Filme

Journal Donnerstag, 28. April 2022, Everything Everywhere All at Once

Freitag, 29. April 2022

Tja, dann halt wieder eine Nacht, die kurz nach drei endete, mir dann nur noch ein paar Phasen Dösen erlaubte. Ich stand vollverkatert auf.

Frostiger Gang in die Arbeit, in strahlender Sonne unter wolkenlosem Himmel.

Diesmal drehte ich mich an meiner sonstigen Fotostelle Richtung Bavaria mal um zur Beethovenstraße.

Im Büro führte die schlafgestörte Benommenheit unter anderem dazu, dass ich vor jeder Passworteingabe gründlich nachdenken musste, mein Hirn bewegte sich wie durch Wasserwiderstand.

Highlight des Morgens: Meine erste ärztliche Video-Sprechstunde, ich habe sie fürs Techniktagebuch aufgeschrieben. (Alle Blutwerte tippitoppi, auch Schilddrüse, selbst Eisen – aber zu der Zeit nahm ich ja auch Eisenkapseln.)

Zum Glück wurde ich über den Vormittag wacher und musste weniger kämpfen.

Mittagessen: Hüttenkäse, Orangen, Banane.

Überraschende Begleiterscheinungen des Alterns, Teil ganz viele: Dass Haarwuchs sich deutlich verändert (Art und Ort), ist ja durchaus Gegenstand von Witzeleien. Nicht gefasst war ich darauf, dass die Wimpern meiner Oberlider nach unten wachsen würden und damit ins Sichtfeld, mit einer Vehemenz, gegen die auch die Wimpernzange nichts ausrichtet. Noch ist die Zahl gering genug zum Ausreißen.

Trotz später ambulanter Querschüsse machte ich recht pünktlich Feierabend, denn ich hatte Kinokarten.

Herr Kaltmamsell servierte aus frisch geholtem Ernteanteil Spinat und Salzkartoffeln mit Spiegeleiern, dann radelten wir durch die schräge Frühlingsabendsonne zum Cinema und sahen Everything Everywhere All at Once zum Deutschlandstart.

Ein großartiger Film, endlich mal wieder was ganz was anderes im Kino, so erfrischend. Gerade im Gegensatz zum Trailer für Doctor Strange in the Multiverse of Madness, der davor lief, bewies Everything Everywhere All at Once, dass es für ein Multiverse-Szenario keinen Bombast braucht, kein Riesenbudget, keine Superhelden-Riege. Atemberaubend fand ich die Schauspielkunst der drei zentralen Darstellenden:
– Michelle Yeoh als chinesische Einwanderin Evelyn Wang, der ihr Waschsalon, die Versorgung ihres alten Vaters, die widerspenstige Tochter komplett über den Kopf wachsen.
– Ke Huy Quan als ihr Mann Waymond Wang, der auch aus anderen Universen zu ihr kommt und sie überzeugt, dass sie die Welt retten muss. (Dass Quan, Kinderdarsteller in Indiana Jones and the Temple of Doom, viele Jahre keine Rollen bekam und deshalb hinter die Kamera wechselte, ist ein enormer Verlust für die Kinogeschichte.)
– Stephanie Hsu als die Tochter der beiden, Joy Wang, die mit Fingerschnippen zwischen ihren Rollen in den verschiedenen Multiversen springt, auch ohne Kostümwechsel.
Das Drehbuch der Daniels (Daniel Kwan, Daniel Scheinert), die auch Regie führten, ist ein Meisterwerk, durchkreuzt Zuschauererwartungen, nickt freundlich in die Richtung ihrer Vorgänger der britischen SciFi-Komödie (Douglas Adams’ Idee vom Improbability Drive entfaltet sich aufs Schönste), birst vor Ideen – ich habe viel gelacht.

Auch Jamie Lee Curtis ist in dem Film eine Wonne und lässt so richtig die Sau raus.

Ja, mit zwei Stunden 20 Minuten zu lang (seit einiger Zeit sind alle Kinofilme zu lang), im letzten Viertel hätte ich gerne etwas weniger Botschaft gehabt. Aber ein echtes Ereignis. Dass die Süddeutsche den Film auf der gestrigen Kino-Seite mit einem kurzen Absatz in der Randspalte abfrühstückte, wunderte mich sehr. Im großen Münchner Cinema bekam ich schon vor einer Woche nur noch die vorletzten Karten für die gestrige Premierenvorstellung im Original.

Sehr zu empfehlen: Kurz vor der Weltpremiere im März unterhalten sich Ke Huy Quan, Daniel Scheinert, Jamie Lee Curtis, Michelle Yeoh, Stephanie Hsu und Daniel Kwan eine halbe Stunde über die Dreharbeiten – ich habe eine Menge gelernt.

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https://youtu.be/3trFt71LXGE

§

Wie sich das private Kochen in den vergangenen 60 Jahren weiterentwickelt hat, in denen die Küchentechnik mehr oder weniger gleich geblieben ist, was der große Unterschied zum Vorher war – und warum es noch nie einen solch enormen Fortschritt in der Kochkunst gab.
“Better eats”.

via @ankegroener

Journal Donnerstag, 21. April 2022 – Yoga-Wirkung

Freitag, 22. April 2022

Der Wecker klingelte zu früh fürs Ausgeschlafensein, aber die Nacht davor war gut gewesen.

Weiterhin sonnig und kühl, ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass das die richtige Temperatur für April in unseren Breiten ist. Auf der Theresienwiese sah ich aufgesprühte Bodenmarkierungen: Der Flohmarkt am Samstag findet nach zwei Jahren Pause wirklich statt.

Arbeit sehr kleinteilig, aber große Brocken wären eh nicht zu schaffen gewesen: Ich betreue turnusmäßig eine Hotline, deren Telefonnummer wohl in diverse britische Callcenter-Datenbanken geraten ist; täglich rufen dort mehrere Dutzend Menschen an und wollen irgendwelche random Namen sprechen, gerne nur Vornamen, “May I speak to Sarah?”. (Gibt es DDos per Telefon?)

Mittags gab es Kürbiskernbrot mit Butter und eine große Orange.

Nachmittags Abstimmungen, Schulung (ich parallel, sagen Sie’s nicht weiter, bis über beide Ellenbogen in einer Datenbank), manuelles Basteln.

Ich beendete den Arbeitstag mit dem Gefühl, dass ich nie mehr im Leben entspannt sein werde. Der sonnige Tag hatte sich nur wenig erwärmt, ich brauchte neben der Jacke auch mein Halstuch.

Daheim meine fast tägliche Runde Yoga, mittelanstrengend.

Jetzt, nach über zwei Jahren Yoga, kann ich nicht umhin zu gestehen: Doch, ich merke eine Wirkung. Schnaufen und Besinnlichkeit sind zwar immer noch nicht angekommen – andererseits hatte ich Schnaufen bereits als Teenager im Chor gelernt, inklusive Hecheln und anderen Zwerchfell-Übungen; ich vergesse gerne, dass viele Menschen erst in spätem Erwachsenenalter Bauchatmung kennenlernen. Doch als ich mich vergangenen Samstag auf der Rückfahrt vom Wandern im überfüllten Zug einfach im Schneidersitz auf dem Boden niederließ und in dieser Haltung gemütlich las, als ich auf den Boden und wieder ins Stehen schnell und nahezu elegant kam – da war mir klar, dass ich das mit 55 Jahren und meiner Hüft-Vorbelastung ziemlich sicher ohne Yoga nicht könnte. Zumal ich von Natur aus wirklich nicht gelenkig bin. Ebenso wenig könnte ich mein halb spaßig gemeintes Trainingsziel “Socken im Stehen anziehen” nicht so weit übertreffen: Ich kann auch Hosen und sogar Strumpfhosen im Stehen anziehen, langsam und sorgfältig. Der kindliche Stolz, etwas “schon” zu können, wiederholt sich halt seit einigen Jahren rückwärts: etwas “noch” können. Gleichzeitig ist mir sehr bewusst, dass das meiste davon Veranlagung und Glück ist, keineswegs eigene Leistung.

Zum Nachtmahl kombinierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch aus Ernteanteil Sauerkraut, Kartoffel, Äpfel mit zugekauften Leber- und Blutwürsten (mit Speckwürfeln) zu einer Art Himmel und Äd. Nachtisch sehr viel Osterschokolade.

§

Über Soziologie von Nahrungsmittel-Hierarchien und warum auch die Unterscheidung von “gesundem” und “ungesundem” Essen in den vergangenen Jahrzehnten Moden unterworfen war:
“There Is No Such Thing as ‘Junk’ Food”.

Many people’s reaction to this confusion is to refine the category of “healthy” until it’s full of foods essentially available only to people who live on a farm, as well as close to other farms, with the ability to spend every day prepping fresh farm-sourced food for themselves. They also boast no limits on expenditures, no health conditions that would limit what they can consume, and no picky eaters on the premises. The number of people who can live this way is vanishingly small, which means that actually adhering to the Platonic healthy diet becomes entirely aspirational.

(…)

Whatever the reason you eat what you eat—and no reason is more valid than any other, including and especially deliciousness—it has no correlation with your value as a person. It does not make you a worse person to eat “junk food,” and it certainly doesn’t make you a better person to eat whole grains. Contrary to what those worksheets might tell us, food does not have moral character, and consuming it does not influence or infect our own character. Food is delightful, and food is fuel, and food is culture.

§

@miriam_vollmer war im Zug langweilig.

Die Ergebnisse will ich praktisch durchgehend nachkochen (zumindest nachessen, Augenzwinkern Richtung Herrn Kaltmamsell), alles unkomplizierte, traditionelle Gerichte aus der Generation deutscher großbürgerlicher Großmütter.

§

Michelle Yeoh, in die ich mich 2000 in Crouching Tiger, Hidden Dragon verliebte (dabei hatte ich sie vorher schon als völlig anderes Bond-Girl in Tomorrow never dies bewundert), ist eine der wenigen weiblichen Action-Weltstars und möglicherweise die einzige mit einer gleichzeitigen ernsthaften Schauspiel-Karriere in Drama und Komödie. Hier erzählt sie aus ihrem Berufsleben.

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https://youtu.be/DHOSiFzcHJ8

Superspannende Einblicke, unter anderem wie ein (Hongkong) Stunt-Team denkt und arbeitet, wie eine gute Kampfszene funktioniert. Ich bin sehr beeindruckt von ihrem Selbstbewusstsein – und ihrer Schönheit. Allein schon auf Basis des Trailers erkenne ich, dass ihre Rolle im anstehenden Everything Everywhere All At Once niemand andere auch nur spielen könnte als Michelle Yeoh.

Journal Mittwoch, 20. April 2022 – Seltener Kinobesuch: The Lost City

Donnerstag, 21. April 2022

Wieder eine Nacht genug Schlaf bekommen, beim Aufwachen lachte mich schief der Dreiviertel-Mond an.

Auch gestern war ein zackiges Tempo beim Fußweg in die Arbeit nötig, um nicht zu frieren.

Frühlingsfest auf der Theresienwiese so gut wie startklar, am Freitag geht’s los.

Arbeit in der Arbeit, viel Gezicke von außen.

Mittags gab es Hüttenkäse mit Dickmilch, viel Orange.

Nachmittags musste ich mich noch ein paar Mal von Fremden anblaffen lassen. Ich weiß ja, dass die nicht mich meinten, es war trotzdem unangenehm.

Nach Feierabend erledigte ich im Vollcorner die dringendsten Einkäufe, dann holte ich endlich beim Schneider vier geänderte Sommerröcke ab.

Daheim nahm ich mir nicht mal die Zeit zum Aufhängen der Röcke, denn wir hatten Abendpläne: Kino. Davor passte noch eine Runde Yoga, zum Abendessen hatte Herr Kaltmamsell eine wunderbare Tomatensoße gekocht, die es mit apulischen Cicatelli gab. Nach dem letzten Bissen schnelles Anziehen, U-Bahn zum Stiglmaierplatz.

Im nicht sehr vollen Kino sahen wir The Lost City. Nette Komödie, Erinnerungen an all die Indiana-Jones-Abklatsche der 1980er. Sehr abgelenkt war ich allerdings durchgehend vom tot-operierten Gesicht der so geschätzten Sandra Bullock. Ich hatte mich für vorbereitet gehalten, weil ich es vor ein paar Monaten schon mal in einer Talk-Show gesehen hatte. Doch der Schaden geht weit darüber hinaus, dass ich mich um die Erfahrung gebracht fühle, sie altern zu sehen: Komikerin Sandy kann dieses einst so effektvoll eingesetzte Gesicht nicht mehr bewegen als Mundöffnen und -schließen (mit starr breitgezogenen Lippen), sie kann nicht mal mehr eine Augenbraue heben. Das muss ich erst einmal verarbeiten.

Lustig eingesetzt: Brad Pitt. Und wie schrieben die Fugly-Damen:

Channing is very good in the movie; he is excellent at the Hot Doofus With a Heart of Gold — and of course he is excellent at physical comedy; they also briefly let him dance because when you have Channing Tatum, you let him dance.

Vor dem Film ein paar interessante Trailer:

Everything Everywhere All At Once sieht aus, als machte endlich mal jemand was Gutes aus dem Multiverse-Konzept (Michelle Yeoh! Jamie Lee Curtis!)

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https://youtu.be/wxN1T1uxQ2g

Und beim Trailer von The Unbearable Weight of Massive Talent musste ich laut auflachen: Nicolas Cage spielt sein eigenes Image:

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https://youtu.be/x2YHPZMj8r4

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Seit Tagen ein offener Tab, jetzt endlich gelesen. Constantin Seibt schreibt in republik.ch sehr lang und ausführlich:
“Russisches Kriegsschiff, fick dich!”

Der russische Präsident Wladimir Putin hat zumindest ein Ziel erreicht: eine neue Weltordnung. Der Kampf der Systeme ist zurück. Und es ist Zeit, das Lager zu wählen.

Detail- und faktenreiche Analyse der russischen Autokratie Putins, sehr spannend zu lesen.

Auch deshalb ist Putin der Held: Er hat die autoritäre Propaganda perfektioniert und weltweit finanziert.

Die neue Propaganda funktioniert sehr anders als im 20. Jahrhundert, als es vor allem darum ging, den Gegner von seinem System zu überzeugen. Sie ist weitgehend von jeder Substanz abgekoppelt: eine Mutation, die sie extrem automatisierbar, extrem anpassungs­fähig, kurz: extrem viral macht.

Ihre Rezepte sind im Groben:
– Sie ist laut. Sie läuft auf möglichst vielen Kanälen – von Social Media bis zum eigenen News­sender bis hin zu Studien und Kongressen. Was zählt, ist die Quantität. Je öfter jemand dieselbe Aussage hört, desto plausibler wird sie.
– Sie ist schnell. Menschen tendieren dazu, an der ersten Information festzuhalten, die sie zum Thema gehört haben.
– Sie ist unabhängig von Fakten. Der Verzicht auf Recherche, sogar auf Plausibilität, ist ein entscheidender Vorteil, wenn es um Quantität und Tempo geht. (Und nie ist man schneller, als wenn man das Ereignis selbst erfunden hat.) Wobei auch Fakten nicht verschmäht werden. Wichtig ist nur, im Publikum permanent Zweifel zu säen. Und seine Feinde andauernd mit den eigenen Dingen zu beschäftigen.
– Sie pfeift auf Konsistenz. Was heisst, dass man unbelastet von den eigenen Argumenten losschlagen kann. (Etwa die Weltverschwörung der Juden beklagen und zehn Minuten später jemandem Antisemitismus vorwerfen.) Sodass man jede Beliebige mit jedem beliebigen Vorwurf vor sich hertreiben kann.

Steve Bannon, der ehemalige Trump-Wahlkampfleiter, fasste seine Strategie so zusammen: «To flood the zone with shit.»

Journal Freitag, 8. April 2022 – Abschluss der Arbeitswoche in Regen und Schnee

Samstag, 9. April 2022

Unruhige Nacht, aber ohne Löcher.

Ich wachte zu Regen auf, der blieb dann auch bis Mittag. (Die Bäurin freut sich, die Städterin hatte für Samstag Wandern geplant und fand das nicht so toll.)
Unterm Schirm in die Arbeit, der Sturm hatte sich gelegt.

Dumpfhirniges Werkeln, für volle Leistungsfähigkeit bräuchte ich dann doch mal wieder eine ganze Nacht Schlaf. Für einen Freitag überraschend kurz getaktete Arbeit, ordentlich was weggeschafft.

Mittags gab es Ernteanteil-Apfel (wieder SO gut), Pumpernickel mit Butter, Hüttenkäse.

Ah, dings, positiv sein, blessings counten und so: Ich möchte hier mal festhalten, dass ich keine Krampfadern habe, trotz erheblicher familiärer Vorbelastung und trotz Alter. Und zwar überhaupt keine, null, nada, nicht mal eine Ahnung davon. Dafür kann ich genauso wenig wie für hormonelle Schlafstörungen oder die gestrigen Glutattacken im Stundentakt, finde es aber sehr prima und freue mich darüber.

Pünktlicher Feierabend, der Regen machte Pause, dafür ging wieder heftiger Wind. Ich ging über Lebensmitteleinkäufe heim, außerdem setzte ich eine Geschenkidee um (es kann so schön sein, Ideen zu haben!).

Daheim eine lange Einheit Yoga, aber auch Folge 19 von Adrienes “Revolution” macht mir keine Lust auf Wiederholung.

Jetzt gingen wir das Feiern des Wochenendes an, ich machte Cosmopolitans.

Nach dem hochprozentigen Aperitif war ich so gelockert, dass ich uns für die nächste Woche einen Restauranttisch buchte, trotz Abschaffung des Impfungsfilters.

Zum Abendessen hatte Herr Kaltmamsell italienischen Polenta-Auflauf gemacht, mit Sojahack statt Hackfleisch – und zum ersten Mal erwies sich dieser Tausch als Verschlechterung: Das Sojahack machte das Gericht trocken und fad . Allerdings gilt der Versuch nicht wirklich, weil Herr Kaltmamsell ein anderes Produkt als die sonst immer verwendeten Sojabröckerl genommen hatte.

Dazu gab es einen Wein, den ich im Vorbeigehen beim Basitsch mitgenommen hatte (Wein ist meine Quengelware).

Feinstrick gemischter Satz aus Niederösterreich. Sehr schöne Grafik-Idee, der Gemischte Satz moussierte leicht, schmeckte säuerlich frisch nach Zitrusfrüchten und ein wenig Apfel.

Früh ins Bett zum Lesen, draußen war der Regen zurückgekehrt und hatte ein paar Schneeflocken mitgebracht – es sah schlecht aus für die Wanderpläne.

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Trailer für The Lost city entdeckt. Welche ein Staraufgebot! Und eine Drehbuchidee, die sehr lustig werden kann – oder fürchterlich daneben gehen.

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https://youtu.be/nfKO9rYDmE8

Journal Samstag, 2. April 2022 – Schnee. Und noch mehr Schnee

Sonntag, 3. April 2022

Eine gute Nacht. Ich wachte zwar ein paar Mal auf, was ja immer von der Beklemmung gefolgt ist, ob ich wieder einschlafen können werde, doch tatsächlich funktionierte das Wiedereinschlafen – und ich musste ja nicht früh raus. Das hellte meine Grundstimmung deutlich auf.

Erster Anblick beim Aufwachen:

Eigentlich kann ich die Winterrückkehr gerade auch nicht brauchen, doch ich sehe den Schnee in erster Linie als dringend nötigen Niederschlag. Und richtig frostig war es ja nicht.

Über den Tag machte ich noch viele Schneefotos, es schneite durchgehend leicht, in Flocken verschiedener Größe. Schließlich war das in diesem Winter erst der zweite ernsthafte Schneefall. (Sie werden jetzt sagen “Aber 2. April ist doch nicht mehr Winter?”)

Telefonat mit meiner Mutter. Unter anderem erfuhr ich zu meiner Beruhigung, dass meine Eltern bereits viertgeimpft sind. (Ich habe mir das für Mai vorgenommen, für sechs Monate nach Booster.)

Lange wägte ich ab, was mir mehr Freude bereiten würde: Radeln durchs weiße München zum Schwimmen, durch winzigen Schneefall? Oder Fahrt mit der Tram?
Ich entschied mich für Tram, um nicht schneenasse Kleidung in den Spind sperren zu müssen. Die Straßenbahn war auf der Hinfahrt so leer wie erwartet.

Im Dantebad der wahrscheinlich letzte Öffnungstag mit Check des Impfstatus und mit Maskenpflicht in den Innenräumen. Ich bin gespannt, ob ab Sonntag der Betrieb wirklich läuft, als gebe es kein Corona mehr.

Schwimmen im Schneefall war schön, die kalten Flocken bitzelten auf meinen Armen und Schultern. Rechte Zehen und linke Wade immer ganz kurz vorm Krampfen, erst auf den letzten 300 von meinen 3.000 Metern machte die Wade eine Runde ernst, kriegte sich aber wieder ein.

Auf der Rückfahrt war die Tram leider nicht mehr leer, und die Leute hielten keinen Abstand. Ich verließ an der zweiten Station meinen Sitzplatz und floh in eine Steh-Gegend, in der ich Raum hatte.

Einkäufe in einem sehr großen Edeka – und ich bekam tatsächlich kein Weizenmehl, das Herr Kaltmamsell für die geplanten Dampfnudeln auf die Einkaufsliste geschrieben hatte, stand vor leeren Regalen. Bis dahin hatte ich die Berichte von Hamstergekäufen aus Angst vor bevorstehenden Lieferengpässen (die Ukraine ist ein wichtiger Weizen-Exporteur) für übertrieben gehalten. Haben die Leute tatsächlich ihre Hamsterkäufe vom Pandemiebeginn vor zwei Jahren schon aufgebraucht oder weggeworfen? Nun, noch können wir auf nicht ganz so perfekt geeignete Weizenmehlsorten im Schrank zurückgreifen (00 und 550 statt 405).

Frühstück um halb drei: Semmeln und eine reife Birne. Das machte mich bettschwer, ich legte mich zu einem Nickerchen hin.

Herr Kaltmamsell hatte bereits vor einer Weile verkündet, er wolle jetzt auch backen. Er ließ sich meine anspruchsvollen Tortenbackbücher geben (aus der Phase zwischen 16 und ca. 26), doch gestern wurden es dann doch erstmal Mandelkekse. Ich probierte gleichmal zwei: Sehr gut!

Draußen schneite es weiter, die Farbkombination Weiß mit dem Neongrün der Ahornblüten fand ich besonders reizvoll.

Zeitunglesen, eine Runde Yoga – anstrengend allein durch das lange Halten von Positionen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell ein Rezept aus einem besonderen Kochbuch ausprobiert, dass der Gast vom Donnerstag uns geschenkt hatte – ganz in der Tradition der 1980er-Vollwertbewegung.

Es gab daraus den Borschtsch, weil der zum Bestand in unserem Gemüsefach passte.

Schmeckte hervorragend, der von Buhl Riesling Deidesheimer Herrgottsacker 2017 passte nicht nur vom Namen gut dazu. Dann gab es noch Käse, abschließend Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Hancock dazu laufen, einer meiner liebsten Superheldenfilme. Ich stellte fest, dass ich das Ende wohl nur einmal gesehen hatte, nämlich damals im Kino, sonst immer vor Ende ins Bett gegangen war. Es ist auch die Schwachstelle des Films.

§

Tobias Kniebe schreibt in der Süddeutschen über den Krankheits-bedingten Abschied von Bruce Willis (nur gegen Abo €):
“Nichts zu bedauern”.

Aus allem, was Bruce Willis damals [ca. 1998] sagte und was in der Tat eher beiläufig und genervt klang, ließ sich am Ende eine Botschaft herauslesen, die voll überraschender Demut war – fast fatalistisch.

Es liegt nicht in meiner Hand, war der Subtext seiner Antworten. Ich kann nicht beeinflussen, wie ihr mich seht, welche Fantasien ihr mit mir entwickelt, welche Rollen unsere besten Geschichtenerzähler sich ausdenken, die ich ausfüllen kann. Ich kann mich nur bereithalten. Ich kann mich nur fit halten für den Moment, wenn wieder ein guter Anruf kommt. Ich kann dieses Gesicht, an dem ihr euch alle nicht sattsehen könnt, nur formbar halten für eure Ideen. Und das tat er. Kurz nach jenem Treffen holte ihn M. Night Shyamalan für “The Sixth Sense”, da war er ein stiller Kinderpsychologe, der unerklärliche Dinge verstehen muss, und selten war er so gut.

Kniebe beschreibt einige Rollen, in denen Willis Kinogeschichte schrieb – und lässt doch zwei meiner Lieblingsfilme mit ihm aus:
Death becomes her (dt. Der Tod steht ihr gut), in dem er ganz gegen Image in einer komischen Spießerrolle besetzt ist
Hudson Hawk – in dem er nämlich singt (mit Danny Aiello!)

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https://youtu.be/I6WXVqg48Qs

Der Film wurde damals mit Goldenen Himbeeren überschüttet – was lediglich beweist, dass die alle keine Ahnung haben.

Tanzen sehen können Sie einen Bruce Wills aus Moonlighting-Zeiten (mangels Ferseher damals nie gesehen, von einem Freund aber sehr detalliert vorgeschwärmt bekommen) hier, Regie der Szene Stanley Donen (der unter anderem Singing in the rain gemacht hatte):

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https://youtu.be/HXvki5MKPAI

Mein allerliebster Bruce-Willis-Film wird aber The Fifth Element bleiben. (Weil Milla Jovovich. Gary Oldman. Chris Tucker. Ian Holm. Und in der Hauptrolle: Das Drehbuch von Luc Besson und Robert Mark Kamen.) (“Multipass!”)

Journal Donnerstag, 24. März 2022 – Weher Finger

Freitag, 25. März 2022

Schlimme Nacht, nach drei schlief ich erstmal gar nicht mehr, war aber zu erledigt zum Lesen.

Meine übermüdete Benommenheit mag auch daran schuld gewesen sein, dass ich den Arbeitstag mit einem blutigen Malheur in der Teeküche startete: Ich schnitt mich ordentlich in den Zeigefinger, oder wie ich es im Arbeitsunfall-Formular dokumentierte:

Zum Glück war jemand da, die mir helfen konnte, zum Glück war der Verbandskasten gut gewartet. (AUA.)

Habe ich das also auch mal durchgespielt, zum Glück in harmloser Variante. Die Wunde schmerzte und blutete dann überraschend intensiv und lang.

Mittags Drei-Gänge-Menü: Restliche Linsen von Dienstagabend, Quark mit Joghurt, Mandarinen. Der Schnitt hatte endlich aufgehört zu schmerzen.

Nachmittags lernte ich unter anderem Kniffe zur Serienbrief-Erstellung in Word/Excel von jemandem, die sowas als Schulunterricht mit Prüfung durchgenommen hatte. (Möglicherweise sind Serienbriefe das zentrale Herrschaftswissen eines Sekretariats.) Nachmittags lichtete sich meine bleierne Müdigkeit nur kurz, ich machte früh Feierabend mit Visionen von einer Runde Schlaf vor dem Abendessen.

Draußen weiterhin wolkenlose Sonne. Tagsüber ist es auch dieses Jahr für März zu warm; ich hoffe, dass zumindest der nächtliche Frost die Obstbäume vom vorzeitigen Blühen abhält.

Kurzer Einkaufsabstecher beim Vollcorner, daheim legte ich mich tatsächlich erst mal hin und schlief kurz ein.

Eine Yogarunde mit lediglich ein wenig Dehnen, nach der Hälfte gab meine innere Ungeduld auf und fand sich drein, dass es keinen Sport geben würde.

Zum Abendessen servierte Herr Kaltamsell Teile des frisch geholten Ernteanteils als Salat und Kartoffel-Sahne-Käse-Auflauf, danach viel Süßigkeiten.

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Aufschlussreicher Video-Essay über einen Topos von Kinofilmen:
“The Ethics of Looking And The ‘Harmless’ Peeping Tom”.

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https://youtu.be/MeSiwHnV5L0

via @giardino

Jonathan McIntosh analysiert die typischen Szenen, in denen männliche Filmfiguren sich den Anblick von Frauen erschleichen, die sich sicher und unbeobachtet fühlen, was das über den male gaze aussagt und über Dominanz.

§

Es ist sehr klasse, dass Nicole Diekmann seit einer Weile auch bloggt (minder klasse, dass sie wegen Corona-Infektion überdurchschnittlich viel Zeit dafür hatte). Diesmal schreibt sie darüber, warum sie echt nicht mit Annalena Baerbock tauschen möchte.

Lob auch für den perfekt passenden Hilde-Knef-Schnipsel, der mich daran erinnerte, welche Ausnahme-Künstlerin Knef war und dass ich ihren Geschenkten Gaul nochmal lesen wollte, 40 Jahre nach Erstlektüre aus der Stadtbücherei.

§

Praktische Lebenshilfe: Wie man eine Ente hochhebt.

Journal Sonntag, 27. Februar 2022 – Heimatkunde beim Tatort-Gucken

Montag, 28. Februar 2022

Gut geschlafen, sogar nach dem Aufwachen um sechs eine weitere Stunde, das tat sehr gut.

Draußen schien die Sonne, wir machten uns am Vormittag auf zum Bahnhof, denn wir waren bei Schwiegers in bei Augsburg zum Mittagessen eingeladen.

Vom Bahnhof Augsburg Haunstetterstraße (so praktisch! allerdings bekomme ich dadurch seit Jahren nichts mehr von der Augsburger Innenstadt mit) wurden wir abgeholt, mit meinen ebenfalls eingeladenen Eltern trafen wir uns im guten Italiener am Eingang von Königsbrunn.

Zum Austausch aktueller Informationen und Befindlichkeiten gab es bergeweise italienische Antipasti, dann für mich hausgemachte Strozzapreti mit Steinpilzen und Salsicce. Anschließende Umsiedelung in die Wohnung der Schwieger-Herrschaften, dort Kaffeeundkuchen (ich ließ Kuchen wegen Überfüllung aus).

Unter anderem bekam ich die Nachricht vom unerwarteten Tod einer Freundin meiner Eltern – es schmerzt mich, dass ich diesen über Jahrzehnte gewachsenen Eltern-Freundeskreis wegen Corona so lange nicht gesehen habe.

Auf der Heimfahrt sah die Sonne besonders verlockend aus, ich bekam Lust auf ein schnelles Umziehen daheim mit anschließendem Spaziergang. Doch schon die 15 Minuten Fußweg vom Bahnhof waren in Kälte und Wind ausgesprochen unangenehm, ich ließ diese Pläne fahren. Statt dessen las ich auf Twitter Berichte über zahlreiche Friedensdemonstrationen in Deutschland zur Unterstützung der Ukraine nach, auch über die gestrige Sondersitzung des Bundestags zum Krieg in der Ukraine.

Eine weitere Folge Folge Yoga, sogar ich Steifkörper muss zugeben, dass sich seit meinem Yoga-Einstieg vor zwei Jahren einiges getan hat, dass mir Bewegungsabläufe möglich sind, die ich anfangs nur mit Zwischenschritten oder Abstützen schaffte. Geben Sie mir noch zehn Jahre – und wir finden heraus, was schneller ist: Alterungsprozess mit Versteifung, Arthrose-Krachen und Bewegungseinschränkungen oder die Gymnastikwirkung mit Lockerung, Stärkung, Dehnung.

Abends hatte ich tatsächlich nochmal Hunger. Ich verührte Sahnequark mit Joghurt, schnippelte eine Mandarine, einen Apfel und ein paar Halbtrockenpflaumen rein. Dann noch Schokolade.

Nach Tagesschau und Ukraine-Extra im Fernsehen ließ ich den Tatort “Kehraus” laufen, weil er in München spielte – aus den Außenaufnahmen lerne ich ja oft etwas über die Gegenden meiner Heimatstadt, in die ich nicht so oft komme. Diesmal war allerdings das Rührende, dass das Drehbuch so tat, als gäbe es in München noch echten Fasching wie zu Zeiten des Monaco Franze (-> “Der Herr der sieben Meere”). Das tut es schon lang nicht mehr, der Münchner und die Münchnerin betonen fast durchgehend ihre Abneigung gegen Fasching (wohingegen das Oktoberfest in all den legendären München-TV-Serien keine Rolle spielt und Münchner*innen es heutzutage lieben und sich begeistert dafür verkleiden – da hat sich etwas gedreht). Ich erfuhr nichts über selten gesehene Gegenden, sondern sah die Schillerstraße ums Eck sowie die Kreuzstraße im benachbarten Hackenviertel: Die leerstehenden Räume des legendären und vor über zwei Jahren geschlossenen Glashauses wurden zum Dreh des Tattoo-Studios verwendet. (Hier Link zum aktuellen Stand Glashaus und Online-Bestellmöglichkeit.)

Ansonsten sauberer Tatort mit einer durch und durch glaubwürdigen Hauptfigur, gespielt von Nina Proll: Solchen windigen “Geschäftsleuten” (übliche Selbstbezeichnung) wie ihr bin ich schon mehrfach begegnet und habe sie zu meiden gelernt – zumindest beruflich, denn sie sind oft ganz charmante Zeitgenoss*innen, diese Serien-Hallodris.

Spät ins Bett, ich habe ja zwei weitere Tage frei und kann ausschlafen.


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