Filme

Journal Samstag, 8. März 2019 – Brighton Rückreise

Sonntag, 10. März 2019

Wir hatten einen gemütlichen Rückflug ausgesucht, der uns genug Zeit für Schlaf und Wohnungräumen ließ. Brighton verabschiedete uns mit grauem Himmel.

Auf dem Weg zum Bahnhof ein kurzer Abstecher nach North Laine, um am Ferienwohnungsbüro den Wohnungsschlüssel in den Briefkasten zu werfen. Die Zugtickets hatte ich bereits online gekauft, ausdrucken mussten wir sie allerdings vor Ort am Automaten: Da britische Zugtickets einen Magnetstreifen für das Passieren von Schranken haben, kann man sie nicht selbst ausdrucken. Wir hatten noch Zeit, Frühstück zu besorgen.

Im Zug erfreuliche neue Technik: Ein Bildschirm zeigte an, an welcher Stelle des Zugs wir saßen und wie voll besetzt die einzelnen Waggons waren („Train Loading Indicator“) – an diesem Samstagvormittag alle spärlich, doch zu emsigeren Zeiten sicher eine praktische Information, wo noch Platz ist. Dann zeigte der Bildschirm an, wo man die Klos im Zug findet sowie welche davon barrierefrei, außer Betrieb oder gerade besetzt waren.

Am Flughafen lief alles glatt, Zeit für Kaffee. Unser letztes Kleingeld gaben wir für abgepackte Flapjacks aus.

Unspektakulärer Heimflug, in der S-Bahn nach Hause war ich mit meiner aktuellen Lektüre durch: Robert Galbraith, Career of Evil. Der dritte Band der Krimi-Reihe um Cormoran Strike und Robin Ellacott hatte sich viel zu lang hingezogen, da fehlte eine energisch straffende Hand. Zu viele Figuren, zu viel Hin und Her. Was weiterhin gut funktionierte, war die Erzeugung von Atmosphäre. Aber Lust auf weitere Bände habe ich jetzt nicht mehr.

In München stellten wir nur schnell unser Gepäck ab und gingen dann Lebensmittel einkaufen. In der Post wartete unter anderem eine schöne Überraschung: Die wundervolle Schnapsidee von @MlleReadOn, Kunstgeschichte als Brotbelag, ist ein Buch geworden – und ich bekam ein Rezensionsexemplar.

Normaler Reiseausklang: Blumen gießen, Koffer auspacken, Inhalte sortieren und verräumen, Wäsche waschen. Zum Nachtmahl kochte uns Herr Kaltmamsell ein Curry aus Auberginen und roten Paprika (hervorragende Kombi), dazu Naan, ich steuerte Gurkensalat bei.

Im Fernsehen ließen wir Monument Men laufen, weil ich herausfinden wollte, warum diese so attraktiv klingende Filmidee mit sensationeller Besetzung in der Umsetzung so gefloppt war. Die Antwort: Weil der Film sich nicht entscheiden konnte, was er erzählen wollte und in welcher Art Film.

Journal Freitag, 8. März 2019 – Brighton 7, Underclifflauf und zum Tag der Frau Captain Marvel

Samstag, 9. März 2019

Gut geschlafen, nicht zu spät aufgewacht, draußen hauptsächlich Sonne und nur wenig Wind.

Bloggen war ja gestern eher kurz, deshalb kam ich noch vor neun aus dem Haus und ans Meer. Ich lief wieder zum Undercliff Walk, diesmal bis Ovingdean Beach (das ist da wo Klo und Trinkwasser, bestes Feature jeder Laufstrecke). Ich rannte wie eine Junge, genoss Wind, Seeluft, Sonne und die vielen Gassi-geführten Hunde, dass mich jede entgegenkommende Läuferin anlachte und grüßte (eine drehte sich nach dem Überholen eigens dafür um), hatte auf dem Rückweg noch so viel Energie, dass ich auf dem letzten Viertel einfach mal ein bisschen schneller lief – weil’s ging.

Einige der Eisensäulen unterm Steg zum alten West Pier sind Kunst geworden.

Nach Duschen und einer Papya zum Frühstück ließ ich Herrn Kaltmamsell nochmal mit Arbeit zurück in der Ferienwohnung und spazierte zum Red Roaster auf eine Tasse Morgenkaffee.

Wieder war ich irritiert darüber, dass dieses Lokal jetzt eine Empfangsdame beschäftigt, die einen Tisch zuweist, doch der Cappuccino war besser als alles, was ich in der vergangenen Woche sonstwo in Brighton bekommen hatte, und der „Red Juice“ (Rote Bete, Karotte, mit irgendwas aufgegossen) schmeckte wirklich gut. Ich las eine Runde, bis mich Herr Kaltmamsell abholte: Wir waren noch nicht auf dem Palace Pier gewesen (seit klar war, dass der West Pier nicht zu retten ist, nennt er sich Brighton Pier, also schon seit einigen Jahren – doch das bringe ich immer noch nicht über die Lippen).

Die meisten Läden, Amüsements und Fahrgeschäfte waren geschlossen, außerdem hatte der Himmel zugezogen, der Wind wieder aufgefrischt: Wir blieben nicht lange.

Aber jetzt hatte ich ordentlich Hunger, und zwar auf Full English Breakfast. Im Vorbeigehen hatte ich auch das ideale Lokal dafür gesehen, ein richtig altmodisches Café Royal.

Ich aß alles auf und war danach nicht mal überfressen.

Für den Nachmittag hatten wir Kinokarten: Captain Marvel war angelaufen und passte perfekt zum Tag der Frau. Netter Superheldinnenfilm, anfangs war ich angenehm verwirrt von Ort und Zeit, ich mochte auch die lange Unklarheit über Freund und Feind. Dass die Hauptfigur weiblich ist, auch wichtige Nebenfiguren, wird nicht thematisiert, aber es ist schon angenehm, dass es mal die Superheldin ist, die die Ansagen macht, die Technik im Griff hat, manchmal sogar ein bisschen patronising mit ihren Verbündeten umgeht. Fury in jung zu sehen, gefiel mir auch, als er noch flockig und lustig war, noch nicht dauergrimmig. Und sie haben Annette Bening geholt! Sie nimmt die Rolle offensichtlich ernst (anders als Glenn Close, die in Guardians of the Galxy eher wirkt, als müsse sie halt die Miete verdienen) und darf die 60 Jahre alt aussehen, die sie ist. Insgesamt: Kann man machen.

Abends blieben wir dann doch daheim statt nochmal essen zu gehen: Herr Kaltmamsell holte Brot, damit aßen wir die restlichen Reste auf (Käse, Butter, Papaya, Joghurt, als Mikrowellendessert aus der Kühltheke Sticky Toffee Pudding).

Journal Sonntag, 24. Februar 2019 – Schwimmrunde und keine Oscarnacht

Montag, 25. Februar 2019

Auch gestern wachte ich ausgeschlafen zu strahlendem Sonnenschein auf, aber diesmal fiel ich nicht darauf rein: Zum Radeln ins Olympiabad trug ich Mütze, Schal und Handschuhe – die ich sehr brauchte.

Bei Ankunft waren alle fünf Bahnen gut beschwommen (durchschnittlich sechs Menschen pro Bahn) (ja, ich habe gezählt – um die am wenigsten belegte wählen zu können), darunter viele Spielzeugschwimmerinnen und -schwimmer. Erst in den dritten tausend Metern wurde meine Bahn leerer; jetzt machte das Schwimmen richtig Spaß, ich legte ein paar Runden drauf.

Ich trug einen der in Franken gekauften neuen Schwimmanzüge, einen Speedo (schon immer gute Erfahrungen). Es saß super, doch beim Duschen stellte ich fest, dass er den inneren Oberarm rechts aufgescheuert hatte – wie ich es bislang nur von den Bügel-Enden meiner Schwimmbikinis kannte (reiben beim Durchziehen des Kraularms). Liebe schwimmende Leserinnen: Kennen Sie das? Sollte ich den Arm vielleicht nicht so eng am Körper entlang führen?

Beim Heimradeln war es nur wenig wärmer geworden.

Daheim Frühstück mit Semmeln und Tee.

Formulare der Deutschen Rentenversicherung für den Reha-Antrag ausgefüllt, dabei nur wenig Absurdem begegnet: Wieder wurde gefragt, ob ich schon mal in einem anderen Staat Sozial- und Rentenversicherungsbeiträge gezahlt habe. Ja, habe ich, während meines Studiums ein halbes Jahr in UK, für meinen Job als Bedienung im Pub. Das hat schon bei der Berechnung meiner Rentenversicherungsansprüche vor ein paar Jahren für lustige Kapriolen gesorgt, auch diesmal wollte ich nicht lügen und habe korrekte Angaben gemacht – schließlich versichere ich per Unterschrift die Richtigkeit meiner Angaben. In der letzten Runde hatte das zur Jagd der Rentenversicherung nach Belegen in UK geführt und zu einigem Schriftverkehr – bis ich in einem Formular handschriftlich irgendwo betonte, dass ich keine Ansprüche darauf erhebe. Das Ursprungsformular hatte nur nein/ja-von bis abgefragt, wie diesmal auch. Gestern schrieb ich gleich dazu, dass ich keine Ansprüche erhebe.

Dann eine Runde Bügeln zum Soundtrack von Green Book, letztes Bügeln vor dem Urlaub.

SZ Magazin vom Freitag ausgelesen – nach vielen Jahren ein Modeheft, das mich wirklich interessierte. Weil nämlich Personal der Münchner Kammerspiele darin über das eigene Verhältnis zu Kleidung erzählte, und diese Menschen sind ja für mich ein bisschen Familie. Die präsentierte Modemacher-Kleidung war mir auch diesmal egal.

Ruhiger Sonntagsausklang. Mir war schon im Lauf der vergangenen Woche klar geworden, dass ich dieses Jahr keine Lust auf Oscarnacht hatte: Kaum Filme gesehen, kaum Interesse.

Zum Nachtmahl hatte sich Herr Kaltmamsell gewünscht, Salzburger Nockerl zu machen, also tat er das.

Während er in der Küche wirbelte, hatte ich mein Glas Met-Tonic über die vollgestellte Arbeitsfläche gekippt – so war ich partnerschaftlich gut beschäftigt.

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Ein Twitterfaden über die wissenschaftlichen Methoden der Erziehungswissenschaften, was sie können und was nicht.

Mein Liebling:

Manchmal ist ein Verhalten gar kein Teil eines diagnostizierbaren Bildes, sondern die Person ist einfach ein bisschen komisch. Wirklich.

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Ein Fall von „WAS?! Der hat noch gelebt?!“, aber dennoch ein guter Anlass an Regisseur und Choreographen Stanley Donen zu erinnern, der hinter einigen meiner allerliebsten alten Musicals steht:
„Stanley Donen: a Hollywood blueblood treasured for Singin‘ in the Rain“.

Dabei erwähnt der Guardian einen meiner Favoriten nicht mal, über den ich hier im Blog schon mal ausführlich geschwärmt habe: It’s always fair weather.

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https://youtu.be/8hs6iXpInTA

Journal Sonntag, 10. Februar 2019 – Schwimmen und Green Book

Montag, 11. Februar 2019

Endlich mal wieder Sport: Ich radelte in milder Luft ins Olympiabad, kraulte mit Genuss 3300 Meter. Dabei gab es trotz geschäftiger Bahnen nur wenig Störung: Zwei schmerzhafte Zusammenstöße mit Horizontalkraulern auf der Nebenbahn (es gibt Menschen, die den Arm fast ausgestreckt parallel zur Wasseroberfläche nach vorne führen, das braucht natürlich Platz), auf der allerletzten Bahn verschluckte ich mich ganz fürchterlich.

Zurückradeln in Sonne und Wärme, daheim wartete der gegangene Teig des Roggenschrotbrots, den ich am Vorabend angesetzt, vor dem Verlassen des Hauses geknetet hatte. Ich frühstückte Granatapfel und Mandarine mit Hüttenkäse und Joghurt, restliche Rote Bete vom Vortag, ein paar syrische Kekse.

Aus dem Ofen geholt wurden die Brote (sehr gut gelungen) von Herrn Kaltmamsell, denn da saß ich schon im City-Kino ums Eck und sah Green Book. Schöne Geschichte um den gebildeten und feinnervigen Klavierspieler, der als Schwarzer Anfang der 60er für eine Tour durch die Südstaaten einen schlichten weißen Nachtclub-Rausschmeißer als Fahrer anstellt. Mahershala Ali hatte schon als Drogendealer in Moonlight eine unglaubliche Eleganz ausgestrahlt, sie und die dazugehörige Schauspielkunst machten ihn zur Idealbesetzung des Dr. Don Shirley. Für Viggo Mortensen freute mich sehr, dass er mal nicht idiotische Heldensätze sagen musste, sondern in vielen Facetten schillern durfte. Auch Linda Cardellini sah ich gerne als Dolores. Insgesamt erzählt der Film aber sehr konventionell – einige Plattitüden in Text und Kamera nahm ich ihm sogar übel. Unerfindlicherweise hatte ich abgespeichert, dass der Film böse endet, und so wartete ich etwas angespannt auf DAS SCHLIMME. Doch er endet ganz im Gegenteil in einem superkonventionellen FriedeFreudeEierkuchen. Die Musik wiederum war ein Highlight, enthielt neben Erwartbarem auch Interessantes.

Das Nachtmahl bereitete ausnahmesweise ich zu; nach Lagem servierte ich mal wieder Cheese and Spinach Pancake Pie, eines der Gerichte, die ich während meines Studienjahrs in Wales von englischen Freundinnen gelernt hatte.

Während Herr Kaltmamsell es immer schafft, das Essen um die angekündigte Zeit pünktlich auf den Tisch zu bringen, hatte ich mich wie so oft verkalkuliert und war eine Viertelstunde zu spät dran. Vorsatz: Künftig bei eigenen Rezepten die Zubereitungszeit von erstem Handgriff bis Servieren aufschreiben.

Journal Sonntag, 13. Januar 2019 – Regen spült Schnee weg

Montag, 14. Januar 2019

Es regnete gestern praktisch durch, manchmal sah man ein wenig weißen Matsch mitregnen.

Wieder blies ich meine Schwimmpläne ab: Nach Ausschlafen und Blogge nwäre durch eine Fahrt ins Olympiabad und eine Schwimmrunde der Tag fast rum gewesen.

Statt dessen kochte ich Herrn Kaltmamsell und mir zum Frühstück Porridge und suchte eine Kinovorstellung heraus, die mich rechtzeitig wieder nach Hause brachte für den Abendbesuch. Es wurde Der Junge muss an die frische Luft im Filmtheater Sendlinger Tor, in dem ich schon ewig nicht mehr war (aber nicht vergessen hatte, wie kompliziert der Eintrittskartenkauf dort durch fünf verschiedene Kategorien ist – die Schlange am Kassenhäuschen war lang, obwohl nicht allzu viele die Nachmittagsvorstellung sehen wollten).

Der Film gefiel mir sehr gut (ich schließe mich Isa Bogdans Besprechung an), ich glaubte recht deutlich die Handschrift von CharlotteCaroline Link zu erkennen.

Zurück daheim hatte ich schon wieder Hunger und aß Käsebrot und Obst, machte mich dann an das schon länger erworbene Kochbuch Immer schon vegan von Katharina Seiser. Wenig überraschend war es innerhalb kurzer Zeit mit Einmerkern befranst, die Rezepte lesen sich sehr attraktiv – kein Wunder, dass es bereits in der fünften Auflage ist.

Am frühen Abend klingelte es: Ganz alter Blogadel war beruflich in der Stadt. Wir rechneten nach, dass wir uns wohl schon zehn Jahre nicht mehr gesehen hatten, ich freute mich sehr über die Wiederbegegnung. Wir tauschten uns zur aktuellen Lebenssituation aus und dachten über gesellschaftliche und Technikentwicklungen und ihren Folgen nach, waren uns recht einig über die vielen Vorteile des Älterwerdens.

Zu Essen gab es auch: Herr Kaltmamsell hatte Cocido gekocht, das sehr gut geworden war.

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Zur Klarstellung: Nach den ersten Meldungen vergangene Woche zu „Schneechaos“ (über die ich mich lustig machte – und dazu stehe ich) wurde die Situation in einigen Gebieten Südbayerns und Österreichs tatsächlich anstrengend und brenzlig. Warum und mit welchen Details, erläutert dieser Twitterfaden einer Betroffenen.

Journal Donnerstag, 3. Januar 2019 – Misslungenes Brot, gelungener Ochsenschwanz

Freitag, 4. Januar 2019

Länger geschlafen (schlimmer Anfang der Nacht, als ich vor Schmerzen nicht schlafen konnte, Herrn Kaltmamsell wegschickte, damit ich genug Platz für eine Unterschenkelstufe hatte, die ich mir aus drei Decken faltete – erst die entlastete meine LWS-Bandscheiben wirkungsvoll), zu einem kalten, grauen Tag aufgewacht.

Programmpunkte für diesen Ferientag: Brotbacken, Schwimmen und Ochsenschwanzkochen.

Ersteres (Schokoladenbrot nach Twitterbeschreibung von @fuchsbrom) war beim Gären schon verdächtig wenig aufgegangen, im Ofen dann aufgerissen – aber doch völlig misslungen. (Vielleicht ist mein neuer Sauerteig nicht triebkräftig genug?)

Zum Schwimmen radelte ich dick angezogen hinaus ins Olympiabad, plauderte mit der Kassendame über den Klimawandel („I schau ja, dass ich koa Plastik mehr verbrauch.“ – hm), schwamm angenehm und fast ungestört meine drei Kilometer. Auf dem Rückweg radelt ich beim Buchladen zum Abholen bestellter Bücher vorbei und bekam Ausflugstipps für den Starnberger See auf der östlichen, also Oskar-Maria-Graf-Seite.

Zum Frühstück ein paar Scheiben klitschiges Brot – muss ja weg.

Da der Ochsenschwanz mindestens drei Stunden Schmorzeit brauchen würde, begann ich frühzeitig das Nachkochen des Rezepts Coda alla vaccinara aus Rachel Roddys Five Quarters: Fleischstücke erst kurz in Wasser gekocht, dann angebraten, mit Karotte, Zwiebel, Sellerie, Rotwein, Pelati geschmort, kurz vor Ende nochmal ordentlich Stangensellerie, ein wenig Rosinen und Pinienkerne dazu. Da Ochsenschwanz gerne mal nicht genug gekocht serviert wird (zum Beispiel bei meiner jüngsten Wirtshausbestellung des Gerichts), kalkulierte ich die Schmorzeit sehr großzügig, ging während dessen Obsteinkaufen in den Süpermarket (Herrn Kaltmamsell für Notfälle daheim wissend), buk eine Portion meines Standard-Granolas, las die Tageszeitung, servierte zum Aperitif einen Cosmopolitan (unsere Standardänderung: 6 cl Cranberrysaft).

Nach gut dreieinhalb Stunden sanftem Schmoren fiel das Ochsenschwanzfleisch tatsächlich so vom Knochen, wie ich das haben wollte, ich servierte.

Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. Es schmeckte köstlich, die dezenten Pinienkerne und Rosinen machten sich überraschend gut, wir halten fest: Ich kann Ochsenschwanz.

Abend-Entertainment: Arte zeigte Hitchcocks Bei Anruf Mord. Nun, schon arg deutlich ein verfilmtes Theaterstück, arg dialoglastig in der Informationsvermittlung, die weiblich Hauptrolle fast unerträglich stereotyp feminin hilflos und verschreckt angelegt. Aber hin und wieder originelle Kameraeinstellungen mit interessantem Einsatz von Licht.

Im Bett las ich weiter in Ursula K. Le Guins The Dispossessed, das mich von der ersten Seite an gefangen hatte.

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Seit dem Claas-Relotius-Skandal mit erfundenen Artikeln und Artikel-Teilen wird viel über internen Fakten-Check in Redaktionen nachgedacht. Eva Wolfangel hat als freie Journalistin für große deutschsprachige und englischsprachige Magazine geschrieben und vergleicht deren Fact-Checking-Kulturen an selbst erlebten Beispielen (die des Spiegel kommt dabei nicht gut weg):
„Wie wir JournalistInnen unsere Fakten prüfen“.

via @niggi

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Wundervoller Twitter-Thread, in der Hollywood-Filmstereotypen bestimmter Berufe zusammengetragen werden, beginnend mit:

Ganzer Thread.

via @alexmatzkeit

Journal Sonntag, 4. November 2018 – The Children Act

Montag, 5. November 2018

Endlich mal wieder im Kino, wohlbekanntes Gefühl des Heimkommens in eine ganz spezielle Geborgenheit – und das, obwohl ich in diesem Kino, dem neuen Metropol, vorher noch nie gewesen war.

Nach einer ausführlichen Runde Crosstrainer und neuem Rumpfprogramm nahm ich eine Tram nach Schwabing, um The Children Act anzusehen, die letzte Möglichkeit. Der Roman hatte mir nur so mittel gefallen, zumal ich auf Ian McEwans Trick hereingefallen war zu behaupten, das Ganze beruhe auf einer wahren Geschichte (tut es nicht). Doch die zentrale Figur der britischen Richterin war mir sehr lebendig im Gedächtnis geblieben, und da sie auch noch von der verlässlich sensationellen Emma Thompson gespielt wird, wollte ich die Verfilmung unbedingt sehen. Vor allem wegen Thompson gefiel sie mir dann auch sehr gut.

Das Drehbuch (auch von Ian McEwan) konzentriert sich noch mehr auf den zentralen Charakter der Richterin Fiona May und arbeitet ihre Konflikte heraus – auch wenn sie nur unausgesprochen in der Richterin stattfinden. Im Roman wird das seltsam altertümliche britische Richtersystem ausführlich erklärt; das hätte den Film natürlich viel zu sehr aufgehalten, deshalb wird es nur durch bildliche Betonung von Details wie Kleidung, Räumlichkeiten gezeigt. Und indem der clerk der Richterin sichtbarer ist als im Buch – der Umgang mit ihm dient auch ihrer Charakterzeichnung.

Die Filmrezensionen sind gemischt, unter anderem bezeichnen viele die Hauptgeschichte und die Ehe der Richterin als unglaubwürdig. Während ich ersteres noch nachvollziehen kann, fand ich die langjährige, entfremdete Partnerschaft sehr realistisch erzählt.

Obwohl die Geschichte durchwegs ernst ist (sogar die leichteren Momente durch die melancholische Filmmusik von Stephen Warbeck gefärbt), bekommen wir vom Drehbuch den einen oder anderen Lächler, an einer Stelle sogar einen lauten Lacher. Fiona fragt ihren clerk (aus dem Gedächtnis zitiert): „Have you ever been wild and free?“ Und die treue Seele antwortet nach einem Moment des Verdutztseins: „No. Thank God. I’d be hopeless about it.“ (So geht’s mir auch.)

Den liebenden und verletzten Ehemann spielte berührend Stanley Tucci – wieder, ich dachte sofort an die ähnliche Rolle in Julia & Julia. Und ich genoss es, Emma Thompson zwei Stunden lang anzusehen, mit jeder Falte, jeder Runzel – ich freue mich so, dass sie sichtbar altern darf. Ich weiß ja, dass viele Schauspielerinnen schlicht nicht umhin kommen, dem äußeren Altern chirurgisch Einhalt zu gebieten – aber irgendwer muss doch auch die schönen alternden und alten Frauen spielen (die hoffentlich häufiger werden im Kino). Sollen Laura Dern, Darryl Hannah, Gillian Anderson, Michelle Pfeiffer von mir aus 30 Jahre lang wie Mitte 30 aussehen – aber ich freue mich über jemanden wie Judi Dench, Maggie Smith, Helen Mirren, die alle großartig aussehen, lediglich nicht jung.

Daheim war während meiner Abwesenheit Herr Kaltmamsell von seiner Rollenspiel-Mission zurückgekehrt, lebendig. Ich wusch gleich mal eine Maschine blutgetränkte Schlachtkleidung, las Internet und Zeitung.

Das Abendessen durfte ich verantworten, ich machte nach Langem mal wieder die Meatball Sandwiches von David Lebovitz. Das Brot dafür hatte ich auf dem Heimweg vom Kino bei einem Bäcker im Hauptbahnhof besorgt – es ist wirklich praktisch, im Inneren einer Großstadt zu wohnen.

Während nach dem Essen der interessant erzählte Tatort „Der Mann, der lügt“ lief (weil ganz am Hauptverdächtigen dran, wir erfuhren die Hintergründe nur in dem Maß, in dem dieser Verdächtige mitbekommt, was die Ermittler gerade wissen), räumte und sortierte ich Wohnung, bereitete den ersten Arbeitstag nach Pause vor, fühlte mich gehetzt.

Bücher-Challenge, Tag 2,5 (7 Tage, 7 Cover, 7 Namen, keine Begründungen): Fanny Burney, Evelina.

§

Im Freitag schreibt Elsa Koester über:
„Rudel der Schuhgucker
Das Patriarchat unterdrückt auch Männer. Aber warum wehren sie sich nicht?“

via @journelle

Viele Männer leiden unter dem Patriarchat, können sich Feministinnen nicht mit ihnen verbünden? Sich solidarisieren? Erstaunlicherweise sind die meisten von ihnen außer Stande, etwas gegen dieses System zu unternehmen, das in der Lage ist, einen Wagen von 20 Personen unter die Kontrolle eines Angetrunkenen zu bringen. Es gibt nur eine Situation, in der diese Männer Kritik am Patriarchat äußern: nämlich dann, wenn Frauen sie dafür kritisieren, mitzumachen. „Halt, wir sind gar nicht alle Täter!“, protestieren sie dann, „wir leiden ja auch unter den bösen Patriarchen! Vielleicht sogar mehr als Frauen“.


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