Journal Freitag, 9. Oktober 2026 – Morgenrosa vom Schwimmbecken aus

Samstag, 10. Oktober 2026 um 8:33

Herbstkühler Morgen, ich brachte einen etwas gefürchteten Moment hinter mich: Rückkehr in dicke Jeans 501 (100% Bauwolle, 0% Stretch). Gefürchtet, weil sie sich eng anfühlen könnte, wenn nicht sogar kneifen: In Sommerkleidung breitet sich der Körper entspannt aus, dadurch fehlt mir das Gefühl für meinen Umfang (an dem ich merke, ob ich ab- oder zunehme = mein Ersatz für eine Körper-Waage) – und als durchschnittlich essgestörte Frau gehe ich IMMER von Zunehmen aus, wenn ich nicht aufpasse. Doch siehe da: Die Jeans saß sehr bequem, nichts kniff.

Ich war etwas früher aufgestanden, um vor der Arbeit im Dantebad unter freiem Himmel zu schwimmen – obwohl wirklich schlechtes Wetter mit Regen angekündigt war. Doch so könnte ich am Samstag Wandern gehen statt schwimmen.

Das Wetter war dann überhaupt nicht schlecht, der Schwumm traumhaft: Erst sah ich beim Luftholen zur Seite ein wenig Morgenrosa an wolkenlosem Himmel, dann etwas Sonnenlicht durchs Laub der hohen Bäume, dann hübsche Ackerfurchenwolken am blauen Himmel.

Die Bahnen waren wenig beschwommen, ich bewegte mich entspannt, leicht und stark. Alle paar Bahnen fragte ich mich: Und? Macht’s noch Spaß? Um mir bewusst zu machen: JAAAAAAA, und wie! Kleine Eintrübung: Krampfversuche an beiden Waden und Füßen auf den letzten 500 Metern – die ich aber erfolgreich abwendete.

Und in meinem Kopf wuchsen Ideen! Die ja machen, was sie wollen: Mir fiel ein roter Faden für einen Text über Lesen auf Papier vs. auf Bildschirm ein – obwohl ich derzeit viel dringender weitere Ideen und konkrete Formulierungen für den Bloglesungstext brauchen könnte.

Flotte und problemlose Körperpflege in einsamer Dusche und nicht zu drängeliger Sammelumkleide, bald war ich wieder draußen und auf dem Weg zum U-Bahnhof Westfriedhof. Erst als mich entgegenkommende Menschen leicht überrascht anlächelten, wurde mir klar, dass ich vor lauter Schwimmseligkeit vor mich hin lächelte, einfach so. Resting Honigkuchenpferd Face.

Gestern war ich allein in meinem Büro, auch sonst arbeitete fast niemand vor Ort: Ich traute mich, die feuchten Handtücher vom Schwimmen überm anderen Schreibtisch zum Trocknen aufzuhängen, damit sie nicht in der Tasche anfingen zu müffeln (das tun sie sehr schnell).

Vormittags hatte ich ordentlich zu tun, erst spät ging ich raus auf meinen Mittagscappuccino ins Westend: Es war kühl und sonnig, ich genoss meinen Spaziergang wieder sehr und hätte gern mehr davon gehabt.

Zurück im Büro gab es zu Mittag Feigen, Mirabellen, außerdem Granatapfelkerne mit Sojajoghurt und Mohn. Schon jetzt merkte ich, dass ich bei angekündigter Düsternis und Kühle doch keine Lust auf eine Wanderung am Samstag hatte – und hatte schlagartig zum ersten Mal seit sehr Langem einen komplett freien Samstag ohne längerem Sport vor mir (ein bisschen Pilates oder Yoga zählen ja wirklich nicht).

Früher Feierabend (in Relation zum späten Arbeitsbeginn), auf dem Heimweg besorgte ich Wochenend-Lebensmittel im Edeka.

Zu Hause freute ich mich auf eine halbe Stunde Pilates, die auch sehr gut tat.

Ich meldete mich zum Klassentreffen an: Mein Abitur in Ingolstadt jährt sich heuer zum 40. Mal, doch der sonst immer verlässliche ortsansässige Organisator dieser Termine ist tot. Nach der jüngsten Weihnachts-Rundmail hatte es mindestens eine Anmerkung “ein Treffen wäre schön” gegeben – doch dafür muss halt JEMAND sorgen, das passiert nicht von allein (bitte bedenken Sie das, wenn Sie zu einem Klassentreffen eingeladen werden und das in irgendeiner Form begrüßen: danken Sie doch denen, die den Arsch dafür hochgekriegt haben). Das hatten dann doch zwei Mitschüler geschafft, vergangene Woche bekam ich eine Einladung für November.

Aber jetzt war wirklich Wochenende. Ich goss uns zum Anstoßen darauf Calvados Tonic auf, dazu gab’s arabische Würznüsschen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die ersten Süßkartoffeln der Saison aus Ernteanteil zu unserem Süßkartoffel-Klassiker Macaroni-and-cheese verarbeitet – großartig. Dazu öffnete ich eine Flasche eines unserer Lieblingsrotweine (nach dem Weißwein-Fiasko des vorherigen Wochenendes wollte ich sicherstellen, dass unsere Rotweine nicht dasselbe Schicksal ereilt hatte): Südafrikanischen Owl Post Pinotage. Puh, nicht gekippt, großer Genuss. Nachtisch (zu viel) Schokolade, früh ins Bett zum Lesen mit Bauchdrücken.

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Schon wieder lege ich an Maximilian Buddenbohms Beobachtung an:
“Beschleunigungen”.

Auch an den Isarwegen beobachte ich (allerdings als Läuferin) vermehrt Joggen in Gruppen. Die Extremform: Einmal kam mir früh morgens eine etwa 20-köpfige Gruppe entgegen, die einen Vorläufer hatte – mit Lautsprecherbox und sehr lauter schmissiger Musikbeschallung.

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Die Software-Entwicklerin Margaret Hamilton ist mit 90 Jahren gestorben, hier das ikonische Bild von ihr und der Software, die den ersten Menschen auf den Mond brachte.

Hier der Nachruf des MIT:
“Margaret Hamilton, computing pioneer who led software development for the Apollo program, dies at 90”.

“To say Margaret Hamilton was a pioneer — to say she was ahead of her time — would be a dramatic understatement. She was a software engineer at a time when that field was in its infancy, and she not only developed advanced code herself but also led a team in using that nascent technology to develop one of the most complex systems humanity had ever achieved,” says Olivier de Weck, the Apollo Program Professor and interim head of the MIT Department Aeronautics and Astronautics.

(…)

Hamilton’s most famous contribution to the Apollo program came during the pivotal Apollo 11 mission to land on the moon in July of 1969. Moments before the Eagle module was set to land on the lunar surface, the onboard computer raised the alarm. It had detected a 1202 error: The computer was overloaded due to a fault in a hardware switch, and it was possible the system would not be able to handle the complex landing procedure.

But Hamilton and her team had engineered priority-driven software, able to shut down unnecessary background tasks in order to prioritize mission-critical tasks. Houston trusted Hamilton’s software and allowed the mission to proceed, and two men walked on the moon for the first time.

Auf Mastodon weist @_nd_ auf ein (insgesamt sehr lesenswertes) Interview mit ihr hin, das belegt: Den Begriff “Software Engineering” gibt es wirklich nur wegen Margaret Hamilton.
“Interview with Margaret H. Hamilton”.

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Anne Carson hat den Literatur-Nobelpreis 2026 bekommen. Diesmal sagte mir zumindest der Name etwas, auch wenn ich noch nichts von ihr gelesen habe. Das Schöne am Preis: Durch mein Internet werden Schnipsel von ihren Bühnenauftritten und von Interviews mit ihr gereicht, und die schöne alte Frau erweist sich als klug und besonders zuhörenswert, gucken Sie doch zum Beispiel hier.

die Kaltmamsell

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