Archiv für Juli 2023

Lieblingstweets/-tröts Juli 2023

Montag, 31. Juli 2023

Zunächst die Sammlung von der microblogging platform formerly known as twitter. (Die Zerstörung ist nahezu abgeschlossen, ich schaue nur noch wegen der Meldungen von @fraubruellen und @nicolediekmann, von denen ich sonst zu wenig mitbekäme.)

Hier die Sammlung aus Mastodon. (Kommen Sie gern rüber, bringen Sie ein wenig langem Atem mit – bis Twitter so bereichernd wurde wie vor einem Jahr, floss doch auch einiges Wasser die Isar / den Rhein / die Spree runter. Die ersten vier Wochen dürfen Sie auch unbegrenzt maulen über alles, was nicht ist wie bei Twitter.) 1

  1. Das Letzte war natürlich gelogen: Beim ersten Maul-Versuch werden Scharen von Mastodonler*innen über Sie herfallen und Ihnen Faschismus unterstellen. Mindestens.[]

Journal Sonntag, 30. Juli 2023 – Kühler Juli-Schwumm

Montag, 31. Juli 2023

Sehr unruhige Nacht, ich stand erschlagen auf.

Aber der Sport-Tausch Samstag/Sonntag hatte sich gelohnt: Draußen schien herrlichste Sonne, weckte Vorfreude auf eine Schwimmrunde. Vorher noch Bloggen über Milchkaffee, Wasser, Earl-Grey-Tee.

Als ich mich zum Radeln ins Dantebad fertigmachte, war der Himmel schon wieder gemischtwolkig und bunt. Doch nicht nur kam ich trocken im Bad an, den größten Teil meiner 3.000 Meter (Wasser wirklich wärmer als im Schyrenbad, deshalb kein Frier-Problem, nur leichtes Frösteln ab der Hälfte) schwamm ich in sonnenglitzerndem Wasser. Doch die langen Phasen mit dunklen Wolken machten ein Sonnenbad unwahrscheinlich, die Luft war auch nicht besonders warm: Ich duschte mich gleich (alle Damenduschen mittlerweile repariert und funktional) und fuhr heim.

Auf dem Rückweg hielt ich an der Dachauer Straße an der kleinen Conditorei Stemerowitz, die mir beim Vorbeifahren immer aufgefallen war, weil die Gestaltung der Schilder so selbstgemacht aussah. Ich wählte im vertrauenserweckend bodenständigen Angebot als Sonntagstorte Baiser-Johannisbeer für Herrn Kaltmamsell und Mohn-Käse für mich.

Zu Hause kräftiges Post-Schwimm-Frühstück: Kalter Schweinsbraten mit Meerrettich, selbstgebackenes Brot mit Butter und Marmelade, Kirschen.

Nachdem ich mir von Herrn Kaltmamsell bestätigen hatte lassen, dass es wirklich nichts zu erledigen gab, vertändelte ich den Sonntagnachmittag mit Siesta (währenddessen ein weiterer kräftiger Regenschauer) und Lesen auf dem Balkon.

Vor dem Abendessen legte ich ein wenig Yoga-Gymnastik ein. Es gibt eine Folge von Adriene mit viel eagle arms, die ich besonders gerne nach Schwimmen turne.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell einen Zucchini-Stangensellerie-Salat aus Ernteanteil mit Feta und Kapern – sehr gut und genau das Richtige. Zum Nachtisch aß ich den Mohn-Käse-Kuchen, der überdurchschnittlich gut schmeckte. Und dann noch ein bisschen Schokolade.

Die Wettervorhersage der 20-Uhr-Tagesschau endete mit “Für die Jahreszeit zu kühl” – das hatte ich nicht erwartet.

§

Die wichtigsten zwei Wörter auf zeitgenössischen Foodblogs: “Zum Rezept”.

Journal Samstag, 29. Juli 2023 – Ganz anders als geplant, aber das Wetter hat angefangen

Sonntag, 30. Juli 2023

Eigentlich guter Schlaf, getrübt aber durch belastende Träume, in denen ich wichtige und unangenehme Aufgaben nicht erledigt hatte, unter anderem deshalb immer noch nicht mein Studium abgeschlossen (der Schlaf war leicht genug, dass ich wusste: “Blödsinn, meinen Magister habe ich längst.” – übrigens kenne ich Prüfungs-Angstträume wiederum gar nicht). Ich wachte zu mitteltrübem Wetter auf, bald brach ein Gewitter los – und dann hörte der Regen einfach nicht mehr auf.

Eigentlich wollte ich gleich nach dem Brotbacken zum Schwimmen ins Dantebad radeln, doch im Regen mochte ich nicht. Ich plante um auf Isarlauf, dabei macht mir milder Regen weniger aus als beim Radeln. In einer Regenpause setzte ich eine Schirmmütze für eventuelle Niederschläge auf, nahm eine U-Bahn an die Reichenbachbrücke: Bei diesem Wetter würden die Innenstadtwege an der Isar leer genug für einen seltenen Lauf auf diesem Abschnitt sein.

So war es dann auch. Zudem klarte der Himmel immer weiter auf, schaltete das Licht bunte Farben an. Ab den Park-Abschnitten hinter der Ludwigsbrücke roch es nach dem Regen sensationell wundervoll. Ich lief leicht, meine Waden komplett unspürbar (was ich sofort bereit bin, auf die Physio-Behandlung zurückzuführen), genoss jeden Meter, selbst wenn ich um Matsch und Pfützen herumspringen musste.

Start um halb elf an der Reichenbachbrücke im Regendunkel.

Corneliusbrücke.

Blick auf Müller’sche Volksbad vorhinter immer noch in Renovierung befindlicher Ludwigsbrücke.

Long time no see, Isarnixe (eigentlich Bukolika von Martin Mayer).

Sankt Lukas.

Maximiliansbrücke.

Der Eindruck in der Innenstadt, die Isar führte nach den Regenfällen mehr Wasser, trog: Die Kiesbänke lagen immer noch frei und waren gut bewachsen.

Die 100 Minuten Lauf waren vielleicht 15 zu viel – wenn ich am nächsten Tag nochmal hätte laufen wollen.

An der Straßenbahnhaltestelle Tivoli dehnte ich gründlich. Mit mir warteten drei Herren, die ich aus dem Eisbach hatte steigen sehen, den sie wohl runtergeschwommen waren, sie ließen sich von der Tram an den Einstiegspunkt zurückfahren – was ich an heißen Hochsommertagen von Schulkindern kenne, doch diese Wasserratten hatten das Schulalter weit hinter sich gelassen. Ihren Gesprächen entnahm ich, dass sie von dieser Gaudi-Möglichkeit wohl in Reiseführern gelesen hatten.

Daheim Duschen und Körperpflege, Spannung beim Anschnitt des Brots.

Das Weizenmischbrot war im Topf gebacken gelungen (weniger große Porung ist verschmerzbar), wird wiedergebacken: Wenn ich an einem Rezept für Gelingen zu viel verändern müsste, streiche ich es – es gibt genug funktionierende.

Luxusfrühstück: Die ersten Ernteanteil-Tomaten mit Pfirsich, Nektarine und Thai-Basilikum (lag noch rum), dazu selbstgebackenes Brot. Von letzterem zwei weitere Scheiben mit Butter und Marmelade.

Dann schlug das Wetter nochmal um, es gewitterte und regnete in einem fort – alle Draußenpläne abgesagt, nach einem ausführlichen Update-Telefonat mit meinem Bruder zog ich das für Sonntagnachmittag angesetzte Bügeln vor. Dazu hörte ich endlich eine seit Wochen eingemerkte Doku vom Deutschlandfunk:
“Vom Suchen und Finden
Das Erbe der italienischen Arbeitsmigration”.

Sehr lebendig, informativ und abwechslungsreich gemacht, Philipp Lemmerich und Stefanie Otto begleiten und sprechen mit Italiener*innen verschiedener Einwanderungsgenerationen in Deutschland und in Italien, lassen eine italienisch-stämmige Forscherin zum Thema zu Wort kommen – die mich unter anderem daran erinnerte, dass Italien schon früh Mitglied der EWG war, weswegen Italiener*innen schon früh ein Pendeln und Arbeiten zwischen Deutschland und Italien einfach gemacht wurde.

Nach Ende der Reportage war die Bügelwäsche noch nicht zu Ende, ich sah mich also in dieser Deutschlandfunk-Reihe “Gesichter Europas” um – und stieß auf eine Reportage über Madrid, genauer über die Neubau-Projekte.
“Bauboom-Städte in Spanien
Hässlich, aber lebenswert”.

Auch diese erwies sich als sehr spannend: Es ging auch um Trabantenstädte aus den 1970ern, die ich aus Kindheitsurlauben kenne, um schicke urbanizaciones, um gescheiterte Sozialwohnungsprojekte. Ich freute mich an den vielen Originaltönen auf Spanisch und an der Auswahl der Musikstücke zwischen den Kapiteln.

Zum Abendessen hatten wir auf der Basis der Wettervorhersage eigentlich Biergarten geplant: Wir wollten in den Hirschgarten, ich freute mich seit Tagen auf eine frisch gegrillte Makrele. Doch das Wetter hielt sich hartnäckig nicht an diese Vorhersage, immer wieder regnete und gewitterte es energisch. Wir schoben also den geplanten Sonntagsbraten auf diesen Samstagabend, Herr Kaltmamsell hatte eine mächtige Schweineschulter besorgt.

Schweinsbro’n-TV.

Er servierte den Braten mit cremiger Polenta: köstliches Fleisch, köstliche Sauce und Beilage. Dazu der ganz hervorragende Ziereisen Grauburgunder. Wir aßen reichlich, doch kalter Braten und Bratensülze aus den Resten waren von vornherein einkalkuliert. Nachtisch Kirschen und Schokolade.

§

Mittelalter-Historikerin Dr. Eleanor Janega vergleicht das Usurpieren von Twitter mit dem Untergang des römischen Reichs (immer wieder hinkend, aber lustig):
“On successor states and websites”.

Unter anderem mit einer weiteren schönen Beschreibung von Twitter (auch wenn meine anders aussieht):

Twitter has been through more than a few iterations in its lifetime. It was born as a theoretical micro-blogging site, and became eventually the place where people who write stuff hang out. It didn’t have the numbers of Facebook, but basically anyone who wrote for a living was over there, mostly because there is something wrong with us. This included a lot of journalists, who did a good line in convincing everyone that it was OK to hang out on there as you could take the national temperature or something – like an on-going vox pop. As a result of this, it then began to pick up a lot of people who had something to promote. This was, of course, more writers, but also people who had podcasts, or wanted to be personal trainers, or influencers, things of this nature. It also included politicians for the same theoretical vox pop reasons. So there everyone was, hanging out in a particular environment.

Kern des Vergleichs:

When western Rome ‘fell’ or whatever, the dudes who took over never intended it to stop functioning. They entire point of fighting with varying Emperors was because they wanted to be a part of Rome. They wanted its protection and also that sweet sweet tax revenue that it would bring in. As a result they did their best to copy the structures of the Romans before them. They hired Romans to work for them as secretaries and chancellors. They wrote to Constantinople demanding to be taken seriously. But the thing was that they didn’t quite understand what a huge structure “Rome” was and quite how many enslaved people you needed to keep those amphorae flowing up from North Africa. You need an army of tax collectors, and, well, a standing army. Meanwhile the rich guys on villas out in the countryside were a lot less likely to pay taxes at all when they couldn’t guarantee that road would be paved in exchange, or even that an army could come through and chase off whoever was threatening them. It was increasingly difficult, they felt, to tell whether a Germanic guy in your yard demanding taxes was from the government, or asking for protection money.

§

Schabernack-Aktivismus liebster Aktivismus, zum Beispiel: Der Schönheitswettbewerb Miss Italy verbot trans Frauen die Teilnahme und bestand darauf, dass nur Frauen sich bewerben durften, die das Geschlecht “weiblich” auf ihrer Geburtsurkunde haben. Also bewarben sich halt mittlerweile über 100 trans Männer.
“Trans men enter Miss Italy pageant in droves after trans women are told they can’t compete”.

Journal Freitag, 28. Juli 2023 – Homeoffice-Gedanken und Josef Bierbichler, Mittelreich

Samstag, 29. Juli 2023

Etwas unruhiger Schlaf, die Mini-Erkältung bewirkte Schluckreiz (?) und manchmal Hustenreiz (plus leichte Gereiztheit wegen Kränklichkeitsgefühl).

Nach dem Aufstehen setzte ich als Erstes Sauerteig für ein Weizenmischbrot an, das ich abends kneten und über Nacht im Kühlschrank reifen lassen wollte für Backen am Samstagmorgen. Die 27 Grad fürs Reifen versuchte ich durch eine heiße Wärmflasche im vorher leicht angeheizten und dann ausgeschalteten Backofen herzustellen. In den über 300 Kommentaren unterm Rezept wird von sehr durchmischten Ergebnissen berichtet, ich hoffe mein vierfaches Auffrischen des Anstellguts über die vorhergehenden Tage hatte ihm genug Triebkraft verschafft.

Marsch in die Arbeit in milder Luft, aber es brauchte weiterhin Jacke. Beim Kauf meines Laugenzöpferls für die Brotzeit geriet ich in eine lange Warteschlange: Anscheinend feierten besonders viele Schulkinder den letzten Tag vor den großen Ferien mit Bäckerei-Gebäck.

Leere Büros, am Freitag arbeiten die Menschen besonders gern von Zuhause aus. Also Menschen außer mir, für mich ist es eine Strafe, von daheim aus zu arbeiten: Ich habe dort keinen Arbeitsplatz. Dass “die Jungen” Homeoffice als selbstverständlich und positiv ansehen, erkläre ich mir nämlich auch damit, dass sie daheim aus Schulzeit oder Studium noch einen Arbeitsplatz haben, mit Schreibtisch, mindestens einem Bildschirm, Tastatur, halbwegs Büroarbeits-tauglichem Stuhl. Meine Büroarbeit wiederum findet seit 25 Jahren in einem meist optimal ausgestatteten Angestellten-Büro statt, den Arbeitsplatz daheim schaffte ich vor 25 Jahren ab, als ich meine Dissertation hinschmiss. In meinem Fall ist alles an Homeoffice im Vergleich zum (nur 35 Fußminuten entfernten) Büroarbeitsplatz schlechter und wird nicht aufgewogen durch guten, selbstgemachten Cappuccino und die Möglichkeit, zwischendurch Wäsche aufhängen oder Brotteig kneten zu können. Dass jeweils zwei Drittel des restlichen Teams von daheim aus arbeiten, verbessert meine Bürosituation zusätzlich, denn ich bleibe weitgehend ungestört.

Mittags raus auf einen Speciality Coffee Cappuccino.

Jetzt war es deutlich milder geworden.

Mittagessen später am Schreibtisch: Laugenzöpferl, wunderbare Reineclauden (na gut, waren wahrscheinlich ihr Geld wert) und ein paar Kirschen, Kefir.

Nach pünktlichem Feierabend in einsetzendem Regen über Süßigkeiten-Einkäufe und Bargeld-Abhebung nach Hause.

Dort eine Runde Yoga-Gymnastik mit Mady, Maniküre – dann war Wochenende, auf das ich mit Herrn Kaltmamsell anstieß:

Martinis mit Cocoa Gin und Kakaobohnen-Splittern, sehr gut.

Als freitägliches Abendessen hatte ich mir Lasagne gewünscht, Herr Kaltmamsell stellte es mit einer Mischung aus Soja-Bröckerln und Grünkern her.

Dazu ein italienischer Rosé aus Apulien, der uns nur mittel schmeckte (unerwartet unblumig), aber sehr gut zur Lasagne passte. Nachtisch Süßigkeiten.

Ab Heimkehr bearbeitete ich immer wieder den Brotteig (Kneten, alle halbe Stunde strech & fold), er bewegte sich nicht wirklich vielversprechend.

Im Bett begann ich die Lektüre eines neuen Romans (vorbestellt über die Münchner Stadtbibliothek, einen Tag vor Beenden des vorherigen Romans war die Verfügbarkeits-Nachricht eingetroffen – perfektes Timing): Delia Owens, Where the Crawdads Sing, was gefühlt in den vergangenen Monaten von meinem gesamten Internet gelesen wurde.

§

Josef Bierbichler, Mittelreich stand seit seinem Erscheinen auf meiner Wunschliste – hat dann doch über zehn Jahre gedauert, bis es dran war.

Ich musste bei der Lektüre immer wieder an das Buch Akenfield: Portrait of an English Village von Ronald Blythe denken (hier habe ich es im Blog beschrieben), denn Bierbichlers Roman hatte auf mich eine ähnliche Wirkung: Durch die Erzählung der Familiengeschichte eines Land- und Gastwirts im fiktiven Ort Seedorf am Starnberger See vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis etwa in die 1980er erlebte ich grundsätzliche gesellschaftliche, technische, politische Veränderungen. Die Dynamik zwischen Familienmitgliedern war am Ende nicht mehr dieselbe wie vor 100 Jahren, ebenso wenig das Verhältnis zwischen Chefs und Angestellten, die Kirche spielte eine andere Rolle. Das transportiert Bierbichler in einer lakonisch kraftvollen und rhythmischen Sprache, die ich als authentisch empfand, weil sie sich mit meinen Erfahrungen ländlicher Gebiete in Oberbayern vor allem in der Vergangenheit deckte. In diese oberbayerisch gefärbte Mündlichkeit baut Bierbichler auch mal selbst erfundene Wörter, um etwas besonders treffend auszudrücken.

Mir gefielen die immer wieder durchscheinenden menschlichen Beobachtungen, sei es der Einfluss der Sommerfrischler*innen auf die Dorfjugend schon in den 1920ern, zur Entwicklung von Dorfgemeinschaften, zur Desillusion einer Elterngeneration, deren Kinder eigene Lebenswege gehen wollen, sei es die Stellung der Vertriebenen in der portraitierten Gesellschaft oder die Verdrängung schlimmer Erlebnisse, die Überleben erst ermöglicht. Erzähltechnisch bedient sich Bierbichler bei vielen Gattungen, seine im Ganzen lineare Geschichte setzt sich aus verschiedenen Flecken zusammen, mal blicken wir in die Gefühlswelt eines Internatsschülers, mal sehen wir in einem Sparkassenbüro der 1970er eine Szene wie im Bauerntheater. Sein Material hat Bierbichler aber immer im Griff, es ergibt ein stimmiges Gesamtbild.

Interessant finde ich, dass ich erst jetzt auch an Oskar Maria Grafs autobiografischen Roman Das Leben meiner Mutter denke, obwohl der mit seinen fast deckungsgleichen Schauplätzen und nur wenige Jahrzehnte früher angesiedelt als Vergleich näher läge.

Hier eine Besprechung des Romans von Herbert Fuchs aus dem Jahr 2012, die mir sehr gut gefällt:
“Unheile Welt”.

Journal Donnerstag, 27. Juli 2023 – Donnersalltag

Freitag, 28. Juli 2023

Einen Morgenlauf vor der Abend wieder abgeblasen, die Aussichten auf kaltes, graues Wetter waren zu unattraktiv. Dann war es das wohl für dieses Jahr, es wird morgens zu spät dafür hell.

Außerdem fühlte ich mich nicht ganz gesund, möglicherweise hatte ich mir doch von Herrn Kaltmamsell den Atemwegs-Infekt geholt.

Draußen war es weiterhin recht kühl, meine nackten Beine unterm Rock froren auf dem Weg in die Arbeit.

Im Büro bestand der Vormittag aus Teil 2 einer Online-Schulung – allerdings waren diesmal nur Details für mich relevant, und ich konnte nebenher andere Dinge erledigen.

Mittags huschte ich auf einen mittelweiten Cappuccino raus. Zurück am Schreibtisch gab es Vollkornbrot mit Butter, einige Reineclauden und Nektarien.

Nicht zu später Feierabend, denn ich hatte einen Haarschneidetermin. Unterwegs (es war wenig wärmer geworden, ich brauchte immer noch meine Jeansjacke) kurzer Obstkauf, dann bekam ich im Kreuzviertel ordentlich Wolle vom Kopf. Ich merke allein schon an der Zeit, die ich fürs Haaretrocknen per Fön brauche, wenn Haareschneiden nötig ist.

Erste Male: Herr Haarschneider bot mir abschließend an, die Haare nochmal durchzuspülen – um die Schnipsel rauszubekommen. Das fand ich eine gute Idee, ich nahm sein Angebot an. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden.

Daheim bereitete ich mit Unterstützung von Herrn Kaltmamsell das Abendessen zu: Salat und Gurke aus Ernteanteil, ein wenig Dill war noch da, zugekaufte Champignons angebraten, das alles mit einem Haselnussmus-Dressing (Salz, Pfeffer, Dijonsenf, Zitronensaft, Ahornsirup, Granatapfelmelasse, reichlich Haselnussmus).

Sehr gut, der Haselnussgeschmack blieb im Hintergrund. Für Nachtisch nahmen wir vorgekühlte Schälchen und Teelöffel und spazierten damit zum Nachbarschaftseisdieler: Je drei Kugeln MIT Sahne! Großartig.

Im Bett Josef Bierbichler, Mittelreich ausgelesen, bis zum Schluss mit Freude; darüber wird noch zu schreiben sein.

Journal Mittwoch, 26. Juli 2023 – Gutes indisches Restaurant-Essen

Donnerstag, 27. Juli 2023

Laufpläne vor der Arbeit hatte ich bereits am Vorabend gestrichen: Es war gründlicher Regen angekündigt. Und so wurde ich nach gutem Schlaf auch zu Regengeräuschen geweckt.

Ins Büro kam ich in einer Regenpause sogar trocken (die Kühle machte Jacke unbedingt erforderlich), doch gleich nach meiner Ankunft prasselte es wieder los. Ich war zudem froh über die zusätzliche halbe Stunde am Morgen, die mir das Streichen des Isarlaufs gebracht hatte, denn der Vormittag war mit Info-Veranstaltungen verplant (wieder zwei nahezu parallel, zu denselben Themen wie bei der letzten Parallelität), so konnte ich vorher noch Dinge wegschaffen.

Infoveranstaltung zwei brachte durchschlagende Neuigkeiten, nicht wirklich unerwartet, aber von einer Reichweite, die auch mich erfasst. Ich verdrängte erstmal, die Emotionalität überließ ich fürs Erste meiner Umgebung.

Zum späten Mittagessen gab es Vollkornbrot mit Butter, Plattnektarinen (sehr gut, ich hatte einen Lidl-Einkauf einige Tage in der Verpackung nachreifen lassen) mit Kefir.

Am Nachmittag erreichten mich Emotionen dann doch ein wenig, ich verbrachte ihn in einem gewissen traurigen Dunst. Draußen immer wieder Gewitter, zum Teil mit heftigen Niederschlägen bis zum Hagel.

Mein Feierabend fiel in vorübergehende Wetterberuhigung, Abstecher zum Vollcorner. Daheim war noch Zeit für eine Runde Yoga-Gymnastik mit Mady, bevor ich mit Herrn Kaltmamsell fürs Abendessen das Haus verließ: Ich hatte einen Tisch im vielfach empfohlenen indischen Restaurant Madam Chutney am Viktualienmarkt reserviert. Wir waren beide sehr gespannt, da wir aushäusig schon lange kein wirklich zufriedenstellendes indisches Essen bekommen hatten.

Zu meiner Überraschung ging es vom Eingang an der Frauenstraße einige Treppen hinunter in einen ebenso überraschend großen und gut besetzten Gastraum – eingerichtet nach dem Thema “Indian Street Kitchen” mit Blechgeschirr und Familienfotos als Deko und damit ganz anders als gewohnte Inder in Deutschland oder England. Wir wurden freundlich versorgt, und die eher übersichtliche Speisekarte (online findet sich nur das Take-away-Angebot) bot sehr Unterschiedliches an – nicht wie sonst in indischen Restaurants üblich acht bis neun Zubereitungsarten lediglich mit verschiedenem Fleisch/Fisch/Tofu.

In einer seltenen Attacke von Vernunft bestellten wir nicht, was Herr Kaltmamsell selbst hervorragend kocht, sondern drei Gerichte, die uns neu waren.

Von links: Naan mit Butter (sehr zäh und wenig saugfähig), ein sahniges Linsen-Curry Dhal Makhani, Paneer in Tomatensauce, Keema Pav – eigentlich eine Vorspeise aus gekochtem Lammhack mit getoasteten indischen Milchbrötchen namens Pav, wie ich sie noch gar nicht kannte. Alles schmeckte sehr gut und fein gewürzt, wir schmeckten einzelne Noten heraus. Dazu tranken wir hausgemachte Limonaden, ebenfalls sehr gut.

Die Atmosphäre fanden wir genau richtig für einen Werktagabend, für ein ausgiebige Nachtmahl zum Wochenend-Feiern wäre es uns hier zu unruhig und laut. Wir kommen wieder.

Daheim passte nur wenig Schokolade als Nachtisch dahinter. Früh ins Bett zum Lesen.

Journal Dienstag, 25. Juli 2023 – Wider den Waden-Krampf

Mittwoch, 26. Juli 2023

Unruhiger Schlaf nur zum Schluss, als mein Sorgenzentrum aus einem Berufstermin dringend Sorgen basteln wollte, ich aber wach genug war, mit “völliger Blödsinn, der ist Routine, ois easy, gib Ruhe” gegenzuhalten. Klappte mittel, tiefer Schlaf wurde das nicht mehr.

Das Wetter hatte ernsthaft abgekühlt, ich trug lange Ärmel und geschlossene Schuhe, noch aber verzichtete ich auf Jacke (die werde ich erst am Mittwoch brauchen, wenn es höchstens 17 Grad bekommen soll). Auf dem Weg in die Arbeit tröpfelte es leicht, ich umging Nasswerden statt durch Sprung in die U-Bahn auf Höhe Theresienwiese durch schnelleres Gehen.

Emsiger, eher unkoordinierter Vormittag, kurzer Cappuccino in der Nachbar-Cafeteria. Mittagessen war eine Abschieds-Brotzeit im Arbeits-Team, ich aß Brezen, Wurst, Leberkäs.

Nachmittags viel Menschliches (die Abschieds-Brotzeit hatte so viele Menschen in die Büro-Arbeit gelockt wie seit vielen Monaten nichts), dazwischen plötzlicher Gieper auf fertigen Blaubeer-Joghurt, das hatte ich seit Jahren nicht. (Habe ohnehin ein kleines Blaubeer-Problem, weil die riesigen, farb- und nahezu geschmacklosen Zucht-Dinger, die heutzutage ganzjährig verkauft werden, nichts mit den wilden, intensiv blauen und schmeckenden Blaubeeren meiner Kindheits-Spätsommer zu tun haben. Die meine polnische Oma in großen Gläsern mit Zucker einlegte und als Medizin gegen Bauchweh austeilte.)

Immer wieder schwarze Wolken am Himmel, immer wieder Regengüsse. Zu Feierabend zog ich mich um: Schon in Sportkleidung marschierte ich zu meinem Physiotermin. Kurz vor dem nächsten Regenguss traf ich ein. Die Sportkleidung kam dann gar nicht zum Einsatz, denn ich bat um Hilfe bei meinen Wadenproblemen – bei den Schmerzen beim Laufen, bei den nächtlichen Krämpfen. Wieder bekam ich nach gründlicher Beschau mit Bewegen bescheinigt, dass alles in Ordnung sei, die Wadenmuskulatur allerdings unter Daueranspannung stehe, links und rechts unterschiedlich ausgeprägt. Also wurden meine Beine auf verschiedene Weise geknetet und gebogen, ich bekam auch einige wilde Dehnübungen auf und Tipps für Druckgriffe bei nächtlichen Krampf-Attacken.

Daheim gab’s zum Nachtmahl sehr schmutzige Spaghetti.

Hier die Spuren der Sauce aus Tintenfischtinte, Tomaten, Knoblauch, Chilli, Petersilie. Zum Nachtisch frische Feigen, außerdem wundervoll reife Reineclauden (ich war so unvorsichtig, Herrn Kaltmamsell nach dem Preis zu fragen, den er dafür auf dem Viktualienmarkt gezahlt hatte: deutlich zweistellig), wenig Schokolade. Apropos Preis: Selbst ich Gutverdienerin schrecke zurück, wenn ich im Bio-Supermarkt jetzt zur Erntezeit neun Euro für das Kilo rote Paprika zahlen soll. Wie jemand mit wenig Geld kalkulieren muss, mag ich mir kaum vorstellen. (Zum Festhalten, das Blog hier hat ja auch Chronik-Funktion.)


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