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Journal Donnerstag, 17. Feburar 2022 – Sturm, Verabredung schafft pünktlichen Feierabend

Freitag, 18. Februar 2022

Gestern war ich bereit, es für eine ungeheuerliche Unverschämtheit zu halten, dass erst Donnerstag war.

Nacht ok, ich wachte erträglich oft auf, sorgte mich vor Weckerklingeln nur erträglich lang über eingebildete Probleme. Von draußen zerrte immer noch Sturm an den Fenstern.

Während in Ein- und Wenigfamilienhausgebieten Sturmwichteln gespielt wurde (Profis sichern schadhafte Gartenmöbel gezielt nur locker und legen sich auf die Lauer nach vorbeifliegendem Ersatz), schob ich auf dem Fußweg in die Arbeit den einen oder anderen Gehweg von großen Ästen frei. Über der Theresienwiese ging im Westen gerade der riesige Vollmond unter – mit überraschender Geschwindigkeit.

Den Arbeitstag begann ich zackig, indem ich eine Besprechung vorbereitete. Während dieser Besprechung bekam der Sturm Gesellschaft vom Regen, an einem nahegelegenen Gebäude war eine blecherne Jalousine halb abgerissen und lärmte im Wind.

Mittagessen waren Hüttenkäse und einige Orangen.

Ruhigerer Nachmittag im Büro, auch der Sturm legte sich. Pünktlicher Feierabend, ich war in der Stadtmitte verabredet. Fußweg dorthin ohne Probleme, der eine Sturm machte gerade Pause, der nächste angekündigte war noch nicht eingetroffen. Unsere Getränke bekamen Verabredung und ich nur mühsam, da die Karte des Cafés nicht dem tatsächlichen Angebot entsprach und der Kellner freundlich, aber komplett überfordert war. Gespräche über Körperlichkeiten, vor allem in Verbindung mit sportlicher Bewegung.

Heim ging ich mit einer Tüte ausgemusterter Kleidung der Verabredung, hochwillkommene Aufstockung meines übersichtlich gewordenen Bestands.

Herr Kaltmamsell hatte den Feldsalat aus Ernteanteil bereits gewaschen, ich machte ihn zum Abendessen mit klassischem Kürbiskernöl ab, dazu hatte der Herr Grünkern gekocht. Abschließend viel Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Der nächste Dowton Abbey-Film steht an, sieht nach einer wundervollen Flucht in schöne Bilder aus.

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https://youtu.be/wN0Spmq610Q

Vor allem aber macht der Trailer klar, dass Maggie Smith niemals sterben darf: Wie viele von uns müssen wohl ihre Seelen dem Teufel verschreiben, um das zu erreichen? Gibt’s da auch eine Art Crowdfunding? (Soulfunding?)

Journal Samstag, 5. Februar 2022 – #WMDEDGT mit Backen

Sonntag, 6. Februar 2022

Am 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? – #WMDEDGT. Dadurch entsteht jedesmal eine Sammlung Tagebucheinträge aus unterschiedlichen Lebenswelten, die sicher irgendwann kultur- und gesellschaftshistorisch interessant werden.

Start war bei mir eine beschissene Nacht mit einmal alles: Glutattacken, Unterschenkelkrämpfe verschiedener Art, PENG!-Aufwachen – ich bekam kaum eine Stunde Schlaf am Stück zusammen. Zum Glück schlief ich um sechs nochmal ein und tief bis halb acht. Schöne Entdeckung: Um diese Zeit war es fast schon hell, nur wenige Wolken am Himmel.

Bloggen an Morgenkaffee. Das dauerte eine Weile, weil das neue Smartphone auch Software-Updates auf meinem Laptop nach sich zog: Ich musste mit dem neuen Dateiformat .HEIC der Bilder umgehen lernen. (Und herausfinden, wie ich die Funktion am Handy ausschaltete, mit der es bei jedem Hochheben automatisch entsperrte.)

Plan war Schwimmen im Dantebad, doch vorher kochte ich Flan als Nachtisch fürs Abendessen, nur mit Milch, darin drei Eigelb und zwei ganze Eier, aromatisiert mit Tonkabohne. Der Flan war allerdings nur die Folge meine Plans, Mandel-Orangen-Kekse Acetani zu backen, das Rezept verursacht überzählige Eigelbe (Seltenheit).

Herr Kaltmamsell kam vom Joggen zurück mit den Hinweis, es sei kälter, als es aussehe. Als ich kurz zum Radaufpumpen rausging, stellte ich fest: Recht hatte er. Also radelte ich in der Sonne mit dicker Mütze und dicken Fäustlingen raus zum Dantebad.

Davor stand wieder eine Schlange an, diesmal aber nicht wegen Begrenzung der Menschenzahl drinnen, sondern lediglich, weil die Abwicklung an der Kasse inklusive Check Impfstatus länger dauerte. Das sonnige Schwimmbecken war gut besetzt, was bei Rücksicht und Wohlwollen aller funktionieren kann. Gestern waren allerdings viele unkooperative Kampfschwimmer dabei, die schubsten und am Beckenrand auch mal zu mehreren gleichzeitig überholten – da pressierte es einigen offensichtlich sehr, manch andere mussten sich aufregen. Ich genoss dennoch den Sonnenschein (litt allerdings ein wenig unter dessen schrägem Winterwinkel, das nächste Mal greife ich lieber zu meiner alten abgeschraddelten Schwimmbrille mit dunklen Gläsern) und sah mich halt bei jeder Wende vorsichtig um. Zusätzliche Unbillen: Die Kampfschwimmer verursachten heftigen Wellengang, ich schluckte viel Wasser; und auf den letzten 500 Metern setzten Waden und Zehen immer wieder zu Krämpfen an, zum Glück konnte ich gegenarbeiten. Insgesamt aber alles andere als das selbstvergessene Spazierenschwimmen, das ich so liebe.

Beim Heimradeln hielt ich am Edeka beim Stiglmayrplatz zum Semmelholen und für ein paar Lebensmitteleinkäufe. Zu Hause nutzte ich erst mal die Nasendusche zur Chlorschnupfen-Prävention.

Zum Frühstück um halb drei gab es Semmeln mit Butter und Marmelade/Honig und eine große Tasse Tee.

Jetzt endlich machte ich den Teig für die Acetani. Während er kühlte, legte ich mich ein wenig hin und schlief ein halbes Stündchen, ich war elend müde.

Das Backen war dann einfach – nur dass ich versäumt hatte, den Puderzuckerbestand zu überprüfen und ein paar Exemplare nackig backen musste.

Nach dem Abkühlen stellte sich heraus: Sie schmeckten extrem gut, umgehend ein neues Lieblingsrezept.

Während ich das Betriebssystem meines Laptops auf Big Sur 11.6.3 aktualisierte (ich folge brav jeder Aktualisierungsaufforderung, allein schon aus Sicherheitsgründen) las ich die Wochenend-SZ (ging diesmal schnell, viele der Themen interessierten mich nicht), bis es Zeit fürs Abendessen war. Es gab die restlichen Ochsenbackerl von Freitagabend mit Nudeln, ich verarbeitete dazu den kleinen Ernteanteil-Chinakohl mit Joghurtdressing und Kresse zu Salat. Rotwein war auch noch für jeden ein Glas da. Nachtisch Flan, der endlich mal genau die kleinen Bläschen aufwies, die ich sonst nie hinbekomme – allerdings kann ich nicht sagen, woran das lag.

Im Fernsehen ließen wir The English Patient von 1996 auf Servus TV laufen – meine Güte, war Ralph Fiennes mal jung. Ich schaffte nur die Hälfte des Films bis Bettschwere, aber genug, um mich daran zu erinnern, wie groß die Unterschiede zur Romanvorlage von Michael Ondaatje sind. Anthony Minghella hat aus Ondaatjes vielschichtigem und erzähltechnisch brillantem Meisterwerk klassischen Hollywood-Bild- und Gefühlsbarock gemacht. Damit möchte ich keine Wertung verbunden sehen, Film und Buch sind zwei ganz unterschiedliche Medien; doch umso mehr empfehle ich den Roman.

Im Bett las ich noch Granta 157, Should we have stayed at home? New travel writing.

Journal Montag, 24. Januar 2022 – Bauchyoga

Dienstag, 25. Januar 2022

Mittelgute Nacht. Originelle Features: Einmal wachte ich auf, weil meine Nasenschleimhäute komplett zugezogen waren (bis zum Schlafengehen keine Spur von Chlorschnupfen), einmal hatte ich eine beeindruckende Albtraum-Phase.

Draußen war es frostig, ich ging unter klarem Himmel besonders schnell in die Arbeit. Im Büro war mir so kalt, dass ich ausnahmsweise die Tür schloss, um mir mit hochgedrehter Heizung richtig warm machen zu können.

Zügiges Wegarbeiten von Jobs (Korrekturlesen), die Freitag kurz vor Feierabend reingekommen waren, bevor ein Besprechungs-Reigen einsetzte.

Zu Mittag gab es selbst gebackenes Brot und viel Blutorangen – it’s Tarocco time! Nachmittags ruhigeres Arbeiten, draußen war es weiter sonnig und frostig. Ich muss mir aktiv vor Augen führen, dass uns noch ein paar Monate Winter bevorstehen, irgendwas in mir möchte JETZT Sommerröcke in die Änderungsschneiderei bringen und sucht auf Bekleidungs-Websites vergeblich nach kurzen Hosen.

Auf dem Heimweg stoppte ich in einem Supermarkt für Süßigkeitenkauf (und nahm im Vorbeigehen eine Sonderangebot-Yogahose in passender Konfektionsgröße mit, die zum einen nicht rutschen würde, zum anderen anders als meine aktuell zum Yoga getragene lange Laufhose keinen Reißverschluss im Kreuz hatte, der mich beim Anziehen der Knie in Rückenlage immer schmerzhaft drückte). Zu Hause eine Einheit Yoga, 20 Minuten fast ausschließlich Bauchtraining. Darauf war ich dank (fast) täglichem Bankstütz/Seitstütz gut vorbereitet, ich spürte eher die Hüftbeuger. Mal sehen, ob die ungewohnte Art der Bauchübungen dennoch Muskelkater verursachen konnte.

Nachtmahl: Herr Kaltmamsell hatte die letzten Ernteanteil-Karotten zu Suppe verarbeitet, damit ich auch etwas Warmes bekam, sonst gab es Käse und Brot. Nachtisch viel Schokonüsse und Schokokugeln.

Im Fernsehen ließen wir eine US-amerikanische RomCom von 2001 laufen (Männerzirkus), die durch und durch erwartbar war. Ich merkte, dass es sogar generische RomCom-Filmmusik gibt – man hätte allein daran die Art des Films gehört.

Journal Samstag, 22. Januar 2022 – Nasser Schnee, gemütlicher Samstag

Sonntag, 23. Januar 2022

Noch öfter nachts aufgewacht, das war nicht lustig. Beim Aufwachen kurz nach sechs erklärte ich die Nacht für beendet.

Es schneite windig, in den folgenden Stunden auch immer wieder in eher leichterem Maß. Aber schon schön, wie der Schnee alles hell macht.

Der Morgen gehörte dem Brotbacken (zwischen Morgenkaffee und Bloggen). Ich hatte das Abend-Brot von Lutz Geißler rausgesucht und begann den Tag mit Kochen des Brühstücks. Die Vorteige hatte am Freitagnachmittag Herr Kaltmamsell angesetzt, während ich noch im Büro war.

Nach dem Fertigbacken turnte ich eine Runde Sport daheim (Fitnessblender Upper Body & Cardio – eigentlich wollte ich mal wieder Neues ausprobieren, stellte aber schnell fest, dass ich dieses Programm bereits kannte; offensichtlich springe ich unter den vielen Hunderten Fitnessblender-Filmchen immer auf dieselben an). War angenehm anstrengend. Anschließend Körperpflege.

Mein Bedürfnis nach Draußen verband ich mit meinem Bedürfnis nach guten Espressobohnen: Ich spazierte in die Maxvorstadt zu San Lucas.

Nasser Schneefall vor Lenbachhaus.

Ich bekam meine Kaffeebohnen, zurück machte ich einen kleinen Umweg über den Alten Nordfriedhof, in dem viel Vogelgezwitscher tönte.

Am Bahnhofsplatz sah ich mich um nach dem Stand der Bauerei. Es ist noch mehr Bahnhof weg, das Loch gähnt hässlich und riesig. Und das wird wegen der vielen unterirdischen Baumaßnahmen wohl noch ein paar Jahre so bleiben, zuletzt war die Fertigstellung des neuen Bahnhofs für 2030 angegeben. Der ehemalige Hertie gegenüber ist ebenfalls für den Umbau halb kaputt; hinter abgebrochenen Abdeckplatten taucht interessanter ursprünglicher Fassadenschmuck auf.

Am Bahnhofs-seitigen Anfang der Schillerstraße haben sie es fertiggebracht, auf beiden Straßenseiten gleichzeitig Häuser abzureißen, die Baustellen verschlingen auf 50 Metern beide Fußgängerwege. Aber pft, wer denkt schon an Fußgänger in der Stadt. Noch ein Glück, dass Corona weiterhin Touristen fernhält, für die das hier einer der Hauptwege von Bahnhof zu Hotels ist.

Daheim gab es Frühstück: Zwei riesige Scheiben vom frischen Brot, eine mit dem Petersilien-Knoblauch-Sößchen vom Vorabend, eine mit Butter und Orangenmarmelade.

Gut gelungen, zum ersten Mal knetete ich gemahlene Haselnüsse unter – die man nicht wirklich schmeckte.

Den Nachmittag verbrachte ich hauptsächlich mit Zeitunglesen im Sessel, dazwischen rührte ich Grießnockerlteig fürs Abendessen (60 gr weiche Butter, 110 gr Grieß, 2 Eier), ließ ihn quellend ruhen.

Dann packte ich die 2021er-Meldungen bei VG Wort an. Die neue Oberfläche, die das eigentliche Eintragen ledlich anders, aber nicht weniger umständlich gemacht hatte, erleichterte diese Schritte tatsächlich ein wenig. Auch wenn die Ladezeiten mich weiterhin vermuten lassen, dass auf VG-Wort-Seite in Wirklichkeit manuelle Arbeit dahinter steckt.

Eine Einheit Yoga aus dem 30-Tage-Programm “Move” von Adriene.

Herr Kaltmamsell hatte am Freitag ein glückliches Hähnchen gekauft und das Abendessen daraus zubereitet: Zum einen Hühnerbrühe, in der ich Grießnockerl garte.

Jajaja, irgendwann bringe ich mir schon noch bei, wie man mit zwei Löffelchen schöne Nockerl absticht, anstatt mit einem Löfferl einfach Teigbrocken in die Brühe zu werfen. Auch so schmeckten sie hervorragend. Dazu gab es eine spritzige Cuvee “Weißer Stoff” vom sächsischen Steffen Loose.

Zum anderen hatte er aus den Hähnchenbrüsten ein Curry Buttered Chicken zubereitet, von dem ich als zweiten Gang einen Teller aß (sehr gut!). Das restliche Hühnerfleisch wird am Sonntag in der restlichen Brühe Hühnereintopf. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir die erste Hälfte von Zeit der Zärtlichkeit laufen, den hatte ich nie gesehen. Ich musste erst mal über die 80er-Jahrigkeit des Films hinwegkommen – und stellte dann fest, dass er mich nicht besonders interessierte, Oscar hin oder her.

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Das Deutschlandradio tut etwas eigentlich Naheliegendes: Die Moderatorin1 interviewt eine Reinigungskraft, die bei ihnen Büros und Studios sauber macht, zu den Themen Mindestlohn und Arbeitsalltag. Edita Delic erweist sich als wirklich spannende und kluge Interviewpartnerin, auch zu den Auswirkungen des jugoslawischen Bürgerkriegs auf ihr Leben.
“‘Die Leute geben alles, trotzdem haben sie nicht genug'”.

(Ohnehin mein Tipp für spannende Geschichten: Machen Sie Bekanntschaft mit ihren Reinigungs-Kolleginnen und -Kollegen, da gibt’s sehr bunte und aufregende Biografien.)

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Ein Herz für Maschinen:
“Robot vacuum cleaner escapes from Cambridge Travelodge”.

While some readers joked about the robot’s adventures, one feared for its safety in the great outdoors, pointing out that “nature abhors a vacuum”.

  1. Ich konnte leider nicht herausfinden, wie sie heißt. []

Journal Montag, 10. Januar 2022 – Wunderheilung

Dienstag, 11. Januar 2022

Am Sonntagabend hatte ich beim Vorbereiten meines Krankheitstags für die Arbeit noch gescherzt: “Außer es tritt Wunderheilung ein.”
Und dann bekam ich sie (tät ich beten oder nähme ich Zuckerkügelchen, wüsste ich warum). Schon in der Nacht auf Montag schlief ich tief, und bei den beiden Malen Aufwachen merkte ich deutlich: Nicht mehr krank.

Als der Wecker um sechs läutete, sprang ich wirklich munter und gesund auf, machte Milchkaffee, entfernte den Zettel für den Putzmann “Bin krank!” von meiner Zimmertür. Die nächsten Stunden fühlte ich mich lediglich light headed, schließlich hatte ich schon ziemlich lang nichts mehr gegessen, aber nicht mal richtig schwindlig. Hurra!

Ich kam erst so spät von Zuhause los, dass ich in den Schulradlverkehr geriet – und mehrfach vor den in Gruppen auf dem Gehweg radelnder Kindern auf die Straße ausweichen musste. Es war kalt, vereinzelte Schneeflocken in der Luft.

In der Arbeit ging es genauso heftig zu wie erwartet, wenn auch nicht in der Art und Weise wie erwartet. (Außer den Postbergen: Die hatte ich genau so erwartet. Waren aber nachmittags zügig weggeschafft.) Aber da ich auf Tumult und Durcheinander gefasst war, fest entschlossen, dabei locker in den Knien zu bleiben, da ich zudem alles Vorbereitbare vor Weihnachten vorbereitet hatte, war ich für meine Verhältnisse auch innerlich geradezu gelassen. Außerdem stellte sich heraus, dass über die Weihnachtsferien Menschen regelnd und konzipierend aktiv gewesen waren, mit denen ich nicht gerechnet hatte, und dass so eine Baustelle zumindest strukturiert war.

Mittags aß ich Hokkaido milk bread (wenn das Hefezopf ist, ist es der saftigste, fluffigste, den ich je hatte), Tarocco-Orange, Granatapfelkerne – also ganz normal. Das war wohl voreilig nach dem Infekt: Ich wurde extrem müde davon und fühlte mich nicht mehr so gesund wie mit leerem Magen. (Hätte vielleicht doch erst mal mit Salzstangen anfangen sollen?)

Nachmittags ging es heftig weiter, zum späten Feierabend hing ich ziemlich in den Seilen.

Doch draußen war die Luft gut und nicht zu kalt, ich genoss den Spaziergang nach Hause über Paketabgabe und Vollcorner. Daheim eine Runde Yoga, darin eine Reihe Übungen, die ich nicht schaffte.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das Mufflon-Curry mit französischen Trockenpflaumen, das er schon am Sonntag zubereitet hatte. Ich bat vorsichtshalber um viel trockenen Reis, zu dem ich ein wenig davon versuchen wollte. Es schmeckte sehr gut, wahrscheinlich nahm ich den einen oder anderen Löffel zu viel. Auch Fruchtgummi zum Nachtisch traute ich mich.

Im Fernsehen lief aus Anlass von Sidney Poitiers Tod Rat mal, wer zum Essen kommt. Hatte ich vor vielen Jahren schon mal gesehen, dabei war mir aber nicht aufgefallen, dass Poitier eine doch vielschichtige Rolle hat, Katharine Houghton als seine Verlobte aber nicht mehr Merkmale als jung, hübsch, naiv bekommt. Zum Thema Rassismus/Antirassismus ist der Film von 1967 ein interessantes Zeitdokument; mittlerweile weiß man, dass “ich sehe keine Hautfarben” keineswegs zu Gleichberechtigung führt.

Sehr früh ins Bett weil müde.

Journal Dienstag, 4. Januar 2022 – Keine iphone-Reparatur, Spider-Man: No Way Home

Mittwoch, 5. Januar 2022

Guter Schlaf, aufgewacht zu grauem Tag. Wieder keine Zeitung im Briefkasten (dafür mal wieder in zwei anderen, deren SZ-Abo mir neu wäre – wahrscheinlich eine Verwechslung, aber ich nehme nicht auf Verdacht die Zeitung aus dem Briefkasten von Nachbarn).

Mein Rettungsversuch altes iphone (Modell 6s, gekauft 4/2017 – also nicht SO alt) scheiterte leider. Vormittags hatte ich wegen der unscharfen Fotos und des schwächelnden Akkus einen Termin bei Apple in der Rosenstraße. Nach dem Ergebnis des Diagnose-Laufs wurde mir angeboten, die Kamera zu reparieren und den Akku zu ersetzen, diese 114 Euro war mir die Rettung des Geräts vor dem Status “Müll” wert. Ich wurde mehrfach gewarnt, dass ein neues Betriebssystem schon im Herbst manche Apps überfordern könnte, doch auch ein halbes Jahr längerer Gebrauch schien mir attraktiv. Zudem konnte ich das Gerät bereits nach unter eine Stunde wieder abholen, auch das kam mir entgegen.

Nur dass man mich beim Abholen enttäuschen musste: Das Öffnen des Telefons habe einen Wasserschaden angezeigt (man zeigte mir ein Foto vom Inneren mit einem roten Lämpchen), deshalb dürfe es nicht repariert werden. Von einem Moment auf den nächsten hielt ich Müll in der Hand. Zwar bin ich mir sehr sicher, dass das Gerät nie getaucht hat, doch Feuchtigkeit beim Tragen am Körper beim Joggen oder ein paar Regentropfen beim Wandern – das hatte es durchaus abbekommen. Das muss ich erst mal verdauen, bis ich mir Gedanken über ein eventuelles Nachfolgemodell mache.

Während des Wartens aufs Smartphone hatte ich beim Konen eine Jeans gekauft – wie in alten Zeiten perfekt beraten von einer Angestellten, die meinen verzweifelten Blick auf die unzähligen Hersteller-Stationen mit unter anderem Jeans aufgefangen hatte, die ihr Sortiment kannte und mir daraus Modelle nach meinen Angaben in die Umkleide reichte, mich zudem mit bayerischer Anatomie-Benennung erfreute: “Hätt i jetza ned denkt, dass Sie so lange Fiaß ham.” (Ich brauchte eine längere Jeansgröße als vermutet.) Resultat: Neben einer schwarzen und roten besitze ich jetzt auch eine klassische blaue Jeans, die mir passt. Anschließend beschwingte Lebensmitteleinkäufe.

Doch nach der Enttäuschung im Apple-Laden kehrte ich appetitlos heim, machte mir lediglich einen zweiten Milchkaffee. Später dann doch noch Frühstück: Granatapfelkerne und Banane (darauf hatte ich beim Einkaufen seltenen Gieper gehabt) mit Quark.

Den Nachmittag verbrachte ich in der Küche, denn ich hatte mich für die Abendessen-Zubereitung gemeldet: Es sollte Meatball Sandwiches geben. Das dauerte länger als erwartet (über zwei Stunden), ich wurde knapp fertig, bis wir zum vorabendlichen Kinobesuch aufbrachen: Spider-Man: No Way Home im Matthäser.

Multiplex-Kinos sind für mich je ungewohnt; obwohl für die Vorführsäle nicht mal ein Drittel der Plätze verkauft werden dürfen, gab es eine lange Schlange am Eingang zum Check der Impf-Zertifikate. Der Film war vergnüglich (allerdings auch dieser mit zweieinhalb Stunden zu lang – gibt es ein Verbot für nur 90-Minuten lange Filme, das mir bislang entgangen ist?), ich mochte den neuen Gedanken, dass man Superschurken nicht unbedingt töten muss, sondern auch versuchen kann, sie zu bessern. Außerdem ermöglichte das Multiverse-Konzept der Handlung (das uns den Filmvorschauen zufolge erst mal bleiben wird) ein Zusammentreffen aller drei bisherigen Spider-Man-Darsteller der vergangenen Jahrzehnte: Nicht nur sah ich den gealterten Tobey Maguire wieder (der immer mein Spider-Man bleiben wird), sonder die drei hatten endlich die einzig passenden Gesprächspartner für Austausch über die vielen inneren und äußeren Seiten der Spider-Manigkeit – rührend. Zendaya und William Dafoe großartig, das Drehbuch ermöglicht mit dem Ende einen weiteren Neuanfang der Serie.

Zu Hause überbuk ich die Meatball Sandwiches als Abendessen, verwendete dazu die letzten Scheiben selbst gebackenes Weißbrot – sehr gut.

Im Bett las ich Blai Bonet, Frank Henseleit (Übers.), Das Meer aus. Ich weiß ja nicht. 1958 auf Katalonisch veröffentlicht, spielt der Roman nach dem Bürgerkrieg in einem Lungensanatorium auf Mallorca und besteht aus Monologen von einzelnen Personen (Patienten und Personal), die vage die Geschichte eines Mordes zu Beginn des Bürgerkriegs erzählen, vor allem aber die Gedanken dieser Personen über sich selbst und die anderen Monologisierer*innen.

Die spanische Version wird vermarktet als „metaphysical novel as exemplified by Dostoyevsky“ – und an Dostojewski musste ich bei den verquasten und schier endlosen theoretischen Abhandlungen über Unschuld und Schuld in den Augen des katholischen Gottes durchaus denken, über Sünde, moralisches Verderben und Versuchung – was nicht als Kompliment gemeint ist, weil IM ERNST?! Ich will mich keineswegs über Menschen lustig machen, die sich mit solchen Fragen martern, denn Marter und Pein sprechen aus diesen Monologen der Protagonisten ganz deutlich. Aber sie liegen meinem eigenen Nachdenken über Ethik sehr fern, wie fast alle Metaphysik. Mit seiner zusätzlichen Handlungsarmut und seinen angestrengt-poetischen Beschreibungen (die mögen aber ebenso wie die orthografischen und grammatikalischen Fehler der Übersetzung und mangelndem Lektorat zuzuschreiben sein) ging der Roman komplett an mir vorbei.

§

Handgestrickter Gartenzaun. (Verwendet wurde Garn für Fischernetze.)

Journal Samstag, 1. Januar 2022 – Verkürzter Neujahrslauf und West Side Story (2021)

Sonntag, 2. Januar 2022

Erste Leistung des neuen Jahres: In die Überschrift zu diesem Blogpost die korrekte Jahreszahl einzutragen. Könnte ich mich eigentlich wieder hinlegen.

Nach einem sensationellen Sonnenaufgang in Rosa freute ich mich besonders auf meinen Lauf ins Neue Jahr, ich wollte die Runde vom 1. Weihnachtsfeiertag wiederholen, aber halt im Sonnenlicht. Also schlüpfte ich in die nicht ganz warme Herbst-Laufkleidung und nahm kurz vor zehn eine U-Bahn zum Odeonsplatz.

Leider wurde dieser Neujahrslauf deutlich kürzer als geplant: Meine Waden, vor allem die linke, knüllten sich bereits nach 45 Minuten schmerzhaft; nach einer Stunde hörte ich auf mit Joggen und spazierte die restliche Strecke. Das war schon auch schön. Aber auch der Handy-Akku machte mal wieder auf halber Strecke schlapp (von 60 Prozent auf Null), und ich wurde gleich beim ersten Lauf des Jahres um die Hälfte meiner Tagesschritte gebracht. (Und über die Hälfte der Fotos wurden unscharf – ich folge einem Tipp und habe einen Reparatur-Termin im Apple Schtore geholt.)

Erfreulich: Vogelzirkus. Im Englischen Garten grasten Gänse auf den Wiesen, und es landeten immer wieder weitere Gänse zu zweit oder dritt darin – mit sehr lautem Quaken, das ja wohl nur “AUS DER BAHN!” heißen konnte. Ich sah fliegende Schwäne über den Isarauen, Zwergtaucher auf/in Isarkanal und der Isar selbst, Süßwassermöven, viele Kohl- und Blaumeisen, hörte Amseln zetern und Bienen summen, letztere sah ich auch fliegen – das kann doch nicht gut sein im Januar?

Blick vom Monopteros; dem Müll nach zu schließen war hier ausführlich Silvester gefeiert worden.

Unter der Kennedy-Brücke (das Schild “Fußgängerweg” ist seit Monaten verschwunden – wurde eh von Radler*innen ignoriert). Die Isarauen waren nicht so leer wie an Weihnachten, aber immer noch menschenarm.

Vom Tivoli nahm ich eine Tram zurück nach Hause, dort ausführliche Körperpflege.

Frühstück: Viel Country Paté vom Silvestermenü, Obstsalat aus Dosenpfirsich, Birne, der letzten Orange vom adoptierten Baum (jetzt ist aber erst mal gut, die dritte Lieferung habe ich lieber erst für April terminiert).

Ich stellte fest, dass ich mich überraschend sehr am neuen Barschrank freue, den ich am Vorabend eingeräumt hatte: Oben die Gläser, im unteren Teil die Spirituosen.

Auf instagram brach wieder Begeisterung für die Chaiselongue im Hintergrund aus: Ja, sie ist wirklich sehr schön, aber leider nur zur Deko (und für die Ablage von Bügelwäsche, rechts nicht sichtbar) nutzbar. Die Sitzfläche ist zu hoch und zu hart für angemessen bequemes Langliegen, außerdem viel zu wenig tief für eine Ausstattung mit weichen Kissen – entweder Kissen oder Sitzen/Liegen. Aber hier macht sie sich sehr gut und wird nun doch vorerst nicht verkauft.

In einem Sessel im sonnigen Wohnzimmer las ich Zeitungen und SZ-Magazine restlos auf, das fühlte sich schön ordentlich an. Für den frühen Abend hatte ich ein Kinoticket gekauft: Ich spazierte ins Neue Arena, um die Neuverfilmung Steven Spielbergs von West Side Story zu sehen (Herr Kaltmamsell schätzt alte Musicals ohnehin, auch die Musik von diesem, wollte aber keines sehen, das so schlecht ausgeht).

Ich verbrachte einen vergnüglichen Abend: Da die Musik zur Verfilmung von 1961 eine der wenigen Schallplatten im Haus meiner Eltern war, kenne ich sie bis zum letzten Triangel-Schlag und konnte unter der Maske schön Lip-Synchen. Die Verfilmung ist eine nur behutsame Aktualisierung (u.a. liefert das Drehbuch eine Motivation der Situation mit dem bereits fortgeschrittenen Abbruch des Stadtviertels, das Platz für das Lincoln Center machen soll / die weiblichen Figuren bekommen back stories und Tiefe / Doc’s Drug Store wird von seiner Frau Valentina geführt – gespielt von der greisen Rita Moreno, der Anita aus der Verfilmung von 1961, die auch in Abwandlung zur 1961er-Version den Song “Somewhere” bekommt), vor allem aber eine Homage an die alte Version, inklusive der künstlichen Ausleuchtung mit mehreren Lichtquellen und bei Nahaufnahmen Spots auf die Augenpartien, mit fast identischer Farbigkeit und Kostüm. Doch die Besetzung ist erheblich diverser, unter anderem sind die Protagonist*innen nicht so hübsch, wie ich es von Hollywood und vor allem von Musicals gewöhnt bin, statt dessen Charakterköpfe. Auf jeden Fall sehenswert (durch die Nähe zum 60 Jahre älteren Vorbild möglicherweise für die Nachwelt dereinst verwirrend).

Sehr spätes Abendessen, da der Film über zweieinhalb Stunden dauert: Kasha von Silvester, Früchtebrot mit Butter, Schokolade (zu viel, ich ging mit Bauchdrücken ins Bett).

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RIP Betty White – hier ein wunderschöner Schnippsel aus den Golden Girls.


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