Journal Dienstag, 6. Februar 2024 – Rarer Homeoffice-Tag

Mittwoch, 7. Februar 2024 um 6:16

Eigentlich von Frühlingsvogellärm in den Morgenstunden wach geworden, aber nicht wach genug, dass ich aufgestanden wäre und das Fenster geschlossen hätte – vielleicht gewöhne ich mich auch daran.

Alles ganz anders, weil Arbeit von daheim. Die Zeit des üblichen Arbeitswegs nutzte ich für eine Runde Gehampel mit dem Fitness Marshall. Ich kam ein wenig ins Schwitzen, bin aber doch Generation Aerobic, bevorzuge auch bei Cardio kontrollierte Bewegungen und klare Ansagen (die Entwicklung von Aerobic hat mich verloren, als sie Richtung Zumba abbog). Auch Kalendersprüche brauche ich bei Cardio-Training nicht.

Duschen, Arbeitsplatz auf dem Esstisch aufgebaut. Erst jetzt merkte ich, dass ich mit diesem neuen Gerät noch nicht im heimischen WLAN war und alle Zugänge erstmal einrichten musste. Erstes Abarbeiten, daneben Handgriffe am Schokoladenroggenbrot (doppelte Menge für zwei Laibe, damit sich das Heizen des Ofens lohnte, nicht vorhandenes Dinkelmehl 630 durch Weizen 550 ersetzt).

Schon um neun klingelten die Brandmeldeaustauscher, die diesen Heimarbeitstag erzwungen hatten, sie waren innerhalb weniger Minuten durch.

Da ich mich erinnerte, wie sehr ich bei Heimarbeit immer friere, trug ich Thermoshirt unterm dicksten Pulli – was mir diesmal sehr bald zu warm war! Ich drehte die Heizung runter. Das mag am herrlichen Sonnenschein draußen gelegen haben, der durch die großen Wohnzimmerfenster wärmte – und blendete.

Das Brot sah gut aus.

Die Arbeit war dann doch so emsig, dass ich erst um zwölf zu meinem Mittagscappuccino kam: selbst zubereitet und in die Schale gegossen, in der ich die Schokolade fürs Brot geschmolzen hatte. Das verschob auch das Mittagessen: Erst um eins kochte ich mir Porridge, aß es mit Blutorangen und Joghurt. (Kein Wunder, dass das eine beliebte Armenspeise war, es ist immer wieder beeindruckend, wie viel Brei eine Tasse Haferflocken ergibt – der dann auch noch ordentlich sättigt.)

Meinen Zimmerpflanzen tat der Tag Arbeit daheim gut: Während Telefonaten fiel mein Blick immer wieder auf sie, und ich entdeckte unter anderem gelbe und trockene Blätter, die ich anschließend entfernte. Doch unterm Strich will ich bitte auch weiterhin zum Arbeiten ins Büro, daheim ist daheim und NICHT Arbeit. Damit begründe ich schließlich die komplette Schmucklosigkeit meines Büros: “Ich wohn hier nicht.” (Zur Sicherheit: Menschen sind gerade in diesem Thema seeeehr verschieden, bitte arbeiten Sie wo und wie es Ihnen Freude bereitet.)

Ich machte pünktlich Feierabend, wollte unbedingt noch raus ins schöne Wetter. Im Ledermantel, ohne Mütze und Handschuhe ging ich auf Einkäufe: Käse am Viktualienmarkt, Mehle im Hofbräuhausmühlenladen (bei einer Verkäuferin, die ich noch nicht kannte, mit der ich über bayerische Dialektausdrücke ins Ratschen kam und die sich als Tochter eines Müllers in der Holledau herausstellte).

Zurück daheim turnte ich nochmal die zackige Yoga-Gymnastik vom Vortag. Das Abendessen servierte diesmal ich: Selbstgemachtes Brot mit verschiedenen Käsesorten und einer spontan mitgenommenen italienischen Salami. Danach passte nicht mehr viel Schokolade rein.

§

Spannendes Hörstück im Deutschlandfunk:
“Die Macht der Container
Reedereien bestimmen den Lauf der Weltwirtschaft”.

Vieles wusste ich aus meiner beruflichen Zeit in der Branche (Schiffsmotoren), doch seither ist sie noch extremer geworden – und kaum jemand macht sich Gedanken darüber. Für mich am interessantesten: Die beiden Journalistinnen Maaike Goslinga und Maite Vermeulen haben es in Rotterdamm auf eines der gigantischen Containerschiffe geschafft und konnten mit Besatzung sprechen (in meinem früheren Leben konnte ich mal eine Reportage über philippinische Seeleute in Auftrag geben, einen anderen Artikel darüber, wie die Erfindung von Containern die Infrastruktur von Städten innerhalb kurzer Zeit veränderte).

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Dienstag, 6. Februar 2024 – Rarer Homeoffice-Tag“

  1. Chris Kurbjuhn meint:

    Homeoffice funktioniert nur mit einem deizidierten Arbeitszimmer, dessen Tür man hinter sich zu machen kann, wenn das Tagwerk getan ist. Alles andere ist eine zum Scheitern verurteilte Notlösung.

  2. Andrea Stock meint:

    Danke für den Anstupser.
    Gesichter Europas ist immer eine interessante Sendung im Deutschlandfunk. Habe mir heute den ersten Teil angehört und bin schon gespannt auf den zweiten am nächsten Samstag.

  3. Beate meint:

    Nein Chris. Ich arbeite seit fast vier Jahren mindestens zwei Tage pro Woche am Küchentisch. Man muss halt am Feierabend (ich habe feste Arbeitszeiten) den Rechner ausmachen.

  4. Berit meint:

    Ich denke es macht einen Unterschied ob ich reines Home Office habe oder eine Hybridversion in der ich mal im Büro, mal zuhause arbeite. Hybrid geht sehr gut mit Zwischenlösungen, solange man einen guten Stuhl und etwas Disziplin mitbringt.

    Für reines Home Office bietet sich natürlich ein eigenes Arbeitszimmer an, aber bei den derzeitigen Mietpreisen wird das auch nicht jeder darstellen können.

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