Journal Sonntag, 8. November 2020 – Westpark-Sonne

Montag, 9. November 2020 um 6:36

Gute Nacht. Beim Morgenkaffee bemerkte ich ungewohnte Vogelgeräusche und -bewegung in den Kronen der Kastanien vor dem Balkon und griff nach dem Fernglas: Ein Schwarm Distelfinken war zu Besuch.

Gestern war Sportpause, nach dem Duschen gab es bereits um elf Frühstück: Zwei Kürbisschnecken, die auch am zweiten Tag herrlich saftig waren.

Draußen schien seit dem Morgen die Sonne, diesmal wollte ich durch den Westpark spazieren. Ich nahm den Bus dorthin und schlich ein Stündchen einmal quer durch bis zur U-Bahn-Station (wie viele, viele andere auch – meine Hoffnung, dass Sonntagmittag noch nichts los sein würde, sah ich enttäuscht). Wieder hatte ich unangenehme Schmerzen beim Gehen – nur fünf Wochen nach OP sicher kein Grund zur Sorge, aber nervig. Gerade bei so herrlichem Wetter fühle ich mich schon arg eingeschränkt. Diesmal war ich wärmer gekleidet, doch auch die Temperatur war gestiegen – spazierte ich halt mit Mütze und Handschuhen in der Hand.

Überraschung: Die Pagode war jetzt mit Metallzaun verbarrikadiert, im Mai hatte sie noch so ausgesehen.

Beim Heimkommen hörte ich die Distelfinken im Nußbaumpark.

Gute Körperlichkeitsnachrichten übrigens: Derzeit fast keine Hitzeattacken, nur ein bis zwei am Tag (Menstruations-App zeigt Tag 141 an, Daumen und Eierstöcke sind gedrückt).

Luise Pusch, Begründerin und Königin der Feministischen Linguistin in Deutschland, kenne ich so lange wie das Web, in dem sie von Anfang an aktiv war. Auf dem Sofa mit hochgelegten Beinen sah ich eine (etwas ungelenk gemachte) neue Doku über sie: Luise F. Pusch – Hindernislauf mit Happy End:

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Luise F. Pusch_Hindernislauf mit Happy End_MMarti_2020 from gitta gsell on Vimeo.

Ich verdaute die Eindrücke mit einer Runde Bügeln, holte mir dann als Nachmittagssnack die restliche Kürbissuppe mit einem Stück Brot. Nachgeholt: Die Anstalt vom 3. November (wunderbar passend: Auch hier ging es um (unter anderem gender-)gerechte Sprache): „Die USAbwahl 2020“.

Zum Abendbrot servierte Herr Kaltmamsell nochmal short ribs, diesmal auf dem Herd gegart. Sie wurden ganz hervorragend.

Als Abendunterhaltung lief der aktuelle Tatort, in Münster wurde diesmal ein wenig nicht-realistisch ermittelt, ganz nett und weniger klamaukig, als von Münster-Tatorten gewohnt. Räumen für den Putzmann und für Herrn Kaltmamsells ersten Arbeitstag nach Allerheiligen-Ferien.

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Interview in brandeins mit dem Sportwissenschaftler und ehemaligen Profi-Schwimmer Lutz Thiem, der herausgefunden hat, dass Medaillengewinner früher sterben:
„’Es gibt Leistungssportler, die bereit sind, ein kürzeres Leben in Kauf zu nehmen’“.

Westdeutsche männliche Spitzensportler sind mit ihrer Mortalitätsrate am weitesten von der Gesamtbevölkerung entfernt.

Gerade diese sehr erfolgreichen, meist männlichen Spitzensportler werden gern von Unternehmen als Referenten eingeladen. Warum?

Hochleistungssportler leben ihre Passion täglich aus, und viele Wirtschaftsführer wünschen sich das von sich und ihren Führungskräften. Der sportliche Wettbewerb ist jedoch strukturell ein anderer, er findet unter verschärften Bedingungen statt: Im Sport ist das Zeitfenster für Höchstleistungen viel kleiner als in der Wirtschaft, und man kann es meist nur in einer Sportart an die Spitze schaffen. Es gibt auch keinerlei kulturellen Kontext – man ist einfach nur die Person, die am höchsten springt, am weitesten wirft, am schnellsten läuft, und dann der Sieger.

Eine Führungskraft wird wesentlich vielfältiger beurteilt: Bei einem Kriterium performt sie sehr gut, beim anderen enttäuscht sie. In der Wirtschaft spielen auch Aspekte wie soziale Fragen oder Nachhaltigkeit eine zunehmende Rolle, es geht oft nicht nur um den reinen ökonomischen Erfolg.

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Wie wundervoll, wenn Leute Ideen einfach mal ausprobieren. Zum Beispiel: Kann man dich mit Panzertape an die Wand kleben?

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Sonntag, 8. November 2020 – Westpark-Sonne“

  1. Alexandra meint:

    In der „Rheingold“-Inszenierung des Schlosstheaters Moers wurde der tote „Siegfried“ mit Panzertape an die Scheibe eines Schaufensters geklebt – Aufführungsort war das „Wallzentrum“, die Bausünde aus den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts – das hat super gehalten!

  2. adelhaid meint:

    Ahaahahaaaa, besonders witzig ist ja der sich vor lachen schüttelnde haufen panzertape am schluss. sehr sehr sehr schön

  3. lihabiboun meint:

    SEHR ungelenk gemachte Bio – dennoch vielen Dank! Verständlich, dass man da dran rumverdauen muss …

  4. chatts meint:

    Luise Pusch habe ich in den 90ger Jahren nach einer Lesung kennengelernt-
    vorher war ich begeistert von ihren Publikationen, seitdem bin ich Fan.
    Feministische Linguistik war meines Wissens kein Thema vor ihren Forschungen.
    Unsere heutigen genderneutralen Sprachbemühungen beruhen auf ihren Erkenntnissen, es hat sehr lange gedauert, bis diese in unserer Alltagssprache angekommen sind.
    Hoffentlich bekommt sie die Anerkennung, die sie verdient.
    Ihre Bücher und vor allem auch ihre wunderbar humorvollen Glossen kann ich wärmstens empfehlen. Der Aha-Effekt dabei ist überaus lehrreich.

  5. Croco meint:

    Luise F. Pusch und das Panzertapevideo sind beide auf ihre Art grandios.
    Man weiß nie, wohin es führt, wenn man es nicht versucht.

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