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Journal Sonntag, 22. Februar 2026 – Digitalisierung aus der Hölle, Sport in Wolle, Anatomie eines Falls

Montag, 23. Februar 2026

Schlecht geschlafen, weil meine Nase trotz Spray immer wieder zuschwoll, kurz nach sechs ließ ich es gut sein.

Aufgestanden zu Regen mit Wind. Ich bloggte gemütlich und las ausführlich Internet, denn ich wollte sehr gerne raus zu einem Lauf und hoffte auf ein Nachlassen des Regens.

Im dritten Anlauf (über Monate, zweimal aufgegeben) schaffte ich es, an meinen persönlichen Online-Bereich der Audi BKK ranzukommen. UX aus der Hölle, am schlimmsten: Dieselben Dinge werden verschieden bezeichnet, also z.B. mal als “PIN”, mal als “Sicherheitsnummer”. Zudem brauchte ich zwei Web- und zwei Handy-Apps, die aufeinander verwiesen.

Los ging es im November 2025 mit der Papier-Info, dass der Name der “Service-App” geändert werde (nu? Glückwunsch?), “Ihre bisherigen Zugangsdaten zur Service-App verlieren ihre Gültigkeit” – WTF?!

Wie sich gestern herausstellte, spielte beim Neu-Anlegen/Verifizieren/Mit-Funktionen-verknüpfen meines Bereichs ein Papier-Schreiben der Krankenkasse vom vergangenen August eine zentrale Rolle: Mit dem Betreff “PIN für Ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK)” hatte ich eine PIN und eine PUK zum Freirubbeln bekommen. No na, ich nahm mir vor, das Schreiben zum nächsten Einsatz der Kassenkarte mitzunehmen, vielleicht musste ich ab jetzt eine PIN zum Einlesen angeben. (Musste ich nicht.)

Gestern erwies sich, dass die wohl überhaupt nichts mit irgendeiner Karte zu tun hat. DAS war nämlich die Nummer, auf die ich seit dem zweiten Versuch im Dezember wartete, als ich im Prozess bis an einen Punkt gekommen war, an dem es hieß: Jetzt fehlte nur noch die Bestätigung per Geheimzahl, die mir innerhalb der folgenden zwei Wochen zugeschickt würde. Doch dann kam nichts. Es war eine dieser Zahlen vom August, die an zwei Stellen des Online-Registrierprozesses eingegeben werden muss, einmal eben als “PIN”, einmal als “Sicherheitsnummer”. Erstmal hatte hatte ich natürlich andere Ziffern ausprobiert (die auch nicht “Sicherheitsnummer” hießen), auf der Kassenkarte stehen ja fünf verschiedenen Zahlenfolgen, zwei davon waren ebenfalls für den Registrier-Prozess relevant – unter anderen Bezeichnungen als auf der Karte, ich folgerte aus der Anzahl der Stellen.

Wenn mal wieder fehlende digitale Prozesse in deutschen Verwaltungsabläufen angeprangert werden, verweise ich neben Bayern-ID auf diesen der Audi BKK, der offensichtlich der aktiven Abschreckung dient. (Mittlerweile weiß ich, dass Barmer und Techniker ähnlich abschrecken, it’s not a bug, it’s a feature).

Jetzt war ich so geladen, dass ich wirklich Bewegung brauchte. Draußen war es mild, ich schlüpfte zum ersten Mal in ein neues Lauf-Shirt: Nachdem mir monatelang Online-Werbung leichte Woll-Shirts als körperfreundlich und geruchsarm für Sport angepriesen hatte (für eine Starkschwitzerin wie mich sehr attraktive Verkaufsargumente), nahm ich eine perönliche Empfehlung und ein Sonderangebot zum Anlass, ein solches zu bestellen. Drüber die Regenjacke.

Ich nehme vorweg: Bei meiner Rückkehr warf ich das Shirt also nicht in die Wäsche (waschen soll man das Woll-Shirt möglichst selten), sondern hängte es zum Trocknen auf. Und tatsächlich roch es abends nicht nach Schweiß.

Der Regen erwischte mich trotzdem, nur im Mittelteil meiner Runde hatte ich 45 Minuten ohne Kapuze. Meine Strecke legte ich über möglichst viele asphaltierte Wege in der Innenstadt, ich rechnete gestern mit Matsch und Pfützen. Der Körper spielte recht gut mit, aber bei dem Wetter war das Vergnügen überschaubar. Ich versuchte, mich auf den Genuss der Bewegung an der frischen Luft zu konzentrieren.

Na also, endlich Winterlinge (die Krokanten waren noch geschlossen).

Nu, besser als kein Lauf.

Nach dem Duschen lackierte ich meine Zehennägel – zum einen, weil ich sie dann lieber ansehe (Altern verändert auch Zehennägel, und nicht zum Schöneren), zum anderen weil mich Frau Pediküre Ende Dezember darauf hinwies, dass der rechte Zehennagel sich ablöst und eine neue Version nachwächst, mich warnte, dass ein vorzeitiges Wegfallen des alten das mögliche und schmerzhafte Einwachsen des neuen begünstigt; der Nagellack soll als Klebstoff fungieren.

Frühstück um zwei: Äpfelchen (aus jüngstem Ernteanteil und ganz besonders gut), zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Brot.

Das Wetter blieb regnerisch, statt ins Kino zu gehen, sah ich mir einen Kinofilm von 2023 in der ARD-Mediathek an (Tab seit Wochen offen):
Anatomie eines Falls.
Obwohl ich praktisch alles über Film und Handlung wusste (ich hatte die Award-Saison 2024 mit Sandra Hüller sehr eng verfolgt), waren Drehbuch und Darsteller*innen so gut, dass er mich fesselte, das ist ein wirklich guter Film. Und ich konnte ihn unsynchronisiert mit Untertiteln ansehen: Dass in ihm Französisch und Englisch gesprochen wird, zu fast gleichen Teilen, spielt in vielen Szenen eine Rolle (die deutsche Version übersetzt beide Sprachen gleich, das finde ich schlecht).

Als Nachtmahl verwendete Herr Kaltmamsell einige Crowdfarming-Orangen für das Orangen-Schwein, das uns beim ersten Versuch sehr gut geschmeckt hatte.

Auch diesmal sehr gut.

Und zum Nachtisch servierte er gebackene Riesen-Marshmallows mit geschmolzener Schokolade zwischen Vollkorn-Keksen – davon hatte er lange geträumt. Ergab beim Essen eine rechte Sauerei. Dann noch etwas Schokolade.

Journal Samstag, 21. Februar 2026 – Regensamstag mit Kulinaritäten und Links

Sonntag, 22. Februar 2026

Nicht ganz so durch geschlafen wie ideal, aber fast unverkatert aufgestanden.

Erstmal Brotteig geknetet, es gab schnelles Weizenmischbrot (ich kann mir derzeit einen Brotback-Rhythmus vorstellen, in dem ich es immer abwechselnd mit anderen Sauerteig-Rezepten backe, damit das Anstellgut nicht zu gammlig wird).

Wieder problemlos gelungen.

Es wurde immer später (ungeheuerlich, wie Zeit einfach voranschreitet), ich überlegte bereits, ob ich überhaupt noch Schwimmen gehen sollte. Doch ich wünschte mir nach der Pause so sehr eine Schwimmrunde, und dann fiel mir ein, dass ich doch nachmittags eh nichts geplant hatte – es konnte doch so später werden, wie es wollte!

Bei immer stärkerem Regen brachte mich die U-Bahn zum Olympiapark. Erst nach zwölf glitt ich ins sehr viel genutzte Schwimmbecken. Auf den ersten 1.000 Metern war ich mit Überholen und Ausweichen beschäftigt, dann hatte ich nur noch einen Schwimmer auf der Bahn, auf den ich besonders achten musste (Kraulen ist ja eigentlich ein sehr platzsparender Schwimmstil, nicht aber wenn man dabei alle Arme und Beine kreuzt, jedes Gelenk am Körper abknickt). So richtig Freude hatte ich nicht an meiner Runde, fühlte mich danach aber herrlich durchbewegt.

Es hatte sich eingeregnet, zusammen mit dem schmelzenden Schnee wurden die Pfützen zu Teichen.

Daheim Brotanschnitt:

Alles, wie es sein sollte.

Beim Frühstück (Apfel, Brot mit Butter und Marmelade) war es schon deutlich nach drei. Und ein Chlorschnupfen beutelte mich immer brutaler.

Nachmittag mit Internetlesen, Zeitunglesen, Yoga.

Zum Abendessen öffnete ich eine Flasche Gemischten Satz vom Pfälzer Weingut Marie Adler, den wir im Berliner MaMi’s Food and Wine kennengelernt hatten, spontanvergoren und 12 Monate im Fass. Schmeckte noch besser als in Erinnerung, dazu arabische Nüsschen.

Und passte gut zum Nachtmahl: Herr Kaltmamsell hatte Kürbis und Spinat aus Ernteanteil auf meinen Wunsch mit Kichererbsen und Kokosmilch zu einem leichten Curry verarbeitet.

Den Nachtisch hatte er sich selbst ausgedacht und dafür unter anderem Crowdfarming-Orangen aufgebraucht:

Eine Trifle-Abwandlung mit Tapioka und Kokosmilch – hervorragend. Dennoch holte ich danach noch die Schokoladenkiste und musst mich anschließend über mich ärgern, weil Bauchweh.

Abendunterhaltung: Auf ZDFneo lief Down with love von 2003, den ich seinerzeit mit Herrn Kaltmamsell begeistert im Kino gesehen hatte (und mich lange darauf gefreut). Jetzt gefielen mir Konzept und Umsetzung sogar noch besser – und ich wunderte mich, dass sich so selten auf diese Zusammenfassung und Parodie aller 1960er RomComs (Rock Hudson! Doris Day!) bezogen wird. Ich hatte damals nicht mal mitbekommen, dass der Film an der Kinokasse floppte, und verstehe sehr gut, dass er von einer jüngeren Generation geschätzt wird. (Allein die Musik!)

§

Von Mimosen habe ich hier ja schon geschwärmt, jetzt weiß ich unter anderem, warum sie schon im Januar blühen: Das Südfrankreichblog hat eine Mimosenzucht besucht und berichtet – unter anderem mit vielen wundervollen Fotos.
“Mimosen – indoor”.

§

Ich weiß: Umweltpolitik und Naturschutz sind derzeit ausgesprochen wenig sexy Themen. Obwohl sowohl Umwelt als auch Natur davon nicht einfach weggehen. Fachfrau Büüsker fasst (wie immer eingängig zu lesen und nachvollziehbar) anstehende Bundespolitik zusammen:
“Die Klima- und Umweltklopper der nächsten Wochen”.

§

Ich finde Antje Schrupps Ansatz des Feminismus immer interessant, auch wenn ich in Vielem anders priorisiere und meine, sogar von anderen Prämissen ausgehe. Anlässlich ihres neuen Buches hat Katrin Gottschalk sie für die taz interviewt:
“‘Mit High Heels hat man keine Standfestigkeit'”.

Volle Zustimmung zum Beispiel hierfür:

Schrupp: Die Welt geht nicht unter wegen ein paar Tradwives, die mit Quatsch Geld verdienen. Die Unterdrückung von Frauen im 19. Jahrhundert bestand nicht darin, dass sie gekocht haben, sondern darin, dass sie aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen waren. Und es gibt heute nichts Öffentlicheres als eine Tradwife auf Tiktok. Kritikwürdig ist nicht ihre Häuslichkeit, sondern ihre Nähe zu rechtsautoritären Bewegungen.

taz: Mal grundsätzlich: Wo steht der Feminismus Ihrer Meinung nach gerade? Manche sagen, es sei schon viel erreicht, andere sehen überall sexistische Kackscheiße.

Schrupp: Beides stimmt. Feminismus ist keine einheitliche Bewegung. Je nachdem, wo du stehst und was du willst, fällt die Einschätzung unterschiedlich aus – und das ist seine Stärke. Im Patriarchat sind Frauen nicht pluralistisch, sie werden aus männlicher Perspektive in eine Rolle gepresst. Feminismus heißt, diesen weiblichen Pluralismus sichtbar zu machen. Dann will eben eine Chefin werden – und eine andere beim Backen kreativ sein.

Journal Aschermittwoch, 18. Februar 2026 – Arbeitseinstieg mit Kampf

Donnerstag, 19. Februar 2026

Ein bisschen später losgekommen als sonst (Bett abgezogen, Waschmaschine gefüllt und angeschaltet, das Aufhängen übernahm Herr Kaltmamsell mit seinen Faschingsferien) – und länger gebraucht als sonst, weil es auf dem leicht angeschneiten, knackig frostigen Weg in der Morgensonne so viele interessante Anblicke gab.

(Schon Mark Rothko, oder?) Außerdem war es scheißglatt.

Im Büro verschärfter Kampf mit Outlook, und zwar beim Versuch, eine Kalender-Einladung an sechs Personen zu schicken.
– Einmal gesamter Verteiler beim Senden gelöscht.
– Einmal ging die Einladung nur an eine namensähnliche Kollegin (zum Glück intern, zum Glück fragte sie verdutzt nach).
– Nach dem dritten Versuch (mit Screenshot vor Absenden wie bereits bei Versuch 2) hakte ich bei den Eingeladenen nach (Internet like 2001, second screen Telefon: “Ich hab Ihnen gerade eine E-Mail geschickt, ist die angekommen?”)

Aber um mal wieder (WIE IMMER) das Positive abzuleiten: Assistenzen wie ich werden noch lang nicht durch Algorithmen ersetzbar sein, wenn sie neben ihrem eigentlichen Job immer genauer prüfen müssen, ob die technischen Systeme gerade Mist bauen.

Blöderweise schubste mich diese Verunsicherung plus eine weitere spontane Heikelkeit derart aus der Bahn (wichtige Einladung, wichtige Leute), dass ich lange brauchte, um mich zu beruhigen und konzentriert weiterzuarbeiten. Zur üblichen Zeit meines Mittagscappuccinos hatte ich einen Termin, mit meiner Hibbeligkeit hätte mir Koffein eh nicht gut getan. Statt dessen nutzte ich die Mittagszeit für einen ausgedehnten Marsch um mehrere Blöcke.

Als Mittagessen gab es vorgeschnittene Orangen (das wird wohl erstmal so bleiben) sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Emsiger Arbeitsnachmittag, zum Glück nervenschonender als der Morgen.

Nach Feierabend fuhr ich mit der U-Bahn zu Espressokauf im Caffe Fausto an den Candidplatz. Zurück am Sendlinger Tor weitere Lebensmitteleinkäufe. Dadurch war es schon fast sieben, als ich daheim ankam: Ich ließ Yoga aus, machte mich an Bettüberziehen und Brotzeitvorbereitung.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig mit Freunden, hatte aber nachmittags den Ernteanteil-Lauch zum Favoriten Lauch-Bohnen-Romesco verarbeitet, und zwar mit Riesenbohnen, die wir im Wiener polnischen Supermarkt gekauft hatten. Schmeckte ausgesprochen super.

Dieses Jahr fallen der Beginn der christlichen Fastenzeit und der Beginn von Ramadan zusammen – finde ich sehr charmant.

Abendunterhaltung: Der Fernsehfilm Damen, von dem ich in der Süddeutschen Gutes gelesen hatte, hier in der Mediathek.
So viele schöne München-Bilder im Frühsommer! (Unter anderem aus dem Volkstheater.) Hinreißende Hauptdarstellerin Salka Weber, sehr beeindruckt war ich auch von Mai-Phuong Kollath, und ich mochte die Geschichten von Freundschaft und Familie in einer fast schon realistischen Buntheit und ohne viel Action.

§

Dass bei Kindern und Jugendlichen “Social Media” alles dasselbe ist und nicht Austausch/Information/Konsum/Kreativität/Vernetzung/Unterhaltung – wie halt bei Erwachsenen auch, kann ich mir nicht vorstellen. Nur dass ein Internet-Endgerät im Spiel ist, reicht mir nicht als Definition. Medienwissenschaftlerin Ulla Autenrieth differenziert, deshalb gefällt mit dieses Interview mit ihr.
“Mit Verboten werden Jugendliche zum Schweigen gebracht”.

Inklusive einem Argument gegen Alarmismus, das meiner Ansicht nach zu wenig beachtet wird: Alarm ist laut und bekommt dadurch mehr Aufmerksamkeit – auch kommerzielle.

Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und dem Wohlbefinden von Kindern? Als Laiin stelle ich mir vor: je länger, desto schlechter.
Auch hier muss man sagen: Es kommt eben sehr darauf an. Was wird denn während der Bildschirmzeit gemacht? Fernsehen, in der App lernen, mit Freunden chatten: Was zählt da alles dazu? Je mehr soziale Interaktion, je mehr Kreativität in etwas steckt, desto positiver ist es letztlich. Wenn ich mir Tag und Nacht negative Dinge anschaue, hat es natürlich einen negativen Effekt.

Der amerikanische Moralpsychologe Jonathan Haidt behauptet in seinem Bestseller «Generation Angst», Social Media mache junge Menschen psychisch krank. Haben Sie als Medienwissenschaftlerin sein Buch gelesen?
Oh ja. Von Anfang bis Ende.

Wie schätzen Sie als Expertin es ein?
Haidt greift Ängste auf, die viele Eltern teilen, und präsentiert diese in einer sehr zugespitzten Weise. Dabei muss man beachten, dass er Bücher schreibt, um Bestseller zu landen. Haidt lehrt an einer Business School. Das Konzept des Buches erinnert mich an die Bücher von Manfred Spitzer, der mit seinen Thesen ja auch immer sehr präsent ist. Diese Autoren greifen Ängste auf und setzen das Ganze sehr schlagwortartig und marktorientiert um. Die Thesen finden viel Anklang, weil sie Themen und Herausforderungen aufgreifen, die im Raum stehen.

(Außerdem wird Kathrin Passig darin zitiert <3)

§

Der am breitesten getanzte Volkstanz Spaniens? Nein, ganz sicher nicht Flamenco, den tanzt die Minderheit der Gitanes. Es ist die Jota!
Hier eine ganze Plaza in Zaragoza voll Tänzer*innen (Charity-Aktion zum Tag des Kinderkrebses) – sähe in Tracht noch schöner aus, aber die haben natürlich nur wenige (es gibt ja keine Schwundstufe für sowas wie Oktoberfest).

Journal Sonntag, 8. Februar 2026 – Langsames Milderwerden, endlich mal wieder Kino

Montag, 9. Februar 2026

Mit Unterstützung herabgelassener Rollläden lang geschlafen, aber ich war lange nicht eingeschlafen (der wunderbare Espresso bei der Samstagabend-Einladung war das wert gewesen) und brauchte nachts gegen zugeschwollene Nasenschleimhäute wieder Spray.

Draußen war es weiter mild, für meine mittägliche Laufrunde reichten Lauf-Hoody und Weste – leichte Mütze und Handschuhe waren aber recht.

U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort ab an die Isar.

Ich gönnte mir den Ausblick vom Monopteros.

Recht versunkenes Laufen fast ohne Fotografieren.

Mein Körper machte mittel mit, störte mal mit Fußschmerz rechts, mal mit Schmerzen um den Hüftgürtel und die Lendenwirbel, meldete auch die letzte halbe Stunde Erschöpfung, doch mein Geist hatte noch nicht genug.

Heimweg ab Tivoli mit Bus bis Giselastraße und von dort U-Bahn.

Frühstück kurz nach zwei: Apfel und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Roggenbrot mit Butter und Zuckerrübensirup/ Lemon Curd. In Köln hat’s bereits Brutalstfrühling, in München nicht mal grüne Spitzen von Schneeglöckchen.

Nachmittags ging ich endlich mal wieder ins KINO! (Punkte auf dem Kultur-Tracker.) Im City-Kino ums Eck sah ich Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (und fand es mal wieder cool so zu wohnen, dass ich fast im Bademantel ins Kino gehen könnte; außerdem kaufte ich nach Langem mal wieder die Eintrittskarte vor Ort an der Kinokasse – hatte mich allerdings vorher auf der Website versichert, dass noch reichlich Plätze frei waren). Eine wirklich schöne filmische Umsetzung des Romans, der mir ja gefallen hatte. Senta Berger hinreißend, Bruno Alexander als Hauptdarsteller bezaubernd. Und das Drehbuch ist mehr als in Ordnung: Nachdem ich mich zunächst an sprachlichen historischen Ungenauigkeiten wie “Hey!” als Begrüßung oder “genau” gestoßen hatte, weil man das in den 1980ern ganz sicher nicht sagte, beschloss ich, dass der Film sich ja zeitlich gar nicht explizit festlegt (ein wenig in der Technik mit Telefon und Fernseher, doch Münchner Außenaufnahmen wurden in der Jetztzeit gelassen) und dass das nicht so wichtig ist.

Eine ruhige, kurze Folge Yoga. Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Karoffeln Reiberdatschi.

Klassisch bei uns mit Apfelmus – aber im Ruhrgebiet hatten wir vor anderthalb Jahren gelernt, dass sie dort mit Zuckerrübensirup gegessen werden. Wir kommen beide aus kulinarisch überdurchschnittlich aufgeschlossenen Familien, haben ja bereits vorbehaltlos Exoten wie Grie Soß oder Himmel und Äd in unseren Speiseplan integriert: Wir testeten Zuckerrübensirup, er stellte sich als echte Bereicherung heraus und passt super.

Im Bett die nächste Lektüre: Fatima Daas, Sina de Malafosse (Übers.), Die jüngste Tochter – fragmentarische Schlaglichter auf das Leben einer jungen Einwanderertochter in Paris.

§

Für mich aus persönlichen Gründen interessant (mein Vater, also nicht himmlischer, sondern biologischer Vater, heißt Jesús – und obwohl mit einer gehörigen Portion Schabernack auf die Welt gekommen, scheut er sich meist, auch damit Schabernack zu treiben):
“Warum (fast) niemand Jesus heißt – außer in spanischsprachigen Ländern”.

via @wolfseule

Familien-Details: Außerdem heißt einer meiner spanischen Kusins Jesús, wurde aber in Abgrenzung zu meinem Vater, also seinem Onkel, von Klein auf “Jesusito” gerufen, mit Diminutiv. Was zeitweilig bis zu “Susi” (bitte mit zwei scharfen, also stimmlosen S) verballhornt wurde.

Journal Mittwoch, 21. Januar 2026 – New Chinese kid on the block

Donnerstag, 22. Januar 2026

Nach guter Nacht eine Stunde zu früh aufgewacht. Unruhig liegengeblieben, wild entschlossen, das als “Ausruhen” einzuordnen.

Früh losmarschiert in die Arbeit, Himmel weiterhin klar, Luft weiterhin frostig. Der Revier-Amslerich war deutlich zu hören. Am Schreibtisch arbeitete ich geordnet los.

In einer Pause Basteln an der Wien-Reise über Fasching. Eine Erkenntnis: Dass du selbst ziemlich immun gegen Marketing-Aktionen bist, hilft halt nicht, wenn du für Samstagabend, 14. Februar, einen Restauranttisch buchen möchtest.

Zum späten Mittagscappuccino marschierte ich durch Sonne (schön!) und Kälte (hmpf) ins Westend, Highlight des Arbeitstags.

Zu Mittag gab es Birnen sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Am frühem Nachmittag begann ich Präventiv-Dehnen meiner Beinrückseite: Nach Erkältungspause hatte ich Schwimmzeug dabei und wollte nach pünktlichem Feierabend ins Dantebad. Doch schon in der Mitte dieses Nachmittags merkte ich unter anderem an paar Ganzkörper-Niesern, dass das zu früh nach Erkältung war, das Schwimmen ließ ich lieber bleiben. Dann halt am Samstag.
(Merke: Wenn mich das Aufgeben von Sportplänen fröhlich macht und nicht traurig, war das die richtige Entscheidung.)

Also ging ich zu gewohnter Feierabendzeit nach Hause, unterwegs nur kurze Drogeriemarkt- und Blumeneinkäufe.

Ernteanteil war aufgegessen, ich ging mit Herrn Kaltmamsell fürs Abendessen außer Haus: Ums Eck in der Müllerstraße hatte ich einen Ramen-Laden entdeckt, Honghong Ramen, den probierten wir aus. Interessante Karte, ich bestellte nach scharfem Gurkensalat sehr breite hausgemachte Ramen-Nudeln mit Auberginen und Tomate (sehr gut!), Herr Kaltmamsell pickte das exotischste Gericht heraus: Entenblut und Kutteln. Die freundliche Bedienung musste erst in der Küche fragen, ob es das gestern überhaupt gab (wir hatten bereits damit gerechnet, dass es das nicht immer geben würde).

In duftig-scharf gewürzter Brühe und Öl (werden nicht mitgegessen) schwammen Scheiben Entenblut, Spam, Rindfleisch, dünne Streifen Kutteln, außerdem Champignons und Sprossen, frittierte Chillis, Sechuanpfeffer – ein sehr wohlschmeckendes Textur-Festival (ich durfte probieren). Wir kommen wieder.

§

Alan Rickman ist jetzt auch schon wieder zehn Jahre tot. Der Guardian hat Erinnerungen berühmter Leute an ihn gesammelt.
“‘I fell in love with him on the spot’: Alan Rickman remembered, 10 years after his death”.

And when he received an award for his performance as the Sheriff of Nottingham, he remarked that every time he looked at it he would realise “subtlety isn’t everything”.

Seltsamerweise wird auch hier einer meiner Lieblingsfilme mit Alan Rickman ausgelassen: Blow Dry von 2001. (Der nicht mal in seinem englischsprachigen Wikipedia-Eintrag auftaucht? Im deutschsprachigen schon.) Darin spielt er ganz hinreißend einen extrem kompetitiven Friseur (der in Wettbewerben barfuß arbeitet, rrrrrr). Dabei spielen darin auch noch Natasha Richardson, Bill Nighy und Heidi Klum (!) mit! Herr Kaltmamsell wies darauf hin, dass Blow Dry im Grunde ein Sportfilm ist – wir haben ihn, muss ich dringen nochmal gucken.

§

Eine besondere Ausgabe der Reihe Meisterstunde. Als ich das Thema “Birkenrinden-Kanubauer” las, hätte ich fast nicht draufgeklickt, klang langweilig. Ein Irrtum, denn der Werdegang von Artem Lemberg aus Sibirien ist sehr besonders:
“Birkenrinden-Kanubauer Artem Lemberg über Autodidaktik: ‘Im Machen verbessert sich die Qualität deiner Gedanken'”.

Wie viele Menschen in Deutschland bauen solche Kanus?
Ich bin, glaube ich, der einzige in ganz Eurasien. Gut drei Kollegen kenne ich, die in den USA und Kanada ähnliche Kanus bauen.

§

Mek ist jetzt deutscher Staatsangehöriger!

Journal Dienstag, 6. Januar 2026 – Pfännchenessen revisited

Mittwoch, 7. Januar 2026

Keinen Wecker gestellt trotz Plänen und trotz der Idee, durch frühes Wecken schonmal für den ersten Arbeitstag zu üben: Ich erlaubte mir nochmal den Genuss des Ausschlafens.

Dem Zuschwellen der Nasenschleimhäute steuerte ich mit besonders kalter Luft durchs gekippte Fenster gegen, auch wenn das Ohrstöpsel gegen Schlafstörung durch Lärm von außen erforderte. Klappte gut!

Vormittags machten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof. Es war scheißkalt geblieben, aber wir bekamen ein wenig blauen Himmel und Sonne.

Schöne Idee am Münchner Bahngleisende: “Lesen, bis der Zug kommt.” mit Ausschnitten aus Thomas Manns Zauberberg für 30 Minuten Lesezeit, 20, 10 und 5. Wir hätten gestern die 20-Minuten-Version wegen ebenso langer Verspätung nehmen können, doch erfuhren wir diese zu scheibchenweise und warteten statt dessen in Eiseskälte am Bahnsteig (“wegen verspäteter Bereitstellung” – wie sagte mal ein Zugchef? “Ham’s wieder den Zug net g’fund’n?”).

Auch im Ankunftsort Ingolstadt Scheißkälte, meine Mutter versuchte sie mit Hinweis auf Winter und Januar zu rechtfertigen. Wenn ich über Scheißhitze im Juli schimpfe, darf ich auch über Scheißkälte im Januar schimpfen.

Rein gar nichts zu schimpfen gab es über den gedeckten Tisch: Pfännchenessen, das hatte ich wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf der Anreise hatten Herr Kaltmamsell und ich Erinnerungen abgeglichen und festgestellt, dass wir aus komplett verschiedenen Pfänncheness-Kulturen kommen: Er erzählte von Doppelpfännchen auf Rechauds!, ich kenne Überback-Teflon-Pfännchen plus Brat-Dach. Letzteres wurde gestern geboten, dazu reichlich Unterhaltungen mit meinen Eltern, meinem Bruder (leider krankheitsbedingter Ausfall der Schwägerin), Bruders Schwiegermutter. Was ich bereits vergessen hatte: Wie leicht es bei dieser Essform mit reichlich Angebot ist, den Überblick über die bereits gegessenen Mengen zu verlieren. Zum Glück winkte meine Sättigung heftig, bevor ich mich überfraß. Und so ließ ich auch den Nachtisch lieber aus: Zimttorte.

Noch bei Tageslicht nahmen wir einen Zug nach Hause, passierten einige zugefrorene Teiche und Seen, auf denen eisstockgeschossen oder schlittschuhgefahren wurde.

Ich las Joachim Meyerhoffs Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke aus: Gefiel mir gut, er schreibt wirklich anschaulich, in gutem Erzählrhythmus und setzt hervorragend Pointen. Ich wusste aus einem Interview im SZ-Magazin mit Simon Verhoeven und seiner Mutter Senta Berger, dass sie zusammen den Roman gerade verfilmt haben (€ – »Du willst jetzt wirklich darüber reden?« – »Darüber will ich reden«), will ich unbedingt sehen. Senta Berger ist sicher die ideale Besetzung einer alten, wunderschönen Schauspielerin, doch vor allem will ich herausfinden, wie sie das endlose Versagen des Erzählers im Schauspielunterricht und als Schauspieler umsetzen.

Hoffnung auf einfachere Wohnungswärmung: Beim Heimkommen brannte in der Wohnung unter uns Licht!

Kurz vor Ende der Weihnachtsferien schaffte ich noch zwei von den drei Erledigungen, die ich mir für diese Ferien vorgenommen hatte (habe sofort meine Sprüche-liebende Mutter im Ohr: “Am Abend wird der Faule fleißig!”): Loch in der Manteltasche flicken, Inhalt meiner Unterlagenschublade sortieren und abglegen. Dieses Schublädchen enthält in erster Linie Kassenzettel und Rechnungen, Wichtigeres schaffe ich inzwischen sofort nach Erhalt in den entsprechenden Ordner zu heften. Ich legte Aufhebenswertes aus zwei Jahren Einkäufen ab.
Erledigung drei war Abtauen und Reinigen von Kühlschrank und Gefrierteil; das verschob ich mit Herrn Kaltmamsell energisch auf nächstes Wochenende.

Ein lange Einheit Yoga, tat gut. Allerdings merkte ich dabei, dass das Mittagessen noch lang nicht verdaut war. Als Abendbrot aß ich entsprechend lediglich eine Kaki, Christstollen und ein wenig Schokolade (balanced diet or what?).

Und ich guckte nicht in mein Arbeitspostfach sondern glaubte ganz, ganz fest daran, dass andere ihre Weihnachtsferien ebenso frei genommen hatten wie ich.

Journal Montag, 22. Dezember 2025 – Eisnebellauf, Kosmetik

Dienstag, 23. Dezember 2025

Bis zum 7-Uhr-Läuten von St. Matthäus geschlafen, das war nach recht guter Nacht schön – überrschenderweise stören die auf- und abschwellenden Gesichtsschmerzen meinen Schlaf gar nicht.

Beim Bloggen ertastete meine Zungenspitze einen alten Bekannten, seit ein paar Jahren überhaupt nicht vermisst: ein Herpesbläschen. Hastiges Kramen in der Hausapotheke, doch in dieser Hinsicht kann ich mich wirklich auf mich verlassen: Dort wartete eine frische Tube antivirale Salbe (danke, Big Pharma).

Draußen wurde es zu fortgesetztem Hochnebel Tag. Für meine Laufrunde wählte ich dieselbe Stecke wie am Samstag, bereits gespannt auf die sicher ganz andere Stimmung. Und so war es dann auch.

Ebenfalls anders: Es war deutlich kälter als am Samstag, ich brauchte Mütze und Handschuhe, musste mich erstmal warmbewegen. Dann aber kam ich zu einem erfreulichen Lauf, leicht, mit sehr wenigen Menschen an diesem Werktag und immer wieder ruhig genug, dass meine Gedanken körpervergesssen flossen.

Tänzerin

Niedelich! Und die Schmücker*innen denken sicher daran, die Fremdkörper nach Weihnachten auch wieder zu entfernen.

Kurz nach eins gab es Frühstück: einen Apfel, außerdem Mango und Persimon mit Sojajoghurt, eine Hand voll Mandeln drübergestreut.

Dann zum letzten Termin für dieses Jahr: Bei meiner Kosmetikerin, vor Monaten gebucht, für Pediküre und Gesichtsbehandlung. Mit den derzeitigen Schmerzen freute ich mich vor allem auf die Gesichtsmassage, tat auch besonders gut. Bei der Pediküre zuvor (der Lack trocknete während der Stunde Gesichtsbehandlung) stellte die Fachfrau fest, dass die Nägel meiner großen Zehen sich gerade komplett erneuern, sie machte mich darauf gefasst, dass die alten Nägel darüber, zum Teil bereits verfärbt, in den nächsten Monaten abgestoßen werden. Wohl eine Folge meiner siebentägigen Wanderung im Herbst: Selbst bei allerbequemsten Wanderschuhen, kurzgeschnittenen Zehennägeln (meine wachsen von Natur aus sehr weit vor) und optimalen Wandersocken stößt der Nagel bei fast jedem Schritt ein wenig an die Innenseite der Stiefel. Rundum behandelt und lackiert (ich wählte ein peppiges Mittelgrau) sieht man das jetzt bei mir aber nicht mal.

So entspannt wie mir derzeit überhaupt möglich ging ich anschließend auf Lebensmitteleinkäufe für Weihnachten (das meiste von der gemeinsamen Liste hatte allerdings bereits Herr Kaltmamsell besorgt). Daheim Wäschewaschen, eine Runde Pilates mit Schwerpunkt Mobilisation.

Fürs Nachtmahl holte ich mir als Vorspeise vom selbstgemachten Kimchi, klassisch aus Chinakohl, das Herr Kaltmamsell für essfertig deklariert hatte – köstlich. Und aus den Ernteanteil-Süßkartoffeln hatte er auf meinen Wunsch wieder Mac’n cheese zubereitet – das mir sehr gut schmeckte, ich aber wegen großer Temperatur- und Berührungsempfindlichkeit der Schmerzzähne links nur sehr vorsichtig kauen konnte. Nachtisch Mamas Mohnstollen vom Sonntag (super! hier das Familienrezept), und Schokolade.

Im linearen Fernsehen entdeckten wir Sabrina von 1954 und ließen ihn laufen, ich labte mich am Anblick von Audrey Hepburn, der Verkörperung von Liebreiz.