Archiv für Juli 2026

Journal Samstag, 11. Juli 2026 – Ausruh-Samstag (“Meine Hobbys sind Lesen und Schwimmen”)

Sonntag, 12. Juli 2026

Re: Überschrift – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich vor 50 Jahren die Frage nach meinen Hobbys so beantwortet habe. Und mich offensichtlich seither nicht weiterentwickelt.

Mittelgut (der Alkohol) und nicht so lang wie ersehnt geschlafen, leicht verkatert aufgestanden.

Trotz langer Ärmel und Hosenbeine fröstelnder Balkonkaffee – gut so! Auch für die kommende Woche ist Hochsommer mit Tageshitze, aber nächtlicher Kühle angekündigt, das ließe sich gut aushalten.

Eher früh für einen Samstag brach ich zu meiner Schwimmrunde im Dantebad auf. Ins Becken ließ ich mich bei angezeigten 24 Grad im Schatten herab. Die Bahnen waren mittelrege genutzt, wir kamen gut miteinander aus. Nach ein paar hundert Metern wurde ich ruhig, die 3.200 Meter machten Spaß.

Danach war es unter nahezu wolkenlosem Himmel ein paar Grad wärmer geworden, ich legte mich geduscht und neu sonnengecremt in die Sonne und hörte Musik.

Oben.

Unten.

Da keinerlei Wind ging, wurde mir bald zu heiß.

Rückweg von roter Ampel zu roter Ampel – nervig, aber zumindest regte ich mich dadurch nicht über den Longboard-Fahrer auf, der auf den eh schon schmalen Radwegen und
-spuren an der Dachauer Straße, Seidlstraße, Paul-Heyse-Straße zwischen den Radler*innen kurvte.

Frühstück um halb drei: Ein Teller spanische Ochsenherz-Tomaten, ein paar frische Salzgürkchen (Herr Kaltmamsell hatte am Freitag neue angesetzt), Roggenvollkornbrot mit Tomate, dann noch eine Aprikose und reichlich Kirschen – ich liebe Sommer einfach schon wegen des saisonalen Obsts und Gemüses.

Fürs Zeitunglesen war ich jetzt zu müde und legt mich zu einer Siesta hin. Gerechnet hatte ich mit einem cat nap, doch ich schlief eine Stunde tief ein. Danach war ich erstmal benommen, aber das hatte es wohl gebraucht.

Zeitunglesen auf dem Balkon, mit herabgelassener Markise war die Temperatur wunderbar. Eine Runde Yoga, anstrengend.

Herr Kaltmamsell war aushäusig auf einer Gartenparty eingeladen, und das kommt dabei heraus, wenn ich mir selbst ein Samstagabendessen zubereite:

Reichlich Ernteanteil-Mangold mit Knoblauch gebraten, dazu Beluga-Linsen (eh klar) und Joghurt. Klingt vielleicht frugal, schmeckte aber hervorragend. Nachtisch 1: Lidl-Eis, ich hatte die Sorte Zimtschnecke mitgebracht, weil ich mir nichts darunter vorstellen konnte. Ergebnis: Joah, die Zimtschnecken sind in Form von Mini-Gebäckchen (Durchmesser ca. 4 mm) ins Eis eingearbeitet und kauen sich eher zäh, nicht mein Lieblingseis. Nachtisch 2: Schokolade.

In später Dämmerung nach Fledermäusen Ausschau gehalten – reichliche Sichtung, so schön!

Im Bett neue Lektüre: Immer wieder wünsche ich mir bei der Erinnerung an ein Lesevergnügen, das Buch nochmal zu lesen – habe das aber seit vielen Jahren doch nicht mehr gemacht. On Beauty von Zadie Smith hatte ich gleich bei Erscheinen 2005 gelesen, seither immer wieder daran gedacht, es vor über einem Jahr zum Wiederlesen rausgelegt. Gestern fing ich es tatsächlich an. Allerdings nicht das vorhandene Papierbuch: Lesen physischer Bücher finde ich immer beschwerlicher, und dann auch noch eines so dicken… Ich hatte nur mal geguckt, was das E-Book kostet, und für nur vier Euro war die Entscheidung leicht. Subjektive Bequemlichkeit siegt bei mir über Liebe zu Druckereien und Buchläden.

Und dann vergnügte mich die Lektüre auch gleich, schon 2005 startet der Roman mit E-Mails, die schön indirekt erste Informationen vermitteln.

§

“KI” hat die Betrugsmöglichkeiten bei Prüfungen sprunghaft erweitert. Schulen und Universitäten war das sofort klar, sie sind immer noch dabei, einen Umgang damit zu finden (im bayerischen Abitur 2026 mit Vorsichtsmaßnahmen, die sich fast schon apokalyptisch lasen).

Georg Passig ist Professor an der Technischen Hochschule Ingolstadt – und extrem bastelfreudiger Ingenieur. Er erzählt im Techniktagebuch von seinen Überlegungen, dass im Grunde Sendequellen im Prüfungsraum augespürt werden müssen. Was er bereits testet.
“Juli 2026
Mit dem Spectrum Analyzer durch die Prüfungen”.

(Große Liebe für die Schlusssätze.)

Journal Freitag (\o/), 10. Juli 2026 – Wochenendfeiern im Broeding

Samstag, 11. Juli 2026

Recht gut geschlafen, zwar gab es ein zweites Gewecktwerden durch Brüllerei im Park, doch auch danach schlief ich gleich wieder ein und bis Weckerklingeln durch. Aufgwacht voll Freude auf die Abendverabredung zu feinem Essen und feinen Weinen mit Herrn Kaltmamsell. (Schlüssel zum Überleben weiterhin: Immer was Gutes zu essen im Haus und immer etwas, worauf ich mich freuen kann.)

Draußen ein herrlicher, frischer Sommermorgen, untermalt von Mauerseglerschrillen.

Auf dem Weg in die Arbeit bekam ich mit, dass die Männerfußball-WM noch nicht vorbei ist und dass die spanische Mannschaft noch mitspielt: Mir kamen mindestens drei kleine Schulmädchen in Fußball-Oberteilen der spanischen Nationalmannschaft entgegen, unabhängig voneinander. (Dass ich die nationale Zugehörigkeit sogar aus dem Augenwinkel identifizieren konnte, nehme ich meinem Gehirn ein bisschen übel.)

Emsiger Vormittag, Mittagscappuccino später wegen einer kleinen Aufregung: Ich entdeckte, dass ich einen Fehler gemacht hatte – noch dazu von der Sorte, die mir am unangenehmsten ist, die nämlich anderen Menschen unnötig Zusatzarbeit macht. Das bügelte ich aus, bat an zwei Stellen um Entschuldigung, bekam sofort geholfen. Und bin jetzt gespannt, wie lange ich mir den Fehler nachtrage.

Dann aber raus in den Sommer, der deutlich wärmer geworden war.

Ich assoziierte “.arp” (wollte ich eh mal wieder lesen).

Später gab es als Mittagessen Skyjolei, außerdem Aprikosen und gemischte Nüsse.

Freitagspünktlicher Feierabend, Lebensmitteleinkäufe auf dem Heimweg. Jetzt war sie da, die erneute Sommerhitze, ich suchte den Schatten.

Nach Hause kam ich mit bequemer Pause zum Aufbruch: Mit Herrn Kaltmamsell nahm ich eine U-Bahn zum Rot-Kreuz-Platz.

Das Broeding hatte im Gastgarten eingedeckt – wir verbrachten dort angenehm temperierte und schöne Stunden mit dem wunderbar gemüsigen Menü (hätte es auch in Vegetarisch gegeben) samt Weinbegleitung (nur Käse, kein Dessert zum Abschluss).

Anstoßen aufs Wochenende mit Sekt vom Loimer. Mit den Jahren beginne ich auch hier deutliche Unterschiede rauszuschmecken, nachdem ich lange bei Schaumweinen nicht über “trocken” hinauskam. Dieser schmeckte mir sehr.

Zu den Austernpilzen mit Hummus und dem Knaller Feigenblatt-Öl mein Weißwein-Favorit des Abends: Zierfandler vom Weingut Biegler aus der Thermenregion.

Und zum Lamm mein roter Liebling des Abends (wir bekamen zwei verschiedene, nachdem ich traurig angemerkt hatte, dass immer nur ein Rotwein das Menü begleitet): Vom Weingut Schiefer aus Welgersdorf (Südburgenland) ein Pinot Noir.

Abschluss mit Blauschimmelkäse, tatsächlicher Abschluss mit zwei kleinen Schokotrüffelwürfeln – Schokolade schließt bekanntlich den Magen.

Im Bett waren wir erst nach Mitternacht, aber bei weit geöffneten Fenstern: Die Luft hatte wunderbar abgekühlt.

§

Künstlerin Katja Kelm bloggt über ihre Zeit als alleinerziehende Mutter und über ihren Künstlersohn:
“antons arbeit”.

wer seine malerei tatsächlich vollständig in sprache übersetzen kann der braucht aus meiner sicht eigentlich nicht malen.

Ich stimme zu. Weswegen ich auch Hemmungen habe, mit bildenden Künstler*innen über ihr Werk zu sprechen: Ihr Teil ist aus meiner Sicht mit Fertigstellung des Kunstwerks getan (vielleicht noch mit Platzierung in der Veröffentlichungssituation), jetzt sind wir Rezipient*innen dran – mit denen ich mich sehr gerne über das Werk austausche.

Dabei ist Katja Kelm eine Künstlerin, die wirklich besonders gut Kunst in Worte fassen kann – aber sie beschreibt halt Techniken, Methoden, Umgebung, keineswegs Absicht oder gar Sinn.

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Großartig bizarre Hotel-Geschichte, man möchte sie umgehend als Setting für einen Spielfilm oder einen Roman nutzen. (Also “man”, die sowas können.)
“Ein Hotel sollte ein wirtlicher Ort sein.”

via iberty.de

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Bonnie Tyler ist gestorben, das ist schade. Ich mochte sie allein schon für die komplette Bescheuertheit des offiziellen Videos zu “Total Eclipse of the Heart” (nein, hat null mit dem Text zu tun).

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https://www.youtube.com/watch?v=lcOxhH8N3Bo

Haare und Make-up überaus authentisch, und Bonnie Tylers Gesicht für mich recht typisch walisisch.

Hier eine eine hinreißende musikkritische Besprechung des Songs.

Journal Donnerstag, 9. Juli 2026 – Arbeit halt, aber mehr guter Sommer

Freitag, 10. Juli 2026

Eigentlich guter Schlaf, aber leider nur bis kurz nach vier – dann schlief ich nicht mehr richtig ein.

Ein freundlicher Morgen, zudem war die Rückkehr der Sommerhitze angekündigt: Ich stellte die Wohnung mit Rolllädenherablassen und Fensterschließen wieder auf Temperaturerhaltung.

Dann ging ich zur Arbeit durch den Sommermorgen, ermahnte mich immer wieder zum Heben des Blicks, der vom Lebenmüssen gebeugt an den lila-glitzernd lackierten Zehen in den dunkelblauen Sandalen klebenbleiben wollte, denn der Witwenbuckel kommt durchs schiere Altern des Körpers noch früh genug, doch so lange ich es noch in der Hand habe, will ich gegenarbeiten, Schultern und Nacken in dem Stolz halten, der in Wirklichkeit Unerbittlichkeit ist.

Das Oktoberfest wächst.

Am Schreibtisch mittlere Emsigkeit, weitere Jagd nach dieser einen Hotelrechnung, jetzt mal wieder telefonisch. Erfolg: Ich kam am Chatbot vorbei an einen echten Menschen, der wirklich freundlich und aufmerksam war, herausfinden konnte, dass sechsmal an eine E-Mail-Adresse mit Tippfehler geschickt worden war (liebe Kinder: nie abschreiben, immer kopieren und einsetzen), der alle Angaben ein weiteres Mal verifizierte und sich zur Sicherheit insgesamt drei E-Mail-Adressen geben ließ, an die in den darauffolgenden 30 Minuten aber jetzt ehrlich wirklich die Rechnung geschickt werden sollte.

Raten Sie.
(Noch nie habe ich die Spam-Filter so gründlich durchkämmt wie in den vergangenen beiden Wochen.)

Nach einer Online-Besprechung Mittagscappuccino aus der Cafeteria, Mittagsmarsch um die Blöcke in kühler Luft: Sonnenschein wärmte angenehm.

Zu Mittag gab es Ayran, außerdem reichlich Flachpfirsiche und Aprikosen.

Nachmittag mit weiterer Besprechung und sonst nicht viel.

Heimweg über Einkauf von Billig-Schokolade, dann Gemüse im Süpermarket Verdi. Es war immer noch angenehm in der Sonne, immer noch nicht heiß. Aus der Wettervorhersage weiß ich allerdings, dass das nicht so bleiben wird, es steht wieder Hitze an.

Zu Hause Yoga, dann übernahm ich die Zubereitung des Abendessens: Der Ernteanteil hatte Romana-Salat gebracht, also DEN spanischen Salat. Den machte ich mit Ernteanteil-Gurke sowie (zugekauften) Tomaten und Ringen süßer Zwiebel an. Damit er zuverlässig sättigte, bröselte ich Manouri drüber (Fusion). Schmeckte ganz hervorragend – durch Salat aus dem heimischen Freiland lerne ich, wie verschieden grüne Blattsalate schmecken.

Nachtisch Sirupwaffeln und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen

§

Ja, ich bin immer noch auf instagram – immer noch der einzige Kontaktfaden zu einigem meiner Freund*innen.
Jetzt nimmt sich Meta das Recht heraus, öffentliche instagram-Inhalte als Grundlage für KI-Bilder zu verwenden – außer man schaltet das aus. Hier eine Anleitung:
“Prüfe jetzt deine Instagram-Einstellungen: Andere können deine Fotos für KI-Bilder nutzen”.

Journal Mittwoch, 8. Juli 2026 – Lerchenlauf und Listenabhaken

Donnerstag, 9. Juli 2026

Ich wachte wenige Minuten vor extrafrühem Weckerklingeln auf, das passte wunderbar.

Draußen war es nicht nur wie angekündigt bedeckt, beim Zähneputzen hörte ich im Innenhof auch Regentropfen – und der Regenradar kündigte genau für die Zeit meiner Laufrunde Niederschläge an. Letztendlich entschied ich mich dennoch gegen die Regenjacke: In der schwülen Luft fürchtete ich Schweißflüsse und Stickigkeit mehr als Durchnässung. Und gegen Verblindung meiner Brille setzte ich eine Schirmmütze auf.

Erwies sich als die richtige Entscheidung: Es tröpfelte lediglich hin und wieder, während der etwas ernsthafteren Regenphase lief ich unter Thalkirchner Blätterdach.

Wieder achtete ich fast durchgehend auf den Weg und aufs Füßeheben, ich will wirklich nicht nochmal stürzen (unterm strammen Brustgurt des Jogging-BHs erinnerten mich die linken Rippen auch zwei Wochen danach noch an den jüngsten Sturz). Die Luft war bei aller Düsternis herrlich, ich lief leicht auf nahezu menschenleeren Isarwegen.

München ist so reich, dass abgelegte Jackson Pollocks in Zu-verschenken-Kisten landen.

Daheim zackige Säuberung, vor Verlassen der Wohnung entschied ich mich bei dem angekündigt fortdauernden düsteren Wetter für hochgezogene Rollläden und Fenstern auf Kipp.

Beschleunigter Arbeitsweg durch zwei Stationen U-Bahn-Fahrt.

Schnellstart in einen emsigem Vormittag. Auf dem Weg zum nahegelegenen Mittagscappuccino fand ich es dann doch ganz schön kühl, zumindest bekam ich keine Regentropfen ab.

Zu Mittag gab es Aprikose, Bananen Quark/Joghurt/Leinsamenschrot.

Auch den Nachmittag rumgebracht. Nach Hause auf direktem Weg, ich war mit Herrn Kaltmamsell verabredet: Wir wollten einen Punkt auf unserer Auswärtsessensliste abhaken. Vor vielen Monaten war ich auf die Idee gekommen: Die nächste Pizza essen wir bei Dr Drooly – der kleine Laden, der nur vegane Pizza verkauft, hat einen sehr guten Ruf und sah beim Vorbeispazieren urig aus mit immer viel jungem Volk drumrum. Allerdings hatten wir seither nie Lust auf Pizza. Aber nun stand dieser Posten halt auf der (von Herrn Kaltmamsell sorgsam geführten) Liste und würde nicht eher von dort gestrichen, bis wir dort gegessen hatten, das System ist nicht perfekt.

Gestern stellte ich nur mein Zeug in der Wohnung ab und spazierte dann gleich mit Herrn Kaltmamsell nach hinter dem völlig verbaustellten Goetheplatz zu Dr Drooly und bestellte Pizza.

Pizza Marinara gegenüber, eine Pizza Cheezy für mich – sehr gute Tomatensauce, der vegane Käse-Ersatz schmeckte halt salzig. Aber! Der Teig war für meinen Geschmack perfekt, genau so brotig und großporig mag ich ihn.

Auf dem Heimweg holten wir uns als Nachtisch beim McDonald’s je einen McFlurry mit ordentlich pappsüßen Saucen.

Nach der 20-Uhr-Tagesschau (viel über den NATO-Gipfel samt irrlichterndem US-Präsidenten Trump; ich möchte hier festhalten, dass auch hier alle seine Aussagen und Zusagen immer Momentaufnahmen sind und keine davon verlässlich – in einem Militärbündnis besonders unbehaglich) bald den Fernseher ausgeschaltet. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Nochmal zu sexualisierter Gewalt, weil sich hier endlich etwas tun muss. Die Zeit interviewt die Anwältin Christina Clemm, die unter anderem die Moderatorin Collien Fernandes und die Autorin Claudia Wuttke vertritt, die kürzlich öffentlich Vorwürfe gegen ihre Ex-Partner erhoben haben:
“‘Nicht nur die Scham, sondern die Angst muss die Seite wechseln'”.

ZEIT: Die meisten Frauen, auch viele, die zu Ihnen kommen, erstatten keine Anzeige. Was hält sie ab?

Clemm: Viele tun es nicht, weil sie sich nichts davon erwarten. Sie haben Angst, dass man ihnen nicht glaubt. Dass sie jahrelang in einem Gerichtsverfahren hängen, an dessen Ende eh keine Verurteilung steht. Andere befürchten, dass es durch eine Anzeige noch mal zu Gewalt durch den Täter kommt. Und manche haben Angst vor Gegenanzeigen, vor Verleumdungen, auch in der Öffentlichkeit. Das Problem beginnt aber schon früher. Die allermeisten Gewaltbetroffenen sprechen gar nicht darüber, was sie erlebt haben, oder nur bruchstückhaft. Ihre Sorge ist zu groß, dafür verurteilt zu werden.

ZEIT: Ist es nicht verwunderlich, dass sich viele auch dem engsten Umfeld nicht anvertrauen, nicht mal der besten Freundin?

Clemm: Ich finde das gar nicht so erstaunlich. Wir tun oft so, als seien wir eine aufgeklärte Gesellschaft, aber wir haben nicht gelernt, offen über Sex und Partnerschaft zu sprechen. Männer tun es noch seltener als Frauen. Davon zu erzählen, wie es wirklich in einer Beziehung läuft, ist ein großes Tabu. Vor allem wenn es Gewalt und Grenzüberschreitungen gegeben hat. Viele der Betroffenen geben sich dafür selbst die Schuld. Nach dem ersten Vorfall ist es noch leichter möglich, sich zu öffnen. Aber wenn die Frau danach bei ihrem Partner bleibt, ist sie schnell isoliert. Dann heißt es: Wie blöd bist du denn, nicht zu gehen.

§

Lisa Rank schreibt über ihren Körper:
“Mein Bauch ist ein Kopfkissen
Ich war der festen Überzeugung, ich hätte in meiner Jugend keine Essstörung gehabt. Bis ich meine Tagebücher von damals gelesen habe.”

Ach, wenn wir nur alle dorthin kommen könnten:

Es ist mittlerweile auch ein Leichtes was Schönes zu finden in jedem Foto. Keine Filter mehr zu benutzen. Immer wieder zu lachen bei dem Satz, den meine beste Freundin und ich uns schon seit Jahren sagen: „So sieht man halt aus“. Alle sehen irgendwie aus. Und das Leben ist zu kurz, um bei Hitze die weichen Beine in lange Hosen zu stecken. Lasst mich in Ruhe. Wenn jemand ein Problem mit meinen Beinen hat, dann ist es seins.

§

Kino-Vorfreude:

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https://youtu.be/zrcg8YHSys8?si=KANS2nXzl636ednb

1. Kate McKinnon
2. Geena Davis
3. Kristen Stewart IN EINER KOMISCHEN ROLLE
4. SO VIELE FRAUEN!!!

Journal Dienstag, 7. Juli 2026 – Interesantes in anderen Ecken des Internets

Mittwoch, 8. Juli 2026

Bei diesem Datum fiel mir als Erstes die Kindheitsfreundin ein, die heute Geburtstag hat – das weiß ich bis heute, obwohl die letzte Begegnung Jahrzehnte her ist. Geburtstag muss damals enorm wichtig gewesen sein.

Es war mild genug für Balkonkaffee, ich genoss ihn.

Spiegelselfie-Albereien.

Etwas strapaziöser Vormittag mit viel Gerenne, doch ich konnte einen Cappuccino im Westend einbauen. Wieder wehte ein deutlicher und kühler Wind, ohne diesen brannte die Sonne heiß.

SEHR! gute Nachrichten von einer schlimm erkrankten Kollegin, das machte alles wett.

Zu Mittag gab es Flachpfirsiche (noch nicht genug nachgereift) und Kirschen, außerdem Quark/Joghurt/Leinsamenschrot.

Geordneter Arbeitsnachmittag, ich bekam italienische Nudeln geschenkt, Teil einer Schnäppchenbeute.

Auf dem Heimweg nur wenige Einkäufe, Herr Kaltmamsell hatte unsere gemeinsame Liste nahezu leergeräumt.

Zu Hause eine Runde Epiliererei; nach dem vorhergehenden Mal vor nicht mal drei Wochen waren meine Beine innerhalb weniger Tage wieder pelzig – mein Körper erwartet offensichtlich in Kürze einen harten Winter.

Dann nahm ich mir aber noch die Zeit für eine Runde Pilates mit Gabi Fastner: In dieser für mich neuen Folge bekam ich wieder abgefahrene neue Übungen geboten und hatte viel Spaß.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die ersten neuen Kartoffeln aus Ernteanteil (aber noch nicht aus unserer Gärtnerei) als Kräuterkartoffeln plus Ofenkäse. Nachtisch Schokolade.

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Die aktuelle Ausgabe des Magazins “Lernen aus der Geschichte” widmet sich ganz dem Thema NS-Zwangsarbeit und der Erinnerung an dieses Massenverbrechen. Die Leiterin des Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Christine Glauning spricht im Interview gemeinsam mit der Historikerin Katja Makhotina darüber, was die Herausforderungen für Historiker*innen und Gedenkorte bei der Erforschung und Vermittlung des Themas sind:
“Gesellschaftsverbrechen NS-Zwangsarbeit – im Gespräch mit Christine Glauning und Katja Makhotina”.

Sie weisen beide auf die noch wenig erforschte Rolle der Zwangsarbeit in der Nachkriegszeit und Auswirkungen auf die folgenden Generationen hin. Zudem:

Christine Glauning: Ich würde gerne die Perspektive NS-Zwangsarbeit als Gesellschaftsverbrechen aufgreifen. Im Grunde hat die gesamte „Volksgemeinschaft“ profitiert − durch den massenhaften Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft war die Versorgungslage während des Krieges weitgehend gesichert und Zwangsarbeit trug so zur Stabilisierung der NS-Diktatur bei. Zudem waren alle Ministerien auf Reichsebene, alle kommunalen Verwaltungen und Sonderbehörden involviert in Zwangsarbeit − in Organisation, Überwachung, Sanktionierung. Zwangsarbeiter:innen waren unübersehbar und Teil des Alltags der deutschen Bevölkerung. Nach den Schätzungen des United States Holocaust Memorial Museums gab es hochgerechnet 42.500 Lager im deutschen Machtbereich. Diese Dimension ist immer noch wenig bekannt.

Einer der Gründe, warum mir die derzeitige mediale Konzentration auf die NSDAP-Mitgliederkartei ein wenig aufstößt: Für Mittäterschaft mussten Großvater und Großmutter nicht in der Partei sein.
(Offenlegung: Meine Mutter ist die Tochter einer polnischen Zwangsarbeiterin und eines polnischen Kriegsgefangenen. Dass sie 1944 überhaupt auf die Welt kam, war nicht vorgesehen. Dass sie sogar durchkam, ist einer Deutschen zu verdanken, die sie vermutlich als ihr Kind ausgab.)

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Besonders interessanter Fall von “Habe ich mir noch nie drüber Gedanken gemacht, aber jetzt wo ich’s lese…”
“EuGH verhandelt über Löschen aus dem Taufbuch”.

Der Europäische Gerichtshof muss über das Löschen aus Taufbüchern entscheiden: Greift hier das Recht auf Vergessenwerden des Einzelnen, oder hat die Kirche ein überwiegendes Interesse daran, die Daten zu Taufspendungen auch gegen den Willen der getauften Person zu speichern?

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Die Übergänge sind immer das Schwerste.

Milva (<3) singt “Das sind die Männer mit den graumelierten Schläfen” (worauf “EhehÄfen” gereimt wird, ich kringle mich).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=P3syDpXzyAI

via Buddenbohm & Söhne

Und mir fällt sofort ein solcher Herr ein, der mich als junge Frau auf einer Veranstaltung umgarnte (umso erinnerlicher, weil ich mangels gesellschaftlich weiblich markierter Attraktivität praktisch nie Ziel von Umgarnung welcher Art auch immer war): Er besaß so viel Menschenkenntnis, dass er sofort erfasste, was mir schmeichelte – nämlich keinesweg “DuhassstjasoschöneAugen”, sondern dass er mich unter anderem um Einschätzungen und Meinungen zu Themen bat, die eigentlich seine Experise waren. Auch verstrickte (wir bleiben beim Garn) er mich in allerlei intellektuelle Diskussionen, die er als Vorwand zu Absonderung von der Gruppe in kuschlige Ecken nutzte. Erst da merkte ich, um welche Art von Manöver es sich handelte.1

§

Den Film mag ich, weil ich Filme mag, in denen ein Mann eine Frau nicht kriegt und traurig guckt, aber weiter macht

Herr Rau erinnert sich an Filmgeschichte:
“Nickelodeon (Peter Bogdanovich 1976) und Filme der 1970er Jahre”.

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Dank an @kid37 für den Hinweis: Herb Alpert ist nicht nur noch am Leben, sondern gibt mit 91 noch Konzerte! (GUT sieht er aus!)
“Herb Alpert & the Tijuana Brass Whip It Good at the Hollywood Bowl, Returning After 59 Years for a Great Sugar Rush of a Show: Concert Review”.

Definitv Sound meiner Kindheit.

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Ach, es gibt ja dann doch auch brauchbare Tradwives.

  1. Bei dieser Gelegenheit: Wer auch immer versucht mit mir zu flirten, sagt mir das besser gleich explizit. Ich merke sowas nicht und habe freundliche Menschen schon zu sehr brachialen Methoden gezwungen, bis ich endlich reagierte. Wenn ich’s weiß, spiele ich gerne mit! []

Journal Montag, 6. Juli 2026 – Arbeitssommermontag

Dienstag, 7. Juli 2026

Fünftägige Arbeitswoche 4 vor Urlaub.

Nicht so gute Nacht, weil kurz vor zwei von massivem Lärm vorm Schlafzimmerfenster geweckt: Aus der Straßensperre, die bereits lang vor unserem Einzug in dieses Haus 1999 und seither für zumindest Verkehrsruhe sorgte, wird mittelfristig eine beschrankte Durchfahrt. Während ich noch die Lärm-Auswirkungen dadurch fürchte (nächtliche Krankenwagen), sorgt bereits die Baustellen-Situation für Unruhe – zum Beispiel vergangene Nacht zum wiederholten Mal durch Radler*innen, die die Baustelle-Absperrungen ignorieren und dann ungeschickt reindonnern. Diesmal inklusive großem und lauten Hallo der offensichtlich mitradelnden Gruppe. Der ohnehin spätestens bei Berentung angepeilte Wohnungswechsel wird immer attraktiver.

Beim Blick in meine Mastodon-Timeline vom Tod des vermutlich berühmtesten Bäckers im Internet ohne eigenen Online-Auftritt erfahren – hochbetagt, doch natürlich dennoch ein schmerzlich betrauerter Vater.

Ein kühler Morgen nach nächtlichem Regen, ich marschierte durch angenehm nass-kühle Sommergerüche in die Arbeit, lieber in Turnschuhen statt Sandalen.

Keine schlimmen Attacken aus dem E-Mail-Postfach, aber ich bastelte immer noch an zwei Impedimenten bei Reiseabrechnungen: Ein Hotel liefert auch nach mehreren Anrufen, E-Mails, persönlichem Besuch keine Rechnung (behauptet aber das Gegenteil) – ich werde wohl nochmal hingehen und unangenehmer werden müssen. Dafür ergaben meine tieferen Recherchen zu Hindernis 2, dass es gar nicht existierte, ich kam in einem einzigen großen Sprung voran.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, dafür später eine Marschrunde um die Blöcke, Temperatur fast jackig. Doch das war nur der trügerische frische Wind: Sobald er abflaute, brannte jeder kleinste Sonnenstrahl.

Zu Mittag gab es Minigurke aus Ernteanteil, Flachpfirsiche, Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Etwas mühsamer Arbeitsnachmittag, ich war müde.

Auf dem Heimweg unter Wolken und in schwüler Luft ein paar Einkäufe. Ich freute mich den ganzen Tag schon auf eine Pilates-Folge, die mir vergangene Woche beim ersten Durchturnen besonders gut getan hatte: Meine obere Po-Muskulatur und die um die Lendenwirbelsäule fühlten sich völlig verkrampft an, ich erhoffte etwas Lockerung. Klappte dann auch ganz gut.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ernteanteil-Zucchini-Pasta, ebenfalls eine große Freude. Nachtisch Eiscreme und Schokolade. Früh (noch vor Fledermaus-Sichtbarkeit) ins Bett zum Lesen.

Journal Sonntag, 5. Juli 2026 – #WMDEDGT

Montag, 6. Juli 2026

Heute ist wieder der Ja-jetzt-ist-das-langweilig.-Aber-in-20-Jahren!-Tag der Tagebuchbloggerei: Frau Brüllen fragt “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? #WMDEDGT” und sammelt die Antworten, für Juli hier.

ENDLICH mal wieder richtig gut geschlafen, unterbrochen von nur einem Klogang um halb drei – und dann bis fast sieben durch.

Wieder ein sehr kühler Balkonkaffee, ich wärmte mich mit Strickjacke und anschließendem Ingwertee.

Das verunsicherte mich bei der Wahl meiner Kleidung für die Laufrunde an der Isar. Letztendlich verließ ich mich auf die wärmende Bewegung.

Das erwies sich schon beim Radeln zum Friedensengel als die richtige Entscheidung.

Loslaufen dann tatsächlich mit einem etwas mulmigen Gefühl, ob ich auch nicht wieder stolpern und stürzen würde (ich nenne das nicht Angst, Angst sind die Wellen und Strudel, die mich nachts wach halten). Ich versuchte dran zu denken, wirklich auf den Boden vor mir zu schauen und die Füße zu heben. Aber letztendlich konnte ich doch locker laufen, hatte Spaß und freute mich über meinen funktionierenden Körper.

Auf der Höhe Unterföhring spritzten mich ein paar Regentropfen an.

Das Gewitter vergangenen Montag hatte an den nördlichen Isarauen heftige Schäden hinterlassen: Viele mächtige Bäume lagen in Stücke zersägt am Wegesrand, ich sah die Bruchspuren oder wie hier im Wasser riesige abgebrochene Äste.

Biologiestunde mit der App Flora incognita gestern:

Nesselblättrige Glockenblume (bereits meine dritte Glockenblumen-Variante)

Jakobs-Greiskraut

Gewöhnliche Waldrebe

Gewöhnliches Leinkraut

Gewöhnlicher Dost

Immer wenn die Flora-incognita-Bestimmung das Attribut „gewöhnlich“ ergibt, raune ich der Pflanze zu: „Nichts an dir ist gewöhnlich, meine Schöne, du Juwel!“ Und halte ihr zum Beweis das Foto hin, das ich von ihr gemacht habe.

Daheim gründliche Körperpflege inklusive Bein-Peeling und Fußpflege, dann Zubereitung des Desserts fürs Abendessen (Schokoladenpudding mit darin geschmolzener Schokolade, untergehobene geschlagene Sahne würde daraus Schokoladenspeise ergeben), gegen zwei Uhr gab es zum Frühstück eine Körnersemmel mit Jamón serrano und eine halbe (reife!) Netzmelone.

Nachmittags war es mir für Lesen auf dem windigen Balkon tatsächlich zu frisch – ich las drinnen weiter, restliche Wochenendzeitung.

Ein Stündchen bügeln mit sehr interessanter Playlist von Freundin aus der Musik-Branche. Nach einem Telefonat mit meiner Mutter (alles in Ordnung) zog es mich nochmal auf eine Runde raus durch die Stadt, Schaufenster und Touristen gucken.

Daheim eine Einheit Yoga, zum Abendessen steuerte ich ein wenig Salat bei. Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil-Spitzkohl geviertelt und mariniert im Ofen gebacken, servierte ihn mit Hummus. Nachtisch Schokoladenspeise. Währenddessen regnete es heftig.

Früh ins Bett zum Lesen, als nächstes Florian Matzner (Hrsg.), Albert Coers – Straßen Namen Leuchten. Ein Denkmal für die Familie Mann (es ist schwer einzufangen, was der tatsächliche Titel des Buchs ist, meine innere Literaturwissenschaftlerin rudert mit beiden Armen, ich habe jetzt einfach diesen beschlossen).