Journal Montag, 18. Oktober 2021 – Körperform

Dienstag, 19. Oktober 2021 um 7:21

Schon beim nächtlichen Klogang war mir aufgefallen: Draußen dicker Nebel. Beim Weckerklingeln war er dann schon nicht mehr ganz so dicht, doch auf dem Weg in die Arbeit sah ich von der Mitte der Theresienwiese aus weder Bavaria noch St. Paul am Rand.

Ich hatte durch heißes Waschen und durch Trocknen im Wäschetrockner versucht, wenigstens einen von meinen Winterröcken passend zu machen, setzte meine Hoffnung auf das Material aus fast 100 Prozent Baumwolle – vergeblich. Denn: Mein Appetitmangel seit Frühjahr hat mittlerweile fast meine gesamte Garderobe um ein bis zwei Konfektionsnummern zu groß werden lassen. Die wenigsten Stück fallen wirklich ganz runter, aber das allermeiste sieht albern aus – als trüge ich die Kleidung meiner großen Schwester. Nach all den Jahren, in denen ich ohnehin mit dem Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und Körperform haderte, muss ich mich jetzt auf ganz neue und unerwartete Weise mit dieser bescheuerten Kausalität auseinandersetzen.

Da Jeans, die lediglich ein Gürtel über den Hüften hält, an mir überraschenderweise gar nicht lässig aussehen, kaufte ich mir im Sommerurlaub schnell zwei passende Hosen, eine schwarz, eine rot, mit denen ich mich seither durchschlage. Ich sehe nämlich überhaupt nicht ein, mich komplett neu einzukleiden, weil
a) habe ich reichlich Kleidung, dankeschön,
b) scheue ich den finanziellen Aufwand,
c) ist das ja eh bloß eine vorübergehende Phase und ich würde in absehbarer Zeit nicht mehr in all die neue Kleidung passen.
Am absurdesten fühlt sich die Schere zwischen diesem mir fremden Körper und meiner Kleidung übrigens bei Unterwäsche und Schwimmkleidung an.

Ebenfalls unangenehm: Von allen möglichen und unmöglichen Seiten darauf angesprochen zu werden – natürlich praktisch immer voraussetzend, dass es sich um Diät-Erfolg und Absicht handelt. Denn It is a truth universally acknowledged: Dünner ist besser. Immer.
Wie schlimm muss das erst für eine sein, die durch böse Krankheit dünn geworden ist. (Wobei ich mich durchaus bei Erleichterung ertappe, dass die unbeabsichtigte Veränderung der Körperform in diese Richtung gegangen ist und nicht ins Dickerwerden. Mich sogar dabei ertappe, wie ich mich jetzt normaler fühle, wenigstens vorübergehend – auch bescheuert, aber ich kann halt nicht nicht Produkt dieser Gesellschaft sein.)

Muss ich halt mit sehr übersichtlichem Bestand durch den Winter kommen. Unter weiten Oberteilen sieht man zumindest nicht, wie zu groß der BH ist. Ich hatte schließlich auch schon Zeiten, in denen große Teile meiner Garderobe kniffen.

Arbeit gestern vielfältig, ich war auch ziemlich viel zu Fuß unterwegs. Draußen verschwand der Nebel am frühen Nachmittag.

Mittags gab es den am Vorabend zubereiteten Rote-Bete-Salat mit Granatapfel und Joghurt. Ich schaffte aber nur die Hälfte, mein Bauch fühlte sich komisch.

Mein Arbeitgeber bot wieder eine Grippeimpfung an, ich nahm sie gestern gerne – weniger wegen meiner selbst, sondern vor allem um das Epidemie-Risiko zu vermindern.

Der Arbeitstag wurde länger, als ich über einen Supermarkt-Stop heimging (Süßigkeiten!), dämmerte es schon sehr.

Aufgehender Mond über der Theresienwiese. Sah in Echt viel größer aus – Sie kennen das.

Zu Hause verarbeitete ich Ernteanteil-Weißkraut zu Krautsalat – allerdings nur zwei Drittel des Krautkopfes, das andere Drittel verwendete Herr Kaltmamsell für Okonomiyaki.

Köstlich! Nachtisch war Apfelkuchen und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Bald schloss ich das Fenster, denn es war klar, dass die Gruppe junger Leute, die da direkt vor meinem Schlafzimmerfenster vor einem wild geparkten Auto stand und einen mords Spaß hatte, das vorerst weiter tun würde.

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Tanzt!

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https://youtu.be/XCdsIkQqAmE

via @klugscheisser

§

Adele hat ein neues… Album? veröffentlicht. (Wie sagt man heute zu einer Sammlung von Musik einer Künstlerin, die neu herauskommt? Platte, LP, CD gibt es ja nicht mehr.) Viel interessanter finde ich, dass die Dame für British Vogue das hier aufgenommen hat:
“Adele Eats Spotted Dick, Cockles & 10 Other British Dishes”.

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https://youtu.be/zDdAPHuRGN0

Come for the food, stay for the dropped aiches and t’s. (“Spo’ ‘ed dick?”)

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Journal Montag, 18. Oktober 2021 – Körperform“

  1. Nadine meint:

    Für das Klamottenproblem lohnt sich evtl. die Suche nach einer Schneiderei, die die Sachen wieder passend macht. Und rein theoretisch können die meisten Kleidungsstücke auch reversibel enger gemacht werden…

  2. Nina meint:

    Ah, ich kenne das Problem. Ich habe Kleidung in 3 verschiedenen Konfektionsgrößen, da ich irgendwann entschieden habe, dass mir die Zeit bis mein Körper mal wieder seine Form in die ein oder andere Richtung geändert hat (dauert teilweise Jahre), doch zu lang ist, um schlecht sitzende Kleidung zu tragen oder mich mit 2 Hosen begnügen zu müssen. Vorteil: ich rege mich schon gar nicht mehr über Zu- oder Abnahmen auf, sondern hole einfach die Kisten mit der passenden Kleidung aus der Kammer. Meine Konfektionsgröße ist mir ein absolutes Mysterium, sie scheint in keinster Weise mit Menge der aufgenommenen Nahrung oder absolviertem Sport zu korrespondieren. Ich finde mich mittlerweile einfach mit der Fluidität von Gewicht und Körperform ab. Es ist alles nur ne Phase.

  3. Croco meint:

    Das ist eine seltsame Sache mit der Körperform.
    Sie scheint für andere das Signal zu sein, in Kommentare auszubrechen.
    Das letzte Jahr war schwer für mich. Ich ging leicht gebückt und nahm ab.
    Es war der Kummer. Und doch kamen ganz andere Bemerkungen.
    Jetzt schlafe ich wieder und gehe aufrechter.
    Was kommt? Abnehmtipps.
    Ich bin auf Schlupfhosen umgestiegen. Die passen sich an und ich muss nicht immer neu einkaufen.
    Die schönen Sachen von vor Cortison habe ich aufgehoben, der Rest kam nach Bethel.

  4. Katrin meint:

    Ja, dünner ist immer besser. (Nicht). Ich rutsche seit meiner Jugend immer wieder mal aus Gründen in magersüchtige Gewichtsbereiche, so auch letztes Jahr. Es kommen immer nur Komplimente in diesen Phasen. Ich frage mich ernsthaft manchmal, wie dünn man wohl werden muss, bis mal jemand besorgt wäre. (Klare Ausnahme: Ärzte).

  5. Carla meint:

    Hatte Kittykoma dazu nicht mal kommentiert, das Kleidung früherer Jahrhunderte sich besser an verändernde Körperformen anpasst, weil niemand die zeit und das geld gehabt hätte, dauernd neue Kleidung zu nähen. Frauenkörper v.a. ändern sich ja dauernd: Schwangerschaft, Zyklus, Wechseljahre… also vielleicht auf Röcke und mieder umsteigen? Mal die historical fashion youtuber fragen :)

  6. Sabien meint:

    “Wie schlimm muss das erst für eine sein, die durch böse Krankheit dünn geworden ist.” Sie haben absolut recht (während Chemo, und tatsächlich als Kompliment gemeint).

  7. Elisabeth meint:

    Vielen Dank für das Choreographie-Video, was für eine tolle und inspirierende Idee!

  8. Gaga Nielsen meint:

    Adele… hach…!

  9. engl meint:

    delicious.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Vor allem, Gaga Nielsen, engl, komme ich nicht darüber hinweg, WIE Schulbuch-working class Adeles gesamter Habitus ist.

  11. Simone meint:

    Ja, das kenne ich zu gut. Ich bin schon immer untergewichtig, da ändert auch viel Essen nichts. Iss doch mal was, sagen die einen. Sei froh, dass du so schlank bist, meinen die anderen. Ach ja? Mir fehlt jegliche Reserve, nach 2 Tagen Magen-Darm-Grippe bin ich faktisch tot. Da mag ich mir schlimmere Erkrankungen gar nicht vorstellen.

  12. Gaga Nielsen meint:

    …aber Adele wirkt dennoch ZEITGLEICH elegant, verfeinert, reflektiert und sophisticated. UND gewitzt. UND tongue in cheek. Wahnsinns-Charisma. Herrliches Gesamtpaket. Göttlich…!

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