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Journal Samstag, 3. Oktober 2026 – Feiertagsschwimmen, Feiertagsspaziergang

Sonntag, 4. Oktober 2026

Recht gute Nacht, aber mit überraschend brummigem Kopf aufgestanden – so viel Alkohol war das doch gar nicht?

Mit Herrn Kaltmamsell räumte ich weiter die Reste der Vorabendeinladung auf, ich freute mich am Anblick der mitgebrachten Blumen.
Mich würde mal eine Aufstellung typischer Gastgeschenke verschiedener Länder im Vergleich interessieren. Für Deutschland nenne ich als typisch und kann-man-nichts-falsch-machen bei Essens-Einladung daheim: Blumenstrauß, Flasche Wein, Süßigkeit (gern auch selbst gemacht).

Ich freute mich auch auf die geplante Schwimmrunde, jetzt zurück im Olympiabad. Wegen anhaltenden Oktoberfest-Unruhen (am gestrigen Samstag musste der Zugang zum Gelände wie schon am Samstag zuvor kurzzeitig wegen Überfüllung gesperrt werden) nahm ich lieber die U-Bahn zum Olympiapark.

Ja, das Gebäude Olympiabad ist schöner als das Dantebad, aber die Aussichten beim Schwimmen im Dantebad sind VIEL schöner als im Olympiabad.

Schwimmen ging flüssig und gut, auf meiner Bahn war es immer schön ruhig und freundlich, allerdings erwischte mich auf den drittletzten 100 Metern ein Krampf in der rechten Wade, mein unterdrücktes Aufjaulen am Beckenrand sorgte für besorgte Mienen, die ich mit der Erklärung “Sorry, Krampf” beruhigte. Da das Befolgen des Standard-Rats Fußanziehen bei mir lediglich weitere Krämpfe in Fuß- und anderen Wadenmuskeln auslöst und ich schön länger davon ausgehe, dass das alles eh irgendwie von der Lendenwirbelsäule verursacht wird, rollte ich mich im Wasser ein und zog die Knie an: Der Krampf löste sich, ich konnte meine 3.000 Meter zu Ende kraulen.

Heimfahrt in der U-Bahn in Begleitung von 80 Prozent Oktoberfest-Cosplayern.

Zum Frühstück gab es kurz vor zwei Birne und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Brot mit Butter.

Herr Kaltmamsell hatte um einen Spaziergang gebeten, um seine Gehtauglichkeit mit Ziel Wandern zu testen, ich schlug den Schlosspark Nymphenburg vor. Auf der Trambahnfahrt dorthin begegneten wir früheren Mitlesenden unserer Leserunde, die dasselbe Ziel hatten.

Wie auch viele, viele andere dauerhafte Münchner*innen oder Besucher*innen – kein Wunder an einem Feiertag mit schönem Wetter.

An der Porzellanmanufaktur Nymphenburg ging ich gezielt vorbei und schaute ein wenig in die Fenster – ich vermisse den Laden am Odeonsplatz.

Am Geranienhaus folgten wir den Hinweisschildern zur Ausstellung über Geschichte, Gestaltung und Pflege des Schlossparks (wenn’s was zu lesen gibt, lesen wir – auch im Park).

Wir kamen schlauer raus, als wir reingegangen waren.

An wen sich dieses “Bitte nicht fällen” wohl richtet?

Ich genoss Luft und Bewegung, fühlte mich allerdings weiterhin sehr müde und verkatert. Herr Kaltmamsells Körper erwies sich leider als bei weitem noch nicht wandertauglich, ich mache mir weiterhin Sorgen.

Daheim Zeitunglesen auf dem Balkon, die Feiertagsausgabe war wieder auf Papier geliefert worden. Vorm Balkon die Lärm-Ausläufer des Oktoberfests in Form von Musik-beschallten Radl-Rikschas, Gegröle, berstendem Glas.

Ein Viertelstündchen Rücken-Gymnastik mit Gabi Fastner, dann öffnete ich für den Abend eine weitere Flasche Ziereisen Grauer Burgunder – ebenfalls oxidiert. Also griff ich nach der nächsten Flasche Weißwein im Kühlschrank: Pouilly Fumé Elisa Jonathan Didier Pabiot 2022. Der war zwar nicht oxidiert, schmeckte aber seltsam, definitiv nicht wie wir ihn kannten und wie er gehört. Kippt gerade der gesamte Jahrgang 2022 um?

Zum Wein gab es erstmal arabische Nüsschen, dann Reste vom Vorabend: Kichererbsen (aus kastilischem Familienanbau) mit Spinat, kaltes Entrecôte, ganz wunderbar. Nachtisch reichlich Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Oppenheimer laufen; auch nach der Hälfte des Films wusste ich noch nicht, was mir hier erzählt oder gezeigt werden sollte außer schönen Bildern und Kostümen, die dichte Beregnung des Werks mit Oscars verstehe ich nicht. Vielleicht gehen einfach Christopher Nolans Filme an mir vorbei. Ich widmete mich lieber wieder dem Riesendrachen in Terry Pratchetts Guards! Guards!.

Journal Dienstag, 29. September 2026 – Das große Sich-anstellen

Mittwoch, 30. September 2026

Der jährliche Angsttermin (im Grunde halte ich lediglich eine Unterrichtsstunde) kostete mich dann doch Nachtschlaf mit Angstwellen; kein gutes Zureden half (1. ist ECHT NICHT SCHLIMM, 2. ist doch bald vorbei, 3. ist wirklich gut vorbereitet), drecks Stoffwechsel. Mir war sogar eine Lösung fürs Zeit-Management eingefallen: Bislang hatte ich immer meinen kleinen Reisewecker vor mich gestellt, doch der ist ja mittlerweile kaputt; jetzt fand ich eine Möglichkeit, die Uhrzeit auf meinem Handy-Sperrbildschirm anzuzeigen (mit der App OLEDX).

Der Angsttermin begann um 9 Uhr; vorher sah ich mir im Büro dabei zu, wie das Angst-Adrenalin mich ablenkte und dumm machte (reines Aufregungs-Adrenalin macht ja eher alert), schon nach Klick auf ein Programm wusste ich nicht mehr, was ich dort wollte – das ganze nahm Migräne-artige Züge an.

Der Termin verlief dann ok, natürlich. Da mir aber so überhaupt nicht einfällt, wie ich die innere Folter in den Tagen davor bekämpfe, nehme ich mir für nächstes Jahr vor abzusagen. Meinen Zusage-Reflex habe ich bislang vor allem durch Entkarrierisierung und Rückzug von Menschen bekämpft (behalten habe ich das schlechte Gewissen), in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit sollte ich lernen, mich auch vor dem Rest zu schützen.

Nach etwas Beruhigung (durch Rumrennen) Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich mittags raus in die Sonne und um die Blöcke kam: Für die Jahrezeit war es schon wieder viel zu warm und sommerlich – dennoch genoss ich es sehr. Unterwegs machte ich Halt in einem Supermarkt HIT, der mich bei einem ersten Besuch mit seinem riesigen Sortiment beeindruckt hatte. Und tatsächlich fand ich dort den schwer zu bekommenden Zuckersirup von unserer Einkaufsliste (die Whiskey-Sour-Saison naht).

Zu Mittag gab es Apfel, Feigen, Skyjolei.

Nachmittags reichlich Reise-Orga und Querschüsse, ich freute mich sehr auf den sonnigen Heimweg.

Der war dann auch herrlich, tiefe Atemzüge, trotz Bogengehenmüssen ums Oktoberfest.

Zu Hause Häuslichkeiten, Gymnastik des Abends war die erste von fünf Folgen Gabi Fastner “Gesunder und schmerzfreier Rücken” – abgehalten hatte mich bislang tatsächlich, dass sie alle nur 15 Minuten lang sind (dafür die ganze Umzieherei und Matteausrollen?). Meine Beschwerden waren zwar in den vorhergehenden 48 Stunden nicht schlimmer geworden, und die Ursache Skoliose mit extra belasteten und verrutschten Bandscheiben würden eh nicht weggehen – aber verschlechtern würden die Übungen meinen Zustand ja wohl kaum.

Waren dann auch einmal mehr interessante Übungen, taten gut – und ich sah währenddessen in der früh einsetzenden Dämmerung eine Fledermaus vorm Wohnzimmerfenster vorbeiflattern.

Ernteanteil war aufgegessen, zum Nachtmahl hatte ich mir von Herrn Kaltmamsell ein Pastagericht ohne Knoblauch (Zahnarzttermin Mittwochmorgen) gewünscht, er hatte dafür auf meine Anregung auf dem Viktualienmarkt Steinpilze gekauft und sie zu einer Crème-fraîche-Sauce verarbeitet: ganz besonders gutes Abendessen. Nachtisch Schokolade.

Abendunterhaltung: Ich war einem Tipp zur arte-Doku Matrix Generation gefolgt. Erwies sich als ungemein dichte Analyse des Zusammenspiels von Film Matrix (1999) und gesellschaftlicher Entwicklung, von filmischen und weiteren medialen Vorbildern und Erkenntnisphilosophie, was heutige Technik damit zu tun hat. Manche Argumentationssprünge waren mir zu groß, doch wenn ich noch schaffte, daheim gezielt Filme zu gucken, hätte ich jetzt eine lange Liste (u.a. asiatische Science Fiction).

§

Juna macht sich lesenswerte Gedanken zu
“Das Leben in Diktaturen ist einfach”.

Ich bin dankbar, dass ich in dieser anstrengenden Welt namens Demokratie leben darf. Ich habe in meinem Leben nicht eine einzige Wahl verpasst und ich durfte immer in einem Land wählen, in dem „Demokratisch“ nicht nur ein Feigenblatt war. Ich weiß, wo in meiner Stadt die Grenze lief, ich weiß, wie grau und dunkel es war. Ich kann mich entsinnen an die stillen Gespräche der Erwachsenen, wenn wieder jemand „erwischt wurde“, an die langen Spaziergänge in den Wäldern, damit man sich ungehört unterhalten konnte.

§

Seit einiger Zeit wird in meinen Kreisen viel mit den Begriffen “neurodivergent” und “neurotypisch” diskutiert – ich habe das nie hinterfragt. Hätte ich vielleicht mal sollen, denn es handelt sich keineswegs um medizinische Kategorien. Mal wieder dargelegt von einem Krautreporter-Artikel, den ich Ihnen schenken kann:
“Kein Gehirn ist neurotypisch”.

Darüber, ob ich klinisch betrachtet wirklich aufs Spektrum gehöre, also ob ich tatsächlich neurodivergent bin, mache ich mir selten Gedanken.

Warum auch? Ich habe einen Master in Psychologie. Ich habe als Neuropsychologe geforscht. Ich habe eine Idee davon, wann Diagnosen helfen und wann nicht. Und davon, was es über mich aussagen würde, wenn ich irgendwo auf dem Spektrum wäre. Nämlich gar nichts.

(…)

„Neurodivers“, sagte Begriffserfinderin Singer, „beschreibt als Adjektiv nichts anderes als die ganze Welt.“ Aus ihrer Sicht kann es keine neurodiversen Gehirne oder Menschen geben. So ähnlich wie es keine biodiverse Tierart gibt, sondern nur biodiverse Ökosysteme.

(…)

Aus heutiger Sicht sind Menschen auf dem Autismus-Spektrum ein perfektes Beispiel für diese Vielfalt. Sie und ihre Gehirne sind untereinander ebenso verschieden wie Menschen ohne Autismus-Diagnose. Dass alle Menschen auf dem Spektrum bestimmte Merkmale haben, ist ein weitverbreiteter Irrglaube.

Stephen Shore ist Professor für Sonderpädagogik an der Adelphi-Universität in New York. Er beschrieb die Diversität von Menschen mit Autismus bis heute vielleicht am treffendsten: „Wenn du eine Person mit Autismus getroffen hast, hast du EINE Person mit Autismus getroffen.“

Journal Montag, 17. August 2026 – Spaghetti Carborizo

Dienstag, 18. August 2026

Wieder nicht genug Schlaf: Nach sehr frühem Schlaf wie Stein – ich war vor lauter Müdigkeit ins Bett nur noch getorkelt – gab es ein langes, langes Loch nach Mitternacht, ausgelöst von Gebrüll im Nußbaumpark (Ohrstöpsel schon seit Monaten wieder Standardausrüstung).

Der angekündigte Temperatursturz mit Gewittern war ausgeblieben, ich setzte mich in schwüle Luft auf meinen Balkonkaffee.

Oktoberfestaufbau aktuell.

Schwül auch der Arbeitsweg, mit dem vollen Rucksack (Arbeitslaptop, sonstiges Material) traf ich gut feucht geschwitzt an meinem Arbeitsplatz ein.

Superemsiges, aber geordnetes Abarbeiten, erleichtert durch viele leere Büros. Mittagscappuccino zwischen zwei Terminen aus der Cafeteria, diesmal sogar besonders gut.

Mittags hurtig per U-Bahn in die Innenstadt, um mir in einer Arztpraxis ein Rezept ausstellen zu lassen. JETZT gab es endlich Regen und Gewitter – aber ich Füchsin hatte einen Schirm eingesteckt. Das Beste: Der Regen hielt sogar eine Weile an, mehrere Stunden!

Zu Mittag gab es selbstgebackenes Brot sowie Nektarinen.

Nachmittags suchte ich zweimal die Gelegenheit rauszukommen: Tiefe Atemzüge in der herrlichen Regenluft.

Meine Treppenfitness hatte nicht unter der zweiwöchigen Pause gelitten.

Zu Feierabend hatte der Regen aufgehört, die Sonne kam heraus. Ich ging über Einkäufe beim Drogeriemarkt und bei Lidl nach Hause. Dort eine halbe Stunde Yoga, anstrengend und wohltuend.

Highlight des Tages Abendessen.
Wir wissen ja: Sprache schafft Wirklichkeit. Im Englandurlaub war mir das Gericht namens Spaghetti Carborizo eingefallen, also Spaghetti Carbonara, aber mit Chorizo statt Guanciale. Da wollte ich es aber auch mal essen, und Herr Kaltmamsell bekam den Auftrag zur Umsetzung. Den erfüllte er gestern.

Ja, kann man sehr gut machen. Zur Verstärkung des Geschmacks (und für ein bisschen mehr Schärfe) holten wir uns nach dem Foto noch Chorizo-Öl, das beim Braten ausgetreten war – besser!

Als Dessert hatte Herr Kaltmamsell Eton Mess nach Anregung des Restaurants St. John in London gemacht: in die Sahne Frischkäse gemischt (was, wie er bei der Recherche nach dem Mischungsverhältnis herausgefunden hatte, in UK eh gerade ein Trend ist). Guter Nachtisch, aber Herr Kaltmamsell steht möglicherweise vor einer längeren Testreihe Sahne-Frischkäse.
Dann noch Fruchtgummi und Schokolade.

Im Fernseher ließen wir den vielgerühmten deutschen Spielfilm Der Buchspazierer laufen, und ich stolperte bei aller Amelie-Märchenhaftig- und -niedlichkeit über die Realitätsferne des Buchladens (eigentlich ein Antiquariat, das kollidiert aber mit der Handlung) und des Buchverkaufens – was meine Rezeption völlig dominierte. Wie so oft wunderte ich mich über diese künstlerische Entscheidung, weil die Wirklichkeit doch viel interessantere Noten geliefert hätte als diese Verzerrung.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Mir scheint es praxis- und lösungsorientiert, alle politischen Maßnahmen auf Klimaschutz abzuklopfen und auf Linderung von Folgen der Klimakatastrophe, aber mir fallen sofort ganz konkrete Menschen ein, die diese meine Haltung “ideologisch” nennen würden. Obwohl Leute, die solche Einschätzungen beruflich machen, mir beipflichten. Frau Büüsker fasst in ihrem aktuellen Newsletter zusammen:
“Klimasommer 2026 – Und jetzt?”

Obwohl der Nutzen von naturbasierten Lösungen aber vielfach wissenschaftlich klar belegt ist: Sie in ein auf Gewinnmaximierung orientiertes System zu intergieren ist schwierig, weil sich diesen Lösungen kein konkreter Geldwert zuschreiben lässt.

Journal Mittwoch, 5. August 2026 – Brighton 5 mit Abkühlung und Kino

Donnerstag, 6. August 2026

Wir haben’s angesichts der Hitzewelle in Deutschland und Österreich gerade wirklich gut: Ich erwachte nach einer besonders guten Nacht zu frischem Wind, nasser Straße und dem Ende eines Regenschauers. Angekündigte Höchsttemperaturen der nächsten Tage für Brighton: 22 bis 23 Grad.

Gestern traute ich mich also, wieder erst zu bloggen, bevor ich mich auf meine Laufrunde machte. Diesmal ging meine Berechnung auf: Der Wind kräuselte Schaumkronen aufs schilfgrüne bis türkise Meer, ich wurde ordentlich durchgepustet, manchmal sogar von Wolken beschattet. Das Laufen war leicht und ein Genuss.

Das Betreten des Palace Pier kostet mittlerweile Eintrittsgeld.

Herrn Kaltmamsell hatte ich währenddessen zum Friseur geschickt: Er brauchte dringend einen Haarschnitt, war vor dem Urlaub aber nicht dazu gekommen – Urlaubsabenteuer! Zwar hatte er erst im vierten Salon einen Walk-in-Termin bekommen, war aber zufrieden.

Für Frühstück wollte ich endlich mal in die legendäre Hellenic Bakery ums Eck bei Seven Dials, wir spazierten hin. Die Theke bot Patisserie-Werk, griechisch waren die Feinkost in den Regalen und eine Vitrine mit Baklava.

Es gab also an einem der Tischchen an der lebhaft befahrenen Straße Cappuccino, für Herrn Kaltmamsell eine Gyros-Tasche (Hefeteig drumrum), für mich ein Stück Walnuss-Baklava. Dann weiteres spazierendes Erkunden der schönen historischen Gegend, Einkäufe fürs Abendessen (u.a. im orientalischen Supermarkt Taj, der mit seinem ersten Ableger in Kemptown seinerzeit eine Offenbarung gewesen war – jetzt aber mit seinen leeren Gängen und Regalen nicht wirkte, als würde es ihn noch lange geben).

Diesmal gab sich mein Körper nicht mit diesem halbscharigen Frühstücksangebot zufrieden: Zurück in der Ferienwohnung schob ich Skyr mit Joghurt hinterher.

Gemütliches Lesen, bis wir zum Nachmittagsprogramm aufbrachen: Kino. Aus dem Angebot des Odeon (Gebäude noch so eingerüstet wie vergangenes Jahr) nahmen wir den Film Minions and Monsters.

Selfie-Training in für mich typisch englischem Kino-Foyer.

Der Film war gute Unterhaltung, wieder bekamen die Kinder etwas (alberne Minions), aber auch die Erwachsenen (komplexe Konstruktion mit Film im Film im Film und ganz viele Anspielungen auf die Filmgeschichte).

Auf dem Rückweg war es immer noch sonnig, frisch und windig, Mitgefühl für die Hitze-Ächzer aus der Heimat.

In der Ferienwohnung richtete ich als Abendessen die große englische Käsetafel an:

Großer Teller oben ab 11 Uhr im Uhrzeigersinn: Englischer Pecorino, Cornish Yarg (mein Favorit), Sparkenhoe Red Leister (so alt, dass er Salzkörnchen enthielt), St Cera.
Kleiner Teller oben Sparkenhoe Blue (trotz Reife milder als Stilton), Ducketts Caerphilly.

Dazu gab’s Trauben und Tomaten, ein Körnerbrot (“gesunde” Brote werden hier nicht über Vollkorn-Gehalt verkauft, sondern über Beimischung ganzer Körner wie Leinsamen und Sonnenblumenkerne), Ploughman’s Pickle (Waitrose-Eigenmarke, super). Das war ein sehr gutes Abendessen. Nachtisch Süßigkeiten.

§

Das mit dem British Museum ließ mich nicht los. Unter anderem weil ich weiß, wie weit und spannend die Forschung zum Thema Museum ist und mich verwundert, dass davon hier nichts in die Museums-Praxis schwappt. Zum Beispiel gab es kürzlich einen ERC Advanced Grant1 für das Projekt von Kunsthistorikerin Prof. Bénédicte Savoy von der Technischen Universität Berlin: “REMAPP – Afrikanische Museumsgeschichte neu erzählen”.

REMAPP stellt eine bis heute wirkmächtige Grundannahme der Museumsgeschichte infrage: dass das Museum eine genuin europäische Institution sei, die erst mit dem Kolonialismus nach Afrika gelangte. Das Projekt setzt stattdessen bei afrikanischen Wissensordnungen, Orten und Praktiken an, die lange vor oder neben kolonialen Institutionen bestanden. Sie entsprachen nicht eins zu eins den westlichen Definitionen des Museums als öffentlicher Einrichtung mit Sammlung, Ausstellung und wissenschaftlicher Ordnung. Dennoch erfüllten sie zentrale museale Funktionen: Sie bewahrten Objekte, machten materielle Kultur sichtbar, stifteten soziale Zugehörigkeit, verankerten Erinnerung und verbanden Dinge mit rituellen, politischen oder historischen Bedeutungen.

§

In der Süddeutschen nochmal ein umfassender Artikel über den Forschungsstand zu Wechseljahren (€):
“Nicht ohne meine Hormone”.
(Superbescheuerte Überschrift.)

Mittlerweile wirkt es ja, als sei kaum noch eine Frau neutral, wenn es um das Thema Hormone in den Wechseljahren geht, nicht einmal beim Thema Wechseljahre selbst. Da sind auf der einen Seite die Sheila-de-Liz-Fans, die die geschäftstüchtige Gynäkologin und ihr Buch „Woman on Fire“ verehren; und die es kaum erwarten können, Hormone gegen den in den Wechseljahren beginnenden Hormonschwund zu nehmen, weil sie meinen, damit quasi jeder Zumutung im Alter entkommen zu können, vielleicht sogar dem Alter selbst.

Was ist denn so schwierig daran? MENSCHEN SIND VERSCHIEDEN! Auch Frauen, auch bei den Auswirkungen, die die Wechseljahre auf sie haben. Frauen, die ohne Beschwerden durchsegeln – warum sollten die Hormone nehmen? Wer geringe Beschwerden spürt, kann sich’s überlegen. Und Frauen mit schweren Beschwerden wie ich können sich mit einer Hormonersatztherapie Linderung verschaffen – müssen sie aber nicht, genausowenig wie sie bei großem Leid “da halt durch müssen”.

Wenn man an die Gräben denkt, die das Thema Wechseljahre in der öffentlichen Meinung zuletzt aufgerissen hat, könnte man meinen, Seifert-Klauss musste sehr jonglieren, um mit ihrer Leitlinien-Gruppe überhaupt zu einem Konsens zu kommen. „Aber das war nicht so“, sagt die Medizinerin in ihrem Kellerbüro, das bis unter die Decke vollgestopft ist mit Fachliteratur. „Es gab nicht viel Dissens bei der Leitlinienarbeit.“ In den allermeisten Punkten sei man sich sehr einig gewesen. Denn anders als noch vor einigen Jahren sei die Studienlage zu Nutzen und Risiken der Hormone inzwischen gut, die Daten seien ziemlich klar.

Die Faustregel lautet jetzt: Hormone sollten nur so wenig und so kurz wie nötig gegeben werden. Aber wenn Frauen sie brauchen, wäre es ein Fehler, sie nicht zu verschreiben. Denn die Risiken sind deutlich kleiner, als man früher annahm.

Na also.

  1. ERC Grant ist die renommierteste und am höchsten dotierte Forschungsförderung der EU. [↩]

Journal Mittwoch, 8. Juli 2026 – Lerchenlauf und Listenabhaken

Donnerstag, 9. Juli 2026

Ich wachte wenige Minuten vor extrafrühem Weckerklingeln auf, das passte wunderbar.

Draußen war es nicht nur wie angekündigt bedeckt, beim Zähneputzen hörte ich im Innenhof auch Regentropfen – und der Regenradar kündigte genau für die Zeit meiner Laufrunde Niederschläge an. Letztendlich entschied ich mich dennoch gegen die Regenjacke: In der schwülen Luft fürchtete ich Schweißflüsse und Stickigkeit mehr als Durchnässung. Und gegen Verblindung meiner Brille setzte ich eine Schirmmütze auf.

Erwies sich als die richtige Entscheidung: Es tröpfelte lediglich hin und wieder, während der etwas ernsthafteren Regenphase lief ich unter Thalkirchner Blätterdach.

Wieder achtete ich fast durchgehend auf den Weg und aufs Füßeheben, ich will wirklich nicht nochmal stürzen (unterm strammen Brustgurt des Jogging-BHs erinnerten mich die linken Rippen auch zwei Wochen danach noch an den jüngsten Sturz). Die Luft war bei aller Düsternis herrlich, ich lief leicht auf nahezu menschenleeren Isarwegen.

München ist so reich, dass abgelegte Jackson Pollocks in Zu-verschenken-Kisten landen.

Daheim zackige Säuberung, vor Verlassen der Wohnung entschied ich mich bei dem angekündigt fortdauernden düsteren Wetter für hochgezogene Rollläden und Fenstern auf Kipp.

Beschleunigter Arbeitsweg durch zwei Stationen U-Bahn-Fahrt.

Schnellstart in einen emsigem Vormittag. Auf dem Weg zum nahegelegenen Mittagscappuccino fand ich es dann doch ganz schön kühl, zumindest bekam ich keine Regentropfen ab.

Zu Mittag gab es Aprikose, Bananen Quark/Joghurt/Leinsamenschrot.

Auch den Nachmittag rumgebracht. Nach Hause auf direktem Weg, ich war mit Herrn Kaltmamsell verabredet: Wir wollten einen Punkt auf unserer Auswärtsessensliste abhaken. Vor vielen Monaten war ich auf die Idee gekommen: Die nächste Pizza essen wir bei Dr Drooly – der kleine Laden, der nur vegane Pizza verkauft, hat einen sehr guten Ruf und sah beim Vorbeispazieren urig aus mit immer viel jungem Volk drumrum. Allerdings hatten wir seither nie Lust auf Pizza. Aber nun stand dieser Posten halt auf der (von Herrn Kaltmamsell sorgsam geführten) Liste und würde nicht eher von dort gestrichen, bis wir dort gegessen hatten, das System ist nicht perfekt.

Gestern stellte ich nur mein Zeug in der Wohnung ab und spazierte dann gleich mit Herrn Kaltmamsell nach hinter dem völlig verbaustellten Goetheplatz zu Dr Drooly und bestellte Pizza.

Pizza Marinara gegenüber, eine Pizza Cheezy für mich – sehr gute Tomatensauce, der vegane Käse-Ersatz schmeckte halt salzig. Aber! Der Teig war für meinen Geschmack perfekt, genau so brotig und großporig mag ich ihn.

Auf dem Heimweg holten wir uns als Nachtisch beim McDonald’s je einen McFlurry mit ordentlich pappsüßen Saucen.

Nach der 20-Uhr-Tagesschau (viel über den NATO-Gipfel samt irrlichterndem US-Präsidenten Trump; ich möchte hier festhalten, dass auch hier alle seine Aussagen und Zusagen immer Momentaufnahmen sind und keine davon verlässlich – in einem Militärbündnis besonders unbehaglich) bald den Fernseher ausgeschaltet. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Nochmal zu sexualisierter Gewalt, weil sich hier endlich etwas tun muss. Die Zeit interviewt die Anwältin Christina Clemm, die unter anderem die Moderatorin Collien Fernandes und die Autorin Claudia Wuttke vertritt, die kürzlich öffentlich Vorwürfe gegen ihre Ex-Partner erhoben haben:
“‘Nicht nur die Scham, sondern die Angst muss die Seite wechseln'”.

ZEIT: Die meisten Frauen, auch viele, die zu Ihnen kommen, erstatten keine Anzeige. Was hält sie ab?

Clemm: Viele tun es nicht, weil sie sich nichts davon erwarten. Sie haben Angst, dass man ihnen nicht glaubt. Dass sie jahrelang in einem Gerichtsverfahren hängen, an dessen Ende eh keine Verurteilung steht. Andere befürchten, dass es durch eine Anzeige noch mal zu Gewalt durch den Täter kommt. Und manche haben Angst vor Gegenanzeigen, vor Verleumdungen, auch in der Öffentlichkeit. Das Problem beginnt aber schon früher. Die allermeisten Gewaltbetroffenen sprechen gar nicht darüber, was sie erlebt haben, oder nur bruchstückhaft. Ihre Sorge ist zu groß, dafür verurteilt zu werden.

ZEIT: Ist es nicht verwunderlich, dass sich viele auch dem engsten Umfeld nicht anvertrauen, nicht mal der besten Freundin?

Clemm: Ich finde das gar nicht so erstaunlich. Wir tun oft so, als seien wir eine aufgeklärte Gesellschaft, aber wir haben nicht gelernt, offen über Sex und Partnerschaft zu sprechen. Männer tun es noch seltener als Frauen. Davon zu erzählen, wie es wirklich in einer Beziehung läuft, ist ein großes Tabu. Vor allem wenn es Gewalt und Grenzüberschreitungen gegeben hat. Viele der Betroffenen geben sich dafür selbst die Schuld. Nach dem ersten Vorfall ist es noch leichter möglich, sich zu öffnen. Aber wenn die Frau danach bei ihrem Partner bleibt, ist sie schnell isoliert. Dann heißt es: Wie blöd bist du denn, nicht zu gehen.

§

Lisa Rank schreibt über ihren Körper:
“Mein Bauch ist ein Kopfkissen
Ich war der festen Überzeugung, ich hätte in meiner Jugend keine Essstörung gehabt. Bis ich meine Tagebücher von damals gelesen habe.”

Ach, wenn wir nur alle dorthin kommen könnten:

Es ist mittlerweile auch ein Leichtes was Schönes zu finden in jedem Foto. Keine Filter mehr zu benutzen. Immer wieder zu lachen bei dem Satz, den meine beste Freundin und ich uns schon seit Jahren sagen: „So sieht man halt aus“. Alle sehen irgendwie aus. Und das Leben ist zu kurz, um bei Hitze die weichen Beine in lange Hosen zu stecken. Lasst mich in Ruhe. Wenn jemand ein Problem mit meinen Beinen hat, dann ist es seins.

§

Kino-Vorfreude:

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https://youtu.be/zrcg8YHSys8?si=KANS2nXzl636ednb

1. Kate McKinnon
2. Geena Davis
3. Kristen Stewart IN EINER KOMISCHEN ROLLE
4. SO VIELE FRAUEN!!!

Journal Donnerstag, 4. Juni 2026 – Fronleichnam mit Wackelwetter

Freitag, 5. Juni 2026

Die Nacht auf den bizarrsten katholischen Feiertag1 war mittelgut, nach dem dritten Aufwachen zu Arbeitsweckerzeit legte ich mich energisch nochmal hin und schaffte eine zusätzliche Stunde.

Aufgestanden zu sonnigem Wetter, aber kühler Luft – viel zu kühl für Balkonkaffee. Was dennoch ging: Eine Schwimmrunde im Dantebad mit Option auf anschließendes Sonnenbad, Hinradeln über die Nymphenburgerstraße mit der Hoffnung, auf eine Prozession zu treffen – vergeblich.

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Kommionkleid (von meiner Mutter genäht, allerdings im Jahr zuvor für die Tochter einer Freundin, in diesem Jahr an mich weitergereicht) auf der Fronleichnamsprozession meines Erstkommionsjahrs seinen letzten Einsatz, der jeweilige Jahrgang war zur Teilnahme beordert.

Für die kühlen Temperaturen war das warme 50-Meter-Becken des Dantebads überraschend dicht beschwommen (im Sommer gibt es ein weiteres, weniger geheiztes). Ging schon, ich fühlte mich aber nicht sehr fit und die Strecke zog sich. Am Ende meiner 3.100 Meter war der Himmel geschlossen bewölkt, es ging ein kühler Wind – also gründliche Reinigung, Eincremen und Umziehen fürs Heimradeln.

Dass es auf dem Rückweg doch nochmal richtig sonnig wurde, war halt dann so, zu spät.

Zum Frühstück kurz vor zwei gab es Pfirsich mit Joghurt sowie zwei unterwegs besorgte Körnersemmeln mit Butter und Marmelade. Davon fühlte ich mich völlig überfressen, als hätte ich nach einem italienischen Menü mit allem auch noch das Minzblättchen genommen – so viel war das doch nicht?

Kleine Siesta, Zeitunglesen auf dem Balkon, Bügeln auch in Vorbereitung auf unsere Geburtstagsfeierreise am freien Freitag (einmal Pfingstferien, einmal St. Brück) nach Oldenburg – aktuell ließ die Wettervorhersage für ein Gartenfest eher robuste Kleidung ratsam erscheinen, wenn auch nicht Mütze und Schal.

Zum Abendessen eine Variante des Nachtmahls vom Vorabend, allerdings nur für eine, denn Herr Kaltmamsell war aushäusig: Eine Artischocke aus Crowdfarming (die Lieferung enthielt diesmal fünf Stück – versuchen die, einen Keil zwischen die Kundschaft zu treiben?) mit Knoblauch-Joghurt, den restlichen Salat mit Zitronen-Tahini-Dressing. Nachtisch Erdbeeren und Schokolade. Draußen wurde das Wetter so richtig regnerisch.

Im Fernsehen ließ ich auf 3sat Die Witwe Clicquot laufen: Interessant erzählter Plot, allerdings fand ich die Bilder und Perspektiven enttäuschend vorhersehbar, Schublade Kostümfilm, ich hätte mir mehr Mut und weniger Konvention gewünscht, auch in der Regie – mehr wie die Musik von Bryce Dessner.

  1. Interessant, dass er in dem verlinkten Artikel als mögliche “‘Machtdemonstration’ der Katholiken” bezeichnet wird: Genau das war meine Vermutung, da ja ein Kern des Protestantismus ist, die Transsubstantiation zu verneinen, mit der an Fronleichnam extrig rumgewedelt wird. [↩]

Journal Sonntag, 29. März 2026 – Genervtes Schwimmen und Project Hail Mary

Montag, 30. März 2026

Gut und lang geschlafen, den Rollladen des Schlafzimmers zu Schneefall hochgezogen.

Auch diesmal startete ich die Sommerzeit mit manuellem Verstellen der Uhren im Haushalt. Mein Tipp für die Uhren an Microwelle und Backofen: Regelmäßig für rausfliegende Sicherungen sorgen, dann bleibt man in Übung und muss bei Sommerzeit-/Winterzeitumstellungen nicht lange nachdenken.

Ich freute mich auf endlich mal wieder Gelegenheit zum Schwimmen. Bei diesem Wetter war klar, dass ich die U-Bahn zum Olympiabad nahm.

Doch das Schwimmen wurde leider sehr unentspannt. Als ich an den Beckenrand trat, freute ich mich zunächst über eine Neuerung: Zwei Bahnen waren für “Schnellschwimmen”, “Fast Lane” reserviert – ich hoffte dort auf Konzentration der Spielzeugschwimmer*innen und Wildsäue. Doch mit der gestrigen Besetzung meiner Normal Lane kam ich nicht zurecht (allerdings war ich gestern auch bereit mich zu ärgern). Obwohl mein Schwimmtempo dem Durchschnitt ensprach, dotzten mehrfach hinter mir schwimmend in meine Füße, bis ich zweimal abrupt stoppte und die Herrschaften vorbei bat. Wurde Unterwegsüberholen abgeschafft? Bei einem weiteren Dotzen strampelte ich heftig mit den Beinen in der Hoffnung auf Zurückdotzen. Doch auch sonst fühlte sich das Schwimmen als Belastung an statt wie Erleichterung. Dass der Blick durch die Glaswand auf dunkeldüsteres Draußen fiel, half nicht.

Immerhin! Lernte ich durch das Umkleidengespräch anderer Leute, was „stille Reserve“ betriebswirtschaftlich bedeutet. Sport macht nicht nur schön, sondern auch schlau!

Erstes Essen des Tages um halb drei: Birnen, außerdem selbstgebackenes Brot mit Butter und Zuckerrübensirup/Orangenmarmelade. Dass ich wirklich eine zweite Scheibe wollte und nicht nur gerade nicht mit Essen aufhören konnte, fand ich heraus, indem ich nach die erste Scheibe zwei Flickarbeiten legte: 1) Zehenloch schließen in grauer, sehr gemochter Wollstrumpfhose, 2) U-Boot-Ausschnitt des Chartreuse-gelben Baumwollpullis verkleinern, den ich bereits zweimal verkleinert hatte, der aber schon wieder so weit geworden war, dass er beide Schultern durchließ. Danach wusste ich, dass ich noch nicht satt war und strich eine zweite Scheibe Brot.

Sonntagsunterhaltung: Project Hail Mary im Cinema. An sich hatte ich einen Spaziergang zum Kino geplant, aber das düstergraue kalte Wetter mit wiederholten Schneeschauern trieb mir den Gedanken aus. Also nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine U-Bahn zum Stieglmeyerplatz. Beim Warten auf den Start des Vorporgramms (hier nur Trailer, keine Werbung) sah ich mich um: Seit 35 Jahren schaue ich Filme in diesem Kino an, ich weiß nicht auf den wievielten ausgewechselten Sitzen. Und ich freue mich noch immer wie beim ersten Mal, wenn sie durch Vorführen mit ihrem Dolby-Sound-System der jeweils neues Generation angeben. (Noch länger gehe ich allerdings in die Museum Lichtspiele, ich erinnere mich ans erste Mal kurz vorm Abitur und angereist aus Ingolstadt, also seit 40 Jahren.)

Der Film selbst gefiel mir, ich war gut unterhalten und versuchte erst gar nicht, die wissenschaftlichen Prämissen und Argumentationen mitzudenken. Das Drehbuch mochte ich unter anderem, weil der Held nicht als Genie geschildert wird, wegen der trockenen projektleitenden Figur, die von der wundervollen Sandra Hüller gespielt wird (allerdings Verwunderung über die Maske, die ihr dieses wächserne Make-up und diese superkünstlich aussehenden Haare verpasste), wegen des Fehlens einer Liebesgeschichte. Im Set Design fielen mir die Tiffany-Lampen-Behausungen des Aliens positiv auf. Aber zu lang war der Film, von den mehreren Enden hätte man zwei weglassen können.
Joël verlinkt hier ein kurzes Interview mit Hüller auf NBC. (Und ja: Sie singt sehr gut.)

Daheim gab’s als Abendessen Kartoffelsuppe: Herr Kaltmamsell hatte Samstagabend Müllsuppe auf den gesammelten Gemüseresten gekocht, darin Kartoffeln – aber etwas zu wenig, sodass ich gestern früh noch ein paar weiße Bohnen dazu kochte. Nachtisch reichlich Schokolade. Gezielt ins Bett zur üblichen Zeit und unter Unterdrückung aller Umrechnungen.