Filme

Journal Samstag, 27. Februar 2021 – Sonnendurchflutete leere Räume

Sonntag, 28. Februar 2021

Nachts zwar ein paar Mal aufgewacht, aber gleich wieder eingeschlafen.

Meine Schlafzimmer-Stores abgenommen und gewaschen. Katzenwäsche und Umziehen in Sportkleidung. Als der erste Store gewaschen war (wird feucht aufgehängt), nahm ich auch die Vorhangschals im Wohnzimmer ab und zog mit Leiter und Vorhängen in die neue Wohnung. Plan war kurzes Werkeln, dann eine Runde Crosstrainer.

Es zeigte sich: Ich verfüge über keinerlei Umzugsfertigkeiten mehr. So konnte es mich überraschen, dass das Mal-kurz-Aufhängen von ein paar Vorhängen (zweimal Stores im Schlafzimmer, viermal Schals im Wohnzimmer) zwei Stunden verschlang – weil die Schienen dafür so breit waren, dass die Aufhänger („Faltengleiter“) sich verkanteten, und die Maler so brutal drübergepinselt hatten, dass sie sich auch ohne Verkantung nicht bewegten. Ich kam ins Schwitzen. Dass meinem eingeklemmten Nackennerv das Hochschauen gar nicht bekam, verlangsamte die Aktion zusätzlich, weil ich immer wieder die Nackenmuskulatur durch Runterschauen beruhigen musste. Und das mir, die ich zu Studienzeiten im Freundeskreis eine gesuchte, weil ausdauernde Über-Kopf-Renoviererin und -Malerin gewesen war! Aber ich sah erstmals aus den neuen Fenstern ein Eichhörnchen im Park.

Dann brachte ich mit Herrn Kaltmamsell Glühbirnen mit Lüsterklemmen in fünf Räumen der Wohnung an (mein Bruder hatte von meinem Vater eine Box mit Material aller Art mitbebracht, wohlsortierte Dübel, Schrauben, Nägel, Klemmen – und noch so einiges, dessen Funktion ich nicht kenne), putzte und werkelte noch an verschiedenen Stellen – es wurde früher Nachmittag.

Immer wieder brach die Sonne durch den wolkigen Himmel und flutete die Räume. Eine so schöne, große, leere Wohnung! Und dann verschandeln wir sie mit Möbeln.

Zum Beispiel diese minimalistisch-ästhetische Kammer, unser künftiger Fitnessraum.

Jetzt noch mit meditativer Ausstrahlung, bald schon voller Crosstrainer und Schweiß.
(Spass. Es steht noch nicht fest, was wir damit tun. Vielleicht finden wir einen Weg, ihn zu einer begehbaren Garderobe zu machen? Ginge das? Mit zusätzlichem Stauraum für selten genutztes Koch- und Backgerät?)

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet mir das Bad: Außer dem Unterschrank des Waschbeckens gibt es keinerlei Staumöglichkeit (der Platz, den wir im jetzigen Bad für zwei Stehregale haben, ist von einem zusätzlichen Klo belegt). Zwar besitzen wir unterdurchschnittlich viele Körperflegeprodukte, doch für Schminkzeug und Parfüm hätte ich doch gern ein eigenes Regal.

Crosstrainer ließ ich bleiben. Ich duschte mich gleich und holte Semmeln zum Frühstück. Bevor ich es mir damit gemütlich machen konnte, zerbrach ich im Wohnzimmer einen Glasteller in putz-aufwendige winzige Stücke und musste erst mal weiterräumen und -putzen.

Nach dem Frühstück der nächste Arbeitsgang: Herr Kaltmamsell hatte erste Buchregale in seinem neuen Schlafzimmer und unserem (irgendwann) gemeinsamen Arbeitszimmer aufgebaut, sie mussten mit Schrauben an der Wand stabilisiert werden. Fürs Bohren war bislang immer ich zuständig, ich mache das auch gern. Herr Bruder hatte eine von Papas vier Bohrmaschinen mitgebracht (Aufschrift „BOHRHAMMER“), ich bohrte damit nach und nach fünf Löcher nach Anweisungen von Herrn Kaltmamsell, dazwischen saugte ich ein wenig in den etwas staubigen Räumen.

Nur kurzes Ausruhen in der alten Wohnung, eine Runde Yoga, dann drängte es mich, vor dem Abendessen noch die ersten Kisten voll Küchenmaterial nach oben zu bringen und zu verstauen.

Herr Kaltmamsell bereitete derweil das Nachtmahl: Ein Rest Fisch-Curry vom Vorabend mit frisch gekochtem Reis, zudem ein wenig Wirsinggemüse aus Ernteanteil. Wir wurden wohlig satt (keine Lust auf Alkohol).

Abendunterhaltung: Auf 3sat lief Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm, den ich seinerzeit im Kino verpasst hatte. Ich mochte den Film (nachdem ich meine Irritation überwunden hatte, dass der besonders groß gewachsene Lars Eidinger den besonders klein gewachsenen Brecht spielte – V-Effekt) – und war überrascht, dass ich einige eher unbedeutende Teile der Dreigroschenoper auswendig konnte (z.B. den Morgenchoral des Peachum). Ich scheine eine vergessene Vergangenheit zumindest mit den Songs zu haben.

Journal Donnerstag, 18. Februar 2021 – Pandemie killt Oscar-Vorbereitung

Freitag, 19. Februar 2021

Kurz nach fünf von lautem Gespräch unter meinem Schlafzimmerfenster geweckt worden – trotz Ohrstöpsel.

Das Vogelgezwitscher wird ein wenig dichter, aber immer noch hörte ich nur eine Amsel. Dafür sah ich auf dem Weg in die Arbeit (mild!) eine erste Krokusknospe.

Morgens von Arbeitgeber organisierte Teilnahme an einer Studie, die großflächig IgG Antikörper gegen SARS-CoV-2 testet: Abgabe von Blut und einem ausgefüllten Fragebogen.

Mittags gab es ein Stückchen Gurke, Tomaten, Käse und ein Laugenzöpferl, nachmittags eine Orange und Nüsse.

In vor-pandemischen Zeiten waren diese Wochen vor der Oscar-Verleihung meist die, in denen ich viel ins Kino ging, um möglichst viele nominierte (und für mich interessante) Filme zu sehen. Die Academy Awards 2021 wurden auf April verschoben, die Nominierungen werden erst am 15. März bekannt gegeben – und die Filme laufen statt in den geschlossenen Kinos auf Streaming-Plattformen im Fernsehen. Allerdings auf lauter verschiedenen, was meine ohnehin hohe Schwelle für eine Mitgliedschaft weiter erhöht. Ich werde dieses Kino- und Oscarjahr wohl komplett auslassen.

Ohne erkennbaren Anlass fühlte ich mich im Büro gereizt, war über den Feierabend froh.

Auf dem Heimweg war es so mild, dass ich selbst bei meinen empfindlichen Öhrchen keine Mütze brauchte. Im Vollcorner einige Einkäufe, daheim frischte ich meine Sauerteige für wochenendliches Brotbacken auf.

Die Yoga-Einheit entspannte mich nicht ausreichend, ich griff zu Drogen und machte uns Martinis – schon besser.

Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil geholt, den Rosenkohl darin garte er mit Chillibutter (das Rezept geht seit Wochen durch mein Internet): Schmeckte sehr gut, ich kann mir aber vorstellen, dass die Zubereitung mit dem Blumenkohl des Originalrezepts noch besser schmeckt. Nur das Schüsselchen Rosekohl war uns allerdigs zu wenig, es brauchte Eiscreme und Schokolade zum Sattwerden.

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Das Techniktagebuch gibt es nun seit sieben Jahren, es steht wieder gesamt zum Download bereit:
„Absolut reibungsloses Nichtfunktionieren: Sieben Jahre Techniktagebuch“.

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Stimmungsaufheller gefällig?

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https://youtu.be/_zdv23bAINM

via @gerdbrunzema

Journal Freitag, 5. Februar 2021 – Gebremster Frühling

Samstag, 6. Februar 2021

Mittelguter Schlaf mit schwerem Herzen, weil ich so gar nichts dazu beisteuern kann, damit ein familiärer Sorgenbereiter wieder gut wird.

Der Marsch in die Arbeit war angenehm, bis auf die Theresienwiese war der gefühlt knöchelhohe Rollsplit geräumt.

Gleich früh schien die Sonne, das war schön. Doch ich fühlte mich den ganzen Tag schlapp und müde.

Mittags Butterbrot aus Selbstgebackenem und ein Töpchen Quark, am späten Nachmittag Apfel und Clementinen.

Ich nahm an einer regelmäßigen Infoveranstaltung teil, die ich sonst wegen zu hohen Zeitaufwands gemieden hatte: In die Online-Version konnte ich mich nebenher einklinken, ich arbeitete weiter und hörte/sah nur bei den für mich spannenden Themen konzentriert zu. Das war nützlich, anschließend hatte ich vier Tabs offen mit Material, das ich vertiefen wollte.

Feierabend so rechtzeitig, dass ich noch im Tageslicht aus dem Büro kam. Die Luft war mild und versprach Frühling, ich machte einen Umweg über den Bavariapark. Darin wie auch morgens überraschend wenig Vogelgesang. Auf der Theresienwiese war richtig was los: Zum einen wird sie zum Sporttreiben aller möglichen Art genutzt, Vereine und Fitnessstudios sind ja geschlossen. Zum anderen hatte ich schon von Weitem durch die kahlen Bäume Blaulicht gesehen: Im Südteil sperrten Feuerwehr und Polizei einen Platz ab, auf dem dann, gerade als ich auf dieser Höhe ging, ein rot-weißer DRF-Hubschrauber landete. Ich blieb stehen und beobachtete die Landung – seit die Kreuzung vor unserer Wohnung kein Notfall-Landeplatz mehr für die (deutlich kleineren) ADAC-Hubschrauber ist, hatte ich keine mehr gesehen.

Daheim war noch bequem Zeit für eine Einheit Yoga: Die Folge 16 von „Home“ tat ausgesprochen angenehme Dinge mit meiner Rückenmuskulatur. Ich habe den Eindruck, dass ich immer besser bei Dehnungen Muskulatur loslassen kann und beweglicher werde. (Das Bild des Loslassens bei Dehnung hatte ich vorher in meinem Sportleben nie gehabt.)

Jetzt aber Wochenendefeiern!

Nachdem ich den von Buhl Rieslingsekt liebe, hatte ich bei der jüngsten Bestellung zum Probieren zwei Flaschen Rosé kommen lassen. Schmeckte gut, sehr trocken, aber nicht so interessant wie der weiße Riesling-Bruder.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das Blaukraut aus Ernteanteil: Er hatte sich auf Twitter Zubereitungstipps zur Abwechlung geholt, die gemeinsame Wahl fiel auf Blaukraut-Schnitzel mit Ziegenkäse (Zubereitung aus verschiedenen Internet-Rezepten zusammengestellt).

Ich mochte diese Zubereitung sehr gern, vielleicht hätte das Blaukraut weicher sein können, doch mir gefiel die halb gare Konsistenz. Für mich dazu der Rieslingrest der Vorwoche (wir verplöppeln angebrochene Flaschen mit einem Vakuumierer), Herr Kaltmamsell hielt sich an den Sekt.

Als Abendunterhaltung holte ich einen Meilenstein der Kinogeschichte nach: Conan the Barbarian, hat Herr Kaltmamsell auf Festplatte. Vieles kam mir bekannt vor, weil längst ikonisch geworden, außerdem bewunderte ich, mit wie wenig Dialog man Handlung vorantreiben kann (nun gut, es brauchte einen Off-Erzähler).

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Geschichten aus der chemischen Industrie – Frau Brüllen erzählt von‘ Kriech. Wäre sie nicht sehr wahrscheinlich als Chemikerin sensationell (es deutet einiges darauf hin), könnte man sie als Wissenschaftskommunikatorin sehr teuer verkaufen. Wenn Sie also über Hardcore-Chemieproduktion mehrfach herzlich auflachen wollen, hier lang:
„Wie ich mal nicht ganz Holland verdursten ließ.“
(Ich möchte bitte viel öfter „Bumm.“ in populärwissenschaftlichen Texten lesen.)

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Mela Eckenfels gibt ein wenig Argumentationshilfe gegen den regelmäßig gehörten Einwand, es brauche nur ein gutes Immunsystem, um mit Covid-19 fertigzuwerden.
„Nein, ein ‚gutes Immunsystem‘ schützt nicht vor Corona“.

Mela zerlegt dabei sieben Irrglauben über die Mechanismen des menschlichen Immunsystems. (Schlimmerweise wird aus der falschen Grundansicht ja gerne abgeleitet, wer schwer an Covid-19 erkrankt, sei irgendwie selbst daran schuld.)

Journal Samstag, 23. Januar 2021 – Auf den Spuren des schwulen 80er-Pop

Sonntag, 24. Januar 2021

Ausgeschlafen – nach zerstückelter Nacht war die Stunde morgens zwischen 6.45 und 7.45 Uhr die beste.

Auf dem Sportplan stand Cardio mit Crosstrainer. Bereits in Sportkleidung, aber mit Winter drüber ging ich vorher noch zur Post: Wieder ein paar Bücher losgeworden. (Das Angebot steht weiterhin: Große Mengen Belletristik auf Deutsch und Englisch gegen Porto abzugeben.)

Auf dem Crosstrainer stellte ich fest, dass sich meine In-Ear-Kabelkopfhörer endgültig verabschieden: Immer wieder ist ein Kanal unhörbar, zudem fallen sie trotz Kabelführung übers Ohr raus, ich schwitze sie weg. Ich werde für heftiges Gehoppel ein Modell mit Klammer/Bügel ums Ohr brauchen.

Noch nassgeschwitzt buk ich den Wochenendkuchen: Amerikanische Apfeltorte. Wurde gut, allerdings waren mir die Äpfel noch ein wenig zu knackig.

Das Wetter war recht konsequent greislig: Düstere Wolken, hin und wieder Regen, hin und wieder ein paar Schneeflocken. Ich blieb den Rest des Tages drin, las, hörte, guckte, im Dunklen noch eine Runde Yoga.

Zum Frühstück gab es ein Stück Hartweizling vom Vorabend.

Dazu versuchte ich den Schimmelkäse Sorte Seife-mit-Reißnägeln zu retten, indem ich ein paar Stücke mit Mascarpone verknetete, salzte und mit etwas Ahornsirup süßte. Wurde essbar. Nachmittags gab es Apfelkuchen und die Kerne eines Granatapfels.

Bis zum Abendessen packte ich die diesjährige Meldung von Blogposts bei der VG Wort an, auf dass es wieder reichlich Ausschüttung (GELD!) geben möge.

Nachtmahl war Gockel, Teil 2: Hühnerschenkel mit Paprika-Tomaten-Sauerrahmsoße.

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Den Morgen hatte ich mit „Tainted Love“ und Soft Cell verbracht (vielen Dank für die Tipps!). Mir wurde klar, wie schwul die 80er waren, musikalisch und ästhetisch – wobei die Definierbarkeit einer schwulen Ästhetik und Szene natürlich Ergebnis der Ausgrenzung und Diskriminierung von Homosexualität ist, die sich in geschützten Nischen verstecken musste. (Nein, Schwule kommen nicht mit einer Federboa / mit einem Nietenhalsband auf die Welt.) (Oder? Was weiß denn ich Vanilla-Hete schon…)

Auch Erscheinungen wie Madonna kamen ja aus der Schwulenszene, in diesem Fall der in New York. Die Londoner Kajal-Schwulen wie Boy George, die Herren Synthie-Pop und androgyne Ästhetik wie die der Eurythmics gehörten ebenfalls zusammen. Waren Lesben damals überhaupt schon erfunden? Ich meine im popkulturellen Sinn. (Wobei mir dazu „Mujer contra mujer“ der spanischen Pop-Band Mecano einfällt, das kam 1988 raus.) Blühte lesbische Kultur erst im Grunge der 90er auf? Ist hier eine Kulturwissenschaftlerin im Publikum, die sagen kann, ob es dazu Forschung gibt?

Einer der Tipps war dieses Guardian-Interview von 2016:
„Marc Almond: ‘I’ve had the chance to be subversive in the mainstream’“.

Wobei der Soft Cell-Gründer Marc Almond darauf hinweist, dass wir als Gesellschaft noch einen langen Weg vor uns haben:

Being a gay artist back then was tough, Almond says, and although things are better now, they’re not as good as they should be. “The less mainstream press are a lot more accepting, but in other areas there’s still a tendency to accept the gay stereotype – I call it the gay clown – who’s prepared to do a gay performance for straight people, and that bothers me.” He rails at The X Factor’s treatment of gay contestants particularly. “There’s this homophobic side to it – they pick a gay person who’s going to be super-super-camp. What they’re saying is ‘Let’s just have a bit of a laugh at them’, really.” He is visibly riled. “I would never have got through these auditions. I’d be one of the quirky ones they’d stick in as a novelty act.”

The “acceptable face of gayness” in general culture gets him bristling too. “You’ve got to be good looking, chiselled, have a bit of Botox, and wear a designer outfit to be accepted – and you’ve got to be married, preferably. Where does the loner outsider in Castleford fit into all that? In the north, camp is still a weapon and a survival mechanism, but it’s still derided. At least the gay community was more unified back then. Parts of the gay community are not valued as much as other parts in 2016… It’s very divided these days.”

Wobei auch das frühere schwule Gemeinschaftsgefühl sehr wahrscheinlich Ergebnis der Diskriminierung und Verfolgung war. Je gesellschaftlich akzeptierter Homosexualität wird, desto individueller kann sie sein.

§

Durch einen Hinweis im SZ-Feuilleton kam ich auf dieses Gespräch zwischen Jodie Foster und Anthony Hopkins zum Start von Silence of the Lambs vor 30 Jahren:

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https://youtu.be/u2QjdRaLfa8

Hier nachzulesen:
„Jodie Foster and Anthony Hopkins Reunite for ‘Silence of the Lambs’ 30th Anniversary“.

Eine faszinierende Unterhaltung zwischen zwei völlig verschiedenen Künstler*innen. Auf der einen Seite Hopkins als Vollblut-Schauspieler, der eisern behauptet, er täte doch gar nicht mehr als ans Set zu kommen und seinen Text zu sprechen. (Dann aber doch auf Nachbohren beschreibt, woraus sich die Ausgestaltung seines Hannibal Lecter speiste.) Auf der anderen Seite Foster als Intellektuelle, die plant, analysiert, reflektiert, strukturiert. Die vor der Kamera stand, seit sie drei war – weil das halt das Familiengeschäft war (und nebenher erzählt, wie sie sich als Kind am Set damit beschäftigte, mit welcher Linse was aufgenommen wurde und welchen Unterschied das machte). Die laut eigener Aussage wöchentlich beschließt, nie wieder zu schauspielen, weil sie eigentlich keine Schauspielerin sei, sondern Filmemacherin. Ihre Analyse der Figur Clarice Starling fand ich brillant.

Worin sich beide einig sind: Dass der Schlüssel zu einem außergewöhnlich guten Film ein außergewöhnlich gutes Drehbuch ist. Und dass Silence of the Lambs genau das hatte (von Ted Tally).

Journal Mittwoch, 20. Januar 2021 – Gegen Rückenzwicken

Donnerstag, 21. Januar 2021

Der zerstückelte Nachtschlaf endete kurz nach fünf, als mich ein Rumpeln im Müllkammerl unter meinem Schlafzimmer weckte.

Weg in die Arbeit unter leuchtend blauem Morgenhimmel mit rosa Rand. Es hatte weiter getaut, was viele Wege frei, manche sogar trocken machte, doch die vorher nicht geräumten, festgetretenen Abschnitte waren superglatt und rutschig.

In der Arbeit viel Sekretariats-Jonglieren. Mittags Käse mit Birne, dazu eine Breze, ein Apfel, nachmittags Hüttenkäse.

Ein sonniger Tag, mittags drehte ich eine Runde im Hof mit milder Luft. Zu Feierabend packte ich Rechner und ein wenig Zeug ein, da ich am Donnerstag daheim arbeiten würde – ein bisschen Kontakte reduzieren.

Auf dem Heimweg Einkäufe im Supermarkt. Ich kam nicht an den Blumen vorbei (sehr wahrscheinlich Ausbeuterblumen, ich weiß) und nahm gelbe Rosen mit, außerdem kaufte ich von unserer Liste, was ich fand.

Daheim gönnte ich mir wieder Yoga, allerdings nicht das Programm von Adriene: Da es weiterhin in meinem Rücken zwickt und zwackt, erinnerte ich mich an ein Rücken-Special von Mady. Das funktionierte viel besser als vor der Hüft-OP und tat sehr gut.

Abendessen: schlechte Pizza. Zumindest war das die Ansage von Herrn Kaltmamsell. Es hilft zu wissen, dass Herr Kaltmamsell sehr gerne Pizza isst, auch kalt, sogar sagt: „Schlechte Pizza ist immer noch besser als keine Pizza.“ (Das geht mir nicht so.) Zu der Ansage kam es, weil er Pizza von einer Pizzeria holen wollte, bei der wir siet vielen Jahren keine gute bekommen hatten. Im vorletzten Moment bot er mir noch an, auf Vietnamesisch zu wechseln, doch ich kniff nicht.

War dann auch gar nicht schlimm. Sicher keine gute, aber auch keine grauslige Pizza (Rätsel: woraus war der Teig gemacht, der etwas von durchweichtem Knäckebrot hatte?). Herr Kaltmamsell war ganz konsequent pervers und holte eine Pizza Hawaii, ich hatte eine mit Parmesan und Rucola.

Im Fernsehen ließen wir auf arte einen Wes-Anderson-Film laufen, den wir noch nicht gesehen hatten: Die Tiefseetaucher. Sehr schön Wes Anderson (Willem Dafoe schwäbisch synchronisiert, warum nicht; ansonsten typisch: die Schauspieler*innen lächeln praktisch nie), leider war ich zu müde, um ihn ganz zu sehen.

Journal Montag, 28. Dezember 2020 – Lokalinformationen durch Tatort-Schauen

Dienstag, 29. Dezember 2020

Nach Längerem mal wieder eine blöde Nacht: Nach Klogang um zwei schlief ich nicht mehr ein, döste nur die eine oder andere Runde, verbuchte den Rest unter „Ausruhen“.

Der Wecker klingelte eh sehr früh, weil ich wieder die menschenarme erste Stunde nach Öffnung des Reha-Sportstudios nutzen wollte. Das klappte gut, zudem bat ich an diesem vorletzten Nach-Reha-Termin einen Trainer um Rat zu anschließender sportlicher Bewegung. Er verwies zwar zunächst auf den Operateur, der das am besten beurteilen könne, doch der ist weit, und ein Termin bei ihm ist erst zwölf Monate nach OP vorgesehen. Doch dann beantwortete er meine konkreten Fragen. Ich wollte vor allem wissen, wovor ich mich bei meinen Sportplänen besser hüte (Tipp: Radeln erst mal abseits vom Straßenverkehr – wie gut, dass die Theresienwiese ums Eck ist), bei Yoga die nächste Zeit nur langsam in die Positionen kommen, Kraulschwimmen wäre ideal (*schluchz*, zumal gestern dicke Schneeflocken fielen, die eine Draußenrunde im Dantebad wundervoll gemacht hätten), alles andere langsam steigern, echtes Warnsignal wäre ein stechender Schmerz, der anhält. Wunderbar, ich fühle mich gerüstet für die nächsten Monate.

Die ausführliche Reha-Runde lief dann gut. Ich nutzte die frühe Stunde zudem für Einkäufe im Edeka unterm Rehazentrum; zwar wurden noch Regale bestückt, doch es waren kaum Kund*innen da. Alltags-Einkaufsliste (vor allem Bestand wie Senf, Essiggurken, Majo, zudem Zutaten fürs Abendessen) war hiermit abgehakt.

Daheim zwickte es wie schon in den vergangenen Tagen im Kreuz. Trotz Unlust ließ ich mir ein Entspannungsbad ein, das tatsächlich half. Die Wirkung war allerdings nach einer Stunde Sitzen am Tisch (Frühstück Quark mit Granatapfel und Birne) verflogen, ich setzte mich mit Füßehoch aufs Bett und las die Süddeutsche.

Im München-Teil schrieb Holger Gertz über 30 Jahre München-Tatort mit Ivo Batic und Franz Leitmayr (€): „Ein Münchner Denkmal“. Ich vertraute seinem Urteil, weil eine der ausführlich besprochenen Folgen „Frau Bu lacht“ von 1995 ist, die auch ich für ein Highlight der Tatort-Geschichte halte. Ebenfalls besonderes Lob von Goetz bekam „Der oide Depp“, eine Folge von 2008.

Das schwarz-weiße München der Sechziger, tatsächlich mit original Sequenzen aus „Funkstreife Isar 12“, wird amalgamiert mit dem München des Jahres 2008. Der Zuschauer schaut in die Vergangenheit der Schwanthalerstraße, und in der Gegenwart sagen die Kommissare, wo sie gerade sind, indem sie ins Handy rufen: „Batic hier, wir brauchen einen Notarztwagen, Landwehrstraße, Foto Würzbauer.“ Und so entsteht ein Film, der eine Zeit lebendig werden lässt, als die Polizei noch dealte mit den Luden und tote Prostituierte nur Kollateralschäden waren.

Die kannte ich nicht, und so sah ich sie mir auf YouTube an. Wirklich gut, und Jörg Hube, der ein Jahr später starb, spielt den jovialen Arsch wunderbar understatet. Was Gertz nicht erwähnt: Einer Münchnerin liefern München-Tatorte immer wieder Informationen über den Zustand und die Veränderungen von Stadtvierteln, in die sie selten kommt, zum Beispiel dass eine Großbaustelle jetzt abgeschlossen ist.

Das Wetter war immer noch grau und regnerisch, trotzdem wollte ich kurz an die frische Luft (dieses Bedürfnis ist ziemlich klar ein Symptom für Erwachsensein). Vor der Wohnungstür stand eine Flasche Schaumwein mit einem lieben Gruß von den Drübernachbarn: Entschuldigung für die fehlende Stille der Nächte davor, sehr charmant.

Ich ging zackig zum und durch den Alten Südfriedhof – vor der OP ein ausführlicher Spaziergang, jetzt eine halbe Stunde Bewegung, so schön! Es wurde Nacht, und der Regen verwandelte sich langsam in dicke, schwere Schneeflocken.

Dieses alte, verwitterte Grab, kein Name erkennbar, hatte eine volle Wucht Weihnachten abbekommen – ob wohl eine Geschichte dahintersteckt?

Daheim gab’s Stollen und Lesen, bis es Zeit war, das Abendessen zuzubereiten: Ich machte Cheese and Spinach Pancake Pie, der sehr gut wurde. Zum Nachtisch gab’s griechischen Joghurt mit Quitten in Sirup, im Fernsehen lief Henckel von Donnersmarcks Werk ohne Autor mit hervorragenden Darsteller*innen und zweifelhaftem Drehbuch, nach einer guten Stunde schaltete ich ab – nicht nur wegen der vielen Anachronismen in Sprache und Handlung (wenn hier historischer Realismus unwichtig ist, sollte man nicht optisch den Anschein historischer Genauigkeit erwecken wollen, es gibt Alternativen).
Nachtrag: Hahaha, auch SZ-Autorin Johanna Adorján musste den Film abbrechen: „Männer – Florian“.

Journal Samstag, 12. Dezember 2020 – #12von12

Sonntag, 13. Dezember 2020

Gestern kein gezieltes Fotografieren für das allmonatliche #12von12: Ich wollte erst beim Fotosichten entscheiden, ob ich 12 zusammenkriegen würde, die den Tag dokumentieren könnten. Klappte ganz knapp, richtig gute Bilder sind diesmal nicht dabei.

Ausgeschlafen, aber nur bis sieben. Das reichte, um mich zu erfrischen.

1 – Erster Morgenkaffee aus dem Maxvorstädter Espressopulver: Schmeckte sehr gut, genau so schokoladig-nussig, wie ich es erbeten hatte.

2 – Aus Gründen messe ich seit ein paar Monaten allmorgendlich meinen Blutdruck.
Gemütliches Bloggen und Twitterlesen bei nur langsam wachsender Tageshelle, es blieb grau und regnerisch. Nach Katzenwäsche zog ich mich um für etwas sportliche Bewegung. Erst mal Bankstütz, Seitstütz, dann auf den Crosstrainer.

3 – Links eine überwinternde Balkonpflanze. Im Anschluss ans Strampeln ein paar wenige Reha-Übungen.

4 – Gewicht auf den hinteren Fuß auf rutschiger Unterlage. Die Übung besteht darin, den Fuß ein wenig nach außen zu drehen (von 12 Uhr auf 11 Uhr) und wieder zurück (3×30 Mal auf beiden Seiten). Damit, so hatte mir der Trainer in der Reha-Klinik erklärt, werde ein kleiner Muskel trainiert, den wir für ganz viele Alltagsbewegungen brauchen.

5 – Zum Frühstück gab’s zwei Scheiben Geiersthaler Sonne, die mir besonders gut gelungen war.

Nach ein wenig Zeitunglesen wollte ich dringend nach draußen. Es sprühregnete zwar immer wieder, manchmal war aber sogar blauer Himmel zu erahnen. Ich spazierte auf den Alten Südfriedhof.

6 – Große Eichhörnchenparty, aber wenige Menschen.

7 – Meistersinger und Damenschuhmachermeister. Der Hans-Moser-Film dazu schreibt sich praktisch von selbst.

Kurz vor der ehemaligen Aussegnungshalle traf ich zwei Bloggerinnen/Twitterinnen (nein, wir sind noch nicht in diesem Alter; das sind wir erst, wenn wir bei zufälligen Begegnungen auf dem Friedhof Gießkannen in der Hand haben): @dyfustic kannte ich schon lange auch persönlich, @deuxcvsix traf ich zum ersten Mal in Echt. Beiden hatten Kameras mit SONNE Objektiven dabei, sie waren auf Fotopirsch. Wir fachsimpelten über Vögelchen (Berichte von Eisvogel-Sichtungen an der Isar!) und Eichhörnchen.

8 – Blick von der Wittelsbacherbrücke auf eine sehr niedrig stehende Isar, es ist weiterhin viel zu trocken.

Gehen ging sehr gut, deutlich über eine Stunde lang. (Und schon fasziniere ich Isarjoggen ab April.)

Kurz vorm Heimkommen sah ich im Nußbaumpark ein winziges Vögelchen in annähernd Kohlmeisenfarben, das mir neu war.

9 – Genau hier hatte es eben gerade von Beeren genascht, echt ehrlich! (Aus mir wird sowas von nie eine Tierfotografin.) Daheim schlug ich nach, was das wohl gerade war: Ich hatte mein erstes Wintergoldhähnchen gesehen!

Als ich heimkam, war mein Mantel schwer vom aufgesaugten Nieselregen.
Nachmittagssnack: Ein Stück Käse, Mandarinen, Trauben. Ich holte die jüngste Folge Kroymann in der ARD-Mediathek nach. Zeitunglesen, Twitterlesen.

10 – Die Vorschläge sind durchgehend großartig. (Ich würde ja einen Aufsatz zu diesem Straßenschild beitragen.)

11 – Herr Kaltmamsell hatte den Nachmittag mit Weihnachtsbäckerei verbracht, allerdings englischer. Dieses Mince-Pie-Rezept hatte er bereits seit Monaten ausprobieren wollen, doch ich hatte ihn im Sommer daran gehindert. (Also bitte: Als nächstes dann Zimtsternebacken in Mai?) Jetzt war endlich die richtige Jahreszeit dafür. Leider hatte ich vergessen, dass meine Muffin-Bleche (für billigstes Geld als Studentin in Wales gekauft, lange bevor Muffins hierzulande echten Kuchen auf Partys und als Bürokuchen fast komplett verdrängten) auch bei noch so gutem Buttern das Backgut nicht mehr hergaben. Nutzung nur mit Backpapier. Herr Kaltmamsell war auch insgesamt mit dem Teig nicht zufrieden. Die beiden Mince Pies, die ich später als Dessert aß, schmeckten aber hervorragend.

Fürs Abendessen wiederum sorgte ich.

12 – Ich machte nochmal spanische Empanada, diesmal allerdings mit Hefeteig und weitgehend freihändig. Teig wurde ein Hefeteig mit ordentlich Olivenöl drin (gut zu verarbeiten, ging allerdings wegen des Öls wenig auf), in die Füllung kam neben der Basis aus Zwiebel, Knoblauch, roter Paprika, Tomate (tomate frito baue ich mit verdünntem Tomatenmark nach), geräuchertem Paprikapulver diesmal Thunfisch.

Schmeckte ganz hervorragend. (Vorher gab’s Cocktails Sir Walter, vor allem weil eine Zitrone ohne Schale wegmusste.)

Abendunterhaltung war ein Weihnachtsfilm. Ich hatte mich auf der Suche nach einem Ersatz für Love Actually (ich ertrage seit einigen Jahren die fast durchwegs unguten und destruktiven Liebesbeziehungen darin nicht mehr) an The Long Kiss Goodnight mit Geena Davis erinnert, auf Deutsch Tödliche Weihnacht. Herr Kaltmamsell hatte den Film unsynchronisiert auf Vimeo gefunden, außerdem zu meiner Überraschung erzählt, dass er den noch nie gesehen habe.

Hatte sich ganz gut gehalten, allein die Stimme von Geena Davis ist die Originalversion wert.

§

Ich fand alle Teile der kleinen Serie #FrageinenJuden von Marina Weisband und Eliyah Havemann bereichernd. Im vorerst letzten, fünften Teil unterhalten sich die beiden über Antisemitismus. Spannend ist schon mal ihr Versuch, die Frage zu benantworten: „Warum werden Juden gehasst?“ Während Marinas Ansätze psychologisch, soziologisch, historisch sind (Diaspora, feste kulturelle Identität, Geldverleihen etc.), weigert sich Eliyah, die Frage überhaupt zu beantworten: Seiner Ansicht nach braucht Hass keinen Grund.

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https://youtu.be/svaTlmcom10

(Nicht die Kommentare lesen. Außer Sie brauchen Argumente/Beispiele für strukturellen oder konkreten Antisemitismus.)


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