Journal Mittwoch, 30. Juli 2025 – Isarhochwasser in kurzer Regenpause
Donnerstag, 31. Juli 2025 um 6:32Für gestern hatte ich den Wecker auf Extrafrüh gestellt: Die Wettervorhersage hatte die Möglichkeit eines regenfreien, mittelhellen Morgens angekündigt, vielleicht hell genug für einen letzten (vorletzten? *Bambi-Augen*) Isarlauf vor der Arbeit. Ich wachte eine halbe Stunde nochfrüher auf, lauscht sofort nach draußen: kein Regenrauschen, super. Einschlafen konnte ich jetzt aber nicht mehr.
Egal, der Morgen dämmerte tatsächlich mit nur mittlerer Bewölkung: Ich war gespannt, wie meine Lerchenstrecke an der Isar bei Hochwassermeldestufe 1 aussehen würde.
Überrascht war ich beim Loslaufen erstmal über die Kälte, ich schätzte gerade mal 10 Grad. Zwar war ich noch zu verschlafen, um “notice how you feel” (die Yoga-Adriene scheint irgendwann ein eigenes Einflüsterzentrum in meinem Hirn eingerichtet zu haben), aber nichts schmerzte mehr als sonst, die Bewegung strengte mich nicht wirklich an.
Interessante Niedrighochwasseransichten; Meldestufe 1, so lernte ich dabei, bedeutet nur an einer Stelle reinlappende Isar auf meiner Lerchenstrecke.
Nur hier konnte ich nicht wie gewohnt direkt am Ufer laufen.
Wieder ein Holzschnitt.
Mutprobe nach dem Duschen: Die frisch gewaschene echte Jeans (501), die ich wegen Kälte nach Monaten aus dem Schrank zog. Zu meiner Erleichterung war sie nicht zu klein geworden, nach zwei Kniebeugen saßen auch die Oberschenkel bequem. (Nein, das wird in diesem Leben nicht mehr aufhören.)
Auch auf dem Weg in die Arbeit war der Himmel geradezu heiter, das Gehen bereitete mir so viel Freude, dass ich auf die Abkürzung mit U-Bahn verzichtete (außerdem fiel mir gestern kein Grund ein, so früh wie möglich im Büro anzukommen, es stand nichts und niemand Dringendes an).
Geordnet emsiger Vormittag, bei meinem Spaziergang ins Westend zu Mittagscappuccino war es geradezu mild und freundlich.
Das änderte sich bald wieder: Beim Mittagessen dräute der Himmel dunkelgrau. Es gab Gurke, dann Mango mit Sojajoghurt, in den ich eingeweichte Roggenkörner gemischt hatte – zum einen kaue ich sehr gern solche Körndln, zum anderen verlangsamt das mein Weglöffeln von Mangojoghurt angenehm.
Kurz nach Mittagessen prasselte der Regen bereits wieder munter. (Ich möchte bitte gerne einen schwarzen Regenschirm mit der Aufschrift in großen, freundlichen Buchtaben: “Der Bauer freut sich”.)
Den Arbeitsnachmittag brachte ich auch rum, auf dem Heimweg profitierte ich von einer Regenpause.
Heim kam ich in eine leere Wohnung: Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig. Ich kruschte, turnte Yoga-Gymnastik und bereitete mir zum Abendessen (Ernteanteil bereits aufgegessen) Rahmspinat mit verlorenen Eiern, einen meiner Stroh-Single-Klassiker. Zudem aß ich Salzgürkchen, Käse mit Pfirsich, abschließend Schokolade – insgesamt zu viel.
Das aktuelle Granta 172, Badlands hatte ich ausgelesen – eine eher schwache Ausgabe, mit einem über 50-seitigen Text “Wie ich mal in den Krieg in der Ukraine fuhr und mit ganz vielen Leuten redete”, den ich bald nur noch kursorisch überflog. Nächste Lektüre, endlich wieder bequem auf dem Kindle (die Zeiten, in denen mich Papierbücher nicht anstrengten, kommen wohl nicht wieder): Grete Weil, Tramhalte Beethovenstraat, gleich mal aus unerwarteter Perspektive und in überraschendem Tonfall, 1963 als “erster deutschsprachiger Roman einer Überlebenden über Exil, Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden” veröffentlicht.
Vor dem Zu-Bett-Gehen (früh sehr müde, kein Wunder) sah ich nach den Mauerseglern, die ich tagsüber nicht gehört hatte: Sie sind möglicherweise bereits fort.
§
Nils Pickert engagiert sich unter anderem bei Pinkstinks Germany gegen Sexismus und Homophobie. In Standard.at blafft er sich von der Seele:
“Neue männliche Einsamkeitskrise? Das geht doch schon seit Jahrhunderten so”.
Männer bevölkern in großer Zahl die Gefängnisse, weil sie die überwältigende Anzahl von Kapitalverbrechen begehen. Sie werden häufig Opfer von Gewalttaten – hauptsächlich, weil andere Männer es mit ihrer Männlichkeit vereinbar oder sogar für zwingend erforderlich halten, anderen Männern Gewalt anzutun. Sie sterben neben biologischen Ursachen (Looking at you, Y-Chromosom!) auch deshalb früher, weil sie zu risikoreicherem Verhalten ermutigt und erzogen werden und weil sich Gesellschaften gerne ihrer Körper bedienen, wenn es darum geht, die Drecksarbeit zu machen.
(…)
Und ja, Männer sind einsam. Ihre Freundschaften drehen sich zu oft nicht um Nähe, Fürsorge und Liebe, sondern um Themen oder Beschäftigungen. Fußballfreunde. Saufkumpel. Gaming-Bros. Freundschaft ist für Männer auch der eine Typ aus dem Unikurs, der ihnen für ein Bier damals beim Umzug geholfen hat, den sie aber seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben.
Männer führen parasitäre Sozialbeziehungen, indem sie (notgedrungen) Zeit mit den Partnern der Freundinnen ihrer Partnerinnen verbringen. Also weniger “Hey, das ist aber mal ein interessanter, aufrichtiger, liebenswerter Kerl, mit dem würde ich gerne mehr Zeit verbringen”, sondern eher so “Ach, du auch hier, na ja dann, und du so”.
(…)
Das Ende männlicher Einsamkeit liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft.
Und es liegt auch nicht in Frauen, sondern in Männern selbst. Im Halten, Lieben, Scheitern und Verzeihen. In Männern, die andere Männer auffangen, wenn sie fallen, und zur Verantwortung ziehen, wenn sie andere schlecht behandeln.
Kommen Sie mir auch hier bitte nicht mit #notallmen: Es geht um Strukturen.
7 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 30. Juli 2025 – Isarhochwasser in kurzer Regenpause“
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31. Juli 2025 um 6:50
Funfact: auch der Bauer freut sich nicht zu jeder Zeit über Regen. Und ausgefallener Regen im Juni ist nicht Ende Juli nachholbar. Grüße aus dem Dorf in die große Stadt!
31. Juli 2025 um 7:56
Über den Schirm musste ich sehr schmunzeln, auch ein “Die Natur braucht es” fände ich stark.
31. Juli 2025 um 8:12
@Berit:
Aus Hamburg mein Zusatz: “… aber nicht ständig”.
31. Juli 2025 um 11:31
deshalb hab ich a little life damals so gern gelesen, weil es mir so auffiel, dass es um männerfreundschaft ging. das sieht und liest man selten. gibt es zu wenige vorbilder?
31. Juli 2025 um 13:07
Hier sind die Mauersegler weg (Mittelhessen). Ich sass letzten Samstag draussen und der Himmel war leer.
Grüsse in den Süden.
31. Juli 2025 um 15:18
Fragen Männer sich eigentlich gegenseitig: Wie geht es Dir denn?
Gehört hab ich es noch nie. Da ist noch viel zu Luft nach oben.
Und Regen in der Landwirtschaft während der Ernte ist schon Bäääh!
31. Juli 2025 um 17:19
Thematisch passender Verleser des Tages „eingelegte Regenkörner“