Journal Sonntag, 17. Oktober 2021 – Wie ein Fisch / Der neue Bond

Montag, 18. Oktober 2021 um 6:21

Zu früh aufgewacht, bis sieben angenehm gedöst.

Ab dann folgte mein Tag einer recht straffen Planung, denn ich wollte sowohl Schwimmen gehen als auch den neuen Bond-Film No Time to Die sehen.

Wetter wunderschön, ich freute mich aufs Schwimmen – denn ich hatte die Runde im Dantebad und somit im Freien geplant: Dort ist das Wasser wirklich warm, ich hoffte, dass ich endlich nicht frieren würde.

Nach Morgenkaffee über Bloggen machte ich mich mit Duschen und Packen Schwimm-fertig, brachte aber erst mal einen Karton mit Sommerschuhen in den Keller. Radeln ins Dantebad; ich muss künftig daran denken, dass die Einlassprozedur in Schwimmbädern derzeit lange dauert – der 3DG-Check hält auf, vor allem bei Gruppen.

Das Schwimmbecken war überraschend voll, noch dazu hatten praktisch alle Schwimmspielzeug dabei, doch es herrschte allgemeines Wohlwollen und man arrangierte sich gut. Mein Kalkül ging auf: Obwohl sich das warme Wasser zunächst anfühlte, als tauchte ich in Suppe, gewöhnte ich mich schnell daran – und fror nicht! Ich glitt durchs Wasser wie ein Fisch. Nicht nur konnte ich mir so 2600 Meter gönnen, ich schwamm sie auch noch besonders schnell. Zudem genoss ich den Sonnenschein. Bis auf Weiteres schwimme ich also im Dantebad.

Gegenüber vom Dantebad.

Von dort radelte ich direkt zum Kino (Cinema). Ich hatte mir als Frühstück zwei Stück Apfelkuchen eingepackt, die ich gemütlich auf einer Bank vor dem Kino löffelte. Im Kino selbst (zweites Mal nicht nur Check meines Impf-Zertifikats, sondern auch Scan; das erste Mal war Freitagabend im Dantler gewesen) holte ich mir noch einen Cappuccino. Und konnte einer anderen Kinobesucherin helfen: Sie suchte jemand, der ihr Fahrrad mitabsperren konnte; sie hatte ihren Schlossschlüssel vergessen.

No Time to Die war ein schöner Bond, wenn auch zu lang – knapp drei Stunden ist keine 007-Geschichte wert. Aber ich genoss die vielen Anspielungen auf die gesamte Bond-Filmgeschichte, ob in Bild, Text oder Musik (UND Q macht nicht nochmal den Fehler, einen unbekannten Datenträger in einen Netzwerkrechner zu schieben, sondern nimmt explizit die “Sandbox”). Mehrere tragende Frauenrollen, ganz unterschiedlich. Die Story war sogar übersichtlich, es gab ja schon Bonds, bei denen ich ab der Hälfte aufhörte mitzudenken, weil die Story so kompliziert war, und mich statt dessen darauf konzentrierte, welches Weltkulturerbe als nächstes kaputtgemacht wurde. Das Drehbuch räumte ordentlich Handlungsstränge aus mehreren Folgen und alle Bösewichte auf.

Sehr spannend wird jetzt, wie es wohl weitergeht im nächsten Bond – wo es erstmals keinen James Bond mehr gibt. Vielleicht fangen sie wieder vorn an und wir bekommen einen Young James Bond, der in den 1940ern spielt? Und einen nächsten Bond wird es geben: Wie man mir früh beigebracht hat, blieb ich bis durch den Abspann im Kino, bis zur allerletzten Zeile auf der Leinwand – “James Bond will return”.

Zu Hause winterte ich die Balkone fertig und entfernte die Bohnenranken. Nächster Tagesordnungspunkt: Fertigbügeln. Check. Für die Montagsbrotzeit kochte ich die Ernteanteil-RoteBete, die Blätter briet ich, aus allem machte ich mit den Kernen eines Granatapfels und Joghurt einen Salat.

Nachtmahl war der Klassiker im Hause Kaltmamsell, wenn Chinakohl im Ernteanteil ist: Chinakohl-Lachs-Nudeln. Nachtisch Scholokade.

Ein sehr schönes Wochenende, doch ich war weder zum Zeitung- noch zum Romanlesen gekommen, hatte es auch nicht auf die Auer Dult geschafft. Muss also eindeutig zu wenige Stunden an diesen Tagen anprangern.

§

Am Samstag hatten wir beim Wandern auch nach den Gemeinde-Aushängen der Dörfer geschaut und dabei die Veröffentlichung eines Volksbegehrens “Landtag abberufen” entdeckt. Nachdem ich gestern unterwegs dazu Plakate gesehen hatte, unterzeichnet von der Querdenker-Partei Die Basis, ging ich dem doch mal nach.
“Volksbegehren ‘Bündnis Landtag abberufen’ startet”.

Eine interessante Eskalationsstufe der Haltung, die demokratisch durch Mehrheit gewählten Volksvertreter nicht zu akzeptieren, wenn sie anders entscheiden, als man selbst das gerne hätte. Und dann einfach den Spieß umzudrehen und ihnen die Legitimiertheit abzusprechen – lustigerweise durch das Instrument Volksbegehren, das diese Volksvertreter eingerichtet haben.

Die bayerische Verfassung sei sehr großzügig gegenüber Elementen der direkten Demokratie, sagt der Verfassungsrechtler Martin Burgi von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Dem Professor zufolge wird mit dem Volksbegehren ab heute Neuland betreten, das habe es in Bayern bisher noch nie gegeben. Burgi stellt eine “besonders verdichtete Form des Protests” fest: Anders als bisherige Volksbegehren richte sich dieses nicht gegen einen bestimmten Sachinhalt.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Sonntag, 17. Oktober 2021 – Wie ein Fisch / Der neue Bond“

  1. kecks meint:

    Das Vorgehen dieses ‘Volksbegehrens’ (Gänsefüßchen wegen des meines Erachtens sehr fragwürdigen Volksbegriffs darin) ist typisch für die Demokratieauffassungen von Gruppierungen, die Ideologien der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit verfolgen (aka die meisten Rechtspopulisten): Man erklärt sich selbst zum ‘Volk’, man vertrete die Stimme der ‘schweigenden Mehrheit’ gegen die pösen ‘Eliten’ (Politiker, Intellektuelle, Wissenschaftler, you name it), man verschaffe endlich wieder die Stimme des ‘einfachen Mannes von der Straße’ (warum nie der Frau?), eben des ‘Volkes’ Geltung. Das sei dann wahre ‘Demokratie’, also Volksherrschaft mit sehr engem Volksbegriff – Volk ist man nur selbst, das Volk spricht homogen mit einer Stimme (Pluralismus – ja nun, brauchen die nicht) und ist außerdem möglichst noch ethnisch homogen zu gestalten. Die Mehrheit hat abgestimmt, deshalb mögen alle anderen nun die Klappe halten. Dagegen steht dann der Demokratiebegriff des Grundgesetzes, der Pluralismus, Menschenrechte und damit Minderheitenschutz als sine qua non einschließt. Kurz: Die Basis und andere unerfreuliche rechtsaußen Veranstaltungen wollen die freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen bzw. zu dem umbauen, was sie als ‘demokratisch’ betrachten, was aber ganz sicher alles andere als demokratisch ist, da es andere Gruppierungen mundtot machen würde. Insofern ist das Vorgehen des ‘Volksbegehrens’ nur konsequent.

  2. Tobi Vega meint:

    Einen 3D-Check am Schwimmbadeingang stelle ich mir interessant vor. ;)

  3. Chris Kurbjuhn meint:

    Wie’s mit Bond weitergeht: In den Craig-Filmen wurden ja immer wieder Motive aus den Original-Romanen von Fleming aufgegriffen. Bei “Keine Zeit zu sterben” sind wir bei “Im Geheimdienst ihrer Majestät” und Bonds missglückter Familiengründung angekommen. Danach hat Fleming noch zwei Romane geschrieben, “Man lebt nur zwei mal” und “Der Mann mit dem Goldenen Colt”. Der Showdoen von “Man lebt nur zweimal” spielt in einem “Selbstmördergarten” auf einer einsamen Insel, voller giftiger Pflanzen und Geysire. Bond kommt bei diesem Showdown beinahe ums Leben, tatsächlich hält man ihn in London für tot und M veröffentlicht sogar einen Nachruf auf ihn. Doch Bond hat nur das Gedächtnis verloren. Zu Beginn von “Der Mann mit dem goldenen Colt” ist er den Russen in die Hände gefallen, die ihn einer Gehirnwäsche unterzogen haben und nach London schicken, um M zu ermorden. Also, wenn ich Bond-Produzent wäre, würde ich mir diese Plotwendung nicht entgehen lassen. Es müssen ja nicht (mehr) die Russen sein…

  4. die Kaltmamsell meint:

    It’s only letters, Toni Vega. (Danke!)

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