Journal Sonntag, 19. Juli 2026 – Tatsächlich gewandert von Kirchseeon nach Ebersberg

Montag, 20. Juli 2026 um 5:59

Genügend und recht gut geschlafen, früh aufgewacht.

Das Wetter gab nochmal Balkonkaffee her (warm angezogen), aber der Himmel dräute sichtlich. Die Aussichten für unsere Wanderung waren entsprechend durchwachsen, aber wir hielten an unseren Plänen fest. Und wenn es wieder so schüttete wie vor einem Jahr am Starnberger See – würden wir halt wieder die Wanderung abbrechen.

Die Routenwahl fiel in Anbetracht von Wetteraussichten und einem leicht angeschlagenen Herrn Kaltmamsell (am Freitag Fuß umgeknickt) auf die kurze Strecke Kirchseeon-Ebersberg mit Option auf Erweiterung über Aussichtsturm zurück nach Kirchseeon. Lange Wanderhose, Schirmmütze, die Superduper-Wanderregenjacke gleich angezogen.

Der Regen setzte wenige Sekunden vor unserer Ankunft am S-Bahnhof Kirchseeon ein. Und prasselte erstmal so abschreckend, dass wir unterm Bahnsteigdach warteten. Doch zum Glück ging’s dann: Während der ersten Stunde regnete es immer wieder, aber nichts, was Schirmmütze und Wanderjacke nicht in den Griff bekommen hätten. Danach riss der Himmel sogar auf, kein Abbruch nötig.

Sie sehen vor allem altbekannten Motive, hier waren wir (und ich allein) schön öfter.

St. Coloman am Rand von Kirchseeon.

Entdeckung auf dem Spielplatz neben dem Kirchseeoner Feuerwehrhaus: Ein Spielzeug-Feuerwehrauto!

Wie absolut großartig! Ich dachte sofort an die Dampflokomotive auf einem nahen Spielplatz meiner Kindheit, die uns zu zahllosen Spielen inspirierte. Es handelte sich um eine ausrangierte echte Lokomotive, die lediglich ein wenig verletzungsgesichert worden und bunt angemalt worden war. Abgesehen davon, dass sie heutigen Sicherheitsstandards als Spielgerät ganz gewiss nicht genügen würde (zurecht): Ihre Originalgröße schränkte unsere Spielmöglichkeiten auch ein, wir waren zu klein für das Riesending.

Ganz anders dieses runterdimensionierte Feuerwehrauto: Es muss sensationell sein, damit Feuerwehr zu spielen!

Hinter Forstseeon regnete es wieder ein wenig. Aussicht hätte es eh nicht gegeben, weil Mais-Monokultur.

Egglburger See mit viel Wassergeflügel.

Weiherkette Ebersberg

Herr Kaltmamsell fand eine kurze Alternative zur großen Erweiterung: Lediglich Abstecher zum Aussichtsturm Ebersberg, auch die Allee mit Gedenkplaketten für örtliche Gefallene im Ersten Weltkrieg konnte ich ihm so zeigen.

Er entdeckte ein Radfahr-Bataillon.

Ich eine Eisenbahnbetriebs-Kompanie.

Im Aussichtsturm.

Blick vom Aussichtsturm nach Ebersberg.

In Ebersberg kehrten wir wie geplant im Eiscafé am Marktplatz ein um zu frühstücken.

Um halb drei gab es den legendären Mozartbecher (links mit geviertelten Mozartkugeln und Rohmarzipanwürfeln), mittlerweile neumodisch in einer Schüssel statt im angemessenen Glaspokal. Und einmal drei Kugeln mit Sahne. Gut und sättigend (und sicher voller Eiweiß sowie Vitaminen).

Die Rückfahrt verzögerte sich wegen S-Bahn-Problemen (von Ebersberg aus nicht zum ersten Mal), aber wir kamen dann doch nicht zu spät zurück nach München.

Blumen-Ausbeute des Tages, bestimmt wieder dank der App Flora Incognita.

Von links oben im Uhrzeigersinn: Arznei-Thymian, Kohl-Kratzdistel, Mittlerer Wegerich, Vogel-Wicke.

Gewöhnliches Leinkraut (nicht zu verwechseln, wie ich es verwirrt zunächst beim Lesen getan hatte, mit LeiMkraut), Ästige Graslilie, Gewöhnlicher Hornklee, Acker-Kratzdistel.

Zurück daheim bügelte ich (letzte bequeme Gelegenheit vor Urlaub) bei offener Balkontür, durch die es gerade mal nicht zu kühl hereinkam. Dann eine wohltuende Runde Yoga.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Pasta mit Pesto, das er aus dem Grün der jungen Ernteanteil-Karotten hergestellt hatte – sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Von Nils Markwardt in der Zeit interessante Gedanken zur Causa Jens Spahn und warum nach all den Schweinereien, die er angerichtet hat, ausgerechnet die Leihmutterschaft seines Kinds wirksamen Protest selbst in der CDU/CSU auslöste:
“Es ging nicht nur um Doppelmoral”.

Dass die Reaktionen im Falle der Leihmutterschaftsdebatte anders ausfielen, markiert einen zentralen Unterschied zwischen konservativen und rechtspopulistischen Parteien. An letztere werden nämlich kaum noch moralische Konsistenzerwartungen gestellt. Die permanente Produktion von politischen Widersprüchen sowie der kaum verhohlene Gebrauch von Doppelstandards erscheint vielen Wählern der Rechtspopulisten nicht als Makel, sondern firmiert als probates Mittel zur Grenzübertretung. Geht es vielen Maga- und AfD-Anhängern um eine lustvolle Zerstörung des Bestehenden, wird die Doppelmoral als eine Art des analogen Trollings begriffen. Und selbst den Gegnern der AfD fällt es schwer, deren Widersprüche zu skandalisieren. Denn dort, wo man überhaupt keine Moral mehr erwartet, lässt sich keine Doppelmoral attestieren.

Darin auch hilfreiche Informationen zur Entwicklung des deutschen Nachkriegskonservatismus.

die Kaltmamsell

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