Archiv für Januar 2022

Lieblingstweets Januar 2022

Montag, 31. Januar 2022

Journal Sonntag, 30. Januar 2022 – Wintersturm

Montag, 31. Januar 2022

Endlich wieder eine gute, erholsame Nacht. Zwar wachte ich auch in dieser mehrfach auf, doch nach halb vier schlief ich bis sieben durch, wachte erfrischt zum ersten Glockenläuten des Tages von St. Matthäus auf.

Draußen stürmte es weiter, mir fiel ein, dass ich vor dem Aufbruch zum Schwimmen im Dantebad auf der Website sicherstellen sollte, dass es nicht wegen halber Bäume im Becken geschlossen war.

Ich packte nach dem Bloggen und Bettwäschewaschen (Frequenz wegen viel Schwitz derzeit wieder hoch) sogar noch meinem Sport-Rucksack, als ein weiterer Sturm- und Regenschauer die Wohnung verdüsterte und mir aufging, dass es vernünftig war, die Schwimmpläne ganz fahren zu lassen. Schon lag der Sonntag ganz anders vor mir.

Erstmal las ich sehr ausführlich Twitter, Blogs und Verlinktes, erlebte daheim die Entstehung einer Serie von Blogposts über Wolfgang Herrndorfs Sand und die damit verbundene Erschütterung mit (hier Teil 1), blanchierte und häutete ein paar Hand voll Mandeln vom adoptierten Baum in Andalusien, guckte aus dem Fenster in den Sturm mal mit Regen, mal mit Sonne, kümmerte mich mit Pömpel um den stockenden Abfluss der Badewanne, nahm ein seltenes Vollbad, pflegte und cremte mich, kochte für Herrn Kaltmamsell und mich Porridge, schälte dazu Orangen und entkernte einen Granatapfel. Um zwei frühstückte ich Porridge, Orangenmarmelade, Joghurt und viel Obst.

Nachmittags legte sich der Sturm langsam, das wollte ich von draußen sehen. Ich spazierte Richtung Theresienwiese, da diese aber gerade von einer mittelgroßen Impfgegner-Demo belegt war (insgesamt gab es in Bayern drei), umrundete ich große Teile in möglichst großem Abstand. Das ersparte mir nicht das Mithören der erstaunlich weit schallenden Demo-Reden, in denen es hieß “wir” seien “keine Minderheit” (belegbar falsch), in denen die Impfstoffe “weitgehend unerforscht” genannt wurden (belegbar falsch), und in denen es natürlich auch irgendwie um Kinder ging, doch ich schaffte es, für genaueres Verständnis wegzuhören. Was allerdings wirklich Respekt verdient: Das neben den Demos liegende Corona-Impf- und -Testgelände wurde bisland nie angegriffen.

Anders als geplant steuerte ich nicht den Westpark an, sondern bog ab zum Harras. Jetzt ging nicht mal mehr ein Wind, das Licht war wundervoll. Zurück nach Hause spazierte ich auf der Rückseite des Harras über die Kidlerstraße und dann auf Straßen parallel zur Lindwurmstraße.

Ich entdeckte mal wieder schöne Kunst am Bau.

Daheim eine Runde Yoga; auch die Folge 10 von “Move” fand ich sehr neu und spannend, möchte sie wiederholen.

Zu Abend kochte Herr Kaltmamsell Spaghetti Cacio e Pepe, ich verarbeitete den Ernteanteil-Kohlrabi zu Rohkostsalat – der mir überraschend schmackhaft gelang (Dressing aus Zitronensaft, Reisessig, Honig, Rotisseur-Senf, Rapsöl, Salz, Pfeffer, Oregano – zum Merken).

Früh ins Bett zum Lesen. Nach Langem habe ich dabei mit Granta 157, Should we have stayed at home? New travel writing mal wieder ein Papierbuch in der Hand – und stellte fest, dass das Licht meiner etwas entfernten Nachttischlampe nicht ausreicht (das eBook-Lesegerät bringt ja seine eigene Beleuchtung mit), ich musste das Deckenlicht anschalten.

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LWS-Skoliose mit zwei Bandscheibenvorfällen, Hüftdysplasie beidseitig mit Arthrose, großes Gebärmutter-Myom, regelmäßige Blasenentzündungsschmerzen (das ist seit ein paar Monaten das neueste Feature: hatte ich vor Klimakterium über 30 Jahre nicht mehr) – glauben Sie mir, wenn ich von Beschwerden “untenrum” spreche, ist das nicht g’schamig, sondern effizient.
(Neues Karriereziel.)

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Jetzt verstehe ich, warum ich in den vergangenen Jahren ehrgeizige Münchner Lokale wie das Broeding oder den Dantler weit lieber mag als die hiesige Sterneküche: Weil ich dort Speisen mit einheimischem Profil bekomme statt durchaus beachtliche Teller, die man aber gradsogut in Berlin oder Hamburg servieren würde.
“Stilkritik, Folge 4: Die Krake Mainstream”.

Das Gleiche zu machen wie andere Köche, widerspricht der kulinarischen Logik

Das, was Köche produzieren, hängt von vielen Faktoren ab – zunächst einmal in qualitativer Hinsicht. Wenn sie eine professionelle Ausbildung durchlaufen, werden ihnen nicht nur handwerkliche Techniken beigebracht, sondern gleichzeitig auch diverse Rezepturen und bestimmte Geschmacksbilder. Davon abzuweichen, kann den Erfolg der Ausbildung gefährden, sie müssen so kochen, wie das von ihren Ausbildern gewünscht ist und in das Programm des jeweiligen Restaurants passt. Bei diesem Verfahren (das weitestgehend unausweichlich ist) spielt die individuelle geschmackliche Grundlage kaum eine Rolle. Dabei kann es einen gewaltigen Unterschied machen, ob jemand aus einer Gastronomenfamilie stammt und schon als Kind in der Küche mitgeholfen hat, oder ob er frisch vom Gymnasium beschlossen hat, auch so ein toller Hipster-Starkoch zu werden wie XY. Und – auch individuell-physiologische Aspekte können eine Rolle spielen, also ob jemand eher hypersensibel oder hyposensibel schmeckt, sehr fein und differenziert schmeckt oder eben so, dass er sehr viel Würze braucht, um überhaupt etwas wahrzunehmen und gut zu finden. Kurz und gut: die Köche sind verschieden und bleiben dies auch zu einem großen Teil, selbst wenn sie die gleiche Ausbildung durchlaufen haben.

Wenn sie dann für eine Küche verantwortlich sind, würde es der kulinarischen Logik entsprechen, die eigenen Grundlagen und auch die Umgebung einzubeziehen und zu reflektieren, sich also etwa mit den Produkten zu beschäftigen, die sie sozusagen „unter Kontrolle haben“ und sich nicht wahllos aus dem Topf der internationalen Warenströme zu bedienen. Es würde zudem Sinn machen, die regionalen Traditionen zu bewahren, oder ihre Rezepte zu optimieren, zum Beispiel um eine Nähe zu den potentiellen Kunden herzustellen oder für Reisende attraktiv zu werden, weil man regional Spezifisches anbietet, das es so nur hier geben kann.

YES PLEASE.

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Andere hatten auch Sturm. Der schottische Fischer John A Buchan filmt von seinem Schiff aus mal aus Perspektive des Boots mit schwankendem Horizont, zum Vergleich mit fixem Horizont. (Grund 5567, das Internet und Twitter zu lieben.)

Journal Samstag, 29. Januar 2022 – Auf dem Tegernseer Höhenweg in die Sonne

Sonntag, 30. Januar 2022

Eine besonders schlechte Nacht mit Aufwachen zu jeder Stunde und sehr unangenehmen Nebenhöhlenschmerzen.

Um sechs erklärte ich diese Nacht für beendet. Entsprechend erledigt hing ich über Bloggen und Mogenkaffee. Dann doch die bunte Sonderangebots-Sommerhose aus einem offenen Tab bestellt, Futter für die Illusion, den Winter verkürzen zu können.

Herr Kaltmamsell hatte dieses Wochenende frei. Und er war eisern entschlossen, es für eine Wanderung mit mir zu nutzen, Winter und Wetter egal. Das überraschte mich, ich kenne ihn eigentlich nicht so kompromisslos wanderbegeistert, doch ich erfüllte ihm gern den Wunsch. Als Strecke hatte ich eine am Tegernsee recherchiert, von der mir eine Freundin als Winterwanderung um Weihnachten erzählt hatte, nämlich den Tegernseer Höhenweg. Auf das abschließende Übersetzen per Schiff oder Ruderfähre mussten wir allerdings verzichten, da es derzeit auf dem Tegernsee gar keinen Schiffsverkehr gibt.

Ich packte einen Rucksack mit Getränken, Brotzeit holten wir uns am Bahnhof – an einem der wenigen dort verbliebenen Brotzeitstände, denn am Münchner Hauptbahnhof ist inzwischen fast alles außer dem Gleisbereich Baustelle.

Im Zug nach Tegernsee ein verräterisches Verbotsschild am Gepäckfach über den Sitzen:

Gestern allerdings sah ich nur einmal Mensch mit Snowboard auf der Hinfahrt, einen mit Ski zurückzu (der lustige Skistiefel-Gang! als Choreografin würde es mich drängen, einen Tanz daraus zu machen – ähnlich der Taucherflossen-Nummer in Mama mia). Alle anderen Passagiere sahen nach Wandern oder Spazierengehen aus. (Maskendisziplin 1A.)

Die Wettervorhersage hatte für Nachmittag Sonne angekündigt, und so war es dann auch: Wir wanderten unter düsterem Himmel los ins immer Sonnigere. Der Weg war gut ausgeschildert, ließ sich auf sulzigem Schnee in festen Wanderschuhen gut gehen (umfasste allerdings ein paar sehr steile Abstiege), wir begegneten nur wenigen anderen Menschen, Richtung Rottach-Egern immer weniger, und wir hatten immer wieder wundervolle Aussicht.

Blick rüber nach Bad Wiessee. Ich erkannte die Reha-Klinik, in der ich Ende 2019 nach meiner Hüft-TEP so schnelle Heilungsfortschritte machte.

Rottach-Egern mit Wallberg.

Nach zwei Dritteln machten wir kurz vor zwei Brotzeit auf einem Bankerl an der Rottach: eine mächtige Nussschnecke, dazu Kräutertee aus der Thermoskanne – sie hatte ihn wirklich heiß gehalten.

Jetzt wurde es herrlich sonnig und warm, schlagartig waren alle Wege und Bänke voller Menschen.

Blick vom Strandbad Point nach Rottach.

Kloster Tegernsee.

Tegernseer Rathaus.

Zurück nahmen wir einen Zug kurz vor vier (sie gehen zwischen Tegernsee und München zweimal in der Stunde – wirklich bequem). Das waren 14 Kilometer in knapp vier Stunden gewesen. Was ich Herrn Kaltmamsell bis zur Rückfahrt verheimlicht hatte: Beim Gehen schmerzte seit dem Aufstehen am Morgen meine einst kaputte Hüfte mit überraschender Heftigkeit. Ich wollte die Tour trotzdem probieren, und es ging dann auch gut, wirkliche Schmerzen hatte ich immer nur nach Aufstehen vom Sitzen.

Auf der Rückfahrt nutzte ich die Gelegenheit, mal ein Foto von der Großhesseloher Brücke aus auf Gleishöhe aufzunehmen statt beim Joggen ein Stockwerk tiefer.

In München kauften wir auf dem Weg nach Hause noch Zutaten fürs Abendessen. Ich fühlte mich nach der schlechten Nacht unverhältnismäßig erledigt, legte erst mal die Füße hoch.

Herr Kaltmamsell kümmerte sich auch gestern ums Nachtmahl und servierte aus Ernteanteil den letzten Lager-Knollensellerie und Gelbe Bete mit Zwiebeln vom Blech, ich rührte dazu Schnittlauchjoghurt und Tahini-Sauce (mit Meyerzitronensaft) an. Davor gab es Gin Tonic.

Nachtisch große Mengen Süßigkeiten.

Ich gab meiner Erschöpfung nach und war schon um halb zehn im Bett. Draußen hatten Sturm und Regen eingesetzt, wir hatten den richtigen Wochenendtag zum Wandern gewählt.

Journal Freitag, 28. Januar 2022 – Brasserie-Abend und Beifang aus dem Internetz

Samstag, 29. Januar 2022

Wochen-Endspurt. Ich wachte (beim vierten und letzten Mal) mit dem Gedanken auf, dass ich abends Essengehen würde, die Freude darauf trug mich durch den Tag.

Morgens regnete es kalt, in einer Regenpause marschierte ich ins Büro. Vormittags kurzer dichter Schneefall, dann Grau, am späten Nachmittag nochmal ein nasser Schneeschauer.

In der Arbeit weiter ermüdende Kämpfe, wenige Erfolge.

Mittags gab es restlichen Quarkjoghurt vom Vortag, Orangen, Clementinen, ein Rest Salzstangen aus der Büroschublade.

Den ganzen Tag fror ich, trotz Zusatz-Strickjacke, trotz heißem Tee. Dafür schwitze ich derzeit nachts wieder heftig, die perimenopausale Temperatur-Achterbahn ist in vollem Gang, auch in der lustigen Mischform von eisigen Händen und heißem Kopf.

Auf dem Heimweg holte ich Obst im Süpermarket Verdi, freute mich über schöne Orangen und Granatäpfel. Zu Hause hatte ich trotz früher Tischreservierung Zeit für eine Wiederholung der interessanten Yoga-Folge vom Donnerstag, bevor wir uns ein wenig aufhübschten (bei Herrn Kaltmamsell bedeutet das Hemd statt Pulli, bei mir Wahl einer schönen Handtasche) und zur Brasserie Colette spazierten.

Wir verbrachten einen wundervollen Abend mit spannenden und köstlichen Speisen und Getränken, herzlich umsorgt und beraten vom Service, in einer schönen Atmosphäre. Auch bei diesem zweiten Besuch fiel mir das Publikum angenehm auf, fröhliche kleine Gesellschaften, eher nicht ganz jung, gestern neben uns aber auch eine junge Familie mit zwei sehr kleinen Kindern, die für Leben sorgten, doch mit Eltern, die sich beide gelassen und durchgehend um sie kümmerten, keineswegs störten (und Sie wissen, wie schwer es wiegt, wenn ich das schreibe).

Vorab gab es zur Entspannung für uns beide je ein Glas Cremant Bouvet Ladubay, für mich in Rosa, für den Herrn in Weiß.

Nachdem ich ihm so sehr davon vorgeschwärmt hatte, probierte auch Herr Kaltmamsell als erstem Gang die Artischocke. Und schmeckte aus der Majonese den Safran heraus, der mir mit meiner Safranblindheit entgangen war. Dazu ließen wir uns ein Glas Sauvignon Blanc Domaine Bonnigal-Bodet empfehlen, der hervorragend passte.

Als zweiten Gang bestellte ich Sardinen mit Brioche – und musste aus acht Sorten Dosensardinen wählen, die mir auf zwei Tabletts präsentiert wurden. Es gab welche mit Paprika, mit Knoblauch, nur in Öl, aber auch in Butter und in Muscadet. Letztere Zubereitung erschien mir am spannendsten, dafür entschied ich mich.

Die Sardinen waren dann auch wundervoll mürbe und aromatisch, die getoastete Brioche begeisterte mich, der Blattsalat dazu rundete den Gang perfekt ab. Dazu ließ ich mir ein Glas Chablis Samuel Billaud empfehlen.

Herr Kaltmamsell hatte Gebratene Foie gras bestellt. Sie wurde auf einer Entenbrühen-Crème brûlée sowie mit Mais serviert und schmeckte ihm sehr gut (ich durfte probieren: himmlisch).

Sein Hauptgang war Pulpo mit Kalbskopfjus, Topinambur & Römersalat.

Ich aß Boeuf Bourguignon, das mir mit dem Hinweis serviert wurde, es bestehe aus 16 Stunden geschmorter Backe – ganz hervorragend. Dazu ein Glas Côtes du Rhône, der mir ebenso gut schmeckte wie in der Vorwoche.

Desserts hatten wir nicht eingeplant, waren ohnehin zu satt dazu. Aber auf Espresso hatten wir beide Lust, er stellte sich als besonders gut heraus (ist ja zu meiner immer wieder neuen Überraschung gerne mal der Schwachpunkt sogar besonders guter Restaurants). Dazu wurden wir auf ein Gläschen Süßwein eingeladen, ein duftiger Abschluss.

Zusatzfreude: Nach einem solchen Fine-Dining-Abend in zehn Minuten zu Fuß daheim zu sein.

§

Spannender Artikel von Claire L. Evans über die Anfangszeit des Hackens:
“Searching for Susy Thunder.
In the ’80s, Susan Headley ran with the best of them—phone phreakers, social engineers, and the most notorious computer hackers of the era. Then she disappeared.”

via @hatr

Bureaucracy was inflexible, inhuman, but that rigidity made it vulnerable, too. There were ways to use the rules to break the rules. The older she got, the more she saw the polygraph as a lesson, revealing, to her, the hidden truth of the world: that everything is a system, and every system can be cracked.

(…)

Hackers are folkloric figures. They’re tricksters, bathed in the blue light of glowing screens and green mists of binary code. For 30 years, they’ve been romanticized in films, mashing keyboards, pounding soda, racing progress bars, shouting, “I’m in!” In the cultural imagination, they’re often antisocial, malevolent figures — usually male — whose obsession with the technical minutiae of computer systems leaves them wholly under-equipped for human interaction.

But few major hacks are pulled off without some old-fashioned social skills. Passwords are hard to crack, but people are easy. In the summer of 2020, just as I was trying to convince Scott Ellentuch to grant me access to Susan Thunder, a group of teenage hackers was able to crack 130 of Twitter’s most closely guarded accounts by manipulating Twitter employees into granting them access to internal company tools.

§

Die aktuelle Folge “Reden wir über Geld” der Süddeutschen Zeitung ist besonders lesenswert (€):
“‘Wandern ist Blut, Schweiß und Tränen'”.

Christine Thürmer hat viel Geld mit dem Sanieren von Firmen verdient. Dann stieg sie aus – und wandert seitdem durch die Welt. Ein Gespräch über ihren Plattenbau, abgesägte Zahnbürsten und den depperten Versuch, sich beim Wandern selbst zu finden.

Eine wirklich skurrile Persönlichkeit.

Aber warum Marzahn? Sie sind eine erfolgreiche Autorin, Sie hätten sich doch auch eine Wohnung in Mitte leisten können.

Na, weil es hier billig ist. Ich bin von ganzem Herzen geizig. Die Wohnungsbaugenossenschaft war auch misstrauisch, die wollten zuerst mal wissen, ob ich ein regelmäßiges Einkommen habe. Ich habe dann gesagt, sie sollen mal bei Amazon schauen, da werden meine Bücher angeboten. Man vermutet hier ja alles, aber keine Bestsellerautoren.

(…)

Ich gebe einfach nicht gerne Geld aus. Und ich habe mit steigendem Einkommen nie meine Ansprüche angehoben. Das ist mein Schlüssel zum Erfolg. Ich lebe eigentlich jetzt noch auf Studentenniveau, aber ohne mich einzuschränken. Ich habe mich einfach nie an einen höheren Standard gewöhnt. Wenn ich sechs Monate wandern war, sitze ich auch am Flughafen und gucke schon die Superangebote bei Aldi, Lidl und Penny durch. Mir macht das einfach Spaß.

(…)

Wer wandert, muss gut mit sich selbst auskommen. Noch mal zum Verständnis: Ich mache nichts unter tausend Kilometer. Diese Distanzen gehen nur, wenn Sie im eigenen Tempo und im eigenen Stil gehen.

Wie ist denn Ihr Stil?

Ganz, ganz langsam.

Wie langsam?

Auf ebener Fläche schaffe ich vielleicht vier Kilometer die Stunde. Wenn’s hochkommt. Ich bin halt eigentlich unsportlich. Ich bin nicht schwindelfrei, habe Plattfüße, X-Beine und fünf Kilo Übergewicht. Ich habe auch gar keinen Anreiz, schnell zu laufen. Lange Distanzen schafft man nicht über Geschwindigkeit, sondern über Ausdauer. Die Disziplin ist: Jeden Morgen aufstehen und loslaufen. Obwohl die Füße wehtun, obwohl es kalt ist, obwohl das Essen scheiße ist.

§

In Zeichentrickfilmen ist Wasseranimation – zusammen mit Fell – wohl das Schwierigste, auch wenn die Software inzwischen das meiste allein macht. @NonsenseIsland hat in einem Twitter-Thread besonders bemerkenswerte Ausschnitte aus der Filmgeschichte zusammengetragen.

via @ineshaeufler

§

Kurzer Lacher über dieses Bild. Über Google Bildersuche rückwärts fand ich die Künstlerin dahinter, die belgische Illustratorin Giselle Dekel.

Journal Donnerstag, 27. Januar 2022 – Arbeit mit “Störung”

Freitag, 28. Januar 2022

Nur dreimal BÄNG!-Aufwachen geht derzeit als gute Nacht durch.

Zackiger Morgen, zum Warmhalten marschierte ich auch besonders zackig in die Arbeit. Wolkenloser Himmel, eisiger Bodennebel.

Turbulenter Arbeitsvormittag. Die Dichte der Probleme (ich dachte oft an meinen Vater, der in der Instandhaltung einer riesigen Fabrik arbeitete, wie er manchmal völlig fertig von der Schicht nach Hause kam und die Erklärung fast immer lautete: “Störung.”) brachte mich nahe an Verzweiflung, jede kleine Lösung erzeugte die Euphorie “so schön, wenn der Schmerz nachlässt”.

Beim Einpacken der Brotzeit (ein Glas mit zwei Orangen und zwei Clementinen in Stücken, ein 500ml-Glas Quark mit Joghurt) hatte ich noch gedacht: Das ist zu viel, ich werden mich überfressen fühlen. Zur Mittagspause kam ich auf die brillante Idee, erst mal nur die Hälfte Joghurtquark zu essen, dann das Obst – und tatsächlich war ich dann so satt, dass ich den restlichen Joghurtquark für Freitag in den Kühlschrank stellte (find what feels good!). Möglicherweise die Idee, auf die ich gestern am allerstolzesten war.

Zu Feierabend war ich ziemlich erledigt.

Das Abendrosa machte mir bewusst, dass der Tag herrlich sonnig gewesen war, Temperaturen etwas über Null.

Direkter Heimweg: Mir fiel kein Anlass für einen Umweg ein, und ich freute mich auf eine Runde Yoga. Diese Folge 9 des 30-Tage-Programms “Move” fühlte sich ungewöhnlich an und gut, die will ich nochmal machen.

Während ich meine Brotzeit für Freitag schnippelte (mehr Orangen und Clementinen) briet Herr Kaltmamsell das Abendessen: Bratkartoffeln aus frisch geholtem Ernteanteil mit Spiegelei, ich machte den Ernteanteil-Portulak mit einer klassischen Vinaigrette an. Nachtisch Schokolade.

Mehr Wohnungseinrichtung: Ich ging meine Einmerker dafür durch, beriet mich mit Herrn Kaltmamsell und bestellte für den Flur einen Teppichläufer. Auch fürs Wohnzimmer fand ich einen Teppich (dünner Kelim), der uns beiden gefiel, muss aber noch länger überlegen, ob ein kontrastreiches Muster den Raum nicht zu unruhig macht.

§

Was Genozid auch bedeutet: Dass niemand mehr da ist, der sich an einzelne Ermordete erinnert. Genau dagegen arbeitet Yad Vashem, und auf Twitter hat gestern zum Holocaust Gedenktag @hugorifkind die Geschichte von Sulamita Szapiro aufgeschrieben – und warum er sich als Bewahrer ihres Andenkens sieht.

§

Hätte ich auch nicht gedacht: Dass ich mir mal wünsche, mich bei Dior einkleiden zu dürfen – diese perfekten Schnitte! Hier die Christian Dior Spring 2022 Couture als Dia-Show. (Meine Favoriten: Dieser Mantel, dieses Kleid, dieses Kostüm, dieses Abendkleid, dieser Anzug.)

Journal Mittwoch, 26. Januar 2022 – Sonne im Homeoffice

Donnerstag, 27. Januar 2022

Recht gut geschlafen, hurra!

Weil ich gestern von daheim aus arbeitete, fiel der Arbeitsweg weg; ich nutzte die halbe Stunde für eine Runde Pilates-Cardio-Mischung. Sie war ordentlich schweißtreibend, sollte ja auch den Nutzen von Aufheizen gegen Homeoffice-Frieren haben.

Als ich meinen Arbeitsplatz aufbaute, inklusive von Herrn Kaltmamsell ausgeliehenem Bildschirm, stellte ich fest, dass ich das falsche Netzkabel eingesteckt hatte: das für den Laptop, nicht für die Docking Station. Die Verkabelung hätte fast trotzdem hingehauen – bis ich feststellte, dass mir ohne Docking Station genau eine USB-Schnittstelle zu wenig zur Verfügung stand. Ich brauchte drei für Mouse, Tastatur, Telefonier-Kopfhörer. Also alles zurückgebaut, ich arbeitete dann doch direkt am kleinen Laptop.

Viel Jonglieren mit Verschiedenem, weitere Schulungen, die weitere Abgründe auftaten. Ein wundervoll wolkenloser Tag, ich musste die Sonne mit Rollladen aussperren.

Mittags kochte ich mir Porridge, richtete es mit Clementinen, ein paar Löffeln Joghurt und etwas Ahornsirup an. Es blieb ein Rest für nachmittags übrig.

Gerade als ich mich in der Küche zum Essen setzen wollte, klingelte an der Tür der Anlass für den Heimarbeitstag: Lieferung von zwei weiteren der schönsten aller Stühle.

Wie bisher immer bei Heimarbeit fehlten mir die vielen Gelegenheiten aufzustehen, die mir das Arbeiten im Büro bietet. Nicht so früher Feierabend wie geplant, weil spät noch etwas reinkam.

Dann aber marschierte ich zum Telekomladen auf der Schwanthalerhöhe, um über eine Vertragsverlängerung an ein neues Smartphone zu kommen. Das klappte nur halb: Das Modell, auf das wir uns einigten, musste erst bestellt werden. Na gut, muss das alte Gerät (“Sie verwenden Ihr Gerät wirklich lang.”) noch ein paar Tage durchhalten.

Ich kaufte noch eine Runde Lebensmittel für Abendessen und nächste Brotzeiten ein. Daheim eine Folge Yoga – diesmal hielt ich die Runde mit bloß Schnaufen und ein bisschen Dehnen (“find stillness“) ganz gut durch.

Als Abendessen hatte ich Nudeln mit Sahnelinsen bestellt, Herr Kaltmamsell lieferte.

Mafaldine eigneten sich für das Rezept ganz hervorragend, sie sind ohnehin sehr schnell auf meiner Liste von Lieblingspasta gelandet.

Viel Schokolade. Im Bett las ich Sand von Wolfgang Herrndorf ein zweites Mal aus – das Ende hatte ich komplett vergessen. Auch dieses hervorragend gemacht, auch dieses zitiert indirekt eine ganze Fiktionsgeschichte an Vorbildern, um dann etwas ganz Anderes damit zu machen.

Journal Dienstag, 25. Januar 2022 – Handyabschied

Mittwoch, 26. Januar 2022

Mittelgute Nacht, zumindest mit interessanten Träumen.

Es wurde ein sonniger Tag, ich ging in der Dämmerung durch eisige Nebelbänke in die Arbeit.

Im Büro überraschend turbulent, mehrere Termine gleichzeitig, viele Kämpfe in kleinen Details, die das große Ganze komplett überdeckten, Dinge funktionierten nicht, es war nur mittelspannend, die Ursachen herauszufinden, da sich Abgründe auftaten. Ich fühlte mich unangenehm gestresst, reagierte (hoffentlich nur innerlich) gereizt auf jedes zusätzlich Anliegen. Die Furcht, ich könnte gereizt wirken (wofür die Anfragenden doch nichts konnten), stresste mich zusätzlich.

Mittags gab es Hüttenkäse, Blutorangen und eine besonders gute Clementine.

Ich verfolge weiter gespannt das Wachsen des Neubaus am Heimeranplatz. Letzte Woche stand ich dort mal an der Ampel, als der Kran gerade ein sehr großes Teil transportierte – ich werde definitiv eine Rentnerin, die Stunden mit Baustellengucken verbringt.

Einen Handyneukaufbeschluss gefasst. Das aktuelle Gerät schaltet sich inzwischen auch bei 80 Prozent Akkuladung gerne mal spontan aus, die Kamera schießt immer mehr unscharfe Bilder, und – das geht halt leider überhaupt nicht mehr: Der Gesundheitstracker stellt immer wieder das Schrittezählen ein. Außerdem behauptete gestern eine Spedition, mir eine Sprachnachricht hinterlassen zu haben, die nirgends auf dem Handy war.

Nachmittags weiter viel Arbeit, meinen Vorsatz eines pünktlichen Feierabends konnte ich nicht umsetzen. Abschließend packte ich Rechner und einen Gutteil der Peripherie ein, denn Mittwoch wird Homeoffice.

Auf dem Heimweg wieder eisiger Bodennebel. Zu Hause Yoga, die Bauchmuskel-Einheit vom Vortag hatte keinen Muskelkater hinterlassen.

Nachtmahl von Herrn Kaltmamsell: Grünkohl aus Ernteanteil mit Gerstengraupen (sehr gute klassische Kombination) und Ingolstädter Bauernwürscht. Und Semft.

Nachtisch viel Schokolade.

Die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 treibt die Infektionszahlen weiter steil in die Höhe, die Inzidenz in München lag gestern bei über 1.500. Die Politik belässt es bei den derzeitigen Maßnahmen, alle sehen ängstlich auf die Bettenbelegung in Krankenhäusern (steigt) und die Belegung von Intensivbetten (gleichbleibend). Alle Daten belegen, dass der beste Schutz vor schwerem Verlauf und Tod weiterhin Impfung ist.

§

Anke Gröner hat an einem Online-Film-Workshop teilgenommen und einen kleinen Film über den Alten Nordfriedhof gemacht. Hier die Entstehungsgeschichte, hier der Film – den ich sehr schön finde.


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