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Journal Freitag, 25. Oktober 2019 – Neue, viel bessere Schmerzen

Samstag, 26. Oktober 2019

Eine sehr schlechte Nacht – zumindest schlafe ich nach dem Aufwachen (diesmal wieder wegen Schmerzen, die LWS-Muskulatur brachte mich zum Aufjaulen) immer gleich wieder ein. Aber mittlerweile drehen sich sogar meine Träume um schlechten Schlaf.

Dieses neu freugeschaltete Feature Muskelschmerzen überm Po ließ mich kaum aufrecht stehen – aber wenn ich dann mal stand, konnte ich plötzlich fast schmerzfrei gehen und Treppen steigen. Ich bin immer noch bereit, das alles als Entwicklung zu sehen, als Zurechtjuckeln des gestörten Muskel- und Fasziensystems (eingeklemmte Nerven fühlen sich anders an, das kenne ich auch).

Fahrradfahren war am Donnerstag vielleicht ein bissl zu früh nach dem kleinen chirurgischen Eingriff gewesen (sagte das Pflaster-Orakel), also nahm ich wieder den Bus. Ich hörte den Boatpeople-Podcast zu Ende: Minh Thu Tran und Vanessa Vu reflektieren über den Umgang ihrer eigenen, zweiten Generation mit den Flüchtlings- und Einwanderungsgeschichten ihrer Eltern. Besonders hilfreich: Vanessa gibt ganz konkrete Tipps, wie man ein Gespräch mit den eigenen Verwandten über ihre Geschichte am geschicktesten anfängt. Sie erinnert aber auch daran: Hauptsache die Geschichte heben und bewahren, bevor es zu spät ist.

Arbeitstag mit Aufregungen, die ich nicht lösen konnte – die auch eigentlich nicht in meiner Verantwortung liegen, doch ich kriege den Impuls nicht weg, alles für eine Lösung zu tun, selbst wenn das eigentlich niemand erwartet (wundert sich noch jemand, warum ich ungewollt Karriere gemacht habe?).

Mittags eine Breze, Granatapfelkerne mit Joghurt. Nachmittagssnack Apfel und Nüsse.

Ich machte pünktlich Feierabend und spazierte langsam in warmer Sonne heimwärts. Unterwegs besorgte ich Ginger Beer für abendliche Longdrinks, bem Verdi Obst und Artischocken.

Herr Kaltmamsell war noch unterwegs, ich bastelte den elaborierten Text für eine Essenseinladung, deren Idee durch ein bestimmtes Kochbuch ausgelöst worden war. Abendessen war zum einen Artischocke mit leichter Knoblauchmajo (drei Viertel Joghurt, ein Viertel Majo).

Sogar hübschgeschnitten! Drink dazu war Moscow Mule.
Zum anderen briet uns Herr Kaltmamsell Entrecôte, ich hatte den Ernteanteil-Fenchel zu Salat mit Orangen verarbeitet.

Zur Abendunterhaltung guckten wir so richtig linear fern, die letzte Folge der Reihe Unter Verdacht: „Evas letzter Gang“. Nachdem der am Vorabend von der Süddeutschen empfohlene Irlandkrimi mit Desirée Nosbusch doch wieder bloß der übliche deutsche TV-Schmarrn war (es ist vielleicht keine gute Idee, die Handlung wo ganz wo anders spielen zu lassen), blieb ich gestern sehr gern dran. Ich hatte den Anfang der Serie vor 17 Jahren mitverfolgt und mochte schon damals Set-up und Erzählweise, war auch ganz begeistert, dass die erste Folge gleich mal gar nicht gut ausging.

Gestern erinnerte mich das Drehbuch von Stefan Holtz und Florian Iwersen daran, dass es auch wirklich gute deutsche TV-Produktionen gibt. Dazu die Bilder (allein schon das Tableau der korrupten Honoratioren in der Starnberger Villa!), die Erzählweise (immer wieder Dialog außerhalb des Bilds, während das Bild bereits einen Schritt weiter ist, oder Informationsvermittlung durch Bilder, dazwischengeschnitten die Figur, die unhörbar die Bilder jemand anderem erzählt), die Schauspielerinnen und Schauspieler – allen voran die großartige Senta Berger, die in dieser off-type Rolle als Dr. Eva Maria Prohacek in gesichtslosen, hochgeknöpften Klamotten, nahezu ohne Lächeln, zwischen Verunsicherung und Pflichtgetriebenheit, zwischenmenschlich ungeschickt agiert, das war wirklich sehenswert. Der Film steht hier noch in der arte-Mediathek.

Journal Donnerstag, 10. Oktober 2019 – Nachklappe

Freitag, 11. Oktober 2019

Nach einer guten Nacht sah der Himmel zwar düster aus, es war Regen angekündigt, doch ich kam trockenen Fahrrads in die Arbeit.

Über den Tag regnete es immer wieder. Mittags Butterbrot aus Selbstgebackenem, nachmittags eine kleine Papaya und ein halber Eiweißriegel.

Besprechungsaussicht in die andere Richtung (die Alpenkette links war noch zu sehr im Gegenlicht).

Abends sollte in meiner Nach-Reha die erste Einheit Progressive Muskelentspannung stattfinden, doch ein Anruf der Rehastation sagte diese ab. Ich wurde auf weitere Gruppengymnastik umgebucht, die diesmal von einer aufmerksamen und kompetenten Vorturnerin geleitet wurde (Übungen mit Sitzball zur Stabilisierung).

Ich radelte durch herbstfrische Luft unter mondhellem Nachthimmel heim, dort gab es Ernteanteilsalat mit weiterem Butterbrot und Schokolade.

Wohltuendes Entspannungsbad vor dem Schlafengehen. Das Einschlafen allerdings empfindlich behindert durch eine große Gruppe Menschen, die auf der Straße irgendeine Gaudi mit lautem Rufen inszenierten. (Als ich nach einer Viertelstunde angezogen einschreiten wollte und runterging, sah ich sie nur noch weggehen, auch gut.)

Nachklappe:

1. Durch den Gerichtsprozess am Dienstag war mir aufgefallen: Plädoyers können ein hervorragendes Beispiel für Framing sein. Die Fakten und Aussagen liegen ja vor, in ihren Plädoyers stellen Staatsanwaltschaft und Verteidigung diese aber unterschiedlich dar, wählen aus, priorisieren, zeigen sie in verschiedenem Licht, verschiedenen Bezügen zueinander. Am Dienstag zum Beispiel gab es in den Plädpyers kleineres Gehackel um das Etikett „luxuriös“ für einen bestimmten Umstand des Sachverhalts – nicht strafrechtlich relevant, doch ein bestimmtes Framing.

2. Downton Abbey. Ich nehme meine Kritik an der historischen Schieflage der verwendeten Sprache zurück. Diesen Anspruch habe ich ja auch nicht bei Filmen, die im Alten Rom spielen oder im Bayern zur Zeit der Welfen.

§

Gestern in jetzt:
„‚Und zu diesem deutschen Volk gehöre ich dazu?‘
Nach dem rechtsradikalen Terroranschlag in Halle haben wir mit Jüdinnen und Juden über Antisemitismus in Deutschland gesprochen.“

§

Interview in der New York Times:
„‘I’m Too Old to Be Scared by Much’: Margaret Atwood on Her ‘Handmaid’s Tale’ Sequel“.

via Bingereader

Sie sagt wieder Weises:

Both Offred in “The Handmaid’s Tale” and Aunt Lydia in “The Testaments” wonder if anyone will ever read the words they set down, if their stories will matter. I wondered if that reflected your own views on writing and your desire to connect with readers, and your fear that maybe your work won’t have an impact.

That’s true of every writer. Every writer. Even as you write, I see you writing away there, what if your editor kills your piece? Then you will never have a reader. Every time when you set implement to surface, I won’t even say pen to paper, because it could be a stone, it could be a tree, you’re implying a reader, and it’s always a future reader, unless the person’s standing looking over your shoulder. The writer is always in that position because you’re always separated in time and place from whoever’s reading your book. It’s always a leap into the unknown future to write anything.

Aber lieben tue ich Margaret Atwood hierfür:

It sounds like you don’t feel a lot of pressure to write more, like you’ve got nothing left to prove.

It’s just that there isn’t a lot of time left. And that’s why they’re going so wild over the promotion of this book. I know what they’re thinking. They’re thinking, What if she dies? Ooh, we better do it now. Go all out. Last chance. I say that and they just sort of blush and shuffle their feet. They can’t deny they’re thinking of it.

§

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https://youtu.be/3jSD-8F5AzY

via Joël

(Oh bittebitte lass das gut sein! Ich brauche dringend einen Nachfolger für Love Actually – leider hat sich nämlich in meiner Wahrnehmung in den Vordergrund geschoben, wie ungut praktisch alle Beziehungen darin sind. Ausnahme vielleicht grad noch die Freundschaft Daniel-Karen.)

Journa Donnerstag, 3. Oktober 2019 – Sehr ruhiger Einheitstag

Freitag, 4. Oktober 2019

Ach weißt du, Körper… In der Nacht auf gestern musste er mich offensichtlich daran erinnern, dass er für Migräne nicht einen einzigen Tropfen Alkohol brauchte (der jüngste war Samstagabend ein Schluck Süßwein gewesen). Die immer übleren Kopfschmerzen der Nacht waren in den Morgenstunden dann doch eindeutig Migräne, zum Glück hatte ich rechtzeitig Medizin nachgekauft.

Entsprechend benommen war ich am Vormittag. Draußen schien die Sonne, doch beim Semmelholen stellte ich fest, dass es ganz schön kalt geworden war.

Ein ruhiger Feiertag (so entspannend für mich als Bayerin, wenn an einem Donnerstag auch der Rest der Republik Feiertag hat und ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauche). Nachmittags ging ich ins Kino (City an der Sonnenstraße): Downton Abbey. Mei, der zu erwartende Kitsch halt. Der Versuch historischer Korrektheit der Ausstattung endete wieder viele Meter vor den Dialogen: von Vokabular über Aussprache bis Grammatik astreines 21. Jahrhundert. Dafür SO schöne Kleider und Hüte!

Damit sich der Tag ein wenig genutzt anfühlte, bügelte ich ein Stündchen, mehr brauchte es nach zwei Wochen nicht – sicheres Zeichen, dass der Sommer zu Ende ist.

Für das Abendessen sorgte ich, es gab Ofengemüse mit Bulgur (war noch da, also hatte ich kein Coucous gekauft). Harissa war keines mehr im Haus, aber da wir reichlich getrocknete Chilis hatten, machte ich selbst eines.

Abendunterhaltung war die jüngste Folge Anstalt zum Thema Klimapolitik der Bundesregierung, diemal wieder eher deprimierend als amüsant – die Komik musste schon als nahezu unabhängige Ebene mit Grimassen und Wortspielen drübergelegt werden.

Vor dem Schlafengehen wieder brav in die Wanne. Seit dem jüngsten Anfassen rumpelt es immer wieder in der Hüfte, ich nehme das selbstverständlich als positives Zeichen.

Journal Montag, 9. September 2019 – Gehetzter Wochenanfang

Dienstag, 10. September 2019

Sehr schlechte Nacht, ich fand keine Haltung, in der Hüfte, Knie, Schienbein nicht schmerzten. Erleichterung, als endlich der Wecker klingelte.

Draußen regnete es weiter, allerdings nachlassend. Ich eierte zu Fuß unterm Schirm in die Arbeit. Dort dichtes Programm inklusive Querschlägern, ich kam nicht mal zu einer richtigen Mittagspause (Tomaten, Gurke und eine Scheibe Brot).

Früher Aufbruch wegen Termins beim MRT. Dort keine Neuigkeiten, die Verschlechterung meiner Beschwerden lassen sich nicht mit einer Verschlimmerung des Bandscheibenvorfalls erklären.

Auf dem Heimweg brauchte ich keinen Schirm mehr, es kam sogar die Sonne heraus. In Absprache mit Herrn Kaltmamsell besorgte ich zum Nachtmahl einen Runde Käse beim Vollcorner. „Ein bisschen“ habe ich bei Käse einfach nicht im Programm.

Daheim öffnete ich dazu eine Flasche Grassl Sankt Laurent Alte Reben 2015; besondere Weine brauchen als besonderen Anlass, dass man genau darauf Lust hat.

§

Der WDR berichtet über einen unangekündigten Besuch von Kanzlerin Merkel in einem persischen Restaurant in Chemnitz, dessen Besitzer von Nazis überfallen worden war. Ich war berührt von seinem Appell an Einwanderer, Chemnitz nicht zu verlassen, die Stadt nicht den Nazis zu überlassen.

§

Es wird einen weiteren Terminator-Film geben – mit Linda Hamilton! Ich werde nie vergessen, wie ich seinerzeit 1991 mit meinem besuchenden Bruder in Swansea Terminator 2 – Judgement Day sah – und den Mund nicht mehr zubekam, weil ich noch nie solch eine Frauenfigur gesehen hatte (allerdings hatte ich auch keine Erfahrung mit Action-Filmen).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/oxy8udgWRmo

Die New York Times hat Hamilton daheim in New Orleans besucht:
„Linda Hamilton Fled Hollywood, but ‘Terminator’ Still Found Her“.

Hamilton trained in the desert with Green Berets, while doctors put her on a regimen of supplements and bioidentical hormones to build muscle. “I had a true village of experts trying to get the most out of this body,” she said, though vanity wasn’t the mission. “I don’t think there’s going to be one person who comes up to me who says, ‘You look so great for your age.’ I threw that into the Mississippi River, because that’s not what this is about. I want people to see me and go, ‘Oh my God, she got so old!’”

Journal Samstag, 7. September 2019 – Schwimmen, Kuchenfiasko, Late Night

Sonntag, 8. September 2019

Ausgeschlafen aufgewacht, mit Plänen und Energie, der sanfte Landregen draußen war dabei bereits einkalkuliert.

Unter anderem war mir im Aufwachen eingefallen, welchen Kuchen ich backen wollte: einen Kirschsandkuchen in der Napfform, Rezept noch aus Kaffeekränzchenzeiten meiner Mutter von einer Freundin, in meinem handgeschriebenen Kochbuch festgehalten, seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht. Als besonders reizvoll hatte ich in Erinnerung, dass der Kuchen mit etwas Kirschwasser beträufelt und mit einem Kirschwasser-Zuckerguss überzogen wurde.

Erst mal bloggte ich zum Morgenkaffee den Vortag weg und las die Twittertimeline der Nacht hinterher (inzwischen nur noch über die Listenfunktion von Twitter – dass diese Threads nicht am Stück darstellt und keine Filter anwendet, ist ein geringer Preis für das Wegfallen von Werbung und den ge-like-ten Tweets irgendwelcher anderer Leute).

Der Regen hatte nicht aufgehört, und ich plante doch eine Schwimmrunde im Olympiabad. Die U-Bahn wollte ich sehr nicht nehmen, also beschloss ich, dass der Regen schon nicht zu schlimm fürs Radeln war. Statt des umständlichen Fahrradumhangs schlüpfte ich in eine alte Wanderjacke mit Kapuze, die sich als das genau richtige Kleidungsstück herausstellte: Ich kam mit lediglich leicht feuchten Jeans am Schwimmbad an. (Und nachdem ich dann doch eine Fahrradfahrerin ein bisschen anbrüllen musste, die mir auf einer mehrspurigen Straße ohne Fahrradweg auf meiner korrekten Fahrseite entgegenkam.)

Ich schwamm mit Vergnügen und ungestört 3.300 Meter, war lediglich anfangs irritiert, dass es derzeit in der großen Schwimmhalle keine einzige Uhr zu geben scheint. Unter der Dusche rubbelte ich mir die Sommersonne der vergangenen Wochen mit einem Peelinghandschuh vom Körper, cremte und pflegte mich anschließend.

Auf dem Heimweg in der U-Bahn-Station am Josephsplatz endlich mal wieder Automatenfotos (die jüngsten waren von Ende März). Da die U-Bahn-Station Sendlinger Tor derzeit und noch die nächsten Jahre umgebaut wird, bin ich auf weiter entfernte Automaten angewiesen.

Leider belichtet dieser Automat über.

Beim Wimmer Handsemmeln zum Frühstück geholt, daheim aber erst mal den geplanten Kuchen zubereitet (fehlende Zutaten hatte in meiner Abwesenheit Herr Kaltmamsell besorgt – obwohl ich angeboten hatte, sie auf dem Heimweg vom Schwimmen einzukaufen): Mein Tagesplan sah auch eine bestimmte Kinovorstellung am Nachmittag vor, ich wollte davor nicht unter Zeitdruck geraten. Während der Kuchen im Ofen war, frühstückte ich.

Als ich den Kuchen rezeptgemäß gleich nach dem Fertigbacken stürzte: Fiasko.

Obwohl die Form gebuttert und gebröselt war, klebte das obere Drittel des Inhalts fest. Also kein Beträufeln mit Kirschwasser, ich pappte die Fragmente so gut es ging mit Zuckerguss zusammen.

Kino: Im City an der Sonnenstraße lief Late Night, der kleine Vorführsaal war gut voll – mit vor allem älteren und alten Frauen (die elegante Dame neben mir, die – wie die meisten – allein gekommen war, merkte das auch an).

Die leichte Komödie um eine seit Jahrzehnten erfolgreiche weiblich Late-Night-Show-Protagonistin (also Science Fiction, wie Hauptdarstellerin Emma Thompson in einem Late-Night-Show-Interview anmerkte) unterhielt mich gut, Thompson kann eh nichts falsch machen, Mindy Kaling, die auch das Drehbuch geschrieben hat, ist herzerfrischend.

John Lithgow spielt den Mann von Emma Thompson. Ich bin gerührt, Roberta altern zu sehen – er ist immer noch bezaubernd.

Ansonsten stimme ich Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen zu:

Komische Frauen unter sich, eine Hauptdarstellerin über fünfzig, ein Plot, in dem es dann irgendwann darum gehen wird, Menopausen-Gags salonfähig zu machen – „Late Night“ ist für Hollywood-Verhältnisse ein riskantes Projekt. Daran mag es liegen, dass Kaling im letzten Akt ihres Drehbuchs ein paar Zugeständnisse zu viel an die Konventionen der leichten Komödie macht.

Nach dem Kino noch ein paar Supermarkteinkäufe, Umweg über den Blumenladen am Stephansplatz: Ich wollte besondere Blumen für eine besondere Vase.

Abends kochte Herr Kaltmamsell groß auf. Ich hatte vor Wochen als Wunsch Kalbskoteletts auf seine Liste setzen lassen, die servierte er mit Kräutern paniert, dazu Risotto a la milanese.

Im Glas ein fränkischer Rotling, der mir dann doch einen Tick zu pferdefurzig war.

Als Dessert gab es den Kirschkuchen. Schmeckte schon gut, aber diese Sauerei geht halt gar nicht.

§

Junge Ostdeutsche nach der Landtagswahl vom vergangenen Wochenende auf Zeit Campus:
„Ich fühle mich, als ob ich einer riesigen Bedrohung gegenüberstehe“.

Wir wollten mit denen sprechen, die der Hass, die Vorurteile und Politik der AfD trifft: People of Color, Kinder von Migrantinnen, Geflüchtete. ZEIT Campus ONLINE hat mit zehn jungen Ostdeutschen über den Erfolg der AfD gesprochen. Wir wollten wissen: Wie geht es euch? Das sind ihre Antworten.

(…)

Ich möchte mich nicht verdrängen lassen, aber ich will auch nicht die ganze Zeit kämpfen müssen. Ich will nicht rausgehen und mir jedes Mal Gedanken über meine Sicherheit machen. Ich will mich nicht vorbereiten müssen auf einen einfachen Einkauf.

§

Warum ich Blogs von Anfang an mochte: Weil sie mir Einblicke in das Alltagsleben von Menschen ermöglichten, das sich in fast allem von meinem unterschied. Hin und wieder bekomme ich das heute noch. Zum Beispiel wenn ein Astrophysiker erzählt, wie er seinen Unterricht und sich dabei organisiert:
„Survival strategies for lecturers“.

Journal Dienstag, 13. August 2019 – Rucksack fürs Feuerwehrfangirl

Mittwoch, 14. August 2019

Immer noch grau und kühl, ich kapitulierte und zog Jeans und feste Schuhe an – Sommer aus. Sogar für den Heimweg brauchte ich eine Jacke. Dennoch war ich guter Laune, denn Montagabend war mein bestellter Rucksack eingetroffen: Ich hatte schon lange gemerkt, dass es meinem Kreuz nicht gut tat, eine schwere Kuriertasche zu tragen, auch nicht quer getragen. Da meine derzeitige Arbeitstasche ohnehin bereits unschön abgestoßen ist, sollte ihr Nachfolger also ein Rucksack werden: Bequem, mit breiten gepolsterten Trägern, groß genug für Brotzeit und ein paar Einkäufe. Ein wenig Spaß sollte er mir aber auch bereiten.

(Fotograf: Herr Kaltmamsell)

Es wurde also ein Rucksack aus altem Feuerwehrschlauch.

Dieser erste Praxiseinsatz verlief schon mal positiv: Er saß gut und war bequem, die Fächereinteilung gefiel mir, und die Obsteinkäufe auf dem Heimweg fasste er locker, ohne aus der Form zu geraten. Bei Hitze wird mir darin allerdings drunter zu warm werden.

Herr Kaltmamsell ist ein begeisterter Aufbraucher. Als ich also anregte, das Abendessen um das Glas vom lieben Bruder geriebenen Meerrettich zu bauen, das noch im Kühlschrank stand, plante er gekochtes Rindfleisch mit Meerrettichsoße, dazu neue Kartoffeln aus Ernteanteil. Die Nachbarin hatte sich fürs Blumengießen mit einem heimischen Salat bedankt, den gab’s auch.

Im Fernsehen lief Das Haus am See, von dem ich trotz Starbesetzung noch nie gehört hatte und dessen Beschreibung sich interessant las. Ich wurde tatsächlich in die Handlung gezogen (Sandra Bullock!) und hätte ihn gern ganz gesehen, doch als mich zum dritten Mal eine Werbeunterbrechung völlig rauswarf (die ersten beiden hatte ich zum Aufräumen und für Abendtoilette genutzt), machte ich den Ferneseher aus und las den Rest der Handlung bei Wikipedia.

Im Bett zu Regenrauschen Colson Whitehead, Sag Harbor ausgelesen.

Journal Dienstag, 6. August 2019 – Nix Besonderes, aber Sonne und Wind

Mittwoch, 7. August 2019

Der Wecker riss mich aus tiefem Schlaf.

Gestern war ein komischer Tag. Ich ging mit Schmerzen in Kreuz und Hüfte (und ahne, dass meine Rühung über Menschen, die mich mit Mitgefühl auf mein offensichtlich schmerzbedingtes Hinken ansprechen, demnächst erschöpft sein wird), mir war schwindlig, ich fühlte mich matt und erschöpft. Hoffen wir einmal, dass auch das vorbeigehen wird.

Sonniger Tag mit schönem Wind und angenehmenen Spätsommergerüchen. Nach Feierabend machte ich einen Abstecher zum Vollcorner (übrigens, weil’s in meinem Internet gerade Thema war: Die haben die größte Auswahl an festem Haarshampoo, die ich kenne) für Kaffee und Brotzeit für die nächsten Tage.

Schon seit Montag sehe ich keine Mauersegler mehr, sie scheinen für dieses Jahr fort zu sein.

Herr Kaltmamsell hatte nach Pulpo gesucht, als er keinen fand stattdessen Calamari gekauft – und servierte sie zum Nachtmahl auf dreierlei Art:

In Tomaten-Oliven-Soße, aus der Pfanne (meine Lieblingsversion, weil intensivster Calamari-Geschmack) und mit Semmelbrösel gefüllt und geschmort. Ein Glas Chardonnay dazu (mag ich immer noch nicht wieder wirklich), Nachtisch Wassermelone.

Im Fernsehen lief Schräger als Fiktion. Der Film und meine Begeisterung dafür sind mir so präsent, dass mir erst gestern klar wurde, dass ich ihn nur einmal gesehen habe, und zwar vor zwölf Jahrem im Kino. Ich stellte fest, dass auch die synchronisierte Version funktioniert (natürlich nicht die „I brought you flours“-Szene).


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