Journal Montag, 10. August 2026 – Brighton 10 mit Ausflug nach Hastings

Dienstag, 11. August 2026 um 13:00

Erst am Sonntag habe ich gemerkt, dass die Nummerierung der Brighton-Aufenthaltstage dem August-Datum entspricht und ich nicht jedesmal beim vorherigen Post nachsehen muss, welche Nummer dran ist. Manchmal frage ich mich schon, wie ich je durchs Abitur kommen konnte.

Gestern schliefen wir beide besonders lang, wenn auch ich eher unruhig. Plan war ein Ausflug nach Hastings: Mehrmals die Stunde direkt mit dem Zug in einer Stunde erreichbar und klang interessant. Wieder war keinerlei unerträgliche Hitze angekündigt, die 25 Grad Tageshöchsttemperatur mit Sonne passten wunderbar.

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der Ausflug lohnte sich sehr, Hastings erwies sich als sympathischer und sehenswerter Ort.

Vormittags spazierten wir also rüber zum Bahnhof.

Diesmal fuhren wir von einem hölzernen Bahnsteig ab.

Ich las das Sunday Times Magazine vom Vortag, freute mich über diese Bildunterschrift. Der Artikel dazu (€) war ausgesprochen interessant: Wie es ist, wenn man nie nach seiner 51-jährigen Partnerschaft und Ehe mit der Liebe seines Lebens gefragt wird (Peter Schlesinger und Eric Boman), sondern nur nach seiner wenigjährigen Jugendliebe David Hockney, weil der halt ein Weltstar wurde. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass das Sunday Times Magazine mehrfach und schon sehr früh gemeinsame Projekte mit David Hockney gemacht hat.

Aber jetzt zu Hastings. Die Stadt liegt auf und zwischen zwei Hügeln, wir spazierten vom Bahnhof erstmal auf den mit der Burgruine (1070 William the Conquerer).

Ganz zur Ruine (die beiden Spitzen ganz oben auf dem Foto) allerdings nicht, weil das Eintritt gekostet hätte. Und eigentlich waren wir eh vor allem auf die Aussicht aus, um einen Überblick über die Stadt und Orientierung zu bekommen.

Gegenüber eine der beiden Standseilbahnen, die auf die Hügel führen.

Jetzt konnten wir mit ein wenig mehr Plan mäandern und gingen in die Old Town.

Ein bezauberndes winziges Programmkino – mit handgeschriebenem Programm auf der Tafel neben dem Eingang.

Sehr viele Antiquitätenläden, viele kleine Lokale. Von denen wir jetzt eines ansteuerten, weil wir Hunger hatten. Es wurde eine Cornish Bakery, und es gab klassische Cornish Pastys (Füllung Rindfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Steckrübe – ist inzwischen eine EU-geschützte Ursprungsbezeichung), sogar eine sehr gute. Die Pflaumen-Kirsch-Limo dazu war gut gegen Durst, aber Limo ist einfach nicht so meines.

Das Besondere an Hastings, hatten wir vorher angelesen, ist die Fischerei. Und dabei die Net Shops, in denen die Fischer früher mangels Fläche am Strand ihre Netze hängend trockneten.

Wir spazierten die Küste entlang, so weit es nach Westen ging.

Zurück bogen wir ins Fischereimuseum ab – eigentlich ohne große Hoffnung, mei, so ein lokales Amateurmuseum halt.

Eingangstür

Doch das wurde ein echtes Erlebnis: Ja, das Museum war voller Zeugs, aber neben dem zentralen Exponat, einem ganzen alten hölzernen Fischerboot, stellte es vor allem Menschen vor, Fischer aus Hastings nämlich – mit einer deutlich überdurchschnittlichen Quote an Originalen.

Und anhand dieses (wichtig: rund gestrickten) Fischerpullis wurden die Sprache der Muster erklärt und weitere Besonderheiten.

Fischerei war und ist Männersache, doch auch die Frage “What about the women?” hatte Platz. Ohnehin war an vielen Details nachvollziehbar, dass dieses Museum, eine ehemalige Kirche, das Zentrum der lokalen Community ist. Ich stellte mir ein bayerisches ländliches Heimatmuseum mit ähnlichem Schwerpunkt vor: Örtliche Landwirt*innen, Originale des Dorflebens, Exponate mit ganz persönlichem Bezug – das würde mich interessieren.

Als ich ihm das erzählte, regte Herr Kaltmamsell eine solche Abteilung fürs Münchner Stadtmuseum am: Aus den verschiedenen Stadtvierteln die besonderen Persönlichkeiten, die alle kennen, von denen viele eine Geschichte zu erzählen wissen, die für das Viertel Bedeutung haben – vorgestellt mit Foto-Portrait der einen oder anderen dieser Geschichten. Hausmeisterinnen, Pfarrer, Dönerladen-Betreiber, Grattler, Schulweg-Lotsinnen, Edeka-Kassierinnen. Zum Beispiel.

Den Rest der Seafront wollten wir aber auch noch sehen, darunter den Pier.

Irgendwer musste den ja mal machen.

Auch diesen Pier hatte ein Feuer erwischt und zerstört, 2010, man hatte ihn eher schlicht und funktional wiederaufgebaut.

Weitere Besonderheit in Hastings: eine zweigeschoßige Promenade.

Das schattige Unten war nach der vielen Sonne bis dahin sehr willkommen.

Eine extra zur Verfügung gestellte Schloss-Anbring-Gelegenheit.

Letzter Blick auf die Burg, wir spazierten zurück zum Bahnhof.

In Brighton Einkäufe: Ich holte mir bei Decathlon die Laufwasserflasche (nur eine Nachfrage beim Personal nötig), Foto gibt’s morgen. Und wir besorgten Lebensmittel unter anderem fürs Abendbrot.

Zu diesem hatte ich um eine Schüssel Salat gebeten, ich bin schwer untersalatiert. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit, etwas bei einem chinesischen Imbiss zu holen, dessen Hühnchen-Angebote abgefahren aussahen.

Es gab also grünen Salat mit Gurke, Tomate, roter Paprika (klassische Vinaigrette mit Zitronensaft) und panierte, frittierte Hühnermägen (Herr Kaltmamsell, der dafür rausgegangen war, hatte zudem japanische Bällchen mit Calamri mitgebracht.

Nachtisch: Golden Sponge Puddings aus der Kühltheke/Mikrowelle (seit ich die vor über 30 Jahren in England entdeckte, liebe ich diesen warmen, gedämpften Rührkuchen mit Sauce), frische kleine grüne Feigen vom türkischen Obsthändler. (Und nur wenig Schokolade.)

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Die Wetteraussichten laut Wetter Online:

Brighton:

München:

Ich würde gerne bis nächsten Montag hier bleiben.

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Jetzt aber echt ehrlich und zum Einmerken: Es wird wieder eine Bloglesung geben, am Samstag, 24. Oktober, um 19 Uhr im Müncher Boxwerk, Schwindstr. 14.
Line-up: Initiatorin und Organisatorin Frau Klugscheißer, außerdem Novemberregen, aus Berlin Mequito, aus Haltern Vanessa Giese und ich.

die Kaltmamsell

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