Journal Sonntag, 21. November 2021 – Isarlauf im Sonnenschein, Erinnerung an polnische Oma

Montag, 22. November 2021 um 6:31

Zerstückelt, aber immer wieder gut geschlafen.

Morgens erst mal Brotteig geknetet, Spülmaschine ausgeräumt, Weihnachtsstollen gepuderzuckert und in Alufolie eingeschlagen, oben auf die Küchenschränke verräumt.

Lustiges Wetter zu Tagesanfang: Erst klarer Himmel, dann eine Stunde Nebel, dann wieder klar.

Neben Bloggen die verschiedenen Handgriffe des Brotbackens, das Resultat sah dann ganz anders aus als auf dem Foto.

Ich hatte eh eine Laufrunde an der Isar geplant, der wolkenlose Sonnenschein machte sie besonders attraktiv.

Über den Südfriedhof ging ich zügig zum Aufwärmen an die Wittelsbacherbrücke, lief Richtung Flaucher los. Wieder zeigte sich wie schon auf meinen früher fast einsamen Wanderungen: In der Corona-Zeit haben viele Menschen die Wege an der Isar für sich entdeckt. Selbst auf meinen Schleichpfaden hintenrum, auch abseits der Hauptwege, herrschte dichter Verkehr von Joggerinnen, Spaziergängern, Familien, Kinderwagenschiebegruppen, Hundegassigeher*innen. Abstandhalten erforderte immer wieder Anstrengung.

Auch auf dem Flauchersteg Hochbetrieb (mindestens ein Nackerter auf den Kiesbänken, brrr), auf dem Isarkanal sah ich Kanuten und Stehpaddler. Laufen ging sehr gut, Ziepen spürte ich nur nach einer Weile in den Waden.

Unter der Brudermühlbrücke.

Ganz schnelles Foto auf Schleichpfad ohne andere Menschen.

Am Schleusenwärterhäusl bei Maria Einsiedel.

Nach dieser Aufnahme von der Großhesseloher Brücke herunter schaltete sich das Smartphone aus, dem Akku war schnell zu kalt geworden. Also keine weiteren Fotos mehr und, viel schlimmer, keine gezählten Schritte. Oder auch nur die Zeit, ich schätze mal, dass ich 75 Minuten joggte. Zurück nahm ich die U-Bahn von Thalkirchen – auf die ich 15 Minuten warten musste (Bauarbeiten am Wochenende, die hatte ich schon wieder vergessen), die dann auch deutlich dichter besetzt war, als ich es an Sonntagen kenne. Hätte ich das gewusst, hätte ich anders geplant.

Zum Frühstück Granatapfelkerne, gebackene Quitte, Banane mit Joghurt, ein paar Träubchen als Beilage.

Während ich geduscht hatte, war das Wetter umgeschlagen, der eben noch strahlende Himmel plötzlich bedeckt und grau. Nachmittag mit Zeitunglesen im Sessel, als Snack gab es eine Scheibe vom Selbstgebackenen: ok, aber nicht mein Lieblingsbrot. (Und es schmeckte mir immer noch besser als jedes gekaufte Roggenbrot der vergangenen Jahre, selbst von wirklich guten Bäckern.)

Fürs Abendessen war ich zuständig. Wir arbeiten ja immer noch den Topf Salbei ab, den ich anlässlich des Kürbis-Herbstsalats gekauft hatte. Heute mit Hilfe einer klassischen englischen sage and onion-Füllung für Brathuhn. Im glückliches Hermannsdorfer Hähnchen steckten noch einige Federkiel-Wurzeln vom Rupfen, die ich sorgfältig entfernte – und die einen Erinnungsflash an meine polnische Oma selig auslösten: Wenn sie Gans briet – und ihre Gänsebraten waren legendär, möglicherweise wegen des Gasofens, aus dem sie kamen -, suchte sie die rohe (immer polnische!) Gans vorher gewissenhaft ab nach Federkielen. Ich sah sie vor mir in einer Kittelschirze (tut mir leid, Duden, Ihre Schreibung ist unkorrekt), die dauergewellten grauen Locken der Blumenkohl-Frisur mit Haarklammern aus der Stirn gesteckt, weit unten auf der Nase ihre Brille (die sie immer nur wenn nötig aufsetzte, also zum Nähen, Lesen der Fernsehzeitschrift Gong und für fieselige Küchendinge – niemals hätte sie sich draußen damit blicken lassen), vor ihr die Gans und in der rechten Hand die Pinzette, mit der sie nachrupfte.

Das Hähnchen geriet sehr gut, wir aßen beide je fast eine Hälfte. Nachtisch Schokolade.

Im Bett las ich William Kotzwinkle, The Fan Man aus: Ja, ein wirklich lustiger Aberwitz von 1974, ein innerer Monolog eines völlig verpeilten Typen in Hippie-Jargon, doch dass weibliche Wesen ständig, aber nur in Form von zu fickenden 15-jährigen Mädchen vorkamen, und selbst die meist nur in Form von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, fand ich bei der Lektüre dann doch zunehmend eklig und abstoßend.

Corona eskaliert hierzulande weiter. Es bremst die Pandemie zwar auch nicht (wieder ein neuer Rekord bei der Inzidenz in Deutschland: 372,7), aber ich würde wirklich gerne von irgendwem aus der Politik das Geständnis hören: “Das haben wir unterschätzt.” Gäbe mir ein bisschen Hoffnung auf künftige Besserung.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Sonntag, 21. November 2021 – Isarlauf im Sonnenschein, Erinnerung an polnische Oma“

  1. adelhaid meint:

    5 leaves of sage? jetzt hatte ich gehofft, ein rezept zu finden, der auch unserem salbei ein bisschen was abfordert, denn der beginnt den garten zu übernehmen, aber mit 5 leaves…das merkt der nich mal.
    Vielleicht mache ich das mal und passe die salbeimenge an die größe des hahnes hier an – unter 2,3kg sind sie von der hühnerverkäuferin des vertrauens nicht zu bekommen. vielleicht nehme ich dann… what..six?

  2. die Kaltmamsell meint:

    Ahahaha, das habe ich natürlich nicht ernst genommen, adelhaid, und die Menge mal kurz verdreifacht.

  3. Ilse meint:

    Kotzwinkel halt. Die ganzen männlichen Hippie-Ikonen lebten in einer reinen Männerwelt.
    Brot schaut super aus.

  4. Gabriele meint:

    Beim Gänsebraten der Oma aus Westpreußen war mein Opa dafür zuständig auch wirklich den letzten Gänsekiel Rest zu entfernen. Mit der alten Pinzette des Sanitätsdienstes……Danke für den Flashback, sowohl Gedanken als auch Geschmack und Geruch!

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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