Journal Freitag, 16. April 2021 – Gästevermissung

Samstag, 17. April 2021 um 7:46

Das war eine lange Woche. Ich fühlte mich knochenmüde und mag nicht mehr.

Mit dem Rad in die Arbeit, weil ich nach Feierabend noch zum Viktualienmarkt wollte. Ich brauchte wieder Mütze und Handschuhe.

Mittags gab es Breze, Apfel Orange, Grapefruit, Quark – das war zu viel, aber irgenwie schien es mir umständiglich, die halbe Schüssel Orange und Grapefruit mit Quark stehen zu lassen.

Einige Stunden niederhirnige Arbeit. Mache ich hin und wieder ganz gerne, weil meine Gedanken dabei umherschweifen können. Immer mit dem Nachteil, dass ich dazwischen hochschrecke, keine Erinnerung daran habe, was ich in den vergangenen Minuten getan habe – und befürchte, Mist produziert zu haben.

Nach Feierabend radelte ich nach Langem mal wieder die Schwanthalerstraße lang: Sie erfordert immer noch Baustellen-Slalom und endet in einem Hindernis-Parcour über die Sonnenstraße, auf der die Straßenbahnschienen erneuert werden.

Am Viktualienmarkt steuerte ich erst mal den vertrauten Wild- und Geflügelladen an: Die Rollläden waren herabgelassen, doch die Tür stand zum Glück offen. Ich bat um ein Kaninchen (Sonntagsbraten) – und war verdutzt, dass eine Packung aus der Kühlung geholt wurde, wie ich sie aus Supermärkten kenne (ich war wohl von einem Direktlieferanten ausgegangen). Auf meine Bitte bekam ich das Kaninchen gleich in Stücke zerteilt. An einem Obst- und Gemüsestand besorgte ich noch Grü-Soß-Kräuter und Bouquet Garni für den Kaninchenbraten.

Durch dichten Freitagabendverkehr (Pandemie? welche Pandemie?) radelte ich heim, dort erst mal eine Runde Yoga – der Baum wurde bei zweiter Pflanzung bereits aufrechter.

Herr Kaltmamsell bereitete das Abendessen zu, ich reichte zum Aperitif Negronis an. Im Abendlicht in der Küche stehend erkannte ich, wie hervorragend sie sich für den ersten Teil einer Abendessenseinladung eignet: Gäste haben genug Platz, mit einem Gläschen irgendwas herumzustehen, das Balkönchen lädt zum Rausgehen ein und bietet den wundervollen Blick über den Park. Ich vermisse Gäste. Sehr.

Vorspeise waren frittierte Garnelen (selbst paniert, knusprig und saftig und köstlich). Dazu Riesling.

Dann teilten wir uns ein Entrecôte, dazu Ruccola aus Ernteanteil und Kartöffelchen aus dem Speiseföhn.

§

Die Neue Züricher Zeitung hat sich strukturiert und ausführlich mit einem sonst nur zum Schimpfen verwendeten Phänomen befasst:
„Die vielen Gesichter der Dummheit“.

Autorin Lea Haller geht den Konzepten der Dummheiten durch die Menschheitsgeschichte nach und wie sie gewertet wurden – durchaus nicht immer negativ.

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Freitag, 16. April 2021 – Gästevermissung“

  1. Hauptschulblues meint:

    Keine Gäste und Freunde empfangen oder besuchen zu können empfinde ich auch als das Anstrengendste an der Seuche.

  2. Roland B. meint:

    Ich kann durchaus verstehen, wenn so ein kleineres Geschäft bei den aktuellen Bedingungen seine Ware sicherheitshalber einfriert.
    Oder auch mal den Lieferanten wechseln muß.

  3. lihabiboun meint:

    Einen Stern für die Gärtnerin!!! Viel Erfolg weiterhin. Ich schick auch ein Kilo Helligkeit, so als Dünger fürs Gemüt ….

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