Journal Samstag, 10. November 2018 – Erholungssamstag in Technicolor

Sonntag, 11. November 2018 um 8:28

Ein Ausruhtag mit Hoffnung auf Entspannung.

Herr Kaltmamsell musste früh raus, Geschäftsreise. Ich schlief bis halb acht, bekämpfte Kopfweh mit Ibu. Nach dem Bloggen riss der Hochnebel auf – perfekt für meine Laufpläne. Ich überlegte noch, ob mir Nichtlaufen vielleicht besser tun würde (ich wollte ja auch noch einkaufen und lesen), doch die Aussicht auf Technicolor-Herbst freute mich wirklich.

Also nahm ich eine U-Bahn zum Odeonsplatz und lief über den Hofgarten, Chinesischen Turm, Tivoli an die Isar. Der Lauf war wirklich schön in der Sonne, aber auch überraschend anstrengend.

Zurück vom Tivoli nahm ich wegen Tram-Umleitungen den Bus zur Giselastraße und dort die U-Bahn heim.

Duschen, Frühstück (Toast), doch dann musste meine Einkaufsrunde ein wenig warten, weil mich wieder Darmkrämpfe plagten (jetzt ist aber mal gut!). Als ich endlich los kam, genoss ich das goldene Nachmittagslicht und baute Umwege zwischen meinen Besorgungen ein.

Daheim setzte ich Joghurt an (habe mir zur Müllvermeidung wieder Selbstmachen vorgenommen), kochte Vanillepudding mit Tonkabohne für den Abend. Internetlesen, Anrufe der Familie (Abstimmungen, weil wir am Sonntag bei meinen Eltern zur Martinsgans eingeladen sind), dann machte ich mich ans Kochen: Selbst erfundene Wirsingpfanne mit Speck, Zwiebeln, Karotten, Champignons, Nudeln, Sahne, Thymian.

Um halb acht traf sehr erschöpft Herr Kaltmamsell ein, bekam Weißwein und bald auch Essen. Frühes Zu-Bett-Gehen.

§

Die Rolle des Web für die Geschichtswissenschaft wird noch genauer zu untersuchen sein, hier ein aktuelles Beispiel: Twitterin @ElishaveAvital findet im Nachlass ihres Großvaters erschütternde Fotos von der Zerstörung einer Synagoge und von Geschäften durch Nazis in der Reichspogromnacht und postet sie. Schnell melden sich Fachleute, die sie einordnen können, und jetzt ist Elisheva Avital in Kontakt mit spezialisierten Gedenkstätten, die das Material auswerten werden.
Hier der ursprüngliche Faden.

§

“A Space of Their Own, a New Online Database, Will Feature Works by 600+ Overlooked Female Artists from the 15th-19th Centuries”.

via @Hystri_cidae

Many of the artists in the database were self-taught, barred from seeking formal training or studying anatomy on account of their gender. They could not hope to make a living from their talents when women were forbidden from issuing invoices. And then, of course, there are the demands of marriage and motherhood.

§

Bloggerin Casino beschreibt einen Anfall zunächst unerklärlicher Wut in einer Umgebung, die doch eigentlich friedlich ist.

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Samstag, 10. November 2018 – Erholungssamstag in Technicolor“

  1. Ulla meint:

    Schöne Herbsstimmung, aber ich bin etwas besorgt, wie oft Sie Schmerzmittel nehmen bzw. nehmen müssen.

  2. Croco meint:

    Was für Fotos aus der Synagoge! Und keiner der Schergen scheint sein Gesicht verstecken zu wollen, keiner schämt sich.

  3. Elisabeth meint:

    Zweimal Links zu Bildern, zweimal Gänsehaut. Allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen. Die Fotos der Kristallnacht sind so unglaublich wichtig: nie werde ich die Geschichte meiner Großmutter vergessen. Damals eine BDM-begeisterte, naive 17Jährige, besuchte sie nach den Novemberpogromen eine Freundin in Frankfurt und war erschüttert, als diese ihr das Ausmaß der Zerstörungswut, die ausgebrannten Synagogen und Geschäfte zeigte. Sie fing damals an, die verbotenen “Feindsender” zu hören, bekam die Deportationen in ihrem Heimatort hautnah mit und machte sich ein Leben lang Vorwürfe, nicht damals schon politisch aktiv geworden zu sein. Wir haben nicht nur die Möglichkeit, sondern die Pflicht, eine Wiederholung verhindern.

Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.