Journal Freitag, 28. Mai 2021 – Schrank von innen

Samstag, 29. Mai 2021 um 9:00

Auch wenn ich vorher und nachher gut schlief, machte mich eine lange unruhige Nachtphase morgens benommen und schon auf dem Weg in die Arbeit bleischwer.

Aber: Nicht nur regnete es morgens nicht, ich bekam auf dem Fußweg in die Arbeit blauen Himmel und schrillende Mauersegler überm Westend. Der Tag war dann mehr sonnig als wolkig, allerdings weiterhin kühl.

Die 7-Tages-Inzidenz von Corona-Infektionen sinkt weiter, in München sogar schneller als im Bundesdurchschnitt. Ab nächster Woche braucht man unter anderem zum Einkaufen in keinem Geschäft mehr Termin und aktuelles Testergebnis, ebenso wenig für Außengastronomie, für Museen und Zoos braucht man keinen Termin mehr, Testpflicht entfällt für Freibäder und Fitnessstudios. Jetzt noch ein bisschen höhere Temperaturen bitte.

In meiner Mittagspause (Vollkornbrot, Orange mit Hüttenkäse) entdeckte ich die charmante Hommage der Süddeutschen an die nimmersatte Raupe:

Löcher im Layout der „Panorama“-Seite.

Auf dem Heimweg ein kurzer Abstecher in den Vollcorner, um wundervoll duftende heimische Erdbeeren für die Drinks zum Feierabend-Einläuten zu besorgen.

Zu Hause wischte ich aber erst mal den neuen Wandschrank durch (Empfehlung des Schreiners), außen und innen.

Des Schrankes Innenleben (ich habe mich zu Fotografieren auf eine Leiter gestellt), zur Orientierung nochmal die Außenansicht.

Ein bisschen räumte ich ihn auch ein, stellte gleich mal fest, dass ich die linke Kleiderstange für meine ganz langen Kleider höher brauche (sollte leicht verstellbar sein).

Jetzt aber Händehoch Wochenende mit Erdbeer-Gin-Tonics!

Bei aller Kälte genieße ich die langen Tage schon sehr. So war es zum Beispiel noch hell genug, als Herr Kaltmamsell auf die Straße guckte und beobachtete: „Das ist doch keine Taube!“

Richtig: Auf der Straßenlaterne vorm Wohnzimmerfenster saß ein Turmfalke – den ich leider nur schnell mit meinem Smartphone festhalten konnte, denn bis Herr Kaltmamsell seine erwachsene Kamera geholt hatte, war er bereits weggeflogen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Lasagne gemacht, mit einer Haferflocken-Bolo. Schmeckte sehr gut, ich vermisste das Hackfleisch nicht.

Zur Abendunterhaltung folgte ich einem Tipp von Christian: Wir guckten eine arte-Doku über 40 Jahre Indiana Jones.

§

Linguistik-Professorin Herzbruch war so freundlich, eine fachliche Abhandlung zu bloggen:
„Exkurs Gendern“.

Die Kernpunkte, von ihr strukturiert (ich empfehle aber den ganzen Artikel):

1) Die deutsche Grammatik

Der allergrößte Teil der Linguist:innen befasst sich ausschließlich mit diesem beobachtbaren Regelsystem einer Sprache, nicht mit der Normierung dessen. Die Begriffe „richtig“ und „falsch“ kommen in der täglichen Praxis üblicherweise nicht vor, das ist nämlich ein von Menschen obendrübergestülptes Bewertungssystem, welches komplett losgelöst ist von der Frage, wie Sprache funktioniert. Und – und das kann ich kategorischer formulieren – niemand beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Frage, ob etwas schön oder nicht schön ist. Es gibt sehr viele konkurrierende Prinzipien, die auf Sprachstruktur einwirken. Die Frage, ob konservative Politiker:innen etwas schön finden, ist keines davon. Da kann ich Sie beruhigen.

(…)
2) Sprachwandel

Sprachwandel ist für Linguist:innen dieser Welt niemals ein Zeichen von Verfall, Verrohung oder Verlotterung, sondern einzig und allein die Normalität. Es gibt im Prinzip nichts Spannendes mehr darüber zu sagen, was nun noch passiert, ist Inventarisierung, Beschreibung, Erklärung. Bricht sich nun also ein neues sprachliches Phänomen Bahn, passiert sowohl „in der Grammatik“ als auch „für die Linguistik“ exakt gar nichts. Neue Dinge können beschrieben werden, und das ist ja erst einmal schön. Sonst: Nüscht. Alle schlafen gut.

(…)
3) Gendern

„Genus ist nicht gleich Sexus“ ist deutlich zu einfach. Zu argumentieren, grammatisches Geschlecht habe nichts mit biologischem Geschlecht zu tun, ist inzwischen anhand diverser Studien mit ganz unterschiedlichen Versuchsaufbauten widerlegt.

(…)
4) Und jetzt?

Mitgemeint ist nicht mitgedacht. Das führt zu Benachteiligung. Und die führt zu nachvollziehbarem Unwohlsein und Unmut bei vielen Menschen, und das sollte nun beantwortet werden. Eine Lösung muss her.

Das wollen Sie aber möglicherweise gar nicht lesen (ist streckenweise auch richtig fachlich), weil Sprache ein so großartiges Feld für Rummeinen aus dem Bauch raus ist – das könnten sie nach der Lektüre dieses Posts vielleicht nicht mehr so einfach.

Einen verbreiteten Irrtum möchte ich noch aufklären: Nein, es gibt in Deutschland keine zentrale Stelle/Behörde/Institution, die „korrektes Deutsch“ festlegt. In Frankreich gibt es die Académie française, die bis heute ein normatives französisches Wörterbuch erarbeitet, das Pendant fürs Kastilische ist die Real Academia Española. Sowas gibt es fürs Deutsche nicht. Wir haben lediglich seit 2004 den Rat für deutsche Rechtschreibung mit dem Auftrag, „die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln“ (was ja schon mal bei ß/ss in der Schweizerischen Schreibung nicht klappt). Der gibt aber kein Nachschlagewerk oder Wörterbuch heraus.

Und der Duden? Der ist eine Publikation des Duden-Verlags mit dem Ziel, die deutsche Gegenwartssprache zu erfassen. Jeder Organisation, jeder Firma steht es frei, die Schreibung der eigenen Publikationen daran auszurichten.

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Freitag, 28. Mai 2021 – Schrank von innen“

  1. lihabiboun meint:

    Danke für den link zu Herzbruch.

  2. Gaga Nielsen meint:

    Gibt es in der Wohnung noch weitere Schränke für Jacken und Mäntel? Bei mir verteilt sich alles auf drei (überfüllte) Kleiderschränke im Flur und im Schlafzimmer. Erkenntnis im fortgeschrittenen Alter: am liebsten würde ich JEDES Kleidungsstück (außer Unterwäsche und Socken) „aufbügeln“ (so nennen das die gelernten Verkäuferinnen Fachsparte Damenoberbekleidung). Leider immer viel zu wenig Kleiderstange in den Schränken. Habe deshalb schon einen Schrank innen umgebaut und die Einlegeböden entfernt und selbst weitere, kürzere Stangen eingebaut. Es langt hinten und vorne nicht. Ich trenne mich schwer von schönen Stücken… Der Wunsch alles aufzuhängen, kommt nicht davon, sich wie in einer Boutique fühlen zu wollen, sondern nichts mehr ordentlich zusammenlegen zu müssen und die Sachen ohne Knicke und Falten aufbewahren – und durchblättern (!) zu können. Für Pullover, Shirts, Blazer etc. sind dann entsprechend weniger hohe Schrankabteile ideal, die aber trotzdem eine Kleiderstange haben. Zum Glück gibt es auch flexibel breite (Teleskop-)Kleiderstangen zum nachträglichen Einbau. Ist recht unkompliziert. Ich finde, es kostet viel zu viel Lebenszeit, einen zusammengelegten Pullover ganz unten vom Stapel herauszuziehen, und die drübergetürmten Sachen wieder ordentlich hinzuschieben. Oder gar an dieselbe Stelle zurückzulegen, wenn man farblich sortiert haben sollte. Für Tisch- und Bettwäsche sind Fächer zum Stapeln natürlich unerlässlich. Aber den Löwenanteil an Aufbewahrungsvolumen beanspruchen – zumindest bei mir – eindeutig die Anziehsachen.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ist nicht vorgesehen, Gaga Nielsen – und nach Abschluss des Einräumens kann ich stolz sagen: Braucht es auch nicht. (Die zwei, drei jahreszeitlich notwendigen Jacken/Mäntel hängen an – hoffentlich bald eintreffenden – Garderobenhaken bei der Eingangstür.) Kleidung wird nicht mal die Hälfte des Schranks belegen. Viele andere Dinge werden wahrscheinlich in Körben und schönen Schachteln aufbewahrt werden.
    Endlich habe ich meinen Kleiderbestand genug reduziert durch ein paar Jahre minimale Neukäufe, Auftragen des Bestands bis zu Verschleiß und Abgeben nicht wirklich geliebter oder nicht wirkliche passender Stücke. Dennoch besitze ich Einiges, was ich nur alle paar Jahre trage, von Minimalismus kann keine Rede sein.
    Mich hatte es leider belastet, sehr viel Kleidung zu besitzen, keineswegs gefreut.

  4. Gaga Nielsen meint:

    „zwei, drei jahreszeitlich notwendigen Jacken/Mäntel“

    Da muss ich schon grinsen…! Klingt wie Nicht-Bestandteil von Mode. Ich habe ungefähr genauso viele Jacken und Kurz- und Langmäntel und Blazer und Gehröcke und Ponchos für alle Wetter wie Oberteile, Hosen und Kleider – definitiv mehr als Unterhosen! :-) Dafür brauche ich auch einen eigenen Schrank, der jahreszeitlich einen geringfügigen Wechsel dergestalt erfährt, dass nach Winterende die superduperdicken Teile in eine Truhe wandern.

    Ich weiß allerdings, dass das sehr untypisch ist, so viele Varianten von „Überbekleidung“ zu haben. Es hat sich explosiv entwickelt, als ich vor dreizehn Jahren viel Zeit damit verbrachte, durch Galerien zu streifen, besonders an Donnerstagen, wo die meisten Openings terminiert waren. Da kommt es gar nicht so weit, dass man eine Jacke oder einen Mantel auszieht, gibt auch gar keine Garderoben dafür, also war der Fokus und das Ziel, auch in „voller Montur“, auf dem Sprung zum nächsten Opening immer möglichst viel herzumachen. Daher habe ich das komplette Potpourri an Draußenkleidung in allen Farben, Formen, Mustern und Varianten. Denn es sollte für den Fall, dass man im Anschluss in ein Restaurant oder eine Bar ging, auch mit dem Drunter korrespondieren, das dann zum Vorschein kam. Ich habe das seither beibehalten, die komplette Garderobe abzustimmen, von Kopf bis Fuß, von Drunter bis Drüber. Bin natürlich auch eine bekennende Modepuppe, allerdings mit Hang zu „nachhaltigen“ Modellen, also von zeitloser Schönheit.

    P.S. aus ähnlichen Gründen hat die Queen so viele „Mantelkleider“ :-)

  5. die Kaltmamsell meint:

    Ah, das klingt nachvollziehbar, Gaga Nielsen! Ich hätte in dieser Situation vermutlich zu Uniform gegriffen und mir genau eine unauffällige Ausstattung für diese Gelegenheiten zugelegt (schwarz in schwarz?).

  6. Gaga Nielsen meint:

    Schwarz geht immer! Aber Schwarz ist natürlich nicht gleich Schwarz… und dann die vielen Möglichkeiten von Stoffen und Texturen… oh là là! Allerdings hatte ich eine Weile auch fast uniform sehr, sehr oft meinen Lieblings-Lederkurzmantel an, das sehe ich noch rückblickend auf vielen Fotos. Schwarz natürlich. Aber irgendwann kommt der Wunsch nach Abwechslung. Es schien dann auch plötzlich viel mehr Auswahl bei extravagant gemusterten Mänteln zu geben. Ein Lieblingsteil von mir ist ein Leinenmantel mit Bindegürtel und reliefartig eingewebtem Ozelotmuster. War im KadeWe oder im Lafayette runtergesetzt. Auch Kleidungsstücke können Kunstwerke mit Sammlerwert sein. Ich meine nicht im Hinblick auf Wiederverkauf oder Erbmasse, sondern für sich selbst empfunden.

  7. hafensonne meint:

    @Gaga Nielsen: Ja, alles aufgebügelt hatte ich sogar schon mal, nämlich in der Zeit, in der ich selbst im textilen Einzelhandel tätig und entsprechend geübt war und problemlos an riesige Mengen Bügel kam. Aber in der jetzigen Kleiderschranksituation werden die Stangen schon von den Blusen (und klobigen Holzbügeln) der Frau belegt, und dank oben erwähnter Einzelhandelszeit kann ich natürlich T-Shirts, Pullover und Hosen im Handumdrehen falten, und es sieht ordentlich aus. Nach Farbe sortieren ist hingegen nicht so meins ;)

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