich wochenlang dachte das wird sicher von allein besser wenn ich Sport mache oder anderen Sport oder gar keinen. Ein Hoch auf die Kombi aus Physio und Ibu!

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