Filme

Journal Dienstag, 13. August 2019 – Rucksack fürs Feuerwehrfangirl

Mittwoch, 14. August 2019

Immer noch grau und kühl, ich kapitulierte und zog Jeans und feste Schuhe an – Sommer aus. Sogar für den Heimweg brauchte ich eine Jacke. Dennoch war ich guter Laune, denn Montagabend war mein bestellter Rucksack eingetroffen: Ich hatte schon lange gemerkt, dass es meinem Kreuz nicht gut tat, eine schwere Kuriertasche zu tragen, auch nicht quer getragen. Da meine derzeitige Arbeitstasche ohnehin bereits unschön abgestoßen ist, sollte ihr Nachfolger also ein Rucksack werden: Bequem, mit breiten gepolsterten Trägern, groß genug für Brotzeit und ein paar Einkäufe. Ein wenig Spaß sollte er mir aber auch bereiten.

(Fotograf: Herr Kaltmamsell)

Es wurde also ein Rucksack aus altem Feuerwehrschlauch.

Dieser erste Praxiseinsatz verlief schon mal positiv: Er saß gut und war bequem, die Fächereinteilung gefiel mir, und die Obsteinkäufe auf dem Heimweg fasste er locker, ohne aus der Form zu geraten. Bei Hitze wird mir darin allerdings drunter zu warm werden.

Herr Kaltmamsell ist ein begeisterter Aufbraucher. Als ich also anregte, das Abendessen um das Glas vom lieben Bruder geriebenen Meerrettich zu bauen, das noch im Kühlschrank stand, plante er gekochtes Rindfleisch mit Meerrettichsoße, dazu neue Kartoffeln aus Ernteanteil. Die Nachbarin hatte sich fürs Blumengießen mit einem heimischen Salat bedankt, den gab’s auch.

Im Fernsehen lief Das Haus am See, von dem ich trotz Starbesetzung noch nie gehört hatte und dessen Beschreibung sich interessant las. Ich wurde tatsächlich in die Handlung gezogen (Sandra Bullock!) und hätte ihn gern ganz gesehen, doch als mich zum dritten Mal eine Werbeunterbrechung völlig rauswarf (die ersten beiden hatte ich zum Aufräumen und für Abendtoilette genutzt), machte ich den Ferneseher aus und las den Rest der Handlung bei Wikipedia.

Im Bett zu Regenrauschen Colson Whitehead, Sag Harbor ausgelesen.

Journal Dienstag, 6. August 2019 – Nix Besonderes, aber Sonne und Wind

Mittwoch, 7. August 2019

Der Wecker riss mich aus tiefem Schlaf.

Gestern war ein komischer Tag. Ich ging mit Schmerzen in Kreuz und Hüfte (und ahne, dass meine Rühung über Menschen, die mich mit Mitgefühl auf mein offensichtlich schmerzbedingtes Hinken ansprechen, demnächst erschöpft sein wird), mir war schwindlig, ich fühlte mich matt und erschöpft. Hoffen wir einmal, dass auch das vorbeigehen wird.

Sonniger Tag mit schönem Wind und angenehmenen Spätsommergerüchen. Nach Feierabend machte ich einen Abstecher zum Vollcorner (übrigens, weil’s in meinem Internet gerade Thema war: Die haben die größte Auswahl an festem Haarshampoo, die ich kenne) für Kaffee und Brotzeit für die nächsten Tage.

Schon seit Montag sehe ich keine Mauersegler mehr, sie scheinen für dieses Jahr fort zu sein.

Herr Kaltmamsell hatte nach Pulpo gesucht, als er keinen fand stattdessen Calamari gekauft – und servierte sie zum Nachtmahl auf dreierlei Art:

In Tomaten-Oliven-Soße, aus der Pfanne (meine Lieblingsversion, weil intensivster Calamari-Geschmack) und mit Semmelbrösel gefüllt und geschmort. Ein Glas Chardonnay dazu (mag ich immer noch nicht wieder wirklich), Nachtisch Wassermelone.

Im Fernsehen lief Schräger als Fiktion. Der Film und meine Begeisterung dafür sind mir so präsent, dass mir erst gestern klar wurde, dass ich ihn nur einmal gesehen habe, und zwar vor zwölf Jahrem im Kino. Ich stellte fest, dass auch die synchronisierte Version funktioniert (natürlich nicht die „I brought you flours“-Szene).

Journal Mittwoch, 31. Juli 2019 – Ein trauriger Tag

Donnerstag, 1. August 2019

Ekel in Zeiten des Internets: Seit der Nachricht von Sophies Tod haben sich die Zugriffszahlen auf dieses Blogs verdreifacht – obwohl ich außer dem Link zur Irish Times nichts veröffentlicht hatte. Irgendetwas oder irgendjemand kreist über diesem Blog.

Gestern wurde Sophie in ihrer Geburtsstadt Wittenberg bestattet, ich dachte viel an sie. Das taten auch viele andere, die sie gern hatten – es war tröstlich, dass es in meinem Internet eine kleine Welle von Menschen gab, die gestern ein Stück Nussschokolade auf sie aßen, weil Sophie die doch so mochte. Danke auch für Ihre tröstenden Worte per E-Mail.

Düsterer Himmel gestern über München, vormittags regnete es. Die Temperaturen aber blieben mild.

Nach Feierabend spazierte ich beim Hertie am Hauptbahnhof vorbei und kaufte zum Abendbrot Käse (Sophie liebte Käse) und gesalzene Butter. Ich hatte in Utrecht in einem Spezialgeschäft an der Oudegracht niederländischen Käse besorgt, den ich damit zur Käseplatte machte.

Ich hatte große Lust auf ein Glas Weißwein und beschloss, dass gestern Abend der passende Anlass für die Flasche Pouilly-Fumé war, den wir zum Rosenfest geschenkt bekommen hatten.

Mein Favorit mit Abstand, auch weil er am besten zum wunderbaren Wein passte, war der niederländische alte Ziegenkäse von Henri Willig: Unglaublich vielfältig aromatisch, mürbe mit Salzkristallen. (Der andere Willig war der Räucherkäse, der wie eine braune Wurst aussieht.)

Zum Nachtisch gab es nochmal Rote Grütze mit Custard, beides von Herrn Kaltmamsell zubereitet.

Abendprogramm: Die berühmte Folge Grey’s Anatomy, zurecht viel beachtet.

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Meiner mittäglichen SZ-Lektüre entnahm ich, dass mein Verein MTV noch bis mindestens April 2020 auf Sparflamme kochen muss:
„Kampf mit der Korrosion“.

Geplant war, die Sanierung in drei bis vier Monaten durchzuziehen. Doch der Verein hatte nicht mit den Schäden gerechnet, die sich während des Umbaus zeigten. Inzwischen geht niemand mehr davon aus, dass die Halle vor April 2020 fertig wird. So lange, beinahe zwei Jahre, fehlt Tausenden Mitgliedern ein Großteil der Trainingsräume.

Ich war ja gerade mal ein halbes Jahr Vereinsmitglied, als die Halle Mitte 2018 wegen Umbaus schloss. Dieses Jahr nahm ich bislang nur wenige Male ein Sportangebot wahr. Zusammen mit den Umständen, dass es am Wochenende und in den Ferien praktisch nichts Interessantes für mich gibt, mein Ausdauersport jetzt aus Laufen und Schwimmen besteht, ich zudem für die Zukunft eher Gesundheitssport plane – wäre eine Kündigung zum nächsten Termin naheliegend (Mitgliedsgebühr fürs 2. Halbjahr wurde gerade erst abgebucht). Aber in dem Artikel steht blöderweise, dass dem MTV natürlich die Mitglieder reihenweise davonrennen, was die finanziell eh schon enge Situation verschärft. Ich überlege noch, ob ich die Gebühren einfach als Spende in die Denkmalpflege verbuche und passives Mitglied bleibe.

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„The Enduring Feminist Vision of ‚The Silence of the Lambs'“.

via @ineshaeufler

Unter anderem interessant, weil Nahaufnahmen von Dialogpartnern analysiert werden: Welche Wirkung hat es, ob jemand in die Kamera sieht oder leicht zur Seite.

The brilliance of The Silence of the Lambs is that the movie not only subverts the male gaze but reflects that gaze back on the viewer instead of letting them contribute to it.

Den Film habe ich mir seinerzeit (1991!) hart erarbeitet. Damals las ich noch Kinomagazine und wusste viel über den Film, doch damit wusste ich auch, dass er von der Sorte ist, die ich wegen zu spannend nicht ertrage. Ich wollte ihn aber unbedingt sehen. Also ließ ich ihn mir vor dem Kinobesuch von jemandem erzählen, der ihn schon gesehen hatte, so war die Spannung erträglich reduziert. Ich halte ihn immer noch für exzellent.

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Und wenn wir schon mal beim Thema sind: Margrith Bigler-Eggenberger, heute 86, war die erste Bundesrichterin der Schweiz. „Nach ihrer Wahl wurde sie als Mörderin beschimpft, ein Richterkollege weigerte sich gar fünf Jahre lang, mit ihr zu sprechen.“
„Justitias Kämpferin – Besuch bei einer Pionierin der Gleichstellung von Mann und Frau“.

Bigler-Eggenberger spricht ruhig und gewählt, das Wort «Karriere» nimmt sie ungern in den Mund. «Ich habe das gemacht, was mir gefällt und was jeder Mann mit meiner Ausbildung auch getan hätte.»

Ich wurde erst durch den Frauenstreik jüngst darauf aufmerksam, wie weit zurück Frauenrechte in der Schweiz sind.

Journal Samstag, 15. Juni 2019 – Studienfreundbesuch

Sonntag, 16. Juni 2019

Angenehmst ausgeschlafen.

Endlich der erste Morgenkaffee auf dem Balkon, ein echter Sommermorgen.

Vormittags buk ich einen kleinen bodenlosen Käsekuchen, weil ich Besuch erwartete, setzte mich mit der Wochenendzeitung auf den Balkon. Es waren Wolken zugezogen, Wind zerrte immer wieder an den Seiten.

Gegen Mittag kam ein Studienfreund, der vor drei Wochen von weit her fürs große Fest angereist war, direkt nach dem Fest aber wegen eines familiären Notfalls in seine westerwälder Heimat verschwunden.

Er erzählte – über einer Kanne Tee, einem Schnitzel im Schnitzelgarten, einem Spaziergang über dem Alten Südfriedhof und an der Isar entlang, zurück daheim einem Stück Käsekuchen – nicht nur von den 20 Jahren USA und seiner Familie dort, seit wir uns nicht mehr gesehen hatten, sondern auch von der deutschen Bürokratie in Verbindung mit Todesfällen: Auf dass wir vorbereitet sein mögen, wenn es uns trifft. Wenig überraschend drängte er auf das frühzeitige Erstellen von Patientenverfügung und Testament, nicht nur der Eltern, sondern auch selbst; es macht im Sterbens- und Todesfall alles einfacher.

Außerdem war er in der Mission unterwegs, das Grimm’sche Märchen „Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst“ lebendig zu halten und zu verbreiten. Ich unterstütze ihn hiermit mit diesem Link.

Abends verabschiedete er sich gen Flughafen, wo er vor seinem Morgenflug zurück in die USA übernachten würde.

Wie meist ließen wir nach der Tagesschau den Fernseher weiterlaufen – und stolperten in den Film Ghostbusters, den ich sehr mit diesem Freund verbinde (und dessen Sexismus den Film leider ausgesprochen veraltet wirken lässt, was haben wir uns damals alles gefallen lassen).

Journal Sonntag, 19. Mai 2019 – Erster Freibadschwumm

Montag, 20. Mai 2019

Wieder um sechs aufgewacht, Nebenhöhlenkopfschmerz. Ibu genommen, nochmal bis acht eingeschlafen.

Bettwäsche und Handtücher gewaschen, Utrecht-Reise für Ende Juni gebucht, gebloggt.

Gegen elf Aufbruch zum Schwimmen im Schyrenbad. Das Wetter hielt sich wie schon am Samstag nicht an die Vorhersage: Nicht nur regnete es nicht, es war sonnig und jackenlos warm – Prachtwetter für eine Schwimmrunde unter freiem Himmel.

Ich genoss schon den sonnigen Fußweg auf die andere Seite der Isar, am Himmel Mauersegler, in den Isarauen viele Wacholderdrosseln.

Das Schwimmen war ein Genuss: Wenig besetzte Bahnen, das Sonnenlicht glitzerte neuronale Muster auf den Beckenboden (ich hatte daran gedacht, meinen Rücken von Herrn Kaltmamsell sonnencremen zu lassen), ich schwamm praktisch schmerzfrei und verlängerte auf 3.500 Meter.

Herrlicher Spaziergang nach Hause.


Über allem der Geruch von blühendem Bärlauch.

Daheim frühstückte ich ausführlich das am Vortag gebackene Brot und werkelte mit Herrn Kaltmamsell an Festvorbereitungen.

Buntspecht am frisch aufgehängten Meisenknödel. Er stützt sich mit der Schwanzfeder geschickt am Führungsdraht der Markise ab und hält den Knödel fest, um mit mehr Kraft auf ihn einhacken zu können.
Vorm Balkon seit einigen Tagen das gequetschte Piepse bettelnder Meisenkinder. Auf Dauer ganz schön nervig.

Schon am Samstag hatte ich nach OF-Vorstellungen von Pokémon Detective Pikachu recherchiert, wir gingen um fünf zum Matthäserkino am Stachus.

Tatsächlich war ich hier noch nie, und das Kartenkaufen erwies sich als ausgesprochen umständlich. Als wir die große Kassentheke im 1. Stock gefunden hatten und dran waren, schickte uns die Angestellte bei der Erwähnung von „Originalversion“ wieder fort: Diese Karten müssten wir unten kaufen. Das Unten hatte eine eigene Kasse, wir bekamen Karten. Auf denen allerdings nicht notiert war, in welchem der zahlreichen Kinosäle unser Film gezeigt wurde. Wir fragten die nächstbesten Kartenabreißer und waren bei ihnen richtig. Möglicherweise wird erst noch an einer Besucherführung gearbeitet, der Saal schien niegelnagelneu eingerichtet – zum ersten Mal saß ich in einem Kino, das durchdringend nach Neuwagen roch.

Der Film war dann unterhaltsam und sehr niedlich. Ich genoss die Darstellung all der Pokémon, und die Grundidee trug gut für das Ziel „Lass uns einen Pokémonfilm machen“ – was ich mir nicht einfach vorstellte.

Auf dem Heimweg verdunkelte sich der Himmel allmählich, später gewitterte es und Regen setzte ein. Zum Abendessen gab es restliches Pollo en pepitoria vom Vortag.
Der Fernseher bot Mord im Orient-Expreß von 1975 an (Tele5 erwies sich mal wieder als Retter): Meine Güte, spielt Ingrid Bergman darin hinreißend! (Kurze Recherche ergibt: Bergman hat dafür auch den Nebenrollenoscar bekommen.)

§

Das gesamte Techniktagebuch, das auf der re:publica vorgelesen wurde, musste ja erst mal ausgedruckt werden. Das dauerte erheblich länger, als die Beteiligten geplant hatten. Hier sehen Sie den Druckvorgang mit zahlreichen Ortswechseln und Nachjustierungen zusammengeschnitten im Zeitraffer.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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Techniktagebuch: To Long; didnt watch! from Alexander Stielau on Vimeo.

Ja wie, „das macht keinen Spaß“?! Was meinen Sie, wie keinen Spaß der arme Markus Winninghoff beim Ausdrucken hatte?

(Dass das Techniktagebuch für den Grimme Online Award nominiert ist, erwähnte ich? Da gibt es übrigens auch einen Publikumspreis, hier können Sie abstimmen.)

Journal Montag, 29. April 2019 – Müder Regentag mit Avengers: Endgame

Dienstag, 30. April 2019

Eine (für meine Verhältnisse) wirklich kurze Nacht, da ich nach dem späten Zu-Bett-Gehen auch noch schlecht einschlief, der Wecker aber trotzdem um sechs klingelte. Die Folge: Den ganzen Tag fühlte ich mich erschlagen und müde.

Frühmorgens ein Rezept bei meiner Hausärztin geholt. Mit Fahrrad in die Arbeit, weil ich nach Feierabend schnell daheim sein wollte. Es tröpfelte.

In der Arbeit mittags eine lange angekündigte große Einladung zum Essen – die ich völlig vergessen hatte; ich löffelte halt neben den Kolleginnen und Kollegen meine mitgebrachte Brotzeit (Graupensalat mit Tomaten und Feta vom Vortag), sie hätte sich nicht gut gehalten. Nachmittagssnack: Granatapfel mit Joghurt.

Emsiger und intensiver Arbeitstag, den ich pünktlich abschloss: Herr Kaltmamsell hatte Kinokarten für die Abendvorstellung Avengers: Endgame besorgt. Ich radelte durch leichten Regen (endlich) heim, wo Herr Kaltmamsell Abendessen servierte: Weizentortillas mit gebratenem Karotten-Lauch-Gemüse, scharfer Tomatensoße, Avocado, Spiegelei.

Ins Kino nahmen wir bei fortgesetztem Regen die U-Bahn zum Stiglmaierplatz. Dann drei Stunden Marvel, von denen mich die ersten beiden mit vielen netten Details gut unterhielten (allein das ungewohnte Tempo in der ersten Stunde), die letzte wurde mir leider doch fad. Jetzt ist wirklich mal gut. (Mag natürlich an meiner Müdigkeit gelegen haben.)

§

Das Münchner NS-Dokumentationszentrum gewährt bis zur Europawahl freien Eintritt – eine schöne, kluge Geste. Nie wieder.

Ich kann einen Besuch sehr empfehlen, auch wenn er nicht einfach ist.

§

Stephen Greenblatt war schon zu meiner Studienzeit der renommierteste Shakespeare-Forscher der englischsprachigen Welt; seine Schriften haben mir viele Türen zu Shakespeare-Stücken und zur Elisabethanik aufgeschlagen. In einem Interview des Philosophie Magazins wird er gebeten, Parallenen zwischen heutigen politischen Entwicklungen und den Dramen von Shakespeare herzustellen.
„‚Sobald man Teil der Lüge wird, ist man nicht ihr Opfer'“.

Darin auch: Interessante Gedanken über die Funktion von Theater.

Herr Greenblatt, wenn Sie Zeitung lesen oder Nachrichten schauen, denken Sie dann manchmal: „Das ist ja wie bei Shakespeare“?

Manchmal passiert das tatsächlich, ja. Als herauskam, dass der Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet und in Stücke gehackt wurde, war das so ein Shakespeare-Moment.

(…)

Der Vergleich zwischen Shakespeares Tyrannen und unserer heutigen Zeit stößt aber auch an Grenzen. Allein schon deshalb, weil die Diktatur der Zukunft anders funktioniert als die der Vergangenheit. Die Herrschaft Xi Jinpings in China ist zwar ebenfalls brutal, aber durch den totalen Einsatz digitaler Überwachungstechnologien gleichzeitig auch „leise“ und effizient.

Was mich an Xi Jinping fasziniert, fasziniert mich im Grunde auch an Trump, auch wenn sie so komplett unterschiedlich wirken: Sie haben beide verstanden, dass die Zukunft der Tyrannei nicht im shakespeareschen Weg liegt, nicht darin, Menschen in ein Konsulat zu locken und dort mit einer Knochensäge zu zerteilen. Die Tyrannei der Zukunft besteht eher darin, Medien und Menschen auf neue Art zu kontrollieren. Die chinesische Variante ist dabei „eleganter“, sie zeigt sich etwa in dem allumfassenden Social-Credit-System. Trumps Variante besteht hingegen darin, konstant so viel Lärm zu machen, dass man am Ende taub wird und nichts mehr hört. Beides ist ziemlich erfolgreich.

(Leider habe ich mir nicht notiert, wer mir diesen Hinweis in die Twitter-Timeline retweetet hat. Unbekannter Dank!)

Journal Samstag, 8. März 2019 – Brighton Rückreise

Sonntag, 10. März 2019

Wir hatten einen gemütlichen Rückflug ausgesucht, der uns genug Zeit für Schlaf und Wohnungräumen ließ. Brighton verabschiedete uns mit grauem Himmel.

Auf dem Weg zum Bahnhof ein kurzer Abstecher nach North Laine, um am Ferienwohnungsbüro den Wohnungsschlüssel in den Briefkasten zu werfen. Die Zugtickets hatte ich bereits online gekauft, ausdrucken mussten wir sie allerdings vor Ort am Automaten: Da britische Zugtickets einen Magnetstreifen für das Passieren von Schranken haben, kann man sie nicht selbst ausdrucken. Wir hatten noch Zeit, Frühstück zu besorgen.

Im Zug erfreuliche neue Technik: Ein Bildschirm zeigte an, an welcher Stelle des Zugs wir saßen und wie voll besetzt die einzelnen Waggons waren („Train Loading Indicator“) – an diesem Samstagvormittag alle spärlich, doch zu emsigeren Zeiten sicher eine praktische Information, wo noch Platz ist. Dann zeigte der Bildschirm an, wo man die Klos im Zug findet sowie welche davon barrierefrei, außer Betrieb oder gerade besetzt waren.

Am Flughafen lief alles glatt, Zeit für Kaffee. Unser letztes Kleingeld gaben wir für abgepackte Flapjacks aus.

Unspektakulärer Heimflug, in der S-Bahn nach Hause war ich mit meiner aktuellen Lektüre durch: Robert Galbraith, Career of Evil. Der dritte Band der Krimi-Reihe um Cormoran Strike und Robin Ellacott hatte sich viel zu lang hingezogen, da fehlte eine energisch straffende Hand. Zu viele Figuren, zu viel Hin und Her. Was weiterhin gut funktionierte, war die Erzeugung von Atmosphäre. Aber Lust auf weitere Bände habe ich jetzt nicht mehr.

In München stellten wir nur schnell unser Gepäck ab und gingen dann Lebensmittel einkaufen. In der Post wartete unter anderem eine schöne Überraschung: Die wundervolle Schnapsidee von @MlleReadOn, Kunstgeschichte als Brotbelag, ist ein Buch geworden – und ich bekam ein Rezensionsexemplar.

Normaler Reiseausklang: Blumen gießen, Koffer auspacken, Inhalte sortieren und verräumen, Wäsche waschen. Zum Nachtmahl kochte uns Herr Kaltmamsell ein Curry aus Auberginen und roten Paprika (hervorragende Kombi), dazu Naan, ich steuerte Gurkensalat bei.

Im Fernsehen ließen wir Monument Men laufen, weil ich herausfinden wollte, warum diese so attraktiv klingende Filmidee mit sensationeller Besetzung in der Umsetzung so gefloppt war. Die Antwort: Weil der Film sich nicht entscheiden konnte, was er erzählen wollte und in welcher Art Film.


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