Journal Sonntag, 14. November 2021 – Lamm-Quitten nach Müllunglück

Montag, 15. November 2021 um 6:30

Wirklich lang geschlafen (also bis ACHT!). Das war dem späten Zu-Bett-Gehen eigentlich angemessen, doch meist klappt das nicht.

Vormittags buk ich Raumduft Gewürzkuchen, der Jahreszeit angemessen.

Ich hatte Lust auf Bewegung, doch das Wetter war ausgesprochen unfreundlich: Regnerisch und kalt. Also packte ich Sportsachen und ging im Verein ein Stündchen auf den Crosstrainer, interessante Musik aus dem Familienmix der Bruderfamilie auf den Ohren. Die Sporthalle unter mir war leer und bot keine interessanten Einblicke, ich hatte trotzdem Spaß und schwitzte ordentlich.

Zurück daheim ausführliche Körperpflege, dann entkernte ich für Frühstück und Montagsbrotzeit zwei Granatäpfel. Als ich den Müllbeutel mit unter anderem den Abfällen des Granatapfels zum Wegwerfen aus dem Eimer hob – riss er. Das ist mir original noch nie passiert.

Was für eine Sauerei. Ich hätte gerne ein paar Minuten durchdringend gebrüllt. Hatte ich erwähnt, wie unpraktisch dieser klein gemusterte Küchenboden ist? Spätestens gestern hätte ich es beim Auffegen des verstreuten Kaffeesatzes von einer Woche gemerkt. Es hat gute Gründe, dass Großdieselschiffsmotoren in hellen Farben lackiert sind (ich habe sogar welche in Weiß gesehen, und eine große Kreuzfahrt-Reederei bestellt sie immer in Kanarienvogel-Gelb): Man sieht Leckagen sofort und kann so die Ursache gleich beheben. Küchenböden seien hiermit die Schiffsmotor-Lackierung der Wohnung!
(Später beim Kochen lustiges Suchen eines Würfelchens Zwiebel, das mir vom Schneidebrett gesprungen und auf dem Boden sofort unsichtbar geworden war. GRRRRR!)

Oder ich mache ein Food-Blog-Stöckchen daraus, wie ein Kommentar auf instagram vorschlug? Leert eure Müllbeutel auf den Boden und machte ein Foto davon? Neue Karriere als Müllfluencerin?

Nach einer halben Stunde Fegen und Putzen inklusive Fege- und Putzgeräteputzen setzte ich mich um drei endlich zum Frühstücken. Es gab eine Semmel vom Vortag mit Ziegenkäse und Quittengelee, außerdem Granatapfel mit Joghurt und Mohn.

Das Tageslicht gab bereits wenig später auf und entschied sich für Abenddämmerung. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen gesellige Frühstücke dauerten, bis es dunkel wurde. Das war aber anders.

Ich hatte Rote Bete aus Ernteanteil gekocht, jetzt machte ich daraus einen Salat mit Joghurt, Kreuzkümmel und frischem Koriander: Brotzeit für mindestens Montag. Außerdem kuvertierte ich den Gewürzkuchen. Herr Kaltmamsell kam von einem Kinobesuch heim.

Eigentlich hatte ich geplant zu bügeln, der Berg ist über die vergangenen Wochen ganz schön gewachsen. Aber dann wäre ich nicht zum Lesen der Wochenendzeitung gekommen, bevor ich mit dem Kochen des Abendessens beginnen wollte. Ich setzte Prioritäten: Bügeln verschoben, Zeitung gelesen.

Ans Kochen machte ich mich zusammen mit Herrn Kaltmamsell: Es sollte Lammhack mit Quitten nach Ottolenghi geben, diesmal habe ich das Rezept aufgeschrieben.

Im Original werden Quittenhälften mit dem Lammhack gefüllt, doch es ist sehr mühsam, die harten Quittenhälften auszuhöhlen, und es bringt geschmacklich nichts. So schmeckte es auch gestern ausgezeichnet. Nachtisch Gewürzkuchen.

Beim Internetlesen ließen wir im Fernsehen Black Panther laufen, die Afro-Hightech-Ästhetik des Films haut mich immer noch um.

§

In puncto Impfpflicht war ich bislang unschlüssig, konnte Nutzen und Schaden nicht einordnen. Mai Thi Nguyen-Kim hat mich davon überzeugt, dass sie deutlich mehr bringen würde.

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https://youtu.be/KEggd1S9_9Y

“Torwarte nützen nix, denn bei 99% der Tore war ein Torwart da,” nehme ich mir als Beispiel mit für die Irrationalität von “Impfen nützt nichts, denn man kann sich trotzdem infizieren”.

die Kaltmamsell

17 Kommentare zu „Journal Sonntag, 14. November 2021 – Lamm-Quitten nach Müllunglück“

  1. Ilka meint:

    Guten Morgen, für das Küchenbodenexperiment schlage ich Zuckerstreusel vor und für Fortgeschrittene Senfkörner. Beides getestet und sehr “aaaaaaahaaahhhaaaaarrrggggg”

  2. Micha meint:

    Die Quitten mit Lammhack sind mein absolutes Lieblingsquittengericht. Darf ich etwas ergänzen? Stimmt, es ist echt viel Arbeit, Quitten auszuhöhlen, stimmt auch, es macht geschmacklich keinen Unterschied, ob die Klopse sich auf Quittenstücken oder in Quittenhälften befinden. Optisch aber schon. Und nachdem ich mich einmal mit dem Küchenmesser abgemühte und daran schier verzweifelt bin, habe ich letztes Jahr, den Melonenausstecher der Mitbewohnerin entdeckt. Es ist immer noch ein bisschen mühsam, die harten Biester auszuhöhlen, aber es geht SEHR viel leichter. Falls Sie also einen Melonenausstecher besitzen: vielleicht möchten Sie ihm eine Chance geben. Vielleicht auch nicht.

  3. Joe meint:

    In dem Video nichts zum Thema Ethik. Je stärker Maßnahmen in die Selbstbestimmung des Einzelnen eingreifen, desto größer ist der Bedarf einer ethischen Begründung und bevor mit Zwangsmaßnahmen in die Freiheit des Einzelnen eingegriffen wird, muss versucht werden, die Teilnahme durch Anreizsysteme und Steuerungsinstrumente zu erhöhen.

  4. engl meint:

    stöckchen! das versteht doch keine sau mehr, oder!? (oups, excuse!)

  5. Hans-Georg meint:

    @engl: Bei Instagram gibt’s dauernd neue “Stöckchen”, jeden Tag wird da eine neue Sau durchs Dorf, äh, durch Instagram getrieben. Ich beteilige mich nicht daran, ebensowenig wie ich mich an den Blogstöckchen beteiligt habe.
    Frau Vorspeisenplatte, schaffen Sie sich eine Katze an, die findet garantiert alles, was auf den Küchenboden fällt. Auch wenn sie es nicht frisst – sie schnüffelt erstmal dran. Und schon wissen Sie, wo das Zwiebelwürfelchen gelandet ist oder wo sonst noch was rumliegt.
    Man kann auch einfach alles liegenlassen und sagen: Bei uns kann man vom Fußboden essen – man findet immer was.

  6. engl meint:

    @Hans-Georg aber es heißt doch nicht mehr so … oder!?

    (ich habe mich auch so gut wie nie beteiligt. besonders jetzt, wo es womöglich nur um cklicks geht. aber wer weiß.)

  7. Hans-Georg meint:

    @engl: Auf Insta hat das keinen Namen, es ist aber das Gleiche. Es gibt Stöckchen, für die man nominiert wird. Der neueste Schrei ist, dass auf einem Bild einfach ein Sticker “geklebt” wird, auf dem z.B steht “Zeig mir ein Bild mit was rotem drauf”. Da kann sich dann jeder unaufgefordert und unangesprochen beteiligen.

  8. Die M. meint:

    Biete hiermit meinen schwarzen Küchenboden aus Schiefer zum Tausch, wäre sicher eine Win-win-Situation.
    Die M.

  9. Rainer meint:

    Lieber Joe, da gebe ich Ihnen grundsätzlich Recht. Aber wie verhält es sich mit Entscheidungen des Einzelnen (Impfverweigerer), der damit meine Freiheit (Geimpfter) in vielfältigster Weise negativ beeinträchtigt?

  10. Croco meint:

    Gewachster Terrakottaboden ist sehr zu empfehlen. Mir hüpfen ab und an morgens die Blutdrucktabletten davon. Auf einem weißen Boden hätte ich keine Chance.
    Da ich nur gelbe Schiffsmotoren kenne, muss das die Meyerwerft sein.
    Das Quittenrezept merke ich mir.
    Die diesjährige Quittenernte fiel aber leider so mau aus, dass es nur zu einem Auflauf mit Äpfeln und Kartoffeln gereicht hat.

  11. Elisabeth meint:

    Lieber Joe, die Kritik leuchtet mir nicht ganz ein: die ethische Dimension wird von Frau Nguyen-Kim doch durchaus angesprochen? Erstens erwähnt sie die völlige Überlastung des Gesundheitspersonals und zweitens die u.U. lebensgefährlichen Absagen von OPs bi Patient:innen, die ebenfalls auf Intensivbetreuung angewiesen sind. Sie geht halt nicht auf philosophische Positionen oder die Werteabwägung Freiheit (Egoismus?) vs. Gesundheit ein, was ich aber im Sinne des Adressatenbezugs gar nicht schlimm finde. Nicht jede:r hat Interesse an Philosophie und das sage ich als Ethiklehrerin. Sehr positiv überrascht war ich heute von meinem Oberstufen-Kurs: ein paar hatten das Video bereits gesehen. Ich bin gespannt, was die Diskussion in verschiedenen Klassen dazu diese Woche noch ergibt und hoffe einfach, dass dieses Video gerade ganz viele Unentschlossene erreicht und doch noch überzeugt.

  12. die Kaltmamsell meint:

    Es war Royal Caribbean, Croco, die bei der Meyerwerft bauen ließen.

    Nachtrag 16.11.2021: Halt, Irrtum! Es war Carnival Cruises!

  13. Trulla meint:

    @Joe
    Zur Frage der Ethik lege ich Ihnen ans Herz, den gestern hier von der Kaltmamsell verlinkten Text “Tyrannei der Ungeimpften…” von Peter Dalbrock, ehemaliger Vorsitzender der Ethikkommission, aufmerksam zu lesen. Der Text ist lang, aber die Mühe lohnt sich, denn darin werden m.E. alle offenen Fragen beantwortet.

    Btw.: Auch wenn’s mich irgendwie ärgert sollten wir, wie von Ihnen gewünscht, versuchen, auf jede nur denkbare Art auch noch den Letzten (Schmarotzer, Gegner, Schwurbler, oder schlicht Dummkopf) zur Impfung zu bewegen.

  14. Beate meint:

    Ich habe vor ca. zwei Wochen eine kleine weiße Porzellanschüssel zerdeppert .. und finde immer noch kleine Splitter. Bei dem “melierten” Fußboden kein Wunder.

  15. Joël meint:

    Ich habe das mit dem Müllbeutel erst heute gelesen. I feel you. Man möchte am liebsten jemanden verklagen und hängen sehen.

  16. Sebastian meint:

    Öfters schon gedacht: Arbeitsplatz nach dem Kochen (und vor dem Aufräumen) fotografieren und raten lassen, was es gibt. Funktioniert am besten bei Vegetariern und Nichtzwischenräumern.

  17. Rica meint:

    Reißende oder gerissene Müllbeutel häufen sich leider. Aus Umweltschutzgründen (oder Spargründen?) werden diese aus immer dünner werdenden Materialien hergestellt. Dass sowohl Umpacken in einen zweiten Beutel, ihn wegen des Gewichts zur Reiß-Prophylaxe lieber nur halb zu befüllen oder gar die Folgen eines gerissenen Beutels mit Putzutensilien beseitigen zu müssen, die Umweltfreundlichkeit wieder neutralisiert oder den Materialverbrauch sogar vervielfacht, könnte glatt ein Schildbürgerstreich sein.

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