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Journal Karfreitag, 2. April 2021 – Drosten-Podcast, Film Blaues Licht

Samstag, 3. April 2021

Gemischte Nacht. Aber ein Schlafabschnitt war fast vier Stunden lang.

Nach Kaffee, Bloggen, Wäschewaschen suchte ich bei Fitnessblender ein heimisches Cardiotraining ohne lärmenden Crosstrainer – auf dieser Plattform vergeblich (möglicherweise weil ich als Mindestdauer 45 Minuten eingegeben hatte, aber da ich meinen Puls langsam hochbringen muss, sonst roter Kopf und Atemnot, fängt der Cardioteil bei mir erst nach 20 Minuten richtig an). Ich entschied mich dann doch für eine bekannte Folge Fitnessblender-Rundumtraining, die ich zuletzt wohl vor anderthalb Jahren geschafft hatte (bevor mich die kaputte Hüfte an dem Spaß hinderte). Und stellte zu meiner Überraschung und Freude fest: Das ging wieder! Alles! Auch Squats und (langsame) Ausfallschritte! Sogar die Liegestütz, wenn auch auf Knien (die regelmäßige Yoga-Abfolge Bankstütz – langsam herablassen zu Kobra hatte mich gut darauf vorbereitet)! Das Ganze strengte mich ordentlich an, inklusive Warm-up und Dehnen kam ich auf eine gute Stunde Training.

Frühstück: Erster Gang war ein Rest Grü Soß mit kalten Salzkartoffeln, zweiter Gang Colomba pasquale.

Nach grauem Morgen war der Tag doch noch sonnig und mild geworden, es konnten viele Fenster offen stehen. Mit Blick in die knospenden Bäume ringsum saß ich in einem Sessel und las die Feiertagsausgabe Süddeutsche.

Gebügelt, dabei die vielfach empfohlene aktuelle Folge NDR-Corona-Podcast angehört:
„Drosten: Ohne Lockdown geht es wohl nicht“.

Die gute Stunde Gespräch war genau so großartig wie empfohlen. Am Anfang beantwortet Christian Drosten die Frage nach seiner Einschätzung der Indien-Mutante zwar so sorgfältig, dass ich kein Wort verstand (und mich an seiner Schlussfolgerung festhielt) – wahrscheinlich musste man dafür Vorgänger-Folgen kennen. Aber dann ging es ausführlich um die fünf zentralen Mechanismen von Fehlinformationen/Wissenschaftsleugnung: Pseudoexperten, Logikfehler, unerfüllbare Erwartungen, Rosinen-Pickerei, Verschwörungs-Mythen – PLURV abgekürzt, hier eine Kurzerklärung. Drosten führt für alle aktuelle Beispiele an – mal wieder druckreif. Alternativ zum Hören gibt es hier das Transkript der Folge zum Nachlesen.

In weiterhin angenehmer Sonne säuberte ich den Küchenbalkon und holte die alten Balkonmöbel aus dem Keller geholt – ein Glück, dass wir sie vergangenes Jahre nach Einzug der neuen, edlen Balkonmöbel nicht gleich weggegeben hatten.

Nachmittagssnack: Torrijas und mehr Colomba.

Dann folgte ich endlich einer weiteren Empfehlung, nämlich der des Street-Art-affinen Neffen 1, und schaute den Film Blaues Licht an, ein Werk des Künstlerkollektivs Rocco und seine Brüder, das 2019 ins Kino kam (Link führt zu Vimeo, der Film ist frei verfügbar). Auch den empfehle ich hiermit weiter, die Mischung aus Dokumentarfilm, Spielfilm in Dokumentarfilm-Anmutung („Mockumentary“), Theater mit seinen typischen Erzähltechniken und bildender Kunst gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Fürs Abendessen sorgte ich: Aus den Roten Beten des Ernteanteils wurde Gratin mit Schafskäse und Minze, dazu ebenfalls aus Ernteanteil Postelein-Salat. Nachtisch Schololade.

Journal Mittwoch, 31. März 2021 – Frühling mit aller Wucht, Start in die Osterferien

Donnerstag, 1. April 2021

Gemischte Nacht, vor dem Weckerklingeln benommen aufgewacht.

Herrlich sonniger Frühlingsmorgen.

Frühlingsausbruch auf dem Heimeranplatz.

Vormittags ergaben sich zwei Gelegenheiten, beruflich das Büro zu verlassen: Herrlichste Frühlingslüfte, Sonnenschein. Mönchsgrasmücken hörte ich erst, bevor ich drei in einem kahlen Baum über mir sah.

Mittags gab es die letzte (sehr gute) Avocado der zweiten Lieferung, dazu eine Breze, danach noch eine Orange. Nachmittags eine Birne. Übergaben, letzte Absprachen – FERIEN! (Na ja, bis Dienstag halt.)

Wegen großen Back- und Kochvorhaben und dem Plan von Quarantäne-Tagen hatten wir uns die lange Einkaufsliste aufgeteilt – doch Herr Kaltmamsell hatte sie bis zu meinem Feierabend so gründlich leerbesorgt, dass mir auf dem Heimweg nur Kuchendeko und Spezialmehle blieben.

Mehr Frühling am Bavariaring.

Daheim gab es erst eine eher gemütliche Runde Yoga, dann Wodka Ananas: Ich hatte im Supermarkt Lust darauf bekommen und Ananassaft mitgebracht. Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ofen-Auberginen mit Miso (eventuell zu viel Paste) und Reis.

Nachtisch war das nächste Kapitel Ostergebäck, italienische Colomba pasquale vom Eataly.

Sie duftete schon beim Öffnen verdächtig wie Panettone, schmeckte dann auch so – aber hey, Panettone ist super.

Wir sahen die letzten beiden Folgen Good Omens: Ich fand die Mini-Serie unterhaltsam, vermisste aber die laute Originalität des Romans. Während in der Vorlage sehr schön herausgearbeitet war (unter anderem mit einer dominanten allwissenden Erzählstimme), wie schwer Gut und Böse abzugrenzen sind und dass der scheinbar offensichtliche Einfluss des Teufels dann doch schlichtes menschliches Versagen ist, schien der Gegensatz in der Verfilmung eher zwischen Bürokratie (teuflisch oder himmlisch) und menschlich liebenswertem Gewurschtel zu bestehen. Andererseits gefiel mir, wie anhand des jungen Antichristen dargestellt wurde, dass Superschurkentum ganz schön einsam macht und dass man sich das gut überlegen sollte.

Im Bett fiel mir ein, dass ich die Lieblingstweets für März vergessen hatte. Werde ich halt nachholen.

Journal Dienstag, 23. März 2021 – Ministerpräsidentenkonferenz erfindet den „Ruhetag“ gegen Corona

Mittwoch, 24. März 2021

Nicht verschlafen, weil ich das weckende Telefon aufs Nebenkopfkissen gelegt hatte.

Fußweg in die Arbeit OHNE Schneeflocken, es blinzelte sogar ein wenig die Sonne.

Am Vormittag schlug ich vorsichtig die vorabendlichen Pandemie-Beschlüsse der Ministerpräsident*innenkonferenz MPK nach. Ich habe sie nicht kapiert – also nicht nur im Sinn von WARUM?!, glauben die wirklich, fünf Tage Daheimbleiben bringen etwas?! -, sondern auch nicht, was sie bedeuten, z.B.

Um eine Phase der Osterruhe zu entwickeln, sollen Gründonnerstag und Ostersamstag Ruhetage mit weitgehenden Kontaktbeschränkungen werden. Es gelte dann an fünf Ostertagen das Prinzip „Wir bleiben zu Hause“.

Den Gründonnerstag habe ich Urlaub genommen, doch ich ahne, dass mein Plan nicht aufgehen wird, ihn für eine Fahrt zum Wertstoffhof zu nutzen. Oder doch? Gelten die Kontaktbeschränkungen nur für private Treffen? Am frühen Nachmittag dann die Pressekonferenz der Bayerischen Staatsregierung: Gründonnerstag wird zum Feiertag erklärt. Das heißt zum einen, dass es nichts mit Wertstoffhof wird. Aber heißt es auch, dass mir kein Urlaubstag abgezogen wird? Ich bin sicher, dass Personalabteilungen und Betriebsräte derzeit rotieren.

Mittags gab es den restlichen Kohlrabi-Apfel-Petersiliensalat vom Vorabend, dazu ein Laugenzöpferl – sehr befriedigend und sättigend.

Heimweg in kalter Sonne, ich machte einen Umweg die Theresienwiese entlang. Zu Hause konnte ich mich nicht wie geplant sofort in Yoga-Kleidung stürzen: Es waren Handwerker da, die eine neue Klingel-/Gegensprechanlage einbauten (nicht nur bei uns, sondern im ganzen Haus). Also erst mal Blumen gegossen, Brotzeit für den nächsten Tag vorbereitet. Aber dann gab’s Yoga, die lange Abschlussfolge von Adrienes „Home“. Ich kam ins Schnaufen und Schwitzen.

Herr Kaltmamsell hatte vergangenen Freitag aus den Hühnerknochen eine Brühe gekocht, auf meinen Wunsch wurde sie gestern Basis einer Tom Kha Gai, statt mit Hähnchenfleisch mit Räuchertofu. Schmeckte sehr gut. Nachtisch Schokolade.

§

InStyle hat ein schönes Interview mit Melissa McCarthy, die seit ein paar Monaten in Australien lebt und arbeitet:
„Melissa McCarthy Does It for the Laughs“.

Und wenn ich schon mal da war, suchte ich gleich den Trailer von Thunder Force, weil: Melissa McCarthy und Octavia Spencer als Superheldinnen? Yes please.

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https://youtu.be/kJa8b8Zplv4

Journal Samstag, 27. Februar 2021 – Sonnendurchflutete leere Räume

Sonntag, 28. Februar 2021

Nachts zwar ein paar Mal aufgewacht, aber gleich wieder eingeschlafen.

Meine Schlafzimmer-Stores abgenommen und gewaschen. Katzenwäsche und Umziehen in Sportkleidung. Als der erste Store gewaschen war (wird feucht aufgehängt), nahm ich auch die Vorhangschals im Wohnzimmer ab und zog mit Leiter und Vorhängen in die neue Wohnung. Plan war kurzes Werkeln, dann eine Runde Crosstrainer.

Es zeigte sich: Ich verfüge über keinerlei Umzugsfertigkeiten mehr. So konnte es mich überraschen, dass das Mal-kurz-Aufhängen von ein paar Vorhängen (zweimal Stores im Schlafzimmer, viermal Schals im Wohnzimmer) zwei Stunden verschlang – weil die Schienen dafür so breit waren, dass die Aufhänger („Faltengleiter“) sich verkanteten, und die Maler so brutal drübergepinselt hatten, dass sie sich auch ohne Verkantung nicht bewegten. Ich kam ins Schwitzen. Dass meinem eingeklemmten Nackennerv das Hochschauen gar nicht bekam, verlangsamte die Aktion zusätzlich, weil ich immer wieder die Nackenmuskulatur durch Runterschauen beruhigen musste. Und das mir, die ich zu Studienzeiten im Freundeskreis eine gesuchte, weil ausdauernde Über-Kopf-Renoviererin und -Malerin gewesen war! Aber ich sah erstmals aus den neuen Fenstern ein Eichhörnchen im Park.

Dann brachte ich mit Herrn Kaltmamsell Glühbirnen mit Lüsterklemmen in fünf Räumen der Wohnung an (mein Bruder hatte von meinem Vater eine Box mit Material aller Art mitbebracht, wohlsortierte Dübel, Schrauben, Nägel, Klemmen – und noch so einiges, dessen Funktion ich nicht kenne), putzte und werkelte noch an verschiedenen Stellen – es wurde früher Nachmittag.

Immer wieder brach die Sonne durch den wolkigen Himmel und flutete die Räume. Eine so schöne, große, leere Wohnung! Und dann verschandeln wir sie mit Möbeln.

Zum Beispiel diese minimalistisch-ästhetische Kammer, unser künftiger Fitnessraum.

Jetzt noch mit meditativer Ausstrahlung, bald schon voller Crosstrainer und Schweiß.
(Spass. Es steht noch nicht fest, was wir damit tun. Vielleicht finden wir einen Weg, ihn zu einer begehbaren Garderobe zu machen? Ginge das? Mit zusätzlichem Stauraum für selten genutztes Koch- und Backgerät?)

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet mir das Bad: Außer dem Unterschrank des Waschbeckens gibt es keinerlei Staumöglichkeit (der Platz, den wir im jetzigen Bad für zwei Stehregale haben, ist von einem zusätzlichen Klo belegt). Zwar besitzen wir unterdurchschnittlich viele Körperflegeprodukte, doch für Schminkzeug und Parfüm hätte ich doch gern ein eigenes Regal.

Crosstrainer ließ ich bleiben. Ich duschte mich gleich und holte Semmeln zum Frühstück. Bevor ich es mir damit gemütlich machen konnte, zerbrach ich im Wohnzimmer einen Glasteller in putz-aufwendige winzige Stücke und musste erst mal weiterräumen und -putzen.

Nach dem Frühstück der nächste Arbeitsgang: Herr Kaltmamsell hatte erste Buchregale in seinem neuen Schlafzimmer und unserem (irgendwann) gemeinsamen Arbeitszimmer aufgebaut, sie mussten mit Schrauben an der Wand stabilisiert werden. Fürs Bohren war bislang immer ich zuständig, ich mache das auch gern. Herr Bruder hatte eine von Papas vier Bohrmaschinen mitgebracht (Aufschrift „BOHRHAMMER“), ich bohrte damit nach und nach fünf Löcher nach Anweisungen von Herrn Kaltmamsell, dazwischen saugte ich ein wenig in den etwas staubigen Räumen.

Nur kurzes Ausruhen in der alten Wohnung, eine Runde Yoga, dann drängte es mich, vor dem Abendessen noch die ersten Kisten voll Küchenmaterial nach oben zu bringen und zu verstauen.

Herr Kaltmamsell bereitete derweil das Nachtmahl: Ein Rest Fisch-Curry vom Vorabend mit frisch gekochtem Reis, zudem ein wenig Wirsinggemüse aus Ernteanteil. Wir wurden wohlig satt (keine Lust auf Alkohol).

Abendunterhaltung: Auf 3sat lief Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm, den ich seinerzeit im Kino verpasst hatte. Ich mochte den Film (nachdem ich meine Irritation überwunden hatte, dass der besonders groß gewachsene Lars Eidinger den besonders klein gewachsenen Brecht spielte – V-Effekt) – und war überrascht, dass ich einige eher unbedeutende Teile der Dreigroschenoper auswendig konnte (z.B. den Morgenchoral des Peachum). Ich scheine eine vergessene Vergangenheit zumindest mit den Songs zu haben.

Journal Donnerstag, 18. Februar 2021 – Pandemie killt Oscar-Vorbereitung

Freitag, 19. Februar 2021

Kurz nach fünf von lautem Gespräch unter meinem Schlafzimmerfenster geweckt worden – trotz Ohrstöpsel.

Das Vogelgezwitscher wird ein wenig dichter, aber immer noch hörte ich nur eine Amsel. Dafür sah ich auf dem Weg in die Arbeit (mild!) eine erste Krokusknospe.

Morgens von Arbeitgeber organisierte Teilnahme an einer Studie, die großflächig IgG Antikörper gegen SARS-CoV-2 testet: Abgabe von Blut und einem ausgefüllten Fragebogen.

Mittags gab es ein Stückchen Gurke, Tomaten, Käse und ein Laugenzöpferl, nachmittags eine Orange und Nüsse.

In vor-pandemischen Zeiten waren diese Wochen vor der Oscar-Verleihung meist die, in denen ich viel ins Kino ging, um möglichst viele nominierte (und für mich interessante) Filme zu sehen. Die Academy Awards 2021 wurden auf April verschoben, die Nominierungen werden erst am 15. März bekannt gegeben – und die Filme laufen statt in den geschlossenen Kinos auf Streaming-Plattformen im Fernsehen. Allerdings auf lauter verschiedenen, was meine ohnehin hohe Schwelle für eine Mitgliedschaft weiter erhöht. Ich werde dieses Kino- und Oscarjahr wohl komplett auslassen.

Ohne erkennbaren Anlass fühlte ich mich im Büro gereizt, war über den Feierabend froh.

Auf dem Heimweg war es so mild, dass ich selbst bei meinen empfindlichen Öhrchen keine Mütze brauchte. Im Vollcorner einige Einkäufe, daheim frischte ich meine Sauerteige für wochenendliches Brotbacken auf.

Die Yoga-Einheit entspannte mich nicht ausreichend, ich griff zu Drogen und machte uns Martinis – schon besser.

Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil geholt, den Rosenkohl darin garte er mit Chillibutter (das Rezept geht seit Wochen durch mein Internet): Schmeckte sehr gut, ich kann mir aber vorstellen, dass die Zubereitung mit dem Blumenkohl des Originalrezepts noch besser schmeckt. Nur das Schüsselchen Rosekohl war uns allerdigs zu wenig, es brauchte Eiscreme und Schokolade zum Sattwerden.

§

Das Techniktagebuch gibt es nun seit sieben Jahren, es steht wieder gesamt zum Download bereit:
„Absolut reibungsloses Nichtfunktionieren: Sieben Jahre Techniktagebuch“.

§

Stimmungsaufheller gefällig?

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https://youtu.be/_zdv23bAINM

via @gerdbrunzema

Journal Freitag, 5. Februar 2021 – Gebremster Frühling

Samstag, 6. Februar 2021

Mittelguter Schlaf mit schwerem Herzen, weil ich so gar nichts dazu beisteuern kann, damit ein familiärer Sorgenbereiter wieder gut wird.

Der Marsch in die Arbeit war angenehm, bis auf die Theresienwiese war der gefühlt knöchelhohe Rollsplit geräumt.

Gleich früh schien die Sonne, das war schön. Doch ich fühlte mich den ganzen Tag schlapp und müde.

Mittags Butterbrot aus Selbstgebackenem und ein Töpchen Quark, am späten Nachmittag Apfel und Clementinen.

Ich nahm an einer regelmäßigen Infoveranstaltung teil, die ich sonst wegen zu hohen Zeitaufwands gemieden hatte: In die Online-Version konnte ich mich nebenher einklinken, ich arbeitete weiter und hörte/sah nur bei den für mich spannenden Themen konzentriert zu. Das war nützlich, anschließend hatte ich vier Tabs offen mit Material, das ich vertiefen wollte.

Feierabend so rechtzeitig, dass ich noch im Tageslicht aus dem Büro kam. Die Luft war mild und versprach Frühling, ich machte einen Umweg über den Bavariapark. Darin wie auch morgens überraschend wenig Vogelgesang. Auf der Theresienwiese war richtig was los: Zum einen wird sie zum Sporttreiben aller möglichen Art genutzt, Vereine und Fitnessstudios sind ja geschlossen. Zum anderen hatte ich schon von Weitem durch die kahlen Bäume Blaulicht gesehen: Im Südteil sperrten Feuerwehr und Polizei einen Platz ab, auf dem dann, gerade als ich auf dieser Höhe ging, ein rot-weißer DRF-Hubschrauber landete. Ich blieb stehen und beobachtete die Landung – seit die Kreuzung vor unserer Wohnung kein Notfall-Landeplatz mehr für die (deutlich kleineren) ADAC-Hubschrauber ist, hatte ich keine mehr gesehen.

Daheim war noch bequem Zeit für eine Einheit Yoga: Die Folge 16 von „Home“ tat ausgesprochen angenehme Dinge mit meiner Rückenmuskulatur. Ich habe den Eindruck, dass ich immer besser bei Dehnungen Muskulatur loslassen kann und beweglicher werde. (Das Bild des Loslassens bei Dehnung hatte ich vorher in meinem Sportleben nie gehabt.)

Jetzt aber Wochenendefeiern!

Nachdem ich den von Buhl Rieslingsekt liebe, hatte ich bei der jüngsten Bestellung zum Probieren zwei Flaschen Rosé kommen lassen. Schmeckte gut, sehr trocken, aber nicht so interessant wie der weiße Riesling-Bruder.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das Blaukraut aus Ernteanteil: Er hatte sich auf Twitter Zubereitungstipps zur Abwechlung geholt, die gemeinsame Wahl fiel auf Blaukraut-Schnitzel mit Ziegenkäse (Zubereitung aus verschiedenen Internet-Rezepten zusammengestellt).

Ich mochte diese Zubereitung sehr gern, vielleicht hätte das Blaukraut weicher sein können, doch mir gefiel die halb gare Konsistenz. Für mich dazu der Rieslingrest der Vorwoche (wir verplöppeln angebrochene Flaschen mit einem Vakuumierer), Herr Kaltmamsell hielt sich an den Sekt.

Als Abendunterhaltung holte ich einen Meilenstein der Kinogeschichte nach: Conan the Barbarian, hat Herr Kaltmamsell auf Festplatte. Vieles kam mir bekannt vor, weil längst ikonisch geworden, außerdem bewunderte ich, mit wie wenig Dialog man Handlung vorantreiben kann (nun gut, es brauchte einen Off-Erzähler).

§

Geschichten aus der chemischen Industrie – Frau Brüllen erzählt von‘ Kriech. Wäre sie nicht sehr wahrscheinlich als Chemikerin sensationell (es deutet einiges darauf hin), könnte man sie als Wissenschaftskommunikatorin sehr teuer verkaufen. Wenn Sie also über Hardcore-Chemieproduktion mehrfach herzlich auflachen wollen, hier lang:
„Wie ich mal nicht ganz Holland verdursten ließ.“
(Ich möchte bitte viel öfter „Bumm.“ in populärwissenschaftlichen Texten lesen.)

§

Mela Eckenfels gibt ein wenig Argumentationshilfe gegen den regelmäßig gehörten Einwand, es brauche nur ein gutes Immunsystem, um mit Covid-19 fertigzuwerden.
„Nein, ein ‚gutes Immunsystem‘ schützt nicht vor Corona“.

Mela zerlegt dabei sieben Irrglauben über die Mechanismen des menschlichen Immunsystems. (Schlimmerweise wird aus der falschen Grundansicht ja gerne abgeleitet, wer schwer an Covid-19 erkrankt, sei irgendwie selbst daran schuld.)

Journal Samstag, 23. Januar 2021 – Auf den Spuren des schwulen 80er-Pop

Sonntag, 24. Januar 2021

Ausgeschlafen – nach zerstückelter Nacht war die Stunde morgens zwischen 6.45 und 7.45 Uhr die beste.

Auf dem Sportplan stand Cardio mit Crosstrainer. Bereits in Sportkleidung, aber mit Winter drüber ging ich vorher noch zur Post: Wieder ein paar Bücher losgeworden. (Das Angebot steht weiterhin: Große Mengen Belletristik auf Deutsch und Englisch gegen Porto abzugeben.)

Auf dem Crosstrainer stellte ich fest, dass sich meine In-Ear-Kabelkopfhörer endgültig verabschieden: Immer wieder ist ein Kanal unhörbar, zudem fallen sie trotz Kabelführung übers Ohr raus, ich schwitze sie weg. Ich werde für heftiges Gehoppel ein Modell mit Klammer/Bügel ums Ohr brauchen.

Noch nassgeschwitzt buk ich den Wochenendkuchen: Amerikanische Apfeltorte. Wurde gut, allerdings waren mir die Äpfel noch ein wenig zu knackig.

Das Wetter war recht konsequent greislig: Düstere Wolken, hin und wieder Regen, hin und wieder ein paar Schneeflocken. Ich blieb den Rest des Tages drin, las, hörte, guckte, im Dunklen noch eine Runde Yoga.

Zum Frühstück gab es ein Stück Hartweizling vom Vorabend.

Dazu versuchte ich den Schimmelkäse Sorte Seife-mit-Reißnägeln zu retten, indem ich ein paar Stücke mit Mascarpone verknetete, salzte und mit etwas Ahornsirup süßte. Wurde essbar. Nachmittags gab es Apfelkuchen und die Kerne eines Granatapfels.

Bis zum Abendessen packte ich die diesjährige Meldung von Blogposts bei der VG Wort an, auf dass es wieder reichlich Ausschüttung (GELD!) geben möge.

Nachtmahl war Gockel, Teil 2: Hühnerschenkel mit Paprika-Tomaten-Sauerrahmsoße.

§

Den Morgen hatte ich mit „Tainted Love“ und Soft Cell verbracht (vielen Dank für die Tipps!). Mir wurde klar, wie schwul die 80er waren, musikalisch und ästhetisch – wobei die Definierbarkeit einer schwulen Ästhetik und Szene natürlich Ergebnis der Ausgrenzung und Diskriminierung von Homosexualität ist, die sich in geschützten Nischen verstecken musste. (Nein, Schwule kommen nicht mit einer Federboa / mit einem Nietenhalsband auf die Welt.) (Oder? Was weiß denn ich Vanilla-Hete schon…)

Auch Erscheinungen wie Madonna kamen ja aus der Schwulenszene, in diesem Fall der in New York. Die Londoner Kajal-Schwulen wie Boy George, die Herren Synthie-Pop und androgyne Ästhetik wie die der Eurythmics gehörten ebenfalls zusammen. Waren Lesben damals überhaupt schon erfunden? Ich meine im popkulturellen Sinn. (Wobei mir dazu „Mujer contra mujer“ der spanischen Pop-Band Mecano einfällt, das kam 1988 raus.) Blühte lesbische Kultur erst im Grunge der 90er auf? Ist hier eine Kulturwissenschaftlerin im Publikum, die sagen kann, ob es dazu Forschung gibt?

Einer der Tipps war dieses Guardian-Interview von 2016:
„Marc Almond: ‘I’ve had the chance to be subversive in the mainstream’“.

Wobei der Soft Cell-Gründer Marc Almond darauf hinweist, dass wir als Gesellschaft noch einen langen Weg vor uns haben:

Being a gay artist back then was tough, Almond says, and although things are better now, they’re not as good as they should be. “The less mainstream press are a lot more accepting, but in other areas there’s still a tendency to accept the gay stereotype – I call it the gay clown – who’s prepared to do a gay performance for straight people, and that bothers me.” He rails at The X Factor’s treatment of gay contestants particularly. “There’s this homophobic side to it – they pick a gay person who’s going to be super-super-camp. What they’re saying is ‘Let’s just have a bit of a laugh at them’, really.” He is visibly riled. “I would never have got through these auditions. I’d be one of the quirky ones they’d stick in as a novelty act.”

The “acceptable face of gayness” in general culture gets him bristling too. “You’ve got to be good looking, chiselled, have a bit of Botox, and wear a designer outfit to be accepted – and you’ve got to be married, preferably. Where does the loner outsider in Castleford fit into all that? In the north, camp is still a weapon and a survival mechanism, but it’s still derided. At least the gay community was more unified back then. Parts of the gay community are not valued as much as other parts in 2016… It’s very divided these days.”

Wobei auch das frühere schwule Gemeinschaftsgefühl sehr wahrscheinlich Ergebnis der Diskriminierung und Verfolgung war. Je gesellschaftlich akzeptierter Homosexualität wird, desto individueller kann sie sein.

§

Durch einen Hinweis im SZ-Feuilleton kam ich auf dieses Gespräch zwischen Jodie Foster und Anthony Hopkins zum Start von Silence of the Lambs vor 30 Jahren:

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https://youtu.be/u2QjdRaLfa8

Hier nachzulesen:
„Jodie Foster and Anthony Hopkins Reunite for ‘Silence of the Lambs’ 30th Anniversary“.

Eine faszinierende Unterhaltung zwischen zwei völlig verschiedenen Künstler*innen. Auf der einen Seite Hopkins als Vollblut-Schauspieler, der eisern behauptet, er täte doch gar nicht mehr als ans Set zu kommen und seinen Text zu sprechen. (Dann aber doch auf Nachbohren beschreibt, woraus sich die Ausgestaltung seines Hannibal Lecter speiste.) Auf der anderen Seite Foster als Intellektuelle, die plant, analysiert, reflektiert, strukturiert. Die vor der Kamera stand, seit sie drei war – weil das halt das Familiengeschäft war (und nebenher erzählt, wie sie sich als Kind am Set damit beschäftigte, mit welcher Linse was aufgenommen wurde und welchen Unterschied das machte). Die laut eigener Aussage wöchentlich beschließt, nie wieder zu schauspielen, weil sie eigentlich keine Schauspielerin sei, sondern Filmemacherin. Ihre Analyse der Figur Clarice Starling fand ich brillant.

Worin sich beide einig sind: Dass der Schlüssel zu einem außergewöhnlich guten Film ein außergewöhnlich gutes Drehbuch ist. Und dass Silence of the Lambs genau das hatte (von Ted Tally).


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