Journal Samstag, 26. November 2022 – Wir spielen Thanksgiving

Sonntag, 27. November 2022 um 8:25

Unruhige Nacht, weil neben mir jemand schnarchte – und zwar in einer Heftigkeit, dass ich Angst hatte, er könnte nicht genug Sauerstoff bekommen. Beim x-ten Abstupsen zog er doch in sein eigenes Bett, ich bekam ein paar Stunden Tiefschlaf.

Zumal der Wecker des Herrn um sechs klingelte: Er hatte einen riesigen Truthahn zu füllen und in den Ofen zu schieben. Und auch sonst ein reichhaltiges Thanksgiving-Menu vorzubereiten: Um 12 waren die Gäste angekündigt, um 14 Uhr sollte serviert werden. Nach Morgenkaffee und Bloggen richtete ich Tisch und Wohnung her.

Für letzte Einkäufe zog ich in die Innenstadt (Last-Minute-Panik, dass man die Leute doch nicht zwei Stunden ohne irgendwelche Kleinigkeiten zu knabbern hungrig halten konnte). Am Sendlinger Tor und in der Sendlinger Straße wurden die Christkindlmarkt-Stände bereits in Betrieb genommen; ich stellte anhand der Schilder sicher, dass ich auch diesen Advent eine Regensburger spezial bekäme.

Stühle 5 und 6 sind erst für nächsten Mittwoch angekündigt, doch auch so mussten wir nicht auf Klappstühle ausweichen – dank Herrn Kaltmamsells hervorragender Idee, die Balkonbank hereinzuholen. Wir stellten fest, dass wir am ausgezogenen Tisch bequem zehn Personen unterbringen, mit ein wenig Kuscheln auch zwölf: Familien-Weihnachtsessen oder -Ostertafel kann es also auch bei uns geben, größere Dinner Partys sind eine Option – wie schön!

Kurz vor 12 klingelte die Ingolstädter Familie, die mit einem Auto gekommen war: Meine Eltern, Bruder und Schwägerin mit dem erwachsenen Neffen 2. Wir bekamen Weihnachtsgebäck, eine Pflanze, Craft-Biere, Süßigkeiten. Die lieben Schwiegers, die ich viel zu lange nicht mehr gesehen hatte, reisten wegen Parkplatzmangel in unserer Straße mit der Bahn an, für Herrn Schwieger nach eigenen Aussagen die ersten Zugfahrt seit über 20 Jahren. Sehen Sie, man ist nie zu alt für Abenteuer.

Auch hier Austausch von Weihnachtsgebäck, außerdem bekam ich einen wunderschön blauen Kaschmirpulli durchgereicht. Große und allgemeine Freude über Wiedersehen, ein Gläschen Prosecco.

Herr Kaltmamsell hatte das Essen dann doch ein wenig vorverlegt. Am Braten arbeitete er mit teilweise Alufolienabdeckung, der Vogel garte sechs Stunden bei 180 Grad und wurde perfekt – der definitiv beste Truthahn, den ich je gegessen habe, alle Teile saftig, aromatisch, zart.

Ich übernahm das Tranchieren, wegen perfekten Garpunkts ganz einfach. Die Familie erfüllte ihre traditionelle Rolle, von der Seitenlinie zu System, Ansatz, Geschwindigkeit des Tranchierens klugzuscheißen.

Dazu gab es (von oben in Uhrzeigerlauf und alles von Herrn Kaltmamsell selbst erstellt):
Kartoffelstampf, Cranberries, grüne Bohnen (ich hatte auf einer grünen Komponente bestanden, Herr Kaltmamsell recherchierte eine classic green bean casserole), Süßkartoffelauflauf mit Marshmellows, corn bread, zweierlei Gravys (also extra gekochte Bratensauce, fleischig und vegan). Die Semmel-Zwiebel-Apfel-Salbei-Füllung vergaßen wir erst mal, reichten sie nach.

Es gab ein Päuschen für Schnaps und Espresso. Dann servierte Herr Kaltmamsell zweierlei vegane Pies zum Nachtisch mit Schlagsahne (Neffe 2 hatte sich bei Letzterem nützlich gemacht, er ist ohnehin sehr koch-interessiert und holte viele Infos über die Zubereitungen).

Der Pumpkin Pie traditionell, der Pecan Pie erwies sich beim Servieren als ausgesprochen unkooperativ und musste löffelweise ausgeteilt werden. Schmeckte beides hervorragend.

Um 16 Uhr Aufbruch der Ingolstädter Delegation: Menschen mit Basketballtrainerleben hatten ein Spiel. Wir plauderten noch ein wenig mit Schwiegers, bis sie sich auf den Weg zurück zum Bahnhof machten.

Gemütlicher Ausklang des Nachmittags mit gemeinsamem Rückräumen und Spülen: Das Goldrandgeschirr und die Weingläser sind nicht spülmaschinentauglich, doch dieses Werkeln im Anschluss an Geselligkeit mag ich eh sehr. Wir sind ja kein Gasthaus, das auf Effizienz und Geschwindkeit angewiesen ist.

Abends hatte ich Lust auf eine Yoga-Folge, mein Magen war sogar aufnahmefähig für die erste von sicher einigen Reste-Mahlzeiten.

§

Ein Tweet löste mal wieder eine wunderbare Anekdotensammlung aus:

“Das Geheimnis, das Wissenschaftler vor Ihnen verheimlichen wollen” (Beliebte Betreffzeile von Spam-Mail) Alta, hast du schon mal einen Wissenschaftler getroffen? Meine Wissenschaftlerfreunde wollen unbedingt, dass ich von den Veränderung des Paarungsverhaltens Marmorierter Baumwanzen erfahre. Sie brüllen so laut sie können und erzählen dir ALLES darüber.

Unter diesem Tweet sammeln sich die schönsten Geständnisse von Wissenschaftler*innen und Geschichten über Freund*innen aus der Forschung.

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Samstag, 26. November 2022 – Wir spielen Thanksgiving“

  1. Thea meint:

    Ein hübscher Kerl, dieser Truthahn.
    Danke für die Einladung. Liest sich richtig gut gelaunt und fröhlich.
    Schönen Rest(e)sonntag.

  2. Friederike meint:

    Stimmt: Nach einem Festessen (z.B. in der Weihnachtszeit) das „gute Geschirr“ von Hand spülen – das habe ich auch schon oft als sehr kommunikativ erlebt!
    Marshmellows im Auflauf? Da habe ich schon gestutzt. Und ich stimme Ihnen zu: was Grünes musste sein.
    Schön, dass es offenbar ein rundherum gelungenes Familientreffen war!

  3. Croco meint:

    Ein wunderbarer Anfang für eine große Tradition!
    Es sieht sehr gut aus, und die Bank ist der Renner.
    Und die Wissenschaftler sind halt so. Herr croco behauptet seit Jahren, man könne mit Biologen nicht essen gehen, sie sezierten.
    Die Themen können durchaus Wanzen, Ringelnattern, Schleimpilze und weit Unpassenderes enthalten, ohne dass einer beim Kauen nur innehält.

  4. Katharina meint:

    Dem kann ich als Biologin nur zustimmen ;)

  5. Anette meint:

    Sehr gerne gelesen und Appetit bekommen! Würden Sie (bzw. Herr Kaltmamsell) das Rezept für den veganen Pumpkin Pie verraten?

  6. Herr Kaltmamsell meint:

    Den veganen Pumpkin Pie habe ich von hier:
    https://www.pccmarkets.com/recipe/vegan-pumpkin-coconut-pie/
    Ich hatte eigens nach einem Rezept mit Kokoskondensmilch gesucht, weil ich davon eine Dose hatte; die meisten Rezepte nehmen andere Sachen.

    Das Kürbismus habe ich selber gemacht, nicht aus der Dose (Hokkaido, im Ofen, danach ausgekratzt, also ohne Schale); den Teig habe ich nach dem Pecan-Rezept gemacht, das ich ansonsten nicht empfehlen kann: https://lovingitvegan.com/vegan-pecan-pie/#recipe (mit Margarine) – aber da tut es sicher jedes andere auch.

  7. Anette meint:

    Besten Dank, Herr Kaltmamsell!

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