Journal Donnerstag, 4. Februar 2021 – Heimbüro und William Maxwell, So long, see you tomorrow

Freitag, 5. Februar 2021 um 6:34

Homeoffice hieß wieder: Bei gleich frühem Aufstehen über eine halbe Stunde mehr Zeit für Sport. Ich nutzte sie für ausführliche Reha-Gymnastik, während draußen der Morgen graute und zu einem strahlend sonnige Tag wurde. Auf den Ohren zum Aufwärmen Billie Eilish – was einen Ohrwurm den ganzen Tag über erzeugte.

An meinem Arbeitslaptop versuchte ich mich an der Erhöhung der Ergonomie, und zwar mit Stuhlhopping: Ich erinnerte mich, wie gut und schmerzfrei ich während meines Auszeit-Jahrs stundenlang mit Laptop am Esstisch gesessen hatte. Jetzt zwickt es innerhalb einer Stunde ganz böse im Kreuz. Also probierte ich einfach mal Stühle durch. Wenn ich regelmäßig wechselte, ging’s.

Über die Arbeit Anmeldung bei einem Forschungsprojekt zu SARS-CoV-2-Antikörpern, für das ich Blut und Gesundheitsdaten spenden werde.

Noch hielt sich die Exotik der Situation, dass ich mich über MS Teams mit Kolleginnen besprach, während ich Herrn Kaltmamsell dumpf im Nebenzimmer unterrichten hörte. (Für viele andere seit fast einem Jahr Alltag, ich weiß.)

Mittags gab’s Radicchio mit einer roten Paprika und ein wenig Käse.

Der Tag blieb sonnig, der Himmel überzog am Nachmittag nur mit einem leichten Wolkenfilm. Ich machte so rechtzeitig Feierabend, dass ich noch ein wenig Tageslicht für eine Runde zur Isar abbekam. Die eigentlichen Isarwege mied ich dann aber, weil dort zu viele Menschen unterwegs waren. Auf dem letzten Stück des Spaziergangs Supermarkt-Einkäufe, wir brauchten unter anderem Milch. Daheim gab es schlechte Nachrichten aus der Schwiegerfamilie.

Ich gönnte mir noch Yoga, bis ich gemeinsam mit Herrn Kaltmamsell Gelbe Bete und Kresse aus frisch geholtem Ernteanteil zu einem Pastagericht mit Orecchiette verarbeitete.

Abends Leserunde per Video-Konferenz, wir hatten William Maxwell, So long, see you tomorrow gelesen, erstveröffentlicht 1979 in zwei Teilen im New Yorker, wo der Autor 1936 bis 1975 Literaturredakteur war. Eine schmale Geschichte aus der Erinnerung von Maxwell. Den Rahmen bildet die Reue des alten Erzählers: Er fühlt sich schuldig, weil er einen Kindheitsfreund, dem Schlimmes widerfahren war (sein Vater hatte einen Nebenbuhler ermordet und sich dann selbst umgebracht), bei einer späteren Kindheitsbegegnung ignoriert hat. Der Mittelteil erzählt, wie sich dieses Schlimme möglicherweise zugetragen hat und führt uns in die ländlichen USA in der Nähe von Chicago. Mir gefielen besonders die Alltagsdetails der Geschichte, das bäuerliche Leben auf gepachteten Höfen, und die große Empathie, mit der die Erzählerstimme die Beteiligten beschreibt. Etwas ratlos ließ mich der Rahmen, geschlossen durch weitere Schilderungen der Reue, da die beiden Buben nicht eng befreundet waren und der Anlass nur ein kleiner Moment. Doch er fängt die Stimmung einer vergangenen Zeit ein.

§

Ein paar Journalist*innen stimmen nicht einfach ein in den Chor der „Pharmafirmen müssten einfach alle Impfstoff produzieren“-Forderungen, sondern rechechieren die Möglichkeit. Einer ist Derek Lowe, der für Science Translational Medicine zusammengetragen hat:
„Myths of Vaccine Manufacturing“.

via @tknuewer

Darin sind auch Artikel über das Problem der Lieferketten verlinkt, doch auf die geht Lowe erst gar nicht ein; er konzentriert sich ganz auf die Komplexität des Produktionsprozesses. Und der ist bei einem mRNA-Impfstoff superheikel.

This is not anything close to a traditional drug manufacturing process.

Nein, dafür können Sie nicht den nächstbesten Globuli-Schüttler rekrutieren. (Spässle.)

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Donnerstag, 4. Februar 2021 – Heimbüro und William Maxwell, So long, see you tomorrow

  1. Bobbie meint:

    „Während ich Herrn Kaltmamsell dumpf im Nebenzimmer unterrichten hörte“. Mein Mitgefühl gehört allen Lehrern. Dazu zähle ich mich auch. Auch wenn es besser ist als kein Unterricht, fehlt der reale Kontakt zu den SchülerInnen sehr. Und es ist mega aufwändig die Vor- und Nachbereitung und anstrengend mehrere Stunden online zu unterrichten. Spannungskopfschmerzen sind für viele KollegInnen täglicher Beigeschmack.

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