Archiv für August 2026

Journal Montag, 24. August 2026 – Aber Lerchenschwumm

Dienstag, 25. August 2026

Nach guter Nacht (ich fürchte, Ohrstöpsel plus geschlossene Fenster sind mittlerweile Voraussetzung für Ruhe) etwas früherer Wecker: Schwimmpläne vor der Arbeit. Allerdings fühlte ich mich überraschend müde.

Doch Schwimmen im Dantebad war so glorios wie erhofft: Die Sonne stieg am wolkenlosen Himmel langsam über das Wirtschaftsgebäude (Thermometer über Sprudelschnecke hatte bei Schwimmstart 16 Grad angezeigt) und verglitzerte immer größere Teile des Beckens, die Bahnen wurden zunächst mittelrege genutzt, auf den letzten 1.000 meiner 3.000 Meter hatte sich selbst dieser Verkehr gelichtet. Ich schwamm leicht und flüssig, verließ das Wasser hoch erfrischt. Gut gelaunte Körperpflege, nahtlos passende U-Bahnen verhalfen mir zu einem Einstempeln um 09:22 Uhr.

Im Büro erstmal alles bis dahin angefallene weggewirbelt. Dann Längerfristiges geordnet angegangen – Schwimmbeseeltheit führte zum Gefühl: So lange ich noch nicht mit Kolleg*innen gesprochen habe, ist das Wochenende noch nicht ganz vorbei. Was leider geblieben war: die Müdigkeit.

Das Wetter war herrlich: sonnig ohne Hitze. Mittags genoss ich das Draußen bei einem Marsch um die Blöcke.

Zum späten Mittagessen gab es Ernteanteil-Gurke, Hüttenkäse, Birnen (die auch eine Woche nach Kauf nicht nachgereift waren).

Auf dem Heimweg war das Wetter immer noch sehr angenehm; ich ging über Obsteinkäufe beim Süpermarket Verdi.

Zu Hause eine längere Folge Yoga.

Fürs Nachtmahl hatte sich Herr Kaltmamsell davon inspirieren lassen, dass Ernteanteil-Kartoffeln übrig waren, es noch einen Rest Frischkäse gab und er beides zu Kartoffelpü kombinieren wollte (plus Kräuter, da gibt es wohl einige Rezepte). Dazu brauchte es natürlich etwas als Hauptsache: Herr Kaltmamsell entschied sich für Hackbraten, und dabei für ein englisches Rezept mit eingearbeitetem Spinat. Das Ergebnis war rundum wohlschmeckend, frischer Thymian und Basilikum machten sich ausgezeichnet im Pü, der Spinat sehr gut im würzigen Hackbraten.

Nachtisch einige überreife Renekloden mit Buttermilcheis. Und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, das neue Granta 176: American Berserk war eingetroffen – mal sehen, was ein Literaturmagazin aus dem aktuellen Elephant-im-Porzellanladen-tum herausholt.

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Hier gab es schon viel zu lange nichts mehr vom Gott des Hula Hoop, Daniel Middel – er kann auch Klassik!

Journal Sonntag, 23. August 2026 – Rückreise vom Westerwald / Amal El-Mohtar, Max Gladstone, This Is How You Lose the Time War

Montag, 24. August 2026

Auf dem sehr komfortablen Gästebett der Freunde im Westerwald nicht so lange geschlafen, wie ich hätte können. Dafür mit viel Zeit für Morgentoilette und Vorbereitung des Blogposts.

Überraschender Nebelblick, laut Gastgebern der erste solche der Saison.

Wir hatten noch Frühstückszeit, bekamen mehr vom spannenden Haus gezeigt und aus seiner Geschichte erzählt. Es gehört sogar ein Poolhaus dazu! (Ich kenne Leute mit Poolhaus.) (Auch wenn ich ihnen die Bezeichnung erst beibringen musste.)

Zeit für Abschied, wir wurden zum Bahnhof Au (Sieg) chauffiert.

Mit Legende-tauglicher Gleisnummerierung. Abschied mit vielen Umarmungen und mit vollem Herzen.

Unsere Rückfahrt enthielt einen zusätzlichen Umstieg – zusätzliches Risiko, doch wir waren beide gelassen, hatten gestern eh nichts mehr vor und genug Beschäftigung bei uns.

Der Abschnitt Siegburg-Frankfurt wurde spannend: Würde die Verspätung den Anschlusszug noch erreichbar machen? Auch wenn die App der Meinung war: nein, und auch wenn die Zugbindung bereits aufgehoben war, befolgten wir eine der erprobten Regeln des Bahn-Fernverkehrs: Es immer drauf ankommen lassen und ans Anschlussgleis eilen. Voilà! Der ICE nach München stand noch da.

Die Sitze dicht gepackt, wir mussten leider zwei bereits sehr eingerichtete Menschen von unseren reservierten Plätzen bitten (alles in aller Freundlichkeit allerseits). Mittagscappucino bekam ich aber nicht, der Speisewagen war zurückgeworfen auf nur Filterkaffee (auffallenderweise lud auch niemand per Durchsage dorthin ein, kein “sie gerne erwartet”).

Zur Brotzeit um eins hatte ich mir vom Frühstückstisch eine Schinkensemmel mitgebracht und eine Birne, genoss beides (immer noch mit kleinen Bissen und eher vorsichtigem Kauen auf der Seite ohne Loch von rausgerissenem Backenzahn).

München empfing uns mit Sonne und milder Luft, nach einer Runde Räumen und einem halben Stündchen Siesta setzte ich mich zum Lesen auf den Balkon.

Eine Folge Yoga, zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Erntanteil-Mangold zu einem Nudelgericht mit Linsen.

Sehr gut! Dazu Ernteanteil-Tomaten mit Basilikum, Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone ausgelesen. Startet mit einem Wirbelwind an indirektem Erzählen, aus dem der Hintergrund zweier sehr unterschiedlicher Gemeinschaften an Zeitreisenden hervorgeht, die die Zeitläufte im Sinne ihrer sehr unterschiedlichen Interessen beeinflussen. Eine Kriegerin (“agent”) nimmt aus einem Impuls heraus den Kontakt mit ihrem Gegenpart der anderen auf; es entsteht ein Austausch, dessen Medienformen allein schon super-kreativ abgefahren sind, innerweltlich aber herrlich stringent. Die Handlung wird sehr spannend, ist jedoch so dicht erzählt, dass ich mein Lesetempo immer wieder bremsen musste, weil meist jeder Satz zählt, Passagen-weise jedes Wort. Ein echter Ritt, der sich für mich sehr lohnte – ich hatte dringend mal wieder nicht-realistisches Erzählen gebraucht.

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Ein Nachruf – nicht nur auf eine liebe Nachbarin, sondern auch auf eine ländliche oberbayerische Ära.
“Briefe an die nahe Ferne ( 27 )
Die Schmiedrosi ist heimgegangen.”

Sie konnte unglaublich gut mähen, sehr ruhig und gleichmäßig, Schnitt für Schnitt und ich seh sie noch, wie sie früher bei uns vorbeigegangen ist, mit dem Häuerl (übersetzt: sowas ähnliches wie eine Harke) über der Schulter, hinaus aufs Feld, da hatte sie am unteren Ende des Kartoffelackers einen Krautgarten. Weißkraut, Blaukraut, Ranner(Rote Beete) waren angebaut und mußten behäuerlt werden.

(Aufschreiben, alles aufschreiben!)

Journal Samstag, 22. August 2026 – Reise im Bullerbü-ICE zum Westerwald

Sonntag, 23. August 2026

Eine recht gute Nacht – morgens erinnerte ich mich an keine bemerkenswerten Erlebnisse.

Angenehm früh zu sehr zapfig frischer Luft von draußen aufgestanden, für die Reise nach Wochen erstmals an sowas wie eine Jacke gedacht.

Schon auf dem Weg zum Zug war ich froh um diese Jacke. Wir bestiegen den ICE mit Ziel Köln, fuhren pünktlich ab – und ahnten da noch nicht, dass wir einen verzauberten Bullerbü-ICE erwischt hatten, mit dem Bahnfahrende vermutlich nur einmal in ihrem Reiseleben beschenkt werden.

Das begann damit, dass ich mich über die Sitz-Ausstattung freute, bei der sich jemand wirklich Gast-orientierte Gedanken gemachte hatte (und diese vor allem eine vermutlich byzantinische Entscheidungskette tatsächlich durchbrachte).

Eindeutig zivilisatorischer Fortschritt: Ein Jackenhaken, mit dem das Hänggut nicht die Aussicht verdeckt; ein Miniregal für Tablet/Handy mit Haltklammer zum Bewegtbildgucken während der Fahrt. (Kannte ich in einer edlen Holz-Ausführung schon an einem anderen ICE-Modell, diese Version ließ mich auf Serien-Einrichtung hoffen.)

Es ging weiter mit dem Personal dieses Zugs, das von einer Liebenswürdigkeit, Zuvorkommenheit und Eleganz war, dass damit mindestens ein schief laufendes Infrastrukturprojekt der Deutschen Bahn ausgeglichen wurde:
– Zweimal kamen Speisewagen-Mitarbeiterinnen durch und verkauften frische Kaffee-Getränke, beim zweiten Mal trug die Dame eine Haar-Schur in drei Ebenen, verschieden gefärbt, die ein abstraktes Landschaftsbild ergab – sensationell.
– Als ich im Bord-Bistro selbst für Herrn Kaltmamsell und mich Mittagscappuccino holte, erlebte ich beim Anstehen einen Barista, der das Kleinstkind auf dem Arm seiner Mutter aufs Charmanteste umgarnte (und die erbetene Milch aus frisch geöffneter Packung erstmal selbst testete, ob sie auch bestimmt in Ordnung war), beim Cappuccino-Zubereiten mit dem US-amerikanischen Gast vor mir plauderte und sicherstellte, dass er sich wohl fühlte. Auch der Austausch mit mir machte den ganzen Speisewagen gleich ein Stückchen heller.
– Schaffner 1 im perfekt sitzenden weinroten Uniform-Dreiteiler: freundlich und souverän, hilfsbereit bei der Suche nach einem nicht reservierten Platz.
– Dann kündigte eine Durchsage eine Runde Steckerleis für alle an, im pünktlichen Zug, einfach so – das auch wirklich verteilt wurde.
– Schaffner 2 jackenlos, die Ärmel des weißen Hemds ungemein elegant hochgekrempelt, der durch den Wagen schlenderte, Blick wechselnd zwischen Passagieren und Display – „Eingecheckt, schon eingecheckt, eingecheckt – ein Traum.“ – auch er hatte ein Steckerleis in der Hand.

Insgesamt wirkte diese Fahrt dann doch wie eine Fernseh-Inszenierung. Aber eine gute.

Dazwischen Holledau.

Pünktlich stiegen wir in Siegburg aus, die 45 Minuten Aufenthalt nutzten wir für ein wenig Umsehen in dem Städtchen – an einem Samstag-Frühnachmittag ausgesprochen quirlig und sympathisch, es wurde gehochzeitet, in Außengastronomie gesessen, eingekauft.

Letzter Abschnitt in den Westerwald mit der Regionalbahn entlang lauter Orten mit “(Sieg)” und entlang dem gleichnamigen Fluss, der aufs Malerischste durch Idyll mäanderte.

Ab Ankunft und Aussteigen genossen wir den Zweck der Reise: Zeit mit Freunden. Sie war gefüllt mit:
– Sightseeing-Autofahrt
– Kaffeeundkuchen (Apfelkuchen aus Frühäpfeln des eigenen Gartens)
– Gartenbesichtigung

Aussicht von selbigem aus.

Fallapfelbuntheit wie Schatzhöhle.

– Dorfbesichtigung mit viel Hintergrund zu gesellschaftlichen Mechanismen (und Kühen, Kälbern, Pferden, wunderschönen Bressehühnern)
– Sightseeing-Autofahrt zu den beruflichen Wirkstätten der Freunde
– Abendessen beim freundlichen und köstlichen Lieblingsitaliener (bei mir Fettuccine mit Birne und Käse, dazu ein frischer Pinot grigio)
– Spaziergang durch die abendliche Fußgängerzone mit viel historischer Information
– viele Stunden Zusammensitzen über mehr Weißwein mit Gesprächen bis weit jenseits Mitternacht

Was insgesamt bedeutete: Austausch, Nähe, Verbindung mit so wunderbaren Menschen – überlaufendes Herz.

Journal Freitag, 21. August 2026 – Return of ze Zahnfee

Samstag, 22. August 2026

TW: Angstpatient*innen lieber NICHT weiterlesen!

Die Fotoidee sah umgesetzt nicht so gut aus wie in meinem Kopf, das Bild soll hier nur Platz zwischen Lesewarnung und Text schaffen.

Gestern Morgen lernte ich, wie sehr ich nicht mag,
– wenn die geschätzte Zahnärztin beim Anblick der Problemstelle aufstöhnt,
– dass ich meine liebe Zahnärztin trösten muss, weil sie am letzten Tag vor ihrem Urlaub einen sonst rundum gesunden Backenzahn ziehen muss, der mittendurch in zwei Teile gespalten ist.

Beim Verlassen des Hauses für den 8-Uhr-Termin in Schwabing hatte ich mich noch von Herrn Kaltmamsell damit verabschiedet, dass ich ungefähr so sehr fürchtete, von der Zahnärztin wieder ausgelacht zu werden (nicht dass sie das je getan hätte, statt dessen hatte sie erklärend beruhigt), wie dass es etwas Schlimmes ist.

Nach dem ersten Blick zeigte mit die Ärztin den Grund ihres Stöhnens per Zahnfernsehen (winzige Kamera, die Aufnahmen aus meinem Mund auf den Bildschirm über dem Behandlungsstuhl überträgt): Der hinterste Backenzahn rechts oben hatte einen großen Spalt mittendurch. Es war sofort klar, dass er raus musste. Die Röntgenaufnahme von vergangenem Dezember, die ebenfalls auf dem Bildschirm vor mir zugeschaltet war, ließ mich zumindest hoffen, dass das einfach gehen würde (drei gerade Wurzeln).

Ich war natürlich völlig übertöpelt, doch da gab’s nichts zu diskutieren oder zu erläutern. Während wir die Wirkung der Spritze abwarteten, sprach ich Ersatz/Implantat an: Nein, beim hintersten Zahn sei das nicht üblich. Aber ich solle mal sehen, wie ich zurechtkomme.

Unerwarteter Zwischenschritt nach (tatsächlich schnellem) Zahnziehen: Nase zuhalten und mit geschlossenem Mund pusten – um auszuschließen, dass es eine Verbindung zu den Nebenhöhlen gab.

Als die Wunde genäht war, besah ich die beiden Zahnhälften auf dem Tablett vor mir: sauber gespalten, sonst tadellos. Ich dankte dem Zahn für all die Jahre Unterstützung und verabschiedete mich. (Bis zu welchem Alter sind Zahnfeen zuständig?)

Keine halbe Stunde nach Termin war ich bereits auf dem Weg in die Arbeit, tief erschüttert.

Zahnärztlich vermutete Ursache: Mein brutales nächtliches Knirschen (ich habe seit vielen Jahren eine Schiene, trage sie jede Nacht), das einen Sprung im Zahn hinterließ. Und auf der Heimreise von England gab ihm wohl das Beißen auf eine (sehr gute!) Salznuss, dessen Krachen mir aufgefallen war, den Rest.

Mittlerweile frage ich mich, ob der eine Problemzahn meines Lebens (denn an sich habe ich echt gute Zähne), der ja vor 13 Jahren ebenfalls an einem Sprung verendete, durch den Bakterien eindrangen (und durch ein Implantat ersetzt wurde), vielleicht prä-Knirschschiene ebenfalls schlicht kaputtgeknirscht war.

Die Zahnärztin gab mir ein Blatt “Verhaltensregeln nach einem operativen Eingriff” mit. Diese stellten mich vor ein paar Probleme.
– “Zur Verminderung einer Schwellung nach dem Eingriff sind häufige kühle Umschläge bis zur Folgenacht sehr hilfreich.” Eine Angestellte hatte mir zwar ein Scheckkarten-großes Kühl-Pack mitgegeben, aber das war bereits beim Erreichen des Bürohauses körperwarm. Ich legte es in den Teeküchen-Kühlschrank und sah mich um: In der nächsten Stunde legte ich abwechselnd ein leeres Wasserglas und eine leere Tasse auf die schwell-gefährdete Stelle. Wenn ich meine Hände gerade nicht auf der Tastatur hatte.
– “In den nächsten 24 Stunden sollten Sie weder Alkohol, Bohnenkaffee, Cola oder schwarzen Tee trinken.” 12 Stunden waren ja wohl hoffentlich sowas Ähnliches wie 24 Stunden, wenn ich abends Lust auf meinen Freitags-Alkohol hatte?
– “Für die nächsten Tage weiche, nicht zu heiße Kost”. Nichts an der Essensplanung der nächsten Tage passte dazu. Na, ich würde an den eingesteckte Feigen, Tomaten, Nektarinen zum Mittagessen testen, was ging. “Schonen Sie beim Kauen möglichst die behandelte Seite” hatte ich ja schon über eine Woche geübt.

Am einfachsten konnte ich die auch mündlich mitgegebene Anweisung einhalten, erst drei Stunden nach dem Eingriff etwas zu trinken. Bei einer vorherigen zahnärztlichen Betäubung vor vielen, vielen Jahren hatte ich erfragt, dass der Hintergrund die Verletzungsgefahr bei gefühllosen Stellen im und um den Mund ist. Und auch diesmal erwies sich, dass meine Zahnärztin das Anästhetikum hervorragend dosiert hatte, schon nach einer Stunde war nichts mehr taub. Ich hielt mich brav dennoch an die Drei-Stunden-Frist. Durst hätte ich allerdings deutlich früher gehabt.

– “In der ersten Woche nach dem Eingriff sollten Sie körperliche Anstrengungen vermeiden.” Na komm, nach ein paar Tagen probieren kann ich’s doch?

Fettnapf: Der einzige gestern anwesende Kollege, an den ich meine Erschütterung einfach hinreden MUSSTE, stellte sich als Angstpatient heraus und als eigentlich genau vor solchen Geschichten zu schützen. /o\

Meine Durch-den-Windigkeit trübte die Arbeitsfähigkeit erheblich, zum Glück stand nur wenig Dringendes an. (Mit Vorbereitung auf den Eingriff hätte ich wahrscheinlich um Krankschreibung gebeten, aber nun war ich schon mal da.)

Mittags nahm ich mir die Zeit für einen Marsch um die Blöcke, der vor allem meinem durchgewirbelten Gemüt gut tat. Mittagessen Feigen, Tomaten, Nektarinen – alles problemlos auf der Gegenseite der Wunde zu kauen, danach spülte ich gründlich mit Wasser. Essenspläne der nächsten Tage also nur geringfügig betroffen.

Nachmittags beruhigte sich meine Gemütsaufruhr, ich konnte mich wieder konzentrieren und bekam noch einiges weggearbeitet. Draußen setzte der dringend notwendige Flächenregen ein und blieb auch erstmal. Schmerzen vom Zahnziehen blieben auch weit nach Ende der Betäubung ebenso aus wie jegliche Schwellung, sehr erleichternd (aber verstehen tue ich meinen Körper so echt nicht). Abfallende Anspannung hieß aber auch steigende Müdigkeit.

Als es auf meinen Feierabend zu ging, zog der Regen an Heftigkeit an. Ich blieb noch ein bisschen, bis die Tropfen an der Fensterscheibe nicht mehr wie eine Maschinengewehrsalve klangen, und nahm dann die U-Bahn nach Hause.

Dort warf ich mich Herrn Kaltmamsell an die Brust und ließ mich nochmal ein paar Sekunden in die Jämmerlichkeit fallen, ging dann aber die Wochenend-Abstimmung an.

Beim Alkohol (OH DOCH – vielleicht wäre eine wirksame abendliche Entspannung gegen Zähneknirschen im Schlaf ein Glasl Wein?) entschieden wir uns für den Rotwein, den uns die kastilische Familie mitgegeben hatte, natürlich aus der dortigen Region, ein Ribera del Duero.

Ein junger Roter mit reichlich Tannin, der sich mit der Luft interessant entwickelte.

Vorher aber noch Yoga: Ich wusste, dass eine reine Schnauf-, Dehn- und Ruhefolge dran war. Mal wieder hatte Adrienes “Notice how you feel” seinen Effekt: Ich bemerkte dann doch Schmerzen in der Zahnlücke und nahm anschließend lieber Ibu.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell vereinbarungsgemäß Salade niçoise und erfreute mich sehr.

Aus Ernteanteil: Grüner Salat, Tomaten, Kartoffeln.

Kauen war kein Problem, gutes Essen hellte mich mal wieder auf. Und der Wein entspannte mich aufs Angenehmste. Nachtisch Eiscreme, dann weitere Süßigkeiten.

Früh ins Bett wegen sehr müde und Wochenendplänen, ich schaffte nicht mal mehr Lesen – aber das hole ich Samstag und Sonntag auf vielen Stunden Bahnfahrt nach.

Journal Donnerstag, 20. August 2026 – Lesungsankündigung jetzt offiziell und bebildert

Freitag, 21. August 2026

Foto und Grafik: Frau Klugscheißer

Tadaaa, es ist offiziell!
Am 24. Oktober wiederersteht eine versunkene Web-Kultur:
Die Bloglesung

it ain’t over ’til it’s over

bringt vier Leute auf die Bühne / in einen Boxring, die irgendwie schon immer gebloggt haben und bis heute nicht damit aufgehört.
Mequito, Vanessa, Novemberregen und mich. Frau Klugscheißer hat das ganze initiiert, organisiert und koordiniert; sie moderiert den Abend.

Termin: 24. Oktober 2026, 19 Uhr
Ort: Boxwerk, Schwindstr. 14, München
Eintritt frei – um eine Spende zur Unkostendeckung wird gebeten

Ich bin schon sehr gespannt, wann meine Panik einsetzt, denn unter anderem habe ich keinen passenden Text mit Box-Thema. Werde ich extra einen schreiben müssen? Was dann aber kein Blogtext wäre.

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Nach mittelguter Nacht ein überraschend milder Morgen, ich setzte mich für meinen Morgenkaffee wieder raus.

Vorm Haus hatte ich am Vorabend eine neue Baustellenabsperrung entdeckt, bestehend aus rot-weiß-gestreiften Trennwänden und einem Dixie-Klo. Was ist denn jetzt schon wieder. Das wäre parallel die vierte Baustelle in unserer Wohnstraße, ich muss schon jetzt zu weiten Teilen auf der Straße gehen.

Unter wild buntem Himmel in die Arbeit marschiert, die August-Ruhe über diesen Teilen Münchens genossen.

Im Büro erstmal Nerventest: Mein neuer Rechner erkannte die mehreren Bildschirme nicht. Nach Telefon, Ticket, Supportrückruf und -zusendung spielte ich dann eine 12-seitige Anleitung zur Lösung des ursächlichen Hardware-Problems durch, die mich in völlig unerwartete Abgründe der Unternehmens-IT blicken ließ. Arbeitsfähig war ich 70 Minuten nach Arbeitsbeginn, bis sich meine Verzweiflung und Gereiztheit gelegt hatten, brauchte es länger.

Draußen immer wieder Regenschauer.

Für einen Krankheits-Ausfall eingesprungen, sofort nützlich gewesen. In einer Regenpause raus auf einen Mittagscappuccino im Westend, Käsekauf auf dem Markt verhindert durch Abwesenheit des Käsestands, auch hier August-Ruhe.

Zu Mittag gab es Bananen sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Recht geordneter Arbeitsnachmittag, aber es wäre mir lieber gewesen, danach bereits ins Wochenende zu können.

Auf dem Heimweg Einkäufe im Süpermarket Verdi – heiser geschrien, weil mich auf dem Bavariaring bei der Theresienhöhe innerhalb weniger Minuten das LALÜ! direkt neben mir von acht Polizeizeifahrzeugen, einem SWM-Einsatzfahrzeug und einem Feuerwehrauto weggefegt hatte. Mittelfristig werde ich mich nach einer Wohngegend umsehen müssen, in der sowas zumindest weniger häufig vorkommt.

Daheim Häuslichkeiten und Yoga – es kommt mir vor, als würden meine Krieger-Positionen mit der Zeit immer wackliger statt stabiler.

Aus Ernteanteil machte ich eine Schüssel Blattsalat mit Gurke und Tomate, den überraschend mitgeernteten Blumenkohl servierte Herr Kaltmamsell mit erwarteten Ernteanteil-Kartoffeln als Aloo Gobi. Nachtisch Mochi und Eiskonfekt.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War ist in bester Weise kompliziert und komplex, ich wollte wissen, wie’s weitergeht.

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Doch, ich bleibe dabei: The World Accoring to Garp ist richtig gut. 1978 veröffentlicht greift der Roman feministische Themen und Perspektiven auf, die auch heute fortschrittlich wären. Das geht los mit weiblicher Selbstbestimmung (an Jenny Fields erinnerte mich erst gestern die Seite Drei der Süddeutschen – € – über südkoreanische Frauen, die das mit den Männer lieber gleich ganz bleiben lassen – und dafür gesellschaftlich einen hohen Preis zahlen), setzt sich fort mit schmerzlich gründlicher Schilderung und Einordnung von Vergewaltigung (klar bezeichnet als brutale Machtausübung, die nichts mit Attraktivität der Opfer oder mit Erotik zu tun hat) und der frühen Sichtbarmachung und Umarmung von Transsexualität (ROBERTAAAA!!). Dass diese Themen nur zum Teil in der eigentlichen Romanhandlung durchgespielt werden, zum Teil aber in den langen Binnentexten (Titelheld Garp wird Schriftsteller, der Roman zeigt große Ausschnitte aus seinen Werken), halte ich für eine besondere Kunstfertigkeit.

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“Beratungstermine beim Klimaanlagenexperten sind die neuen Facharzttermine.”

Journal Mittwoch, 19. August 2026 – Ungeschminkte Zehennägel

Donnerstag, 20. August 2026

Wieder eine erlebnisreiche Nacht, dennoch hatte ich beim Weckerklingeln das Gefühl, dass dazwischen Schlaf gewesen war.

Dass ich nicht zum frühem Schwimmen kam, schmerzte dann nicht einmal: Ich fühlte mich energielos, und von draußen kam es sehr kühl herein. Aber ich freute mich über den Anblick der nassen Straßen und Wege. Über die ging ich mit sogar einem leichten Jäckchen in die Arbeit.

Zu meiner Überraschung gefallen mir diesmal meine ungeschminkten Zehennägel (sie profitieren noch von der professionellen Pediküre vor wenigen Wochen inklusive Nägel-Polieren).

An meinem Arbeitsplatz tobte der Einrichtungsirrsinn des neuen Laptops weiter, zwischen all den freiwilligen (weil: vielleicht geht das irrlichternde Verhalten davon weg?) und erzwungenen Neustarts versuchte ich, die dringendsten Angelegenheiten im E-Mail-Postfach zu erhaschen. Auch sonst war ich erleichtert, jetzt schon zur Verfügung zu stehen und nicht erst um halb zehn nach einer Schwimmrunde.

Entsprechend emsiger Vormittag, doch einer der Termine war auch Mittagscappuccino mit einer Kollegin. Dennoch trieb es mich am späteren Mittag nach draußen auf eine jetzt sonnig-windige Runde um die Blöcke.

Zu Mittag gab es Aprikosen und Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Es blieb sonnig und wurde wieder sommerlich warm, aber nicht unangenehm heiß – wie ich feststellte, als ich nach Feierabend mit der U-Bahn an den Odeonsplatz gefahren war und von dort zum Hofbräuhausmühlenladen spazierte: Ich kaufte Roggenmehl Type 1370, das bekomme ich in den immer besser mit Mehlen bestückten Biosupermärkten nicht. Nächstes Brotbacken plane ich allerdings erst am übernächsten Wochenende.

Zu Hause Beine epiliert (liebe Evolution: behaarte Knie – warum?), Wäsche aufgehängt, eine Folge 6 Yoga (= core work) geturnt, bei der allerdings eher meine Hüftbeuger als die Bauchmuskeln jammerten.

Aus weiteren kastilischen Familien-Kichererbsen hatte Herr Kaltmamsell zwei Sorten Hummus bereitet (marokkanisch und mit Haselnussmus statt Tahini), die gab es mit Gurke und roter Paprika, außerdem weitere Reste aus dem Kühlschrank von den vergangenen Tagen. Nachtisch Mochi (Herr Kaltmamsell war auf meine Gelüste hin suchen gegangen) und Fruchtgummi.

Früh ins Bett zum Lesen, meine nächste Lektüre ist von Amal El-Mohtar und Max Gladstone This Is How You Lose the Time War, eines der Bücher, die ich im Science-Fiction-Bereich des Waterstone in Brighton entdeckt hatte. Ich ließ mich nicht davon abschrecken, dass es mit “Twitter sensation” vermarktet wird: Der Roman erschien 2019 und wird immer noch empfohlen, das flößte mir Vertrauen ein.

Neues Buch, neues Glück – das funktioniert bei mir auch noch fast 53 Jahre nach Lesenlernen.

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Ben, also Stadtneurotiker, lernte ich vor vielen, vielen Jahren (“mer zälle ja net” sagt die Hessin) u.a. als Rock-tragenden Blogger kennen. Damals hätte ich nicht erwartet, dass er diese vielen, vielen Jahre später immer noch der einzige ist, den ich namentlich kenne. Eben bloggte er mal wieder etwas über Röcke an Männern (nicht sein Hauptthema, zu anderen hat er viel öfter Interessantes zu sagen).
“Sich anti-kapitalistisch anziehen”.

Journal Dienstag, 18. August 2026 – Einstweiliger Regenjubel und Mammomat

Mittwoch, 19. August 2026

Ein bisschen mehr Schlaf am Stück, aber erholt geht anders.

Der Himmel bedeckt, die Luft kühl, sogar zu kühl für Balkonkaffee. Espresso aus der kleinen 1-Personen-Cafetera: Am Vorabend war bei der Vorbereitung der Kanne von unserer gewohnten 2-Personen-Cafetera die Scheibe des Filtereinsatzes (hat sich vor langer Zeit selbständig gemacht) nicht zu finden gewesen. Die Situation hatte ich schonmal, war nach langem Durchsuchen der Küche davon ausgegangen, dass ich sie in morgentlicher Bewusstlosigkeit beim Reinigen mitsamt dem Kaffeesatz weggeworfen hatte – obwohl sie auch im Müll nicht war. Die Scheibe tauchte damals IN einer Küchenschublade auf, ihr Weg dorthin liegt bis heute im Dunklen. Montagabend hatte ich keine Lust auf nochmalige hysterische Hektik gehabt. Gestern vermeldete Herr Kaltmamsell später Fund im Abtropfgitter neben der Spüle (ich war ganz sicher gewesen, die Scheibe Montagmorgen abgetrocknet und aufgeräumt zu haben).

Den Linden um die Theresienwiese sieht man die Hitze und Dürre an, wie ich es noch nie erlebt habe.

Am Schreibtisch mal wieder ein Eingesperrte-Füße-Moment: Wenn sich gewohnte und gut eingelaufene Schuhe zu eng anfühlen und drücken, obwohl weder die Füße geschwollen aussehen, noch die Schuhe eng geschnürt sind. Ging bislang jedesmal innerhalb weniger Stunden vorbei, ich lockerte halt erstmal die Schnürung.

Datenbankarbeitsvormittag, die Büros um mich herum überraschend gut besetzt. Guter Mittagscappuccino im Westend, zwischen Anwohnenden mit winzigem Baby.

Die anhaltenden Zahnschmerzen brachten mich dann doch dazu, einen Termin bei meiner Zahnärztin zu holen: Meine Zunge spürt in der schmerzenden Gegend eindeutig eine bröselnde Füllung; die hätte ich gern repariert.

Mittags setzte Regen ein, weiterhin hochwillkommen. Auch wenn ich für ein paar Dienstgänge draußen einen Schirm brauchte. Und er war nicht lange und nicht genug für Aussicht auf Ausgleich der Dürre.

Doch dann musste ich mir eine gründliche Fehlkalkulation eingestehen: Rechnertausch drüben bei den IT-Kollegen um drei, Feierabend um halb fünf (pünktlich, weil Arzttermin) hielt ich für locker geplant für die Einrichtung des neuen Arbeits-Laptops. Denn der IT-Support hatte versichert: Einfach dem Einrichtungsassistenten folgen! Und zudem gibt es schließlich Nutzer-Profile, die gewohnte Einstellungen von Gerät zu Gerät mitnehmen.

HAHAHA!

Der neue Laptop wollte erstmal 15 (keine fiktive Zahl) Updates inklusive BIOS, es funktioniert nix, und meine Einstellungen, Zugänge, Oberflächen, Funktionen musste ich alle von Null wieder anlegen. Arschlecken, dann halt am Mittwoch. Was bedeutete, dass ich meine Lerchenschwimmpläne für den nächsten Tag abblies – für die ich ohnehin schlechtes Gewissen hätte verdrängen müssen, weil mein Platz aus Gründen früh eher im Büro sein sollte.

Der Arzttermin war eine Mammographie im Rahmen des deutschen Screening-Programms. Als Innenstadtbewohnerin profitiere ich von der Nähe der Praxen zu meiner Wohnung. Als ich eintraf, herrschte an der Anmeldung Hochbetrieb, aber die Angestellten hatten alles im Griff.

Die freundliche Ärztin am Siemens Mammomat (tihihi!) war gestern allerdings wohl schon sehr lang im Dienst. Als sie mir ein paar Routinefragen nach nicht mal einer Minute zum zweiten Mal stellte, hielt sie kurz inne, sah mich an: “Habe ich das schon gefragt?” Ich äußerte mein Mitgefühl – die wievielte Patientin ich heute denn sei? Die 31.
Doch ihrem sorgfältigen und aufmerksamen Vorgehen mit vielen Erklärungen war das wirklich nicht anzumerken.

Danach ein paar Lebensmitteleinkäufe. Zu Hause war noch Zeit für Pediküre und Yoga. Dann wieder ein Abendessens-Highlight.

Spinat mit Kichererbsen ist eh einer meiner Lieblinge, doch in diesem Fall waren es auch noch kastilische Kichererbsen (garbanzos) aus der eigenen Familie!

Nachtisch Speiseeis, Süßigkeiten.

Im Bett The World According to Garp endlich ausgelesen. Ich mochte den Roman immer noch, vor allem viele seiner liebevoll und vielseitig gestalteten Charaktere, hatte aber einige Passagen nicht so geschwätzig über-detailliert in Erinnerung.