Journal Donnerstag, 28. August 2025 – Wien 7 mit restlichem Wien Museum, WürstelWurstelprater, Zentralfriedhof
Freitag, 29. August 2025 um 10:41
Ein wenig unruhiger Schlaf, der Alkohol. Wir standen auf zu einem echten Hochsommertag, der nicht nur sonnig war, sondern auch bis zum frühen Nachmittag mit über 30 Grad richtig heiß werden sollte – zwar wirklich nicht meine liebste Temperatur, aber da ich wusste, dass es in München zur gleichen Zeit 19 Grad hatte und regnete, wir am Freitag sehr wahrscheinlich ins Herbsteln heimfahren würden, sog ich alles Sommerliche an diesem Tag auf, als Vorrat bis nächstes Jahr.
Vielstündiges Bloggen (die VG-Wort-Ausschüttung bringt mich nicht mal in Sichtweite von Mindestlohn), dann starteten wir den eigentlichen Urlaubstag. Plan war ein Fertiggucken des Wien Museums: aus Ordentlichkeitsgefühl, aus Interesse an der Geschichte Wiens von 1900 bis heute – und weil der Eintritt nichts kostet.
Wieder spazierten wir zu Fuß hin und erlebten unterwegs Wien-Dinge.
Rustensteg über die Gleise zum Westbahnhof.
Herr Kaltmamsell führte zum Frühstück einen kleinen Punschkrapferltest durch, allerdings nur mit zwei Exemplaren (Josef Schrott, Aida).
Unseren Weg legten wir diesmal über den Naschmarkt, um wenigstens durchgegangen zu sein: Tatsächlich ohne samstäglichen Bauernmarkt so wenig attraktiv wie inzwischen bekannt.
Der empfohlene Urbanek sah aber wirklich einladend aus – nehmen wir uns beim nächsten Wien-Urlaub vor.
Das Wien Museum starteten wir auch diesmal mit Ausblick von der Terrasse und Mittagscappuccino, dann gab’s viel Spannendes zu Wien im 20. und 21. Jahrhundert.
Auch dieser Teil der Dauerausstellung gefiel mir sehr gut: Stadtgeschichte wurde in Verbindung mit Nationalgeschichte und Weltgeschichte gesetzt, hervorragende Quellen illustrierten Entscheidungen, Auswirkungen, Verlauf. Methodisch besonders interessant fand ich den Raum zur Gegenwart: Hier gab es Bildschirme, auf denen Wiener Fachleute Entwicklungen wie EU-Osterweiterung, Einwanderung, Klimawandel in Wien erklärten, außerdem standen auf Schienen an der Wand herausnehmbare Täfelchen mit Fotos, deren Rückseiten Schlaglichter auf Themen wie Wohnsituation oder sich verändernen Arbeitsmarkt warfen: Hier kamen Wienerinnen und Wiener zu Wort.
Es ging auf halb drei zu, wir setzten uns wieder in den Park für mein Frühstück: Joghurt und Zwetschgen. Selbst im Schatten war es jetzt heiß, der deutliche Wind brachte mit seiner Wärme kaum Kühlung.
Abends waren wir verabredet, aber bis dahin hatten wir noch Zeit, mal im Prater vorbeizuschauen: Wir versprachen uns nicht viel davon, wollten ihn aber mal gesehen haben. Und um möglichst viel Wien mitzunehmen, gingen wir zu Fuß hin.
Badeschiff auf dem Donaukanal.
Der WürstelpraterWurstelprater war durchaus besucht, er klimperte und dudelte, in der Soundkulisse immer wieder die Juchzer von Menschen in Fahrgeschäften.
Herr Kaltmamsell lud mich auf eine Riesenradfahrt ein.
Unsere Verabredung mit zwei vertrauten Wienern war am Zentralfriedhof, dorthin brachten uns die angenehm verlässlichen Wiener Öffis (Regionalbahn, U-Bahn, Bim). Große Wiedersehensfreude, es war viel Herzens und Küssens. Die beiden zeigten uns einen Abschnitt des jüdischen Friedhofs (Grüße an die Torbergs), ich konnte einem der beiden, Experte für zeitgenössische Stadtplanung Wiens, manche Frage stellen, die in den Tagen zuvor aufgekommen war.
Besuch auch bei diesem Bau der Familie Ephrussi. Wir spazierten zum Bereich mit den Ehrengräbern.
Dieses von Hedy Lamarr gefiel mir (hinter mir die Peinlichkeit des Grabes von Udo Jürgens).
Die eigentliche Attraktion war allerdings das aufziehende Friedhofsfest (Open-Air-Konzert Nachklang), das bereits aufgebaut war und dessen Sound-Probe von einer beeindruckend großen Bühne weite Teile des Friedhofs mit Austro-Pop aus verschiedenen Epochen beschallte.
Mir fiel ein, dass auf dem lang nicht mehr betriebenen Alten Südfriedhof in München selbst Picknicks aus Gründen der Pietät untersagt sind, Wien hat dafür offensichtlich eine völlig andere Definition.
Eine weitere Überraschung: Hamster, und nicht nur einer (genauer: Feldhamster), unglaublich niedlich.
Zweiter Teil der Verabredung: Die Wiener hatten einen Tisch im Gasthaus Stern reserviert, dorthin brachte uns die Bim.
Im Innenhof eines alten Wohnhauses saßen wir in sehr warmer Luft und aßen ausgezeichnet.
Diese Vorspeise hatte als “Alpencalamari fritti” auf der Karte gestanden, und sie meinten diese Servierform von Kalbskutteln genau so.
Als Hauptspeise bekam ich zu meinem Gemischten Satz (diesmal einer vom Weingut Kroiss und eher leichter) Kärntner Kasnudeln, wunderbar. (Vorsatz aber für den nächsten Besuch dort: Wild, der Wirt erlegt es selbst.) Als Nachtisch bestellte ich eine Cremeschnitte – hatte mir eigentlich etwas anderes vorgestellt:
Doch dieser saftige Blätterteig mit Sahne und etwas Vanillecreme gefiel mir sehr gut.
Das eigentliche Unterhaltungsprogramm aber die Gespräche mit den beiden Herren. Wir konnten sie auch nach dem Essen fortsetzen, in der U3 zurück in die Innenstadt saßen wir fast die gesamte Strecke zusammen.
Als Letztes vor dem Zu-Bett-Gehen erreichte mich die Nachricht vom Tod einer Mitabiturientin: Mit ihr hatte ich alle 13 Jahre meines Schullebens verbracht, sie kam aus demselben Stadtviertel Ingolstadts. Auch wenn wir nie eng befreundet waren, kannte ich ihre Eltern, deren Wohnung mit Porzellanfigürchen, deren Fragilität mit durchbrochenen Ballettröckchen mich sehr faszinierte, ihren Wellensittich. Auch wenn ihr Tod nach vieljähriger, brutaler Krebserkrankung absehbar war, machte mich die Nachricht traurig.
7 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 28. August 2025 – Wien 7 mit restlichem Wien Museum, WürstelWurstelprater, Zentralfriedhof“
Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)
Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.
29. August 2025 um 11:00
Eine Schau! Danke fürs Mitnehmen. Hatte zwischenzeitlich Besuch aus Wien hier in der Hansestadt und denke, ich muss auch unbedingt ganz bald mal wieder hin.
29. August 2025 um 12:06
Darf ich bitte korrigieren: Das ist nicht der Würstelprater, sondern der Wurstelprater. Der Name hat nichts mit dem Lebensmittel zu tun, sondern mit dem Wiener Begriff für den Kasperl, eben dem Wurst(e)l…
Und des Wieners Einstellung zu Tod und Friedhof sehen Sie am besten im Angebot des Friedhofsshops: https://shop.friedhoefewien.at/
29. August 2025 um 12:07
Danke für‘s Mitnehmen!
BTW: Der Wurstelprater hat nichts mit Würstel zu tun.
29. August 2025 um 12:24
Ich gestehe: Ich war noch niemals in … Wien (sorry für den Kalauer, aber nachdem ich mir die Scheußlichkeit des Bockelmann-Grabes ergoogelt habe … Allmächtiger..). Aber Bericht, Bilder, Bestes aus der Gastro machen große, große Lust darauf. Danke dafür!
29. August 2025 um 12:25
Verzeihung, caterina, ML! (Und ich dachte noch: Besser mal checken? Achwas.)
29. August 2025 um 12:48
Ich finde unsere Friedhofskultur ja ziemlich trübsinnig. Man müsste die Friedhöfe mit mehr Leben füllen, auch mal laut lachen dürfen, am Grab mal einen Schnaps trinken oder auf das Grab selbst giessen.
29. August 2025 um 13:03
Ich wäre da ja voll für die Versengoldlinie:
https://youtu.be/Xy1yHLZpiHM?feature=shared