Journal Donnerstag, 8. Oktober 2026 – Style-Abenteuer und Beifang aus dem Internetz
Freitag, 9. Oktober 2026 um 6:08Einmal zu oft nachts aufgewacht für wirklich erholsamen Schlaf.
Angekündigter düsterer Morgen, was ich allerdings erst kurz vor Verlassen des Hauses sah, weil es erst dann genug getagt hatte.
Wieder dotzten Wespen von außen gegen die Fenster aller beleuchteter Räume, wieder lüftete ich lieber nur in den Innenhof.
Meine Art Abenteuer: Ich versuchte mich auch mal in French Tuck. Ich war nicht überzeugt, schon gar nicht vom versprochenen Effekt “mühelos cool”. Ließ das aber so, weil sonst die Gürtelschließe beim Sitzen Kontakt mit meinem Bauch gehabt hätte – und das verursacht zuverlässig Ausschlag (Nickel-Verdacht).
In der Arbeit fragte ich vorsichtshalber eine Kollegin, die ich regelmäßig mit diesem Style sehe, ob ich auch alles richtig machte. Sie gab mir Daumen hoch. (Für sie war diese Art des vorderen Reinstopfens so selbstverständlich, dass sie nichtmal die Bezeichnung French Tuck kannte – Generationenunterschiede.)
Der Marsch ins Büro war noch mild genug für offene Jeansjacke.
Aber düster. Wie jedes Jahr im Oktober beginne ich mich nach der Winterzeit zu sehnen.
Hauptbeschäftigung des Vormittags: Reise-Orga. Wieder kämpfte ich mit absurd hohen Hotelpreisen in München, diesmal für 10. bis 12. November, wieder vermisste ich eine zentrale Website “Großveranstaltungen in München” zur Ursachenrecherche. Also fragte ich meine kleinen Internet-Freunde auf Mastodon – und bekam postwendend1 die Info: Messe electronica. Also buchte ich etwas nur doppelt so teures wie laut Liste erlaubt und schrieb einen kleinen Erklärungsaufsatz dazu, inklusive Screenshots.
Mittags ging ich raus auf Cappuccino im Westend, auf dem Markt kaufte ich Käse für den Abend – keine Bodensee-Äpfel, weil im gestrigen Ernteanteil Äpfel angekündigt waren. Es war immer noch mild.
Erst noch einiges weggearbeitet, dann gab es zu Mittag den letzten Bodensee-Apfel der Vorwoche, außerdem Granatapfelkerne mit Sojajoghurt und Mohn, von Letzterem hatte ich noch eine ganze Weile danach was.
Jetzt endlich kippte das Wetter und echter Regen setzte ein (aber nur für wenige Stunden – so wird unser Regenrückhaltebecken in der Gärtnerei ja NIE voll!).
Nachmittag unter anderem Kampf mit der Maschine: Einer der Großdrucker kaprizierte sich auf Papierfalten. Ich kam einer Kollegin zu Hilfe, knurrend: “Bis jetzt bin ich noch mit jedem Papierstau ferig geworden.”
Drucker: “Challenge accepted.”
Jede Papierstau-Beseitigung wurde von einer noch elaborierteren gefolgt, irgendwann zeigte das Display DREI Fehlercodes an. Ich knickte ein und gab ein Störungs-Ticket auf, wieder eine Superheldinnenkraft weniger.
Auf meinem Heimweg war es weiterhin düster, doch es regnete nicht – gar nicht gut. Unterwegs Einkäufe im Süpermarket Verdi.
Zu Hause Häuslichkeiten, eine Viertelstunde Rückengymnastik, wieder mit abgefahrenen Übungen und Tipps. Zwei weitere Ganatäpfel meditativ entkernt und zu Brotzeit für Freitag verarbeitet.
Donnerstag ist Ernteanteiltag, gestern bestand er aus diesem (den gigantischen Blumenkohl werde ich fotografieren müssen). Ich freute mich über den Romanasalat und hatte extra eine süße Zwiebel dazu gekauft, um ihn auf spanische Art anzumachen. Von voriger Woche war noch ein Hokaido-Kürbis übrig, den buk Herr Kaltmamsell in Schnitzen im Ofen.
Dazu den Käse vom Markt. Nachtisch noch eine geteilte Quitte mit Joghurt und Honig, ich hatte am Mittwochabend gleich zwei in den Ofen gesteckt. Und Schokolade.
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Nicole Diekmann nimmt den Jahrestag des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober zum Anlass, auf den tiefen und im Grunde reflexhaften Antisemitismus in unserer Gesellschaft hinzuweisen. Ihre Beweismittel: Kommentare im Web unter Posts über diesen Terrorangriff:
“An einem Wort erkennt man den Unterschied”.
Denn unter solchen Posts breitet sich der Hass aus. Und der ist nicht nur sichtbar, der ist auch in Zahlen vermessen. Das Projekt “Decoding Antisemitism” an der TU Berlin wertet seit 2020 Kommentarspalten etablierter Medien aus, darunter “Zeit”, der britische “Guardian” und die französische “Le Monde”. Schmuddelecken des Netzes sind das nicht. Nach dem 7. Oktober 2023 verdreifachte sich dort die Zahl antisemitischer Kommentare. In deutschen YouTube-Kommentarspalten fanden sie sich in bis zu jedem vierten.
Gegenhalten, wie Nicole Diekmann zurecht fordert, schaffe ich im konkreten Fall leider nur selten, weil meine Empörung zu schnell mit mir durchgeht. Zumindest reiche ich ihre Bestandsaufnahme und ihren Appell weiter.
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Eva Troelenberg bereist gerade Usbekistan und postet Fotos davon auf instagram – hier geht’s los. Bei den Bildern vom Bahnhof Samarkand musste ich ein bisschen weinen. Jajaja, Deutsche Bahn, erstmal zuverlässige Verbindungen. Aber dann machen wir die großen Bahnhöfe schön, ja? Also welche, die nicht nur “Muss ja” und “Wenigstens kriegen wir durch Ladenmiete Geld rein” ausstrahlen.
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Einer der Newsletter, die ich abonniert habe, ist vom USA-Medium Vox “Log off”: Jeden Werktag EINE relevante Trump-Nachricht, kundig eingeordnet – und nur WENN es Relevantes gibt. Den ganzen Scheiß drumrum lassen sie weg. Und dazu weisen sie immer noch auf etwas Aufmunterndes hin, zum Beispiel auf niedliche Tiere.
Gestern gab es nichts Relevantes von Trump, dafür einen Link zu Überlegungen, warum (in USA) (in diesen Kreisen) Dinner Partys aussterben.
Es mag sich durchaus um ein Symptom der belegbaren Vereinzelung von Menschen in westlichen Kulturen handeln (mögliche Ursachen Corona, Smartphonisierung von zwischenmenschlichen Kontakten). Auch ich beobachte eine Abnahme von Dinner Partys – bei mir. Deshalb bin ich Herrn Kaltmamsell sehr dankbar, dass er in den vergangenen Monaten zweimal Kolleg*innen zum Abendessen eingeladen hat. (Und ich habe noch eine Einladung zu Short Ribs an zwei Freunde offen – KOMMT NOCH!)
Denn an sich bin ich völlig auf Gastgeben gepolt, siehe meine Ausführungen vor drei Jahren: “Vom Gastgeben”. Und als wir vor fünf Jahren unsere jetzige Wohnung einrichteten, war die unausgesprochene Vorgabe fürs Wohnzimmer: Dinnerparty-Tauglichkeit, also ausziehbarer Tisch und sechs Stühle (weitere sechs stehen an anderen Stellen einsatzbereit). Ich hoffe sehr, dass wir sie noch häufig nutzen.
(Diese Angst kenne ich allerdings überhaupt nicht: “Don’t let a messy house stop you from hosting”. Richtig eklig dreckig wird es bei mir schon seit Jahrzehnten nicht mehr.)
- Schöner sprachlicher Atavismus. [↩]





