Filme

Journal Sonntag, 11. März 2018 – Krokantenlauf und The Shape of Water

Montag, 12. März 2018

Es war mildes, trockenes Wetter angekündigt, ich freute mich schon sehr auf einen Lauf an der Isar und hoffte auf Krokantenanblick.

Mein Übernachtungsbesuch verabschiedete sich ins Müller’sche Volksbad, ich nahm eine Tram zum Tivoli.

In München sind halt selbst die Wanderbankerl vom Designer.

Krokanten auch vor meiner Haustür.

Der Ernteanteil enthielt Rote und Gelbe Beete, ich plante damit zum Abendessen eine Quiche. Dieses Rezept enthielt noch dazu einen recht abenteuerlichen Teig (330 Gramm Fett auf 420 Gramm Mehl), das wollte ich machen. 40 Minuten Backzeit kamen mir recht wenig vor – aber das stellte sich als nicht die einzige Katastrophe heraus: Der Teig behielt das viele Fett nicht, es separierte beim Backen. Und auch nach 50 Minuten war die Quiche (plus 20 Minuten Abkühlen) beim Anschneiden noch flüssig. Also nochmal für 20 Minuten in den Ofen. Das Ergebnis: Viel zu viel Teig, Butterseen, das machen wir nicht nochmal.

Nachmittags sah ich mir im Cinema den Oscar-Gewinner The Shape of Water an. Ich hatte keinen rechten Spaß an diesem süßlichen Guckkastenbühnenfilm. Selbst wenn wir uns darauf einigen, dass er ein Märchen sein sollte, stieß ich mich an den bis zur Lächerlichkeit holzschnittartigen Dialogen und den stereotypen Figuren (Ausnahme: der Nachbar Giles). Die Bilder des nachgestellten 50er-Jahr-Amerikas waren zu berechenbar als Film-50er ausgestattet – überhaupt war mir alles zu berechenbar. Den größten Schaden aber richtete die Musik an: Augerechnet vom hochgeschätzten Alexandre Desplat und mit einem Score-Oscar prämiiert, machte der Soundtrack aus einem Film, der quirky hätte werden können, einen kitschigen Amélie-Abklatsch – inklusive Paris-Akkordeon! Was der Film gebraucht hätte, war eine Brechung wenigstens auf einer Ebene: Das hätte die Musik sein können. Doch die (zweifellos wunderschönen) Wasserszenen reichten dafür nicht.

Tadellos hingegen die schauspielerische Leistung von Sally Hawkins (die ganz besonders), Richard Jenkins, Octavia Spencer: Diese drei durften nuanciert spielen, die Rollen von Michael Shannon und Michael Stuhlbarg ließen ihnen diese Chance nicht.

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Wenn wir schon bei Filmen sind: Über Bill Murray erzählt man sich ja wilde Geschichten. Nur – die sind wahrscheinlich wahr.
„No one will believe you
How Many of Bill Murray’s Urban Legends Are True? Damn Near All of Them.“

Journal Sonntag, 18. Februar 2018 – Schneelauf und Black Panther

Montag, 19. Februar 2018

Eigentlich hatte ich Schwimmen geplant, aber es war draußen so schön verschneit wie bislang den ganzen Winter noch nicht: Ich wollte die möglicherweise einzige Chance auf einen Isarlauf in weißer Pracht nutzen.

Ich lief Intervall: Laufen – Fotografieren – Laufen – Laufen – Fotografieren etc. Das abschließende Bild machte ich mit Fremdhandy, als ich auf dem Südfriedhof eine Familie von weit her sah, die ihr kleines Kind und einander in allen möglichen Posen mit Schnee und verschneiten Grabsteinen festhielt: Die Herrschaften nahmen mein mit Gesten verdeutlichtes Angebot, alle drei zusammen zu fotografieren, begeistert an.

Es war aber zu und zu schön da draußen. Das wird hier natürlich festgehalten, da müssen Sie jetzt durch, wir sind ja nicht zum Spaß hier.

Nachmittags erwischte ich im Cinema eine 2D-Vorstellung von Black Panther. Der Superhelden- und Marvel-Experte an meiner Seite hatte mich schon beim Erscheinen des ersten Trailers mit seinem Hintergrundwissen darauf vorbereitet, doch die ganz andere Ästhetik, die sich deutlich von allen bisherigen Superheldenfilmen unterschied, überraschte mich dann doch – und das aufs Beste: Die Welt von Wakanda ist liebevoll bis in viele Details ausgestaltet und ganz auf afrikanische Kulturen und Geschichte ausgerichtet. Große Freude auch über die vielen, verschiedenen und wichtigen Frauenfiguren des Films. Positiv überrascht war ich über den Humor, der oft unerwartet eingesetzt wird und unter anderem erleichternd die Heldenhaftigkeit der einen oder andere Szene bricht.

Auf dem Heimweg fragte Herr Kaltmamsell, ob beim Filmschauen wohl auffallen würde, dass fast ausschließlich schwarze Darstellerinnen und Darsteller zu sehen sind – wenn das nicht so stark thematisiert worden wäre. Mir vermutlich erst in dem Moment, in dem eine weiße Figur auftaucht, es gibt ja andere rein schwarz besetzte Filme, vergangenes Jahr zum Beispiel der Oscar-Gewinner Moonlight. Doch genug menschliche Vielfalt bietet Black Panther auch ohne diesen Hinweis.

Für die Süddeutsche analysiert Fritz Göttler den Film:
„Schwarz ist endlich angekommen im Blockbuster-Mainstream“.

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Christian Stöcker appelliert nochmal für ein Umdenken in der Mobilitätspolitik:
„Nahverkehr vs. Individualverkehr
Holen wir uns die Welt zurück!“

Darin auch viele Hinweise, warum das Kaufverhalten der Verbraucher nicht Maß der Politik sein darf.

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Weil wir schon mal dabei sind: Maxim Loick erzählt eine Karnevalgeschichte aus dem Bus.
„ÖPNV“.

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Elisabeth Ranks geht beim Umgang mit seelischen Veränderungen den Behördenweg:
„Antrag auf Verlängerung“.

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Ute Hamelmann (u.a. Schöpferin der Figur „Goldener Blogger“) hat Deutschlands politische Zukunft in ein Bild gefasst:
„Cartoon: Das Groko“.

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Eiskunstlauf hat ja gerade viele Freundinnen und Freunde (das deutsches Eiskunstlaufpaar Aljona Savchenko / Bruno Massot hat mit einer sensationellen Kür bei den derzeitigen olympischen Winterspielen in Südkorea gewonnen), vielleicht mag sich jemand eine Nummer von Sonja Henie aus dem Jahr 1945 ansehen (das Kostüm ginge heute noch super):

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https://youtu.be/7sjnfkEOpsE

via @OnThisDayShe

Tweet von gestern:

On this day in 1932 Sonja Henie won her 6th straight World Women’s Figure Skating title. She was also an actress, one of the highest-paid stars in Hollywood, starring in a series of box-office hits such as Thin Ice (1937).

Journal Sonntag, 4. Februar 2018 – Isarlauf im Schnee und Phantom Thread

Montag, 5. Februar 2018

Aussssgeschlaaaaafennnnn…
Das war schön.

Nach dem Bloggen machte ich mich auf zum Isarlauf, endlich wieder. Es wirbelten kleine Schneeflocken, doch die Luft war nicht frostig. Ich lief zwei Stunden lang, entspannt und nahezu schmerzfrei – Wohltat vor allem für meine Seele, es gab Einiges aus den vergangenen beiden Wochen zu verarbeiten.

Schreck über den vielen Windbruch zwischen Thalkirchen und der Großhesseloher Brücke: So viele gefällte Bäume!

Auf dem Südfriedhof setzten die Krokusse bereits großflächig zum Tanz an.

Am Westermühlbach (pst: der Bach, der sichtbar durchs Glockebachviertel fließt, heißt nicht Glockenbach – Klugscheißermunition, bitte gerne) flächendeckend Winterlinge, mit leicht pikiertem Blick auf den Schnee.

Ich bekam sogar ein bisserl Sonne.
Auf den letzten Metern Semmeln besorgt, daheim gefrühstückt.

Im City-Kino ums Eck Phantom Thread angeschaut. Hm, ein bisschen mehr Geschichte hätte es schon sein dürfen, und so gut Vicky Krieps als Alma besetzt war (weil keine Filmschönheit) und schauspielte: Diese zentrale Figur ist dem Drehbuch praktisch keinen Hintergrund wert. Die interessantere Beziehung ist ohnehin die zwischen der Hauptfigur Reynolds und seiner Schwester Cyril.
Als ich vor ein paar Wochen den ersten Trailer des Films sah, konnte ich schier nicht glauben, dass Uber Method Actor Daniel Day-Lewis ausgerechnet damit seine Laufbahn beenden wollte (andererseits hat er ja auch Last of the Mohicans gemacht, den ich ihm immer noch nicht verzeihe): Die abgenudelte Künstler-und-seine-Muse-Arie? Klar spielt er großartig, kann er ja gar nicht anders – doch tatsächlich hätte mich mehr beeindruckt, wenn er zum Abschied irgendwas ganz Gewöhnliches gespielt hätte, zum Beispiel einen überforderten Familienvater wie George Clooney in The Decendants. Verdacht: Day-Lewis wollte nach Schuhmachen und Metzgern auch noch das Schneiderhandwerk lernen, und Phantom Thread gab ihm den Vorwand dafür.
Schöne orchestrale Musik passend zur Zeit der Handlung von Jonny Greenwood.

Als ich aus dem Kino kam, hatte es nochmal geschneit (und war um halb sechs noch nicht ganz dunkel \o/).

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Die lange Geschichte einer Drogenkrankheit, erzählt von dem Fotojournalisten, der in den 1990 Obdachlose fotografierte und eine ikonische Aufnahme machte.
„The search for Jackie Wallace“.

A New Orleans football legend reached the pinnacle of the sport.
Then everything came crashing down.
This is the story of his downfall, redemption – and disapperance.

via @ankegroener

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Hier beschreibt Kathrin Passig am konkreten Beispiel, wie Menschen Computerprobleme lösen, die von kompletten Nullcheckerbunnys wie mir für Expertinnen gehalten werden – weil Dinge nach ihrem Eingreifen funktionieren, die vorher nicht funktionierten.
„Debugging ohne Kapuzenshirt und Ahnung (dafür mit Blasmusikbegleitung)“.

Das deckt sich mit der wiederholten Antwort auf meine lernwillige Frage: „Wie hast du das jetzt gemacht?“ Ehrliche Menschen antworten darauf nämlich meist: „Ich habe alle Menüpunkte mal aufgemacht und so lange rumprobiert und rumgeklickt, bis es wieder funktionierte.“ (Wobei, wie Anne Schüßler zitiert wird: „Natürlich hilft es, wenn man sich ein bisschen auskennt“.)

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Was man im Marketing über andere Kulturen lernen kann – zum Beispiel wenn Kampagnen überhaupt nicht funktionieren:
„Aiming at China’s Armpits: When Foreign Brands Misfire“.

via @kscheib

Journal Samstag, 27. Januar 2018 – Anreise Berlin, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Sonntag, 28. Januar 2018

Herr Kaltmamsell ist schon arg niedlich, wenn er maximal nervös in seiner Zimmertür steht und hibbelt, weil ich noch nicht aus dem Haus bin, nicht mal angezogen, und doch schon in nur gut einer halben Stunde (= 40 Minuten) mein Zug geht (zu dem es 15 Fußminuten sind).

Selbstverständlich blieb mir am Bahnhof sogar noch Zeit, Proviant einzukaufen. München verabschiedete sich mit düsterem Hochnebel, den ich als Übung für das Berliner Januarlicht ansah.

Der ICE (erstmals die neue schnelle Strecke) war bis Nürnberg sehr voll, auch mit Passagieren ohne Platzreservierung. Dann lichteten sich die Reihen. Dennoch litt ich darunter, dass mein Geruchssinn derzeit sehr verfeinert ist (Hormone?): Den Fahrgast mit starkem Schweißgeruch konnte ich nicht lokalisieren, hatte aber sofort den Deoreflex aus Angst, selbst nach Schweiß zu riechen. Gut bestimmen konnte ich die Alkoholfahne des Herrn hinter mir, der sehr lange vorgebeugt telefonierte. Und das Parfumwölkchen der Nebensitzerin. Den Knoblauch-Odem von mindestens einer Person konnte ich wieder nicht zuordnen, doch zum Glück gehörte er zu Personen, die sich nicht lange im Großraumabteil aufhielten.

Interessant an dem Herrn mit Schnapsfahne: Die langen Telefonate waren nicht nur voll inniger Zuneigungsbekundungen, sondern auch mit verschiedenen Gesprächspartnerinnen (zumindest sprach er die Damen – nur 20 Zentimeter hinter mir hörte ich deren Stimmen – mit unterschiednlichen Namen an). Ein Bilderbuch-Halodri, ich war gerührt, dass es sowas in Echt gibt.

Ankunft im Berliner Hauptbahnhof pünktlich – und bei Sonne! Ich spazierte zum Hotel, packte aus, ging nochmal zum Empfang, um mir die Zugangsdaten zum WLAN zu holen (aha, immer noch nicht so selbstverständlich zur Verfügung gestellt wie die Fernbedienung des Fernsehers) und suchte ein Kino heraus, in dem ich Three Billboards Outside Ebbing, Missouri sehen konnte. Meine Wahl fiel auf die Kinos im Sony Center; weil das Wetter weiterhin hell war und ich mich nach Bewegung sehnte, ging ich zu Fuß.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/Jit3YhGx5pU

Sehr guter Film (es hat ja die Zeit im Jahr begonnen, in der ich möglichst alle Oscar-nominierten Filme sehe, die mir liegen). Die Handlung enthält sich mit einer Ausnahme (Bekehrung eines dummen, brutalen Nachwuchspolizisten) moralischer Klischees, das Ende ist sogar komplett offen, bietet nicht mal homerisches Gelächter. Autor und Regisseur Martin McDonagh schafft es, keinen sozialkritischen Film aus dem Kampf einer Mutter auf der Suche nach dem Mörder ihrer Tochter zu machen – beeindruckend.

Gelächter gibt es sonst aber eine Menge – mit der interessanten Note, dass sich die handelnden Personen der Situationskomik oft selbst bewusst sind und sie thematisieren. In der Realität gleichen wir heute Situationen ja oft mit Film- und TV-Bildern ab, kommentieren sie mit Pointen daraus – hier kommt dieser Mechanismus in einer 360-Grad-Reise zurück in den Film. Musik von Carter Burwell, der mir mit Musik für die Coen-Brüder im Gedächtnis war. Hier praktisch nichts selbst Komponiertes, die Oscar-Nominierung ist mir ein Rätsel.

Es wird geschauspielt, dass es nur so kracht: Frances McDormand verehre ich eh, sie darf in einer Szene sogar ihre Hausschlappen für sich schauspielern lassen; Woody Harrelson, Sam Rockwell, Caleb Landry Jones, Abbie Cornish lassen alle die Sau raus. Vielleicht insgesamt fünf Minuten zu lang, aber durch und durch sehenswert.

Hanns-Georg Rodek schreibt für die Welt sehr treffend:

Letztlich ist das Einzigartige an „Three Billboards“ wohl eine Verweigerung. Eine der wichtigsten Regeln des handelsüblichen Hollywood-Films besteht darin, dass nach den ersten 20 Minuten der Zuschauer wissen muss, mit wem er sympathisiert und warum. Das kann sich durch Enthüllungen gegen Schluss zwar noch ändern, doch der Zuschauer soll ein emotionales Gerüst haben, an das er sich lehnen kann.

„Three Billboards“ missachtet dieses Gebot konsequent. Jede Figur bewegt sich permanent im Grau des Nichtganzgut und Nichtganzschlecht.

Mit Bilder von Metropolis auf der Leinwand wirkte die Plaza ziemlich bladerunnerig.

Fürs Abendbrot spazierte ich zu den Hackeschen Höfen.

Ich mag das sehr uncoole Café Hackescher Hof, weil es zu meinen Bildern von Kaffeehauskultur zwischen den Weltkriegen passt. Zudem habe ich dort immer gut gegessen, gestern als Abendmenü eine Schwarzwurzelcremesuppe (ich! Schwarzwurzel!) mit einer Entenfleisch-gefüllten Teigtasche, danach Skrei mit Erbesenpürree und Pak Choi, dazu ein Glas Weißburgunder.

Journal Sonntag, 21. Januar 2018 – The Greatest Showman und Total Recall

Montag, 22. Januar 2018

Das Wetter war supergreislig, meine geplante Laufrunde lockte überhaupt nicht. Ich ließ das mit dem Sport also einfach sein, auch wenn ich an den nächsten Wochenenden wenig zu Bewegung kommen werde.

Statt dessen machte ich Flan, kochte eine kindskopfgroße Rote Beete fürs Abendbrot und las die Wochenendzeitung, bis es Zeit für die Nachtmittagsvorstellung im Cinema war: The Greatest Showman. Der Film war wie der Titel auf atemberaubende Show angelegt und nahm mich ab dem Eröffnungswirbel mit. Traumfabrikbilder, bunt und laut, an Historischem wird nur verwendet, was zur Show passt. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass Wolverine eigentlich vom Musical kommt und hervorragend tanzen und singen kann, die Tanznummern gefielen mir auch ganz ausgezeichnet: Ja, heute wird mit Kameraeinstellung und Schnitt gearbeitet, wo die alten MGM-Musicals auf Choreografie und tänzerisches Können setzten – aber das Ergebnis kann schon auch beeindrucken. Meine Lieblinge: Das Trapezduett von Zendaya und Zac Efron und die erste Barnummer mit vielen, vielen Schnapsgläsern. Vor der Musik hatte ich mich etwas gefürchtet, weil Susan Vahabzadeh sie in ihrer SZ-Besprechung als „Discosoße“ bezeichnet hatte. So schlimm war es dann nicht (und die Discos meiner 80er hörten sich entschieden anders an), wenn auch die Qualität der Musikstücke hinter dem Rest der Filmkunst zurück blieb – vielleicht half aber, dass ich erst kürzlich zum ersten Mal Frozen gesehen hatte, dessen Musik die Latte für Musicals ungefähr in Bodennähe nach unten verschoben hat.

Nachtrag: Foto vom Heimweg in der Blauen Stunde.

Zurück daheim Tischwäsche der letzten Monate weggebügelt, zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell Rote-Bete-Gratin mit Schafskäse, zum Nachtisch gab es Flan. Dazu lief auf Arte Total Recall. Ich stellte fest, dass der Film inzwischen ikonisch geworden ist und wunderte mich, an wie viele Details ich mich erinnerte – eigentlich kann ich den Film nur einmal gesehen haben, und zwar als er 1990 ins Kino kam.

§

Ich freue mich sehr, dass dasnuf wieder bloggt, gestern zum Beispiel darüber, wie tief uns anerzogen wurde, Männern ein Wohlgefallen zu sein:
„Putz doch mal“.

Journal Sonntag, 31. Dezember 2017 – Isarlauf in Frühlingswärme

Montag, 1. Januar 2018

Lang geschlafen – zwei Tage vor Ferienende bin ich endlich auf Urlaubstemperatur.

Draußen war es sonnig und wunderbar warm. Ich fühlte mich fit genug für einen Isarlauf, setzte aber brav eine Mütze auf. U-Bahn zum Odeonsplatz, Start durch die Menschenmengen im Hofgarten. Auch die Wege an der Isar waren bis zur Brücke St. Emmeran voll wie im Hochsommer. Die leichte Laufmütze hatte sich schon bald als viel zu warm erwiesen, ich stopfte sie in die Westentasche – verschloss diese allerdings nicht und stellte hinterm Föhringer Wehr fest, dass ich die Mütze verloren hatte.

Ich lief leicht und mit Genuss, sah Schwanzmeisen in den Bäumen und ließ mich von der Sonne bescheinen.

Daheim Körperpflege und Frühstück, Jahresrückblick fürs Blog geschrieben, eine Maschine Wäsche gewaschen – nach der ich endgültig eingestehen musste, dass wir ein Waschmaschinenproblem haben: Nach drei Jahren (gefühlt also immer noch eine neue Waschmaschine) leckt das Ding und lässt nach jedem Durchgang eine Pfütze unter sich. Wir werden also Frau Siemens für Untersuchung und Reparatur kontaktieren müssen.

Gemütliches Kochen, die Pastaschutta wurde sehr gut.

Den ersten einsamen Knaller hatte ich in unserer Wohngegend am 30. Dezember gehört, laut wurde es erst am 31. Dezember bei Einbruch der Dunkelheit. Soweit zu Glasscherbenviertel.

Datumswechsel auch dieses Jahr ignoriert.

§

Der Weinstein-Skandal hat dazu geführt, dass der Sexismus in Hollywood gründlich beleuchtet wird. Aber wie sieht es in der zweiten riesigen Filmindustrie der Welt aus, in Indien?
Nisha Susan schreibt auf The Ladies Finger!:
„Reading What Harvey Weinstein Did to Salma Hayek During Frida Makes Me Never Want to Watch a Movie Again“.

Susan kommt aus dem indischen Filmgeschäft und kann erschöpfend von den Konsequenzen des male gaze berichten. Und brachte mich auf eine Erklärung für meine regelmäßige Verwunderung, wenn exzellente junge Schauspielerinnen plötzlich völlig von der Bildfläche verschwinden:

So when we ask, where did all those women we loved in the movies go? They went perhaps to a place where they were facing less rape threats, death threats and daily violence.

(…)

This year I heard on the grapevine about an actor’s experience in a south Indian movie playing the wife of a star who’s old enough to be her grandfather. The movie is full of male-gaze-south-Indian-edition absurdities like the young wife wanting desperately to comb her husband’s moustache. The hero dies in this movie and the actor had to be in a scene where she is wailing next to her dead husband’s corpse. In each take, the ‘dead’ man, cotton balls in his nostrils notwithstanding, copped a surreptitious feel of the heroine. The third time it happened she got up mid-wail and yelled at him, “stop doing that right now.” And yelled at, for the first time in his 40-year career, the man quietened down. This young woman actor has a cultivated or accidental air of ‘I can take this career or leave it,” that has protected her from backlash. Or maybe we will read about the backlash 40 years from now in her memoir.

(…)

So, no I don’t want any theoretical understanding of why male artists can’t help themselves, what with the weight of civilisation and all. What I want is a sign before every movie indicating that, “no women were harmed in the making of this movie.”

Journal Samstag, 23. Dezember 2017 – Bazillenattacke

Sonntag, 24. Dezember 2017

Um halb sieben aufgewacht. Bis es über meinem Morgenkaffee langsam hell wurde, vergingen noch anderthalb Stunden.

Im heimischen Wohnzimmer sportelte ich mit Fitnessblender eine Runde Rumpfkräftigung, kam ordentlich ins Schwitzen.

Am späten Vormittag eine kleine Einkaufsrunde: Auf den Einkaufsstraßen der Münchner Innenstadt war es an diesem letzten Einkaufstag vor Heilig Abend ruhiger als an manch vorhergehendem Adventsamstag, später las ich auf Twitter von anderen deutschen Innenstädten Ähnliches – waren die Menschen gar zur Vernunft gekommen?

Unter anderem kaufte ich ein Kopfkissen: Am Vortag hatte ich beim Bettenüberziehen festgestellt, dass das Kissen des Herrn Kaltmamsell mittlerweile ein fleckiger, klumpiger Fetzen war – und da hatte ich mich erinnert, dass ich ihm am Anfang unserer Zweisamkeit ein paar Mal zwar nichts zu Weihnachten (die Geschenklosigkeit zu diesem Anlass hat sich von Anfang an ergeben), aber hin und wieder etwas für Weihnachten geschenkt hatte, zum Beispiel ein schönes Hemd für Heilig Abend. Und so ließ ich mir beim Betten Ried bezaubernd und fachkundig zu einem Federkopfkissen mit Daunenanteil raten, das man dort auch reinigen lasssen kann. Ich habe ja schwer was übrig für alteingesessene Geschäfte mit Fachpersonal, das da seit Jahrzehnten arbeitet. Plötzlich fiel mir ein, wie wichtig meiner polnischen Oma Qualität beim Bettzeug gewesen war, sie konnte ausführlich über die Wahl ihres Federbetts und ihrer Kissen referieren. Ähnlich hohe Ansprüche stellte sie nur an Schuhe; sie war meine ganze Kindheit durch für den Kauf der wirklich guten Schuhe für mich zuständig, machte auch in hohem Alter bei ihren eigenen trotz geringem Einkommen keine Abstriche bei Eleganz und Qualität.

Zurüch zu Hause merkte ich über den Nachmittag und Abend, wie dann doch der Atemwegsinfekt Land gewann, die grün vollgerotzten Taschentücher um mich herum ließen keinen Zweifel. Schon wieder? Was soll denn das? Wir hatten doch ausgemacht, dass ich die mit der Rossnatur bin? (Na gut, bin ich ja weiterhin, solange mich der Infekt nicht ins Bett wirft.)

Ich bügelte den Hügel Wäsche der letzten Wochen weg – die eine gute Seite, die ich dem Winter zuzugestehen bereit bin: Wenig Bügelwäsche. Das dauerte exakt so lange wie der Wrint-Podcast, in dem Andrea Diener über ihre Reisen des vergangenen Jahres erzählte.
„Frau Diener verreist nach Marokko (und andere Katastrophen)“.

Abends ergriff ich die Gelegenheit im Fernsehen, Die Eiskönigin – Völlig unverfroren anzusehen (Ohrfeigen für die Titelübersetzung), das einige kleine Mädchen in meiner Verwandtschaft nachhaltig geprägt hat. Ich muss irgendwie herausbekommen warum: Das ist der möglicherweise handlungsärmste Disney jemals, und das auch noch mit der lieblosesten Charakterzeichnung.

§

Was bis heute im heterosexuellen Teil unserer Gesellschaft als Abwehr gegen ungewollte Anmache zu gelten scheint: Der Hinweis, man habe einen Freund hat oder sei gar verheiratet. Das wäre mir schon mit 15 nicht eingefallen und tut es seither nie. Ich habe nachgedacht, warum das so ist. Meine Rationalisierung eines rein affektiven Impulses: Dieses Argument lässt sich darauf ein, dass Frauen in einer Partnerschaft Besitz eines Mannes sind. Dass der ungenehme Anmacher wahrscheinlich die Abfuhr einer Frau nicht respektieren wird, sich aber vor dem Übergriff auf den Besitz eines anderen Mannes hütet, wegen Ehrverletzung. Nichts daran akzeptiere ich.


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