Journal Donnerstag, 9. Februar 2023 – Laune, Arbeitstumult, Aufhellungen

Freitag, 10. Februar 2023 um 6:22

Sorgenvolles und unruhiges Aufwachen mit übler Laune, zumindest zudem mit der Erkenntnis, dass ich meine vordergründigste Arbeitssorge anders angehen muss.

Fußmarsch in die Arbeit unter klarem Morgenhimmel, zum Glück war genug Platz in meiner Laune, das zu genießen. Im Büro konnte ich dann gleich noch eine Zukunftssache klären (hoffentlich), bevor überdurchschnittlich eng getakteter Wahnsinn losbrach.

Dieser fesselte mich an meinen Schreibtisch, eigentlich auch über die Mittagspause, die ich für Käseeinkauf am Markt auf dem Georg-Freundorfer-Platz hatte nutzen wollen. An einem Punkt beschloss ich, dass 20 Minuten Abwesenheit drin sein mussten und schoss zu diesem Einkauf raus (Sonne! Milde!). Die Einschätzung erwies sich als richtig.

Spätes Mittagessen: Pumpernickel mit Frischkäse, echte Mandarinen und Blutorangen. Meine schlechte Laune war durch all die Aufregung mittlerweile in überdrehte Zittrigkeit umgeschlagen. Das prägte die Nachmittagsarbeit.

Als ich nach Feierabend das Haus verließ, wurde alles gut: Am leuchtenden Abendhimmel sah ich einen Falken auf den Büroturm zufliegen – ich hatte seinen Ruf gehört und mich nach ihm umgedreht. Eigentlich ist es so einfach, mich für ein paar Minuten glücklich zu machen.

Kurzbesuch bei meiner Bank für Bargeld, dann weiter zum Hauptbahnhof, um mal wieder ein Automatenfoto für mein Langzeitprojekt aufzunehmen.

Und wenn ich schon in der Gegend war: Gründlicher Einkauf im Lindt-Laden unterm Stachus.

Zu Hause Yoga. Zum Abendbrot gab’s den Käse vom Markt, Herr Kaltmamsell hatte aus den letzten Crowdfarming-Avocados Guacamole gemacht. Nachtisch Schokolade.

E-Books aus der Münchenr Stadtbibliothek: Ich sah einfach mal nach, wie viele von den 2022 gelesenen ich dort bekommen hätte. 17 von 32, ich war positiv überrascht (wenn auch nicht alle sofort, auf einige müsste ich warten, weil gerade verliehen). Meine nächste Lektüre, Zoë Beck, Das alte Kind, lieh ich gleich mal dort aus – unter Kneifen vor der Kindle-Umstellung erst mal aufs Smartphone per Onleihe-App. Las ich vor dem Schlafen im Bett, fing schon mal gut an. (Leider dabei klare Anzeichen, dass ich mir Herrn Kaltmamsells Erkältung eingefangen habe, noch setze ich auf milde Form.)

Vorher hatte ich ausgelesen:

Johanna Adorján, Ciao.

Nett, aber belanglos, nicht mal wirklich satirisch. Ihre journalistischen Texte sind um Längen origineller und bereichernder – unter anderem sprachlich: In Ciao “flucht” allen Ernstes jemand “wie ein Droschkenkutscher” (hat Adorján evtl. eine Wette verloren?). Wirklich charmant fand ich, dass Adorján die Rezeption ihrer Roman-Fingerübung in der eigenen Branche vorweg nimmt: Sie lässt einen Redakteur auftauchen, der ebenfalls einen Roman veröffentlicht hat – und die Hauptfigur, Redakteur im Feuilleton, hat den Roman des Kollegen zwar nicht gelesen, verbreitet aber, er finde ihn super. (Tatsächlich war Ciao rundum in den Feuilletons empfohlen worden, das hatte mich zur Lektüre verführt.)

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 9. Februar 2023 – Laune, Arbeitstumult, Aufhellungen“

  1. Corsa meint:

    Wir teilen die Einschätzung zu „Ciao“. Ich ärgere mich immer noch, Geld dafür ausgegeben zu haben.

  2. Marie meint:

    Leider ist es so, dass die Autor:innen durch die Onleihe ziemlich benachteiligt werden :(

    Hier ein Link: https://www.boersenblatt.net/news/netzwerk-autorenrechte-gegen-zwangslizenz-240587

  3. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank für den Hinweis, Marie. Dem Artikel zufolge ist diese Benachteiligung aus Autor*innensicht allerdings nicht größer als die Benachteiligung durch gedruckte Bibliotheksbücher.

  4. Poupou meint:

    Danke dass Sie mich motiviert haben, mich nach 15 Jahren in Berlin endlich in der Stadtbibliothek anzumelden. Das ging sogar online und kostete nur 10 € und jetzt kann ich eine unfassbare Menge digitaler Inhalte konsumieren. Unglaublich, dass ich das so lange ignorieren konnte…

  5. Simone meint:

    Hier eine Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbands:

    https://www.bibliotheksverband.de/sites/default/files/2022-05/2022_05_30_dbv_Grundlagenpapier_Zugang%20zu%20E-Books_analog_und_digital_final.pdf

    Besonders interessant daraus:
    “So kann ein E-Book – wie ein gedrucktes Buch – pro Lizenz und festgelegtem Zeitraum nur von jeweils einem*r registrierten Bibliotheksnutzer*in ausgeliehen werden („one copy, one loan“). Zudem haben Bibliotheksnutzer*innen nur
    Zugriff auf die E-Books der Bibliothek, bei der sie angemeldet sind, Vorteile der „Nicht-Abnutzung“ und des bequemen Remote-Zugriffs auf E-Books gegenüber gedruckten Büchern gleichen die Bibliotheken mit einem 1,5-fachen Preis sowie zeitlicher Begrenzung der Nutzungsdauer aus (nach
    Ablauf der Lizenz muss das E-Book erneut erworben werden).”
    und
    ” Während die gedruckte Ausgabe sofort den Weg in die Bibliotheksregale findet, können Verlage den Erwerb der E-Book-Ausgabe durch eine Sperrfrist für Bibliotheken oftmals für
    einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten verhindern.”

    Kann ich alles bestätigen, arbeite in einer Bibliothek, die Teil eines Onleihe-Verbundes ist.

  6. Corsa meint:

    @Marie: alles was @Simone sagt, kann ich als langjährige Onleihe-Nutzerin bestätigen. Die meisten von mir gewünschten Bücher muss ich zunächst vormerken, um sie dann bei Verfügbarkeit innert 24h auszuleihen. Dies ist ggü der kostenpflichtigen Vorbestellung physischer Bücher in der Stadtbibliothek aber immer noch viel bequemer.

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