Journal Samstag, 26. September 2020 – Der verstörende Salzriese

Sonntag, 27. September 2020 um 9:42

Eine besonders üble Nacht, obwohl ich sie bereits herankommen gefühlt hatte und zum ersten Mal diese Woche zum Ibu gegriffen. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wie schmerzfreier Schlaf ging, hatte ich ja noch in der ersten Jahreshälfte dank Cortison gehabt (in der Monaten vor der OP ist Cortison verrbotten).

Aber es war ja Samstag, ich konnte zwei Stunden dranhängen und schlief bis halb acht. Draußen war es regnerisch, windig und kalt, ich genoss den modernen Luxus, einfach nur Heizkörper aufzudrehen.

Vormittags Brotbacken, einen meiner Standards: Glänzendes, großes Bauernbrot nach Plötzblog, diesmal schrieb ich meine Version auf.

Parallel wusch ich zwei Maschinen Wäsche und strampelte auf dem Crosstrainer – allerdings vorsichtig, mein Hüftgelenk gibt wohl kurz vor endgültigem Ende ganz auf.

Während der Stückgare des Teiglings machte ich mich auf eine kleine Einkaufsrunde ins Sauwetter. Am Stephansplatz kam ich an einer neu platzierten, verstörenden Bronze-Skulptur vorbei:

„Giant of Salt“ der Spanier Joan Coderch und Javier Malavia.

In der Galerie Benjamin Eck Projects ums Eck fand ich im Schaufenster eine Anknüpfung, auf deren Website Infos. Die kleinen Skulpturen wirken auf mich vor allem gefällig und dekorativ, doch der Salzriese auf dem Stephansplatz ging mir nach.

Zum Frühstück gab’s Croissant mit Orangenmarmelade, dann Wassermelone, dann Mango mit Joghurt.

Perfekt war das Brot nicht geworden: Es riss unten auf statt oben, hätte vielleicht etwas längere Stückgare gebraucht und mehr Dampf.

Mit der Resthitze vom Brot buk ich Browniekekse nach ZuckerZimtundLiebe.

Einige der Angaben brachten mich zum Schmunzeln und erinnerten mich an das Gesetz meiner Großmuttergeneration, den Teig unbedingt nur in einer Richtung zu rühren, weil sonst der Kuchen zusammenfalle: „die Schale mit der Schokolade und Butter dürfen das Wasser nicht berühren“ (mit Wasserberühung nennt man das Wasserbad und es ist die klassische Methode, Schokolade zu schmelzen), „genau 5 Minuten lang mit dem Teigmischeraufsatz oder Handrührerquirlen mixen“ (ich bin sehr sicher, dass die Geschwindigkeit des Mixens eine Rolle spielt und die Zeit davon abhängt).

Die Kekse waren sehr gehaltvoll und riesig, schmeckten mir auch sehr gut. Das nächste Mal versuche ich es mit der halben Größe und doppelten Anzahl.

Internet und Zeitung gelesen.

Bücher für Klinik und Reha auf mein Kindle gekauft, fünf sollten für den Anfang reichen. Kurzer Heulen- und Zähneknirschen-Anfall, weil ich wirklich sehr, sehr viel lieber kein arthrotisch kaputtes Hüftgelenk hätte und mich von meinem Körper mal wieder verraten fühle.

Fürs Abendessen sorgte ich: Der Lievito Madre im Kühlschrank hatte mich immer wieder auffordernd angesehen, also nutzte ich ihn für Pizzateig, den ich am Vorabend gestartet hatte.

Doch der Teig wollte im Ofen nicht recht aufgehen und blieb klitschig. Sehr viele Chancen werde ich dem Lievito Madre nicht mehr geben.

§

Es macht mich sehr traurig, dass es immer noch eine besondere Geschichte ist, wenn eine geniale Frau ihren Mann überflügeln darf und er sie leidenschaftlich unterstützt:
„May Every Woman Find Her Marty Ginsburg“.

“All too often women are marrying their glass ceilings.”

Ja, auch ich kenne Beispiele aus dem Freundinnenkreis – außerhalb dieser Gruppe ähnlich-gesinnter Menschen wird es allerdings schlagartig dünn. Ich bin gespannt, ob ich in meiner mittlerweile 30-jährigen Berufstätigkeit noch erleben werde, dass eine einzige direkte Kollegin nach Niederkunft in Vollzeit an ihren Arbeitsplatz zuückkehrt (oder auch nur stufenweise darauf hin arbeitet).

§

Ich habe auf dem abgebrochenen Weg zum Doktortitel ja Bekanntschaft mit so manchem schrägen Stipendiumskonstrukt gemacht, aber das von Frau Brüllen schießt alles davon ab:
„So war das mit dem Wurststipendium“.

die Kaltmamsell

31 Kommentare zu „Journal Samstag, 26. September 2020 – Der verstörende Salzriese“

  1. Alexandra meint:

    Der Wunsch, „jede Frau möge ihren Marty Ginsburg finden“ macht mich wütend. Als seien Frauen hilflos … ich habe mit 44 Jahren noch ein Studium begonnen und mit 48 den Bachelor gemacht. Meine Mitstudierenden hätten überwiegend meine Kinder sein können vom Alter her. Erschreckt hat mich, dass die Mehrzahl der weiblichen Exemplare Heirat, Mutter- und Hausfrauenschaft als klares Zukunftsziel ansahen – immer noch.

    —-

    Was im Leben bringt die Sicht auf den Körper als einen Verräter mit sich? Das beschäftigt mich.

  2. Hauptschulblues meint:

    „… von meinem Körper mal wieder verraten fühle.“-
    Ja, das mutet merkwürdig an. Geist und Körper sind doch eine Einheit, und die Krankheiten gehören dazu.
    Dann geht auch die Heilung schneller voran.
    Vielleicht ist der Satz auch nur aus Verzweiflung entstanden?
    H.s wünschen jedenfalls alles Gute, wenig Schmerzen, schnelle Rekonvaleszenz und in ein paar Monaten Joggen, Wandern und Schwimmen. Und befreites Brezenkaufen.

  3. Leserin Aziza meint:

    Meine Mutter ist 1968 nach 8 Wochen Mutterschutz nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten gegangen. Das war mein Erfahrungswert, mit dem ich groß geworden bin. Zusätzlich wollte sie nicht kochen, das übernahmen dann andere Familienmitglieder, zuerst ihre Tante, dann mein Vater. Deswegen wundern mich andere Berichte immer, denn für mich war das gelebte Realität und „normal“ .

  4. mhs meint:

    @Alexandra: so sehr ich Ihre Beiträge in der Regel schätze, so macht mich diese Post doch recht betroffen um nicht wütend zu sagen. Warum ist Heirat und Mutterschaft, die ja leider immer noch mit Hausfrauenschaft in Einheit daher kommt, ein erschreckendes Zukunftziel? Den Damen fehlen nicht nur die Vorbilder sondern sie haben i.d.R. NULL Ahnung was für ein zäher, frustrierender und isolierender Kampf ihnen züglich Gleichberechtigung bevorsteht. Und da die meisten Menschen nicht mit einem starken Selbstbewußtsein ausgerüstet sind, wird dieser Kampf oft nur zu Teilerfolgen führen. Es liegt weniger an den jungen Frauen denn an der Gesellschaft. Wenn man bedenkt wie lange hierarchische, patriarchalische Strukturen vorherrschten, dann sind 2-3 Generationen praktisch nichts um einen grundlegenden Wandel hervorzubringen. Und eigentlich sind wir schon ziemlich weit gekommen. Es sind weniger als 50 Jahre her, dass Frauen selbst bestimmen konnten ob sie nach Heirat oder später weiterarbeiteten, das Recht ein eigenes Konto haben zu dürfen und die Möglichkeit bekamen, die Anzahl ihrer Geburten selbst zu bestimmen. Dazu kamen ganz neue Bildungsmöglichkeiten (2. Bildungsweg). Es tut sich was aber es geht nun mal nur langsam voran.
    Mutterschaft und Heirat deshalb über Bord zu werfen erscheint mir nicht als der geeigneste Weg. Es kann eine Alternative sein, ist aber auch nicht der allein seelig machende. Den gibt es nämlich nicht.

  5. Antje meint:

    Ich habe mit 44 meinen Bachelor gemacht, und mit 54 meinen Master. Jetzt bin ich 56 und arbeite Vollzeit. Fuer mich ging beides – Kinder und Karriere – aber eben nicht gleichzeitig.

  6. Ivana meint:

    Ich denke auch, dass es geht, wenn man es will. Man muss aber bereit Kompromisse zu machen. Ich habe angefangen 20 Stunden/Woche zu arbeiten, die Kinder waren damals 26 und 8 Monate alt. Nach 18 Monaten Teilzeit habe ich dann grundsätzlich voll gearbeitet. Jetzt sind die Kinder 14 und 15 Jahre alt. Ein großer Nachteil war die oft angespannte finanzielle Situation, da wir ohne Familie vor Ort jegliche Unterstützung kaufen mussten. Wir haben keine Immobilien erworben, dafür machen wir beide, was Spass macht und inzwischen auch beide in leitenden Funtionen.

  7. Joël meint:

    (in der Monaten vor der OP ist Cortison verrbotten).
    Ich wusste nicht dass das nicht mehr geht. Das ist leider große Kacke. Ich wollte Sie das schon länger fragen, warum Sie keine „Pferdespitze“ mehr bekommen. Ich schicke nochmal ein gedankliches Kraftpaket von hier aus los.

    Der Salzriese sieht großartig aus. Vor allem wenn man auf dem Foto der Homepage sieht WIE groß er ist. Steht auf der Liste das nächsten Besuchs in München!

  8. Berit meint:

    Hmmm in vielen Teilen Deutschlands ist es strukturell auch gar nicht machbar, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten gehen. Wenn ich nur Kindergarten um mich habe, die von 12 bis Mittag aufhaben, habe ich eben keine Betreuung. Wenn Grundschulen keinen Hort anbieten, steh ich spätestens dann vor einem Problem.
    Und mit ich meine ich beide Eltern, obwohl die gelebte Realität leider anders aussieht.

    Jedenfalls, nach meiner Elternzeit habe ich auch wieder Vollzeit gearbeitet, bin damit aber selbst im Osten nicht die Regel. Obwohl man sagen muss, dass sich das ausgleicht wenn die Kinder älter werden und ich auch einige Männer kenne die verkürzt gearbeitet haben als die Kinder klein waren.

    Je mehr ich über die verschiedenen Betreuungsangebote in Deutschland lerne, desto mehr wird mir jedoch auch bewusst, dass wir dieses Modell nur leben können weil wir das Glück haben in der richtigen Region zu arbeiten und in den richtigen Berufen. Wären beide Eltern in Wechselschichtberufen wird es noch schwieriger

  9. die Kaltmamsell meint:

    Ich stimme mhs: Das Problem ist strukturell und wird nicht durch individuelle Anstrengung gelöst – zumal die geschilderten Anstrengungen („es geht“) in heterosexuellen Partnerschaften fast ausschließlich von den Müttern erwartet werden.

  10. Alexandra meint:

    @mhs:
    Sorry für Ärgernis – indes, ich möchte richtigstellen, dass ich weder den Jungen einen Vorwurf mache, noch etwas Übles an ihren Zielen finde.

    Übel ist in meinen Augen, dass ihnen intrinsisch keine Alternativen einfallen, sie erst gar keine einfordern.

    Woher das kommt (Nicht! : Wer, verdammt nochmal schuldig ist daran!), darüber lässt sich trefflich spekulieren …

  11. Simone meint:

    Ich bin in der DDR aufgewachsen. Dass Frauen auch mit Kindern Vollzeit arbeiteten, war der Normalfall. Es gab Kinderkrippe und -garten, Schulhort, sprich Ganztagsbetreuung, kostenlos oder für kleines Geld. Die Arbeitswege waren meist kurz, sodass dafür kaum Zeit verlorenging.
    Heute sieht es anders aus. Ich habe zwei Kinder und seither nur in Teilzeit gearbeitet, weil es schlicht nicht anders möglich war. Lange Arbeitswege, eingeschränkte Betreuungsmöglichkeiten. Dazu ein Gehaltsgefälle welches ausschliesst, dass mein Mann Arbeitszeiten reduziert. Außerdem jede Menge organisatorischer Kram im Zusammenhang mit den Kindern, der auch erledigt sein will (Schule, Anträge/ Formulare, Termine… Stichwort Mental Load). Vollzeitarbeit schließe ich daher für mich bis zur Volljährigkeit der Kinder weiterhin aus. Aus meiner Sicht ist Vollzeitarbeit für Mütter eigentlich nur dann sinnvoll möglich, wenn beide Partner annähernd gleiche Einkommen haben und so evtl. wechselnd die Arbeitszeiten reduzieren können. Das ist aber nicht der Regelfall (und dank GenderPayGap nicht einmal im selben Job, aber anderes Thema). Und ja, das Problem liegt nicht bei den Frauen, die nicht arbeiten wollen. Es gibt mehr als genug Mütter, die mit diesem Modell und der damit einhergehenden Abhängigkeit vom Einkommen des Partners unzufrieden sind, für die es aber schlicht nicht anders praktikabel ist (auch im Sinne ihrer Gesundheit).

  12. Hauptschulblues meint:

    @Simone: H. hat vor der Wende eine Freundin in Gera besucht und war auch in der Schule, in der sie arbeitete.
    Beeindruckend die Unterstützungsmöglichkeiten (Ganztagsschule, Kita, Freizeitangebote) für berufstätige Mütter und Väter, beeindruckend auch der Hausfrauentag.
    H. hätte sich gewünscht, dass der Westen das übernimmt, aber nein.
    Statt dessen fuhr aus dem Westen die zweit- oder drittklassige Garde in den Osten und baute um und wickelte ab.

  13. Ilka meint:

    Danke für den Salzriesen und die Einschätzung der Kekse (die stehen auf meinem Wunschzettel). Wäre evtl. für die Reha ein Bibliothekszugang eine Option? Ich leihe vor allem Online – lesen und hören.
    Viele Grüße, die Daumen für OP sind gedrückt
    Ilka

  14. Nina meint:

    Ich, von Beginn an alleinerziehend, mein Sohn ist jetzt fast 3 Jahre alt, arbeite seit Wiedereinstieg nach Elternzeit Vollzeit. Das muss so gehen, weil sonst das Geld einfach nicht reicht und weil ich meinen Job sehr mag und einfach gern arbeite. Es geht aber nur, weil wir in der Großstadt leben, er in eine Kita mit sehr langen Betreuungszeiten geht, Kita, Arbeitsplatz und Wohnung relativ nah beieinander liegen und ich alles mit dem
    Fahrrad erledigen kann (auch den schnellen Einkauf im Drogeriemarkt, Supermarkt und Bioladen auf dem
    Weg zur Kita), mein Arbeitgeber sehr familienfreundlich ist und ich viel zuhause arbeiten kann und weil wir ein sehr gutes Netzwerk haben mit anderen Familien und kinderlosen Freundinnen, die immer wieder einspringen und viel unterstützen. Es funktioniert gut, auch wenn es natürlich nicht unanstrengend ist und ich dann doch oft noch abends was arbeite, was ich tagsüber einfach nicht geschafft habe. Dafür muss ich mich nicht mit einem Partner, einem anderen Elternteil rumärgern und mühsam gleiche Belastung ausdiskutieren, spare da also eher viel Kraft und Energie an dieser Stelle. Ich sehe aber, dass es wirklich nur unter genau diesen Bedingungen funktioniert und, sollte sich eine davon ändern (zweites Kind, weitere Arbeitswege o. ä), das Kartenhaus in sich zusammenfällt. Es ist also wahrlich nicht mein eigener Verdienst (zumindest nicht nur), sondern wirklich ein strukturelles Problem. Das macht mich immer wieder so wütend, wenn ich die abgehetztem Mütter um mich herum erlebe.

  15. Simone meint:

    @Hauptschulblues:
    Zur Wiedervereinigung Deutschlands war ich erst 17 Jahre alt, somit kann und will ich nicht (so wie viele es gern tun) behaupten, dass früher alles besser war. In Bezug auf das Bildungssystem bin ich mir aber sicher. Zu meiner Zeit wurden wir bis zur 10. Klasse in einer gemeinsamen Schule unterrichtet, danach konnte man auf eine sog. Erweiterte Oberschule wechseln und in 2 Jahren das Abitur ablegen. Das war leider nicht allen möglich, linientreue Eltern waren eine Voraussetzung. Das ist aber auch schon der einzige Nachteil, der mir einfällt.
    Inzwischen habe ich selbst zwei schulpflichtige Kinder. Ein Abi haben wir schon geschafft, bis zum nächsten dauert es noch ein paar Jahre. Die Kinder machen ihre Sache gut, insofern kann ich nicht klagen. Dennoch gibt es Probleme: Lehrermangel, Unterrichtsausfall, desillusionierte / abgestumpfte Lehrer und jede Menge Papier- und Zettelkram. Betreuungsmöglichkeiten enden mit dem Wechsel an Gymnasium bzw. Oberschule, hier in Sachsen nach der 4. Klasse. Da sind die Kinder 10 Jahre alt und sollen alleine klarkommen, wenn die Eltern berufstätig sind. Und da will ich gar nicht anfangen von unterschiedlichen Lehrplänen und Prüfungen in den einzelnen Bundesländern. Alle Eltern in meinem Umfeld sind mit dem Schul- /Bildungssystem unzufrieden, trotzdem ändert sich nichts. Vermutlich weil man seitens der Politik nicht zugeben möchte, dass es auch im Osten Nachahmenswertes gab.

  16. die Kaltmamsell meint:

    Und wieder keine einzige Väterstimme zur eigenen schwierigen Vereinbarkeit Fortpflanzung/Job. Weil Strukturproblem. Vielleicht frage ich einfach mal die Väter unter meinen Vollzeitkollegen, wie sie das eigentlich unter einen Hut kriegen mit Job und Familie – damit die Frauen daraus lernen können.

    In der DDR, Hauptschulblues, war der Haushalt genauso Frauensache wie im Westen, waren es die Mütter, die nach der Arbeit noch Einkaufen gehen mussten, nicht die Väter.

  17. Sandra meint:

    Ich werde für 6 Monate, wenn mein Mann Elternzeit macht, Vollzeit zurückkehren und dann erstmal entspannt dem Wahnsinn entfliehen und Teilzeit arbeiten. Sie stöhnen doch sonst eher ob der vielen Arbeit, warum sollen ausgerechnet Mütter dann Vollzeit zurückkehren? Eine Geburt und das Drumherum ist nicht ohne! Ich finde es jedenfalls super, dann erstmal kürzer treten zu können, weil es mir oft auch zu viel ist. Außerdem habe ich Lust auf Zeit mit meinem Kind. Solls auch geben.

  18. die Kaltmamsell meint:

    All das, Sandra, sind keine Argumente gegen die strukturelle Benachteiligung von Frauen. (Oder kann die Ihretwegen bestehen bleiben, weil Sie ja Lust auf Zeit mit Ihrem Kind haben?)

  19. Claudia meint:

    Auch in der ehemaligen DDR war es immer auch eine Sache der Ehepartner, wie sich der Haushalt aufgeteilt wurde. Bei mir waren sowohl meine Mutter als auch mein Vater voll berufstätig. Ich kann mich erinnern, daß mein Vater nach Hause kam, als ich mal krank war, da er das besser mit seiner Arbeit vereinbaren konnte, als meine Mutter als Ärztin an einer Klinik mit Spät- und Nachtdiensten. Auch sonst wurde sich die Arbeit im Haushalt geteilt. Es gab allerdings eine wirklich gute Sache in der ehemaligen DDR – einmal im Monat habe es (zumeist für die Frauen) einen zusätzlichen freien Tag – den sogenannten Haushaltstag.

  20. Jongleurin meint:

    Ich habe in meinen Leben noch nicht Vollzeit gearbeitet, hatte aber auch immer einen ordentlichen Stundenlohn. Mein Lebensgefährte verdient mit 40 Stunden nur marginal mehr als ich mit 30. Das würde ich jetzt mit zwei Kindern auch nicht proaktiv ändern. Ich bin allerdings mittelfristig an einem Bereichswechsel interessiert und würde dabei Vollzeit in Kauf nehmen… Ginge dann aber auch nur mit sehr flexiblen Arbeitszeiten und mit meinem Lebensgefährten, der schon immer mit Freuden seine 50 Prozent Haus- und Kinderarbeit übernimmt. Ich bete meinen Töchtern (1 und 7) jetzt schon vor: Augen auf bei der Berufe- und Partnerwahl, sonst werdet ihr einfach wenig Wahlmöglichkeiten haben.

  21. Hauptschulblues meint:

    Meine Freunde teilten sich die anfallende Arbeit und die Erziehung der beiden Söhne: Sie Mathe- und Physiklehrerin, er Generalmajor der NVA.
    Das heißt natürlich nicht, dass das überall so war. Es war halt wie bei uns: Strukturelle Benachteiligung der Frauen.

  22. Sandra meint:

    Auch Väter haben das Problem, dass Kitaplätze, insbesondere U3 rar sind.
    Kennen Sie Frauen, die keine Lust auf Zeit mit ihrem Kind haben? Hat mir gegenüber zumindest noch keine zugegeben und die, die ich kenne, wollen möglichst lange voll für ihr Kind da sein und es nicht so schnell wie möglich in die Fremdbetreuung geben.

  23. die Kaltmamsell meint:

    Verstehe ich Ihr Argument richtig, Sandra: Weil Ihnen die Gegenwart Ihres eigenen Nachwuchs wichtiger ist als materielle Unabhängigkeit oder beruflicher Erfolg, ist strukturelle Benachteiligung von Menschen, bei denen das nicht so ist, zu vernachlässigen?

  24. Sandra meint:

    Es gibt Menschen, bei denen das nicht so ist, dass ihnen die Gegenwart ihres Kindes das wichtigste ist? Materielle Unabhängigkeit und beruflicher Erfolg ist Menschen wichtiger, als das? Naja, wenn’s denn bei denen so ist, müssen die das ja ihren Kindern erklären können und nicht ich.

  25. Neeva meint:

    Sandra erstmal alles Gute für Geburt und Start! Ich wünsche Ihnen von Herzen eine Elternzeit, in der alles super ist.
    Bei mir war es nicht so und es wurde erst mit der Krippe besser, obwohl diese das Gehetze mit ja, Vollzeitarbeit mit sich brachte. Aber vielleicht haben Sie mehr Unterstützung als ich hatte.
    Vergessen Sie über dem Wichtigsten, der Zeit mit Kind nicht, dass für das Kind die Eltern am Wichtigsten sind. Und die Eltern müssen sich um sich selbst kümmern.

  26. Neeva meint:

    Das um sich selbst kümmern beinhaltet das Kümmern um eine wirtschaftliche Lebensgrundlage.

  27. die Kaltmamsell meint:

    Ah, jetzt verstehe ich, Sandra: Sie wollen gar nicht argumentieren (sonst wären Sie selbst draufgekommen, dass anscheinend fast alle Väter unter die Kategorie Menschen fallen, denen die Gegenwart ihres Kindes nicht das Wichtigste ist), sondern lediglich spitze Bemerkungen hinterlassen. Nur zu!

  28. Sonst_stille_Leserin meint:

    Sind nicht vielleicht die Männer die Benachteiligten, weil sie es kaum mal innerfamiliär durchsetzen können, zuhause beim Kind zu bleiben? Stattdessen wird erwartet, dass sie Vollzeit arbeiten gehen, um die Familie finanziell abzusichern. Sorry – einfach eine andere Sicht auf die Dinge von einer Leserin, auf eigenen Wunsch kinderlos, immer arbeitend gewesen.

  29. Nina meint:

    Ich liebe die Zeit mit meinem Kind, aber ich liebe auch die Zeit ohne es. Ich war sehr froh, nach der Elternzeit wieder voll arbeiten zu können und wollte wirklich nicht noch länger noch mehr Zeit ausschließlich mit dem Kind verbringen. Ich bin eine von den sogenannten Spätgebärenden (also jenseits der 35) und hatte vor dem Kind also schon ein beruflich und privat reiches Leben, das ich sehr gern nun mit meiner Familienzeit und -Aufgaben integriere. Dazu gehört eben auch, dass mein Kind eben in Betreuung ist. In meinem
    Umfeld (zugegebenermaßen alles sehr gut qualifizierte Akademikerinnen, die ihren Job mögen) ist das übrigens eher die Norm als die Ausnahme, dass Mütter gern eher mehr arbeiten würden. Ein nicht anekdotischer Grund dafür, nicht Teilzeit zu arbeiten, ist übrigens die drohende Altersarmut. Jahrelang in Teilzeit zu arbeiten bedeutet eben auch weniger Rente. Ich kann @Sandra also nur wünschen, dass Ihr Mann ihre fehlenden Rentenbeiträge aus seinem Einkommen mitfinanziert oder dass sie reich geerbt hat. Der Anteil der Teilzeit arbeitenden Mütter schlägt sich statistisch sehr substantiell in dem Anteil an von Altersarmut bedrohten Frauen nieder. Daran ändert auch der grad an Qualifikation und Berufsabschlüssen nichts. Sprich: egal wie gut ich qualifiziert bin, wenn ich nach der Geburt von Kindern nicht Vollzeit arbeite und nicht anderweitig vorsorge, werde ich im Alter arm sein.

  30. Norman meint:

    Der Naturalismus der beiden Spanier ist durchaus kritikwürdig.

  31. Susann meint:

    Ich weiß nicht, warum es erstrebenswert sein soll, direkt nach der Geburt wieder in Vollzeit am Arbeitsplatz aufzsuchlagen.
    Ich habe zwei Kinder, bei Kind 1 war ich alleinerziehend und habe voll gearbeitet, wenn auch nicht gleich nach der Geburt. Es war verheerend für alle Beteiligten, es war nicht genug Zeit für das Kind, und das Kind kam damit nicht gut zurecht und trägt auch als Erwachsener sein Päckchen mit, das aus diesen Jahren stammt.
    Nach Kind 2 (wesentlich später geboren) war ich drei Jahre zu Hause, es war eine wunderbare Zeit, total stressfrei, gut für das Kind, gut für mich. Finanziell geht es sich, da bin ich sehr privilegiert, auch im Hinblick auf mein Alter gut aus, und nein, ich verlasse mich da nicht auf meinen Mann. Ich hätte in der Babyzeit auch nur ungern die vielgeschmähte Carearbeit meinem Mann überlassen, sondern habe sie sehr genossen.
    Wer wirklich gleich nach der Geburt arbeiten möchte, braucht a) einen Partner, der dann in Carearbeit macht oder b) Großeltern, die in der Nähe wohnen, fit sind, Zeit haben, und zu denen ausreichend Vertrauensverhältnis besteht oder c) genug Einkommen für eine wirklich gute Kinderbetreuerin. Die Frage, die gerne hint‘ runterfällt, ist: was braucht das BABY (wir sprechen hier ja nicht von Dreijährigen)? Eine 40 Stunden abwesende Mutter, ja? Ich wage es zu bezweifeln.

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