Archiv für August 2026

Journal Mittwoch, 12. August 2026 – Brighton 12 mit Schwumm in den Sea Lanes, Brighton Museum und Köstlichkeiten im Flint House

Donnerstag, 13. August 2026

Ich lerne: Über einen längeren Zeitraum funktioniert der Automatismus Ich-in-Brighton -> Wohlbefinden, der ja prä-Brexit bis zu Luftschlössern in Form von Altersruhesitz hier geführt hatte, nicht. Auch hier holt mich irgendwann die Grund-Trübe ein (so lange war ich noch nie am Stück in Brighton); ich hoffe, dass ich den Automatismus damit nicht ganz kaputt gemacht habe.

So wachte ich unruhig und belastet auf. Draußen Elster-Geschrei, das sich sogar vor das der Möwen schob. Ein sehr frischer Morgen, Bloggen erstmal in Jacke (auch wenn für gestern bis zu 29 Grad angekündigt waren).

Wichtigstes Vorhaben des Tages: nochmal Schwimmen in den Sea Lanes. Der Pool öffnet sogar schon um 6 Uhr – ach, das wäre für heimische Lerchenschwümme toll. Doch gestern brach ich nach gemütlichem Morgen erst kurz vor zehn auf, freute mich bereits, dass ich diesen Plan wirklich echt ehrlich umsetzte.

Beim Eintrittskauf fragte mich die Angestellte, ob ich schon mal dagewesen sei und sucht dann in ihrem Computersystem nach meinem Namen (dass ich den als Nicht-Mitglied hatte hinterlegen müssen, wusste ich gar nicht mehr). Scherzhaftes Geplänkel, sie fragte sogar straight faced, ob ich Studentin sei.

Ab ins Wasser – ich merkte sofort, dass es wärmer war als im Oktober, sich für meine Verhältnisse lediglich kühl anfühlte. Sofort sprangen meine Streckenpläne nach oben. Die ersten tausend Meter waren ein absoluter Traum (wenig los auf der “Medium Lane”), auf den zweiten stieg das Frösteln, und dann schaffte ich doch nur noch weitere 500 Meter, selbst das bei immer heftigerem Frieren mit Zähnezusammenbeißen. Insgesamt aber eine große Freude, ich war den ganzen Tag davon beseelt.

Total beseeltes Nachher-Gesicht.

Was mir auffiel: Sea Lanes bietet “Visually Impaired Swim Sessions” an, also eine Stunde am Samstag speziell für Sehbehinderte, inklusive Betreuung und Shuttle Service vom zentralen Bushalt in Brighton – ein wunderbares Beispiel für die kulturellen Unterschiede beim Thema Behinderung/Inklusion zwischen UK und Deutschland. In Deutschland erlebe ich seit Jahrzehnten und bis heute bei jedem betroffenen Projekt, wie im besten Fall mit viel Augenrollen und Seufzen die wirklich unumgänglichen Vorschriften eingehalten werden – und fast mehr Energie in die Suche nach Schlupflöchern gesteckt wird. In UK wird traditionell und kulturell tief verwurzelt wirklich gewollt. (Siehe auch Reiz-arme Kinovorstellungen.) Wie jemand so treffend auf Mastodon erwähnte: In Großbritannien scheinen nicht mal die rechtsextremen Kräfte die aktive gesellschaftliche Integration von Behinderten zu hinterfragen.

Ich stellte mir kurz solch ein Angebot für Sehbehinderte im Münchner Dantebad vor. Das wäre derart noch nie dagewesen, dass man vermutlich eine riesige Kommunikationskampagne drumrum bauen müsste, damit es überhaupt geglaubt wird, ganz abgesehen von angenommen.

Wuschig im Hirn war ich auch ohne echten Kälteschock beim Schwimmen auf meinem halbstündigen Rückweg. Ich genoss die wärmende Sonne und ging ein paar Extraschleifen über Straßen, die ich noch nicht kannte.

Nochmal blauen Himmel über Madeira Terrace eingefangen.

Nochmal Royal Pavillon festgehalten.

In der Ferienwohnung Abstimmung mit Herr Kaltmamsell übers weitere Tagesprogramm (u.a. stellten wir fest, dass die Sonnenfinsternis am Abend uns nicht recht interessierte – wir haben beide die von 1999 sehr intensiv erlebt, die von 2013 war uns ebenfalls noch lebhaft in Erinnerung, allerdings vor allem das Licht, weniger die sich verdeckende Quelle). Ergebnis war eine Abendessen-Reservierung im Restaurant Flint House, in dem wir vor drei Jahren gut gegessen hatten, also frühstückte ich um halb zwei nur eine Mango mit Joghurt.

Für ein paar letzte Besorgungen gingen wir raus, und wo wir schonmal draußen waren zum Royal Pavillon. Rein gingen wir aber ins Brighton Museum & Art Gallery: Im Gegensatz zum Pavillon hatten wir uns darin noch nie umgesehen.

Die aktuelle Ausstellung “Passion Power & Protest” behandelte unter anderem genau die Fragen, die ich im British Museum vermisst hatte: Wer hat die Macht zu bestimmen, was in Museen als was gezeigt wird – und wie ist es dazu gekommen? Das auf sehr begrenzter Fläche und dadurch nur angerissen, mit nur wenigen Beispielen (die in meinen Augen manchmal etwas schräg dazu passten), doch das ist die eigentlich zeitgemäße Perspektive.

Zwei Gemälde mochte ich besonders:

Edwar Alexander Wadsworth, “Light Sections” (1940).

Das andere hing so weit oben, dass ich es nicht fotografieren konnte, hier der Link zu einer schlechten Reproduktion: James Reeve, “Bevis Hillier” (1971).

Andere Bereiche des Museums erzählten die Geschichte Brightons als Fischer- und Badeort, viel Raum wurde der Rolle der Stadt für die LGBTQ-Bewegung gegeben. So fand ich auch die interessanteste Vitrine der Kleidungs-Ausstellung im Obergeschoß die mit dem Thema „Queer Looks“ – viele sehr persönliche Exponate ganz konkreter Menschen.

Ausruhen in der Ferienwohnung, Koffer größtenteils gepackt. Während große Teile Europas und auch Großbritanniens der Sonnenfinsternis engegenfieberten, spazierten wir zum Abendessen im Flint House.

Wir ließen uns zu einem Innentisch im Obergeschoß bringen (dort hätte es auf einer Terrasse auch Außentische gegeben) und bestellten das Chef’s Menu (sharing plates) mit Weinbegleitung – das zu einem besonders köstlichen Abend führte.

Rote-Bete-Carpaccio mit gerösteten Saaten / Gepökelter Kabeljau, Ajo blanco, eingelegte Trauben (großartig) / Focaccia mit Trüffelbutter – dazu ein zitroniger Aperitif mit Kokosnote.

Zuckermais-Fritters mit Jalapeño-Ajoli, Schinken-Käse-Kroquetten mit Estragon-Majo – dazu ein ungarischer Rosé Souska.

Rechts gebratene Makrele mit Meerrettich-Crème-fraiche, eingelegter Gurke und Apfel (super), links gegrillte Salatherzen (toller Grillgeschmack) mit Cesar-Dressing und Röstzwiebeln, Wein dazu ein spanischer Verdejo aus La Mancha.

Gebackene Aubergine mit Tahini, Granatapfel, Ricotta Salata, Buchweizen (dem Teller hätte etwas Säure gut getan – vielleicht ein anderer Käse?), Lammschulter mit Erbsen-Minz-Puree (großartig), zwei Stücke frittieter Kartoffel-Gratin, dazu ein Montepulciano d’Abruzzo.

Auf den Süßwein zum Nachtisch verzichteten wir: Zwei Würfel Schokoladen-Haselnuss-Fudge, zudem gegrillte Pfirsiche mit Mascarpone, Honig, frischem Thymian (sehr schöne Kombi).

Währenddessen war das Licht draußen eine Weile sehr komisch geworden, wie ich es von Sonnenfinsternissen erinnerte. Heim spazierten wir aber in ganze normaler Abenddämmerung und warmer Luft (die an den Abenden vorher um diese Zeit bereits deutlich abgekühlter gewesen war).

Vor Schlafengehen noch ein wenig weiter gepackt. Wecker auf 05:20 Uhr.

Journal Dienstag, 11. August 2026 – Brighton 11 mit ersten Abschieden

Mittwoch, 12. August 2026

Letzter Lauf entlang dem Undercliff Walk, jetzt begann das Abschiednehmen. Da ich lang geschlafen hatte und fast Hitze angekündigt war, trank ich nur Morgenkaffee und lief dann gleich los.

MIT NEUER HANDWASSERFLASCHE. (Foto: Herr Kaltmamsell vom Fenster der Ferienwohnung aus)

Der Lauf wurde ein Geschenk, ein Genuss: Leichte Beine (auch wenn ich weiterhin daran denken muss, sie deutlich zu heben, um nicht zu stolpern), ein herrlich frischer Wind – der mich sogar nach dem Umkehren kühlte, nämlich in Form von Rückenwind. Die 350 ml Wasser in der mitgenommenen Flasche waren hoch willkommen, mehr brauche ich bei anderthalb Stunden mit Vor- und Nachtrinken aber nicht.

Endlich kam mir das Meer mal angemessen entgegen.

Gestern wurde auffallend viel unter Läufer*innen gegrüßt. Einmal signalisierte eine entgegenkommende mit Hund an der Leine mir lächelnd Daumen hoch, gegen Ende meines Laufs rief mir eine Läuferin sogar “Well done!” entgegen – beide Male war ich verunsichert, was der Auslöser gewesen sein mochte. Beim zweiten Mal vielleicht meine deutlich verschwitzte Kappe? Aber ich nehme ja alles.

Wie ich schon geahnt hatte, fehlte mir auch gestern die Lust auf ein Bad im Meer. Baden scheint leider seine Attraktion für mich verloren zu haben: Wenn Wasser, dann Schwimmen; einfach nur Nässe um mich herum reicht wohl nicht mehr. Und wenn mir heiß ist, suche ich nach kühlen, schattigen Innenräumen.

Zurück in der Ferienwohnung geduscht und gebloggt. Gestern hatte ich so richtig Appetit auf ein Full English Breakfast. Herr Kaltmamsell hatte bereits recherchiert, wo es das in Brighton (außerhalb von B&B/Hotel) noch gibt und war in auf das besonders bezaubernde Kitchen Café gestoßen: Es hat deutlich die Vibes der Cafés, wie sowohl Herr Kaltmamsell als auch ich sie in den frühen 1990ern in Großbritannien kennenlernten – ohne zu ahnen, dass es sich (anders zum Beispiel als bei bayerischen Biergärten) nicht um eine Konstante der hiesigen Kultur handelte, sondern um eine damals schon verschwindende Form. Und während ich den sogenannten Oma-Cafés bei uns nicht wirklich nachtrauere (Kännchen-Filterkaffee – ernsthaft?), mochte ich diese englischen Cafés mit Resopaltischen und abwaschbaren Wänden, mit Alu-Teekannen (plus nachgeschenktem heißen Wasser für einen zweiten Aufguss) und ausschließlich gebratenen Speisen.

Besonders gute Bratwurst mit Kräutern, gebratene Blutwurst, als Neuerung “Burger”, also ein sehr flaches Rinder-Fleischpflanzerl. Dazu gesüßten Tee mit Milch, die Welt war in Ordnung. Um uns herum aßen (sehr wahrscheinlich einheimische) ältere Männer zu Mittag: Braten mit Gemüse- und Kartoffelbeilage.

Wir plauderten mit der Dame, die unser Essen zubereitet hatte und servierte – und erfuhren unter anderem, dass sie viele Jahre auf der QE2 gearbeitet hat, also auf dem Ocean Liner der Reederei Cunard, mit dem Herr Kaltmamsell und ich 2003 von Southampton nach New York gefahren sind.

Abschied von North Laine, Stöbern in Läden. Dann zeigte ich Herrn Kaltmamsell den Teil von Kemptown, den ich vergangenes Jahr allein erkundet hatte – damit unsere Brighton-Kenntnisse wieder gleichauf waren.

Das Cabaret Theatre ist leider mittlerweile geschlossen, wie schade.

Wir waren durstig, nach einigem Spazieren kehrten wir ins Café des Sportzentrums am Strand ein, zu dem auch das Schwimmbad Sea Lanes gehört.

Ich probierte einen fancy sparkling Wasserkefir-Drink, schmeckte zumindest besser als Limo. Lesen und Ausruhen im Schatten, dann schafften wir auch die Sonnenstrecke zurück in die Stadt.

Waterstones steht immer noch auf unserer Brighton-Liste, die Filiale mit vier Stockwerken und ausgesuchten Werken gibt es auch immer noch. Ich sah mich vor allem bei den Regalen mit Science Fiction um – und fand tatsächlich zwei Romane, die sehr interessant ausssahen. Ganz früher hätte ich sie gleich gekauft, jetzt machte ich Fotos und setzte sie zurück in der Ferienwohnung auf meine Leseliste.

Heimisches Abendessen: Herr Kaltmamsell machte mit restlichen Paprika, Tomaten und mit Knoblauch sowie ein wenig übrigem Blauschimmelkäse ein Pasta-Gericht, dazu restliche Gurke – alles sehr schmackhaft. Nachtisch Feigen mit Joghurt, Süßigkeiten.

§

Maximilian Buddenbohm, der sonst täglich bloggt, meist ausführlich, hat das mit dem Nichtbloggen einige Wochen lang probiert. Und ich fürchte, seine Erfahrungen werden kein Buch mit dem Lob des digitalen Detox ergeben. Lesen Sie selbst:
“Von Vögeln und Pferden”.

Journal Montag, 10. August 2026 – Brighton 10 mit Ausflug nach Hastings

Dienstag, 11. August 2026

Erst am Sonntag habe ich gemerkt, dass die Nummerierung der Brighton-Aufenthaltstage dem August-Datum entspricht und ich nicht jedesmal beim vorherigen Post nachsehen muss, welche Nummer dran ist. Manchmal frage ich mich schon, wie ich je durchs Abitur kommen konnte.

Gestern schliefen wir beide besonders lang, wenn auch ich eher unruhig. Plan war ein Ausflug nach Hastings: Mehrmals die Stunde direkt mit dem Zug in einer Stunde erreichbar und klang interessant. Wieder war keinerlei unerträgliche Hitze angekündigt, die 25 Grad Tageshöchsttemperatur mit Sonne passten wunderbar.

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der Ausflug lohnte sich sehr, Hastings erwies sich als sympathischer und sehenswerter Ort.

Vormittags spazierten wir also rüber zum Bahnhof.

Diesmal fuhren wir von einem hölzernen Bahnsteig ab.

Ich las das Sunday Times Magazine vom Vortag, freute mich über diese Bildunterschrift. Der Artikel dazu (€) war ausgesprochen interessant: Wie es ist, wenn man nie nach seiner 51-jährigen Partnerschaft und Ehe mit der Liebe seines Lebens gefragt wird (Peter Schlesinger und Eric Boman), sondern nur nach seiner wenigjährigen Jugendliebe David Hockney, weil der halt ein Weltstar wurde. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass das Sunday Times Magazine mehrfach und schon sehr früh gemeinsame Projekte mit David Hockney gemacht hat.

Aber jetzt zu Hastings. Die Stadt liegt auf und zwischen zwei Hügeln, wir spazierten vom Bahnhof erstmal auf den mit der Burgruine (1070 William the Conquerer).

Ganz zur Ruine (die beiden Spitzen ganz oben auf dem Foto) allerdings nicht, weil das Eintritt gekostet hätte. Und eigentlich waren wir eh vor allem auf die Aussicht aus, um einen Überblick über die Stadt und Orientierung zu bekommen.

Gegenüber eine der beiden Standseilbahnen, die auf die Hügel führen.

Jetzt konnten wir mit ein wenig mehr Plan mäandern und gingen in die Old Town.

Ein bezauberndes winziges Programmkino – mit handgeschriebenem Programm auf der Tafel neben dem Eingang.

Sehr viele Antiquitätenläden, viele kleine Lokale. Von denen wir jetzt eines ansteuerten, weil wir Hunger hatten. Es wurde eine Cornish Bakery, und es gab klassische Cornish Pastys (Füllung Rindfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Steckrübe – ist inzwischen eine EU-geschützte Ursprungsbezeichung), sogar eine sehr gute. Die Pflaumen-Kirsch-Limo dazu war gut gegen Durst, aber Limo ist einfach nicht so meines.

Das Besondere an Hastings, hatten wir vorher angelesen, ist die Fischerei. Und dabei die Net Shops, in denen die Fischer früher mangels Fläche am Strand ihre Netze hängend trockneten.

Wir spazierten die Küste entlang, so weit es nach Westen ging.

Zurück bogen wir ins Fischereimuseum ab – eigentlich ohne große Hoffnung, mei, so ein lokales Amateurmuseum halt.

Eingangstür

Doch das wurde ein echtes Erlebnis: Ja, das Museum war voller Zeugs, aber neben dem zentralen Exponat, einem ganzen alten hölzernen Fischerboot, stellte es vor allem Menschen vor, Fischer aus Hastings nämlich – mit einer deutlich überdurchschnittlichen Quote an Originalen.

Und anhand dieses (wichtig: rund gestrickten) Fischerpullis wurden die Sprache der Muster erklärt und weitere Besonderheiten.

Fischerei war und ist Männersache, doch auch die Frage “What about the women?” hatte Platz. Ohnehin war an vielen Details nachvollziehbar, dass dieses Museum, eine ehemalige Kirche, das Zentrum der lokalen Community ist. Ich stellte mir ein bayerisches ländliches Heimatmuseum mit ähnlichem Schwerpunkt vor: Örtliche Landwirt*innen, Originale des Dorflebens, Exponate mit ganz persönlichem Bezug – das würde mich interessieren.

Als ich ihm das erzählte, regte Herr Kaltmamsell eine solche Abteilung fürs Münchner Stadtmuseum am: Aus den verschiedenen Stadtvierteln die besonderen Persönlichkeiten, die alle kennen, von denen viele eine Geschichte zu erzählen wissen, die für das Viertel Bedeutung haben – vorgestellt mit Foto-Portrait der einen oder anderen dieser Geschichten. Hausmeisterinnen, Pfarrer, Dönerladen-Betreiber, Grattler, Schulweg-Lotsinnen, Edeka-Kassierinnen. Zum Beispiel.

Den Rest der Seafront wollten wir aber auch noch sehen, darunter den Pier.

Irgendwer musste den ja mal machen.

Auch diesen Pier hatte ein Feuer erwischt und zerstört, 2010, man hatte ihn eher schlicht und funktional wiederaufgebaut.

Weitere Besonderheit in Hastings: eine zweigeschoßige Promenade.

Das schattige Unten war nach der vielen Sonne bis dahin sehr willkommen.

Eine extra zur Verfügung gestellte Schloss-Anbring-Gelegenheit.

Letzter Blick auf die Burg, wir spazierten zurück zum Bahnhof.

In Brighton Einkäufe: Ich holte mir bei Decathlon die Laufwasserflasche (nur eine Nachfrage beim Personal nötig), Foto gibt’s morgen. Und wir besorgten Lebensmittel unter anderem fürs Abendbrot.

Zu diesem hatte ich um eine Schüssel Salat gebeten, ich bin schwer untersalatiert. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit, etwas bei einem chinesischen Imbiss zu holen, dessen Hühnchen-Angebote abgefahren aussahen.

Es gab also grünen Salat mit Gurke, Tomate, roter Paprika (klassische Vinaigrette mit Zitronensaft) und panierte, frittierte Hühnermägen (Herr Kaltmamsell, der dafür rausgegangen war, hatte zudem japanische Bällchen mit Calamri mitgebracht.

Nachtisch: Golden Sponge Puddings aus der Kühltheke/Mikrowelle (seit ich die vor über 30 Jahren in England entdeckte, liebe ich diesen warmen, gedämpften Rührkuchen mit Sauce), frische kleine grüne Feigen vom türkischen Obsthändler. (Und nur wenig Schokolade.)

§

Die Wetteraussichten laut Wetter Online:

Brighton:

München:

Ich würde gerne bis nächsten Montag hier bleiben.

§

Jetzt aber echt ehrlich und zum Einmerken: Es wird wieder eine Bloglesung geben, am Samstag, 24. Oktober, um 19 Uhr im Müncher Boxwerk, Schwindstr. 14.
Line-up: Initiatorin und Organisatorin Frau Klugscheißer, außerdem Novemberregen, aus Berlin Mequito, aus Haltern Vanessa Giese und ich.

Journal Sonntag, 9. August 2026 – Brighton 9 mit Lauf-Schatten und nochmal Sunday Roast

Montag, 10. August 2026

Für gestern waren rapide steigende Temperaturen angekündigt, also ging ich vernünftig (nach Morgenkaffee) erst Laufen, bevor ich den Vortag verbloggte. Der Lohn für Start um 8:20 Uhr: Grad noch so okaye Temperatur, vor allem aber ein paar Mal mehrere Meter echter Schatten.

Die Karussels schliefen noch.

Schatten unterm riesigen Feigenbaum am Anfang des Undercliff Walks.

Klippenschatten

Steinschlagzaunschatten

Badehüttenschatten

Umkehren hinter Rottingdean.

Es waren bereits zahlreiche Jogger*innen unterwegs (Radler*innen kamen erst am Ende, meist in Ausflugsgruppen); wie schon in den Jahren zuvor fielen mir ihre Plastikwasserflaschen in Ringform auf, in die man so praktisch reingreifen kann, hier ein Beispiel. Nachdem ich viele Jahre lang mit einem Fotoapparat in der Hand gelaufen bin, stelle ich mir so eine Flasche auch nicht hinderlicher vor. (Im Sommer tränke ich gerne unterwegs Wasser, doch Trinkflaschengürtel wackelten mir zu sehr, und extra einen Rucksack mit Wasserbeuteln will ich mir nicht umschnallen.)

Den Rückweg nach Laufende legte ich so, dass ich für Herrn Kaltmamsell Sonntagszeitungen besorgen konnte (neben der bestellten Sunday Times nahm ich noch den Sunday Telegraph mit). Plan war eigentlich anschließendes Bad im Meer gewesen. Doch auf dem Weg vom Supermarkt zur Ferienwohnung, langsam und in rapide zunehmender Hitze immer Schatten suchend, musste ich mir gestehen: Ich mochte nicht. Sehr nicht. Erstmal wollte ich nicht mehr raus.

Also ausführliches Duschen und Pflegen, die Wohnung kühlend abgedunkelt.

Herr Kaltmamsell wünschte sich nochmal Sunday Roast, hatte im angepeilten Pub Lion & Lobster aber nur noch für 15 Uhr eine Reservierung bekommen. Dann wurde halt so lange gehungert, Appetit hatte ich eh keinen.

Beim Verlassen der Wohnung die Überraschung: Es hatte abgekühlt, statt wie erwartet immer wärmer zu werden. (Sage ich doch: völlig neue Wettererfahrungen hier.)

Im Pub wurden wir aber nach oben ins Restaurant geschickt, also kein richtiger Pub Sunday Roast.

Ich war neugierig auf das vegetarische Angebot: Veggie wellington (scheint derzeit der vegetarische Standard zu sein).

Schmeckte herrlich gemüsig-linsig. Dazu ein Pint Lager Shandy (Radler). Herr Kaltmamsell hatte Porcetta und Cider. Ich überredete ihn noch zu einem Sticky Toffee Pudding als Nachtisch – als Vergleich zu seinem.

Anschließendes Bummeln, unter anderem im Einkaufszentrum am Churchill Square (viel Leerstand). In einem Sportbekleidungsladen fragte ich nach der Wasserflasche oben: Sie führten gar keine, auf Nachfrage schickte man mich zum örtlichen Decathlon. Da der gerade am Schließen war, komme ich wieder.

Diese Netz-Ballerinas aus allen möglichen Materialien sehe ich hier auffallend häufig an den Füßen eher junger Frauen (kannte sie bereits aus instagram-Werbung und in München sehr vereinzelt auch getragen). Ebenfalls auffallend häufig: Permanent clothing, im Sommer naturgemäß sichtbarer als in angezogeneren Jahreszeiten, bis hin zu schlicht komplett schwarz tätowierten Armen und Beinen, Männer auch mal inklusive Kopf tintenbekleidet.

Gechillter Restsonntag mit Lesen, mühevolles Buchen der nächsten Bahnreise im August zu Freunden in der “(Sieg)”-Gegend.

Abends hatte ich nochmal richtig Hunger, aß Skyr und Joghurt mit Nektarinen, ein Stück Käse, Süßigkeiten.

§

Nils Minkmar fällt in seinem aktuellen Newsletter ein schöner Vergleich ein für die politische Tatenlosigkeit angesichts der derzeit nicht zu übersehenden Auswirkungen der Klimakatastrophe:
“Nichts in Ordnung”.

Journal Samstag, 8. August 2026 – Brighton 8 mit Southdowns-Wanderung und Ginger Pig

Sonntag, 9. August 2026

Ein weiteres Mal gut und lang geschlafen (nur einmal Klogang), davon verspreche ich mir am meisten Erholung in diesem Urlaub. Wieder zu ausgesprochen frischer Luft aufgestanden.

Tagesplan war eine Wanderung in den Southdowns, davor Wäschewaschen, abends feines Essen im örtlichen Restaurant Ginger Pig – für das wir bei den vorherigen Versuchen nie einen Tisch bekommen hatten.

Herr Kaltmamsell hatte aus dem von vieler Nutzung bereits zerfledderten Wanderbüchl, das unsere Southdowns-Wanderungen inspiriert hatte, die Strecke vorgeschlagen, die meiner (höchst unzuverlässigen) Erinnerung nach vor gut 20 Jahren unsere allererste gewesen ist: Von Falmer über Stanmer, ein Stück Southdowns Way bis Ditchling Beacon und die Runde zurück. Das machten wir.

Das kurze Stück rauf nach Falmer ließen wir uns vom Zug bringen, Bus hätte es auch gegeben. Dort wollte sich Herr Kaltmamsell erstmal umsehen: In Falmer liegt die University of Sussex – nicht zu verwechseln mit der University of Brighton -, in der er 1990/91 sein Auslandsstudienjahr verbracht hatte. Natürlich hatte sich viel verändert, unter anderem hat jetzt auch die University of Brighton in Falmer Gebäude, allerdings auf der anderen Seite der Bahnlinie. Aber Herr Kaltmamsell erkannte Vieles wieder.

Alumnus mit Alma Mater.
“Red Brick” University ernst genommen.

Jetzt wanderten wir rüber nach Stanmer durch Stanmer Park – wie auch den Rest des Tages in perfektem Wanderwetter mit Sonne, frischem Wind, keinerlei Hitze. Und ich merkte schnell, wie gut mir Wandern tut, auf einer richtigen Wanderstrecke mit Auf und Ab, Aussichten und Abwechslung.

In Stanmer, einem hübschen und touristisch gut erschlossenen Örtchen, nutzten wir die Gelegenheit für Mittagscappuccino.

Das mittlere Drittel der Strecke führte den Southdowns Way entlang – und erinnerte mich an meine Wanderung vergangenen September, als das die (geistig) eher ermüdenden Abschnitte waren.

Ab Ditchling Beacon wurden die Ansichten und Aussichten wieder reizvoller.

Die Brombeerbüsche hingen voller reifer Früchte, nach zwei Stunden hatte ich auch Appetit darauf.

Auf einem kruden Bankerl (lehnenlose Holzplatte) mit dieser Aussicht machten wir nach zweieinhalb Stunden Brotzeitpause, ich aß gemischte Röstnüsse und eine Nektarine.

Nach gut dreieinhalb Stunden Wanderung erreichten wir den Bahnhof von Falmer, wo wenige Minuten später ein Zug nach Brighton eintraf.

Bei Rückkehr in die Ferienwohnung trank ich erstmal ein großes Glas Wasser – und sah beim Schuhe-Ausziehen, wie dreckig ich auf der Wanderung geworden war. Also zog ich das Frischmachen fürs abendliche Ausgehen vor, duschte und zog mich um – seltener Fall von Ganzkörper-Einseifen.

Gemütlicher Lesenachmittag, bis wir uns auf den längeren Fußweg raus nach Hove und zum Abendessen machten.

Im Ginger Pig verbrachten wir einen schönen Abend mit angenehmen Speisen und Getränken.

Aperitif ein Kirsch-Manhattan und ein Yuzu-Wodka-Drink, beide sehr gut.

Vorspeisen: Für mich eine Schnitte Panisse mit Babaghanoush, Tahini, Chillis (schon gut, nur schmeckte ich leider nichts vom Panisse), Herr Kaltmamsell hatte eine ausgezeichnet abgeschmeckte Makrelen-Paté.

Als Wein wählte ich aus der interessanten Karte mit vielen glasweisen Angeboten einen ungarischen Furmint (die Rebsorte habe ich mehrfach im Münchner Broeding getrunken):

Voll und kräftig, leicht animalisch und mineralisch, ein guter Begleiter.

Hauptspeisen: Für mich Meerbrasse (wunderbar) mit gebratenen Trauben und Gnocchi (letztere hätten für meinen Geschmack lieber frisch gekochte Frühkartoffeln sein dürfen), für Herrn Kaltmamsell ein Pie mit Füllung aus Pökelschwein und Räucherkäse, er schmeckte ihm sehr gut.

Als Dessert teilten wir uns eine frisch gemachte Tarte tatin.

Satt und angetrunken schlenderten wir durch die warme Samstagnacht und viel Ausgeh-Volk auf den Straßen, in der Außengastronomie und in den Lokalen die Dreiviertelstunde zurück in die Ferienwohnung.

Journal Freitag, 7. August 2026 – Brighton 7 mit zweimal Undercliff Walk

Samstag, 8. August 2026

Ich mache hier völlig neue Wettererfahrungen. Die 17 Grad am Morgen waren bei aller Sonnigkeit durchs offene Fenster sehr frisch, bei angekündigten 22 Grad Tagesspitze sah ich keinen Anlass, meine Laufrunde vorzuziehen. (Nur vorübergehende Frische in Südengland, ab Samstag sind auch hier steigende Tageshöchstwerte abgekündigt.)

Doch als ich dann auf der Strandpromenade lostrabte, prügelte die Sonne ausgesprochen unangenehm auf mich ein (Sie erinnern sich: kein Schatten, überhaupt keiner), da half auch die fehlende Hitze nicht. Ich sah bereits ein eisernes Duchhalten statt Laufvergnügen auf mich zukommen. Doch als ich wie geplant nach 45 Minuten umdrehte, lief ich überraschenderweise gegen wunderbaren frischen Wind, der auch noch geradezu gesund nach Seeluft roch – jetzt hatte ich wirklich Spaß.

An der Seafront gibt es ein paar Ecken, die fürs Sporttreiben ausgelegt sind, ich hatte dort bereits Yogis in Aktion gesehen. Diesmal brachte meine Wahrnehmung aus den Augenwinkeln mich zum Umdrehen: Ich wollte wissen, was das war.

Vergessen Sie Rückbildungsgymnastik, hier gibt‘s “Press Ups + Prams”! Am Strand!

Auf dem Rückweg hoch zur Ferienwohnung erledigte ich noch die nötigsten Lebensmitteleinkäufe. Plan des Tages war ein Spaziergang mit Herrn Kaltmamsell den Undercliff Walk entlang; ich hatte nichts gegen ein zweites Mal, Spazier-Tempo bewirkt erfahrungsgemäß ganz andere Eindrücke als Jogging-Tempo, außerdem hoffte ich auf bis dahin etwas gestiegene Flut.

Bis dahin pressierte es uns überhaupt nicht. Herr Kaltmamsell hatte bereits die Maschine Wäsche versorgt, die ich morgens eingeschaltet hatte, jetzt lasen wir so vor uns hin. Gegen halb zwei hatte ich endlich Frühstücks-Appetit, es gab eine Tomate sowie Skyr und Joghurt mit Trauben.

Mit Herrn Kaltmamsell suchte ich neue Wege hinunter ans Meer.

Das Royal Albion, durch einen Brand im Juli 2023 fast zerstört, steht immer noch vor einer unklaren Zukunft.

Die Sea Lanes sahen mich schon sehr verlockend an, ich hoffe auf eine nochmalige Gelegenheit zur Beschwimmung.

Wir spazierten also einen Teil des kürzlich eröffneten King Charles III England Coast Path, hier wohl nicht das malerischste Stück.

Das wurde ein sehr schöner Spaziergang: Sonne nicht schlimm, frischer Wind, der vor allem durch und durch nach salziger Meeresbrise roch.

Abschließendes Einkehren im Pub in Rottingdean:

Ein Pint Best Bitter für Herrn Kaltmamsell, ich hatte nach Langem mal wieder Lust auf Cider. Und er schmeckte mir ganz besonders gut. Blöderweise machte er auch betrunken: Nach dem ersten Drittel des Glases war ich sicher, dass ich ein weiteres Pint davon wollte, nach dem ganzen Glas war ich mir nicht sicher, ob ich noch geradeaus laufen konnte. Nebenwirkung des Pints Bitter bei Herrn Kaltmamsell: Er wollte JETZT fish’n chips.

Praktischerweise war der Chippy gegenüber vom Pub geöffnet, man frittierte ganz frisch für ihn. Damit setzten wir uns mit Meerblick in die Sonne; mein Job war es, Herrn Kaltmamsell beim Essen die diebischen Möwen vom Leib zu halten. Was ich mit Untertützung begeisterter Kinder erfolgreich erledigte.

Zurück nach Brighton ließen wir uns von einem Bus fahren.

Meer, dass sich in Busfenster vor Stoppelfeld spiegelt.

Abendessen in der Ferienwohnung: Herr Kaltmamsell erwärmte einen gekaufte Pie mit Wildfleisch-Bier-Füllung, den wir uns teilten, ich aß noch reichlich Käse, rote Paprika, Brot, Trauben. Nachtisch wieder gemeinsam:

Trifle aus dem Supermarkt, gut! Und Süßigkeiten.

Fernsehbildung gestern: Herr Kaltmamsell blieb bei BBC2 an “Gardeners World” hängen (das kam unerwartet). Aber ich lernte eine Menge an dieser Folge,1 zum Beispiel, dass Blumenerde englisch “compost” heißt. Und dann kam eine Doku über die Schrebergarten-Kolonie (allotment community) in Birmingham von Einwanderern aus Punjab (die junge Nachkommin erklärte, dass sich hier besonders viele Sikh von dort angesiedelt hätten, weil es Arbeit in den Gießereien gab): Es wurde vorgestellt, dass sie dort Gemüse und Kräuter aus ihrer Heimat anbauen (sofern mit dem englischen Klima kompatibel) und wie sich die Community organisiert.

  1. Für nicht UK-Steuerzahlende wahrscheinlich gesperrt. []

Journal Donnerstag, 6. August 2026 – Brighton 6 mit Wanderung nach Worthing und Food for friends

Freitag, 7. August 2026

Lang geschlafen, das war schön.

Das Programm für gestern: Brightons Nachbarstadt Worthing kennenlernen, und da ich gesehen hatte, dass es dorthin nur 16 Kilometer sind, es sogar einen ausgeschilderten Wanderweg “England Coast Path” gibt, gingen wir zu Fuß.

Der Tag begann ausgesprochen frisch, ich bloggte mit Jacke. Doch die angekündigten Sonne und Wolken bei 21 Grad Höchsttemperatur versprachen ideales Wanderwetter, wir starteten fröhlich um zehn mit der ersten Teilstrecke hinunter ans Meer, ich trug auch hier gegen die Frische unter 20 Grad Jeansjacke. Unsere Recherchen hatten bereits ergeben, dass wir ein gutes Stück stark befahrene Straßen entlang gehen würden – egal, Abenteuer.

Und so wurden das auch vier anregende Stunden Wanderung – ja, darunter eine Stunde durch das Hafenindustrieviertel von Shoreham und seine Hauptstraße entlang, aber hey, alles anders als bei uns in Bayern. Danach gingen wir noch anderser, nämlich einen Uferweg vorbei an wunderbar vielfältigen Ferienhäusern und Strandhütten. Wir blickten immer wieder hinter uns, und schnell war klar, warum diese Wanderung im Web fast ausschließlich in die Gegenrichtung Worthing-Brighton auftaucht: Dabei hat man die ganze Zeit das malerische Brighton und die markanten Kreidefelsen der Küste östlich davon im Blick, inklusive Seven Sisters.

Startfoto muss immer der West Pier sein.

Hove.

Auch Industrieviertel bieten Fotomotive.

Am Ende der Hafenanlage von Shoreham-by-Sea führte der Fußweg über zahlreiche Schleusen.

An einem Trockendock vorbei.

Das lange Stück die Straße entlang endete an einer viel genutzten Fußgängerbrücke zum Kiesstrand:

Selfie Time! (Ich vermisse meine Sonnenbrille sehr, und weil fehlsichtig, kann ich mir nicht einfach eine kaufen.)

Nach gut zwei Stunden machten wir Pause auf einem Bankerl, ich aß ein paar Aprikosen.

An einem Eiswagen holte sich Herr Kaltmamsell ein 99 Flake – seit Jahren Gegenstand von Diskussionen über steigende Preise, in der Juli-Hitzewelle berichtete die Daily Mail von 6 Pfund für ein Softeis mit kleinem Schokoriegel. Herr Kaltmamsell kam mit 3,50 Pfund noch gut weg.

Ankunft in Worthing nach vier Stunden, andere Städte haben auch Amusement Piers! Dieser hier sogar besonders gut gepflegt.

Blick zurück nach Brighton.

Jetzt brauchte ich aber doch etwas zu essen. In den hübschen Sträßchen von Worthing setzten wir uns kurz vor drei in ein Café.

Vor mir ein ausgezeichneter Mushroom Melt, in der weichen Käseschicht aromatische Senfkörner.

Zurück nach Brighton nahmen wir einen Bummelzug, der uns mit einer Vielzahl von Zwischenhalten überraschte – die Strecke kam uns viel länger vor als zu Fuß.

Ausruhen und lesen in der Ferienwohnung, bis wir uns fürs Abendessen fertig machten: Ich hatte in unserem Lieblingsrestaurant Food for friends reserviert.

Wir aßen wieder sehr gut, gestern gab es nur ein Durcheinander im Service – wir vermuteten Personalknappheit (Vorspeisen serviert vor dem Aperitif, lange Wartezeiten, Dessert-Karte angeboten vor dem Hauptgang, andere Gäste mussten Besteck von Nebentischen mopsen, weil sie zum nächsten Gang keines bekamen). Da wir sonst alles unverändert vorfanden, inklusive der Freundlichkeit, war das sicher eine Ausnahme.

Vorspeisen: Herr Kaltmamsell hatte Preserved Lemon Butterbeans (mit einer Salzzitronen-Pinien-Sauce), ich gegrillte Feigen auf Ziegenfrischkäse und Sauerteigtoast, zwischen uns der Favorit knuspirger Tofu mit einem sensationellen Dip. Dazu trank Herr Kaltmamsell einen Cocktail mit Rum, Campari, Ananassaft, ich hatte einen Sussex Spritz, der sich nur durch Ingwer von unserem Hugo unterschied.

Hauptspeisen zu einem Glas leichten italienischen Chardonnay: Bei Herrn Kaltmamsell gefüllt Champignons mit Kartoffelgratin und Brokkoli, ich hatte einen Auberginen-Parmigiana.

Als Nachtisch Ananas-Tarte-tatin gegenüber, für mich baskischer Käsekuchen mit Pistaziensauce.

Und trotz der Wartezeiten wurde uns nicht langweilig: Von unserem Fensterplatz aus sahen wir reichlich Menschen in immer abendlicherem Outfit.

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In Brighton spazierte ich dieser Tage an einer Frau vorbei, die einen Kinderwagen schob, darin ein Kind von ungefähr einem Jahr. Das Besondere: Diese Frau interagierte intensiv mit dem Kind, das zu ihr gerichtet in dem Wagen saß. Sie sang ihm ein Lied vor, animierte es zum Mitsingen, stellte ihm Fragen (in normalem, interessierten Tonfall, nicht in singender Mit-kleinen-Kindern-sprech-Stimme), erklärte ihm Dinge. Das war für mich so ungewohnt, dass mir nur einfiel: Muss eine Kinderbetreuerin sein, die sowas von Berufs wegen macht, eine Nanny. Denn ich kenne Kinderschiebfrauen, die ich für Mütter des geschobenen Kindes halte, nur entweder schweigend in Gedanken versunken, oder meistens telefonierend respektive bei anderer Beschäftigung mit ihrem Handy.

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Es weist alles darauf hin, dass es nach 20 Jahren nochmal eine Bloglesung in München geben wird:
“It Ain’t Over Till it’s Over”.

Also dann: 24. Oktober im Münchner Boxwerk.
(Gerüchte besagen, dass Frau Klugscheißer diese Cyd-Charisse-Nummer nachtanzen wird – WENN sie genug sangesfreudige Boxer zusammenkriegt.)