Journal Samstag, 15. November 2025 – Zu mild, Abend mit Freunden aus der Schweiz zu österreichischer Küche
Sonntag, 16. November 2025 um 8:49Nochmal eine zerstückelte Nacht, es wird mal wieder Zeit für eine richtig gute.
Geträumt unter anderem von einer Krähe, die ich rettete und die sehr zutraulich wurde, sich von mir streicheln ließ, mit mir sprach und ihre Tochter mitbrachte.
Erste Handgriffe nach dem Aufstehen wie geplant: Bett abziehen, um die Bettwäsche mit weiterem Weißen zu waschen, Brotteig für schnelles Weizenmischbrot ansetzen.
Draußen strahlte die Sonne, dennoch spürte ich starken inneren Widerstand gegen Fahrradfahren: 1. Straßenverkehr an einem Samstag in München, 2. LALÜ-Gefahr.
Nachdem ich das Brot aus dem Ofen geholt hatte, sehr zufrieden mit dem Ergebnis, nahm ich also eine U-Bahn zu meiner Schwimmrunde im Olympiabad. Erst als ich schon im Wasser war, fiel mir ein, dass bei diesem schönen Wetter das Dantebad mehr Vergnügen bereitet hätte – egal. Meine Bahn war übersichtlich beschwommen, Geräteschwimmer*innen erst auf den dritten 1.000 Metern, und dann nur die unbedrohlichen mit Kissen zwischen den Oberschenkeln. Ich fühlte mich frisch und fit, kraulte mit Genuss, beim Luftholen Blick auf Sonnenglitzer.
Beim Warten auf die U-Bahn zurück checkte ich die gemeinsame Einkaufsliste: Herr Kaltmamsell hatte sie bereits komplett abgearbeitet, also kein Stopp am Marienplatz für Lebensmittelbesorgung.
Frühstück um zwei: Birne, frisches Brot (sehr gut – im Vergleich hat halt auch kein bejubelter Hipster-Bäcker Chancen) mit Butter und Honig/Zuckerrübensirup. Das machte mich schläfrig, ich unterbrach meine Lektüre der Wochenend-Süddeutschen für ein halbes Stündchen Siesta.
Für den Abend machte ich mich ein wenig fein: Freunde aus der Schweiz waren auf Familienbesuch in München, mit ihnen trafen sich Herrn Kaltmamsell und ich zu einem Nachtmahl im Restaurant Waltz, das schon lange auf meiner Liste der hiesigen Wunschlokale stand – und das praktischerweise von uns sehr bequem zu Fuß erreichbar ist.
Wir verbrachten einen schönen Abend, ich freute mich sehr über das Zusammensein, wir aßen auch gut, tranken interessante Weine – allerdings war der Gastraum komplett ausgebucht und so laut, dass ich nach diesem Abend (bei eh angegriffenen Bronchien) keine Stimme mehr hatte.
Zum Aperitif ein schöner Winzersekt Christmann, knochentrocken mit leichter Bitternote. Aus der Karte wählten wir alle viere das Fünf-Gang-Menü, das wir uns selbst zusammenstellten. Dazu ließen wir uns vom freundlichen und aufmerksamen Service einen Chardonnay von Nittnaus aus dem Burgenland empfehlen – den Winzer kenne ich, sein Chardonnay Freudshofer 2022 war so un-amerikanisch, dass er auch mir schmeckte.
Bei der Vorspeise hatten wir uns alle viere für den Kürbis mit Maronen entschieden – ein runder Teller, aber Kürbis schmeckte ich nicht recht.
Zwischengang war bei mir der Blunznknödel mit Zwetschgen – wenn man mir schon Blutwurst anbietet!
Vereint waren wir wieder alle vier bei einer wirklich guten Haselnuss-Suppe.
Die zweite Flasche Wein (der Nittnaus war die letzte Flasche von diesem Chardonnay gewesen) durfte ich aussuchen, ich entschied mich für einen Furmint vom Neusiedler See und von Franz Weninger. Ganz anders, mit ordentlich Säure und den mostigen Noten vom Spontanvergorenen.
Als Hauptgericht hatte ich den Karpfen, wunderbar saftig und in schöner Rahmsauce (die Kartoffeln waren aufgewärmt, und diesen typischen Geschmack mag ich leider gar nicht).
Richtig gut war wieder der Nachtisch, Foto vergessen: Apfelkompott auf Marzipancreme und unter Tonkabohnen-Eis.
Abschied vom Besuch spät im Untergeschoß des Sendlinger Tors (auf dem Weg dorthin durchs Glockenbachviertel vor aller Gastronomie dicht besetzte Außentische – Mitte November!), Hoffnung auf baldiges Wiedersehen. Die letzten Meter nach Hause im immer noch Milden – aber für den Wochenanfang ist ein jahreszeitlich angemessener Temperatursturz angesagt, dieser Tage könnte auch der erste Schnee kommen.
§
Einige vernünftige und lesenswerte Gedanken zum politischen Umgang mit Prostitution von Ronen Steinke in der Süddeutschen (€):
“Natürlich macht das kein Mensch freiwillig”.
Zwangsprostitution allerdings – das sei ein großes Wort, fand die Krankenschwester Angelika Müller, es täusche klare Grenzen vor, wo keine seien. Am Beispiel der Frau mit den grünen Stiefeln könne man das sehen: Nicht nur rohe Gewalt von Männern, auch ökonomische Notwendigkeiten zwingen Frauen auf die Straße. Eine krebskranke Mutter, ein Sohn, der es mal besser haben soll. Drogen, Schulden. „Frei von Zwang“, sagte die Krankenschwester, „ist letztlich keine hier.“
Wer wirtschaftlich in Not ist, der trifft Entscheidungen, die er sonst, aus freien Stücken, nicht treffen würde. Klar. Anders würde wahrscheinlich kaum jemand in einer Tätigkeit wie ausgerechnet der Prostitution landen. Aber: „Frei von Zwang ist letztlich keine hier“, das beschreibt dann natürlich die Lebenssituation nicht nur von Prostituierten.
Wenn man, wie Julia Klöckner oder Nina Warken, bereits von „Zwang“ sprechen möchte, wenn nur ökonomischer Druck gemeint ist, dann beschreibt das sehr schnell die Situation auch von vielen weiteren Menschen. Wer träumt als Kind schon davon, Toiletten zu putzen? Oder Spargel zu stechen? Oder im Schlachthof zu stehen? Und so leuchtet es einerseits ein, wenn die CDU-Politikerinnen jetzt sagen, man müsse von „Ausbeutung“ sprechen und diese unterbinden. Andererseits, warum nur bei Prostituierten?
8 Kommentare zu „Journal Samstag, 15. November 2025 – Zu mild, Abend mit Freunden aus der Schweiz zu österreichischer Küche“
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16. November 2025 um 12:52
Karpfen geht ja eigentlich nur im Aischgrund!! Wir müssen euch mal wieder dorthin entführen, um euch auf Lebzeiten für alternative Karpfen zu verderben!!
16. November 2025 um 13:36
Ach, die Frau Klöckner! Sie ist ja bekannt für ihre Fähigkeit, bei der Beurteilung von Sachverhalten (sh.Taz und Nius) feinste Unterscheidungen machen zu können. So auch mit ihrem neuesten durchdachten Vorstoß, was unter “Zwang” fällt (Achtung Satire)! Sie rutscht doch permanent auf der populistischen Schiene aus. Anders ist ihre Aussage, Deutschland sei “der Puff Europas” nicht zu verstehen.
16. November 2025 um 17:31
Was für ein besonderer Traum.
Heute Morgen habe ich noch nachgelesen, welche mythologische Bedeutung Rabenvögel haben. Herr croco filmt gerade die Elstern und Eichelhäher im Garten. Es kommt wirklich auf die Kultur an, von Glücksboten über Geisterwesen zum Hexenvogel ist alles drin.
‚Puff Europas‘.
Da kennt sich jemand aus.
Rheinland Pfalz ist eigentlich ein CDU-Land. Doch diese Partei versemmelt es Wahl um Wahl. Unter anderem weil Frau Klöckner lange Vorsitzende und Kandidatin war. Ihr Reingrätschen in Themen, die ihr Presse bringen sollen, ist unsäglich.
Sie hat zwei Gesichter. Ich hab sie mal erlebt in einem politischen Gespräch in kleinerer Runde. Da war sie plötzlich differenziert, warmherzig, angenehm.
17. November 2025 um 7:00
Warum nur bei Prostitution?
Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte mal wahllos zehn Leute fragen, ob lieber Fellatio mit einem Unbekannten im Beruf mit der höchsten Wahrscheinlichkeit ermordet zu werden und schwere Geschlechtskrankheiten zu bekommen, oder Spargelstechen/Kloputzen/Regale einräumen.
Es ist evident, dass mit zahlreichen Unbekannten gegen Geld Sex haben, ärger auf die Psyche und den Körper einwirkt weil es eben die sexuelle Komponente mit dazu hat. (Man kann sich gerne mal zu Gemüte führen was die Ärzte die für die Gesundheitschecks zuständig sind zu berichten haben. Und das betrifft nur die Legalen.)
Es sind fast nur Frauen die dieses Schicksal erleiden. Deshalb müssens manche kleinreden.
17. November 2025 um 7:42
Danke, Elisa. Den Vergleich fand ich auch an Dummheit nicht zu überbieten.
17. November 2025 um 8:32
Sie sind überzeugt, dass Prosituierte mit Motiv wirtschaftlicher Druck lieber Geld mit Kloputzen oder Spargelstechen verdienen würden, Elisa, Sonni. Ich bin überzeugt, dass das nicht so ist – allein schon wegen der Flexibilität und Verdiensthöhe. Diesen Dissens müssen wir wohl aushalten.
17. November 2025 um 21:02
Nein, bin ich gar nicht davon überzeugt, dass alle Prostituerten das so sehen, aber sehr wohl viele von ihnen, sowie alle Menschen, die dieser Tätigkeit (noch) nicht oder nicht mehr nachgehen. Aus den Gründen, die Elisa genannt hat, ist es mMn falsch, Prostitution als Beruf wie alle anderen zu betrachten. Auch das Wort Verdiensthöhe passt nicht mit dem Konzept des Menschenhandels und der Abhängigkeit zusammen, mit der die Prostitution in allzu vielen Fällen einhergeht.
Sollte es darüber Dissens geben, halte ich den super aus :-)
17. November 2025 um 22:35
… entschuldigen möchte ich mich jedoch, dass ich “Dummheit” etc. geschrieben habe, denn wäre mir sofort klar gewesen, dass Sie, die Sie hier schließlich unser aller Gastgeberin sind, dem Artikel zustimmen, hätte ich mich höflicher geäußert und nicht meiner Überzeugung mit so einem fiesen Ausdruck Nachdruck verliehen, denn das gehört sich absolut nicht. Ich bitte um Entschuldigung!