Journal Donnerstag, Fronleichnam, 16. Juni 2022 – Mühlenwanderung mit Familie im Schuttertal

Freitag, 17. Juni 2022 um 8:04

Doofe Nacht, diese hatte nach Langem sogar wieder ein Loch, in dem ich halt Roman las.

Wegen Plänen hatte ich mir den Wecker gestellt. Zum ersten Mal war es warm genug für Balkonkaffee.

Die Pläne: Eine Mühlenwanderung im Schuttertal mit Familie, zwischen Wolkertshofen und Nassenfels. Nach Hitzesicherung der Wohnung (Rollläden runter, Fenster zu bis auf die in den kühlen Lichthof) nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn nach Ingolstadt (so früh war sie schön leer und ohne Personen im Gleis auch pünktlich), meine Eltern holten uns ab. Auf dem Weg nach Wolkertshofen kam ich erstmals durch das riesige neue Einkaufsviertel im Westen der Stadt, wohin Ingolstadt mittlerweile all die Geschäfte und Gastronomie ausgelagert hat, zu denen die Bürger*innen vor 20 Jahren noch in die Innenstadt fuhren. Die Folge (wie im Vorbild USA und Einkaufs-Mall): Ausgestorbene Innenstadt mit viel Leerstand, allgemeine Freude über die Möglichkeit, endlich direkt vor allen Einkaufs- und Essgelegenheiten parken zu können.

Start und Endpunkt der Wanderung war das Gasthaus Stark, daran gleich der erste historische Hinweis.

Das Anfangs sommerlich sonnige Wetter wurde sehr wacklig, immer wieder spürten wir Tropfen, einmal mussten wir uns vor einem energischen Regenschauer unterstellen. Die zweistündige Runde selbst war ganz zauberhaft, neben schönen Mühlen sahen wir weite Ausblicke auf Felder (Kartoffeln, Saubohnen, Zuckerrüben, Gerste) und viele spannende Vögel: Bussard, Falken, Schwalben, Lerchen, Störche, Mauersegler.

Schutter bei der Kunstmühle Husterer.

Alte Grenzmarkierung der früheren Regierungsbezirksgrenze Oberbayern/Schwaben/Mittelfranken.

Unterhaidmühle, Egweil (Aussprache “Öhwe”).

Neben Wegkreuzen und Marterl trafen wir auch einen säkularen Ort für Halt und Besinnung an – Volksbesinnlichkeit? (Andererseits haben ja viele Orte mit Fremdenverkehr mittlerweile offizielle “Philosophen”- oder “Achtsamkeits-“Wege angelegt, wohl als unreligiöse Alternativen zu Kreuzwegen und katholischen Andachtsorten.)

Wasserschloss Nassenfels mit Storchennest und Storch, kurz nachdem uns ein Regenschauer unter ein Vordach der stilistisch sehr international diversen Einfamilienhaus-Neubausiedlung von Nassenfels getrieben hatte.

Wolkertshofen.

Einkehren im Gasthof Stark.

Ganz hervorragendes Essen, der Gasthof nennt nicht nur alle (Bio-)lieferanten sowie den Jäger dieser Rehkeule, sondern macht eindeutig wirklich alles selbst: Der Wirsing knackig und mit leichter Sahesoße, die Birne bewies allein schon durch ihre intensive Nelken-Note, dass sie nicht aus der Dose kam. Dazu gab es zwei alkoholfreie dunkle Weizen vom Lammsbräu.

Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher in den Brudergarten: Am Kirschbaum, den ich im März hatte blühen sehen, waren Kirschen reif. Jetzt schien die Sonne ziemlich heftig, aber Kirschbrocksonnenbrand Ehrensonnenbrand.

Auf der Rückfahrt Fabio Geda, Verena von Koskull (Übers.), Ein Sonntag mit Elena ausgelesen. Mir gefiel das Undramatische der einfachen Geschichte: Ein Witwer hat für die Familie seiner erwachsenen Tochter gekocht, doch diese muss kurzfristig absagen. Er ist enttäuscht und geht raus auf einen Spaziergang, lernt am Skaterpark eine Frau mit Teenagersohn kennen, lädt die beiden zum ausgefallenen Familienessen ein. Für einen Nachmittag lassen diese Fremden sich aufeinander ein.

Besonders wird diese einfache Geschichte, weil sie ist technisch liebevoll erzählt wird, nämlich mit der Stimme der zweiten erwachsenen Tochter aus einigen Jahren Abstand. Sie erzählt ihre Sicht auf ihren Vater mit, auf die ganze Familie, auf ihr eigenes Heranwachsen, ihr jetziges Leben. Ich mochte es, für einige Stunden von Übersetzerin Verena von Koskull nach Norditalien mitgenommen zu werden.

Daheim war die Wohnung angenehm kühl, ich nahm mir Zeit für ausführliche Pediküre. Und richtete meine Nägel mit dem Lack nach Langem mal wieder wie ein Kindergartenkind zu.

Mich ereilte ein ungewohnter Fressflash, der mich Flachpfirsiche (gut!) und Salzmandeln verschlingen ließ.

Eine Runde Yoga, bevor Herr Kaltmamsell das Nachtmahl servierte: Pak Choi aus Ernteanteil asiatisch aus der Pfanne mit restlichen Kartoffeln vom Vorabend, reichlich Schokolade.

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Donnerstag, Fronleichnam, 16. Juni 2022 – Mühlenwanderung mit Familie im Schuttertal“

  1. regina meint:

    auch mit blauem lack und über den rand gemalt (liegt’s am breiten pinsel?)
    die schönsten füße überhaupt.

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