Journal Samstag, 12. Juni 2021 – Gesellschaftliches Ereignis in Corona-Zeiten

Sonntag, 13. Juni 2021 um 8:28

Uuuuund zurück zur zerhackten Nacht.
Balkonkaffee, nach Bloggen wechselte ich aber doch nach drinnen, weil es mir zu kühl war.

Als gestriges Sportprogramm turnte ich Krafttraining rundum, recht anstrengend.

Dann machte ich mich sehr fein und spazierte mit Herrn Kaltmamsell zum ersten gesellschaftlichen Ereignis seit März 2020. Dort verbrachte ich die nächsten drei Stunden – das war schön, aber auch sehr seltsam. (RKI-Präsident Wieler wies vergangene Woche in der Bundespressekonferenz darauf hin, dass die derzeitigen Infektionszahlen fast zehnmal so hoch sind wie vor einem Jahr: am 9.6.2020 waren es 350 Neuinfektionen in Deutschland, am 9.6.2021 waren es 3254 Neuinfektionen.) Abschied genommen.

Auf dem Heimweg kaufte ich Semmeln fürs Frühstück ein. Nach Frühstück (zwei Semmeln, derzeit mag ich darauf besonders Erdnussbutter mit Orangenmarmelade) Werkeln in der Wohnung: Wir brachten das Garerobenhaken-Gestell an, die Regale im Kammerlregal aber, ehemalige Bücherregale, leider nicht: Die Bohrmaschine ließ sich bereits fürs Garderobenhakenloch sehr bitten, im Kammerl ging sie gar nichts mehr. Mag mit den Funken zu tun haben, die sie beim Bohren kurz aus dem Gehäuse sprühte.

Dann räumten wir die Regale halt erst mal ohne Befestigung an der Wand ein (alle Schuhe), die wird nachgeholt. Auch den Rest des Kammerls räumten wir in einer ersten Version ein, mal sehen, ob die sich bewährt. Übrig blieben leere Schachteln, die ich auf einige Male und kleingerissen entsorgte. Wieder sieht die neue Wohnung ein schönes Stück weiter und lichter aus.

Deutliches Sommerzeichen: Viel Bügelwäsche. Beim Bügeln hörte ich ein Interview mit Ted Chiang. Das ist der Autor, dessen Kurzgeschichtenband Stories of Your Life and Others mich ungeheuer beeindruckt hatte. In der Ezra Klein Show der New York Times spricht er überlegt und durchdacht über seine Haltung zu religiöser Weltsicht, Superheldengeschichten, freiem Willen, Künstlicher Intelligenz – und zu jedem dieser Themen äußert er Gedanken, die mir völlig neu waren. Große Empfehlung.

Drink des Abends war der Rest Maibowle. Zu Essen servierte Herr Kaltmamsell Spaghetti mit Ernteanteil-Agretti und gerösteten Pinienkernen.

Es ist spannend, den Sonnenlauf in der neuen Wohnung zu erleben. Seit ein paar Tagen steht die Sonne kurz vor acht noch so hoch, dass sie über dem Nebengebäude ins Wohnzimmer scheint. Das wird dann wohl nur drei, vier Wochen im Jahr so sein, sonst steht sie niedriger und wird spätestens um sieben von diesem Nebengebäude verdeckt.

Fürs Dessert gingen wir nochmal raus und holten uns ein Eis, diesmal aber ein schickes: An der Ecke Müller-/Pestalozzistraße hat ein alteingesessener Juwelier geschlossen, jetzt ist darin eine weitere Eisdiele Jessas. Ich hatte Schokolade-Ingwer sowie Italenischer Käsekuchen (mit kandierten Früchten drin), beides sehr gut. Das Probierel Joghurt-Granatapfel setzte diese Sorte umgehend auf die Bestellung für den nächsten Besuch. (Die Kugel Eis kostet hier 1,90 Euro.)

§

Über den neuen Twitterkanal @FHerrndorf (Freunde Wolfgang Herrndorf) stieß ich auf eine neue Website über Wolfgang Herrndorf (beides verantwortet von seiner Witwe Carola Wimmer):
Über Wolfgang.
Sehr viel interessantes Material über den 2013 verstorbenen Künstler (oh Gott, ist das schon wieder so lange her…), in vielen Medienformen (zum Beispiel ein Stück Lesung aus seinem aberwitzigen Roman Sand, der sofort Wiederlesesehnsucht weckte).

§

Adreas Kluth schreibt für Bloomberg eine Analyse der 16 Jahre Kanzlerinnenschaft Merkel mit vielen Grafiken.
„The Post-Heroic Legacy of Angela Merkel“.

One lesson of Merkelism to students of leadership is that keeping your own ego under control when others don’t control theirs is one of the most effective instruments of power. The most vital character trait — one that voters should look for more often in candidates — is low vanity.

(…)

History’s verdict, I believe, will be that Merkel deserves huge and lasting credit for managing situations that could have become disasters, but that her departure became necessary for a new era to be born. Once Merkel walks out of her chancellery later this year, the post-heroic age in German history will be over.

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu „Journal Samstag, 12. Juni 2021 – Gesellschaftliches Ereignis in Corona-Zeiten“

  1. lihabiboun meint:

    Genau wie Sie bin ich erschrocken, dass der Tod von Wolfgang Herrndorf schon so lange zurückliegt. Alles war sofort wieder da … Danke für die wunderbare Seite „Über Wolfgang“. Was für ein Drama.

  2. Bettina meint:

    Ihr braucht einen Bohrhammer. Sind nicht teuer. Ich liebe meinen Bohrhammer. Im Gegensatz zur Bohrmaschine muss ich nix machen, er macht die Arbeit ganz allein. Ich muss ihn nur an die Lochstelle halten.
    Bohrmaschinen arbeiten nach einem anderen Prinzip. Hier braucht es jemanden, der das Ding kräftig in die Wand drückt. Das habe ich nie hingekriegt.

  3. engl meint:

    die handwerkerin wundert sich …

    aber nein, keinen bohrhammer bitte. jede wand ist anders, und man möchte diese ja nicht, besonders in altbauten, versehentlich einreißen. ein schlagbohrer, der keine funken sprüht, und bei dem man den schlag abstellen kann für normales bohren. sowas gehört in den haushalt.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Ah, Bettina, ich dachte, Bohrhammer sei der Hersteller, genau das steht auf der Box. Ich muss Sie also leider informieren, dass auch ein Bohrhammer den Geist aufgeben kann.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Unser Gerät, engl, lässt jede der Funktionen zu- und wegschalten (Profimaterial von Papa), aber keine davon funktionierte.

  6. adelhaid meint:

    wenn es ein altes gerät ist, versuchen zu öffnen und zu säubern. staub kann auch funken bringen.
    alternativ auch ein repair café suchen, da sitzen meist bastler die sich auskennen.

  7. arboretum meint:

    Vielleicht ist da ein Stahlträger und deshalb geht da nix.

    Ich hatte das auch mal in einer Wohnung. Der Vermieter rückte dann mit einer Hilti an, um die Gardinenstange anzubringen.

  8. Bettina meint:

    Oh. Das ist natürlich nicht schön.
    Ich bin allerdings auch schon einmal mit meinem Bohrhammer an einer Kellerdecke mit Stahleinlage gescheitert. Es gibt spezielle Bohrer dafür, aber ich habs noch nicht damit probiert. Habe leise Zweifel.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Die Bohrmaschine hat einen Sensor, arboretum, und schaltet bei Stahlträgerverdacht den Motor erst gar nicht ein?! Das Vieh ist ja noch mehr Profi als geahnt.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Stimmt, adelhaid, da drin sieht’s sehr staubig aus.

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