Journal Samstag, 10. Oktober 2026 – Regnerischer Gammelsamstag mit kleinen Aufregungen und kleinen Erfolgen
Sonntag, 11. Oktober 2026 um 7:54Gut und ausgeschlafen, in der letzten Phase geträumt, dass ich mit den gerade Japan bereisenden Brüllens Urlaub in Norwegen mache.
Richtig gemütlicher Morgen, nach Bloggen in aller Gelassenheit eine Rechnung geprüft und beglichen, erstes Weihnachtsgeschenk bestellt.
Weitere Tüchtigkeit: Ich entsorgte verwelkte Blumensträuße – bis auf ein paar Blüten, die noch ansehnlich waren.
Für die habe ich nämlich drei kleine Reste-Vasen (ich nehme an, hat jede?). Die rechte, Rosenthal Studio-Line, schenkte mir vor über 40 Jahren als Gastgeschenk der Sohn des Glasers Schwarz aus dem edlen Glas-, Geschirr-, und Rahmenladen der Familie in Ingolstadt, auch den gibt es schon lang nicht mehr.
Auf der Unterseite auch der Name des Designers: James Kirkwood (herausgefunden mithilfe meiner kleinen Mastodon-Freunde). Daneben der Originalaufkleber aus dem Laden: Die Glaser-Dynastie “seit 1794” endete mit dem Vater des Schenkers. Ich wüsste sehr gern, was aus dem sympathischen Altersgenossen geworden ist, aber sein Name ist zu üblich, als dass ich ihn je im Internet gefunden hätte.
Was ich herausgefunden habe: Die Vase ist die Hälfte eines Doppels.
Draußen regnete es endlich auch glaubhaft, ich hätte wirklich keine Lust auf den ursprünglich geplanten Wandertag gehabt.
Mein Hirn hatte natürlich Pläne gemacht (WIE?! ein KOMPLETT LEERER Samstag?!): Mittagscappuccino draußen, Jeanskauf, Apfeltaschenbacken aus Ernteanteil-Äpfeln und Blätterteig.
Start der Heizungs-Saison – der gleichmal in einer E-Mail an die Hausverwaltung endete: Herr Kaltmamsell testete alle Heizkörper durch Aufdrehen durch, alle wurden warm, aber aus dem Ventilanschluss im Bad tropfte es jetzt, auch nach Abdrehen der Heizung. Wir würden mit untergestellten Schüsseln durchs Wochenende kommen müssen.
Ich spazierte hinaus in den Regen zunächst auf einen Mittagscappuccino. Am angesteuerten Ort in der Müllerstraße weigerte man sich, Deutsch mit mir zu reden, die Thekenkraft blieb bei Englisch. Ich bekam dennoch einen Cappuccino und dachte an meinen Vater, der als Einwanderer Anfang der 1960er in Nürnberg sogar mit anderen spanischen Einwanderern Geld zusammengelegt hatte, um eine Deutschlehrerin zu bezahlen.
Weiter zum Jeanskauf. Nach dem Scheitern meines ersten Versuchs im Frühjahr, als ich vergeblich auf Beratung von ausgebildetem Personal setzte, hatte ich mich diesmal gut vorbereitet. Sondieren von Herstellern hatte mich doch wieder zum Klassiker Levis geführt, auf deren Website hatte ich die aktuellen Modelle gesichtet und zwei notiert, die nach Beschreibung und Fotos an mir wie gewünscht sitzen könnten. Gestern ging ich also in den Laden in der Sendlinger Straße, eines von den Modellen war in breiter Größen- und Farbauswahl vorrätig. Mit abschließender Unterstützung einer Angestellten fand ich die wirklich passende Größe (das System scheint sich seit meinem letzten Kauf vor drei Jahren geändert zu haben) und kaufte – wie sich an der Kasse erwies, sogar zu Sonderangebots-Konditionen.
Zurück daheim buk ich Apfeltaschen, fand bei der Suche nach Mandelblättern oder -stiften ein weiteres Mehlmottennest und warf nahezu den gesamten Backzutaten-Vorrat in dem Müll. Wurden es halt schlichte Apfeltaschen.
Vor den Apfeltaschen mit Sahne gab es zum Frühstück Feigen und Mirabellen, ein wenig Blauschimmelkäse.
Angenehm vergammelter Nachmittag – ich kann es noch. Internetlesen, Zeitunglesen, Romanlesen. Allerdings immer wieder ins Stehen gescheucht von Kreuzweh.
Von Lesen auf dem Balkon zu dicken Socken in einer Woche – aber so fühlt sich Oktober richtiger an. Am Ende des Nachtmittags eine halbe Stunde Pilates mit Gabi Fastner.
Im Zentrum des Nachtmahls stand dieser Riesen-Blumenkohl aus Ernteanteil, der größte, den ich je gesehen habe, fast zwei Kilo schwer. Eine Hälfte wird es Sonntagabend geben, aus der anderen bereitete Herr Kaltmamsell gestern Abend Ottolenghis Curried cauliflower cheese filo pie. (Vorher gab es als Aperitiv nochmal Calvacos Tonic.)
Schmeckte mir ganz ausgezeichnet. Dazu den restlichen Rotwein vom Vorabend.
Nachtisch Schokolade. Fast nicht zu viel.
Im Bett lang Siri Hustvedt, What I Loved gelesen; obwohl nicht viel passiert, lebe ich sehr gern lesend in der Welt des Romans – und bin immer wieder fasziniert von den detaillierten Beschreibungen der vielen zeitgenössischen Kunstwerke, die darin vorkommen – die es aber gar nicht gibt, die Hustvedt nur mit Wörtern erschafft (Assoziationen mit den fiktiven Computerspielen, die Gabrielle Zevin in ihrem Roman Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow mit Wörtern erschafft). Möglicherweise hat Thomas Mann in seinem Doktor Faustus Ähnliches mit fiktiver Musik versucht; ich erinnere mich aber nicht, dass er dadurch Klänge in meinem Kopf erzeugt hätte – das mag bei Leser*innen mit intensiver Beziehung zu Musik aber anders sein.








