Filme

Journal Sonntag, 11. Juli 2021 – Elternrunde und Black Widow

Montag, 12. Juli 2021

Gute Nacht, wieder in Bett und Zimmer von Herrn Kaltmamsell, früher als nötig aufgewacht: Wir waren bei den Schwiegers in Augsburg eingeladen.

Draußen Regen, wir benötigten für den Weg zum Bahnhof Schirme. Auf der Bahnhfahrt tauschte ich mich mit Herrn Kaltmamsell über unsere jeweiligen Vorabende aus: Er hatte in Gesprächen auf einer Gartenparty viel Interessantes über die Welt anderer Menschen erfahren, ich im Biergartengespräch mit Freundin.

In Augsburg war das Wetter heiterer. Auch meine Eltern kamen angereist, fröhliches Wiedersehen von sechs Vollgeimpften mit vielen Umarmungen. Wir stießen mit Sekt auf das Wiedersehen an, zum Mittagessen ging es in ein italienisches Restaurant. Es war so mild und sonnig geworden, dass wir zu sechst draußen sitzen konnten (wenn auch einmal kurz von Regentropfen aus einer tückischen Wolke vor blauem Himmel angespritzt). Ich aß sehr guten Seeteufel in einer Kirschtomaten-Krabben-Orangen-Sauce, trank dazu alkoholfreies Weißbier (schmeckt mir derzeit besonders). Wir ließen den Nachtisch aus und tranken nur Espresso, zurück bei Schwiegers gab’s nämlich Torte.

Die Schwiegers hatten wieder ein neues Rezept getestet (Herr Schwieger recherchiert im Web, Frau Schwieger setzt um), und es war sehr gut gelungen (über die Verbesserbarkeit des Rührteig-Bodens herrschte Uneinigkeit).

Herr Kaltmamsell und ich ließen uns von meinen Eltern auf deren Heimweg am Bahnhof absetzen. Daheim in München blieb noch Zeit für ein wenig Räumen und Bügeln, bevor wir Richtung Kino aufbrachen: Ich hatte Tickets für eine Vorstellung Black Widow im Cinema. Da Herr Kaltmamsell bei der Essensplanung fürs Wochenende Popcorn als Nachtmahl eingeplant hatte, wollte ich auch welches (süß) und genoss es sehr. Bereits beim Ticketkauf hatte ich gesehen, dass nur ein Viertel der Plätze im Kino buchbar waren, entsprechend seltsam licht besetzt war der Blockbuster zu Kinostart.

Der Film gefiel mir sehr gut – aber ich mag ja auch grundsätzlich Superheldenfilme, das ist die Voraussetzung. In diesem geht es um Familie, zwar schon auch um die biologische, aber viel darum, was Familie ausmacht. Klar kracht und bummt es gehörig, es wird in vielen Varianten geschlägert – aber man sieht auch einmal kurz die blauen Flecken auf dem Rücken der Hauptfigur Natascha nach solch einem Kampf.

Und es gibt eine ironische Metaebene, ohne die ich heute solche Filme nicht mehr akzeptiere: Das geradeaus Heldenhafte hatte auf mich schon immer lächerlich gewirkt (ein Grund, warum ich den Filmkosmos um Herr der Ringe so uninteressant finde), und Hancock von 2008 hatte endlich die Tür aufgemacht für all die Alltagsfragen, die so ein Superheldenleben aufwirft. Hier ist es Nataschas (von Florence Pugh wundervoll gespielte) Schwester Yelena, die sich über die Weltberühmtheit der Avengers lustig macht und fragt, warum Natascha bitte immer so melodramatisch in Dreipunktlandung auftaucht. Scarlett Johansson macht ihre Sache ganz ausgezeichnet und darf selbst als Superheldin facettenreich spielen, laut und leise, und sie darf so alt aussehen, wie sie ist. (Kleinigkeiten, die mir groß auffallen: Die beiden Hauptfiguren tragen die erste Hälfte des Films praktische Kleidung, in der sich gut kämpfen lässt, und dürfen ihre langen Haare zurückbinden!) Genauso ungeglättet und großartig Rachel Weisz. Ohnehin agieren fast ausschließlich Frauen – ohne dass der Film weniger superheldig wirkte. Geht doch.

Als wir um neun aus dem Kino kamen, war der Himmel noch hell – und überraschenderweise wolkenlos. Wir spazierten die Panoramastrecke über die Hackerbrücke heim.

Schwanthalerhöhe.

St. Paul zeigt Flagge.

Journal Sonntag, 4. Juli 2021 – Zurück im Turnsaal und Wonder Woman 1984

Montag, 5. Juli 2021

Abenteuerliche Nacht mit abwechselndem Schwitzen und Frieren (irgendwann aufgestanden und Zusatzdecke geholt), dank Sonntagsausschlafen müsste ich netto aber auf sieben Stunden gekommen sein.

Nach dem Morgenkaffee schob ich den Sonntagszopf in den Ofen. Das Draußen war düster und kühl.

Abenteuer 1 des Tages: Nach über zwei Jahren Pause eine Live-Sportstunde. Der Newsletter des MTV (ich blieb auch während Krankheitsausfall und Pandemieschließung Mitglied und zahlte meinen Beitrag, verbuchte ihn als Spende für Gesellschaftsnutzen und Denkmalpflege – schließlich wurde gerade die historische Sporthalle mit viel Aufwand restauriert) hatte einige Hybrid-Turnstunden im Rahmen des Münchner Sportfestivals angekündigt. Sonntag 10 bis 11 Uhr sowie das Thema „Faszien & Mobility“ lasen sich perfekt, ich meldete mich für den Live-Teil in den frisch renovierten Sporträumen Häberlstraße an. (Anmeldung läuft beim MTV über die Plattform mygympoint, auf der ich dafür erst mal einen Account einrichten musste.)

Zu den Pandemie-Modalitäten gehörte die Bitte, bereits in Sportkleidung zu kommen und sich danach daheim zu duschen, zudem eine eigene Matte mitzubringen. Ich zog also mit Matte und in Sportkleidung los. Weitere Modalität: Angemeldete Live-Teilnehmerinnen warten am Parkplatz vor dem Gebäude, werden dort von der Vorturnerin abgeholt. Es hatte zu regnen begonnen, ich stellte mich unter einem Ahornbaum unter, bis ich abgeholt wurde. Wir waren dann im übersichtlichen Turnraum drei Mitturnerinnen (Anmelde-Höchstzahl war 14 gewesen), die Vorturnerin hatte zwischen sich und uns einen Hocker mit Laptop stehen, damit wurde die Stunde live im Web übertragen. Der Verein hatte in den Zeiten Corona-bedingter Schließungen ein umfangreiches Sportprogramm online angeboten, die Neuerung waren also wir Live-Teilnehmerinnen.

Schnell stellte ich fest, dass ich mich für die falsche Matte entschieden hatte: Diese weiche Kraftsportmatte rutschte zu sehr und gab zu stark nach. Die Faszienübungen umfassten nämlich viele Bewegungen barfuß mit Schwung im Stehen und um die Achse der Wirbelsäule (sehr eigenartig, genau das zu tun, was einem im Krafttraining abgewöhnt wird), dafür hätte ich den guten Halt auf der Yogamatte gebraucht. Ich schob meine Matte zur Seite und hielt mich am nackten Boden fest. Schon jetzt war mir recht warm, doch das zweite Drittel „Mobilität“ brachte mich richtig ins Schwitzen. Es bestand aus Übungen, wie ich sie vom Aufwärmen für Cardiotraining kannte, gemischt mit Yoga. Ich hätte ein Stirnband brauchen können, ohne tropfte ich lustig auf den Hallenboden und musste immer wieder mit meinem Handtuch wischen. Es folgte eine weitere Runde Schwingen, dann Dehnen mit Yogahaltungen/-flows (ohne dass dafür Yoga-Terminologie verwendet worden wäre).

Oh – das war so schön! Jetzt weiß ich, was mir in den vergangenen beiden Jahren am meisten gefehlt hat. Und mir wurde klar, dass sich für mich ganz persönlich die Einschränkungen durch kaputte Hüfte (nur sehr ausgewählter Sport, kein Wandern, wenig Spazieren, Schmerzen) und die durch Pandedmie (Meiden von Menschennähe, geschlossene Sportanlagen) vermischt hatten. Turnen in der Gruppe ist für mich einfach etwas ganz anderes: Interaktion mit Vorturnerin, Echtzeit-Ablauf sowie Mitturnerinnen lenken aufs Angenehmste von der eigentlichen Anstrengung ab.

Anschließend plauderte die Vorturnerin noch mit uns, erklärte die Hintergründe dieser Trainingsform, die laut ihr gerade auf dem Vormarsch ist. Kann ich mir gut vorstellen, scheint mir tatsächlich eine Lücke im Ausgleichssport zu füllen. Nun weiß ich, wie das heißt, und kann gezielt danach suchen. (Und fand gleich heraus, dass es ein paar Aufzeichnung von Trainings „Faszien & Mobility“ mit der Vorturnerin auf YouTube gibt.)

Im Freien trat ich in einen recht sonnigen Tagesabschnitt, nach dem Duschen setzte ich mich zum Frühstücken auf den Balkon.

Zwei dicke Scheiben Hefezopf mit Butter und Quittengelee, außerdem Pfirsiche und Nektarinen (weitgehend geschmacksfrei) mit Joghurt. Dazu ein zweiter (!) Cappuccino.

Es hatte sich ein knappes Stündchen Bügelwäsche angesammelt, und ich stellte mal wieder fest, wie schlecht die Bügelhaltung für meinen Nacken und Rücken ist – auch wenn ich so aufrecht stehe wie möglich. Sollte das Faszientrallala am Vormittag eine positive Wirkung gehabt haben, war diese hiermit weggebügelt.

Unsere Balkon-Deko-Stangenbohnen sind in der hübschen Blüh-Phase.

Abenteuer 2 des Tages: Kino! Ich hatte Tickets für Wonder Woman 1984 in den Museum Lichtspielen gebucht, weil dieser Film auch Herrn Kaltmamsell interessierte. Dorthin spazierten wir nachmittags. Für drinnen waren Masken vorgeschrieben, außerdem wurden wir im Kino von einem Angestellten gesetzt, um Abstand zwischen allen Zuschauenden zu sichern, unterm Strich waren ein Drittel der Sitze im Vorführraum genutzt. Der Film war dann eher enttäuschend, vor allem da mir der erste Wonder Woman so gut gefallen hatte: Das Drehbuch war einfach schlecht, angefangen von der Geschichte über zahllose Längen, redundant erzählten Inhalten bis zu lieblos gezeichneten Figuren.

Als wir aus dem Kino kamen, regnete es energisch. Herr Kaltmamsell hatte zum Glück einen Schirm einstecken, unter dem spazierten wir – jeweils an der Außenseite nass werdend – nach Hause, stellten uns nur einmal unter, als der Regen zu heftig goss.

Nachtmahl: Mich hatten die Salatgurken zu Tsatsiki inspiriert, Herr Kaltmamsell briet dazu herrliche Lammkoteletts.

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In meinem Internet von ganz früher passierte das regelmäßig: Wett-Dichten in Blog-Kommentaren. Maximilian Buddenbohm hat die einstige Bloggeria nochmal dazu bewegt:
„Dagegen“.

Journal Dienstag, 22. Juni 2021 – Schwarzer Adler

Mittwoch, 23. Juni 2021

Diesmal keine großen Löcher im Schlaf, selbst nach dem vierten Aufwachen um fünf schlief ich nochmal ein, little blessings. Das Gewitter hatte die Draußenluft wunderbar gereinigt und gekühlt.

Wieder morgens die Orthopädenübungen – wenig überraschend sind die Rückenschmerzen so unangenehm wie bisher, stören mich immer wieder beim Atmen.

Auf der Theresienwiese blauen jetzt die Wegwarten, drumrum ein Hauch Lindenparfum.

Zum Gegencheck des ersten Eindrucks den Vormittags-Cappuccino wieder mit Hafermilch bestellt: Doch, schmeckt mir gut, ich mag ja auch Hafermilch.

Mittags ein Laugenzöpferl sowie Flachpfirsich (weitgehend geschmacklos) mit Joghurt, nachmittags ein großes Stück schwarze Schokolade.

Das Wetter sah immer wieder gewittrig aus, einmal regnete es kurz, doch auf dem Heimweg war es schon wieder recht warm (deutlich jackenlos). Ich erledigte kurz Einkäufe fürs Abendessen, denn Herr Kaltmamsell brauchte für den angekündigten Nackthafer (aus Ernteanteil) mit Gemüse noch den Gemüseanteil (Tomate, Gurke, Paprika, Schnittlauch, Zitrone). Den gab es nach meiner Yoga-Einheit (diesmal sanfter). Danach viel Schokolade, während draußen wieder Regen eingesetzt hatte.

Für den Abend hatte ich eine in meinem Internet viel besprochene Doku vorgemerkt:
Schwarzer Adler, die Geschichte schwarzer Fußballnationalspieler*innen im weißen DFB-Trikot.

Sie stellte sich als richtig, richtig gut gemachter Dokumentarfilm heraus: Sehr aufwendig, originelles Konzept, klug gemacht. Zur Sprache kommen nur die Sportlerinnen und Sportler, um die es geht, aus drei Fußballer*innengenerationen. Es gibt keine Erklärtexte, nur kurze Zwischentitel; die Sach-Informationen ergeben sich aus den Aussagen, aus Archivbildern, aus Ansichten von Stadien und Vereinslogos (für Kenner*innen der Bundesliga-Geschichte ergeben sich dadurch vermutlich zusätzlich vielsagende Hintergründe, doch auch ohne diese fühlte ich mich nicht außen vor).

Die 99 Minuten Film sind einfach schon durch die Protagist*innen fesselnd: So viele unterschiedliche Persönlichkeiten von zurückhaltend bis Showman, von ernst bis spaßig – aber durchwegs alle überraschend analytisch, selbstreflektiert und sehr wortgewandt (Vorsatz: mir ab sofort jede Häme über angeblich beschränkten Intellekt von Profi-Fußballern verkneifen).

Das Ergebnis ist bitter, bestürzend, traurig, auch wenn ich mir nie Illusionen über den Rassismus in unserer Gesellschaft und im deutschen Profisport gemacht habe (allein schon die Beschreibung von Gerald Asamoah, wie er als Einwanderer aus Ghana in Deutschland überhaupt erst das Konzept Rassismus lernte – am eigenen Erleben). Immer wieder enthält die Doku Originalausschnitte aus alten Fernsehsendungen (u.a. Aktuelles Sportstudio, das den Film mitpräsentiert) mit superpeinlichen weil rassistischen und sexistischen Fragen und Moderationen – die sofort bei mir das Erschrecken auslösten, was uns in 20 Jahren wohl rückblickend superpeinlich sein wird weil diskriminierend.

Empfehlung, auch wegen der vorbildlichen Herangehensweise ans Thema.

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Hahahaha – es gibt ja DOCH eine schnelle und legale Methode, aus den Anwohnerparkplätzen in der Innenstadt gemütliche Lebenszonen zu machen (*klickt Gebrauchtwagenangebote durch*).

Journal Samstag, 19. Juni 2021 – Familien- und Freundes-Geselligkeit in großer Hitze

Sonntag, 20. Juni 2021

Ich hatte mir wegen einer Frühstückseinladung den Wecker gestellt, wachte aber leider eh schon um fünf auf. Bloggen und Morgenkaffee auf dem Balkon, es war bereits warm.

Der morgentliche Gang zum Hauptbahnhof in diesiger Sonne kurz vor acht war noch ok, doch es wurde minütlich schwüler und heißer.

In Ingolstadt gab es wie schon bei den letzten Malen eine passgenaue Busverbindung vom Bahnhof Audi zum Zielort. Die existiert jetzt schon seit über einem Jahr und steht in so großem Kontrast zum sonstigen erbärmlichen Ingolstädter Öffentlichen Nahverkehr, dass da ein Haufen Leute offensichtlich nicht aufgepasst hat.

Zur Begrüßung bei auch kleinen Geselligkeiten gehört in der derzeitigen Phase der Pandemie (Inzidenzwerte in Deutschland weiter sinkend, doch die noch ansteckendere Delta-Variante hat in Großbritannien bereits zum Stopp von weiteren Lockerungen geführt, gestern in Portugal zu Abriegelung Lissabons), dass man einander Impf- und Teststatus erzählt.

Wir saßen im Garten in immer neu justiertem Schatten, es gab Sekt (Geburtstage waren zu feiern), Würscht mit Breze, Frühstücksbuffet. Ich genoss es sehr, mit sympathischen und geliebten Menschen beisammen zu sein (es saßen auch zwei Mitglieder des eben gewählten neuen Ingolstädter Jugendparlaments am Tisch), in launigen Gesprächen erfuhr ich viel Neues und Interessantes.

Am frühen Nachmittag ließen wir uns vom Bus zurück zum Bahnhof Audi fahren (ich hatte eigentlich einen Spaziergang dorthin geplant, doch es war wirklich zu heiß).

Sommeridyll.

Daheim (Wohnung angenehm temperiert) hatte ich Lust auf geeisten Milchkaffee: Wie gut, dass ich noch koffeinfreies Esperssopulver hatte. Erschöpft – auch durch einige Nächte mit schlechtem Schlaf – hielt ich eine späte Siesta. Danach war ich munterer und machte mich an die Abschlussfolge von Adrienes Yoga-Programm Breath – wie alle ihre Abschlussfolgen ohne Ansage. Ich absolvierte die 50 Minuten also größtenteils mit verdrehtem Kopf, um die Bewegungen vom Fernsehbildschirm abzugucken. Und schwitzte dabei so, dass ich die Yogamatte anschließend erst mal trocknen lassen musste.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Glasnudelsalat mit Kräutern, Krabben und Soja-Hack gemacht, war genau das Richtige. Zum Nachtisch servierte er selbst gemachten Waldmeister-Wackelpudding, der sehr nett zu kauen war (ich mag Wackelpudding), aber dann doch nur nach dem Apfelsaft der Grundlage schmeckte. Zweiter Nachtisch: Schokolade.

§

Fachjournalistin Cristina Nord beschreibt im Filmmagazin Cargo, dass sie alte Lieblingsfilme inzwischen ganz anders erlebt. (Genau das war eines der Gesprächsthemen am gestrigen Frühstückstisch, mir geht es ähnlich. Eine Mitrednerin erzählte sogar, ihr sei dadurch die Pandemieflucht in alte Filme abgeschnitten worden: Es habe sie so oft geschüttelt, dass sie ganz aufhörte.)

„Beide Augen schließen sich
Nach #metoo: Wie sich mein Blick aufs Kino verschoben hat“.

Es ist zu viel passiert, als dass ich die Misogynie abspalten und das ästhetische Raffinement feiern oder mich mit der These von der hochgradigen Fiktionalität des Genre-Kinos trösten wollte. #metoo hat eine Desillusionierung besiegelt, die daraus resultiert, dass es die meisten Ausprägungen des Kinos mit Frauen nicht besonders gut meinen und feministische Cinephile oder cinephile Feministinnen dadurch in eine Zwickmühle geraten.

(…)

Die Ernüchterung speist sich aus der anhaltenden Marginalisierung von Filmemacherinnen ebenso wie aus dem Fortdauern stereotyper Plotkonstellationen, aus der Abwesenheit komplexer und widersprüchlicher weiblicher Figuren und aus der kaum veränderten Organisation des ästhetischen Genusses. Laura Mulveys Theorie vom male gaze, dem sich das Kino darbietet, ist Jahrzehnte alt; sie wurde in der Zwischenzeit von anderen Theorien aufgegriffen, transformiert, erweitert, verfeinert, in Frage gestellt und de-essenzialisiert. Aus dem akademischen Diskurs über Filme ist sie nicht wegzudenken, aus dem Œu­v­re Céline Sciammas, Constanze Ruhms oder Tatjana Turanskyjs auch nicht. Aber wurde sie wirklich breit rezipiert, auf eine Weise, die Folgen gehabt hätte?

(…)

Seit die Verbrechen Harvey Weinsteins publik wurden, führt kein Weg daran vorbei, den Status Quo zur Kenntnis zu nehmen. Und der ist ja nicht nur in den Filmen ein Problem, er ist es auch in ihrer Produktion. Es lässt sich nicht länger leugnen, wie verbreitet sexualisierte Gewalt in der Filmindustrie ist und wie riskant Frauen und Männer leben, wenn sie es als Schauspieler*innen oder Set Designer, als Location Scouts oder Regieassistent*innen mit Leuten zu tun bekommen, die ihre Macht ausnutzen.

§

Die erste deutschsprachige Blog-Plattform Antville startete vor 20 Jahren (als ich mich 2003 nach Blog-Möglichkeiten umsah, hatte sie bereits die Pforten für Neuanmeldungen geschlossen). Das waren (neben nur wenigen anderen) die Blogs, die ich als erste las – und sie habe ich bis heute vor Augen, wenn ich mir die Online-Kultur vorstelle, die ich gerne hätte. Katatonik gehörte von Anfang an dazu und erinnert sich:
„20 Jahre Antville.org: Ameisenhaufen oder doch eher Ameisenstraßen“.

Journal Dienstag, 27. April 2021 – Umtriebiger Feierabend

Mittwoch, 28. April 2021

Wieder Morgenkaffee am Küchentisch, das gefiel mir.

Arbeitsweg in wunderbarem Frühlingslicht.

Mittags gab’s Tomaten (mit erstaunlich viel Aroma) mit Ricotta Salata – wie konnte ich vergessen, dass die so gut schmeckt? Nachmittags eine Orange.

So sieht übrigens meine Brille aus – für Sie vermutlich eine Enttäuschung nach all dieser Pracht.

Zu Feierabend packte ich meinen Arbeitsrechner und ein wenig Drumrumzeug ein, weil ich am Mittwoch mal wieder daheim arbeiten wollte, ich hatte dafür taugliche Arbeit gesammelt.

Trotz schönen Wetter war es weiterhin gar nicht so warm, auch nicht in der Sonne (also dem April angemessen). Nach einem recht zackigen Arbeitstag konnte ich auf dem Heimweg aber den Ledermantel offen tragen.

Der Feierabend wurde dann deutlich hektischer als erwartet.
Herr Kaltmamsell war hinausgefahren zum Ikea nach Eching: Dort hatte ich eine Lampe für persönliche Abholung bestellen können, die mir sehr gut für unseren Flur gefiel und die es nicht mehr lieferbar gab. Als er wegen voller Hände beim Heimkommen klingelte, telefonierte ich gerade mit meiner Mutter und kämpfte mit der neuen Klingelanlage (installiert mit Kamera wegen neuen Hoftors gegen Gschwerl im Hinterhof), doch dann klingelte auch noch mein Handy: Die für Mittwoch angekündigte Schranklieferung kam dann doch schon gestern Abend an. Und eigentlich hatte ich da längst das Abendessen bestellen wollen. Also übernahm Herr Kaltmamsell Speditionswartedienst, während ich zu Servus Habibi ging (man kann jetzt auch online bestellen, hurra!). Ich wurde wieder herzlich begrüßt, beim Warten auf die Speisen mit einem Stamperl Jägermeister versorgt (der schmeckt ja deutlich besser als ich erwartet hatte, sogar richtig gut!).

Daheim mussten wir aber das Essen kalt werden lassen, denn erst jetzt kamen die sechs Schrank-Pakete. Ich konnte den beiden Liefer-Herren nicht mal einen schönen Feierabend wünschen: Sie erzählten, dass sie nach uns noch fünf Kunden zu beliefern hatten.

Auch nicht mehr warm schmeckte das Abendessen sehr gut, das Labneh sogar ganz hervorragend.

Zur Abendunterhaltung ließen wir die aufwändige Komissar-Maigret-Neuverfilmung mit Rowan Atkinson laufen – der in der komplett unkomischen Rolle hervorragend spielte.

Journal Karfreitag, 2. April 2021 – Drosten-Podcast, Film Blaues Licht

Samstag, 3. April 2021

Gemischte Nacht. Aber ein Schlafabschnitt war fast vier Stunden lang.

Nach Kaffee, Bloggen, Wäschewaschen suchte ich bei Fitnessblender ein heimisches Cardiotraining ohne lärmenden Crosstrainer – auf dieser Plattform vergeblich (möglicherweise weil ich als Mindestdauer 45 Minuten eingegeben hatte, aber da ich meinen Puls langsam hochbringen muss, sonst roter Kopf und Atemnot, fängt der Cardioteil bei mir erst nach 20 Minuten richtig an). Ich entschied mich dann doch für eine bekannte Folge Fitnessblender-Rundumtraining, die ich zuletzt wohl vor anderthalb Jahren geschafft hatte (bevor mich die kaputte Hüfte an dem Spaß hinderte). Und stellte zu meiner Überraschung und Freude fest: Das ging wieder! Alles! Auch Squats und (langsame) Ausfallschritte! Sogar die Liegestütz, wenn auch auf Knien (die regelmäßige Yoga-Abfolge Bankstütz – langsam herablassen zu Kobra hatte mich gut darauf vorbereitet)! Das Ganze strengte mich ordentlich an, inklusive Warm-up und Dehnen kam ich auf eine gute Stunde Training.

Frühstück: Erster Gang war ein Rest Grü Soß mit kalten Salzkartoffeln, zweiter Gang Colomba pasquale.

Nach grauem Morgen war der Tag doch noch sonnig und mild geworden, es konnten viele Fenster offen stehen. Mit Blick in die knospenden Bäume ringsum saß ich in einem Sessel und las die Feiertagsausgabe Süddeutsche.

Gebügelt, dabei die vielfach empfohlene aktuelle Folge NDR-Corona-Podcast angehört:
„Drosten: Ohne Lockdown geht es wohl nicht“.

Die gute Stunde Gespräch war genau so großartig wie empfohlen. Am Anfang beantwortet Christian Drosten die Frage nach seiner Einschätzung der Indien-Mutante zwar so sorgfältig, dass ich kein Wort verstand (und mich an seiner Schlussfolgerung festhielt) – wahrscheinlich musste man dafür Vorgänger-Folgen kennen. Aber dann ging es ausführlich um die fünf zentralen Mechanismen von Fehlinformationen/Wissenschaftsleugnung: Pseudoexperten, Logikfehler, unerfüllbare Erwartungen, Rosinen-Pickerei, Verschwörungs-Mythen – PLURV abgekürzt, hier eine Kurzerklärung. Drosten führt für alle aktuelle Beispiele an – mal wieder druckreif. Alternativ zum Hören gibt es hier das Transkript der Folge zum Nachlesen.

In weiterhin angenehmer Sonne säuberte ich den Küchenbalkon und holte die alten Balkonmöbel aus dem Keller geholt – ein Glück, dass wir sie vergangenes Jahre nach Einzug der neuen, edlen Balkonmöbel nicht gleich weggegeben hatten.

Nachmittagssnack: Torrijas und mehr Colomba.

Dann folgte ich endlich einer weiteren Empfehlung, nämlich der des Street-Art-affinen Neffen 1, und schaute den Film Blaues Licht an, ein Werk des Künstlerkollektivs Rocco und seine Brüder, das 2019 ins Kino kam (Link führt zu Vimeo, der Film ist frei verfügbar). Auch den empfehle ich hiermit weiter, die Mischung aus Dokumentarfilm, Spielfilm in Dokumentarfilm-Anmutung („Mockumentary“), Theater mit seinen typischen Erzähltechniken und bildender Kunst gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Fürs Abendessen sorgte ich: Aus den Roten Beten des Ernteanteils wurde Gratin mit Schafskäse und Minze, dazu ebenfalls aus Ernteanteil Postelein-Salat. Nachtisch Schololade.

Journal Mittwoch, 31. März 2021 – Frühling mit aller Wucht, Start in die Osterferien

Donnerstag, 1. April 2021

Gemischte Nacht, vor dem Weckerklingeln benommen aufgewacht.

Herrlich sonniger Frühlingsmorgen.

Frühlingsausbruch auf dem Heimeranplatz.

Vormittags ergaben sich zwei Gelegenheiten, beruflich das Büro zu verlassen: Herrlichste Frühlingslüfte, Sonnenschein. Mönchsgrasmücken hörte ich erst, bevor ich drei in einem kahlen Baum über mir sah.

Mittags gab es die letzte (sehr gute) Avocado der zweiten Lieferung, dazu eine Breze, danach noch eine Orange. Nachmittags eine Birne. Übergaben, letzte Absprachen – FERIEN! (Na ja, bis Dienstag halt.)

Wegen großen Back- und Kochvorhaben und dem Plan von Quarantäne-Tagen hatten wir uns die lange Einkaufsliste aufgeteilt – doch Herr Kaltmamsell hatte sie bis zu meinem Feierabend so gründlich leerbesorgt, dass mir auf dem Heimweg nur Kuchendeko und Spezialmehle blieben.

Mehr Frühling am Bavariaring.

Daheim gab es erst eine eher gemütliche Runde Yoga, dann Wodka Ananas: Ich hatte im Supermarkt Lust darauf bekommen und Ananassaft mitgebracht. Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ofen-Auberginen mit Miso (eventuell zu viel Paste) und Reis.

Nachtisch war das nächste Kapitel Ostergebäck, italienische Colomba pasquale vom Eataly.

Sie duftete schon beim Öffnen verdächtig wie Panettone, schmeckte dann auch so – aber hey, Panettone ist super.

Wir sahen die letzten beiden Folgen Good Omens: Ich fand die Mini-Serie unterhaltsam, vermisste aber die laute Originalität des Romans. Während in der Vorlage sehr schön herausgearbeitet war (unter anderem mit einer dominanten allwissenden Erzählstimme), wie schwer Gut und Böse abzugrenzen sind und dass der scheinbar offensichtliche Einfluss des Teufels dann doch schlichtes menschliches Versagen ist, schien der Gegensatz in der Verfilmung eher zwischen Bürokratie (teuflisch oder himmlisch) und menschlich liebenswertem Gewurschtel zu bestehen. Andererseits gefiel mir, wie anhand des jungen Antichristen dargestellt wurde, dass Superschurkentum ganz schön einsam macht und dass man sich das gut überlegen sollte.

Im Bett fiel mir ein, dass ich die Lieblingstweets für März vergessen hatte. Werde ich halt nachholen.


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