Journal Sonntag, 25. Januar 2026 – Erneute Winterrunde, Beifang aus dem Internetz

Montag, 26. Januar 2026 um 6:23

An diesem Wochenende bekam ich kein Ausschlafen geschenkt: Auch gestern wachte ich viel zu früh auf, noch vor fünf, und konnte dann nicht mehr recht einschlafen. Kurz nach sechs gab ich auf.

Sowas wie Tag wurde es zu eisigem Nebel, und es war schon wieder schwer, das Wohnzimmer warm zu bekommen, beide großen Heizkörper auf volle Pulle und sorgfältig geschlossene Zimmertüren halfen nicht.

“In Bayern bleibt es weiterhin frostig kalt.” Ach meia.

Lust auf einen Isarlauf hatte ich dennoch. Diesmal fuhr die Tramlinie 16, die mich Richtung Tivoli brachte, ich stieg an der Paradiesstraße aus.

Körperlich passte alles während der folgenden eindreiviertel Stunden, die Bewegung tat gut, auf den Wegen nur vereinzelt eisige Stellen. Aber zu sehen gab es bei diesem eisigen Nebel halt wenig.

Hier hatte eben noch ein Kormoran das Motiv interessanter gemacht. Aber bis ich das Handy hob, war er abgetaucht.

Zurück daheim wärmte ich mich mit heißer Dusche auf. Doch zum Frühstücken kurz nach eins musste ich wieder im lauwarmen Wohnzimmer frösteln. Es gab zwei dicke Scheiben Brot vom Samstag, eine mit restlicher Guacamole, eine mit Butter und Orangenmarmelade.

Für den Nachmittag hatte ich vage Kino-Pläne, nach einer Runde Bügeln am Fenster im fahlen Winterlicht aber doch keine Lust. Statt dessen las ich herum und ärgerte mich über die nicht wirklich warm zu kriegende Wohnzimmer-Temperatur – die wohl wieder auf unbeheizte, weil unbewohnte Wohnungen über und unter uns zurückzuführen war.

Dafür freute ich mich an den Lilien, die ich mir gegönnt hatte.

Freunde brachten zwei Bergamotten aus Direktimport vorbei, ich freue mich schon sehr auf die Verarbeitung. Draußen begann es zu schneien.

Es fällt mir schwer, bis nach Fasching mit dem Winter-Maulen zu warten.

Fürs Sonntagsessen hatte ich zwei dicke Scheiben Schweinenacken besorgt, Herr Kaltmamsell übernahm die Zubereitung nach Art meiner polnischen Oma. Sogar für Kopytka aus Ernteanteil-Kartoffeln sorgte er, während ich eine Runde Yoga turnte.

Ich steuerte Salat aus den Ernteanteil-Ringelbete bei. Richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade. Draußen schneite es weiter.

Im Bett begann ich neue Lektüre: Sigrid Nunez, For Rouenna.

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Die protestantische Arbeitsethik erreicht Stellen im Hirn, da kommt bloße Motivation gar nicht hin.

Schreibt Maximilian Buddenbohm. Und es ist ganz erstaunlich, was sie sich unterwegs alles unter den Nagel reißt, was irgendwann mal eigentlich als Vergnügen begonnen hat.

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Solidarisches Preppen – ich versuche mich in jüngster Zeit zu zwingen, über Katastrophenvorsorge nachzudenken. Nicht weil ich mich um mich fürchte (obwohl ich wirklich sehr, sehr ungern in Winterfrost tagelang ohne Strom auskommen müsste wie die Berliner Verwandtschaft von Herrn Kaltmamsell), sondern um hilfsbereit sein zu können. Für Krautreporter hat Nicole Kauer recherchiert:
“In der Katastrophe retten dich Nachbarn, nicht die Dosensuppe”.

Solidarisch wird das Preppen für Gerriet auch durch eine einfache Tatsache: Wer Wasser oder Lebensmittel hat, benötigt keine Hilfe und bindet keine Rettungskräfte. „Die eigene Vorbereitung bedeutet sogar, im Fall der Fälle selbst helfen zu können.“

Meine ersten Schritte: Aus diesen Tipps von Thomas Wiegold im Techniktagebuch habe ich eine Einkaufsliste erstellt. Mal sehen, wann ich mich dazu bringe, sie auch abzuarbeiten.

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Eine Liebeserklärung ans Zugreisen:
“Warum wir mit dem Zug reisen”.

Bei mir fängt es mit zwei Zielen beim Verreisen an: 1. möglichst nicht fliegen, 2. nicht Autofahren. Und bei der resultierenden Wahl zwischen Fernbussen und Bahn ist mir Zugfahren erheblich lieber. Allerdings profitiere ich davon, dass mich europäische Länder mehr interessieren als weit entfernte. Tagesaktuelle Wunschliste (zufällig gereiht):
– Sizilien
– Bulgarien (eng abgestimmt mit meiner bulgarischen Kollegin)
– Georgien
– Straßburg
– Marseille
– Paris
– Neapel
– Rom
– Kopenhagen
– Belgien (vielleicht angefangen mit Brügge)
– Slowenien
– Steiermark

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Vanessa Giese schreibt über “die Jugend von heute” (Anführungszeichen im Original):
“‘Wie erlebst du die Jugend von heute?'”

Ich schließe mich ihren Beobachtungen komplett an und freue mich über ihre schlüssige Erklärung dafür. Und auch das erlebe ich und lasse mich manchmal davon verunsichern.

Die Jugendlichen, die heute 16 und 17 sind, haben gesellschaftlich bereits Einiges vollbracht: Sie haben Tausende minderjährige Geflüchtete in ihre Schulklassen und Sportvereine integriert, haben eine Pandemie mit zwei Jahren Unterrichtseinschränkungen, Sorgen und Unsicherheiten kompensiert, waren mit einem Kriegsausbruch in Europa konfrontiert, haben erneut Tausende Geflüchtete integriert – und nebenbei mit einiger Wahrscheinlichkeit die Scheidung ihrer Eltern erlebt und eine neue Form von Familie aufgebaut. Über diese Leistungen spricht niemand.

Zumindest widerspreche ich bei manchem Bashing von Älteren: “Die Jugend” ist mit der Lektüre von Lessing überfordert? Das halte ich für keinen Grund zu lästern, denn ich bin sicher, dass “die Jugend” sehr vieles kann und weiß, von dem die bashenden Älteren mindestens so überfordert sind, show some respect!

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Ziviler Widerstand in Minneapolis: Drummers against ICE. Meine tiefe Bewunderung.

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Sonntag, 25. Januar 2026 – Erneute Winterrunde, Beifang aus dem Internetz“

  1. Sanne meint:

    Das Problem mit der Katastrophenvorsorge in Deutschland ist, dass das Thema medial in erster Linie von (meist männlichen) Personen besetzt wird, die das Ganze wenig sachlich – anders als Thomas Wiegold in seinem Beitrag – sondern eher auf einer verschwörungstheoretischen Ebene angehen. Das sorgt bei vielen Menschen für Befremden. Ich würde mir wünschen, dass dem Thema auf Bundesebene, aber auch auf kommunaler Ebene mehr Aufmerksamkeit gewidmet würde, und zwar ganz sachlich: wie sorge ich vor, wie verhalte ich mich, welche Anlaufstellen gibt es, wer ist verantwortlich. Zum Beispiel in Form einer Broschüre. In den skandinavischen Ländern ist das längst üblich. Es muss nicht gleich “der Russe” (!) vor der Tür stehen; ein Stromausfall sorgt – wie in Berlin gesehen – bereits für erhebliche Verwerfungen.

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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