Filme

Journal Sonntag, 13. Januar 2019 – Regen spült Schnee weg

Montag, 14. Januar 2019

Es regnete gestern praktisch durch, manchmal sah man ein wenig weißen Matsch mitregnen.

Wieder blies ich meine Schwimmpläne ab: Nach Ausschlafen und Blogge nwäre durch eine Fahrt ins Olympiabad und eine Schwimmrunde der Tag fast rum gewesen.

Statt dessen kochte ich Herrn Kaltmamsell und mir zum Frühstück Porridge und suchte eine Kinovorstellung heraus, die mich rechtzeitig wieder nach Hause brachte für den Abendbesuch. Es wurde Der Junge muss an die frische Luft im Filmtheater Sendlinger Tor, in dem ich schon ewig nicht mehr war (aber nicht vergessen hatte, wie kompliziert der Eintrittskartenkauf dort durch fünf verschiedene Kategorien ist – die Schlange am Kassenhäuschen war lang, obwohl nicht allzu viele die Nachmittagsvorstellung sehen wollten).

Der Film gefiel mir sehr gut (ich schließe mich Isa Bogdans Besprechung an), ich glaubte recht deutlich die Handschrift von CharlotteCaroline Link zu erkennen.

Zurück daheim hatte ich schon wieder Hunger und aß Käsebrot und Obst, machte mich dann an das schon länger erworbene Kochbuch Immer schon vegan von Katharina Seiser. Wenig überraschend war es innerhalb kurzer Zeit mit Einmerkern befranst, die Rezepte lesen sich sehr attraktiv – kein Wunder, dass es bereits in der fünften Auflage ist.

Am frühen Abend klingelte es: Ganz alter Blogadel war beruflich in der Stadt. Wir rechneten nach, dass wir uns wohl schon zehn Jahre nicht mehr gesehen hatten, ich freute mich sehr über die Wiederbegegnung. Wir tauschten uns zur aktuellen Lebenssituation aus und dachten über gesellschaftliche und Technikentwicklungen und ihren Folgen nach, waren uns recht einig über die vielen Vorteile des Älterwerdens.

Zu Essen gab es auch: Herr Kaltmamsell hatte Cocido gekocht, das sehr gut geworden war.

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Zur Klarstellung: Nach den ersten Meldungen vergangene Woche zu „Schneechaos“ (über die ich mich lustig machte – und dazu stehe ich) wurde die Situation in einigen Gebieten Südbayerns und Österreichs tatsächlich anstrengend und brenzlig. Warum und mit welchen Details, erläutert dieser Twitterfaden einer Betroffenen.

Journal Donnerstag, 3. Januar 2019 – Misslungenes Brot, gelungener Ochsenschwanz

Freitag, 4. Januar 2019

Länger geschlafen (schlimmer Anfang der Nacht, als ich vor Schmerzen nicht schlafen konnte, Herrn Kaltmamsell wegschickte, damit ich genug Platz für eine Unterschenkelstufe hatte, die ich mir aus drei Decken faltete – erst die entlastete meine LWS-Bandscheiben wirkungsvoll), zu einem kalten, grauen Tag aufgewacht.

Programmpunkte für diesen Ferientag: Brotbacken, Schwimmen und Ochsenschwanzkochen.

Ersteres (Schokoladenbrot nach Twitterbeschreibung von @fuchsbrom) war beim Gären schon verdächtig wenig aufgegangen, im Ofen dann aufgerissen – aber doch völlig misslungen. (Vielleicht ist mein neuer Sauerteig nicht triebkräftig genug?)

Zum Schwimmen radelte ich dick angezogen hinaus ins Olympiabad, plauderte mit der Kassendame über den Klimawandel („I schau ja, dass ich koa Plastik mehr verbrauch.“ – hm), schwamm angenehm und fast ungestört meine drei Kilometer. Auf dem Rückweg radelt ich beim Buchladen zum Abholen bestellter Bücher vorbei und bekam Ausflugstipps für den Starnberger See auf der östlichen, also Oskar-Maria-Graf-Seite.

Zum Frühstück ein paar Scheiben klitschiges Brot – muss ja weg.

Da der Ochsenschwanz mindestens drei Stunden Schmorzeit brauchen würde, begann ich frühzeitig das Nachkochen des Rezepts Coda alla vaccinara aus Rachel Roddys Five Quarters: Fleischstücke erst kurz in Wasser gekocht, dann angebraten, mit Karotte, Zwiebel, Sellerie, Rotwein, Pelati geschmort, kurz vor Ende nochmal ordentlich Stangensellerie, ein wenig Rosinen und Pinienkerne dazu. Da Ochsenschwanz gerne mal nicht genug gekocht serviert wird (zum Beispiel bei meiner jüngsten Wirtshausbestellung des Gerichts), kalkulierte ich die Schmorzeit sehr großzügig, ging während dessen Obsteinkaufen in den Süpermarket (Herrn Kaltmamsell für Notfälle daheim wissend), buk eine Portion meines Standard-Granolas, las die Tageszeitung, servierte zum Aperitif einen Cosmopolitan (unsere Standardänderung: 6 cl Cranberrysaft).

Nach gut dreieinhalb Stunden sanftem Schmoren fiel das Ochsenschwanzfleisch tatsächlich so vom Knochen, wie ich das haben wollte, ich servierte.

Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. Es schmeckte köstlich, die dezenten Pinienkerne und Rosinen machten sich überraschend gut, wir halten fest: Ich kann Ochsenschwanz.

Abend-Entertainment: Arte zeigte Hitchcocks Bei Anruf Mord. Nun, schon arg deutlich ein verfilmtes Theaterstück, arg dialoglastig in der Informationsvermittlung, die weiblich Hauptrolle fast unerträglich stereotyp feminin hilflos und verschreckt angelegt. Aber hin und wieder originelle Kameraeinstellungen mit interessantem Einsatz von Licht.

Im Bett las ich weiter in Ursula K. Le Guins The Dispossessed, das mich von der ersten Seite an gefangen hatte.

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Seit dem Claas-Relotius-Skandal mit erfundenen Artikeln und Artikel-Teilen wird viel über internen Fakten-Check in Redaktionen nachgedacht. Eva Wolfangel hat als freie Journalistin für große deutschsprachige und englischsprachige Magazine geschrieben und vergleicht deren Fact-Checking-Kulturen an selbst erlebten Beispielen (die des Spiegel kommt dabei nicht gut weg):
„Wie wir JournalistInnen unsere Fakten prüfen“.

via @niggi

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Wundervoller Twitter-Thread, in der Hollywood-Filmstereotypen bestimmter Berufe zusammengetragen werden, beginnend mit:

Ganzer Thread.

via @alexmatzkeit

Journal Sonntag, 4. November 2018 – The Children Act

Montag, 5. November 2018

Endlich mal wieder im Kino, wohlbekanntes Gefühl des Heimkommens in eine ganz spezielle Geborgenheit – und das, obwohl ich in diesem Kino, dem neuen Metropol, vorher noch nie gewesen war.

Nach einer ausführlichen Runde Crosstrainer und neuem Rumpfprogramm nahm ich eine Tram nach Schwabing, um The Children Act anzusehen, die letzte Möglichkeit. Der Roman hatte mir nur so mittel gefallen, zumal ich auf Ian McEwans Trick hereingefallen war zu behaupten, das Ganze beruhe auf einer wahren Geschichte (tut es nicht). Doch die zentrale Figur der britischen Richterin war mir sehr lebendig im Gedächtnis geblieben, und da sie auch noch von der verlässlich sensationellen Emma Thompson gespielt wird, wollte ich die Verfilmung unbedingt sehen. Vor allem wegen Thompson gefiel sie mir dann auch sehr gut.

Das Drehbuch (auch von Ian McEwan) konzentriert sich noch mehr auf den zentralen Charakter der Richterin Fiona May und arbeitet ihre Konflikte heraus – auch wenn sie nur unausgesprochen in der Richterin stattfinden. Im Roman wird das seltsam altertümliche britische Richtersystem ausführlich erklärt; das hätte den Film natürlich viel zu sehr aufgehalten, deshalb wird es nur durch bildliche Betonung von Details wie Kleidung, Räumlichkeiten gezeigt. Und indem der clerk der Richterin sichtbarer ist als im Buch – der Umgang mit ihm dient auch ihrer Charakterzeichnung.

Die Filmrezensionen sind gemischt, unter anderem bezeichnen viele die Hauptgeschichte und die Ehe der Richterin als unglaubwürdig. Während ich ersteres noch nachvollziehen kann, fand ich die langjährige, entfremdete Partnerschaft sehr realistisch erzählt.

Obwohl die Geschichte durchwegs ernst ist (sogar die leichteren Momente durch die melancholische Filmmusik von Stephen Warbeck gefärbt), bekommen wir vom Drehbuch den einen oder anderen Lächler, an einer Stelle sogar einen lauten Lacher. Fiona fragt ihren clerk (aus dem Gedächtnis zitiert): „Have you ever been wild and free?“ Und die treue Seele antwortet nach einem Moment des Verdutztseins: „No. Thank God. I’d be hopeless about it.“ (So geht’s mir auch.)

Den liebenden und verletzten Ehemann spielte berührend Stanley Tucci – wieder, ich dachte sofort an die ähnliche Rolle in Julia & Julia. Und ich genoss es, Emma Thompson zwei Stunden lang anzusehen, mit jeder Falte, jeder Runzel – ich freue mich so, dass sie sichtbar altern darf. Ich weiß ja, dass viele Schauspielerinnen schlicht nicht umhin kommen, dem äußeren Altern chirurgisch Einhalt zu gebieten – aber irgendwer muss doch auch die schönen alternden und alten Frauen spielen (die hoffentlich häufiger werden im Kino). Sollen Laura Dern, Darryl Hannah, Gillian Anderson, Michelle Pfeiffer von mir aus 30 Jahre lang wie Mitte 30 aussehen – aber ich freue mich über jemanden wie Judi Dench, Maggie Smith, Helen Mirren, die alle großartig aussehen, lediglich nicht jung.

Daheim war während meiner Abwesenheit Herr Kaltmamsell von seiner Rollenspiel-Mission zurückgekehrt, lebendig. Ich wusch gleich mal eine Maschine blutgetränkte Schlachtkleidung, las Internet und Zeitung.

Das Abendessen durfte ich verantworten, ich machte nach Langem mal wieder die Meatball Sandwiches von David Lebovitz. Das Brot dafür hatte ich auf dem Heimweg vom Kino bei einem Bäcker im Hauptbahnhof besorgt – es ist wirklich praktisch, im Inneren einer Großstadt zu wohnen.

Während nach dem Essen der interessant erzählte Tatort „Der Mann, der lügt“ lief (weil ganz am Hauptverdächtigen dran, wir erfuhren die Hintergründe nur in dem Maß, in dem dieser Verdächtige mitbekommt, was die Ermittler gerade wissen), räumte und sortierte ich Wohnung, bereitete den ersten Arbeitstag nach Pause vor, fühlte mich gehetzt.

Bücher-Challenge, Tag 2,5 (7 Tage, 7 Cover, 7 Namen, keine Begründungen): Fanny Burney, Evelina.

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Im Freitag schreibt Elsa Koester über:
„Rudel der Schuhgucker
Das Patriarchat unterdrückt auch Männer. Aber warum wehren sie sich nicht?“

via @journelle

Viele Männer leiden unter dem Patriarchat, können sich Feministinnen nicht mit ihnen verbünden? Sich solidarisieren? Erstaunlicherweise sind die meisten von ihnen außer Stande, etwas gegen dieses System zu unternehmen, das in der Lage ist, einen Wagen von 20 Personen unter die Kontrolle eines Angetrunkenen zu bringen. Es gibt nur eine Situation, in der diese Männer Kritik am Patriarchat äußern: nämlich dann, wenn Frauen sie dafür kritisieren, mitzumachen. „Halt, wir sind gar nicht alle Täter!“, protestieren sie dann, „wir leiden ja auch unter den bösen Patriarchen! Vielleicht sogar mehr als Frauen“.

Journal Mittwoch, 29. August 2018 – Out of Büro

Donnerstag, 30. August 2018

Dann halt wieder wegen Schmerzen eine unruhige Nacht, aber tagsüber gings.

Der Morgenhimmel, unter dem ich ins Büro ging, war wundervoll, der Arbeitstag voll, aber endlich: Von Donnerstag bis Dienstag habe ich Urlaub und reise zu einer Familienhochzeit nach Berlin.

Ich nahm nach Hause wieder den Weg über Bavariapark und Theresienwiese.

„Phantasie“ von Carl Ebbinghaus (1872-1950).

Eine weitere der vier Allegorien von Carl Ebbinghaus im Park – zu der ich auf die Schnelle nichts finden konnte.

Herr Kaltmamsell hatte aus Wegzuessendem das Abendbrot bereitet (Kartoffel-Karotten-Auflauf überbacken), wir ließen uns nochmal auf dem Balkon nieder.

Nach Sonnenuntergang kam heftiger Wind auf und brachte herbstliche Gerüche. Es gewitterte.

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Wichtig: Es gibt ein anderes Chemnitz:
„Nach den Krawallen
Das andere Chemnitz“.

Ja: Die Gefahr von Rechts wurde systematisch verdrängt – aber es wäre schädlich, all diejenigen vor den Kopf zu stoßen, die schon immer dagegen angegangen sind. Und die sich mit sowas auseinandersetzen müssen (ich stelle mir das – zum Glück – vergeblich in München vor):

Doch auch wenn es bergauf geht, ist es nicht immer einfach. Weil vor allem alternative Künstler im Lokomov auftreten, wurde es mehrfach angegriffen. Beim ersten Mal flog ein Pflasterstein durchs Fenster. Nach der Aufführung eines Theaterstücks über den NSU zündeten Unbekannte vor dem Schaufenster einen Sprengsatz. Einige Monate später wurde das Café nachts beschossen.

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Ist dann auch schon wieder 30 Jahre her: Der schräg-charmante Film Out of Rosenheim von Percy Adlon. Im Guardian erinnern sich er und die Hauptdarstellerin CCH Pounder.
„How we made: Bagdad Café“.

via @ineshaufler

Journal Sonntag, 29. Juli 2018 – Entspannter Hochsommersonntag ohne Freibad

Montag, 30. Juli 2018

Ausgeschlafen, Morgenkaffee auf dem Balkon in herrlich frischer Sommermorgenluft.

Zu meinem Isarlauf radelte ich an den Friedensengel, um halb zehn war es noch weit unter heiß.

Ich lief wie eine Junge: Als ich am Ende meiner geplanten Strecke ankam, also bei der Hälfte, war ich ganz überrascht, dass ich schon hier war. Und für meine Verhältnisse sensationell vernünftig, weil ich NICHT vor lauter Laufbegeisterung schnell mal die Strecke verlängerte, es wurde nämlich gerade heiß und ich hatte kein Wasser dabei. Doch 15 Minuten später schlug mein Befinden um: Ich bekam Darmkrämpfe und war sehr froh über das Ende des Laufs.

Zum Frühstück und danach las ich die Wochenend-SZ. Und verbrachte den Nachmittag nicht im Naturbad Maria Einsiedel, wie es das Nutzen-Nutzen-Nutzen-Zentrum meines Hirns vorgeschlagen hatte, weil mich das gestresst hätte.

Abendessen vorbereitet – diesmal habe ich meine Lieblingszubereitung für Brathähnchen seit vielen Jahren endlich mal aufgeschrieben: Zitronen-Thymian-Hähnchen. Mit besonderem Hinweis auf das eine Detail, für dessen Erlernung ich viele Jahre brauchte: Muss ein paar Stunden marinieren.

Die Wäsche der vergangenen Woche gebügelt; im Sommer kommt eigentlich jede Woche genug für eine Stunde Bügeln zusammen.

Auf dem schattigen Balkon Chimamanda Ngozi Adichies Americanah gelesen, das mir ganz ausgezeichnet gefällt. Nach Wochen mal wieder mit meiner Mutter telefoniert – ich muss öfter daran denken Sie anzurufen.

Das Brathähnchen zum Abendbrot schmeckte uns, zum Nachtisch die Aprikosentarte mit Lavendel auch. Im Fernseher lief nebenher Eine Leiche zum Dessert – wieder ein Film, der randvoll Zitierbarem steckt (Herr Kaltmamsell befleißigt sich gerne des „Gefährliche Straße wie frische Pilze“). Und eine sexy junge Maggie Smith drinhat.

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Die Kunst, eine Vogelsichtung zu beschreiben: Helen Macdonald und der Ziegenmelker.
„Glimpses of the elusive nightjar“.

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Frau Croco über ihren Vater:
„Charlie Romeo Oscar Charlie Oscar“.

Journal Montag, 30. April 2018 – Voller St. Brück und Avengers

Dienstag, 1. Mai 2018

Freier Brückentag, an dem ich freiwillig früh aufstand, um den arbeitenden Herrn Kaltmamsell noch sehen zu können.

Aus diesem freien Tag holte ich alles raus. Am liebsten wäre ich Schwimmen gegangen, doch wusste ich mit Blick auf meinen Zykluskalender, dass das sehr drauf ankommen würde. Sonntagabend setzte die rote Flut mit Vehemenz ein, ich plante um zu Krafttraining in den Vereinsanlagen. (Allerdings scheine ich zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren um die Krämpfe rumgekommen zu sein.)

Der Tag begann wie angekündigt mit ein paar Regentropfen und kühlen Temperaturen, doch über den Tag kam die Sonne heraus und es wurde wieder jackenfrei warm.

An den Kraftgeräten im Verein spielte ich zum ersten Mal das für mich zusammengestellte Programm ganz durch (fast: eine Übung auf den Zetteln verstand ich nicht und war zu faul nachzufragen), dauerte gut zwei Stunden.

Was auch ohne Schwimmen ging: Frühstück im Café Puck (ich bestellte Ahornsirupschwämme), zu dem ich radelte.

Daheim traf ich nach Langem mal wieder einen unserer lieben Putzmänner an (die Koordination übernimmt Herr Kaltmamsell, weil er noch am ehesten montags tagsüber daheim ist) und plauderte ein wenig mit ihm.

Herr Kaltmamsell war bereits zuhause, wir waren zu Wandereinkäufen verabredet. Unterwegs machte ich einen Abstecher zum Juwelier Fridrich, um die gelöste Schließe an einer Silberkette reparieren zu lassen (ganz simpel, ich habe nur nicht das richtige Werkzeug dafür) – was mir sehr zuvorkommend, umgehend und aufs Haus erledigt wurde. Nächster Stopp im umgestalteten Bücherkaufhaus am Marienplatz: Städteführer Dublin, wir konnten aus knapp zehn auswählen.

Nun aber der lange hergeschobene Wandereinkauf: Wir brauchten beide ordentliche Wanderjacken, die auch unangenehmem Wetter standhalten, und je ein Zweitpaar Wanderhosen. Wenn’s schon mal fußläufig da ist, gingen wir ins Draußenbewegungskaufhaus am Isartor. Die Hosenauswahl ging schnell, zur Jacke hatte mir eine fachkundige Freundin bereits handfeste und begründete Kriterien mitgegeben, mich auch auf die daraus folgenden Kosten vorbereitet. Da die Tchibo-Billigjacke tatächlich ein Gelump in vielerelei Hinsicht war, sah ich eine größere Investition ein – vorausgesetzt, das teure Qualitätsprodukt hält dann auch zehn Jahre.

Und so landeten wir nach Beratung bei Jacken aus Dreifachmaterial mit Achselreißverschlüssen und eng schließender Kapuze mit Schirm. Für beide dasselbe Herrenmodell in unterschiedlichen Größen; wir werden halt damit zurechtkommen müssen, dass man uns Partnerlook unterstellt – dafür mussten wir nur einmal entscheiden und nicht zweimal.

Auf dem Heimweg in Sonne, Wärme und Menschenmassen ein paar Lebensmitteleinkäufe. Für den Abend hatten wir Kinokarten, davor machte ich uns klassische Nudeln mit Soße – wir hatten noch ein Glas selbst eingekochten Kartoffelkombinat-Sugo.

Kino war Avengers Infinity War. Ich hatte mir nichts Großartiges versprochen, doch dass ich mich so langweilte, überraschte mich dann doch. Der Film besteht von der ersten bis zur letzten Minute aus Kämpferei und Schlachten, Spannungsbogen gibt es keinen, und er ist so voll Figuren, dass mich keine einzige mehr interessierte. Nachdem Marvel mit Black Panther und davor dem Erzählstrang Galaxy Quest bewiesen hatte, dass aus dem Superhelden-Genre noch Neues herauszuholen ist, war das in meinen Augen ein tiefer Rückfall.

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Miriam Vollmer ist nicht nur promovierte und erfahrene Juristin, sondern auch eine besonders gescheite und wortgewandte Frau. Seit einiger Zeit schreibt sie das Rechtsblog Recht energisch, vor allem zu ihrem Spezialthema Energierecht, aber auch zu Internet-nahen Rechtsthemen. Hinter diesem sperrigen Titel (Robin Williams nannte die Sprache legalese) zum Beispiel verbergen sich spannende Hintergründe des Themas Meinungsfreiheit und Blog-Kommentare:
„Zum Drittwirkungsurteil des BVerfG vom 11.4.2018“.

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Auf dem 2018 White House Correspondents‘ Dinner hielt die Comedian Michelle Wolf vergangenen Samstag eine bösartig scharfe Rede, die in den USA Empörung auslöste. Der Auftritt ist es wert, ganz angesehen zu werden.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/DDbx1uArVOM

Oh ja, das war scharf – aber vielleicht sollten wir der US-Kollegenschaft mal einen Best-of-Zusammenschnitt von Luise Kinseher am Nockherberg zur Kalibrierung übersetzen?

Im New Yorker nimmt Masha Gessen Wolfs Satire zum Anlass, über Humor in den Zeiten von Trump nachzudenken:
„How Michelle Wolf Blasted Open the Fictions of Journalism in the Age of Trump“.

Journal Dienstag, 24. April 2018 – Ereignislosigkeit ausgewalzt

Mittwoch, 25. April 2018

Sehr gut geschlafen. Eigentlich will ich mich nicht zu sehr an die Ohrstöpsel gewöhnen, doch mit Schallschutz schlafe ich mittlerweile replizierbar besser (schon wieder das Alter?).

Das Wetter kehrte zurück zu Frühsommer.

Der Dienstag selbst war etwa so ereignislos wie der Montag, doch ich werde mich diesmal anstrengen und alles rausholen, was nur rauszuholen ist. Als da wären.

Beim Brotzeitvorbereiten1 heftig in die linke Hand geschnitten – eigentlich gestochen, und zwar mit der Spitze des großen Messers. Blutete fast nicht, doch ich brauchte Minuten, um mich zu beruhigen, war auch überrascht über den unverhältnismäßig großen Schmerz. Das Bitzeln im kleinen Finger lieferte die Erklärung: Ich hatte wohl einen Nerv erwischt.

Ich trug schwer auf dem Weg in die Arbeit, weil ich nach der Arbeit mal wieder den Topf Urlaubskleingeld einzahlen wollte und mitgeschleppt hatte. Münzen sind verdammt schwer, ich musste den ganzen Weg über den Bauch anspannen, um das Kreuz zu entlasten.

Beim Bäcker Zöttl machte ich einen Zwischenstopp, um einen Laugenzopf für die Brotzeit zu kaufen (auch wenn ich nur alle paar Wochen dort auftauche, kennt man mich inzwischen – ist es wirklich derart merkenswert, dass jemand alle paar Wochen ein Laugenzöpferl kauft? und immer mit abgezähltem Geld zahlt? hm… na ok): Die freundliche Backwarenverkäuferin wies mich darauf hin, dass Zöttl in Kürze seine Laugenzöpfe ändert – sie werden kleiner, kosten dann aber nur noch 1,10 Euro. Aberaberaber! Die Zöttl-Laugenzöpfe sind doch die allerbesten, weil sie genau so sind, wie sie sind! (Sollte ich jemals behauptet haben, ich sei offen für und neugierig auf Veränderungen, habe ich mich jetzt wahrscheinlich verraten.)

Im Büro fiel mir erst mal der Absatz vom Schuh.

Der rechte macht’s richtig.

So ist’s falsch.

Dank meinem Blog weiß ich, dass ich die Schuhe vor über zwölf Jahren gekauft habe (2006 hatte ich sie nämlich schon ein paar Jahre), vorne ist die Sohle bereits gebrochen – sie sind reif für die Mülltonne.

Auf dem Heimweg also in der Bank Münzen losgeworden, ein paar Besorgungen in der Drogerie erledigt. Daheim empfing mich Fliederduft: Herr Kaltmamsell hatte meinen (Wunderlist-)Einkaufslisteneintrag ernst genommen und umgesetzt.

Zum Nachtmahl gab es Spargel und Erdbeeren.

Der Spargel war klasse (Herr Kaltmamsell machte Hollandaise dazu), die Erdbeeren hatten leider nur Duft, keinen Geschmack.

Wir ließen den Fernseher laufen, auf dem Disney Channel kam die Verfilmung des Hitchhiker’s Guide von 2005. Besser, als ich ihn in Erinnerung hatte – und Herr Kaltmamsell stolperte über den Umstand, dass der Darsteller des Zaphod Beeblebrox genau der Sam Rockwell war, der dieses Jahr den Nebenrollen-Oscar bekommen hat. Ich erkannte ihn erst bei ganz genauem Hinschaun wieder.

§

Ein Nebeneffekt meiner Gofug-Lektüre ist, dass ich mich so gut in Europas Königshäusern auskenne wie nie zuvor im Leben (vor allem in ihrer Kleidung, aber egal). Deshalb konnte ich ziemlich über die Scherze lachen, die auf Twitter über das neue Baby im englischen Königshaus gemacht wurden.

via @tknuewer

§

Laura Gorelik hat für die Zeit über die Auswanderung ihrer Familie geschrieben hat – viel interessanter und berührender als in ihrem Roman Meine weißen Nächte, den ich kürzlich gelesen habe.
„Erinnerungen, die. Zuhause, das.“

Warum habe ich dir nicht öfter ein Eis gekauft?

Kindheit, verlorene, die; unwichtig: Einmal saßen mein Vater und ich im Bus und der Bus fuhr an einem Eiskiosk vorbei, und wir dachten wohl beide dasselbe, wir dachten beide daran, wie wir ganz frisch in Deutschland waren, ein paar Wochen vielleicht, ich, ein elfjähriges Mädchen mit kurzen Haaren, und er, mein Vater, ich glaube, er war schon immer alt. Wir waren ganz frisch in Deutschland, alles schien oder war bunt, und meine Augen hüpften hin und her und wussten nicht, wohin, und mein Vater hatte Angst, wahrscheinlich, ich habe ihn nie gefragt; so eine Angst vor dem Leben.

Das Eis war ebenfalls bunt, die vielen Sorten, 60 Pfennig die Kugel, das dachte ich und dass die Preise ja seitdem gestiegen sind, so etwas dachte ich, unwichtige Dinge, über die Inflation dachte ich nach, über den Wechsel von D-Mark zu Euro, da sagte mein Vater, dass er den Anblick dieses Kiosks hasst. Warum, fragte ich und schaute auf, das erste Mal seit Langem tatsächlich interessiert. Ich hätte dir hier viel öfter ein Eis kaufen sollen, sagte mein Vater. Du hast immer mit diesen wollenden Augen hingeguckt, aber nie darum gebeten, und mir kamen die 60 Pfennig so viel vor und ich hatte Angst, dass wir das Geld brauchen könnten, aber es waren ja nur 60 Pfennig, was ist das schon, du warst doch ein Kind.

Ein Kind, sagt er, und blickt zum Fenster hinaus. Jedes Mal, wenn ich hier vorbeifahre, ärgere ich mich, warum habe ich dir nicht öfter ein Eis gekauft, du wolltest so gerne eins, sagt mein Vater. Alles war neu, ich wusste nichts, und dann sagt mein Vater: Aber das soll keine Entschuldigung sein. Wir saßen im Bus, mein Vater und ich, als er mir von seinem Schmerz erzählte, und ich wusste nicht, was ich sagen könnte, ich traute mich nicht, seine Hand zu nehmen.

  1. Mittlerweile denke ich dabei jedesmal das Wort „Znüni“ – Manfred Spitzer hat halt doch recht: Internet zerstört Hirnzellen. []

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