Journal Sonntag, 9. Juli 2023 – Brighton 6 mit Sunday Roast und Friedhof

Montag, 10. Juli 2023 um 9:48

Lang geschlafen, ich war am Samstag sehr müde gewesen und früh ins Bett gegangen, dann hatte es zehn Stunden Schlaf gebraucht.

Aufgestanden zu dunkelgrauem Himmel, gleich mal wieder was gelernt: Hier arbeitet die Müllabfuhr auch am Sonntag und leert die schwarzen großen Mülltonnen.

Zu einem Milchkaffee, einem Pint Leitungswasser und zwei Tassen Tee mit Milch gebloggt. Dann gab ich meiner Lust auf eine Folge Yoga-Gymnastik mit Adriene nach – die Reise-Yogamatte war Anschaffung und Mitnehmen auf jeden Fall wert.

Herr Kaltmamsell hatte sich Sunday Roast gewünscht, der hier weiterhin in vielen Pubs angeboten wird und für den es in Brighton eine Best-of-Rangliste gibt. Ich plädierte dafür, Neues auszuprobieren: Mir war aufgefallen, dass wir doch zu sehr nach Vertrautem suchen und uns zu wenig Zeit nehmen, Abenteuer und Unbekanntes zu finden. Als Nachmittagsprogramm hatte ich einen Spaziergang durch den großen und grünen Friedhof von Brighton vorgeschlagen, also reservierte Herr Kaltmamsell Sunday Roast im Pub Haus on the Hill (sic!).

Wir spazierten gemütlich den Strand entlang und dann quer durch den Stadtteil Kemptown bergauf (Brighton ist sehr hügelig, ich bewundere alle Radler*innen, zumal ich noch kein E-Bike gesehen habe).

An diesem Karussell fasziniert mich vor allem der mechanische Musikautomat in der Mitte, der erstaunlich tonsicher Melodien und Rhythmus schmettert. Ich hörte eine Weile zu, nicht nur klassiche Jahrmarktwalzer, sondern auch die Samba “Brasil”.

Eigentlich hatte ich kein Bier trinken wollen, doch dann sah ich, dass hier Bier der kleinen Brauerei Brighton Beer ausgeschenkt wurde und bat um ein Stout: Ich konnte sogar aus zweien wählen und entschied mich für das weniger trockene.

Das Essen war phänomenal. Herr Kaltmamsell hatte Schweinsbraten bestellt, ich das Lamm. Das Verhältnis Fleisch zu Beilagen auf meinem Teller war etwa 20:80, und das stellte sich als sehr gut heraus. Das große Ufo hinten ist ein Yorkshire Pudding, dieser war knusprig, saftig und offensichtlich frisch gebacken. Sonstige Beilagen: Blaukraut (weich und gut gewürzt), Blumenkohl mit Bechamel, Ofen-Karotten (spannend gewürzt), Ofen-Kartoffeln (frisch und knusprig), ein Bratwürschtl mit Speck (?), Wirsing (knackig), und dass die Bratensauce traditionell extra im Kännchen serviert wird, war sehr praktisch: Ich stippte den Inhalt meiner Gabel eher hinein als das ich alles ertränkte. Auch der Lammbraten stellte sich als hervorragend heraus. Ich war mit Hunger und Appetit angekommen, aß den gesamten Teller mit Vergnügen und Genuss leer, war abschließend sehr satt, aber nicht überfressen.

So spazierten wir fit hinüber zum Friedhof.

Sieht nach sehr praktischem Radlparkplatz mit Schutz vor Wetter und Diebstahl aus.

Der Friedhof in Brighton besteht aus dreien: Brighton and Preston Cemetery und Woodvale Cemetery, durch eine durchgangslose lange Mauer getrennt, sowie auf der anderen Seite der Straße City Cemetery.

Wir sahen erwartbare, traditionelle Bestattungsbereiche.

Aber auch unkonventionelle.

Sowie eine neue Generation an Gräbern, die möglicherweise künftige Generationen von Kunsthistorikerinnen vor besondere Herausforderungen stellt. Sie erinnerte mich an antike Grabmäler in Rom, die vom Ruhm und von den beruflichen Erfolgen der Bestatteten künden. (Nachtrag: Bitte lesen Sie diese Erklärung dazu.)

Dieser Rosengarten, Garden of Remembrance, ermöglicht das Anbringen von Gedenktafeln an Rosenstöcken. Die Asche Verstorbener kann ebenfalls hier verstreut werden, es gibt offentsichtlich keine Bestattungspflicht.

Parkplätze für Geistliche.

Besonders empfand ich in den beiden Friedhöfen die angenehme Weitläufigeit, und dass mit dem Auto durchgefahren wurde: Für einen Besuch des Grabs, so beobachteten wir zweimal, wird direkt hingefahren. Ansonsten waren außer uns keine Spaziergänger*innen unterwegs.

Wir spazierten weiter zum Hebrew Cemetery den wir auf dem Stadtplan gesehen hatten, doch das Tor in der Mauer war verschlossen, und er sah verlassen aus (keine Steine auf den Gräbern).

Es gibt noch zwei weitere jüdische Friedhöfe in Brighton, für die hatten wir aber keine Energie mehr.

Den Rückweg zur Unterkunft nahmen wir über die kleinen Einkaufsstraßen North Lane. Dort nochmal Ausprobieren von Neuem: Wir holten uns beide unseren ersten Bubble Tea.

Da ich von der Auswahl und den Kombinationsmöglichkeiten überfordert war (inclusive Auswahl der Süßheit in Prozent und der Kaltheit in vier Stufen), bestellte ich zwei bereits zusammengestellte “Specials”: Strawberry Jam Milk Cap und Passion Fruit Jam Milk Cap. Schmeckte nach Milchshake mit Sahnehaube, die Tapioka-Kugeln machten Spaß.

Der restliche Nachmittag verging in der Ferienwohnung mit Lesen verschiedener Dinge, es gab sogar noch Abendessen in Form von Tomaten, Nektarinen mit Joghurt und Süßigkeiten.

§

Zadie Smith hat einen historischen Roman geschrieben und erzählt im New Yorker, wie sie sich viele Jahre lang vergeblich dagegen gewehrt hat und warum sie dabei einfach nicht um Charles Dickens rumgekommen ist:
“On killing Charles Dickens”.

via @gedankentraeger

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Sonntag, 9. Juli 2023 – Brighton 6 mit Sunday Roast und Friedhof“

  1. Thea meint:

    Mögen diese Ferien nie zu Ende gehen…
    Der Rosengarten würde mir zum Ende bestens gefallen.

  2. Usul meint:

    Brighton ist sehr hügelig, ich bewundere alle Radler*innen

    Wie hügelig kann das schon sein… (scrollt bis zum Bild mit den bunten Häusern) … H*ly Sh*t!!! Das sieht ja aus wie San Francisco.

  3. Elisa meint:

    Um ein ‘Grabkommentar’ abzugeben: Die römisch anmutenden Gräber würde ich sehr sicher Irish Travellern zuordnen. Sowohl bei den Travellern, als auch bei den Roma, werden Gräber oft in der gezeigten Art gebaut, meist mit Texten der engsten Familienmitglieder, liebgewonnen Gegenständen und Spitznamen eingraviert (welche oft als gängiger Rufname verwendet wird bzw. bei serbischer Herkunft auch der Vokativ). Siehe: https://www.euxus.de/wien/a800/56080009-zentralfriedhof-wien-mercedes.jpg

    Ein Beispiel aus meiner Wiener Wahlheimat. Es gibt am Zentralfriedhof zahlreiche Gräber dieser Art und oft steht wie beim hier verbloggten ein Getränk dabei.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank, Elisa! Das erklärt dann auch die irische Flagge auf dem ersten Grab.

  5. Helga meint:

    Vielen Dank für den Reisebericht, den ich mit großem Vergnügen lese. Dabei erinnere ich mich an meine Brightonreise mit meiner Freundin. Wir waren 19 und es war eine Sprachreise mit Twen Tours. Keine Ahnung, ob es das heute noch gibt. Lange her. Heute bin ich 61.

    Schönen Urlaub weiterhin. Liebe Grüße aus NRW, Helga

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