Filme

Journal Dienstag, 22. Juni 2021 – Schwarzer Adler

Mittwoch, 23. Juni 2021

Diesmal keine großen Löcher im Schlaf, selbst nach dem vierten Aufwachen um fünf schlief ich nochmal ein, little blessings. Das Gewitter hatte die Draußenluft wunderbar gereinigt und gekühlt.

Wieder morgens die Orthopädenübungen – wenig überraschend sind die Rückenschmerzen so unangenehm wie bisher, stören mich immer wieder beim Atmen.

Auf der Theresienwiese blauen jetzt die Wegwarten, drumrum ein Hauch Lindenparfum.

Zum Gegencheck des ersten Eindrucks den Vormittags-Cappuccino wieder mit Hafermilch bestellt: Doch, schmeckt mir gut, ich mag ja auch Hafermilch.

Mittags ein Laugenzöpferl sowie Flachpfirsich (weitgehend geschmacklos) mit Joghurt, nachmittags ein großes Stück schwarze Schokolade.

Das Wetter sah immer wieder gewittrig aus, einmal regnete es kurz, doch auf dem Heimweg war es schon wieder recht warm (deutlich jackenlos). Ich erledigte kurz Einkäufe fürs Abendessen, denn Herr Kaltmamsell brauchte für den angekündigten Nackthafer (aus Ernteanteil) mit Gemüse noch den Gemüseanteil (Tomate, Gurke, Paprika, Schnittlauch, Zitrone). Den gab es nach meiner Yoga-Einheit (diesmal sanfter). Danach viel Schokolade, während draußen wieder Regen eingesetzt hatte.

Für den Abend hatte ich eine in meinem Internet viel besprochene Doku vorgemerkt:
Schwarzer Adler, die Geschichte schwarzer Fußballnationalspieler*innen im weißen DFB-Trikot.

Sie stellte sich als richtig, richtig gut gemachter Dokumentarfilm heraus: Sehr aufwendig, originelles Konzept, klug gemacht. Zur Sprache kommen nur die Sportlerinnen und Sportler, um die es geht, aus drei Fußballer*innengenerationen. Es gibt keine Erklärtexte, nur kurze Zwischentitel; die Sach-Informationen ergeben sich aus den Aussagen, aus Archivbildern, aus Ansichten von Stadien und Vereinslogos (für Kenner*innen der Bundesliga-Geschichte ergeben sich dadurch vermutlich zusätzlich vielsagende Hintergründe, doch auch ohne diese fühlte ich mich nicht außen vor).

Die 99 Minuten Film sind einfach schon durch die Protagist*innen fesselnd: So viele unterschiedliche Persönlichkeiten von zurückhaltend bis Showman, von ernst bis spaßig – aber durchwegs alle überraschend analytisch, selbstreflektiert und sehr wortgewandt (Vorsatz: mir ab sofort jede Häme über angeblich beschränkten Intellekt von Profi-Fußballern verkneifen).

Das Ergebnis ist bitter, bestürzend, traurig, auch wenn ich mir nie Illusionen über den Rassismus in unserer Gesellschaft und im deutschen Profisport gemacht habe (allein schon die Beschreibung von Gerald Asamoah, wie er als Einwanderer aus Ghana in Deutschland überhaupt erst das Konzept Rassismus lernte – am eigenen Erleben). Immer wieder enthält die Doku Originalausschnitte aus alten Fernsehsendungen (u.a. Aktuelles Sportstudio, das den Film mitpräsentiert) mit superpeinlichen weil rassistischen und sexistischen Fragen und Moderationen – die sofort bei mir das Erschrecken auslösten, was uns in 20 Jahren wohl rückblickend superpeinlich sein wird weil diskriminierend.

Empfehlung, auch wegen der vorbildlichen Herangehensweise ans Thema.

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Hahahaha – es gibt ja DOCH eine schnelle und legale Methode, aus den Anwohnerparkplätzen in der Innenstadt gemütliche Lebenszonen zu machen (*klickt Gebrauchtwagenangebote durch*).

Journal Samstag, 19. Juni 2021 – Familien- und Freundes-Geselligkeit in großer Hitze

Sonntag, 20. Juni 2021

Ich hatte mir wegen einer Frühstückseinladung den Wecker gestellt, wachte aber leider eh schon um fünf auf. Bloggen und Morgenkaffee auf dem Balkon, es war bereits warm.

Der morgentliche Gang zum Hauptbahnhof in diesiger Sonne kurz vor acht war noch ok, doch es wurde minütlich schwüler und heißer.

In Ingolstadt gab es wie schon bei den letzten Malen eine passgenaue Busverbindung vom Bahnhof Audi zum Zielort. Die existiert jetzt schon seit über einem Jahr und steht in so großem Kontrast zum sonstigen erbärmlichen Ingolstädter Öffentlichen Nahverkehr, dass da ein Haufen Leute offensichtlich nicht aufgepasst hat.

Zur Begrüßung bei auch kleinen Geselligkeiten gehört in der derzeitigen Phase der Pandemie (Inzidenzwerte in Deutschland weiter sinkend, doch die noch ansteckendere Delta-Variante hat in Großbritannien bereits zum Stopp von weiteren Lockerungen geführt, gestern in Portugal zu Abriegelung Lissabons), dass man einander Impf- und Teststatus erzählt.

Wir saßen im Garten in immer neu justiertem Schatten, es gab Sekt (Geburtstage waren zu feiern), Würscht mit Breze, Frühstücksbuffet. Ich genoss es sehr, mit sympathischen und geliebten Menschen beisammen zu sein (es saßen auch zwei Mitglieder des eben gewählten neuen Ingolstädter Jugendparlaments am Tisch), in launigen Gesprächen erfuhr ich viel Neues und Interessantes.

Am frühen Nachmittag ließen wir uns vom Bus zurück zum Bahnhof Audi fahren (ich hatte eigentlich einen Spaziergang dorthin geplant, doch es war wirklich zu heiß).

Sommeridyll.

Daheim (Wohnung angenehm temperiert) hatte ich Lust auf geeisten Milchkaffee: Wie gut, dass ich noch koffeinfreies Esperssopulver hatte. Erschöpft – auch durch einige Nächte mit schlechtem Schlaf – hielt ich eine späte Siesta. Danach war ich munterer und machte mich an die Abschlussfolge von Adrienes Yoga-Programm Breath – wie alle ihre Abschlussfolgen ohne Ansage. Ich absolvierte die 50 Minuten also größtenteils mit verdrehtem Kopf, um die Bewegungen vom Fernsehbildschirm abzugucken. Und schwitzte dabei so, dass ich die Yogamatte anschließend erst mal trocknen lassen musste.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Glasnudelsalat mit Kräutern, Krabben und Soja-Hack gemacht, war genau das Richtige. Zum Nachtisch servierte er selbst gemachten Waldmeister-Wackelpudding, der sehr nett zu kauen war (ich mag Wackelpudding), aber dann doch nur nach dem Apfelsaft der Grundlage schmeckte. Zweiter Nachtisch: Schokolade.

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Fachjournalistin Cristina Nord beschreibt im Filmmagazin Cargo, dass sie alte Lieblingsfilme inzwischen ganz anders erlebt. (Genau das war eines der Gesprächsthemen am gestrigen Frühstückstisch, mir geht es ähnlich. Eine Mitrednerin erzählte sogar, ihr sei dadurch die Pandemieflucht in alte Filme abgeschnitten worden: Es habe sie so oft geschüttelt, dass sie ganz aufhörte.)

„Beide Augen schließen sich
Nach #metoo: Wie sich mein Blick aufs Kino verschoben hat“.

Es ist zu viel passiert, als dass ich die Misogynie abspalten und das ästhetische Raffinement feiern oder mich mit der These von der hochgradigen Fiktionalität des Genre-Kinos trösten wollte. #metoo hat eine Desillusionierung besiegelt, die daraus resultiert, dass es die meisten Ausprägungen des Kinos mit Frauen nicht besonders gut meinen und feministische Cinephile oder cinephile Feministinnen dadurch in eine Zwickmühle geraten.

(…)

Die Ernüchterung speist sich aus der anhaltenden Marginalisierung von Filmemacherinnen ebenso wie aus dem Fortdauern stereotyper Plotkonstellationen, aus der Abwesenheit komplexer und widersprüchlicher weiblicher Figuren und aus der kaum veränderten Organisation des ästhetischen Genusses. Laura Mulveys Theorie vom male gaze, dem sich das Kino darbietet, ist Jahrzehnte alt; sie wurde in der Zwischenzeit von anderen Theorien aufgegriffen, transformiert, erweitert, verfeinert, in Frage gestellt und de-essenzialisiert. Aus dem akademischen Diskurs über Filme ist sie nicht wegzudenken, aus dem Œu­v­re Céline Sciammas, Constanze Ruhms oder Tatjana Turanskyjs auch nicht. Aber wurde sie wirklich breit rezipiert, auf eine Weise, die Folgen gehabt hätte?

(…)

Seit die Verbrechen Harvey Weinsteins publik wurden, führt kein Weg daran vorbei, den Status Quo zur Kenntnis zu nehmen. Und der ist ja nicht nur in den Filmen ein Problem, er ist es auch in ihrer Produktion. Es lässt sich nicht länger leugnen, wie verbreitet sexualisierte Gewalt in der Filmindustrie ist und wie riskant Frauen und Männer leben, wenn sie es als Schauspieler*innen oder Set Designer, als Location Scouts oder Regieassistent*innen mit Leuten zu tun bekommen, die ihre Macht ausnutzen.

§

Die erste deutschsprachige Blog-Plattform Antville startete vor 20 Jahren (als ich mich 2003 nach Blog-Möglichkeiten umsah, hatte sie bereits die Pforten für Neuanmeldungen geschlossen). Das waren (neben nur wenigen anderen) die Blogs, die ich als erste las – und sie habe ich bis heute vor Augen, wenn ich mir die Online-Kultur vorstelle, die ich gerne hätte. Katatonik gehörte von Anfang an dazu und erinnert sich:
„20 Jahre Antville.org: Ameisenhaufen oder doch eher Ameisenstraßen“.

Journal Dienstag, 27. April 2021 – Umtriebiger Feierabend

Mittwoch, 28. April 2021

Wieder Morgenkaffee am Küchentisch, das gefiel mir.

Arbeitsweg in wunderbarem Frühlingslicht.

Mittags gab’s Tomaten (mit erstaunlich viel Aroma) mit Ricotta Salata – wie konnte ich vergessen, dass die so gut schmeckt? Nachmittags eine Orange.

So sieht übrigens meine Brille aus – für Sie vermutlich eine Enttäuschung nach all dieser Pracht.

Zu Feierabend packte ich meinen Arbeitsrechner und ein wenig Drumrumzeug ein, weil ich am Mittwoch mal wieder daheim arbeiten wollte, ich hatte dafür taugliche Arbeit gesammelt.

Trotz schönen Wetter war es weiterhin gar nicht so warm, auch nicht in der Sonne (also dem April angemessen). Nach einem recht zackigen Arbeitstag konnte ich auf dem Heimweg aber den Ledermantel offen tragen.

Der Feierabend wurde dann deutlich hektischer als erwartet.
Herr Kaltmamsell war hinausgefahren zum Ikea nach Eching: Dort hatte ich eine Lampe für persönliche Abholung bestellen können, die mir sehr gut für unseren Flur gefiel und die es nicht mehr lieferbar gab. Als er wegen voller Hände beim Heimkommen klingelte, telefonierte ich gerade mit meiner Mutter und kämpfte mit der neuen Klingelanlage (installiert mit Kamera wegen neuen Hoftors gegen Gschwerl im Hinterhof), doch dann klingelte auch noch mein Handy: Die für Mittwoch angekündigte Schranklieferung kam dann doch schon gestern Abend an. Und eigentlich hatte ich da längst das Abendessen bestellen wollen. Also übernahm Herr Kaltmamsell Speditionswartedienst, während ich zu Servus Habibi ging (man kann jetzt auch online bestellen, hurra!). Ich wurde wieder herzlich begrüßt, beim Warten auf die Speisen mit einem Stamperl Jägermeister versorgt (der schmeckt ja deutlich besser als ich erwartet hatte, sogar richtig gut!).

Daheim mussten wir aber das Essen kalt werden lassen, denn erst jetzt kamen die sechs Schrank-Pakete. Ich konnte den beiden Liefer-Herren nicht mal einen schönen Feierabend wünschen: Sie erzählten, dass sie nach uns noch fünf Kunden zu beliefern hatten.

Auch nicht mehr warm schmeckte das Abendessen sehr gut, das Labneh sogar ganz hervorragend.

Zur Abendunterhaltung ließen wir die aufwändige Komissar-Maigret-Neuverfilmung mit Rowan Atkinson laufen – der in der komplett unkomischen Rolle hervorragend spielte.

Journal Karfreitag, 2. April 2021 – Drosten-Podcast, Film Blaues Licht

Samstag, 3. April 2021

Gemischte Nacht. Aber ein Schlafabschnitt war fast vier Stunden lang.

Nach Kaffee, Bloggen, Wäschewaschen suchte ich bei Fitnessblender ein heimisches Cardiotraining ohne lärmenden Crosstrainer – auf dieser Plattform vergeblich (möglicherweise weil ich als Mindestdauer 45 Minuten eingegeben hatte, aber da ich meinen Puls langsam hochbringen muss, sonst roter Kopf und Atemnot, fängt der Cardioteil bei mir erst nach 20 Minuten richtig an). Ich entschied mich dann doch für eine bekannte Folge Fitnessblender-Rundumtraining, die ich zuletzt wohl vor anderthalb Jahren geschafft hatte (bevor mich die kaputte Hüfte an dem Spaß hinderte). Und stellte zu meiner Überraschung und Freude fest: Das ging wieder! Alles! Auch Squats und (langsame) Ausfallschritte! Sogar die Liegestütz, wenn auch auf Knien (die regelmäßige Yoga-Abfolge Bankstütz – langsam herablassen zu Kobra hatte mich gut darauf vorbereitet)! Das Ganze strengte mich ordentlich an, inklusive Warm-up und Dehnen kam ich auf eine gute Stunde Training.

Frühstück: Erster Gang war ein Rest Grü Soß mit kalten Salzkartoffeln, zweiter Gang Colomba pasquale.

Nach grauem Morgen war der Tag doch noch sonnig und mild geworden, es konnten viele Fenster offen stehen. Mit Blick in die knospenden Bäume ringsum saß ich in einem Sessel und las die Feiertagsausgabe Süddeutsche.

Gebügelt, dabei die vielfach empfohlene aktuelle Folge NDR-Corona-Podcast angehört:
„Drosten: Ohne Lockdown geht es wohl nicht“.

Die gute Stunde Gespräch war genau so großartig wie empfohlen. Am Anfang beantwortet Christian Drosten die Frage nach seiner Einschätzung der Indien-Mutante zwar so sorgfältig, dass ich kein Wort verstand (und mich an seiner Schlussfolgerung festhielt) – wahrscheinlich musste man dafür Vorgänger-Folgen kennen. Aber dann ging es ausführlich um die fünf zentralen Mechanismen von Fehlinformationen/Wissenschaftsleugnung: Pseudoexperten, Logikfehler, unerfüllbare Erwartungen, Rosinen-Pickerei, Verschwörungs-Mythen – PLURV abgekürzt, hier eine Kurzerklärung. Drosten führt für alle aktuelle Beispiele an – mal wieder druckreif. Alternativ zum Hören gibt es hier das Transkript der Folge zum Nachlesen.

In weiterhin angenehmer Sonne säuberte ich den Küchenbalkon und holte die alten Balkonmöbel aus dem Keller geholt – ein Glück, dass wir sie vergangenes Jahre nach Einzug der neuen, edlen Balkonmöbel nicht gleich weggegeben hatten.

Nachmittagssnack: Torrijas und mehr Colomba.

Dann folgte ich endlich einer weiteren Empfehlung, nämlich der des Street-Art-affinen Neffen 1, und schaute den Film Blaues Licht an, ein Werk des Künstlerkollektivs Rocco und seine Brüder, das 2019 ins Kino kam (Link führt zu Vimeo, der Film ist frei verfügbar). Auch den empfehle ich hiermit weiter, die Mischung aus Dokumentarfilm, Spielfilm in Dokumentarfilm-Anmutung („Mockumentary“), Theater mit seinen typischen Erzähltechniken und bildender Kunst gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Fürs Abendessen sorgte ich: Aus den Roten Beten des Ernteanteils wurde Gratin mit Schafskäse und Minze, dazu ebenfalls aus Ernteanteil Postelein-Salat. Nachtisch Schololade.

Journal Mittwoch, 31. März 2021 – Frühling mit aller Wucht, Start in die Osterferien

Donnerstag, 1. April 2021

Gemischte Nacht, vor dem Weckerklingeln benommen aufgewacht.

Herrlich sonniger Frühlingsmorgen.

Frühlingsausbruch auf dem Heimeranplatz.

Vormittags ergaben sich zwei Gelegenheiten, beruflich das Büro zu verlassen: Herrlichste Frühlingslüfte, Sonnenschein. Mönchsgrasmücken hörte ich erst, bevor ich drei in einem kahlen Baum über mir sah.

Mittags gab es die letzte (sehr gute) Avocado der zweiten Lieferung, dazu eine Breze, danach noch eine Orange. Nachmittags eine Birne. Übergaben, letzte Absprachen – FERIEN! (Na ja, bis Dienstag halt.)

Wegen großen Back- und Kochvorhaben und dem Plan von Quarantäne-Tagen hatten wir uns die lange Einkaufsliste aufgeteilt – doch Herr Kaltmamsell hatte sie bis zu meinem Feierabend so gründlich leerbesorgt, dass mir auf dem Heimweg nur Kuchendeko und Spezialmehle blieben.

Mehr Frühling am Bavariaring.

Daheim gab es erst eine eher gemütliche Runde Yoga, dann Wodka Ananas: Ich hatte im Supermarkt Lust darauf bekommen und Ananassaft mitgebracht. Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ofen-Auberginen mit Miso (eventuell zu viel Paste) und Reis.

Nachtisch war das nächste Kapitel Ostergebäck, italienische Colomba pasquale vom Eataly.

Sie duftete schon beim Öffnen verdächtig wie Panettone, schmeckte dann auch so – aber hey, Panettone ist super.

Wir sahen die letzten beiden Folgen Good Omens: Ich fand die Mini-Serie unterhaltsam, vermisste aber die laute Originalität des Romans. Während in der Vorlage sehr schön herausgearbeitet war (unter anderem mit einer dominanten allwissenden Erzählstimme), wie schwer Gut und Böse abzugrenzen sind und dass der scheinbar offensichtliche Einfluss des Teufels dann doch schlichtes menschliches Versagen ist, schien der Gegensatz in der Verfilmung eher zwischen Bürokratie (teuflisch oder himmlisch) und menschlich liebenswertem Gewurschtel zu bestehen. Andererseits gefiel mir, wie anhand des jungen Antichristen dargestellt wurde, dass Superschurkentum ganz schön einsam macht und dass man sich das gut überlegen sollte.

Im Bett fiel mir ein, dass ich die Lieblingstweets für März vergessen hatte. Werde ich halt nachholen.

Journal Dienstag, 23. März 2021 – Ministerpräsidentenkonferenz erfindet den „Ruhetag“ gegen Corona

Mittwoch, 24. März 2021

Nicht verschlafen, weil ich das weckende Telefon aufs Nebenkopfkissen gelegt hatte.

Fußweg in die Arbeit OHNE Schneeflocken, es blinzelte sogar ein wenig die Sonne.

Am Vormittag schlug ich vorsichtig die vorabendlichen Pandemie-Beschlüsse der Ministerpräsident*innenkonferenz MPK nach. Ich habe sie nicht kapiert – also nicht nur im Sinn von WARUM?!, glauben die wirklich, fünf Tage Daheimbleiben bringen etwas?! -, sondern auch nicht, was sie bedeuten, z.B.

Um eine Phase der Osterruhe zu entwickeln, sollen Gründonnerstag und Ostersamstag Ruhetage mit weitgehenden Kontaktbeschränkungen werden. Es gelte dann an fünf Ostertagen das Prinzip „Wir bleiben zu Hause“.

Den Gründonnerstag habe ich Urlaub genommen, doch ich ahne, dass mein Plan nicht aufgehen wird, ihn für eine Fahrt zum Wertstoffhof zu nutzen. Oder doch? Gelten die Kontaktbeschränkungen nur für private Treffen? Am frühen Nachmittag dann die Pressekonferenz der Bayerischen Staatsregierung: Gründonnerstag wird zum Feiertag erklärt. Das heißt zum einen, dass es nichts mit Wertstoffhof wird. Aber heißt es auch, dass mir kein Urlaubstag abgezogen wird? Ich bin sicher, dass Personalabteilungen und Betriebsräte derzeit rotieren.

Mittags gab es den restlichen Kohlrabi-Apfel-Petersiliensalat vom Vorabend, dazu ein Laugenzöpferl – sehr befriedigend und sättigend.

Heimweg in kalter Sonne, ich machte einen Umweg die Theresienwiese entlang. Zu Hause konnte ich mich nicht wie geplant sofort in Yoga-Kleidung stürzen: Es waren Handwerker da, die eine neue Klingel-/Gegensprechanlage einbauten (nicht nur bei uns, sondern im ganzen Haus). Also erst mal Blumen gegossen, Brotzeit für den nächsten Tag vorbereitet. Aber dann gab’s Yoga, die lange Abschlussfolge von Adrienes „Home“. Ich kam ins Schnaufen und Schwitzen.

Herr Kaltmamsell hatte vergangenen Freitag aus den Hühnerknochen eine Brühe gekocht, auf meinen Wunsch wurde sie gestern Basis einer Tom Kha Gai, statt mit Hähnchenfleisch mit Räuchertofu. Schmeckte sehr gut. Nachtisch Schokolade.

§

InStyle hat ein schönes Interview mit Melissa McCarthy, die seit ein paar Monaten in Australien lebt und arbeitet:
„Melissa McCarthy Does It for the Laughs“.

Und wenn ich schon mal da war, suchte ich gleich den Trailer von Thunder Force, weil: Melissa McCarthy und Octavia Spencer als Superheldinnen? Yes please.

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https://youtu.be/kJa8b8Zplv4

Journal Samstag, 27. Februar 2021 – Sonnendurchflutete leere Räume

Sonntag, 28. Februar 2021

Nachts zwar ein paar Mal aufgewacht, aber gleich wieder eingeschlafen.

Meine Schlafzimmer-Stores abgenommen und gewaschen. Katzenwäsche und Umziehen in Sportkleidung. Als der erste Store gewaschen war (wird feucht aufgehängt), nahm ich auch die Vorhangschals im Wohnzimmer ab und zog mit Leiter und Vorhängen in die neue Wohnung. Plan war kurzes Werkeln, dann eine Runde Crosstrainer.

Es zeigte sich: Ich verfüge über keinerlei Umzugsfertigkeiten mehr. So konnte es mich überraschen, dass das Mal-kurz-Aufhängen von ein paar Vorhängen (zweimal Stores im Schlafzimmer, viermal Schals im Wohnzimmer) zwei Stunden verschlang – weil die Schienen dafür so breit waren, dass die Aufhänger („Faltengleiter“) sich verkanteten, und die Maler so brutal drübergepinselt hatten, dass sie sich auch ohne Verkantung nicht bewegten. Ich kam ins Schwitzen. Dass meinem eingeklemmten Nackennerv das Hochschauen gar nicht bekam, verlangsamte die Aktion zusätzlich, weil ich immer wieder die Nackenmuskulatur durch Runterschauen beruhigen musste. Und das mir, die ich zu Studienzeiten im Freundeskreis eine gesuchte, weil ausdauernde Über-Kopf-Renoviererin und -Malerin gewesen war! Aber ich sah erstmals aus den neuen Fenstern ein Eichhörnchen im Park.

Dann brachte ich mit Herrn Kaltmamsell Glühbirnen mit Lüsterklemmen in fünf Räumen der Wohnung an (mein Bruder hatte von meinem Vater eine Box mit Material aller Art mitbebracht, wohlsortierte Dübel, Schrauben, Nägel, Klemmen – und noch so einiges, dessen Funktion ich nicht kenne), putzte und werkelte noch an verschiedenen Stellen – es wurde früher Nachmittag.

Immer wieder brach die Sonne durch den wolkigen Himmel und flutete die Räume. Eine so schöne, große, leere Wohnung! Und dann verschandeln wir sie mit Möbeln.

Zum Beispiel diese minimalistisch-ästhetische Kammer, unser künftiger Fitnessraum.

Jetzt noch mit meditativer Ausstrahlung, bald schon voller Crosstrainer und Schweiß.
(Spass. Es steht noch nicht fest, was wir damit tun. Vielleicht finden wir einen Weg, ihn zu einer begehbaren Garderobe zu machen? Ginge das? Mit zusätzlichem Stauraum für selten genutztes Koch- und Backgerät?)

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet mir das Bad: Außer dem Unterschrank des Waschbeckens gibt es keinerlei Staumöglichkeit (der Platz, den wir im jetzigen Bad für zwei Stehregale haben, ist von einem zusätzlichen Klo belegt). Zwar besitzen wir unterdurchschnittlich viele Körperflegeprodukte, doch für Schminkzeug und Parfüm hätte ich doch gern ein eigenes Regal.

Crosstrainer ließ ich bleiben. Ich duschte mich gleich und holte Semmeln zum Frühstück. Bevor ich es mir damit gemütlich machen konnte, zerbrach ich im Wohnzimmer einen Glasteller in putz-aufwendige winzige Stücke und musste erst mal weiterräumen und -putzen.

Nach dem Frühstück der nächste Arbeitsgang: Herr Kaltmamsell hatte erste Buchregale in seinem neuen Schlafzimmer und unserem (irgendwann) gemeinsamen Arbeitszimmer aufgebaut, sie mussten mit Schrauben an der Wand stabilisiert werden. Fürs Bohren war bislang immer ich zuständig, ich mache das auch gern. Herr Bruder hatte eine von Papas vier Bohrmaschinen mitgebracht (Aufschrift „BOHRHAMMER“), ich bohrte damit nach und nach fünf Löcher nach Anweisungen von Herrn Kaltmamsell, dazwischen saugte ich ein wenig in den etwas staubigen Räumen.

Nur kurzes Ausruhen in der alten Wohnung, eine Runde Yoga, dann drängte es mich, vor dem Abendessen noch die ersten Kisten voll Küchenmaterial nach oben zu bringen und zu verstauen.

Herr Kaltmamsell bereitete derweil das Nachtmahl: Ein Rest Fisch-Curry vom Vorabend mit frisch gekochtem Reis, zudem ein wenig Wirsinggemüse aus Ernteanteil. Wir wurden wohlig satt (keine Lust auf Alkohol).

Abendunterhaltung: Auf 3sat lief Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm, den ich seinerzeit im Kino verpasst hatte. Ich mochte den Film (nachdem ich meine Irritation überwunden hatte, dass der besonders groß gewachsene Lars Eidinger den besonders klein gewachsenen Brecht spielte – V-Effekt) – und war überrascht, dass ich einige eher unbedeutende Teile der Dreigroschenoper auswendig konnte (z.B. den Morgenchoral des Peachum). Ich scheine eine vergessene Vergangenheit zumindest mit den Songs zu haben.


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