Journal Donnerstag, 22. August 2024 – Erfolgreiches Werktagsschwimmen

Freitag, 23. August 2024 um 6:27

Sehr gut geschlafen, 15 Minuten vor Wecker aufgewacht – das war mir recht, weil Pflanzengießen und Wäscheaufhängen zu erledigen waren.

Der Himmel nur leicht trübe, die Luft aber richtig kalt. Ich gab meine Hoffnung auf einen warmen Tag auf und schlüpfte in dicke Jeans und Turnschuhe – um die ich draußen wirklich dankbar war. Besonders früher Aufbruch in die Arbeit, schließlich wollte ich ja besonders früh Feierabend machen und Schwimmen gehen.

Gut wegzuarbeitender Vormittag, Mittagscappuccino bei Nachbars, Zwetschgenkauf am Westend-Markt für Wochenende. Es war weiter kühl, wurde aber immer sonniger.

Zu Mittag gab es am Schreibtisch eingeweichtes Muesli mit Joghurt und einen italienischen Pfirsich: Fest, aber mit Dosenpfirsich-dunklem und süßen Fleisch.

Wie geplant früher Feierabend und U-Bahn-Fahrt ins Dantebad. Der Becken glitzerte in der Sonne und war wunderbar leer. Im Verlauf meiner 3.000 Meter kamen zwar mehr Schwimmer*innen auf der Bahn dazu, wir arrangierten uns aber gut. Ärgerlich waren lediglich die Krämpfe, die mich Knie-abwärts mal an dieser, mal an jeder Muskelpartie anfielen, zum Glück konnte ich sie entweder gegenbiegen oder weg-ignorieren. Nicht ganz entspannt, doch ich genoss die Sonne, die nachmittags die Schwimmbahn entlang scheint (das bedeutet, dass ich beim Atmen links und rechts die Augen öffnen und gucken kann).

Auf dem Heimweg wollte ich eine Bestellung im Tchibo-Laden an der Sonnenstraße abholen, doch die Öffnungszeiten auf der Liefernachricht stimmten nicht: Er war zu.

Nachtmahl aus gestern geholtem Ernteanteil:

Glasteller auf Korb-Tischset, darauf gelbe Tomatenscheiben, Mozzarellastücke, Basilikumblaetter

Irische Caprese (wegen der Flaggenfarben) mit wirklich köstlichen Tomaten. Dann gegrillter Zuckermais (endlich wieder im Ernteanteil!), dann Eiscreme, abschließend Schokolade.

Vorläufiges Ende des Kampfs mit dem Handyzahlungsdienstleister: Am Mittwoch fragte ich nochmal den Support-Chat, ob sie nochwas von mir brauchen, dann endlich wurde mein Konto wieder freigeschaltet. Ich konnte bereits wieder zweimal damit zahlen.

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Mein Internet war gestern gut zu mir. Danke.

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Gestern wollte ich dann doch wissen, wer die schöne Musik Dienstagabend im Nußbaumpark gespielt hatte: Kein klassisches Holzbläserquintett, sondern das Arcis Saxophon Quartett. Hier ein schönes Beispiel:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/U63-AvBjmNQ?si=AlndRrC898TLe3Ln

Dieses Stück hatte wohl meine Assoziation mit Michael Nyman ausgelöst. Hier mehr Musik von ihnen.

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Apropos lustige Musik: German humour beim Einfahren eines deutschen Marineschiffs auf der Themse in London.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/ojNsqmK2f3g?si=mhZmT-2wJDDePYqq

Die BBC erklärt Hintergründe.

via @chronotonflux

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Schönes Best-of von Celeste Barber.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 21. August 2024 – Vergebliche Hoffnung auf Sommer-Rückkehr

Donnerstag, 22. August 2024 um 6:21

Zur Musik eines Holzbläserquintetts aus dem Nußbaumpark eingeschlafen (sehr schön, nichts Klassisches, eher Michael Nyman – Nachtrag: Es war das Arcis Saxophon Quartett, also weder Holz noch fünf), gut geschlafen. Aber zu früh aufgewacht: statt wieder einzuschlafen, krochen Arbeitsüberlegungen hoch, ich stand lieber auf.

Eigentlich hatte ich mich fürs Abendessen mit Herrn Kaltmamsell draußen verabreden wollen; ich schwankte, denn die Wettervorhersage verschob die Rückkehr von warmer Sonne halbtäglich nach hinten. Bis ich beschloss, auf meine innere Britin zu hören, nach der schönes Wetter ohnehin Sache gesellschaftlicher Vereinbarung ist, und mich mit ihm im Gans am Wasser im Westpark verabredete, das würde schon irgendwie werden.

Der Anfang meines Arbeitswegs wurde wieder von Entbindungs-Lauten aus einem der oberen Portalklinik-Fenster begleitet. Diese Dame war noch in der Phase, in der das Stöhnen eine überraschte Note enthält, eines davon abgeschlossen mit einem kleinen Lachen. (Ich sehe mich bereits zur Gebärsoundexpertin werden.) (Natürlich Quatsch, dazu müsste ich meine Interpretationen ja mit dem tatsächlichen Gebärvorgang abgleichen.)

Wenige Meter weiter einige Din-A4-Zettel an Laternenpfählen für einen “Kinderflohmarkt” nächstes Wochenende – da können Eltern dann wohl die Geburtsergebnisse verscherbeln, die doch nicht so recht zu den Erwartungen passten.

Der Himmel war hell geblieben, ich sah große Stücke Blau, weiße Wolken, schräge Morgensonne. Mit diesen Zutaten warf mir das Westend Fotomotive in den Arbeitsweg, ich kam nur langsam voran.

Straße mit Altbauten in der Morgensonne, im Hintergrund der Turm einer Backsteinkirche

Tür zu einem Altbau, dunkles Holz und Glaseinsätze

In einer Lücke zwischen zwei Altbauten ein großer Baum, durch den die Sonne scheint

Auf einem Gehweg zusammengeschoben bunte Tische und Stühle mit bunten Lamellen

Doch schon bald am Vormittag endete die Farb- und Lichtpracht, es wurde wieder dunkelgrau, ich fror am Schreibtisch. Zu meinem Mittagscappuccino spazierte ich noch im Trockenen, wenig später prasselten Regenschauer an mein Bürofenster.

Zu Mittag gab es Pfirsiche mit Schwedenmilch (kommt mir nur im Hochsommer in den Sinn – und weil Mequito sich als Fan entpuppt hat und mich daran erinnerte).

Nachmittägliches Abarbeiten von Dingen, draußen wollte sich das Wetter einfach nach nicht zu dem vorhergesagten milden Abend entwickeln. Egal, nach Feierabend marschierte ich fröstelnd in den Westpark.

Tisch mit Limoflasche und Buch vor einem Teich und Park

Lesen mit Enten am Wasser, bis Herr Kaltmamsell (pünktlich) kam. Abendessen war ein Saitan-Gyrosteller für mich (gebratener Saitan mit Mango-Sauce, Blaukraut-Rohkost, geschmorte Zwiebeln und rote Paprika, Salat, Hummus, Couscous mit Granatapfelkernen, Pita), sehr gut und genau das richtige für den Moment. Pommes und Erdnusskeks für Herrn Kaltmamsell.

Auch wenn die Sonne endlich rauskam, wurde es nicht wirklich warm. Wir marschierten zum Warmwerden zackig nach Hause.

Im Gegenlicht der tiefen Abendsonne Teich und Parkbäume

Dort Nachtisch in Form von Schokolade. Ich packte Schwimmzeug: Nachdem die Sonne mittlerweile so spät aufgeht, dass es zu dunkel zum Laufen vor der Arbeit ist, will ich noch ein paar Mal nach der Arbeit im Freibad schwimmen. Zum Beispiel am Donnerstag.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 20. August 2024 – Entsättigter August

Mittwoch, 21. August 2024 um 6:37

Eine gute Nacht, ich erwachte zu fortdauernder grauer Düsternis draußen, es war kühl. Für den weiteren Verlauf des Tages waren aber bis zu 24 Grad Wärme angekündigt, zu langen Hosenbeinen und Ärmeln schlüpfte ich in Sandalen. Das sollte sich als Fehleinschätzung erweisen.

Emsiger Arbeitsvormittag, zu meinen Jobs gehörte gestern auch Statistentum für ein Drohnen-Filmchen. Und es war kalt, im Büro brauchte ich eine Strickjacke.

Mittagscappuccino im Westend, Marsch dorthin in Jeansjacke. Mittagessen später am Schreibtisch: Hüttenkäse und Joghurt mit frischen Feigen. (Jemanden glücklich gemacht, die bis zum meinem Anblick beim Feigen-Schnippeln nicht wusste, dass man die nicht schälen muss.)

Nachmittag Kopfweh-erzeugend anstrengend. Richtung Feierabend war ich mal wieder so erledigt, dass ich mich schier nicht zum Heimgehen aufraffen konnte.

Unter immer noch düsterem Himmel, der alle Farben entsättigte, und in Jacke marschierte ich in die Innenstadt, erfolglose Suche im Kaufhaus nach einer bestimmten Unterhosenfarbe, zum Ausgleich kaufte ich beim Eataly Pfirsiche.

Nach dem Heimkommen knackige Yoga-Gymnastik. Erst gegen Ende der Einheit klarte endlich wie versprochen der Himmel auf, die Sonne kam raus – ZACK! Farben wieder zugeschaltet.

Nachtmahl von Herrn Kaltmamsell:

Weißer Teller mit unten beschriebenem, rechts daneben Besteck

Linsen (!) mit gebratenen roten Spitzpaprika und Salbei. Nachtisch Schokolade.
Intensive Sehnsucht nach der Fast-forward-Taste.

§

Das SZ-Magazin von vergangenem Freitag enthielt gleich zwei Artikel, die mir immer noch nachgehen:

1. Historikerin Hedwig Richter forscht zum Bild der Hausfrau in der westlichen Gesellschaft, seine Entstehung und Entwicklung vor allem in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg (€):
“‘Hausfrauen wurden schon immer attackiert und verachtet'”.

Vieles war mir bekannt, doch im Interview stellt Prof. Richter auch interessante Verbindungen her:

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollen die Menschen in den westlichen Ländern in Demokratien leben, auch die Menschen in der Bundesrepublik. Und das demokratische Prinzip, das gleiche Rechte für alle verspricht, erfordert auch innerhalb der Familien neue Narrative von Gleichheit. Da passt das Hausfrauenmodell perfekt in die Zeit.

Aber die Hausfrauenehe ist doch der Inbegriff von Ungleichheit.
Das sehen wir heute so. Aber damals, zu ­einer Zeit, in der es immer weniger Dienstmädchen gibt, steht das Hausfrauenmodell auch für ein Gefühl von Egalität: Jetzt putzen nicht mehr nur die Arbeiterinnen selbst, jetzt putzen alle Frauen, sogar die wohlhabende Arztgattin ihren schönen Bungalow. Das Hausfrauenmodell verbindet scheinbar die alten Geschlechterrollen mit den ­demokratischen Gleichheitsansprüchen.

(…)

Seinerzeit geht es darum, die Kriegswirtschaft auf Friedenswirtschaft umzustellen, dabei spielt die Hausfrau eine zentrale Rolle. Die Idee ist: Eine gute Frau ist eine gute Demokratin, und eine gute Demokratin ist eine gute Hausfrau und demnach auch eine gute Konsumentin. Musste die deutsche Hausfrau in den Nachkriegsjahren aus dem Nichts ein Essen zaubern und Haare als Nähgarn nutzen, sollte sie nun vor allem gut konsumieren. Sie kauft viel, sie kauft national, bringt so die Wirtschaft zum Laufen und sorgt für Arbeitskräfte. Außerdem ist die Hausfrau ein verbindendes Band für den Westen: Die freie Frau ist eine Westfrau – im Gegensatz zu der vermeintlich unfreien Frau im sogenannten Ostblock, die arbeiten muss. Und als freie Bürgerin hat sie die Macht zu wählen, welche Produkte sie kauft. Während die arme Sozialistin keine Wahl hat. So wird die Hausfrau in den westlichen Demokratien konkret mit dem Kapitalismus verbunden.

Aber ist das nicht nur Ideologie?
Nein, so viel konsumieren zu können, ist für die Menschen nach dem Krieg wirklich eine Befreiung. Es bedeutet, ein Leben in Würde führen zu können. Aber mit dem Wirtschaftswunder beginnt die sogenannte Fresswelle. Damals nimmt der zerstörerische Konsum seinen Anfang, den wir heute als normal empfinden. An diesem hat auch die Hausfrau ihren­ Anteil, indem sie alles, was daran schlecht ist, mit ihrem idyllischen Glanz überdeckt.

2. Der andere Artikel ist ebenfalls ein Interview, nämlich mit dem Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker (seinen Roman Wilderer habe ich hier besprochen):
“‘Landwirtschaft heißt, die Welt retten, Schreiben, sich selbst retten'”.

Tobias Haberl besucht Kaiser-Mühlecker auf seinem Hof, natürlich geht es auch viel um Landwirtschaft, mal wieder mit dem Schwerpunkt, dass die meisten Nicht-Landwirt*innen zu wenig darüber wissen. Was mich auf die Frage brachte, warum von den Menschen in der Landwirtschaft nicht viel mehr gefordert wird, ihr Fachgebiet zu kommunizieren. Ich dachte an Wissenschaftler*innen, von denen seit Jahrzehnten in immer neuen Abwandlungen gefordert wird, sie müssten ihre Forschung der Allgemeinheit erklären und nahebringen, praktisch jede Regierung gründet wieder eine Organisation oder Struktur, die das unterstützt und anschiebt. Begründet wird das meist damit, dass schließlich eine Menge Steuergelder in die Wissenschaft fließen, die Steuerzahler also auch Anspruch haben zu erfahren, was genau damit passiert. Auch die Landwirtschaft wäre ohne Subventionen durch Steuergelder nicht möglich: Statt Bürger*innen und Politik mit Traktoren zu bedrängen und zu drangsalieren, sollten Landwirt*innen dazu gebracht werden, auf Social Media von ihrem Alltag zu berichten (ein paar wenige tun das ja), in YouTube-Videos Maisanbau erklären, als Experten in Talk Shows die Auswirkungen von Vorschriften für Milchvieh-Ställe darlegen. Dafür böten die Bauernverbände Medienschulungen und Kommunikationstrainings an. Nur so als Idee.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 19. August 2024 – Augustregengrauer Arbeitsmontag

Dienstag, 20. August 2024 um 6:17

Nachts ein paar Mal ein wenig aufgewacht, jedesmal die Regengeräusche vorm Fenster wahrgenommen. Es hatte auch deutlich abgekühlt, ich musste meine Kleidungspläne umwerfen (und betrachtete traurig meine sorgfältig und überraschend gelungen rot lackierten Zehennägel, die ganz auf Sandalen ausgelegt waren und sehr wahrscheinlich in geschlossenen Schuhe umgehend abgeschubberte Spitzen bekommen würden).

Arbeitsweg in leichtem Regen und leichtem Kapuzenmantel. Leider bestätigte sich, dass dessen schicke Kapuze nicht regentauglich ist: Zu weit, jeder Windhauch weht sie vom zu schützenden Kopf. Ein Fehlkauf, vielleicht kann eine Änderungsschneiderin etwas richten.

Verregnete Straße gesäumt von Altbauten, links Leuchtschild "Z Breze", im Hintergrund ein Backstein-Kirchturm

Gollierstraße. Schlechtes Wetter ist schwer zu fotografieren.

Im Büro (urlaubsleere Flure) gleichmal durchgestartet: Als ich mit dem E-Mail-Eingang seit Mittwoch durch war, stellte sich der Inhalt als gar nicht so aufwändig heraus, Erleichterung.

Blick aus dem Bürofenster ins Trübe: Einheitlich grauer Himmel, düsteres Licht, Dauerregen – schon sehr greislich.

Nach Mittagscappuccino bei Nachbars ging ich noch in leichtem Regen auf ein paar Einkäufe zum Lidl, bekam unter anderem riesige reife Feigen. Spätes Mittagessen am Schreibtisch: Die reifste der Feigen (saftig und köstlich), Quark mit Joghurt.

Gegen zwei hörte der Regen auf, es wurde deutlich heller. Stellte sich als Finte heraus, es regnete kurz darauf weiter.

Ich ließ den Feierabend nicht allzu spät werden, überzeugt mich selbst, dass ich manches wirklich auch am Dienstag erledigen konnte.

Auf dem Heimweg (Einkäufe im Vollcorner und Drogeriemarkt) nieselte es nur noch, blieb aber düster. Daheim packte ich nur kurz aus, startete dann eine Folge Yoga-Gymnastik, auf die ich mich sehr gefreut hatte, die sehr gut tat.

Herr Kaltmamsell zauberte das Nachtmahl:

Gabel und Messenrzerteilen einen Hügel von Wirsingblättern

Mit Hackfleisch gefüllter Wirsing. Nachtisch Schokolade.

Weitere Händel mit dem Handyzahlungs-Dienstleister. Nachdem ich anweisungsgemäß eine E-Mail mit angewiesenem Betreff “persönliche Daten ändern” an die angewiesene E-Mail-Adresse geschickt hatte, lautete die Antwort, was denn genau geändert werden solle. Ich antwortete mit “von mir aus gar nichts!” und Screenshots des Chat-Verlaufs. Nichts daran erweckte Vertrauen.

Ich hatte vor drei Wochen einfach mal “Dahlien” auf unsere gemeinsame Einkaufsliste geschrieben.

Eine Glasvase mit weißen und rosa Blüten auf einem kleinen Holztischchen vor weißer Wand

Und gestern standen sie da! An diesem grauen Tag eine besonders willkommene Aufhellung.

Im Bett neue Lektüre: Granta 167, Extraction. Die Ausgabe 168 hatte ich davor gelesen; als sie eintraf, fiel mir auf, dass ich die vorherige Ausgabe nie bekommen hatte und hakte nach.

§

Vor einigen Jahren veröffentlichte des SZ-Magazin einen Artikel über das Sterben: Was da genau bei uns Menschen passiert. Er beeindruckte mich sehr, ich fühlte mich ein wenig (wenn das überhaupt geht) gewappnet für die Zeit, wenn ich mal jemanden beim Sterben begleiten würde. Es ist das einzige SZ-Magazin, das ich aufgehoben habe, ich will es für den Ernstfall zum Nachlesen zur Hand haben.

Kürzlich erwähnte ich den Artikel meiner Mutter gegenüber, sie bat um eine Kopie. Zu diesem Anlass las ich ihn nochmal darauf hin, ob er immer noch so gut ist wie in meiner Erinnerung. Ich wusste nicht mehr, dass er schon 2016 erschien. Ich wusste nicht mehr, dass er aus der Perspektive des eigenen Sterbens geschrieben ist (das mich ja nicht schreckt). Und er ist sogar besser, als ich ihn in Erinnerung hatte (€).

“Wie Sterben abläuft:
Ganz am Ende”.

(Stecke ich heute in die Post, Mama.)

§

Und dann: In Wien gibt’s Urban Gardening am Friedhof. Eh.
“Kein Schmäh: Frisches Gemüse vom Zentralfriedhof”.

via @sauerlauwarm

Nicht wenige zieht es zum Würstelstand mit dem schönen Namen Eh scho wuascht.

Und dann heißt die Gärtnerin auch noch Himmel.

Auf dem Zentralfriedhof beackern momentan zwischen 60 und 90 Menschen die Gartenparzellen. Um sich dort die Radieschen von oben anschauen zu können und ein Beet von 24 oder 40 Quadratmetern zu bewirtschaften, muss man aber über ein Grab auf einem der 46 Wiener Friedhöfe verfügen.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 18. August 2024 – Augustregen, viel davon

Montag, 19. August 2024 um 6:33

Wieder gut geschlafen, offene Fenster und Türen kühlten die Wohnung angenehm ab.

Balkontisch, daran sitzt eine Frau mit weißen Haaren und Brille vor aufgeklapptem Laptop, außerhalb des Balkons eine Kastanie, mit braunen Blättern

Selbstauslöser-Foto: Die bescheuerte Balkonheizung der Vormieter an der Wand gegenüber war zum ersten Mal nützlich.

Beim Mastodon-Nachlesen wurde mir sogar zu frisch auf dem Balkon – was auch damit zu tun hatte, dass ich mir zwar eine große Tasse Tee zum Wärmen gekochte hatte, diese für den ersten Schluck natürlich ein wenig abkühlen musste, ich den “ein wenig”-Moment aber verpasst hatte, der Tee nurmehr lauwarm war und mich nicht heizen konnte.

Der düstere Himmel versprach den angekündigten Regen diesmal wirklich, das passte gut zu meinen Schwimmplänen: voraussichtlich wenig Leute im Becken des Dantebads. Herr Kaltmamsell klagte immer noch über Schulter und Ellbogen, schon am Samstag hatte ich beschlossen, dass Schwimmen im warmen Wasser dagegen gut waren. Zumal es im Dantebad ja zusätzlich das Sprudelbecken mit Massagemöglichkeiten gab.

Vor dem Aufbrechen, nach Mani- und Pediküre (das Einhegen dieses meines Körpers ist echt mühsam, beides hatte ich doch für die Hochzeit gerade erst und besonders gründlich erledigt), fragte ich ihn also, ob er mitkommen wollte. Er wollte. Wie sich herausstellte, war Herr Kaltmamsell noch nie im Dantebad gewesen, ich konnte ihm also zeigen und erklären: Den schönen U-Bahnhof Westfriedhof, das Umkleidensystem des Dantebads, Plätze für Handtuchablage bei Regen, Sprudel- und Schwimmbecken.

Freibad im Regen: Im Vordergrund ein rundes Becken, dahinter kaum zu sehen das 50-Meter-Becken, im Hintergrund ein Gebäude mit einem großen, orangen Olympia-1972-Logo

Dann trennten sich unsere Aktivitäten.

Ich schwamm zwischen tatsächlich wenig anderen Menschen meist im Regen, erst genüsslich, ruhig und schmerzfrei, auf den letzten 1.000 Metern meiner 3.300 aber immer kräftiger und schneller. Aus reiner Gaudi testete ich andere Atemrhythmen als meinen üblichen Dreier, z.b. 3-3-5. Hihi. Am liebsten wäre ich mit RROARRR! aus dem Becken gestiegen und hätte mir anschließend auf die Brust getrommelt. Statt dessen nur ein bissen Dehnen auf dem Weg in die Dusche.

Nach Hause brauchte ich keinen Regenschirm mehr, verlief mich diesmal auch nicht bei Verlassen des minoischen U-Bahnhofs Sendlinger Tor: Umbau immer noch nicht abgeschlossen, aber die Wege sind seit einiger Zeit fix – ich habe mir einen eigenen unabhängig von Ausschilderung gesucht und gemerkt.

Frühstück kurz vor zwei: Selbstgebackenes Brot (vier Tage nach Backen dann schon ein wenig trocken, aber nur wenig) mit Butter und Gurke / Frischkäse und Johannisbeermarmelade, Nektarinen.

Kurz darauf begann es wieder zu regnen, diesmal heftig. Aber mein Plan für den Nachmittag war ohnehin Bügeln gewesen. Dazu hörte ich Podcast: Eine Sonderfolge Hopeful News, Nora Markard und Ronen Steinke über ihr Jura-Fanbuch Jura not alone – der Buchtitel ist zwar groan, aber das Gespräch war lehrreich.

Während der anderthalb Stunden Bügeln hörte ich aber auch immer wieder lautes Regenrauschen. Danach überkam mich schlagartig brutaler Süß-Gieper – trotz großer Süßigkeiten-Affinität abends ungewöhnlich, ich vermutete Blutzucker-Sturz: Ran an die Tüte Lach-Gummis (dass sie im Gegensatz zu Wein-Gummis so heißen, kapierte ich erst vergangenes Jahr). Schmeckten richtig gut. UND ich hörte auf, bevor die Tüte leer war.

Abendessen durfte gestern zum Teil ich machen: Herr Kaltmamsell hatte sich ligurische Focaccia gewünscht, die mache immer ich. Während Teigruhe eine Runde Yoga-Gymnastik – die jüngste nochmal, aber ohne ständiges Hängenbleiben des Films. Und Herr Kaltmamsell machte Zucchini (aus Ernteanteil) mit Ricotta und Haselnüssen. Nachtisch Schokolade.

Parallel kämpfte ich über die vergangenen Tage immer noch mit dem Dienstleister für Handyzahlungen, der behauptete, die zu mir gespeicherten Daten (Name, Geburtsdatum, Handynummer) stimmten nicht mit meinen Angaben überein. Die Daten also, mit denen ich seit zwei Jahren per Handy zahle. Ich bin sehr beunruhigt und antwortete das auch, doch werde ich wohl nicht an meine eben erst übertragenen 100 Euro rankommen, wenn ich nicht den Anweisungen folge: Ausweisfoto hinschicken, nochmal alle Angaben. Ich hoffte, nicht den Fehler meines Lebens zu begehen: Wollte ich die Identität von jemandem stehlen, würde ich genau so vorgehen wie dieser Dienstleister. (Außerdem will ich eigentlich von fremden Erwachsenen nicht geduzt werden, sicher nicht bei Geldgeschäften.)

Im Bett Colm Tóibín, Brooklyn ausgelesen – deutlich früher als erwartet: Mal wieder wurde ich völlig unerwartet aus einem Buch geworfen, weil die letzten 30 Seiten bereits die Leseprobe für einen anderen Roman waren. Doppelt übel nahm ich es diesem, weil das Ende gar keines war, sondern die Handlung fast mit einem cliff hanger abbrach wie in einer Fernsehserie (ist ja auch der erste von zwei Bänden, ich war allerdings nicht darauf gefasst, dass das formal so deutlich sein würde).

§

Weil ich’s gestern zufällig sah und es auf genau vor 55 Jahren datiert ist, 18. August 1969: Ein Kinderfoto von mir.

Zweijähriges Kind in roter Badehose sitzt im Schatten an einer Hauswand

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 17. August 2024 – Regenwanderung am Chiemsee, aber fast ohne Regen

Sonntag, 18. August 2024 um 8:12

Das lange Wochenende zerrinnt mir in den Fingern, und ich fürchte mich schon vor dem Arbeitsmontag, ab dem ich mich im Gegensatz zu den vergangenen Wochen nicht mehr auf das lange Mariä-Einschulungs-Wochenende freuen kann. Auf den Wanderurlaub zur Oktoberfestflucht gelingt es mir nicht recht mich zu freuen, im Vordergrund steht das Gruseln vor der zweitägigen Anreise per Zug (mit Umsteigen in Paris) und Fähre ab Barcelona mit Übernachtung in Barcelona.1

Auf gestern hatte ich gut geschlafen, mich von Wecker wecken lassen, denn vor der geplanten Wanderung wollte ich fürs Abendessen noch Auberginen im Ofen garen und dann bei niedrigerer Temperatur Kirschtomatenhäften angaren. Was ich auch tat. Das Draußen wie angekündigt kühl und düster, in meinen Balkonkaffee regnete es kräftig rein. Was das Wetter unterm Strich zu gutem Wanderwetter machte: Mit Herrn Kaltmamsell wollte ich mal wieder am Chiemsee den Obst- und Kulturwanderweg Ratzinger Höhe gehen.

Am Chiemsee war für gestern hin und wieder Regen angekündigt, bevorzuge ich bei Wandertouren im August statt Hitze. Ein wenig fürchtete ich mich vor “Gewitter möglich”, doch wir wanderten ja nicht in den Bergen, sondern eigentlich immer in Reichweite von Schutz. Kurz vor zehn nahmen wir ab München Hauptbahnhof (Überschrift im Lokalen der gestrigen Süddeutschen zu den Folgen der Baustelle – €: “Wo, bitte, ist hier eigentlich der Hauptbahnhof?”) eine Regionalbahn Richtung Salzburg, wie gewohnt dicht gefüllt.

Gleich nach Ankunft in Prien bekam ich in der Bäckerei Miedl gegenüber meinen Mittagscappuccino, Herr Kaltmamsell ein Frühstück, wir beide einen letzten Klogang vor Wanderstart. Die dunkelgrauen Regenwolken sonderten bereits ein paar Tropfen ab, nach der ersten halben Stunde Gehen holten wir gegen den deutlicheren Regen unsere Superduper-Wanderjacken heraus. Doch diese Viertelstunde Regen sollte auf unserer Wanderung die einzige Nässe von oben bleiben (von unten nasses Gras und regelmäßig Matsch), statt dessen schwitzten wir in schwüler Luft enorm, und ich war sehr froh über die Ach-egal-schadet-ja-nicht Sonnencremung. Auch weil diese Route viele Wegstücke ohne Sonnenschutz hat, sie ist wirklich keine Hitzestrecke.

Wir hatten den Weg fast für uns allein, begegneten nur hin und wieder Radler*innen, Ansässigen beim Spazieren. Was möglicherweise einen Grund hatte außer Wetter und Samstag: Der Weg wirkt derzeit ungepflegt. An einigen Abzweigungen fehlten die Hinweisschilder (ich kenne die Route von zahlreichen Wanderungen darauf inzwischen auswending, Sie als Leser*innen dieses Blogs anhand der Fotos vermutlich auch, und Herr Kaltmamsell guckte im Zweifel auf den GPS-Track), zweimal mussten wir gestürzte Bäume über-/unterklettern.

Alte Kirche mit spitzem Turm hinter befahrener Straßenkreuzung und vor düsterem Himmel

Aufbruch in Prien bei Regen.

Asphaltierter, nasser Weg rechts von einer Kuhweide mit Kühen, ganz lins ein Wegkreuz

Steiniger, breiter Gebirgsbach zwischen Bäumen

Neben reichlich Kühen gab es zu sehen: Rehe, in der Prien eine Forelle, am Himmel ein Falke, Krähen, Schwalben, Bussarde, auf den Wiesen viele Katzen, in den Dörfern Spatzen, Rotschwänze, Schafe.

Seitlicher Blick auf Weinreben an einem Hang, im Vordergrund ein hözerner Steg und eine gemauerte Kreuzweg-Station

Weinberg hinter Prien

Wanderweg durch Nadelwald

Blick einen niedrigen Hügelkamm entlang, auf den kleinere Obstbäume stehen, auf ein Dorf mit spitzem Kirchturm

Greimharting und seine Birnbäume. In der schwülen Luft hatte ich nach nicht mal einer Stunde die erste Wasserflasche leer getrunken; ich folgte einem kürzlichen Tipp und füllte sie im Greimhartinger Friedhof auf -> wo Friedhof, da Wasserhahn.

Alter schwarzer Grabstein mit zahlreichen Namen in goldener Frakturschrift, darunter „Hier ruht im Herrn und erwartet den Tag seliger Auferstehung eine Priestermutter Frau Therese Rupp“, und „Margarete Rupp Unterhambergerbäuerin“

Außerdem guckte ich mich unter den Gräbern um, Friedhöfe finde ich immer spannend. Und plädiere bei dieser Gelegenheit wieder dafür: Schreiben Sie auf die Grabsteine Ihrer Hinterbliebenen doch bitte so viele Informationen, wie der Geldbeutel hergibt, Historiker*innen werden Ihnen lang dankbar sein. Anlässlich der Bestattung ihrer Mutter erzählt Gaga Nielsen ihre eigenen Überlegungen dazu.

Morastiger, fast nicht zu erkennender Pfad zwischen Büschen und Bäumen, blockiert durch große Äste

Unwegsamer Weg

Obstweg heißt aber weiterhin: Ganz, ganz viele beschilderte Obstbäume am Weg. Und welche Pracht das war! Apfel-, Birn- und Zwetschenbäume hingen berstend voll Früchten. Diese Gegend scheint dieses Jahr zu den Witterungsgewinnern zu gehören, denn vor wenigen Tagen hieß es: “Die Obstbaubetriebe erwarten eine weit unterdurchschnittliche Menge.”

Erhöhter Blick über Wiesen hinaus auf dem Chiemsee, rechts im Vordergrund ein fest installiertes Fernglas

Hier die Aussicht von der Ratzinger Höhe auf den Chiemsee – nach unten war die Sicht sogar besonders gut.

Blick hinunter auf leicht hügelige Landschaft mit Wiesen und wenig Wald, kurz vorm Horizont ein See, links im Vordergrund abgewendet ein Wanderer mit roter Kappe

Blick über eine Straßenkehre hinaus auf tiefer liegende hügelige Landschaft mi See, links entfernt ein Dorf mit eckigem, burgartigen Turm

Und hier auf den Simssee. Links sehen sie einen Wehrkirchenturm, er ist weithin sichtbar und fiel mir immer in den Ausblicken auf. Irgendwann recherchierten wir ihn: Das ist die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Hirnsberg. Diesmal dachte Herr Kaltmamsell rechtzeitig daran, dass wir uns die ansehen wollten, auch wenn nur eine Straße hinführt.

Der Haken: Diese Straße war gestern durch eine riesige Baustelle unten im Tal komplett gesperrt, nicht umgehbar. Wir suchten auf allen verfügbaren Karten eine Weile nach einem alternativen Weg, gaben dann aber auf. Das nächste Mal halt.

Rechts Wanderbank mit Blick auf Wiese, dahinter ein Apfelbaum mit roten Früchten, ganz weit im Hintergrund ein Dorf mit eckigem Turm

Nach knapp zweieinhalb Stunden machten wir Brotzeitpause (Apfel und Rest des Picknick Pies von Donnerstagabend) – mit Blick auf die unerreichbare Kirche. Schöne restliche Wanderung, lediglich mit einem Tick zu viel Sonne.

Roter Apel an einem Baum, der ein großes Loch hat, in dem eine Hornisse sitzt

Aber weiterhin mit viel Obst (und hier Hornisse).

In Prien kamen wir gerade rechtzeitig zu einem Zug zurück an den Bahnhof. Das waren laut meinem Smartphone knapp 17 Kilometer in viereinhalb Stunden. Wir fühlten uns beide fit, keine Schäden oder besondere Schmerzen (halt wieder Wanderkrätze, aber mei).

Bei Ankunft in München erleichterte mich die nicht zu warme Außentemperatur: Mit Blick auf den angekündigten Regentag hatten wir die Wohnung nicht durch Verdunkelung gegen Sonne geschützt. Zum Glück hatte sie sich nicht aufgeheizt.

Unter der Sonnencreme-Mückenspray-Schweiß-Schicht freute ich mich sehr auf eine Dusche, doch erstmal bereitete ich die Streusel für Apple Crumble vor, diesmal mit gemahlenen Mandeln und mit Mohn: Wir hatten von Nachbarn nahezu geschmacksneutrale Äpfel aus eigenem Anbau bekommen. Dann aber Dusche!

Das Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell zu Ende: Pasta (Paccheri) mit Auberginen, Tomaten und Mozzarella nach einem Rezept aus Rachel Roddys An A-Z of Pasta.

Blick in große schwarze Pfanne, darin große Nudeln, kleine Tomatenhälften, Basilikumblätter, Mozzarellafetzen

Interessantes Nudelformat (jedes Exemplar ein ganzer Mund voll), guter Geschmack – aber die Aubergine geht neben den Tomaten fast unter. Nachtisch Crumble: Die Kombi Mandel-Mohn schmeckte mir sehr gut.

Früh ins Bett zum Lesen.

  1. Hier, bitte: Das ist dieses ständig geforderte Verlassen meiner Komfortzone, wehe ich komme nicht als besserer Mensch zurück. []
die Kaltmamsell

Journal Freitag, 16. August 2024 – Spanische Hitze, spanischischer Abend an St. Brück

Samstag, 17. August 2024 um 8:36

Aufgewacht in einen weiteren Sommermorgen, perfekte Balkontemperatur – und ich musste nicht in die Arbeit! Noch vor sieben raffte ich mich endlich auf, den Balkon zu saugen: Die Gewitterböen der vergangenen Wochen hatten so viele Pflanzenpartikel darauf geworfen, dass der gemütliche Draußenteppich fast nicht mehr zu sehen war und ich ständig Dreck in die Wohnung brachte. Entschuldigung, Nachbarschaft, für den Lärm.

Balkon, auf einem Tisch Cappuccino und Wasserglas, Blick über die Brüstung in Park und blauen Himmel mit wenigen weißen Wölkchen

Oder vielleicht nicht: Als ich dann mit Morgenkaffee auf dem Balkon saß und bloggte, lärmte ein Laubbläser in beeindruckendem Maß. Ich hatte keine Lust nachzusehen, was es an einem 16. August laubzublasen gab (miniermottierte Kastanienblätter? verächtlich abgeworfene Pappelblätter, wie ich sie auf meinem Isarlauf am Donnerstag bereits modern roch?), und dann lärmte auch schon eine Straßenkehrmaschine.

Immer mehr Symptome weisen darauf hin, dass ich eine neue Brille brauche (absurde Kopfstellungen, um an einer Stelle durch die jetzige Brille sehen zu können, die scharf stellt / vermehrtes Abnehmen der Brille, um besser zu sehen). Nachdem sich meine Fehlsichtigkeit über Jahrzehnte kaum änderte und ich immer erst eine neue Brille brauchte, wenn eine kaputt ging, scheine ich jetzt bereits drei Jahre nach der Investition von einem halben Monatsgehalt in meine erste Gleitsichtbrille im April 2021 wechseln zu müssen. Tiefer Seufzer, Altwerden ist teuer.

Mittelfrüher Aufbruch zum Schwimmen im Dantebad. Der Himmel war gestern sehr unstet, mal bewölkt, mal mit schwarzen Gewitterwolken drohend, dann wieder schien die Sonne – diese heizte umgehend brüllheiß. Im Schwimmbecken mittelviel Verkehr, darunte allerdings immer wieder unfreundliche Geräteschwimmer, die ein ruhiges Spazierenkraulen verhinderten.

Am Ende meiner diesmal 3.100 Meter war es eher sonnig, ich legte mich ein Stündchen auf die noch fast leere Liegewiese, döste und hörte Musik. Um halb zwei packte ich zusammen, ich hatte noch Pläne. Zum Beispiel kaufte ich meinen derzeitigen Lieblings-Espresso von DelMocca in der Clemensstraße; da auf dem Weg dorthin die Sonne schien, tropfte ich bei meiner Bestellung am Tresen Schweiß. Ich musste einige Minuten aufs Mahlen der Bohnen und Versiegeln der Packung warten, Herr DelMocca reichte freundlicherweise ein Glas Wasser an.

Daheim frühstückte ich um halb zwei eine Scheibe selbstgebackenes Brot (auch am zweiten Tag noch gut) mit Frischkäse und Marmelade, außerdem Nektarinen mit Joghurt. Frischgemacht ging ich auf eine Einkaufsrunde, in der Hitze schön langsam: Apotheke, Lebensmittel beim Vollcorner.

Zurück daheim las ich Zeitung.

Ich war davon ausgegangen, dass ich mich nie wieder mit Handtaschen beschäftigen muss (also: Echten Handtaschen für Ausgehen mit Kapazität für Geldbörse, Handy, Hausschlüssel, evtl. Fächer – für die Arbeit und zum Einkaufen bevorzuge ich Rucksäcke). Doch von meinen wenigen, ausgesuchten verabschieden sich gerade zwei gründlich und irreparabel mit Materialauflösung – /o\

Bei ersten Recherchen fand ich zu meinem Schrecken heraus, dass es Bree nicht mehr gibt. Vor 25 Jahren machte ich zwei Jahre lang PR für die Firma, lernte deren Produkte sehr zu schätzen und wollte einfach blind wieder dort kaufen. (Allerdings las ich gleich darauf, dass diese geschätzte Produktqualität in den vergangenen Jahren seit Ausstieg der Gründerfamilie verschwunden sei.)

Die Nifften meldeten per WhatsApp wohlbehaltenes Eintreffen bei den tíos (eigentlich Großonkel und -tante) in bei Madrid. Herr Kaltmamsell und ich hatten zufällig am selben gestrigen Abend endlich mal einen Tisch im Centro Español reserviert, hervorgegangen aus dem Münchner Vereinstreff spanischer Gastarbeiter (gab’s auch in meinem heimatlichen Ingolstadt, viele Erinnerungen, wurde auch dort einige Zeit als Restaurant weitergeführt – wilde Geschichten, die ich aber nur von Angesicht zu Angesicht erzähle). Der Besuch dauerte bis 25 Jahre nach unserem Zuzug nach München, weil die angebotenen Speise für mich nicht allzu attraktiv waren (spanische Küche ist halt echt schlicht, und spannende Innereien oder Eintöpfe mutet man dort den Münchner*innen lieber nicht zu), außerdem wusste ich aus Erfahrungsberichten, dass man eher laut und gesellig sitzt -> nicht meine favorisierte Art des Auswärtsessens.

Wir gingen eine gute halbe Stunde zu Fuß hin, mussten einen Umweg nehmen, weil die Eisenbahnbrücke an der Lindwurmstraße neu gebaut wird und die Unterführung derzeit komplett gesperrt ist. Wir spazierten den Bavariaring um die Theresienwiese und weiter die Bavariastraße, machten dabei Bekanntschaft mit einem hübschen Teil Sendlings.

Blick von der Straße auf ein Lokal im Erdgeschoß eines dreistöckigen Altbaus, Schanigarten, darüber rote Markise herabgelassen

Im Centro Español (ja, durchaus Aufhorchen beim spanischsprachigen Personal, als ich meinen sehr kastilischen Namen zur Reservierung nannte) teilten wir uns einen Außentisch im Schanigarten (liebevoll unter anderem mit Rebstöcken begrünt) mit nur zwei weiteren Personen, die zudem bald gingen, es blieb also gemütlich.

Die Speisekarte bot, was Deutsche von einem spanischen Lokal erwarten: Die allerklassischsten Touristen-Vorspeisen (nicht mal Tortilla oder Ensaladilla rusa). Einziger und sehr überraschender Ausreißer: Flamenquín. Die hatte ich auf der Abiturreise 1986 in Andalusien kennengelernt als mit Käse gefüllte Schinkenröllchen, paniert und gebraten. Seither nie wieder angetroffen.

Restauranttisch ohne Tischdecke mit den unten aufgeführten Speisen und Getränken

Das musste ich probieren, oben rechts aufgeschnitten mit Beilagen. Stellte sich als hauchdünne Scheibe Schweinefleisch heraus, aufgerollt und gefüllt mit gehacktem Schinken sowie Käse, paniert und gebraten, durchaus schmackhaft. Außerdem gab es eine große Schüssel gebratene Chorizo-Scheiben, frittierte Sardellen und für den Kroketten-Liebhaber am Tisch Kroketten (er bestätigte, dass auch diese authentisch aus dicker, aromatisierter Bechamel in Panade bestanden). Alles in Ordnung. Mich amüsierte, dass man ausgerechnet in einem Restaurant der spanischen Küche, in der zu absolut allem Brot gegessen wird, das Brot extra bestellt und zahlt. Dazu tranken wir beide ein Glas kräftigen Albariño. Großes Lob: Das bestellte Wasser ohne Kohlensäure wurde uns gleich als Literkaraffe Leitungswasser angeboten.

Hölzerner Restauranttisch mit den unten aufgeführten Speisen und Getränken

Nachtisch gab’s auch noch: Flan, reich dekoriert (meiner ist mir lieber, hier aber bekam ich gleichzeitig den eigentlich klassischen spanischen Nachtisch Obst), und einen milden und aromatischen galicischen Tresterbrand Orujo. Hiermit ist dieser Posten auf meiner München-Essengehen-Liste abgehakt.

Auch nach Hause gingen wir zu Fuß durch die eher unangenehm warme Nacht. Unangenehm warm war es beim Zu-Bett-Gehen sogar in meinem Schlafzimmer, mein alter Thermometer-Wecker zeigte über 25 Grad an. Ich freute mich auf den angekündigten nächtlichen Regen und seine Abkühlung.

§

Nein, nicht vom Postillon:
“Antwort auf immer größere Pkw:
Müllwagen werden kleiner”.

die Kaltmamsell