Journal Sonntag, 28. August 2022 – Wandern von Herrsching nach Tutzing, vom Regen in die Sonne

Montag, 29. August 2022 um 6:28

Unruhige Nacht, aber nach den vielen guten steckte ich die problemlos weg.

Draußen regnete es. Wir hatten eine Wanderung geplant und waren uns einig, dass die auch bei Regen sehr gut funktionierte: mal wieder vom Ammersee zum Starnberger See. Angekündigt war eh nur leichter Regen, wir besitzen beide eine superduper Wanderjacke, kalt war es auch nicht, also los.

Die Anfahrt nach Herrsching war wegen Stammstreckensperrung (wie an praktisch jedem Wochenende wegen Bauarbeiten – irgendwann müssen sie halt gemacht werden) ein bisschen kompliziert: Eine knallvolle Regionalbahn brachte uns nach Pasing, von dort ging die nur locker besetzte S-Bahn nach Herrsching – dauerte insgesamt halt 20 Minuten länger.

Wie erwartet regnete es in Herrsching leicht. Erst mal sprühte ich mich sehr, sehr gründlich mit Anti-Mückenmittel ein: Auf dieser Wanderung in Gegenrichtung war ich im Jahr zuvor so fürchterlich zerstochen worden wie noch nie im Leben. Auf dem Weg zum See holten wir uns in der Bäckerei Kasprowicz Brotzeit – an den beiden Bäckereien im Münchner Hauptbahnhof (nur zwei wegen Bahnhofumbau, das wird noch Jahre so bleiben) hatten mehr als zehn Meter lange Schlangen gestanden.

Nach dem ersten Stück entlang dem Ammersee ging es links hoch in den Erlinger Forst. Regen mal etwas mehr, mal etwas weniger – nie störend. Schon jetzt zeigte sich der Nebeneffekt des Wetters: Keine Radler*innen, vor allem keine E-Bikes. Auf der gesamten Wanderung mussten wir nur zweimal den Weg mit entgegenkommenden Radwander-Gruppen teilen.

Dafür sahen und hörten wir besonders viele Vögel. Möglicherweise sah ich meine erste Goldammer: ein brauner Vogel mit quietschgelbem Kopf verschwand neben mir im Gebüsch. Außerdem: Ein startender Bussard, zwei rufende im Flug am Himmel, Eichelhäher, Schwalben, Kühe, Damwild, aber auch zweimal wilde Rehe am Waldrand, auf dem Weg Schnecken, darunter mehrfach leuchtend orange Nacktschnecken, die ich fire slugs taufte. Flora: Mit sinkendem Herzen sah ich die ersten Herbstzeitlosen, mit Vergnügen naschte ich Brombeeren, auffallenderweise sahen wir nahezu keine Pilze – es war bislang zu trocken dafür.

Zum Kloster Andechs wanderten wir nicht hoch – wir kennen es ja schon und hatten weder so früh Lust auf Rast, noch würde sich im Regen die Aussicht lohnen. Statt dessen drehten wir eine ausführliche Runde durchs schöne Erling am Fuß des Klosterbergs.

Weiter über die baumarmen Weiten Richtung Machtlfing. Ich genoss das Gehen sehr – aus irgendeinem Grund gingen wir ausgesprochen flott, ich musste uns immer wieder bremsen, schließlich wollten wir ja nicht komplett erschöpft in Tutzing ankommen.

Hier machten wir nach zweieinhalb Stunden Brotzeit. Ich aß Äpfel und eine ganz hervorragende Mohnschnecke. Der Regen war versiegt, ab jetzt wurde es immer heller.

Durch den Kerschlacher Forst nach Gut Kerschlach.

Hier war die sonst komplett zugeparkte Stange rechts Radl-frei. Wir hatten gerade erst Brotzeit gemacht, deshalb auch hier kein Stopp.

Jetzt kam sogar die Sonne heraus. Ein schwieriger Abschnitt war bei jeder unsere Wanderungen zwischen den Seen das Passieren der Deixelfurter Seen. Diesmal fand Herr Kaltmamsell eine sehr schöne Route – nur für das Kreuzen einer Siedlung brauchen wir noch eine Alternative: Beim Verlassen sahen wir an Schildern, dass die Leute, die dort wohnen, das eigentlich nicht möchten.

Wegen dieser abschließenden Aussicht hatte ich diesmal die Richtung Starnberger See gewählt.

Am Tutzinger Bahnhof mussten wir nur kurz auf einen Zug warten.

Auch diese Regionalbahn war sehr voll, aber wir standen mit bequem Platz um uns rum. In gut fünfeinhalb Stunden waren mit mit einer Pause etwa 21 Kilometer gewandert.

Daheim gab’s zum Nachtmahl Reste vom Vorabend (ein wenig Ochsenbackerl mit reichlich Colcannon, Tomaten-Pfirsich-Salat, Flan mit Himbeersauce) sowie Schokolade.

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Seit ich als Teenager dieses ikonische Foto von ihr sah, von der Schönheit gefangen wurde und nicht fassen konnte, dass das eine junge Frau in den 1920er war, faszinierte mich der Stummfilm-Star Louise Brooks. Der New Yorker hat derzeit ein sehr, sehr langes Portrait dieser ungewöhnlichen Person und ihrer Filme freigeschaltet, geschrieben 1979 von Kenneth Tynan, der Brooks auch als 71-Jährige interviewte:
“Louise Brooks tells all”.

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Croco hat eine großartige Tiktok-Liste zu den Filmfestspielen in Cannes zusammengestellt, Thema Kleider aus Autos puhlen:
“Tüll und Wally”.
(DAS LILANE! Das war doch mal ein Wurfzelt?)

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Sonntag, 28. August 2022 – Wandern von Herrsching nach Tutzing, vom Regen in die Sonne“

  1. Alexandra meint:

    Wenn das Lilane ursprünglich ein Wurfzelt war, ist wenigstens nachhaltige Nutzung ein positiver Aspekt.

    Die Struktur des grauen Kleids gleicht entfernt meiner Badematte.

    Himmel, wo ist der Sinn?!

    Große Erleichterung: Der Anblick von Julia Roberts am Schluss.

    Danke für’s Zeigen.

  2. Frankfurterin meint:

    Ich habe mich köstlich über “Tüll und Wally” amüsiert und glaube, dass die Schneiderin oder der Schneider des pfirsichfarbenen Kleides die Anregung dazu in einer Autowaschanlage bekommen hat.

  3. Croco meint:

    Huch, bei mir ist traffic wie zu Coronablogzeiten :).
    Danke für‘s Verlinken.

  4. Claudia meint:

    So eine Ladung Tüll erspart doch sicherlich den Airbag!!

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