Journal Mittwoch, 8. September 2021 – Guerilla-Blumenwuchs

Donnerstag, 9. September 2021 um 6:27

Nach recht gutem Schlaf verkatert und müde vom Wecker geweckt worden, eine Stunde später als sonst ins Bett merke ich halt schon.

Zackig gebloggt, ich hatte diesmal nichts vorgeschrieben. Trotzdem halbwegs pünktlich das Haus verlassen, in einen sonnigem Morgen.

Auf dem Weg in die Arbeit war mir im Westend bereits am Dienstag ein Wohnhaus aufgefallen, an dessen Kante zum Gehweg einige Pflanzen und Blumen wuchsen, die ich hier nicht erwartet hatte. Sehr wahrscheinlich hatten sie sich von den Balkonen darüber ausgesät.

Fürs Mittagessen hatte ich eine Portion des Gemüse-Pisto mitgenommen, außerdem war noch Birchermuesli vom Dienstag übrig.

Ruhiges Arbeiten, interessante Kontakte, ich war aber sehr müde und hatte Mühe mit Konzentration.

Auf dem Heimweg kaufte ich im Vollcorner ein, Vorräte und Brotzeit der nächsten Tage, außerdem war mir der Kräutertee im Büro ausgegangen.

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell Biergarten vorgeschlagen, schließlich war das Wetter nochmal spätsommerlich. Wir gingen in den Schnitzelgarten, ich genoss mein halbes Cordonbleu und die Pommes dazu, die andere Hälfte nahm ich als Donnerstagsfrühstück für Herrn Kaltmamsell mit. Ich fühlte mich blöd im Hirn, zum Glück übernahm der Herr die Konversation und erzählte mir von seinem Tag.

Zu Hause Süßigkeiten, früh ins Bett.

§

Psychotherapeut Tim Lawrence stellt klar:
„Everything Doesn’t Happen For A Reason“.

via Frau Klugscheisser

Sie zitiert daraus:

Grief is brutally painful. Grief does not only occur when someone dies. When relationships fall apart, you grieve. When opportunities are shattered, you grieve. When dreams die, you grieve. When illnesses wreck you, you grieve.

Übersetzt:
Trauer tut brutal weh. Trauer wird nicht nur durch Tod ausgelöst. Wenn Beziehungen zerbrechen, trauert man. Wenn Chancen verschwinden, trauert man. Wenn Träume sterben, trauert man. Wenn eine Krankheit zuschlägt, trauert man.

Und das ist wirklich, wirklich nicht in erster Linie eine Chance für Charakterverbesserung; Lawrence findet es völlig in Ordnung, den Kontakt zu Menschen abzubrechen, die „Es wird schon zu was gut sein“ für Trost halten.

I hate to break it to you, but although devastation can lead to growth, it often doesn’t. The reality is that it often destroys lives. And the real calamity is that this happens precisely because we’ve replaced grieving with advice. With platitudes. With our absence.

Wieder übersetzt:
Ich eröffne es Ihnen nicht gern: Auch wenn Schicksalsschläge zu Weiterentwicklung führen können, tun sie das oft nicht. In Wirklichkeit zerstören sie oft ganze Leben. Und das eigentliche Unglück: Das passiert, weil wir Trauer durch Ratschläge ersetzt haben. Durch Platitüden. Durch unsere Abwesenheit.

Dazu passt der Hinweis eines Freundes, der einen furchtbaren Verlust erleiden musste. Als man ihm nach einiger Zeit vorwarf, er bade ja in seiner Trauer, meinte er, er bade nicht darin, er dusche.

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 8. September 2021 – Guerilla-Blumenwuchs“

  1. caterina meint:

    @ grieve: ein sehr guter denkanstoß. danke!

  2. Simone meint:

    Was für eine dämliche Bemerkung, in Trauer baden. Ich wundere und ärgere mich immer wieder, wie empathielos manche Menschen sind. Als gäbe es für Trauer einen Katalog mit angemessenen Trauerzeiten je nach Anlass. Dabei ist Trauer ganz individuell – jeder verarbeitet Schicksalsschläge auf seine Art und in seinem Tempo, deshalb verbietet sich jegliche Einmischung und Bewertung. Und wenn jemand über einen Vorfall nur schwer oder auch gar nicht wirklich hinwegkommt ist das für ihn selbst schon schlimm genug und von seinem Umfeld einfach zu akzeptieren.

  3. Birgit meint:

    Ja, vielen Dank für diesen Anstoß. Ähnlich ist – für mich wenigstens – der Gedanke, dass es okay ist, wenn man sich schlecht fühlt oder trauert (eigentlich egal warum!)… und es nur schlimmer wird, wenn man diese Gefühl unbedingt wegmachen will. Und doch fällt es mir unheimlich schwer, mich daran zu halten ;-) und immer wieder daran zu erinnern, also noch einmal danke!

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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