Journal Samstag, 7. November 2020 – Sonne, Nebel, Kürbisschnecken

Sonntag, 8. November 2020 um 8:24

Ausgeschlafen, beim Aufwachen Fetzen von Traum 1, in dem mir ein Zahn im Mund zerbrach (leider war der Traum weg, bevor ich herausfinden konnte, welcher), Traum 2, in dem mal wieder eine Wohnung eine Rolle spielte (schade, dass ich mich an praktisch nichts erinnere, ich würde sehr gerne mal wieder im Traum eine aufregende Wohnung sehen).

Vormittags ein bisschen Sport (Crosstrainer, Bauchübungen, Dehnen), vor allem aber Backen: Ich hatte am Vorabend den kleinen Hokkaido aus Ernteanteil in Spalten gebacken, um einen Teil für Kürbis-Zimtschnecken zu verwenden.

Ich hatte die Flüssigkeitsmenge eh schon auf 220 Gramm reduziert und musste dennoch ordentlich Mehl nachkippen, um von der Konsistenz Spätzleteig wegzukommen, ich empfehle also, höchstens 175 Gramm Milch zu verwenden. (Ein bisschen rührend ist es ja schon immer, wenn kommerzielle Foodbloggerinnen angestrengt versuchen, irgendwelche Produkte in ihren Posts unterzubringen. Allerdings habe ich gesehen, dass es seit einiger Zeit a thing ist, Hefeschnecken in gusseisernen Pfannen zu backen, selbst wenn sie zu klein dafür sind – weil das auf Pinterest hübscher aussieht als eine Springform? Über den Einfluss von Gerät-Fotogenität auf Backmethoden wird noch zu forschen sein.)

Bereits der Teig duftete nach Kürbis.

Nach dem Duschen waren die Schnecken auf genau frühstückswarm abgekühlt, nach nur dreien davon (köstlich!) war ich knapp unter überfressen.

Bei Zeitungslektüre wartete ich auf das Ende einer Maschine Wäsche, bevor ich raus in die Sonne ging (diesmal war der Hochnebel bereits vor Mittag verflogen). Ich nahm eine Tram zum Tivoli (angenehm leer) und sah nach einem Stückchen meiner einstigen Standard-Laufstrecke.

Es war kälter als erwartet, ich hätte einen zusätzlichen Pulli vertragen, außerdem Handschuhe – ich kann halt immer noch nicht zackig genug marschieren, dass mir davon warm würde. Nach vielen Monaten sah ich mal wieder nach der Isar, Nordteil.

Das Ufer nördlich von der Max-Joseph-Brücke ist derzeit durch Bauarbeiten gründlich kaputt, die Wege direkt an der Isar sind gesperrt.

Gemächlich schlendernd bekam ich goldenes Licht ab und kalte Novemberluft. Ich schaffte es aber nicht mal zum Föhringer Wehr.

Zurück zu Hause gab es heißen Tee, als Snack den Rest Postelein aus Ernteanteil.

Mehrgängiges Nachtmahl: Aus dem restlichen gebackenen Kürbis machte ich Suppe mit Hühnerbrühe aus den Knochen vom Vortagsgockel, angebratenen Zwiebel und Knoblauch, einem Schuss Rosé vom Vortag. Beim Zerstören geriet ich trotz aller Vorsicht mit dem Zauberstabkabel auf die heiße Herdplatte, eine Stelle schmolz bis aufs Kupfer. Ärgerlich, jetzt müssen wir überlegen, ob wir das 25 Jahre alte, vollfunktionale Gerät reparieren lassen oder ersetzen. Die Suppe aber schmeckte hervorragend.

Zweiter Gang war der Romanesco (aka Fraktalesco) in Viertel überbacken aus dem Ofen (gut!), abschließend gab es Gnocchi alla romana (auch gut!).

Die USA haben genug Stimmzettel ausgezählt, dass feststeht: Joe Biden wurde zum nächsten Präsidenten gewählt. Mein Internet feierte mindestens so groß, dass eine Frau Vizepräsidentin wird, dass eine Schwarze Vizepräsidentin wird.

Es wird noch eine Weile brauchen, bis bei mir angekommen ist, dass bald nicht mehr jeder Tag mit „Was hat er jetzt wieder angestellt?“ beginnt. Es gibt ja genug Anderes zum Aufregen.

Der Abend endete mit rarem Nebel vorm Balkon.

§

Ich hätte gerne, dass Juliane Liebert alle Filme jemals überhaupt bespricht, wenn dabei zum Beispiel sowas rauskommt:
„Film ‚Holidate‘ auf Netflix:
Ist das noch gut?“

Die Handlung: Eine blonde, attraktive Frau (Sloane) trifft einen brünetten, attraktiven Mann (Name schon wieder vergessen) und (Ist Ihnen eigentlich klar, dass wir alle sterben werden? Jeder einzelne von uns?) beide sind Single, was vor allem Sloanes Familie blöd findet.

Diese Familie (Sehen Sie auch manchmal alte Filme und denken daran, dass jeder einzelne Mensch in diesen Filmen lange tot ist?) versucht Sloane mit einem netten jungen Arzt von nebenan zu verkuppeln. Nein, nein, keine Angst, keiner von diesen Ärzten, die da draußen rumlaufen und einen eventuell anstecken könnten, weil sie arbeiten müssen, obwohl sie Corona haben. Es ist stattdessen ein attraktiver, netter, virenfreier Schnuffelarzt.

§

Was macht ein Regisseur eigentlich bei einer Live-Sendung? Antwort hier am Beispiel eines Stücks Oscarnacht 1996.

via @flueke

die Kaltmamsell

20 Kommentare zu „Journal Samstag, 7. November 2020 – Sonne, Nebel, Kürbisschnecken“

  1. Angela meint:

    Bei uns wird jede Art von Schnecke auf dem Blech mit Abstand gebacken. Ich mag halt den braunen Rand.

    Und jetzt steh ich auf und mach einen Hefeteig. Schönen Tag euch allen

  2. Anna meint:

    Mist mit dem Pürierstab. Meiner (17 Jahre, gutes Gerät) hat seit Jahren so ein angebranntes Kabel und ich wurde erst jetzt beim Einbringen in den gemeinsamen Haushalt darauf aufmerksam gemacht, dass das eventuell keine so gute Idee ist, ihn trotzdem (seit Jahren ohne Probleme) zu verwenden. Hm. :( Freue mich über weiteren Bericht bzgl möglicher Reparatur! Gebackene Kürbisspalten habe ich gestern auch damit püriert :) (als Beilagenpüree, die Schnecken klingen jedenfalls auch sehr interessant, kommen mal auf die Liste!, Danke!)

  3. Joël meint:

    Danke für die Kritik von Julia Liebert. „Made my Day“

  4. Petra meint:

    Den Pürierstab würde ich entsorgen (sollten Sie ein gleichwertiges Gerät nachkaufen können). Ich habe die Erfahrung gemacht, dass selbst bei gründlicher Reinigung schon nach kürzester Zeit Rückstände des Püriergutes ins Innere des Gerätes gelangen; der Anblick war nicht appetitlich.
    Vielleicht ist Ihr Gerät aber auch anders beschaffen.
    Es grüßt Sie die ansonsten stille Leserin Petra

  5. poupou meint:

    jetzt musste ich richtig lange überlgen, für welches kürbiskuchenrezept ich letztes jahr dauernd kürbisse püriert hatte, und tadaa, es war sogar aus dem selben blog: ( https://www.zuckerzimtundliebe.de/2019/10/rezept-kuerbiskuchen-marmorkuchen-pumpkin-bread/ ) danke für die erinnerung daran, es bald wieder zu backen.

  6. Kitty Koma meint:

    Der Pürierstab muss nicht weggeworfen werden. Es braucht nur eine Lüsterklemme und Gaffertape, wenn man keinen Lötkolben hat.
    An der geschmolzenen Stelle aufschneiden, die Drahtenden abisolieren, mit der Lüsterklemme die Kabelenden wieder verbinden (Aufpassen, daß die Farben richtig zugeordnet sind) und die Stelle mit Gaffertape umwickeln.
    Ein neues Kabel installieren scheitert meist daran, wie es ins Gerät eingesetzt ist. Ich mußte deshalb meinen Pürierstab nach 20 Jahren wegwerfen, der hatte einen Kabelbruch beim Eingang ins Gehäuse.

  7. Sabine Kerschbaumer meint:

    Ich backe sehr gerne in Gusseisen – ich verwende sogar unseren „Dutch oven“ für Brot etc. . Die Hitze wird wunderbar gleichmäßig verteilt, was sich auch dann bemerkbar macht, wenn ich den Deckel weglasse.

    Ich bin schlicht zu geizig, mir einen zusätzlichen Bräter mit Deckel zu kaufen, der Pott, der im Sommer im Schrebergarten über dem offenen Feuer Chili und Co. kocht, wird im Winter einfach wenig „influencertauglich“ umfunktioniert.

    Einen schönen Sonntag, es ist ja nochmals toll sonnig

    Sabine

  8. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Fast wie @Kitty Koma schreibt.
    Also Kabel so zerschneiden das die geschmolzene Stelle danach weg ist, Kabel abisolieren und gleich zu gleich wieder anlöten. Vorher aber (wenn möglich farblich passenden) Schrumpfschlauch auf ein Kabelende ziehen und diesen dann an der Lötstelle mit Hilfe vom Fön oder Heizluftpistole schrumpfen lassen.

  9. Gaga Nielsen meint:

    Ich habe mal im TV gesehen, wie ein alter Pürierstab aufgeschraubt wurde, und eklige Reste von tausend pürierten Suppen zum Vorschein kamen. An dem Tag habe ich meinen Pürierstab, der sowieso komisch gebrummt hat, in die Tonne gekloppt.

    Hervorragender Link, der zum Camera Director der Oscar Nacht, was für ein visueller und geistiger Hochleistungssport, bin beeindruckt.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Die ESG-Zauberstäbe, Kitty Koma, Frau Irgendwas ist immer, lassen sich bis heute oben auf der Kabeleingangsseite aufschrauben. Ich werde sicher erst mal einen Kabeltausch im Gehäuse versuchen. (Bei dieser Gelegenheit, Gaga Nielsen, kann ich gleich mal nach Resten suchen – da die Firma auch Gastro-Modelle anbietet, hat sie vielleicht eine Technik dagegen?)

  11. Thea meint:

    In München gibt es sicher auch schon diese wunderbaren Repair-Cafés. Dahin ginge ich sofort mit meinem über 20 Jahre alten Zauberstab.
    Schön, dass es Ihnen immer besser geht.

  12. Christiane meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell,

    kaum lese ich Ihr Blog seit ungefähr 8 Jahren, schon treffe ich Sie in persona auf Ihrer einstigen – und ich bin fest überzeugt auch zukünftigen – Laufstrecke an der Isar. Vielleicht haben Sie die Läuferin bemerkt, die Ihnen unter der John F. Kennedy-Brücke begegnet ist und die bei Ihrem Anblick plötzlich ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hatte.

    Vielen Dank für Ihr wunderbares Blog und die vielen, klugen Gedanken, die Sie teilen.

    Herzliche Grüße aus Haidhausen
    Christiane

  13. Gaga Nielsen meint:

    Geräte aufschrauben ist immer interessant! Das Biotop entsteht wohl vorrangig innen auf der unteren Seite, wo die Messerchen sind.

    Zu den Reinigungsmethoden/-versuchen der verschiedensten Modelle gibt es hier und da abendfüllende, leidenschaftliche Stränge nachzulesen.

    (ich zerquetsche die zerkochten Kürbisbrocken fürs Süppchen seit Abschaffung des Geräts mit dem Kartoffelstampfer, ohne Perfektionsanspruch an die Textur, mir schmeckt die Suppe auch so ausgezeichnet.)

  14. Croco meint:

    Diese Frau Liebert!
    Witzige Analyse des gesamten Serienkitsches der letzten Zeit. Habe festgestellt, dass von ihr auch der wunderbare Artikel über Bill Murray ist.“Wenn man in den Himmel käme, und Gott hätte Bill Murrays Gesicht, es würde niemanden wundern.“
    Und der Regiseur ist so unglaublich, ein wahrer Dirigent. Bei Kitty Koma habe ich vor vielen Jahren gelesen, wie diese Verleihungsveranstaltungen eigentlich ablaufen. Oder war das anderswo? Es ist nämlich viel langweiliger als man denkt.
    Ob die Leute, die vor geraumer Zeit einen Bräter gekauft habe und keinen Braten machen, vielleicht die Schneckenbackerei als letzte Lösung für das sperrige Teil entdeckt haben?

  15. die Kaltmamsell meint:

    Das ist ja nett, Christiane!

    Es fällt mir sehr schwer mir vorzustellen, Gaga Nielsen, an welcher Stelle bei meinem Modell irgendwas ins Innere vordringen könnte: Die Messer sind ansteckbar, aus dem Gehäuse ragt ein blanker und massiver Metallstab, ich habe das Gerät nie bis zum Gehäuse ins Püriergut gesteckt. (Es könnte sich um den Vorfahr von diesem Modell handeln.)

  16. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Na wenn das Gerät aufzuschrauben geht, ist das doch ganz wunderbar und reparieren einfach. Ein guter Lötkolben, also vielleicht nicht unbedingt das Modell welches der Dachdecker für die Regenrinne nimmt, und schon lebt das Küchengerät weitere 20 Jahre.
    Viel Erfolg!

  17. Kathrin meint:

    Ich habe Frau Lieberts Rezension gestern ebenfalls mit großer Freude gelesen und danach auch meinem Mann vorgelesen! Das Zeitunglesen versüßt mir gerade die Quarantänezeit. Zum Glück geht es mir gut… Die Kürbisschnecken verlocken sehr. Ich habe gerade beschlossen, dass ich die zweite Quarantänewoche zum Einkochen von Kürbismarmelade nutzen werde.
    Ich lese gerne hier und wünsche weiterhin gute Genesung.
    Viele Grüße, Kathrin

  18. lihabiboun meint:

    Sehr verehrte liebe Kaltmamsell,
    für die gnocchi alla romana benötigt man ja Hartweizengrieß – darf ich fragen, wo Sie den herhaben? Weder die Mühle, noch Italy noch meine italienische Marktfrau haben das Zeug … alle nur die semola rimacinata …. So?
    DANKE!!

  19. Herr Kaltmamsell meint:

    Hartweizengrieß gibt’s beim Edeka am Stachus. :-)

  20. lihabiboun meint:

    Vielen Dank Herr Kaltmamsell!

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