Archiv für August 2026

Journal Montag, 17. August 2026 – Spaghetti Carborizo

Dienstag, 18. August 2026

Wieder nicht genug Schlaf: Nach sehr frühem Schlaf wie Stein – ich war vor lauter Müdigkeit ins Bett nur noch getorkelt – gab es ein langes, langes Loch nach Mitternacht, ausgelöst von Gebrüll im Nußbaumpark (Ohrstöpsel schon seit Monaten wieder Standardausrüstung).

Der angekündigte Temperatursturz mit Gewittern war ausgeblieben, ich setzte mich in schwüle Luft auf meinen Balkonkaffee.

Oktoberfestaufbau aktuell.

Schwül auch der Arbeitsweg, mit dem vollen Rucksack (Arbeitslaptop, sonstiges Material) traf ich gut feucht geschwitzt an meinem Arbeitsplatz ein.

Superemsiges, aber geordnetes Abarbeiten, erleichtert durch viele leere Büros. Mittagscappuccino zwischen zwei Terminen aus der Cafeteria, diesmal sogar besonders gut.

Mittags hurtig per U-Bahn in die Innenstadt, um mir in einer Arztpraxis ein Rezept ausstellen zu lassen. JETZT gab es endlich Regen und Gewitter – aber ich Füchsin hatte einen Schirm eingesteckt. Das Beste: Der Regen hielt sogar eine Weile an, mehrere Stunden!

Zu Mittag gab es selbstgebackenes Brot sowie Nektarinen.

Nachmittags suchte ich zweimal die Gelegenheit rauszukommen: Tiefe Atemzüge in der herrlichen Regenluft.

Meine Treppenfitness hatte nicht unter der zweiwöchigen Pause gelitten.

Zu Feierabend hatte der Regen aufgehört, die Sonne kam heraus. Ich ging über Einkäufe beim Drogeriemarkt und bei Lidl nach Hause. Dort eine halbe Stunde Yoga, anstrengend und wohltuend.

Highlight des Tages Abendessen.
Wir wissen ja: Sprache schafft Wirklichkeit. Im Englandurlaub war mir das Gericht namens Spaghetti Carborizo eingefallen, also Spaghetti Carbonara, aber mit Chorizo statt Guanciale. Da wollte ich es aber auch mal essen, und Herr Kaltmamsell bekam den Auftrag zur Umsetzung. Den erfüllte er gestern.

Ja, kann man sehr gut machen. Zur Verstärkung des Geschmacks (und für ein bisschen mehr Schärfe) holten wir uns nach dem Foto noch Chorizo-Öl, das beim Braten ausgetreten war – besser!

Als Dessert hatte Herr Kaltmamsell Eton Mess nach Anregung des Restaurants St. John in London gemacht: in die Sahne Frischkäse gemischt (was, wie er bei der Recherche nach dem Mischungsverhältnis herausgefunden hatte, in UK eh gerade ein Trend ist). Guter Nachtisch, aber Herr Kaltmamsell steht möglicherweise vor einer längeren Testreihe Sahne-Frischkäse.
Dann noch Fruchtgummi und Schokolade.

Im Fernseher ließen wir den vielgerühmten deutschen Spielfilm Der Buchspazierer laufen, und ich stolperte bei aller Amelie-Märchenhaftig- und -niedlichkeit über die Realitätsferne des Buchladens (eigentlich ein Antiquariat, das kollidiert aber mit der Handlung) und des Buchverkaufens – was meine Rezeption völlig dominierte. Wie so oft wunderte ich mich über diese künstlerische Entscheidung, weil die Wirklichkeit doch viel interessantere Noten geliefert hätte als diese Verzerrung.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Mir scheint es praxis- und lösungsorientiert, alle politischen Maßnahmen auf Klimaschutz abzuklopfen und auf Linderung von Folgen der Klimakatastrophe, aber mir fallen sofort ganz konkrete Menschen ein, die diese meine Haltung “ideologisch” nennen würden. Obwohl Leute, die solche Einschätzungen beruflich machen, mir beipflichten. Frau Büüsker fasst in ihrem aktuellen Newsletter zusammen:
“Klimasommer 2026 – Und jetzt?”

Obwohl der Nutzen von naturbasierten Lösungen aber vielfach wissenschaftlich klar belegt ist: Sie in ein auf Gewinnmaximierung orientiertes System zu intergieren ist schwierig, weil sich diesen Lösungen kein konkreter Geldwert zuschreiben lässt.

Journal Sonntag, 16. August 2026 – Hoffentlich Abschied von der Brüllhitze und von Ferien

Montag, 17. August 2026

Nachts will ich eigentlich nicht so viel erleben: Fenster auf, weil es von Draußen endlich kühl kommt / Türen der Wohnung lieber zu, weil Wind aufkommt / Klo 1, 2, 3 / Aufwachen von Gebrüll im Nußbaumpark. Ein halbwegs durchschlafene Nacht würde dem Spiel gut tun.

Früh aufgestanden zu bedecktem Himmel, meine ersten Handgriffe galten dem Brotbacken. Blumengießen, Kaffeekochen, Balkonkaffee, Ibu 600 gegen Zahn-/Gesichtsschmerzen (wirkte überraschend schnell, war wohl die genau richtige Dosis). Schlechter Schlaf und Schmerzen am Kopf sind in meinem Assoziationsnetz weiterhin eng mit Verkaterung verdrahtet, ich musste mich immer wieder aktiv daran erinnern, dass ich am Vortag und -abend keinerlei Alkohol getrunken hatte.

Ärger über einen ungegebetenen Gesundheisttipp einer random Blogleserin per E-Mail nach dem üblichen Muster: Irgendeine random Ärztin wurde zitiert mit vagem Bezug zu meinen Beschwerden. Erntshaftes Grübeln: Warum und wozu schreibt mir jemand sowas? Sind das diese parasozialen Beziehungen, die ihr ein Verhältnis zu mir wie zu einer vertrauten Kollegin vorgaukeln, bei deren Gesundheitsbeschwerden man in der Bürotür einfach daherplappert? Zumindest musste ich die Mail nicht ganz lesen – im Gegensatz zu früheren Kommentaren hier im Blog.

Plan war eine Schwimmrunde im Dantebad, Aufbruch nach Brotfertigstellung. Da wieder deutlich über 30 Grad angekündigt waren, ließ ich das Fahrrad lieber im Keller und nahm die wohltemperierte U-Bahn raus zum Westfriedhof (mit Umsteigen in Gern: Ferienzeit ist Baustellenzeit).

Unter weiterhin bedecktem Himmel war auf den Schwimmbahnen überraschend viel los, und nicht alle erwiesen sich als freundlich. Doch ich genoss das Schwimmen, kraulte so gedankenverloren, dass mich mehrfach das Bahn-Ende überraschte. Also legte ich gleich mal 200 Meter auf meine 3.000 drauf. Gegen Ende riss der Himmel auf und ließ die Sonne durch. Ich merkte, dass ich in den vergangenen beiden Wochen wirklich genug Sonnenschein abbekommen und keinerlei Lust auf ein Bad darin hatte. Also gleich gründliches Duschen und Pflegen.

Rückweg mit Spaziergang bis Gern, U-Bahn zum Sendlinger Tor; das Apothekenthermometer zeigte im Schatten 33 Grad an. Aber gestern sollte ja der Tag des Umschwungs ins Kühle sein.

Balkon-Situation: Herr Kaltmamsell setzte ein Parmigiana-Rezept um, das ich ihm geschickt hatte (€) und in dem die Auberginenscheiben vor dem Braten in der Sommersonne angetrocknet werden. Da er gestern seine Eltern besuchte, übernahm das Wenden ich.

Frühstück kurz vor zwei: frischgebackenes Brot mit
– Butter
– Butter und Orangenmarmelade
– Butter und Zuckerrübensirup (bei diesen Temperaturen für meinen Geschmack zu dünnflüssig)

Auch gestern probierte ich Siesta, diesmal klappte sie eine halbe Stunde lang.

In der Hoffnung auf Verbesserung des Nachtschlafs auf den Arbeitsmontag fuhr ich den Arbeitsrechner hoch und checkte meine Mails. Keine wirklich bösen Überraschungen, aber deutliche Erinnerung, wie viel schöner Urlaub ist als Arbeiten.

Um wenigstens unbelastet von Bügelwäsche in die Arbeitswoche zu starten, machte ich klar Schiff und genoss Musik auf den Ohren.

Ich freute mich wieder auf Yoga, musste das aber etwas verschieben, weil mein Kreislauf eigene Pläne hatte und mich zweimal durchs ganze Programm mit Schwindel, Schweißausbruch, Frieren schubste.

Rechtzeitig zum Abendessen war ich wieder wohlauf.

Diese Parmigiana mit Sonnenbrand schmeckte ganz hervorragend, dank des verwendeten Scamorza sogar nach Schinken.

Anschließend lud ich Herrn Kaltmamsell zum Dessert auf einen Eisbecher beim benachbarten Eisdieler ein – doch der hatte geschlossen, erklärungslos. War gestern wieder ein wichtiges Fußballspiel (meine Wissens ein valider Grund für ihn, vorzeitig zu schließen)? Also gab es daheim wieder Schokolade.

Aufräumen für den Putzmann und für die Arbeitswoche. Tiefer Seufzer.

Journal Samstag, 15. August 2026 – Mariä Einschulung im Familienkreis

Sonntag, 16. August 2026

Ich möchte bittegerne wieder den guten Nachtschlaf aus Brighton, nicht dieses halbgare Mittelschlafen mit Unterbrechungen und Dankbarkeit für das Ende der Nacht. Den ganzen Tag fühlte ich mich benommen – und das wo ich mich so auf die Einladung bei der Familie meines Bruders samt meinen Eltern freute.

Die dritte Maschine Wäsche aufgehängt, jetzt war ich vorerst mit allem durch.

Sehr frischer Morgen, doch am Tag wurde es wieder deutlich über 30 Grad heiß. Schon auf dem Weg zum Zug nach Ingolstadt suchten wir den Schatten.

Kranballett über weggem Münchner Hauptbahnhof.

Die Holledau überraschte uns beim Durchfahren mit saftigem Grün.

Der Hopfen sah gut aus, der Mais stand hoch mit großen Kolben. Das fiel uns vor allem im Vergleich mit den ausgedorrten Landschaften auf, die wir in Südengland durchwandert und durchfahren hatten.

Beim Spaziergang vom Bahnhof Ingolstadt Audi nach Etting zur Einladung kurz vor dem Mittagsläuten von Sankt Michael war es in der Sonne bereits ausgesprochen unangenehm – und die Strecke ist fast schattenlos.

Anlass der Einladung (nicht dass es dafür Anlässe bräuchte) war die Rückkehr aller aus Urlaub: Jetzt erzählten wir einander davon. Am meisten interessierte der Spanienurlaub der Nifften und meines Bruders bei unserer kastilischen Familie auf dem Land mit vielen Details.

Unter anderem die übliche Abfolge großer festlicher Familienmahlzeiten, bei denen sich vor der eigentlich angekündigten Hauptmahlzeit (z.B. Paella) bereits der Tisch unter Vorspeisen biegt. Vor diesem Hintergrund kündigte mein Bruder an, dass gegrillt werde – und servierte spanische Vorspeisen von frisch zubereiteter Tortilla über Oliven und Fischkonserven bis besonders feinem mitgebrachtem Käse mit Trüffel.

Irgendwann zogen wir an den Tisch unter dem mächtigen Walnussbaum (und mehreren Sonnenschirmen) im Garten um, weil tatsächlich gegrillt wurde. Es gab vom Grill Lammkoteletts, Schweinefilet, Schweinerippchen, Rinderrippchen, Pimientos de padrón, Auberginen, Zucchini, Tomaten, Fladenbrot, dazu Salate.

Und wir spielten ein wenig “Klimakatastrophe ganz persönlich”:
– Hitzewelle verkürzt Münchenurlaub, weil sie jede Energie nimmt.
– Waldbrände in näherer Sichtweite am Gardasee erschweren Entspannung.
– Warum man wirklich, wirklich keinen Kontakt mit Blaualgen will.
– Müde landwirtschaftliche Verwandtschaft in Kastilien, die wegen Funken- und dadurch Brandgefahr zwischen 12 und 20 Uhr die Felder nicht bearbeiten darf – und auf die Zeiten dazwischen ausweichen muss.

Abschließendes Verteilen der Mitgebsel der kastilischen Familie: Selbst angebaut Knoblauch und Kichererbsen (letztere mit der Empfehlung, sie bis zum Gebrauch einzufrieren), selbst gebackener Kuchen, außerdem Schokolade und Wurstwaren. Viel wichtiger noch: Vorlesen des dazu geschriebenen Briefleins an meinen Vater.

Zur Rückfahrt ließen wir uns in der über 30 Grad prügelnden Hitze von meinen Eltern mit dem Auto bringen, nur wenig verspätet kamen wir mit vielen anderen am Starnberger Flügelbahnhof in München an. Langsam schoben wir uns durch das Baustellen-bedingte Gedränge an den Bahnsteigen zum nördlichen Bahnhofsviertel – ich bin schon sehr gespannt, wie sich die bereits jetzt immer wieder gefährlichen Zustände zur Oktoberfestzeit entwickeln, wenn die sich drängenden Menschen auch noch stark alkoholisiert sind (das Alkoholverbot am Bahnhof wird sich ja wohl nicht auf den Alkoholgehalt im Blut beziehen?).

Daheim turnten alle Yoga (nacheinander, weil nur eine Matte) – wie ich dieses Durchdehnen vor allem der Beinrückseite vermisst hatte! Ich hatte sogar noch Abendessensappetit: Gurke aus Schwägerins Garten (in dem wegen der Dürre seit einer ganzen Weile nur noch Nutzpflanzen gegossen werden), Skyr mit Joghurt, kastilischer Kuchen, Schokolade.

Doof: Seit Freitag habe ich wieder diese merkwürdigen Zahnschmerzen (alle neurologischen Untersuchungen o.B.), die ja nichts mit Zähnen zu tun haben, diesmal mit Schwerpunkt rechts oben und sich über die rechte Gesichtshälfte erstreckend. Ibu 400 kamen bereits an ihre Grenzen, ich werde wohl wieder auf die 600er hochschrauben müssen.

Journal Freitag, 14. August 2026 – Letzter Urlaubstag auf Hitze eingestellt

Samstag, 15. August 2026

Schlechte Nacht, obwohl bald durch die offenen Fenster richtig kühle Luft hereinkam, die mich sogar zu einer Decke greifen ließ. Beim Aufwachen war die Temperatur in meinem Schlafzimmer auf wenig über 23 Grad gesunken.

Langes Ausschlafen hätte mir eh nicht in die Pläne gepasst. Erstmal versorgte ich die Pflanzen, die meine Mutter beim Wohnungshüten gepflegt und gepäppelt hatte. Dann Heimkommschritt mit Balkonkaffee.

So früh wie ohne Hetzen möglich wollte ich die Morgenfrische für einen Lauf nutzen, die wahrscheinlich letzte Gelegenheit für die nächsten beiden Wochen.

Laufen endlich wieder mit Sonnenbrille! (Liebe Tippgeber*innen für Alternativen: Wenn ich das Haus verlasse, habe ich genau drei Dinge IMMER dabei, nämlich Brille – auf der Nase, zählt eigentlich als Kleidung – , Hausschlüssel, Handy. An alles andere muss ich aktiv denken und es einstecken, also auch an Aufsätze oder Überzieher. Da kann ich gradsogut an die Sonnenbrille selbst denken.)

Ich nahm die Strecke Mehr-Netto-vom-Brutto in der Schattenversion: ab Haustür über den Alten Südfriedhof, Westermühlbach entlang unter der Kapuzinerstraße durch, Isarufer über Flaucher nach Thalkirchen. Und weil jedes Bisschen Sonne unangenehm war, lief ich ebenso schattig zurück. Zunächst waren meine Beine schwer, und meine Lungen vermissten die Seeluft. Doch nach einer Weile mit Konzentration auf Füßeheben kam ich doch in den ersehnten Fluss und genoss die Bewegung. Außerdem gab’s reichlich Schatten (im Gegensatz zu der Strecke im nördlichen Englischen Garten entlang der Isar, deren relative Schattenarmut mich an heißen Hochsommertagen schon mehrfach überraschte).

Schatten zwischen Wittelsbacher- und Brudermühlbrücke.

Schatten kurz vorm Flaucher.

Kein Schatten auf dem Flauchersteg.

Niedrigststand der Isar von Maria Einsiedel aus.

Schatten beim Tierpark Hellabrunn.

Dieses Grün! Dieses Blau! Ich merke, dass ich bereits wieder Farben sammle für den fahlen Winter.

Schatten am Westermühlbach.

Unterwegs begegneten mir auffallend viele Läufer*innen mit der Hautfarbe, die ich vor allem an den Nackerten auf den Isarbänken kenne, Tönung überwürztes Branthendl. Habe ich die Hautkrebs-Olympiade verpassst?

(Schnell aus der Hüfte geschossen, ich wollte den Herrn nicht bei der Arbeit stören.)
Auf dem Alten Südfriedhof mal wieder etwas gelernt. Weil es gerade restauriert wurde, fiel mein Blick auf das Grabmal links mit der Aufschrift “GRABSTAETTE DER CHURPFALZ BAIRISHEN EDELKNABEN” (SIC!).
Die was? Recherche zurück daheim ergab, dass es sich um Edelknaben der königlich bayerischen Pagerie handelte, und dazu finden sich Informationen bei Wikipedia (tl;dr Kadettenanstalt für Adelige).

Im Nußbaumpark wird der erhebliche Polizeidruck fortgeführt, wie schon vor unserer Reise. Auch beim gestrigen Kreuzen sah ich eine Leibes-Durchsuchung. Offensichtlich setzt die Stadtpolitik also tatsächlich auf Verdrängung, wie sie schon am Hauptbahnhof und im Alten Botanischen Garten umgesetzt wurde – mit dem Ergebnis, dass die elenden Gestalten von dort sich zu den bereits vorhandenen im Nußbaumpark gesellten. Weil sie sich bei allem Polizeidruck einfach nicht in Luft auflösten. Jetzt steigt die Spannung, wo sie sich nach erfolgreicher Verdrängung sammeln werden. Am Gollierplatz sehe ich erste Anzeichen.

Kurz nach Mittag hatte ich einen Friseurtermin. Vor zwei Wochen war ich versucht gewesen ihn abzusagen, weil mir die Haare noch kurz genug vorkamen. Doch dann merkte ich, dass mir allein die Menge Fell auf dem Kopf zu viel wurde. Und es war tatsächlich ganz erstaunlich, wie viel Zeug beim Schnitt von kurz auf ganz kurz abfiel.

Ich war ganz besonders zufrieden.

Auf dem Rückweg mit Lebensmitteleinkäufen im Alnatura zeigte das Apothekenthermometer um halb drei 32 Grad im Schatten an.

Frühstück kurz vor drei: Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, darin zwei Birnen (gibt’s schon aus Italien). Aha, ist also auch weiterhin die Speise, auf die ich gegen Hungerbauchweh bei Appetitlosigkeit am meisten Lust habe.

Danach war ich sehr müde, beschloss also eine Siesta – ausnahmsweise zur korrekten Jahreszeit bei korrektem Wetter zur korrekten Zeit. Und konnte dann nicht schlafen, meia.

Gammeln und Lesen in der gut temperierten Wohnung, Start eines neuen Yoga-Programms: mal wieder “Move” mit Adriene.

Herr Kaltmamsell hatte den Tag mit vielen Einkäufen verbracht. Zum Nachtmahl servierte er Farinata gewürzt mit gebratenen Zwiebeln und Thymian, ich schnitt ein paar Tomaten dazu auf. Wein dazu ein österreichischer Rosé Zorra von den Nittnaus. Und dann hatte er extra mir zuliebe frischen Zuckermais gejagt und im Ofen gegrillt: Mich hatte arg geschmerzt, dass wir den raren (weil im Anbau unerwartet anstrengenden) Zuckermais im Ernteanteil verpasst hatten. Begeistert nagte ich zwei Kolben ab. Und verbrachte dann viel Zeit mit Zahnseide.
Nachtisch Honigmelone, Schokolade.

Abendunterhaltung: Auf Phoenix erwischten wir eine dreiteilige Doku von 2023 über die Neue Deutsche Welle. Mit Herrn Kaltmamsell glich ich Erinnerungen ab, lernte aber auch Neues vor allem über die ostdeutsche Seite der NDW, die ich als Zeitzeugin natürlich nicht selbst mitbekommen hatte.

Beim Zu-Bett-Gehen kurz vor elf hatte es draußen gerade mal genug abgekühlt, dass wir die Fenster öffnen konnten.

Journal Donnerstag, 13. August 2026 – Ganztägige Heimreise

Freitag, 14. August 2026

Abschied von Brighton im Morgengold.

Um 6:39 Uhr ging unser Pendlerzug (= teuerster Tarif, fast 64 Pfund einfach für zwei Personen) nach London St. Pancras International. Wir waren beide müde, der sehr lange Zug füllte sich schnell.

Erste Male: Ein junger Prediger beschallte die vielen Pendler*innen einige Minuten lang, wurde von allen ignoriert. (Nix Besonderes, die üblichen Floskeln mit Jesus Christus und “ich habe selbst!”. Ich hoffe, er kriegt von seinem Gott trotzdem Punkte dafür.) Ich legte mir gegen seine schmerzhaft laute Stimme irgendwann sanfte Musik auf die Ohren.

In London St Pancras wimmelte der Eurostar-Bereich hinterm Check-in vor Reisenden und Gepäck, Bewunderung für das Personal hinter der kleinen Pret-a-Manger-Theke, das alle Kaffee-Suchenden versorgte – energisch und konzentriert, hinter ihrem scheinbaren Durcheinander steckt offensichtlich System.

Die Fahrt unterm Channel durch nutzte ich für Bloggen, Bildbearbeitung, mühsames Hochladen über die löchrige Internetverbindung (passt schon – dass es 100 Meter unterm Meeresspiegel überhaupt eine gab, war das große Wunder). Pünktliche Ankunft in Paris, im Ankunftsbahnhof Gare du nord 12:49 Uhr Ortszeit. Jetzt mussten wir zweieinhalb Stunden bis zur Weiterfahrt überbrücken, das taten wir mit einer Runde in diesem Bahnhof und einem weiteren Kaffee.

Zehn Minuten zu Fuß zu Gare de l’Est – in unbarmherzig prügelnder Sonne, ein Apothekenthermometer zeigte 37 Grad im Schatten an, willkommen zurück in Kontinental-Europa.

Auch diesen Bahnhof spazierten wir ab und fanden heraus, dass im gemauerten Gebäude spürbare Grade weniger herrschten als in der Glas-überdachten Bahnhofshalle. Jetzt hatte ich richtig Hunger, kaufte dagegen ein Camembert-Baguette und ein Pain au chocolat – das ganz hervorragend war: Ich freute mich sehr, dass Verfügbarkeit und mein Appetit endlich mal aufeinander trafen.

Paris Gare de l’Est.

Super: Im Bahnhof gab es einen Trinkwasserbrunnen. Ich schlage hiermit vor: EU-weite Trinkwasserbrunnenpflicht einführen, mindestens in öffentlichen Gebäuden (z.B. Bahnhöfen) und ab einer zu ermittelnden Menschendichte (z.B. in Innenstädten, bei Veranstaltungen).

Aber Nerven-beschädigend: Da stand eines dieser öffentlichen Klaviere, keine 10 Meter von unserem (einem der wenigen) Sitzplatz entfernt, und es wurde durchgehend bespielt – durchaus professionell, aber in der Halligkeit der Halle schepperte und dröhnte es, vor allem die zu Marmelade gerührten Töne der linken Hand. Anderthalb Stunden konnte ich das lesend verdrängen, dann musste ich sehr plötzlich weg von diesem Lärm.
(Womit ich mal wieder die miesmachende Ausnahme war: Viele Reisende sammelten sich extra an diesem Klavier um zuzuhören, nach jedem Stück gab es deutlichen Applaus.)

Endlich erschien der Abfahrts-Bahnsteig unseres ICEs auf der Anzeige, wir konnten ins wunderbar Kühle. Abfahrt pünktlich, Verspätungen unterwegs allerdings bereits angekündigt (Baustelle).

Steigende Verspätung auf der Fahrt mit Umsteigen in Mannheim – schwerwiegender aber die Verspätung des Anschlusszuges von Mannheim nach München. Ich war mir nicht sicher, ob damit die die Zugbindung unseres Sparpreises aufgehoben war (galt das Teilstück als nationale Reise – erwartbare Verspätung am Zielort von mindestens 20 Minuten – oder das Gesamtticket als internationale Reise – erwartbare Verspätung am Zielort von mindestens 60 Minuten?), doch vor allem wollten wir nicht erst um halb elf in München sein.

Also nahmen wir einen anderen Zug, der uns laut aktueller Anzeige um 21:40 Uhr nach München bringen sollte. Notfalls zahlten wir halt nochmal. Der Bahnhsteig in Mannheim verdrosch uns bei den 15 Minuten Warten mit der aktuellen Hitzewelle, ich hatte sie überhaupt nicht vermisst.

Bei der Fahrkartenkontrolle erklärte ich entschuldigend die Lage, doch Frau Zugchefin ließ mich gar nicht ganz ausreden: “Des baschd.” Und wollte dann nur noch unsere Bahncards sehen.

Ich bekam Hunger, vorausschauend hatte ich dagegen eine restliche Packung gemischte geröstete Nüssen eingesteckt; die aß ich jetzt. Zu Lesen hatte ich immer noch genug dabei, aber nach mehr als 14 Stunden Fahrt erlahmte dann doch meine Konzentrationsfähigkeit.

So viel früher wurde unsere Ankunft nicht, auch dieser ICE sammelte immer mehr Verspätung. Ankunft in München kurz nach zehn.

Die Draußenluft hatte bereits angenehm abgekühlt, doch beim Öffnen unserer Wohnungstür schlug uns Wärme entgegen: Hier hatte es 27 Grad. Also riss ich erstmal alle Fenster auf, sogar die ganz großen, die sonst nie geöffnet werden.

Später ins Bett als geplant, weil ich dann doch alles auspackte – allerdings nicht aus Räum-Bedürfnis, sondern weil mir irgendwann auf dem letzten Abschnitt der Rückfahrt auffiel, dass ich keine Ahnung hatte, wo mein Hausschlüssel war (im Bund mit Briefkasten-, Fahrradkeller-, Fahrrad- und Kellerschlossschlüssel). Ich erinnerte mich vage, dass ich ihn beim Auspacken in der Ferienwohnung wie üblich an einem sicheren Platz in meinen Sachen verstaut hatte, doch nicht mehr an den Platz. Also nahm ich jetzt beim Auspacken alles sorgfältig auseinander – anders als eine Wohnung (das Haus verliert nix) ist Gepäck ja übersichtlich. Doch zu meiner Bestürzung fand ich den Schlüsselbund nicht. Ich ging im Kopf bereits die bürokratischen Schritte eines Ersatzes durch, checkte das Krams-Körbchen neben der Wohnungstür auf den Ersatz-Fahrradschlüssel – und neben diesem Körbchen lag er dann, mein Schlüsselbund, an genau dem Platz, an dem ich ihn immer beim Heimkommen ablege. Offensichtlich hatte ich ihn gar nicht erst mitgenommen, erinnerte mich jetzt ebenso vage wie beim vorherigen Szenario an einen Entschluss in letzter Minute beim Verlassen des Hauses zum Bahnhof.

Große Erleichterung, aber die Aufregung wollte sich erstmal nicht legen.

§

im SZ-Magazin ein hochinteressantes und ausführliches Gespräch von Johanna Adorján mit der Ausnahme-Musikerin Anne-Sophie Mutter, vor allem über ihre Begabung und wie die ihr Leben geformt hat (€):
“Haben Sie das absolute Gehör? – Natürlich”.

Mutter kommt in diesem Interview in all ihrer Ungewöhlichkeit überraschend bodenständig rüber – reflektiert und im Frieden damit, dass sie halt sehr anders ist, dass sie eins ist mit ihrer Kunst.

Sind Sie wegen der Steuerersparnis nach Monaco gezogen?
Ja. Um die erste Stradivari finanzieren zu können. Fünf Jahre war Monte Carlo mein Hauptwohnsitz. Dann bin ich brav wieder zurück nach Deutschland gezogen, wegen meines Mannes.

(…)

Wenn Sie heute Aufnahmen hören von sich als…
Tu ich nicht. Wozu? Nee, keine Zeit.

Und ich schätze Interviewerin Johanna Adorján auch für Fragen, deren Antworten sie manchmal nicht gut aussehen lassen.

§

Oha – auf der Bahnstrecke, die uns am Montag nach Hastings gebracht hatte, ist gestern Nachmittag ein Zug entgleist (wir haben echt ehrlich nix kaputt gemacht!):
“Passagierzug im Südosten Englands entgleist”.

Journal Mittwoch, 12. August 2026 – Brighton 12 mit Schwumm in den Sea Lanes, Brighton Museum und Köstlichkeiten im Flint House

Donnerstag, 13. August 2026

Ich lerne: Über einen längeren Zeitraum funktioniert der Automatismus Ich-in-Brighton -> Wohlbefinden, der ja prä-Brexit bis zu Luftschlössern in Form von Altersruhesitz hier geführt hatte, nicht. Auch hier holt mich irgendwann die Grund-Trübe ein (so lange war ich noch nie am Stück in Brighton); ich hoffe, dass ich den Automatismus damit nicht ganz kaputt gemacht habe.

So wachte ich unruhig und belastet auf. Draußen Elster-Geschrei, das sich sogar vor das der Möwen schob. Ein sehr frischer Morgen, Bloggen erstmal in Jacke (auch wenn für gestern bis zu 29 Grad angekündigt waren).

Wichtigstes Vorhaben des Tages: nochmal Schwimmen in den Sea Lanes. Der Pool öffnet sogar schon um 6 Uhr – ach, das wäre für heimische Lerchenschwümme toll. Doch gestern brach ich nach gemütlichem Morgen erst kurz vor zehn auf, freute mich bereits, dass ich diesen Plan wirklich echt ehrlich umsetzte.

Beim Eintrittskauf fragte mich die Angestellte, ob ich schon mal dagewesen sei und sucht dann in ihrem Computersystem nach meinem Namen (dass ich den als Nicht-Mitglied hatte hinterlegen müssen, wusste ich gar nicht mehr). Scherzhaftes Geplänkel, sie fragte sogar straight faced, ob ich Studentin sei.

Ab ins Wasser – ich merkte sofort, dass es wärmer war als im Oktober, sich für meine Verhältnisse lediglich kühl anfühlte. Sofort sprangen meine Streckenpläne nach oben. Die ersten tausend Meter waren ein absoluter Traum (wenig los auf der “Medium Lane”), auf den zweiten stieg das Frösteln, und dann schaffte ich doch nur noch weitere 500 Meter, selbst das bei immer heftigerem Frieren mit Zähnezusammenbeißen. Insgesamt aber eine große Freude, ich war den ganzen Tag davon beseelt.

Total beseeltes Nachher-Gesicht.

Was mir auffiel: Sea Lanes bietet “Visually Impaired Swim Sessions” an, also eine Stunde am Samstag speziell für Sehbehinderte, inklusive Betreuung und Shuttle Service vom zentralen Bushalt in Brighton – ein wunderbares Beispiel für die kulturellen Unterschiede beim Thema Behinderung/Inklusion zwischen UK und Deutschland. In Deutschland erlebe ich seit Jahrzehnten und bis heute bei jedem betroffenen Projekt, wie im besten Fall mit viel Augenrollen und Seufzen die wirklich unumgänglichen Vorschriften eingehalten werden – und fast mehr Energie in die Suche nach Schlupflöchern gesteckt wird. In UK wird traditionell und kulturell tief verwurzelt wirklich gewollt. (Siehe auch Reiz-arme Kinovorstellungen.) Wie jemand so treffend auf Mastodon erwähnte: In Großbritannien scheinen nicht mal die rechtsextremen Kräfte die aktive gesellschaftliche Integration von Behinderten zu hinterfragen.

Ich stellte mir kurz solch ein Angebot für Sehbehinderte im Münchner Dantebad vor. Das wäre derart noch nie dagewesen, dass man vermutlich eine riesige Kommunikationskampagne drumrum bauen müsste, damit es überhaupt geglaubt wird, ganz abgesehen von angenommen.

Wuschig im Hirn war ich auch ohne echten Kälteschock beim Schwimmen auf meinem halbstündigen Rückweg. Ich genoss die wärmende Sonne und ging ein paar Extraschleifen über Straßen, die ich noch nicht kannte.

Nochmal blauen Himmel über Madeira Terrace eingefangen.

Nochmal Royal Pavillon festgehalten.

In der Ferienwohnung Abstimmung mit Herr Kaltmamsell übers weitere Tagesprogramm (u.a. stellten wir fest, dass die Sonnenfinsternis am Abend uns nicht recht interessierte – wir haben beide die von 1999 sehr intensiv erlebt, die von 2013 war uns ebenfalls noch lebhaft in Erinnerung, allerdings vor allem das Licht, weniger die sich verdeckende Quelle). Ergebnis war eine Abendessen-Reservierung im Restaurant Flint House, in dem wir vor drei Jahren gut gegessen hatten, also frühstückte ich um halb zwei nur eine Mango mit Joghurt.

Für ein paar letzte Besorgungen gingen wir raus, und wo wir schonmal draußen waren zum Royal Pavillon. Rein gingen wir aber ins Brighton Museum & Art Gallery: Im Gegensatz zum Pavillon hatten wir uns darin noch nie umgesehen.

Die aktuelle Ausstellung “Passion Power & Protest” behandelte unter anderem genau die Fragen, die ich im British Museum vermisst hatte: Wer hat die Macht zu bestimmen, was in Museen als was gezeigt wird – und wie ist es dazu gekommen? Das auf sehr begrenzter Fläche und dadurch nur angerissen, mit nur wenigen Beispielen (die in meinen Augen manchmal etwas schräg dazu passten), doch das ist die eigentlich zeitgemäße Perspektive.

Zwei Gemälde mochte ich besonders:

Edwar Alexander Wadsworth, “Light Sections” (1940).

Das andere hing so weit oben, dass ich es nicht fotografieren konnte, hier der Link zu einer schlechten Reproduktion: James Reeve, “Bevis Hillier” (1971).

Andere Bereiche des Museums erzählten die Geschichte Brightons als Fischer- und Badeort, viel Raum wurde der Rolle der Stadt für die LGBTQ-Bewegung gegeben. So fand ich auch die interessanteste Vitrine der Kleidungs-Ausstellung im Obergeschoß die mit dem Thema „Queer Looks“ – viele sehr persönliche Exponate ganz konkreter Menschen.

Ausruhen in der Ferienwohnung, Koffer größtenteils gepackt. Während große Teile Europas und auch Großbritanniens der Sonnenfinsternis engegenfieberten, spazierten wir zum Abendessen im Flint House.

Wir ließen uns zu einem Innentisch im Obergeschoß bringen (dort hätte es auf einer Terrasse auch Außentische gegeben) und bestellten das Chef’s Menu (sharing plates) mit Weinbegleitung – das zu einem besonders köstlichen Abend führte.

Rote-Bete-Carpaccio mit gerösteten Saaten / Gepökelter Kabeljau, Ajo blanco, eingelegte Trauben (großartig) / Focaccia mit Trüffelbutter – dazu ein zitroniger Aperitif mit Kokosnote.

Zuckermais-Fritters mit Jalapeño-Ajoli, Schinken-Käse-Kroquetten mit Estragon-Majo – dazu ein ungarischer Rosé Souska.

Rechts gebratene Makrele mit Meerrettich-Crème-fraiche, eingelegter Gurke und Apfel (super), links gegrillte Salatherzen (toller Grillgeschmack) mit Cesar-Dressing und Röstzwiebeln, Wein dazu ein spanischer Verdejo aus La Mancha.

Gebackene Aubergine mit Tahini, Granatapfel, Ricotta Salata, Buchweizen (dem Teller hätte etwas Säure gut getan – vielleicht ein anderer Käse?), Lammschulter mit Erbsen-Minz-Puree (großartig), zwei Stücke frittieter Kartoffel-Gratin, dazu ein Montepulciano d’Abruzzo.

Auf den Süßwein zum Nachtisch verzichteten wir: Zwei Würfel Schokoladen-Haselnuss-Fudge, zudem gegrillte Pfirsiche mit Mascarpone, Honig, frischem Thymian (sehr schöne Kombi).

Währenddessen war das Licht draußen eine Weile sehr komisch geworden, wie ich es von Sonnenfinsternissen erinnerte. Heim spazierten wir aber in ganze normaler Abenddämmerung und warmer Luft (die an den Abenden vorher um diese Zeit bereits deutlich abgekühlter gewesen war).

Vor Schlafengehen noch ein wenig weiter gepackt. Wecker auf 05:20 Uhr.

Journal Dienstag, 11. August 2026 – Brighton 11 mit ersten Abschieden

Mittwoch, 12. August 2026

Letzter Lauf entlang dem Undercliff Walk, jetzt begann das Abschiednehmen. Da ich lang geschlafen hatte und fast Hitze angekündigt war, trank ich nur Morgenkaffee und lief dann gleich los.

MIT NEUER HANDWASSERFLASCHE. (Foto: Herr Kaltmamsell vom Fenster der Ferienwohnung aus)

Der Lauf wurde ein Geschenk, ein Genuss: Leichte Beine (auch wenn ich weiterhin daran denken muss, sie deutlich zu heben, um nicht zu stolpern), ein herrlich frischer Wind – der mich sogar nach dem Umkehren kühlte, nämlich in Form von Rückenwind. Die 350 ml Wasser in der mitgenommenen Flasche waren hoch willkommen, mehr brauche ich bei anderthalb Stunden mit Vor- und Nachtrinken aber nicht.

Endlich kam mir das Meer mal angemessen entgegen.

Gestern wurde auffallend viel unter Läufer*innen gegrüßt. Einmal signalisierte eine entgegenkommende mit Hund an der Leine mir lächelnd Daumen hoch, gegen Ende meines Laufs rief mir eine Läuferin sogar “Well done!” entgegen – beide Male war ich verunsichert, was der Auslöser gewesen sein mochte. Beim zweiten Mal vielleicht meine deutlich verschwitzte Kappe? Aber ich nehme ja alles.

Wie ich schon geahnt hatte, fehlte mir auch gestern die Lust auf ein Bad im Meer. Baden scheint leider seine Attraktion für mich verloren zu haben: Wenn Wasser, dann Schwimmen; einfach nur Nässe um mich herum reicht wohl nicht mehr. Und wenn mir heiß ist, suche ich nach kühlen, schattigen Innenräumen.

Zurück in der Ferienwohnung geduscht und gebloggt. Gestern hatte ich so richtig Appetit auf ein Full English Breakfast. Herr Kaltmamsell hatte bereits recherchiert, wo es das in Brighton (außerhalb von B&B/Hotel) noch gibt und war in auf das besonders bezaubernde Kitchen Café gestoßen: Es hat deutlich die Vibes der Cafés, wie sowohl Herr Kaltmamsell als auch ich sie in den frühen 1990ern in Großbritannien kennenlernten – ohne zu ahnen, dass es sich (anders zum Beispiel als bei bayerischen Biergärten) nicht um eine Konstante der hiesigen Kultur handelte, sondern um eine damals schon verschwindende Form. Und während ich den sogenannten Oma-Cafés bei uns nicht wirklich nachtrauere (Kännchen-Filterkaffee – ernsthaft?), mochte ich diese englischen Cafés mit Resopaltischen und abwaschbaren Wänden, mit Alu-Teekannen (plus nachgeschenktem heißen Wasser für einen zweiten Aufguss) und ausschließlich gebratenen Speisen.

Besonders gute Bratwurst mit Kräutern, gebratene Blutwurst, als Neuerung “Burger”, also ein sehr flaches Rinder-Fleischpflanzerl. Dazu gesüßten Tee mit Milch, die Welt war in Ordnung. Um uns herum aßen (sehr wahrscheinlich einheimische) ältere Männer zu Mittag: Braten mit Gemüse- und Kartoffelbeilage.

Wir plauderten mit der Dame, die unser Essen zubereitet hatte und servierte – und erfuhren unter anderem, dass sie viele Jahre auf der QE2 gearbeitet hat, also auf dem Ocean Liner der Reederei Cunard, mit dem Herr Kaltmamsell und ich 2003 von Southampton nach New York gefahren sind.

Abschied von North Laine, Stöbern in Läden. Dann zeigte ich Herrn Kaltmamsell den Teil von Kemptown, den ich vergangenes Jahr allein erkundet hatte – damit unsere Brighton-Kenntnisse wieder gleichauf waren.

Das Cabaret Theatre ist leider mittlerweile geschlossen, wie schade.

Wir waren durstig, nach einigem Spazieren kehrten wir ins Café des Sportzentrums am Strand ein, zu dem auch das Schwimmbad Sea Lanes gehört.

Ich probierte einen fancy sparkling Wasserkefir-Drink, schmeckte zumindest besser als Limo. Lesen und Ausruhen im Schatten, dann schafften wir auch die Sonnenstrecke zurück in die Stadt.

Waterstones steht immer noch auf unserer Brighton-Liste, die Filiale mit vier Stockwerken und ausgesuchten Werken gibt es auch immer noch. Ich sah mich vor allem bei den Regalen mit Science Fiction um – und fand tatsächlich zwei Romane, die sehr interessant ausssahen. Ganz früher hätte ich sie gleich gekauft, jetzt machte ich Fotos und setzte sie zurück in der Ferienwohnung auf meine Leseliste.

Heimisches Abendessen: Herr Kaltmamsell machte mit restlichen Paprika, Tomaten und mit Knoblauch sowie ein wenig übrigem Blauschimmelkäse ein Pasta-Gericht, dazu restliche Gurke – alles sehr schmackhaft. Nachtisch Feigen mit Joghurt, Süßigkeiten.

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Maximilian Buddenbohm, der sonst täglich bloggt, meist ausführlich, hat das mit dem Nichtbloggen einige Wochen lang probiert. Und ich fürchte, seine Erfahrungen werden kein Buch mit dem Lob des digitalen Detox ergeben. Lesen Sie selbst:
“Von Vögeln und Pferden”.