Journal Dienstag, 14. September 2021 – Schwindel, aber Haarekurz

Mittwoch, 15. September 2021 um 6:39

Sie sind ja wirklich ganz zauberhaft: Vielen Dank für die Glückwünsche zum Bloggeburtstag!

Guter Nachtschlaf, der allerdings schon vor fünf endete. Jetzt steht auch wieder Herr Kaltmamsell um sechs mit verschwommenen Gesichtszügen in der Tür, gestern begann der Unterricht im Schuljahr 2021/2022. Beim Verlassen der Wohnung nahm er meine Hand: Ob ich ihn vielleicht in die Schule bringen könne? (Diese Situation ist für Lehrerinnen und Lehrer ja doppelt hart.) Mit etwas mehr Vorlauf hätte ich mir freinehmen können, das machen wir beim nächsten ersten Schultag nach Sommerferien.

Ein weiterer schöner Spätsommertag, es war sehr warm und leicht diesig. Ich ging nochmal in Sommerkleid und Sandalen in die Arbeit.

Allerdings fühlte ich mich gar nicht gut: Lange nicht mehr erlittenes Feature Schwindel. Gestern musste ich mich beim Arbeiten im Stehen immer wieder am höhenverstellbaren Schreibtisch festhalten, um nicht umzufallen.

Mittags gab es ein Stück Weißbrot und eine Honigmelone (nach sechs Wochen Nachreifen ganz ok). Nachmittags gesellte sich zum Schwindel eine Kreislauf-Attacke mit Schweißausbruch und Heißhunger, die mich über Honigwaffeln, Duplo und schwarze Schokolade in meiner Notfall-Schublade herfallen ließ. Hätte ich nach der Arbeit nicht den lang ersehnten Friseurtermin gehabt, hätte ich mich krank gemeldet.

So aber eierte ich nach Feierabend zum Stiglmaierplatz (die Schreibweise muss ich übrigens je-des-mal nachschauen) und ließ mir die Haare endlich wieder wirklich kurz schneiden. Gesprächsthema dazu die deutsche Parteienlandschaft: Es war hochinteressant, mal eine ganz andere Einordnung zu hören.

Daheim setzte ich umgehend Linsen auf für das Abendessen am Mittwoch: Puré de lentejas, spanisches Linsenpüree – ich versuche eines der wenigen Gerichte nachzubauen, die bei meiner spanischen Yaya wirklich schmeckten.

Als gestriges Nachtmahl hingegen servierte Herr Kaltmamsell das erste Gericht aus Rachel Roddys An A to Z of Pasta: Conchiglioni stuffed with spinach and ricotta, also große Muschelnudeln gefüllt mit Ricotta und Spinat, im Ofen mit Tomatensauce, Bechamel und vielerlei Käse überbacken.

Schmeckte ganz hervorragend und gehaltvoll, ich aß reichlich davon. Es passte nicht mal mehr Nachtisch dahinter.

Endlich mal wieder ein neues Buch angefangen, im Urlaub war ich vor lauter Rumlaufen, Internetlesen und -schreiben fast nicht zum Bücherlesen gekommen: Kännchen-Bloggerin Vanessa Giese hat beim Insel-Verlag einen Roman über die Luftfahrtpionierin Katharina Paulus veröffentlicht, Die Frau, die den Himmel eroberte; den lud ich mir aufs Lesegerät.

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Aufschlussreiches Interview mit einem Sozialwissenschaftler zur Ideologie der Taliban:
„Adam Baczko: ‚Die Taliban sind keine totalitäre Bewegung'“.

Die Taliban streben eine konservative Revolution an. Für die Sozialisten des zwanzigsten Jahrhunderts ist eine konservative Revolution ein Widerspruch. Aber die Taliban sind der Beweis dafür, dass es möglich ist. Sie reden ständig davon, zu den alten Zeiten zurückzukehren, die alte Ordnung wiederherzustellen, den Eigentümern ihre Rechte zurückzugeben, den Familienvätern die Autorität im Haus wiederzugeben. Es ist ein Diskurs der Rückkehr zu einer afghanischen Geschichte, die durch ausländische Interventionen unterbrochen worden sei. Es geht darum, die große Zerrüttung des Bürgerkriegs zu beseitigen. Dies ist offensichtlich eine erfundene und umgeschriebene Geschichte. Doch hinter dem Wunsch, wieder eine Kontinuität mit der Vergangenheit herzustellen, verbirgt dieser konservative Diskurs etwas Revolutionäres, denn die Taliban sind bereit, die Eliten und das Legitimationssystem in Afghanistan zu stürzen, um ihre mythische Vergangenheit aufleben zu lassen.

Ich fühle mich sehr an die Sehnsüchte in Großbritannien erinnert, die zum Brexit führten.

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Sie wohnen in/um München und kommen wegen Lieferschwierigkeiten nicht an ein neues Rad? Wir wär’s mit einem gebrauchten neuen Rad? Nächsten Freitag und Samstag ist wieder Radlflohmarkt der Stadt München.

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Regelmäßig mache ich mich über die gewollt originellen Abkürzungen für Forschungsprojekte lustig. Gestern musste ich aber gestehen: Um die Abkürzung des Zentrums für Brandforschung kommt man praktisch nicht rum.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Dienstag, 14. September 2021 – Schwindel, aber Haarekurz“

  1. Croco meint:

    ZeBra. Und der Professor heißt noch Zehfuß.
    Da geht nix mehr.
    Ich möchte übrigens auch mal in die Schule gebracht werden am ersten Tag.
    Ich versuche, das hier hausintern zu regeln.
    Diesen merkwürdigen Schwindel habe ich übrigens auch seit Tagen.
    Nichts hilft, weder essen noch trinken.

  2. Hauptschulblues meint:

    Manchmal treiben mich die Schwindelanfälle – ich sage Drehschwindel – mehrere Tage lang ins Bett.

  3. Friederike meint:

    Danke für den interessanten Taliban-Hintergrund-Link!

  4. Nina meint:

    Außer auf der Schaukel hatte ich noch nie Schwindel, muss ich gestehen. Ich stelle es mir scheußlich vor. Gute Besserung!

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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